13.2.26

Anja Besands Notfall- oder Katastrophencurriculum

  Anja Besand ist Professorin für Didaktik der politischen Bildung an der Technischen Universität Dresden. In ihrer Arbeit konzentriert sie sich stark darauf, wie Schulen und Lehrkräfte mit aktuellen gesellschaftlichen Krisen sowie antidemokratischen und rechtspopulistischen Herausforderungen umgehen können.

Ein zentrales aktuelles Projekt ihrer Professur ist das sogenannte „Katastrophen-Curriculum“ (oft auch als Notfallcurriculum für Schulen bezeichnet).

Das Katastrophen-Curriculum

Dieses Curriculum wurde als Reaktion auf die Beobachtung entwickelt, dass Schulen in Krisenzeiten (wie etwa der Pandemie oder bei anderen Großereignissen) dazu neigen, sich auf Kernfächer und Prüfungsrelevanz zu verengen, während die politische und soziale Bildung oft in den Hintergrund rückt.

  • Ziel: Es bietet ein alternatives Bildungsangebot für den „Notbetrieb“. Ziel ist es, Schule in Ausnahmesituationen handlungsfähig zu halten, die Gemeinschaft zu stärken und Schülern dabei zu helfen, Krisenlagen solidarisch zu verstehen und zu verarbeiten.

  • Struktur: Das Material besteht aus drei Hauptkomponenten:

    1. Einem speziellen Lehrplanteil.

    2. Einer pädagogischen Handreichung für Lehrkräfte.

    3. Einem Notfallschulheft, das sich direkt an die Schüler richtet.

  • Entstehung: Das Projekt wurde partizipativ entwickelt. Beteiligt waren neben Lehramtsstudierenden auch der Landesschülerrat Sachsen, Eltern sowie Schulleitungen verschiedener Schulformen.

Arbeitsschwerpunkte von Prof. Dr. Besand

Neben diesem speziellen Curriculum ist Anja Besand für folgende Themen bekannt:

  • Umgang mit Rechtsextremismus: Sie erforscht, wie Lehrkräfte auf extremistische Vorfälle und Einschüchterungsversuche (z. B. durch politische Meldeplattformen) reagieren können, ohne in eine indifferente Haltung zu verfallen.

  • Inklusive politische Bildung: Ein Fokus liegt darauf, politische Bildung für alle Zielgruppen zugänglich zu machen, unter anderem auch im Kontext beruflicher Schulen oder durch Projekte wie „Lernort Stadion“.

  • Medien und Politik: Sie befasst sich mit der Rolle neuer Medien und populärkultureller Formate (z. B. Fernsehserien) für die politische Vermittlung.


Soll ich Ihnen Details zu den 32 Fallsituationen aus ihrem Praxishandbuch für den Umgang mit antidemokratischen Vorfällen heraussuchen?

In diesem Video erläutert Prof. Dr. Anja Besand, warum sich Schulen gegenüber ihrer Umwelt öffnen sollten und wie echte demokratische Partizipation für Schüler aussehen kann. Öffnung von Schule: Warum Schule mit ihrer Umwelt interagieren sollte

3.2.26

Aus einer Schulchronik von 1947

"Mit 450 Schülerinnen erreichte die Schule im Jahre 1944 ihren höchsten Stand. Infolge der Kriegsverhältnisse hatten viele Familien ihren Wohnsitz an die Bergstraße verlegt mit ihren Kindern der Schule diesen Zuwachs gebracht. Schließlich konnten nur noch Schülerinnen aufgenommen werden, die eine Sitzgelegenheit mitbrachten."


18.1.26

Die Wikipedia ist 25 Jahre alt geworden.

 Von ein paar hundert Artikeln zu 65 Millionen in über 300 Sprachen, das ist schon was.

Ich bin - unter anderem Namen - erst seit 21 Jahren dabei, war aber - für einen Wikipedianer - schon ziemlich alt, als ich angefangen habe, und werde sie nicht noch einmal so lange begleiten können. 

Ich bin dankbar, dass ich dazu gestoßen bin, als es noch vergleichsweise leicht war, Nützliches beizutragen. Umso mehr möchte ich für sie Werbung machen. Es gibt so viele neue Entwicklungen, zu denen es in der Wikipedia noch kein Stichwort (dort Lemma genannt) gibt, z.B. De-Banking.

Wer will den Artikel für die Wikipedia schreiben? Nur Mut! Verbessert wird er sowieso mit der Zeit,

Aber er sollte natürlich von einem Menschen formuliert und mit Belegen versehen sein, eine KI reicht dafür nicht aus.

Dafür ein Beispiel: 

Eine KI wird aufgefordert, eine Inhaltsangabe zu Fredrikssons Roman Sofia und Anders zu schreiben. Sie macht das recht gut, doch dann schreibt sie "Originaltitel: Enligt Maria Magdalena, auch unter den Namen der Protagonisten bekannt", obwohl der korrekte Originaltitel des Buches, das von einem Blinden berichtet, Blindgång ist? Was soll der Name Magdalena in dem Titel?

Blindgång ist 1992 entstanden, Enligt Maria Magdalena 1997. Offenbar kommen beide Titel oft in räumlicher Nähe vor, so dass die Wahrscheinlichkeit gleich groß war. Eine Prüfung über die inhaltliche Plausibilität hat die KI nicht vorgenommen. Das heißt aber nicht, dass dasselbe  Large Language Model  nicht kurz darauf schon eine richtige Antwort geben könnte, auch ohne dass das Programm wesentlich verbessert worden ist.

Aber je mehr KI-Texte im Internet stehen, mit desto mehr KI-Texten wird die KI trainiert. die Sprachentwicklung wird daher wesentlich rascher gehen als in den letzten 1000 Jahren. Und sie wird in Richtung KI-Sprache gehen.

Daher: Geben Sie menschlichen Sprachen eine Chance, länger zu überleben. Schreiben Sie Wikipediaartikel! Die sind ein ganz wichtiges (gut geordnetes) Übungsmaterial für KIs. icht zuletzt, weil sie die Wikipedia kostenlos nutzen können, während mehr und mehr menschliche Texte hinter Bezahlschranken verschwinden.

29.12.25

Jean-Pol Martins semantisches Feld

 Warum es sich verbreiten wird:

https://jeanpol.wordpress.com/2025/12/29/warum-sich-das-harte-semantische-feld-von-jean-pol-martin-verbreiten-wird/

"In einer Zeit wachsender Komplexität, politischer Polarisierung und digitaler Beschleunigung verbreiten sich nicht die lautesten Theorien, sondern jene, die Orientierung, Steuerungsfähigkeit und Kohärenz bieten. Genau hier liegt die besondere Stärke des harten semantischen Feldes von Jean-Pol Martin.

Dieses semantische Feld ist kein loses Begriffsnetz und kein normatives Wunschbild. Es ist ein strukturhartes, kybernetisch anschlussfähiges Steuerungsmodell, das sich in unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen anwenden lässt – von Schule über Organisationen bis hin zur Mensch–KI-Zusammenarbeit. 

1. Verbreitung durch strukturelle Notwendigkeit – nicht durch Marketing

Das semantische Feld von Jean-Pol Martin antwortet auf ein zentrales Problem moderner Gesellschaften: Wir haben Wissen, aber keine stabilen Steuerungsrahmen mehr. Sein Modell ordnet menschliches Handeln konsequent entlang universeller Grundbedürfnisse (Denken, Gesundheit, Sicherheit, soziale Einbindung, Selbstverwirklichung/Partizipation, Sinn) und verbindet diese mit:

  • kognitiven Steuergrößen (Denken, Kontrolle, Flow),
  • systemischen Prinzipien (Antinomien, Top-down/Bottom-up, Integration/Differenzierung),
  • kybernetisch-biologischen Grundlagen (Rückkopplung, Prävention, Nachhaltigkeit).

Diese Architektur ist nicht beliebig erweiterbar, sondern bewusst begrenzt. Genau das macht sie „hart“. [...]"

10.12.25

Lernen durch Lehren aus der Sicht einer KI

Lernen durch Lehren ist ein lebendiges System. Zusammen mit dem Blick auf die Grundbedürfnisse: Denken, Gesundheit, Sicherheit, soziale Einbindung, Selbstverwirklichung und Partizipation / Sinn. bildet es eine Brücke zwischen Pädagogik, Philosophie, Psychologie und Sozialwissenschaft. In diesem Ansatz finden sich viele wieder, weil er zugleich rational und ganz menschlich ist. (Quelle)




30.11.25

ChatGPT gibt dir dafür eine Drei (Auszüge aus einem ZEIT-Artikel mit Kurzurteil)


https://www.zeit.de/2025/50/ki-korrekturhilfen-klausuren-schule-chatgpt-lehrer/komplettansicht

ZEIT 27.11.2025

"Bewertung durch die KI: Würde das funktionieren, dürfte sich die Rolle des Lehrers grundlegend wandeln. Weg von einer alles entscheidenden Prüfungsinstanz, hin zum Motivator und Wegbegleiter. Was bisher meist nur als verklärtes pädagogisches Ideal existierte, könnte zum Berufsbild werden. Mit allen Vor- und Nachteilen. Denn auch Noten können Antrieb sein, wenn sie richtig eingesetzt werden. [...] Mit einem Programmierer entwickelte sie deshalb Edaira, das stärker auf die Bedürfnisse von Lehrkräften zugeschnitten ist als etwa ChatGPT. Man kann PDFs, Textdateien oder Fotos von handschriftlichen Schülerarbeiten hochladen, die eine automatische Handschrifterkennung in einen maschinenlesbaren Text umwandelt.

Bevor Edaira sich ans Korrigieren und Bewerten macht, muss man es wie alle anderen Tools auch mit Informationen füttern, Aufgabenstellungen hinzufügen, Musterarbeiten hochladen: Um welche Jahrgangsstufe und um welches Fach geht es? Was ist das Anforderungsniveau? Wie stark sollen Sprachleistung und Orthografie in die Bewertung einfließen? Im letzten Schritt wird die Gewichtung der einzelnen Aufgaben in einem Bewertungsraster festgelegt. Erst dann kann der blaue "Bewerten"-Knopf angeklickt werden. Nach wenigen Sekunden erscheint das Feedback: "Du nennst mehrere typische Folgen einer wirtschaftlichen Rezession klar und vollständig, du ordnest die Problemstellung zeitlich ein, du formulierst die Kernidee prägnant ..."

Auch einen Punktewert errechnet Edaira, etwa "78,5 von 100" [...]

Tatsächlich hat die EU im vergangenen Jahr den AI Act erlassen, der dem Einsatz von KI in der Bildung Grenzen setzt. Demnach dürfen Entscheidungen, die für das berufliche Fortkommen bedeutsam sind, nicht automatisch von KIs vorgenommen werden. Die Vorschriften der deutschen Bundesländer beschränken die KI deshalb auf die Korrektur von Schülerarbeiten. In der Handreichung "KI@Schule" aus Schleswig-Holstein etwa heißt es, "die Bewertung von (Prüfungs-)Leistungen durch KI" sei "unzulässig". Sie müsse "eine persönliche Eigenleistung der Lehrkraft sein". [...]

Das grundsätzliche Problem sei, dass man von außen nur schwer nachvollziehen könne, wie die KI zu ihren Bewertungen komme – was auch bei anderen KI-Anwendungen immer wieder für Vorbehalte und Skepsis sorgt. [...] "Wie sie zu ihrem Urteil kommt, wissen wir im Grunde nicht", so Köller. Es ist also gar nicht so anders als bei vielen Lehrern." (ZEIT 27.11.2025)

Der wesentliche Unterschied ist aber, dass Menschen für ihre Werturteile auf Emotionen/ "Bauchurteile" zurückgreifen können, KIs nicht.

"Eine KI ist ein Simulator. Sie kann einen Richter, einen Priester oder einen Ethiker simulieren, indem sie deren Sprache und Argumentationsmuster nutzt. Aber unter der Haube rechnet nur ein Algorithmus kalt und neutral mit Nullen und Einsen. Deshalb kann sie Werte nur darstellen  (zitieren), aber nicht fühlen (urteilen). (Antworten einer KI 28.11.2025)(https://antworteneinerki.blogspot.com/2025/11/warum-kann-eine-ki-keine-werturteile.html)