2.4.26

Duderstadt / Forytta: Literarisches Lernen (in der Grundschule)

 "Das Werk "Literarisches Lernen", herausgegeben von Matthias Duderstadt und Claus Forytta (erschienen 1999 als Band 107 in der Reihe Beiträge zur Reform der Grundschule des Grundschulverbandes), gilt als ein wichtiger Beitrag zur deutschdidaktischen Diskussion über die Rolle und den Umgang mit Literatur in der Primarstufe.

Das Buch bietet einen umfassenden Überblick über didaktische Konzepte, um Kindern den Zugang zu literarischen Texten zu ermöglichen und sie in ihrer literarischen Kompetenz zu fördern.

Zentrale Ansätze des Bandes

Das Werk verfolgt einen integrativen Ansatz, der das "Literarische Lernen" als einen aktiven Prozess der Weltaneignung begreift. Die Kernideen lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • Zweigliedrigkeit der Lernprozesse: Das literarische Lernen realisiert sich durch ein Zusammenspiel von Rezeption (das Aufnehmen und Verstehen von Texten) und Produktion (das eigene literarische Schreiben der Kinder). Beide Bereiche werden als wechselseitig befruchtend angesehen.

  • Begegnung mit Literatur: Ein zentraler Punkt ist die Gestaltung der Begegnung zwischen Kindern und literarischen Vorlagen (Texte und Bilder). Ziel ist es, Kindern Wege zur Kinderliteratur zu eröffnen, ohne sie durch zu eng geführte Aufgabenstellungen in ihrer freien Deutung einzuschränken.

  • Literarische Kompetenzentwicklung: Der Band betrachtet das Literarische Lernen nicht als starres Ziel, sondern als einen fortlaufenden Prozess. Dabei wird betont, dass Kinder bereits vor Schuleintritt basale literarische Erfahrungen mitbringen, an die der Unterricht anknüpfen muss.

  • Produktionsorientierung: Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf dem kreativen Schreiben. Hier wird reflektiert, wie die literarische Qualität von Kindertexten gefördert werden kann, indem Kinder sich an literarischen Vorbildern orientieren und ihre eigenen Geschichten als einen Prozess begreifen, der Ähnlichkeiten zum "Träumen" oder zur individuellen Sinnstiftung hat.

Einordnung in die Fachdidaktik

Das Buch ist in einer Zeit entstanden, in der die Deutschdidaktik verstärkt nach Wegen suchte, Literatur als ästhetisches Medium zu begreifen und nicht nur als Gegenstand für rein kognitive Sachtextanalysen. Duderstadt und Forytta betonen die Bedeutung des "literarischen Modus" – Literatur als ein Medium, das die Fantasie nährt, Fremdheit aushaltbar macht und Reflexionsräume über das eigene Selbst und die Welt bietet.

Relevanz heute

Obwohl das Werk von 1999 stammt, sind die darin diskutierten Grundsatzfragen nach wie vor hochaktuell. Die moderne Forschung zur literarischen Bildung knüpft direkt an diese Ansätze an, etwa bei der Frage, wie durch das literarische Gespräch (z. B. nach dem Heidelberger Modell) auch komplexe Texte für Grundschulkinder zugänglich gemacht werden können, ohne die kindliche Souveränität im Umgang mit Literatur zu untergraben." (KI: Gemini)




13.2.26

Anja Besands Notfall- oder Katastrophencurriculum

  Anja Besand ist Professorin für Didaktik der politischen Bildung an der Technischen Universität Dresden. In ihrer Arbeit konzentriert sie sich stark darauf, wie Schulen und Lehrkräfte mit aktuellen gesellschaftlichen Krisen sowie antidemokratischen und rechtspopulistischen Herausforderungen umgehen können.

Ein zentrales aktuelles Projekt ihrer Professur ist das sogenannte „Katastrophen-Curriculum“ (oft auch als Notfallcurriculum für Schulen bezeichnet).

Das Katastrophen-Curriculum

Dieses Curriculum wurde als Reaktion auf die Beobachtung entwickelt, dass Schulen in Krisenzeiten (wie etwa der Pandemie oder bei anderen Großereignissen) dazu neigen, sich auf Kernfächer und Prüfungsrelevanz zu verengen, während die politische und soziale Bildung oft in den Hintergrund rückt.

  • Ziel: Es bietet ein alternatives Bildungsangebot für den „Notbetrieb“. Ziel ist es, Schule in Ausnahmesituationen handlungsfähig zu halten, die Gemeinschaft zu stärken und Schülern dabei zu helfen, Krisenlagen solidarisch zu verstehen und zu verarbeiten.

  • Struktur: Das Material besteht aus drei Hauptkomponenten:

    1. Einem speziellen Lehrplanteil.

    2. Einer pädagogischen Handreichung für Lehrkräfte.

    3. Einem Notfallschulheft, das sich direkt an die Schüler richtet.

  • Entstehung: Das Projekt wurde partizipativ entwickelt. Beteiligt waren neben Lehramtsstudierenden auch der Landesschülerrat Sachsen, Eltern sowie Schulleitungen verschiedener Schulformen.

Arbeitsschwerpunkte von Prof. Dr. Besand

Neben diesem speziellen Curriculum ist Anja Besand für folgende Themen bekannt:

  • Umgang mit Rechtsextremismus: Sie erforscht, wie Lehrkräfte auf extremistische Vorfälle und Einschüchterungsversuche (z. B. durch politische Meldeplattformen) reagieren können, ohne in eine indifferente Haltung zu verfallen.

  • Inklusive politische Bildung: Ein Fokus liegt darauf, politische Bildung für alle Zielgruppen zugänglich zu machen, unter anderem auch im Kontext beruflicher Schulen oder durch Projekte wie „Lernort Stadion“.

  • Medien und Politik: Sie befasst sich mit der Rolle neuer Medien und populärkultureller Formate (z. B. Fernsehserien) für die politische Vermittlung.


Soll ich Ihnen Details zu den 32 Fallsituationen aus ihrem Praxishandbuch für den Umgang mit antidemokratischen Vorfällen heraussuchen?

In diesem Video erläutert Prof. Dr. Anja Besand, warum sich Schulen gegenüber ihrer Umwelt öffnen sollten und wie echte demokratische Partizipation für Schüler aussehen kann. Öffnung von Schule: Warum Schule mit ihrer Umwelt interagieren sollte

3.2.26

Aus einer Schulchronik von 1947

"Mit 450 Schülerinnen erreichte die Schule im Jahre 1944 ihren höchsten Stand. Infolge der Kriegsverhältnisse hatten viele Familien ihren Wohnsitz an die Bergstraße verlegt mit ihren Kindern der Schule diesen Zuwachs gebracht. Schließlich konnten nur noch Schülerinnen aufgenommen werden, die eine Sitzgelegenheit mitbrachten."


18.1.26

Die Wikipedia ist 25 Jahre alt geworden.

 Von ein paar hundert Artikeln zu 65 Millionen in über 300 Sprachen, das ist schon was.

Ich bin - unter anderem Namen - erst seit 21 Jahren dabei, war aber - für einen Wikipedianer - schon ziemlich alt, als ich angefangen habe, und werde sie nicht noch einmal so lange begleiten können. 

Ich bin dankbar, dass ich dazu gestoßen bin, als es noch vergleichsweise leicht war, Nützliches beizutragen. Umso mehr möchte ich für sie Werbung machen. Es gibt so viele neue Entwicklungen, zu denen es in der Wikipedia noch kein Stichwort (dort Lemma genannt) gibt, z.B. De-Banking.

Wer will den Artikel für die Wikipedia schreiben? Nur Mut! Verbessert wird er sowieso mit der Zeit,

Aber er sollte natürlich von einem Menschen formuliert und mit Belegen versehen sein, eine KI reicht dafür nicht aus.

Dafür ein Beispiel: 

Eine KI wird aufgefordert, eine Inhaltsangabe zu Fredrikssons Roman Sofia und Anders zu schreiben. Sie macht das recht gut, doch dann schreibt sie "Originaltitel: Enligt Maria Magdalena, auch unter den Namen der Protagonisten bekannt", obwohl der korrekte Originaltitel des Buches, das von einem Blinden berichtet, Blindgång ist? Was soll der Name Magdalena in dem Titel?

Blindgång ist 1992 entstanden, Enligt Maria Magdalena 1997. Offenbar kommen beide Titel oft in räumlicher Nähe vor, so dass die Wahrscheinlichkeit gleich groß war. Eine Prüfung über die inhaltliche Plausibilität hat die KI nicht vorgenommen. Das heißt aber nicht, dass dasselbe  Large Language Model  nicht kurz darauf schon eine richtige Antwort geben könnte, auch ohne dass das Programm wesentlich verbessert worden ist.

Aber je mehr KI-Texte im Internet stehen, mit desto mehr KI-Texten wird die KI trainiert. die Sprachentwicklung wird daher wesentlich rascher gehen als in den letzten 1000 Jahren. Und sie wird in Richtung KI-Sprache gehen.

Daher: Geben Sie menschlichen Sprachen eine Chance, länger zu überleben. Schreiben Sie Wikipediaartikel! Die sind ein ganz wichtiges (gut geordnetes) Übungsmaterial für KIs. icht zuletzt, weil sie die Wikipedia kostenlos nutzen können, während mehr und mehr menschliche Texte hinter Bezahlschranken verschwinden.

29.12.25

Jean-Pol Martins semantisches Feld

 Warum es sich verbreiten wird:

https://jeanpol.wordpress.com/2025/12/29/warum-sich-das-harte-semantische-feld-von-jean-pol-martin-verbreiten-wird/

"In einer Zeit wachsender Komplexität, politischer Polarisierung und digitaler Beschleunigung verbreiten sich nicht die lautesten Theorien, sondern jene, die Orientierung, Steuerungsfähigkeit und Kohärenz bieten. Genau hier liegt die besondere Stärke des harten semantischen Feldes von Jean-Pol Martin.

Dieses semantische Feld ist kein loses Begriffsnetz und kein normatives Wunschbild. Es ist ein strukturhartes, kybernetisch anschlussfähiges Steuerungsmodell, das sich in unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen anwenden lässt – von Schule über Organisationen bis hin zur Mensch–KI-Zusammenarbeit. 

1. Verbreitung durch strukturelle Notwendigkeit – nicht durch Marketing

Das semantische Feld von Jean-Pol Martin antwortet auf ein zentrales Problem moderner Gesellschaften: Wir haben Wissen, aber keine stabilen Steuerungsrahmen mehr. Sein Modell ordnet menschliches Handeln konsequent entlang universeller Grundbedürfnisse (Denken, Gesundheit, Sicherheit, soziale Einbindung, Selbstverwirklichung/Partizipation, Sinn) und verbindet diese mit:

  • kognitiven Steuergrößen (Denken, Kontrolle, Flow),
  • systemischen Prinzipien (Antinomien, Top-down/Bottom-up, Integration/Differenzierung),
  • kybernetisch-biologischen Grundlagen (Rückkopplung, Prävention, Nachhaltigkeit).

Diese Architektur ist nicht beliebig erweiterbar, sondern bewusst begrenzt. Genau das macht sie „hart“. [...]"

10.12.25

Lernen durch Lehren aus der Sicht einer KI

Lernen durch Lehren ist ein lebendiges System. Zusammen mit dem Blick auf die Grundbedürfnisse: Denken, Gesundheit, Sicherheit, soziale Einbindung, Selbstverwirklichung und Partizipation / Sinn. bildet es eine Brücke zwischen Pädagogik, Philosophie, Psychologie und Sozialwissenschaft. In diesem Ansatz finden sich viele wieder, weil er zugleich rational und ganz menschlich ist. (Quelle)