20.8.26

Lesekrise in Deutschland? - Es ist anders als man denkt

 https://krautreporter.de/kinder-und-bildung/6519-deutschlands-lesekrise-verstandlich-erklart#lesen

"[...] In ihrer Freizeit lesen die deutschen Kinder überhaupt nicht weniger als ihre internationalen Freund:innen, sie lesen sogar mehr! [...]"

Freilich, beruhigend ist das leider noch nicht, das sehen wir, wenn wir "die Internationale Grundschul-Lese-Untersuchung, kurz IGLU, anschauen. Seit 20 Jahren misst die Studie alle fünf Jahre, wie sich die mittlere Lesekompetenz in Deutschland im internationalen Vergleich entwickelt. Die aktuellen Ergebnisse stammen aus dem Jahr 2021. Sie sind ernüchternd: Ein Viertel der Viertklässler:innen in Deutschland kommt nicht über Stufe eins oder zwei hinaus. [...]"

Wer mehr wissen will, kann hier weiterlesen.

7.8.26

Lernen durch Lehren in Indonesien: Margret Ruep und Noor Malihah

 ein Bericht von Jean-Pol Martin:

"Wie lässt sich eine stark lehrerzentrierte Hochschulkultur verändern? Margret Ruep und Noor Malihah gingen dieser Frage an der State Islamic University Salatiga in Indonesien nach. Gemeinsam entwickelten sie einen experimentellen Kurs, in dem Studierende nicht nur Wissen aufnehmen, sondern selbst lehren, kooperieren und Verantwortung übernehmen sollten.

Ihr Beitrag „Visible Learning – Learning by Teaching“ erschien 2024 im Praxishandbuch Lernen durch Lehren.

Eine Hochschule im Wandel

Margret Ruep besuchte die Universität 2022 im Auftrag des Senior Expert Service. Die Hochschule befand sich in einem Transformationsprozess zur Volluniversität. Als besondere Herausforderung erwies sich die Qualität der Lehre: Der Unterricht war traditionell stark lehrerzentriert, während die Studierenden nur wenige Möglichkeiten zur aktiven Beteiligung hatten. Gemeinsam mit Noor Malihah und weiteren Beteiligten plante Ruep deshalb einen Kurs, in dem Learning by Teaching praktisch erprobt werden sollte. [...]"

https://jeanpol.wordpress.com/2026/08/06/lernen-durch-lehren-in-indonesien-margret-ruep-und-noor-malihah/

5.8.26

Sollte man als junger Mensch ein Ehrenamt betreiben, oder sich doch voll auf das berufliche Fortkommen konzentrieren?

Fontanefan bei gutefrage.net 

Das hängt von der Auslastung hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit ab. Ich denke daran, dass ich eine Schülerin gefragt habe, ob sie nicht ein Amt in der Schülervertretung übernehmen könne. Sie sagte ab, weil ihre Mutter krank sei und ihre Schwester relativ lernschwach und sie daher zu große familiäre Verpflichtungen habe.

Ein oder zwei Jahre später erklärte sie mir, sie habe die Arbeit in der Schülervertretung wohl nicht wichtig genug genommen.

Das war die Schülerin, die einen unbeliebten Lehrer verteidigte, der offen erklärt hatte, dass er einen Schüler "hasse". Ihr Verantwortungsgefühl war so weit entwickelt, dass sie sich abverlangte, was ich als Erwachsener mir nicht zugetraut hätte.

Natürlich ist die Ausübung eines Ehrenamtes für die persönliche Entwicklung sehr hilfreich, wenn sie dazu verhilft, für eine Gemeinschaft Verantwortung zu übernehmen, und in diesem Fall, bei Konflikten zwischen Lehrern und Schülern zu vermitteln. Aber sie sollte die Fortsetzung des Bildungsweges nach Möglichkeit nicht behindern.

Nicht jeder ist der Typ dafür und nicht für jeden sind Ehrenämter und Vereinsmeierei gedacht - ich gebe zu, dass ich Ersteres mag, Letzteres aber wie die Pest verabscheue, weil da sehr viel Selbstdarstellerei dabei ist und gerade Blaulicht- oder "sozialcaritative" Organisationen schlimme Tummelbecken für notorische Profilneurotiker ist, die sich gern in der Presse sehen, aber in Wahrheit die Arbeit andere machen lassen ------> nach dem Motto "Toll, Ein Anderer Macht's". Denn genau so läuft das im Ehrenamt leider oft.

Es gibt auch Leute, die von ihrer Art her zu still, zu ruhig oder auch zu ungesellig sind für Vereinsarbeit, die oft mit Zusammensitzen, Feiern, Bechern und ähnlichem zu tun hat - und auch wenn es im Lebenslauf gut aussieht, kann man es keinem verübeln, der dafür nicht geschaffen ist.

Stamme selbst auch nicht aus einer "Vereinsmeierfamilie" & bin nicht mit dauernden Arbeitseinsätzen und Versammlungen oder Sitzungen an jedem zweiten Wochenende großgeworden, war ein eher ruhiger Bub, mir war die "Beschaulichkeit" daheim und bei den Freunden lieber als der Trubel in typischen Vereinen, was man so mitbekam.

XXX

Ich bin dennoch, seit ich 19 Jahre alt bin durchgängig in irgendeiner Weise aktiv, war vorher schon im Leitungsteam des Jugendhauses, aber ich habe meine Nische gefunden und bin lediglich in einem Verein richtig tätig (Verkehrswacht), weil das Team dort super ist, das operative Geschäft von der Polizei bestens geführt wird und es was Sinnvolles ist, das zudem meine Hobbys (Autos, Technik) beinhaltet und dann noch der Allgemeinheit zugute kommt.

Dass ich aktiv bin, ergab sich zufällig. Ich hatte die Juleica (Jugendleitercard) gemacht, weil mir die Jugendarbeit in der kath. Kirche gut gefallen hat und ein Diakon große Stücke auf mich hielt - und so rutschte ich auch in die Leitung des Jugendhauses. Dafür brauchte man die Juleica und der Diakon schlug mich vor. Über ihn kam ich auch in einen anderen Verein, der einen Schriftführer suchte - das habe ich lang gemacht, bis ich umgezogen bin. Ich war aber nie der Typ für ganz vorne und hätte nie als Vorsitzender kandidiert bzw. würde auch niemals Kassenwart machen - beim Geld hört es auf. Je nach Satzung ist man da ggf. privat haftbar, wenn was ist - und viele Vereine haben uralte Satzungen, weil kaum jemand sich dafür interessiert und man nicht einfach so eine Satzung erstellt und beschließt und beim Amtsgericht einreicht bzw. so schreibt, dass das Gericht zufrieden ist. Das scheuen viele Vereine, weil kaum einer was machen will bzw. die meisten nur so nett tun, wenn ein Redakteur da ist und Fotos macht.

XXX

Bei den Vereinen ist es halt immer extrem schwer: Wenn man da als junger Mensch anklopft, muss man damit rechnen, dass man weder ernst genommen noch gern gesehen wird. Meist "regiert" ein Vorstand, der sich zwar immer beklagt, dass "die Jugend" nicht kommt - aber wenn "die Jugend" mal da ist und vorspricht und Ideen hat, wird sie regelrecht weggeekelt, weil man es eigentlich nur so machen will, wie es schon immer, wie vor 40-50 Jahren, gewesen ist.

Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass viele Vereine eher eine geschlossene Gesellschaft bzw. eine schiere Privatveranstaltung weniger engagierter und untereinander befreundeter Familien sind und Neueinsteiger nicht so gern gesehen sind.

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Thema "soziale" Vereine: Auf den ersten Blick sind das alles nette Leute, die da wirken; freundlich, fromm, von überaus christlicher Grundeinstellung, hilfsbereit, idealistisch, selbstlos, kurzum: Fleisch und Blut gewordener Altruismus.

Wenn man aber hinter die Kulissen blickt und Dinge sieht, die die Allgemeinheit nicht zu sehen bekommt, ist der "sozial-caritative" Bereich (egal wo) ein übles Sammelbecken von Selbstdarstellern, die alles tun, aber nicht das, was sie eigentlich tun sollen (Menschen helfen, für sie da sein, selbstlos wirken). Die Caritas ist da nicht viel besser als alle anderen, ich persönlich habe mit der Diakonie noch die besten Erfahrungen gemacht, mit Caritas Mittelmäßige und mit Kolping nur so viel, dass da unglaublich viele Scheinheilige aktiv sind, die lediglich "pressegeil" sind und gern repräsentieren, sich "aus christlicher Verantwortung" allerlei Pöstchen aneignen und denen es nur darum geht, im Mittelpunkt zu stehen. Ganz schlimm waren KAB-Leute und Salesianer Don Boscos.

Ich habe vernichtende Erfahrungen mit selbsternannten "christlichen Gutmenschen" und bekennenden Katholiken gemacht, die auf unterschiedliche Weise im "sozial-caritativen" Bereich unterwegs waren und möglicherweise noch sind. Die repräsentierten gern und waren nach außen hin freundlich, herzlich, gefällig und milde, aber im Grunde nicht der Rede wert. Wären die wirklich so christlich und nett gewesen, hätten sie zum Beispiel denjenigen geholfen, die ihre Hilfe gebraucht hätten. Sobald die mal konkret werden und helfen sollten bzw. das tun, was sie überall vorgaben und predigten, "konnten" sie angeblich nicht oder blieben stumm - allerdings grinsten und schwadronierten sie dann wieder, wenn ein Redakteur in Sichtweite war.

Wie gesagt: nach außen hin sind das "nette Leute", huldvoll, gediegen, man muss ihnen vertrauen, sie können kein Wässerchen trüben, nehmen jeden an die Hand. Diese Personen aber torpedieren durch ihr Verhalten genau die Werte, die sie angeblich nach außen hin darstellen, das macht sie und letztlich die katholische Kirche unglaubwürdig. Auch Organisationen wie Kolping, die katholische Arbeitnehmer-Bewegung und die Salesianer Don Boscos sind mir teilweise sehr negativ aufgefallen. Wenn jemand das Elisabethkreuz der Caritas-Konferenz trägt, ist das aus meiner Sicht kein gutes Zeichen, denn das tragen oft Pharisäer, die sich nur so schön präsentieren möchten. Und das ist nicht meine Welt.

Lernt man diese Leute mal näher kennen oder begegnet man ihnen in einer Position, wo sie denken, dass man mit ihnen auf der selben Wellenlänge sei, beginnen sie sich zu öffnen, werden hemmungslos, unvorsichtig und verraten sich eines Tages unbewusst selbst. Soweit meine Erfahrung als Ehrenamtler in dem Bereich, der früher bis ca. 2018 einiges in dem Segment gemacht hat, bis es unerträglich wurde.

Der große Unterschied zwischen KI zur Recherche und KI für Information

 Angesichts der Fülle des gegenwärtig vorhandenen Materials ist KI zur Recherche für den Laien unumgänglich, für den Fachmann als erster Schritt kaum zu übergehen.

Bei der Information ist KI gefährlich, eine Kontrolle zumindest durch die Wikipedia wichtig. 

Für den Fachmann (Wissenschaft) ist die Wikipedia als erster Schritt sinnvoll, aber ohne Überprüfung an Sekundärliteratur und/oder Quellen unzulässig.

Für den Wikipedianer ist KI zur Recherche zugelassen, für die Formulierung der Information verboten. 

Wird das ausreichen, um zu verhindern, dass KIs sich wegen der Häufigkeit ihrer Texte letztlich nur immer wieder sich selbst bestätigen, so dass solide Information kaum noch durchdringt?

19.6.26

Herr Rau und das Märchen vom Zauberfaden

 Chatbot-Nutzung ist wie das Zupfen am Zauberfaden. Das ist der letzte Satz von Thomas Rau in seinem Blogbeitrag über das Märchen vom Zauberfaden. Was die Aussage dieses Märchens ist, findet man bei Herrn Rau

Das Märchen handelt von Zeitsprüngen, also davon, wie man Ergebnisse vor der Zeit bekommt. Der Weg zur Erkenntnis wird übersprungen, und man erhält vom Chatbot gleich eine argumentativ begründete Lösung.

Deshalb kommentiert Stefan Loskamp auch: „Chatbot-Nutzung ist wie das Zupfen am Zauberfaden“: Das ist the best Aphorismus ever, weil KI macht dumm, dümmer gehts nimmer!

Ich stimme Stefan zu und widerspreche ihm zugleich. Denn natürlich hat er überzogen: dümmer gehts nimmer geht zu weit, denn ganz ohne jede richtige Aussage kommt man nicht aus, auch wenn die Lösung eines Problems, ein Aha-Erlebnis viel weiter bringt als die Lektüre einer Gebrauchsanleitung: Man muss schon das Vertrauen, dass es eine Lösung gibt und verschiedene Wege zur Erkenntnis gesehen haben, damit man den Weg zur Erkenntnis erfolgreich begehen kann.

Auch wenn Lessing darauf besteht, dass die Wahrheit für Gott allein sei, und Schiller warnt: "Weh dem, der zu der Wahrheit kommt durch Schuld: Sie wird ihm nimmermehr erfreulich sein."

Für eine Recherche in Texten, die im Internet noch nicht zu finden sind, ist Chatbot-Nutzung durchaus sinnvoll. Deshalb versuche ich in den Artikeln, in denen ich Texte vorstelle, möglichst immer die Originaltexte zu verlinken, aber biete auch Kurzvorstellungen von Textinhalten an, damit man Bewertungen einordnen kann. 

4.6.26

OERchideenfächer und freie Bildung

 Gemeint sind seltene Ausbildungsberufe. Mein aktuelles Beispiel: Kaminbau in Bayern. Hierfür gibt es nur zwei Berufsschulen, die diesen Beruf anbieten: eine mit einem Nordost- und eine mit einem Südwestsprengel. Solche Fächer sind hochspezialisiert. Es gibt nur wenige Lehrkräfte, die sie unterrichten, und wenige Auszubildende, weshalb auch selten Schulbücher zur Verfügung stehen.

Was hat das mit freier Bildung zu tun?

Ein Lehrkräfteteam hat sich mit dem Lehrplan von 2025 auf den Weg gemacht, diesen im Team umzusetzen. Im Rahmen des Schulversuchs „Clever Clustern“ vom Bildungspakt Bayern setzen sie auch Lernortkooperationen um. Die Lehrkräfte erstellen kompetenzorientierte Unterrichtsszenarien für handlungsorientierten Unterricht. Die Szenarien werden mit den Betrieben evaluiert: Sind sie praxisrelevant? Sind sie aktuell? Die Ergebnisse und Unterrichtsmaterialien werden die Lehrkräfte über hubbs.schule anderen Schulen frei zur Verfügung stellen.

(https://www.zum.de/portal/oerchideenfaecher-und-freie-bildung/ Von Patrick / 16. Mai 2026)