22.12.09

Wikipedia und Chaos Computer Club im Gespräch

Wenn man wie ich die Löschdiskussionen und die Blogkommentare, die im Zusammenhang mit den Löschanträgen für die Wikipedia-Artikel MOGiS und Fefes Blog entstanden sind, gelesen hat und vom Ergebnis einer ersten Diskussion zwischen CCClern und Wikipedianern gehört hatte, dann hielt man es kaum für möglich, dass bald darauf ein so fruchtbares Gespräch zwischen diesen Gruppen zustande kommen könnte wie das, über das Juliana da Costa José im Wikipedia:Kurier vom 16.11.2009 unter dem Titel Der große Graben berichtet. Mein Kompliment an alle Teilnehmer und besonders an die Berichterstatterin Juliana.

21.12.09

Unterschiede des Leseeverständnisses bei gedruckten und bei Internettexten

Das Leseeverständnis von Internettexten scheint mehr Kompetenzen zu erfordern als das von gedruckten.
The authors suggest that reading Internet text prompts a process of self-directed text construction that may explain the additional complexities of online reading comprehension.

J. Coiro u. E. Dobler in: Reading Research Quarterly Vol. 42, No. 2, April/May/June 2007

19.12.09

Deines Geistes hab ich einen Hauch verspürt

Der Text wird von Uhland, Sophokles, Schiller (Bürgschaft), Böll, der RAF und den Braunmühlbrüdern handeln.

Was führt König Heinrich II. von England dazu, dass er nach diesen Anfangsworten

"Kamst du, der mit Schwert und Liedern
Aufruhr trug von Ort zu Ort,
Der die Kinder aufgewiegelt
Gegen ihres Vaters Wort?

Steht vor mir, der sich gerühmet
In vermeßner Prahlerei:
Daß ihm nie mehr als die Hälfte
Seines Geistes nötig sei?
Nun der halbe dich nicht rettet,
Ruf den ganzen doch herbei,
Daß er neu dein Schloß dir baue,
Deine Ketten brech entzwei!"

so schließt:

"Meinen Sohn hast du verführt,
Hast der Tochter Herz verzaubert,
Hast auch meines nun gerührt.
Nimm die Hand, du Freund des Toten!
Die, verzeihend, ihm gebührt.
Weg die Fesseln! Deines Geistes
Hab ich einen Hauch verspürt."

Bertran de Born schildert zunächst nur noch einmal, wie er den Aufruhr gegen den König geschürt hat. Wahrlich kein Grund, ihm zu verzeihen. (Dante verbannt Bertran deshalb in seiner Göttlichen Komödie sogar ins Inferno.) Doch dann berichtet Bertrand über den Sohn des Königs:
"Nicht der scharfe, kalte Stahl -
Daß er sterb in deinem Fluche,
Das war seines Sterbens Qual.
Strecken wollt er dir die Rechte
Über Meer, Gebirg und Tal,
Als er deine nicht erreichet,
Drückt er meine noch einmal."

Der König ist betroffen darüber, dass der Konflikt noch über den Tod hinaus andauert, und will im Nachhinein die Hand zur Versöhnung reichen.
Der Konflikt mit seinem Sohne war einer um Macht. Doch fühlt er sich demselben Wertekanon zugehörig. In der Antigone des Sophokles wird dieser gemeinsame Kanon durch das göttliche Gebot, Tote zu begraben, angedeutet, ein Gebot, dem sich Kreon widersetzt, was zum Untergang seiner Familie führt.
In Schillers Bürgschaft zeigt sich der gemeinsame Kanon zwischen Tyrann und Verschwörern darin, dass der König dem Attentäter noch die Möglichkeit gibt, seine Schwester zu verheiraten. Und der Opfermut der Freundschaft bringt ihn dann dazu, sogar mit den Attentätern Freundschaft schließen zu wollen, mit den berühmten Schlussworten: "Ich sei, gewährt mit die Bitte, in eurem Bunde der dritte!"

Heinrich Böll wollte mit seiner Aufforderung, der Roten Armee Fraktion "freies Geleit" anzubieten, deren Angehörigen die Möglichkeit geben, von ihren Verirrungen zurückzufinden. Das war damals von seiten des Staates offensichtlich nicht möglich. Vielmehr war Böll daraufhin vielen häßlichen Angriffen als Terroristenfreund ausgesetzt.
Nach der Ermordung Gerolds von Braunmühl durch die RAF haben seine Brüder das getan, was dem Staat offenbar nicht möglich war. Sie haben den Dialog mit den Mördern ihres Bruders gesucht, um den Zwang, alle Bluttaten vor sich selbst rechtfertigen zu müssen, zu überwinden und die Täter wieder an einen gemeinsamen Konsens heranzuführen. Erst zwölf Jahre später gab die RAF ihren Kampf auf, aber nicht ihre Ideologie.

Schiller und Uhland beschreiben zurückversetzt in Antike und Mittelalter eine Utopie, die sie sich in ihrer Zeit bei den Auseinandersetzungen im Zuge der bürgerlichen Revolutionen erhofften. Doch zwischen den Ständen gab es diese Brücke nicht. Was zwischen Standesgenossen verschiedener Nationen im Mittelalter noch möglich war, ist in Zeiten ideologischer Auseinandersetzungen meist nicht möglich, auch wenn das Instrument der Begnadigung, das im Absolutismus entstand, im Einzelfall doch in diesem Sinne wirksam sein mag.
In Südafrika ist nach der Apartheid in den Wahrheits- und Versöhnungskommissionen aber in erstaunlichem Umfang so etwas wie Versöhnung zustande gekommen. Dagegen stehen dem Weg von Matthias Platzeck, in Brandenburg 20 Jahre nach dem Mauerfall einen ähnlichen Weg zu gehen, erhebliche Hindernisse gegenüber.

Zu Schiller:
Gefragt, welches Werk sie zum Einstieg in Schillers Werke (oder überhaupt) zum Lesen empfehlen würden: antworteten: Diekmann: Der Geisterseher, Felicitas Hoppe: Der Handschuh, Frau Lewitscharoff: Don Carlos.
Minirätsel: Welches Gedicht und welches Drama empfahl Safranski?
(dies und dies)

15.12.09

Seniorenarbeit an Computer und im Internet

"Gestern war Weihnachten...[...] wir bekommen Geld zur Softwarebeschaffung [...]
Ich freu mich riesig, da die Kurse nun mit aktueller Software im Jannuar anlaufen können", so berichtet ein Helfer.
Ich freue mich mit ihm, auch wenn ich bedaure, dass in meiner Heimat noch nicht alles so rund läuft. Vorbild ist mir so manches, was in NRW läuft.

10.12.09

Stimme im Internet

Wir haben wikiwiki für schnell gelernt, wir sollten auch avaaz für Stimme lernen.
Denn Avaaz ist eine internationale Organisation, die sich zur Aufgabe gestellt hat, Menschen international zu vernetzen, um Aktionen zu organisieren.
Avaaz heißt in mehreren Sprachen, z.B. Urdu, Farsi und Hindi, Stimme, und die Organisation will den Interessen der Weltbevölkerung eine Stimme verleihen.
Gegenwärtig organisiert die Organisation eine Fülle von Mahnwachen zum Klimagipfel weltweit am 12.12.09, um den in Kopenhagen versammelten Regierungsvertretern zu demonstrieren, dass ein weltweites Interesse an einem ehrgeizigen und verbindlichen Abkommen besteht.
Da ich selbst eine solche Mahnwache organisiere, höre ich hier mal auf, damit ich mit der Organisation vorankomme.

Zeigefinger Ursprung der Sprache?

Empfehlung von Habermas: Tomasello: Die Ursprünge der menschlichen Kommunikation.

In der Tat entwickeln gehörlose Kinder in Gemeinschaft rasch eine Gebärdensprache ...
(vgl. Habermas, ZEIT vom 10.12.09, S.45)

Bei Gelegenheit mehr

6.12.09

Freundschaft auf Facebook

Ich habe mich auf Facebook um eine zweite Freundschaft beworben. Bei Henio Zytomirski. Ich scheue mich auch nicht, sein Facebookaccount zu verlinken, obwohl er erst 7 Jahre alt ist. Ihm droht kein Cybermobbing.
Er ist nämlich ein Zeitzeuge für das, was mit ihm und seiner Familie passiert ist, damals in Lublin und dann im KZ Majdanek. Ihm sind viele Facebook-Freunde zu wünschen, denn er hat eine Botschaft, die dadurch, dass man jetzt knapp 70 Jahre nichts mehr von ihm gesehen hat, nicht weniger aktuell geworden ist.
Nachtrag vom 13.11.2012:
Der Link zur Facebookwall von Henio Zytomirski führt mich nicht mehr dorthin. Die virtuelle "Freundschaft" (Verbundenheit) mit ihm ist damit nicht beendet, wohl aber die mit Facebook.

2.12.09

Zeitungssterben - muss das sein?

"Springer wartete 60 Jahre lang darauf, dass die Welt rentabel würde." So heißt es in der ZEIT vom 26.11.09 auf S.25 unter der Überschrift Deutschland, entblättert.
Axel Springer verdiente sein Geld u.a. mit Bild, leistete sich aber den kostspieligen "Luxus" auch mit einer anspruchsvolleren Zeitung Meinung zu machen. Heute steht eine der angesehensten und beliebtesten deutschen Zeitungen, die Süddeutsche Zeitung, die noch vor zwei Jahren 53 Millionen (Vorsteuer-)Gewinn machte, vor der Notwendigkeit, radikal zu sparen, weil ihre Käufer sich mit dem hohen Kredit für den Einkaufspreis von 600 Millionen verspekuliert haben und in zwei Jahren 230 Millionen zurückzuzahlen versuchen.
Die online-Ausgaben der Zeitungen sind weitgehend kostenlos.

Vernichtet das Internet Verdienstmöglichkeiten bei gedruckten Medien?