25.2.07

Lehrerarbeitsplatz in der Schule

Nachdem der häusliche Arbeitsplatz für Lehrer steuerlich nicht mehr absetzbar und die Ganztagsschule gewaltig im Vormarsch ist, beginnen erste Überlegungen, wie so ein Arbeitsplatz aussehen könnte. Es läuft auf schräge Arbeitsflächen von ca. 60 cm Breite hinaus. In der Industrie müsste ein Arbeitsplatz für Mischarbeit (Korrekturen und Computer) 200 cm Breite haben. So entnehme ich der Diskussion über solche Arbeitsplätze.
Das Kultusministerium in Hessen hat sich das Problem einfach gemacht: Es teilt per Erlass vom 11. Januar 2007 mit:
“Im Allgemeinen finden die Vor- und Nachbereitung des Unterrichts sowie die Korrektur der schriftlichen Arbeiten im häuslichen Bereich statt. Dabei ist es jedem unbenommen, wo er diese Arbeiten erledigt. Die Arbeit selbst erfordert nicht zwingend ein eigenes Arbeitszimmer“.
Also braucht der Lehrer in der Schule sowieso nicht zu arbeiten und zu Hause - Gleichberechtigung - reichen Küche und Kinderzimmer. Auch das wird diskutiert. Da gibt es sogar Landtagsabgeordnete, die diese Argumentation nicht überzeugend finden.

22.2.07

Nochmal HKM und Lektüreempfehlung

Inzwischen bringt das Softwareprogramm des HKM es fertig, aus derselben Schülerdatei vier sich widersprechende Versionen zu kreieren.
Fort von der Gegenwart zu Cohn-Bendits Freizeitlektüre über den SS-Mann, der das Töten lieben lernt und gleichzeitig glaubt, sich vom Nationalsozialismus innerlich zu entfernen.

21.2.07

Neues aus dem Kultusministerium (3)

Nach Frau Wolff brauchen Schulleiter mehr „Managerqualitäten“ für „Stellenausschreibungen und Personalauswahl, Fortbildungs-Planung für das Kollegium, Budgetverantwortung“. „Für die Kultusministerin bedeutet dies keineswegs mehr Verwaltung und mehr Bürokratie: Hier geht es vielmehr um wichtige pädagogische Entscheidungen“. Man lernt daraus: Nach Frau Wolff braucht man für pädagogische Entscheidungen neuerdings mehr Managerqualitäten.
Warum man in Finnland mehr Psychologen an die Schule holt und damit seine PISA-Ergebnisse verbessert, wird solchem Denken unverständlich bleiben.
Richtig ist freilich: Nicht Personal- und Fortbildungsplanung, sondern die ständigen Datenabfragungen von Kultusministerium und Schulämtern, zumal wenn sie über unzuverlässige Computerprogramme abgewickelt werden sollen, rauben den Schulleitungen die Zeit, die sie für ihre pädagogische Arbeit brauchten.

16.2.07

Neues aus dem Kultusministerium (HKM) 2

Nachdem die Einführung der neuen Lehrer- und Schüler- Datenbank (LUSD) wie berichtet zu - gelinde gesagt - zahllosen Unregelmäßigkeiten und ungezählten Mehrarbeitsstunden der hessischen Lehrer geführt hat, lässt das hessische Kultusministerium jetzt verkünden "dass das Umstellen reibungslos organisiert werden soll". Daran werde mit Hochdruck gearbeitet. Dabei hat man "das Umstellen" schon längst mit brutalst möglichen Reibungsverlusten durchgeführt. Hätte man wenigstens ein halbes Jahr gewartet, wäre das, was - im Nachhinein - unmöglich ist, ohne größere Schwierigkeiten realisiert werden können.
Weiter wird mitgeteilt, dass die "Probleme inzwischen weitgehend behoben" seien. Das heißt: Es hat immer noch keinen Sinn, die Abiturzulassung, die an sich schon in der vergangenen Woche hätte erfolgen sollen, zu versuchen, da die Software immer noch nicht funktioniert.
Am Schluss teilt Staatssekretär Jakobi mit, "Ärger könne er gut nachvollziehen".

Wie lässt sich das damit verbinden, dass das HKM versucht hat, die Pannen auf Bedienungsfehler in den einzelnen Schulen zurückzuführen?

15.2.07

Media Used for Preparing Teaching

US-teachers use the internet most (57%) for preparation of lessons. National TV (31%), newspapers (28%) and local TV (13%) are used much less.

Neues aus dem Kultusministerium

Es sei eine Milchmädchenrechnung, zu vermuten, durch die Dienstverpflichtung der Schulleiter entstehe ein finanzieller Aufwand, lässt die Ministerin verlauten "Personalkosten fielen bei einer Dienstversammlung mit Beamtinnen und Beamten nicht an". Hat sie Ihre Forderung nach Unterrichtsgarantie plus schon ganz vergessen?
Dass die Zeit, die hochbezahlte Beamte dem Schulbetrieb entzogen werden, sie nicht interessiert, hat sie freilich schon früher gezeigt. (sieh Hessens LUSD!)

Dienstverpflichtung

Hessens Kultusministerin, die den größten Computerskandal der Schulgeschichte des Landes zu verantworten hat, dienstverpflichtet jetzt 2000 Schulleiter zu einem Kongress, bei dem angeblich über die Eigenverantwortung der Schulen gesprochen werden soll. Zur Verstärkung hat sie sich sicherheitshalber ihren Ministerpräsidenten geholt, der in uneigentlicher Redeweise brutaltsmögliche Erfahrung hat.
Wie man hört, sollen wegen des Computerskandals alle Schulleiter der Frankfurter Gymnasien als Prüfungsausschussvorsitzende zurückgetreten sein (ein Gerücht, das ich noch nicht überprüfen konnte).
Ob die Schulleiter sich jetzt auf dem ihnen vorgeschriebenen Kongress orientalische Unterwerfungsgesten vorschreiben lassen?

Zu Recht verweist die Kultusministerin in einer Presseinformation darauf hin, der „Kongress habe eine lange Vorgeschichte“ (doch spielt sie wohl nicht bewusst auf die orientalische Praxis an, wenn sie weiter verlauten lässt, Erfahrungen aus dem Ausland sollten verwertet und „den Schulleiterinnen und Schulleitern Handlungsperspektiven aufgezeigt werden“).
Eine der Veranstaltungen steht unter dem vielversprechenden Titel "Die neue Rolle der Schulleitung: Nationale und internationale Erfahrungen", und die Kultusministerin fragt in ihrem Beitrag: "Wie geht es weiter?" Darauf darf man in der Tat gespannt sein.
Im Hessischen Landtag fand man die etwa 400 000 Euro, die für diese Veranstaltung aufgewendet werden sollen, nicht sonderlich gut angelegt.

12.2.07

Hessens LUSD Chaos pur

Man musste schon zu den Eingeweihten im hessischen Schulbetrieb gehören, um zu wissen, wie viel Ärger das den Schulen verordnete Schulverwaltungsprogramm LUSD den Schulleitungen bereitete.
Die neue LUSD macht es endlich öffentlich: Schulzeugnisse können nicht gedruckt werden, weil Hessens Zentralrechner die Fächer der Schüler vertauscht, weil er bei Fehlstundenstundenangaben plötzlich negative Zahlen produziert (waren die Schüler doppelt in der Schule?), weil Schülerkurse verdoppelt werden usw..
Doch um das zu steigern fordert Hessens Kultusministerin gleich nach diesem Chaos, die Schulen sollten mit demselben unfertigen Programm am Zentralcomputer auch die Zulassung zum Abitur prüfen lassen. Eingabezeiten für einen Satz Daten, die früher bei wenigen Sekunden lagen, schwanken jetzt zwischen fünf und zwanzig Minuten. Schüler, die alle Bedingungen für die Zulassung erfüllt haben, werden vom Computer nicht zugelassen. Ein Kurs, der von einer Schülerin mit 14 Punkten absolviert wurde, wird vom Computer unterdrückt, die Schülerin daher nicht zugelassen. Studienleiter laufen mit Eieruhr durch die Schule, weil sie nur alle sieben Minuten eine neue Eingabe in den Computer vornehmen können.
Die Kultusministerin lässt ihre Sprecher dazu verlauten, die Studienleiter hätten die notwendigen Schulungen nicht besucht und deshalb den Computer falsch bedient.

8.2.07

Lehrerbeurteilung 2

"An die Sache damals mit dem Tipi können sich viele erinnern: "Indianer" hieß das Unterrichtsthema, und Petra Sperfeld bastelte ein Zelt und Kostüme, für jeden Schüler eines." So berichtet Martin Spiewak. Im Zuge der als Reaktion auf PISA begonnenen Reformen wurde die Schulbehörde aufgrund von Vergleichsarbeiten auf sie aufmerksam. Nach einem Schulratbesuch wurde sie dann als "Minderleisterin" eingestuft. Sie machte eine Therapie und nahm Antidepressiva, um es weiter in der Schule auszuhalten. Dann entzog man ihr ihre Klasse, löste sie auf. Drei Wochen später war sie tot. Sie ist eines natürlichen Todes gestorben.
Ich hoffe sehr, dass man den Programmierern, die das neue Notenprogramm für das Hessische Kulturministerium erstellten, nicht nachsagt, sie seien "Minderleister". Was hier schief gelaufen ist, ist nicht auf Programmierfehler zurückzuführen, die sind normale menschliche Fehlbarkeit, sondern auf künstlich erzeugten Zeitdruck, der extrem kontraproduktiv wurde. Das ist ein schwerer Fehler der Schulpolitik.
Nur im Kabarett würde man jetzt fortfahren: Das war doch kein Fehler, sondern politischer Normalzustand.

6.2.07

Lehrerausbildung

"'Nutzen Sie das erste Halbjahr, nur da findet wirklich Ausbildung statt' sind Worte, die mich ehrlich gesagt am didaktischen Sinn der Sache hier zweifeln lassen. Gerüchte der Vorreferendare besagen sogar, dass man im Land plant, die Prüfungen vorzuziehen, um die dann de facto fertigen Lehrer zum günstigen Referendariatstarif als Vollzeitkräfte einzusetzen. Ich hoffe, dass das nur ein Gerücht bleibt." Dies lese ich bei Hokey.
In Hessen gibt es jetzt 20 Module, in denen die Ausbildung stattfinden soll. Einen "Lehrer im Vorbereitungsdienst", der so etwas anfangen würde, würde man fragen: Wo bleibt denn das didaktische Zentrum? Die Kultusministerien haben damit kein Problem. In Google finden sich sogar über 140 OOO didaktische Zentren. Da sage nur einer, es gäbe keins.

3.2.07

Raubtierkapitalismus

Nur weil Helmut Schmidt jetzt auch davon spricht, hält mein Namensvetter es für möglich, dass er altersweise geworden ist. Wenn er sich da mal nicht täuscht.

2.2.07

Readers Edition

Ein bisschen bunt durcheinander, aber durchaus anregend, dieser Blog, in dem - mehr oder minder - jeder mitschreiben kann.