30.7.12

Das Mädchen am Kanal

Eine Geschichte zum Nachdenken.

Ein Kommentar

Eine Geschichte aus Sicht einer Schülerin

Wie weit geht die Verantwortung von Lehrern?
Was sollen sie sich zumuten?
Was dürfen sie sich zumuten?

Wäre die Schülerin aus der zweiten Geschichte besser dran gewesen, wenn sich ihre Lehrerin gleich anfangs zurückgehalten hätte?

 (Dank an Frau Falke!)

21.7.12

Organspende aus christlicher Sicht

Der folgende Beitrag ist ein Gastbeitrag. Ich persönlich vertrete eine andere Position, die Argumente dieses Beitrags scheinen mir aber so wichtig, dass ich sie hier aufnehmen möchte.

Der Tod des Menschen ist für mich klar definiert:
Der Zeitpunkt, an dem die Seele ihren Körper verlassen hat.
Medizinisch lässt sich dieser Zeitpunkt aber nicht feststellen. Deshalb wählt man einen spezifisch definierten Hirntod als offiziell definierten Todeszeitpunkt, hält aber zum Zwecke der Organtransplantation die übrigen Organe am Leben.
Diesen Zeitraum zwischen Leben und Tod nutzt man dann, um den Körper eines Menschen auszuschlachten, um ihm Organe zur Rettung des Körpers anderer Menschen zu entnehmen.
Nach meiner Auffassung haben aber sowohl die Organspender wie die Organempfänger eine Seele, die nicht stirbt. Das Leben dieser Menschen ist also gar nicht in Gefahr. Es geht also nur um die Gesundheit ihres sterblichen Körpers.
Wenn die Kirchen dennoch die Organspende befürworten und sogar als Akt der Nächstenliebe preisen, müssen die Kirchen wohl davon ausgehen, dass der Mensch keine Seele hat, auf die man Rücksicht nehmen muss, sondern nur aus einem sterblichen Körper besteht, den man durch Organentnahme bei anderen Menschen "retten" muss. Oder sie meinen, die Seele würde präzis zum Eintritt eines spezifisch definierten Hirntodes sterben und durch das Ausschlachten des Körpers gar nicht betroffen.

Ich fürchtete, ich hätte diese mir neue Lehre verschlafen und gehörte nun zu einer altmodischen Minderheit. Laut Statistik in der ZEIT vom 4. April 2012, S.64 sind aber 89% aller Deutschen davon überzeugt, dass der Mensch eine Seele hat.

Erstaunlich scheint mir nun, dass offenbar gerade christliche Theologen in der Mehrheit nicht an eine Seele zu glauben scheinen.
Dennoch dürften sie vielleicht so viel christliche Nächstenliebe aufbringen, dass sie wie Seelenhirten auf die Gläubigen Rücksicht nehmen, die am Glauben an eine Seele festhalten.

Einen Überblick zum Sachzusammenhang liefert die Wikipedia.

Persönliche Anmerkung:
Fontanefan hat sich aus persönlichen, vielleicht nicht sonderlich rationalen Gründen* entschlossen, Organspender zu sein und wird wohl auch dabei bleiben, auch wenn nicht nur die gegenwärtigen Nachrichten aus Göttingen darauf schließen lassen, dass - um es vorsichtig zu sagen - nicht alle Mediziner, die an Organtransplantationen beteiligt sind, nur aus Gründen der Nächstenliebe handeln. 

*Die Gründe, weshalb er seine Organe spenden, aber keine erhalten möchte, legt er hier dar.



14.7.12

Aus einem Kommunalversammlungsprotokoll von 1872 - Entzifferungsversuch

Die Entzifferung erfolgte sehr eilig. Daher wurden manche Wörter (z.B. Honorarsenator) erst im Laufe des Entzifferungsversuchs (der nicht am Textanfang begann) erkannt. Sie sind sinngemäß weiter oben zu ergänzen. - Bei Gelegenheit wird eine Fortsetzung des Entzifferungsversuchs unternommen. 

Protocoll über die am 21.4. abgehaltene Communitätssitzung

Anwesend
als von Seiten des Magistrates Bürgermeister Dr. Johann Kaiser, Polizeihauptmann [...]
von Seiten der Communität: Dr. Karl Fritsch [...]

Nach Begrüßung der Versammlung durch den neugewählten Bürgermeister Dr. Johann Kaiser als Vorsitzenden wird zur Berathung der einzelnen auf der Tagesordnung stehenden Gegenstände geschritten:

1
Als erstes liegt vor die [Angelob?]ung einiger Munizipalausschußmitglieder, welche dieselbe noch nicht geleistet.

ad1
Nachdem xxxsolche Mitglieder neu die Herren Wachemer Josel und Daniel Warmescher junior gegenwärtig waren so wurde denselben die Angelobung[?] abgenommen.

2
xxx zweiter Gegenstand kommt zur Berathung die Besetzung der zwei Waisenamtsbeisitzerstellen.

ad 2
Die auf diese Frage Bezg habenden Anträge waren verschiedener Art.
Ein von Friedrich Richter junior eingebrachter Antrag lautet auf Besetzung dieser zwei Stellen durch den Obernotar[??] und einen anderen Beamten dort[igen] Magistrates
ein anderer Antrag (von Friedrich Schuster [...] unterstützt) lautet auf Besetzung dieser Stellen durch Communitätsmitglieder xxxxx durch die Honorärsenatoren des Magistrates.
Nachdem sich von der Communität niemand zur Uebernahme dieser Agenden meldete, erklärt Honorarsenator Josef Alzner, die eine Waisenamtsbeisitzerstelle provisorisch und vorläufig unentgeltlich zu übernehmen.
Er wurde von der Versammlung mit Hochrufen begrüßt und sein Antrag einstimmig angenommen.
Rücksichtlich Besetzung der zweiten Waisenamtsbeisitzerstelle wird über Anregung des Dr. Emil Waxxxxx und Karl Böger der einstimmige Beschluss gefaßt:
für die Uebernahme der zweiten Waisenamtsbeisitzerstelle den Honorärsenator  Johann Gettner zu ersuchen. Die Duchführung dieses Beschlußes wird dem Magistrate übertragen.
Mit Berücksichtigung des Umstandes, daß die Waisenangelegenheiten einer energischen Revision bedürfen
und eine längere Arbeitszeit in Anspruch nehmen wird zum Beschluß erhoben:
Unter die beiden Waisenamtsbeisitzer für den [Ende] xxx dieselben binnen Monats- oder Jahresfrist die Waisenangelegenheiten in das xxx berichten  also nach vollbrachter Arbeit unter dem [systemischen?] Gehalt von 200[Forin/Gulden]? nach dem durch die Nichtbesetzung der zweiten Adjunktenstelle bei der Polizei verfügbar gewordenen Gehalts von 400[Forin/Gulden?] je nach Verdienst, [zur?] Renumeration aufzutheilen. Im Zusammenhange hiermit wurde der Beschluss gefaßt: dem Honorarsenator Josef Alzner für die bereitwillige vorläufige unentgeltliche Uebernahme der Waisenamtsbeisitzerstelle den protokollarischen Dank auszusprechen.

3
Als dritten Gegenstand empfiehlt der Vorsitzende die Ausfüllung der xxxleiste der Kommunitätsmitglieder für die einzelnen Fachfunktionen - nämlich politische und recht[liche] finanz- und rechnungs- und Wohlfahrtsfunktion

ad 3
Der von dem Vorsitzenden diesbezüglich gestellte Antrag - mit der Ausfüllung der xxxleiste so lange zu warten, bis ein aus den Berathungen des Magistrates in nächster Zeit an die Communität gelangenden Entwurf  zu einer Geschäftsordnung, geschehen sei - wurde einstimmig angenommen mit dem Zusatze, daß dieser Entwurf zuerst von einer aus 5 Mitgliedern bestehenden von dem Bürgermeister zu ernennenden Kommission zu prüfen und dann erst zur Berathung und Annahme an die Communität gelangen solle.
Bis zur Regelung dieser Sache hat in nothwendig sich ergebenden Fällen der Bürgermeister Commissionsmitglieder für die einzelnen Funktionen zu bestimmen.

4.
Als vierter Gegenstand steht auf der Tagesordnung die Beschlussfassung für den Bau einer Casserne [jedenfalls: Militärgebäude]

ad4
Nachdem der Vorsitzende die Motion zum Bau einer Kaserne entwickelt;
daß nämlich die Commune jährlich zu dem von dem xxx für die Unterbringung der hier
stationierten [Heeres]batallions entrichtende Mietzinsgelder beiläufig dort xxxxx beisteuern müsse, wodurch für die Communalkasse ein bedeutendes Defizit erwachse;
daß ferner der Plan zu dem Casernbau durch das hiesige [Heeres]batailloncommando veranlaßt - der Communität vorliege und daß das k[öniglich] ungar[ischen] Landesvertheidigungsministerium gesonnen sei, der xxxx das 11, 12 ja sogar 15fache von dem xxx für die Unterbringung der xxx zustehenden jährlichen Mietzinsgeldes gegen billige Zinsen und Amortisation als Darlehen zu geben so wurde der Casernbau auf dem der Commune gehörenden Hauptgrunde sub Nummero 927 beschlossen und zugleich durch Stimmeneinhelligkeit festgesetzt:

der Bürgermeister solle im xxx nur die Contenxxx eines Darlehens für den besagten Bau bei dem  k[öniglich] ungar[ischen] Landesvertheidigungsministerium sogleich einschreiben und diese ganze Bauangelegenheit behufs Prüfung dieses Planes, Veranlassung der  Anfertigung eines Kostenabschlages und nöthigenfalls Erwerbung des, an dort genannte Hausxxx dem Nachbar Krüger gehörigen Nachbargrundes einer von ihm zu ernennenden Fünfercommission gegen seinerzeitige Berichterstattung an die Kommunität übertragen.

5
Als fünfter Gegenstand liegt vor die Beschlußfassung über den Aufbau eines zweiten Stockes auf das Stadt[richthauses] und die Beschaffung des zum Baue erforderlichen Capitals.

ad 5
Der diesbezüglich noch gemachte Antrag nämlich Aufbau  eines zweiten Stockes auf das Stadt[richthaus] wird einhellig zum Beschluß erhoben
- der zweite Antrag nämlich unverzügliche Inangriffnahme dieses Baus gegen nachträglich einzuholende Genehmigung von dem H/Ministerium desxxx mit überwiegender Mehrheit auch zum Beschluß erhoben.

Hierbei muß bemerkt werden bei Beschlußfassung des zweiten Antrages will xxx Dr. E.W. seine Gegenmeinung zu Protocoll genommen wissen, die Communität aufmerksam gemacht zu haben, daß dieselbe im Sinne des §3 des [königlichen Gesetzes] ohne vorher eingeholte mnisterielle Genehmigung keine Bauanträge abschließen und Geld contrahieren dürfe.
Der dritte diesbezüglich gestellte Antrag - nämlich Aufnahme eines Darlehens von der Hermannstädter Boden[siedel?]anstalt zum besagtem Bau wird mit dem Beisatze zum Beschluß erhoben, daß die Commune an dieser Siedelanstalt sich auch als Actionärin betheiligen und das mit der Durchführung xxx xxxung dieser ganzen Angelegenheit auch eine von dem Bürgermeister zu ernennende aus 5 Mitgliedern bestehende  Commission gegen [Kosten?]erstattung betreut werden möge.
Beschlossen wird hiermit zugleich daß diese Commission in den [Kreis] ihrer Berathung auch die Verwaltung der der Commune gehörigen 40,000 [Forin?/Gulden?] in xxx  xxxtionen ziehen solle.

6.
Als sechster Gegenstand liegt vor der Antrag über die Wiederaufnahme der Straßenbeleuchtung.

ad 6
Der diesbezüglich vom Advocaten Franz v. Ballogh gestellte Antrag: nämlich Verpachtung der Straßenbeleuchtung, im ganzen oder in Abtheilungen, bei einer in der Zeitregie xxxx zu machenden Minu[endoligi]tation wird zum Beschluße erhoben.
Der Antrag über Besorgung der Straßenbeleuchtung in eigener Regie wird vorläufig fallen gelassen.

7
Als siebenter Gegenstand steht auf der Tagesordnung ein Gesuch des Johann Warmascher Rexxxx um Bewilligung des Aufkaufs einiger zu Gunsten der Commune gepfändeter xxxx

ad 7
 Der in dieser Angelegenheit von dem Magistrate gestellte Antrag nämlich Aufrechterhaltung einer diesbezüglich von der Communität [Gemeinschaft] in einer früheren Sitzung gefaßten Beschlußes wird zum Bescheid erhoben mit Stimmenmehrheit  xxx 

8
Als  weiterer Gegenstand wurde in Berathung gezogen ein Gesuch des Josef Böger mittels welchem er für seine Dienstleistung als [Kernersammler u. Cxxxxaltor] von der Communität eine Renumeration bittet.

ad8

Der hierüber gefaßte Beschluß lautet: Der Bitte des Gesuchstellers ist zu willfahren; jedoch darf die Höhe der ange[sprochenen] Renumeration den für diese Stelle [sy......] Gehalt nicht überschreiten.

9
Weiter kommt zur Beratung ein Gesuch des Archivarius Karl Eltinger mittels dessen der Genannte seine Stelle als Archivar niederlegt und einem Bestallungsrufe nach Herrmannstadt folgend um eine Reisekostenvergütung bittet.


ad 9
Der diesbezüglich vom Magistrat gestellte Antrag dem abdankenden Archivar Karl Eltinger dem vom 1.1.herwärtslaufenden Monatsgehalt für den Monat April zu bewilligen wurde über (Her)gang der Herren x x x x x mit dem Beisatze zum Beschluße erhoben dem Gesuchsteller außer dem beantragten Monatsgehalte noch eine Renumeration von 50xx anzuweisen.


10
xxxxxxxxxxx  schriftlich die xxxxxx Quartierbeschaffung für einen Hauptmann von der xxxxx auf die Zeit vom 1.5.1872 bis 1.11.1872

Von der Communität zum Beschluße erhoben – so wurde die Sitzung geschlossen und das Protokoll geschlossen und gefertigt mit dem Bemerken der in der am 5. Mai 1872 abgehaltenen Sitzung ...

8.7.12

Europa in der Krise

Soeben habe ich "Der Preis der Freiheit. Geschichte Europas in unserer Zeit" von Andreas Wirsching durchgelesen. Ich werde versuchen, einige besonders bemerkenswerte Aussagen daraus vorzustellen. Vorerst verweise ich auf Wehlers Rezension in der FAZ und die weiteren Informationen bei perlentaucher.de.
Meine erste Kurzzusammenfassung stützt sich auf Wirschings eigene. Er meint, die politischen Akteure seien gegenwärtig auf die Meistererzählung "Europa auf dem Weg zu Fortschritt und Freiheit" angewiesen "um sich selbst zu legitimieren" und "um nicht an der Dauerkrise [...] zu verzweifeln" (S.409)
Europa habe keine Alternative als die bisher von ihm entwickelten Instrumente, um die Krise abzuwehren. Insofern bestehe eine "Pfadabhängigkeit". Dieser einmal beschrittene Weg habe in jeder Krise zu mehr Konvergenz geführt. "Die Krise Europas besteht in seinem Zusammenwachsen." (S.409)

Als Vorgeschmack auf Einzelaussagen Wirschings zitiere ich zunächst nur eine:
"Um zu erkennen, daß eine führende Produktivkraft wie "Wissen" rasch vom Kapital angesogen und seinem Verwertungsinteresse unterworfen wird, braucht man kein Marxist zu sein." (S.255)

Der Begriff der Pfadabhängigkeit scheint mir nützlich zum Verständnis der gegenwärtigen Krise.
Vermutlich wäre es für Griechenland und die anderen Euroländer besser gewesen, wenn Griechenland nicht in den Euroraum aufgenommen worden wäre, bevor nicht Reformen es konkurrenzfähiger gemacht hätten. Nachdem es aufgenommen worden ist, ist ein Ausscheiden Griechenlands extrem aufwändig.
Vielleicht hätten andere Wege als die Rettungsschirme gewählt werden können, um den griechische Wirtschaft und die in Griechenland engagierten Banken aus der Klemme zu helfen. Nachdem man den Kurs Rettungsschirme gewählt hat, ist es extrem schwer, umzusteuern. Denn das bedeutete ja, dass die Politiker der Meinung wären, dass Rettungsschirme der falsche Weg waren, und das würde alle Spekulanten veranlassen, gegen die Schirme zu spekulieren.

Der Begriff hilft aber auch, zu verstehen, woher die handelnden Politiker und Wirsching den Optimismus nehmen, dass Europa mit der Krise fertig wird.
Es mag viele Gründe geben, weshalb Politiker, manche Parteien und ganze Staaten gegen die gegenwärtig eingeschlagene Richtung der Europapolitik sind. So lange ihnen der Weg zurück entbehrungsreicher erscheint, werden sie lieber auf Souveränitätsrechte verzichten und mehr Zusammenarbeit zulassen ("Fiskalunion"), als diesen harten Weg zu gehen.

Zum Vergleich kann man Bismarcks Wort von 1867 heranziehen: "Setzen wir Deutschland in den Sattel! Reiten wird es schon können."
Es ritt dann in zwei Weltkriege, geteilt aus dem zweiten heraus und nun vereint in die Eurokrise. Reiten kann es offenbar, und der gegenwärtige Pfad ist besser als der von 1933. Der von 1957 war bestimmt nicht schlecht, ob der gegenwärtige der bestmögliche ist, darüber darf noch gestritten werden.
Der hessische FDP-Europaminister Jörg-Uwe Hahn fordert jedenfalls eine "Verschnaufpause" vor noch mehr Integration.
Angela Merkel hat mit ihrer Zurücknahme des Ausstiegs aus dem Atomausstieg bewiesen, dass sie zu Kursänderungen imstande ist.
Freilich, Europa reitet bekanntlich auf einem griechischen Gott. Ob Merkel auch den zu lenken vermag, muss sie erst noch beweisen. ;-)

3.7.12

Euroschwindel

Man hat sich so etwas gedacht, doch ist es höchst eindrucksvoll, Politiker ganz offen darüber reden zu hören:
"Das griechische Statistikamt hatte die Zahlen frisiert und den eigenen Staat gesundgerechnet. Wozu gibt es "kreative" Banker? Hier kommt Antigone "Adi" Loudiadis vom weltweit agierenden Geldinstitut Goldman Sachs ins Spiel. Sie schlug unter anderem vor, die Schulden in die Zukunft zu verlagern - und schon hatte man wieder ein Plus auf den Staatskonten. Kontrolliert wurden die Angaben nicht, das war nicht vorgesehen im europäischen Reglement." (Hamburger Abendblatt: Das Erste auf der Spur des Euro- und der Euro-Krise, 2.7.2012)
Am 2.7.12 sendete das ARD ab 22:45 einen Film von Michael Wech, in dem nicht nur mit einer Reihe von Details dargestellt wird, wie Griechenland immer wieder die Haushaltszahlen und auch andere statistische Daten manipuliert, gefälscht und frei erfunden hat, um in die Eurozone aufgenommen zu werden. Aber auch Deutschland und Frankreich haben Tricksereien ins Auge gefasst, um die Kriterien offiziell zu erfüllen und später die Nichterfüllung zu verschleiern. Als das nicht mehr ging, forderten sie offiziell, die Regeln des Stabilitätspaktes für ihren speziellen Fall nicht anzuwenden.

Originalton aus der Sendung:
Christian Reiermann (Journalist): „Ein bisschen tricksen da, ein bisschen tricksen hier, da waren alle dran beteiligt. Und keiner hatte eine saubere Weste. Deutschland auch nicht.“
Hans Eichel (damaliger Bundesfinanzminister): „Ich verrate auch nicht alle Tricks, mit denen ich das später unterlaufen habe im Haushalt.“
Wolfgang Schäuble (heutiger Bundesfinanzminister): „Man kann schlecht andere kritisieren, wenn man selber sich nicht an die Regeln hält.“
(Das Manuskript der Sendung als PDF-Datei kann man per Mail anfordern: inland@wdr.de)
Eine großartige journalistische Leistung und ein Blick auf den Hintergrund der gegenwärtigen Krise, der aufzeigt, dass eine ganze Reihe von Politikern (und auch die Bank Goldmann und Sachs) an der gegenwärtigen Situation mitschuldig sind. 
(Die FAZ vom 1.7.12 legt legt freilich Wert darauf, dass es dabei Unterschiede gab.)