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8.8.12

Lernen in der Mediengesellschaft


Nach Beendigung meiner beruflichen Tätigkeit als Lehrer habe ich mich allgemeiner mit Lernen beschäftigt als zuvor. Zunächst habe ich das Konzept "Lernen durch Lehren" von Jean-Pol Martin genauer kennen gelernt. (Regelmäßige Leser meines Blogs kennen das schon lange.)
Dann habe ich an dem Open Course "Lernen in der Mediengesellschaft Möglichkeiten und Gefahren/Herausforderungen" (opco11) teilgenommen.
Zunächst hier nur die Verlinkungen zu meinen Beiträgen: LdL und opco11 (Hauptblog) und opco11 (Spezialblog zu auf Lernreflektion ausgerichteten Veranstaltungen).

Zunächst möchte ich kurz meine Erfahrungen mit dem Kurs opco11 vorstellen:

Als Ergänzung zu anderen Lernangeboten und als Ersatz für vor Ort nicht erreichbare Angebote scheinen mir offene Internetkurse ideal. Außerdem sehe ich für diejenigen, die eine Grundbildung abgeschlossen haben, die großen Vorteile für Recherche und die Organisation von Teamwork mit Partnern, die man vor Ort nicht finden würde.
Bzgl. des selbstverantwortlichen Lernens bin ich aber sehr skeptisch, so lange ein personales Gegenüber fehlt. Zu positiv sehe ich die persönlichen Rückmeldungen im Collegesystem gegenüber dem eher anonymen Lernen in der Massenuniversität. Außerdem habe ich - als Netzbeobachter - miterlebt, wie anregend für die Studenten eines Seminars von Christian Spannagel die persönliche Begegnung mit Jean-Pol Martin war, als sein Konzept von Lernen durch Lehren behandelt wurde. Ich denke, auch die unmittelbare Anschauung von Unterricht mit Lernen durch Lehren hat enorm motiviert und Missverständnisse abgebaut, die bei einer alleinigen Rezeption der Theorie entstehen können.

Dann möchte ich etwas auf den Kurs ocwl11 der Uni Tübingen eingehen (auch hier zunächst der Link zu meinen Blogbeiträgen).
Hier hat mich die Verbindung von Lernen mit persönlichem Gegenüber (im Kurs an der Uni) und Offenheit des Internets überzeugt. Nicht zuletzt, weil mit den Paten, die für ein Teilgebiet Mitverantwortung übernahmen, Praktiker aus dem Internet in das Lernkonzept einbezogen wurden.
Für mich als Paten hieß das, dass ich mich auf psychologische Fachliteratur eingelassen habe, wie das während meiner Unterrichtstätigkeit trotz der Teilnahme an Funkkollegs wie z.B. "Pädagogische Psychologie" und "Beratung in der Erziehung" nicht möglich war.


22.6.11

opco11 Spannagels Festival zu Medienkunde

Überblick der Konzerte (= der verlinkten Gruppenarbeiten auf Etherpads)

Kurzreflexion:
Je mehr man der Technik zumutet, desto mehr wird sie zur Zumutung.

Aus den Tweets:
Konzertprobe für kollidiert bei mir mit Lektüre: A. Gruschka: Verstehen lehren - Plädoyer für guten Unterricht

Technik nervt, Konzept der Konzerte gut

Session heute und das Klischee „Lehrende und Technik“ wird übererfüllt… Was für ein Festival. Was für ne Show…

Schade, dass die Aufführung keine Generalprobe war. So wie die daneben ging, wäre die Aufführung perfekt geworden.

Danke an alle Teilnehmer! Bitte reflektiert (Blogs, ...): 1) Wie fandet ihr das Format? 2) Wie viel ist inhaltlich rübergekommen?

 Meinst du, der Arbeitsaufwand und das Ergebnis stehen in einem angemessenen Verhältnis?

Das zeigen die Erfahrungsberichte und Reflexionen der Teilnehmer, hoffe ich

Zur Klarstellung zum Konzert @2 Rya_ @Fontanefan: Die Mehrheit der Teilnehmer war sich einig, dass die Medienkompetenz nach einem einjährigen Fach-Unterricht, in dem die Grundbegriffe vermittelt werden sollten (Jahrgangsstufe 5), in sämtlichen Fächern verankert gehört. Die Benutzung von Wikis etc. wird mit der Zeit so normal sein wie im vergangenen Jahrhundert das Schreiben in Heften. - Die speziellen Inhalte von Informatik (Geschichte des Computers, Einblick ins Programmieren) sollte nicht für alle verpflichtend sein, sondern kann einerseits als Wahlfach angeboten werden, andererseits (etwa im mathematisch-naturwiss. Zweig eines Gymnasiums oder entsprechenden Schulformen/-ausprägungen) als verpflichtend (8./9. Jahrgangsstufe).

Reflexion 2:
Das Internet ermöglicht zeitversetztes Arbeiten. Die Technik, im Netz effektiv zeitgleich zu arbeiten, ist bei opco11 noch nicht vorhanden. (Chats sind ein schlechter Ersatz für Live-Audiodiskussion, die funktioniert.)
Auf Hausaufgaben zu setzen, wenn die Schüler fehlen, die sie gemacht haben, ist nicht sonderlich effektiv.
Es war eine anstrengende und lehrreiche Stunde. Vor ihr und von ihr gingen eine ganze Reihe von Anregungen aus. No risk, no fun.

Anmerkung:

Schulung der Medienkompetenz für Lehrende

Bildungsstandards für Medienkunde bei opco11

  • Gruppe 1 bei Spannagels Konzerten: Etherpad
  • Persönlichkeitsentwicklung
  • zielgerichteter, reflektierter, kritischer Umgang (Produktion und Rezeption) mit Medien.
  • mögliche Gefahren in weltweiten Netzen erkennen können (aber bitte auch zunächst mal die Chancen sehen)
  • inhalte bewerten können, Auswählen der relevanten Information
  • aktives zuhören, aktives adressatengerechtes partizipieren
  • Umgang mit der ständigen Vernetzung (Computer, Smartphones, Ipads) und dem leben in den vielen Netzen- Sich strukturieren und abgrenzen können
  • fähigkeit, als mündiger bürger zu handeln
  • offen für andere Meinungen, Toleranzbereitschaft, die Fähigkeit, mit divergierenden Meinungen umgehen zu können, Persönlichkeitsrechte beachten
  • Ungewissheiten aushalten statt nur nach allgemeingültigen Aussagen zu schauen
  • Mit Zurückweisung oder nicht-Beachtung adäquat umgehen können, nicht ständig Rückmeldung brauchen
  • Trennen zwischen Privat und Öffentlich
Anmerkung:
Schulung der Medienkompetenz für Lehrende

21.6.11

Diskussion über Medienpädagogik: ein Fach oder fachintegriert

Christian Spannagel hat im Zuge seiner opco11-Veranstaltung (http://de.wikiversity.org/wiki/Benutzer:Cspannagel/opco11)  die Diskussion im Etherpad angestoßen, die ich hier ungeordnet herstelle. Bis Mittwoch 18:00 soll das Ergebnis da sein (das natürlich ein Anstoß zur weiteren Diskussion sein soll). Hier (http://ietherpad.com/6SwA3hEYI6)
die Diskussion:

 
"Ich persönlich würde auf Blogs und Wikis als Arbeitsinstrumente ungern verzichten und habe Vorbehalte gegenüber Live-Veranstaltungen im Internet (http://fontanefan.blogspot.com/2011/06/aktueller-zwischenbericht-zu-den.html), weil ja gerade das zeitversetzte Arbeiten und die Unabhängigkeit von einem umfangreichen technischen Apparat die Vorteile der neuen Medien sind, während das Hier und Jetzt der Vorzug der zeitlich und örtlich gebundenen Veranstaltung ist. Warum aus dem Klassenzimmer verlagern, was dort viel effektiver möglich ist: der direkte persönliche Austausch auf allen Kanälen?
  • Zur Integration in alle Fächer sage ich ganz klar "ja". Das ist sonst als würde man Lesen lehren und dann keine Texte in anderen Fächern einsetzen. Zur Frage eines eigenen Fachs bin ich mir nicht sicher, ob man dann nicht alles zu sehr verfächert, denn dann hätten auch andere "Fächer" eine Daseinsberechtigung, wie Ernährung oder Soft Skills. Wie groß wäre denn der Lehrplan für "Umgang mit Medien"? Kann man das nicht in Sozialkunde integrieren oder eine Projektwoche draus machen?
  • Ich kann den bisherigen Ausführungen nur zustimmen. Auch ich bin für die Integration in alle Fächer. Was ganz sinnvoll sein könnte, wäre ein Fach "Medienkunde" relativ früh, z. B. am Beginn der Sekundarstufe (wenn die Kinder ca. 10 Jahre alt sind), um Grundlegendes zu vermitteln, was sonst in jedem Fach einzeln gemacht werden müsste - oder dann eben vergessen wird).
  • Aber, die logische Konsequenz ist: Wenn Medienbildung in allen Fächern integriert werden muss, dann müssen auch alle Lehrer kompetent sein! Wird man das bei der Schnelligkeit, die das Internet und die Technik vorlegen, schaffen? Man schafft es ja heute schon nicht! Wie viele Lehrer integrieren denn Web-2.0-Anwendungen in ihren Unterricht? (Kühne, aber vielleicht doch nicht so kühne) Behauptung: Wenn man Medienkompetenz in allen Fächern integriert vermittelt, dann wird sie kaum oder nur marginal vermittelt, weil sich keiner dafür verantwortlich fühlt. <-- Die Gefahr besteht, ja.
  • Integration in alle Fächer: Die Nutzung unterschiedlichster Medien ist auch vom Kontext abhängig, z.B. in der Werbung wird eine Präsentation eventuell anders aussehen können/kreativer sein dürfen etc. Ich sehe den Umgang mit Medien nicht als losgelösten Aspekt an, sondern als Teil einer Kulturtechnik, ohne die wir nicht mehr auskommen. Am Ende geht es nicht um "Klickkompetenz", sondern um Erziehung zum mündigen Bürger.
  • Nebenbei halte ich das Ausdifferenzieren auf Fächer grundsätzlich für zweifelhaft. Eine projektorientiertere, an der Komplexität des Lebens ausgerichtete Herangehensweise berührt immer mehrere "Fächer" - Das mag so sein. Aber in den allermeisten Schulen in D wird eher die Integration von Medienkompetenz in die Fächer gelingen als eine Umstellung vom fach- zum projektorientierten Unterricht. --> Auch der projektorientierte Unterricht bedarf der entsprechenden Lehrerkompetenz. Und: Ist es wirklich gut, alles projektorientiert zu machen? Haben nicht die Fachsystematiken ihren eigenen Wert? Sind Fachsystematiken denn grundsätzlich schlecht? Es gibt z.B. zahlreiche innermathematische Motivationen, die sich nicht durch reale Kontexte einkleiden lassen, die aber ihre eigene Schönheit haben.
  • Content sollte immer im Zusammenhang mit einem Context erfolgen und auch fächerübergreifend oder fachergänzend (anderer Sichtwinkelauf ein Thema/Problem), denn Technik/Technologie ist immer nur Mittel zum Zweck, Werkzeug und muss einen Sinn machen, sie kennen und anwenden (für sich nutzen) zu wollen. --> Ja. Man kann auch in einem eigenen Fach entsprechende Kontexte bereit stellen. Man kann doch in einem Fach "Medien" entsprechende Anwendungskontexte bieten (ähnlich wie man das auch z.B. in der Physik macht).
  • Schade, dass in Thueringen alles schon durch ist. Wir haben Medienkunde in "normale" Schulfächer integriert bekommen. Damit haben sie bei uns das Fach "ITG" aus den Angeln gehoben. Bin gerade als Alter (15 Jahre als L weg-Schwitz) und habe im letzten Jahr ein Ministudium Info an der Uni Jena begonnen. Dort möchte Prof. Fothen, dass ITG schon in der Grundschule als einzelnes Fach unterrichtet werden soll. Bin ich voll dafür. In unserem Sport-Gym wollen nicht mal die Mathelehrer den neuen Rechner einsetzen, wie sollen die dann Medienkompetenz oder wie man es auch nennen will/soll vermitteln. Ich stehe selber am Anfang der eigenen Nutzung von Web 2.0 und bin aber total begeistert. Nun muss ich nur noch lernen, wie ich es meinen Schülern näherbringe. Deshalb bin ich eigentlich auch hier. --> Ein Kollege in BW sagte einmal: "Hier haben wir ITG wegintegriert.""

 
Die Farbunterschiede habe ich mal weggenommen.
Das Schöne ist: Was in einem ganzen Land schon ausdiskutiert war, wird hier - obwohl die Tendenz wieder in Richtung fachintegriert geht - wieder aufgebrochen.
Was wohl heute im Laufe des Tages passiert, und morgen?

 
Zum Thema:

Wie bringt man Leser auf seine Webseite?

Wie Sie hier hergekommen sind, weiß ich nicht. Aber ich habe Sie offenbar dadurch hierher gebracht, indem ich aus einem ausführlicheren Blogbeitrag von Herrn Larbig, auf den hier am Rande schon länger hingewiesen wird, ein paar Punkte herausgegriffen habe, die mir interessant erscheinen:
  • Bringe Inhalte ins Blog, die deine Inhalte sind. Orientiere dich nicht daran, wie andere bloggen, denn das gibt es ja schon, sondern lege einfach drauf los.
  • „Einfach drauf los“ bedeutet aber nicht, dass die Qualität der Inhalte nicht stimmen müsste. Also: Bringe Inhalte ins Blog, die andere interessieren können.
  • Sei öffentlich im Web präsent. Diese „öffentliche Präsenz“ gilt auch für „social communities“ wie z. B. Twitter. Zwar erlaubt Twitter, dass Botschaften nicht in der öffentlichen Zeitleiste erscheinen und nur für zugelassene Personen lesbar sind, aber das Internet ist von seiner Infrastruktur her offen und dezentral. Entsprechend offen und dezentral gilt es dann auch das Internet zu nutzen.
  • Sprich mit anderen Menschen im Internet. Kommentiere Blogbeiträge, nutze Twitter, Facebook und Co nicht alleine, um Links in die Welt zu senden, sondern sprich mit den Menschen, die dir dort begegnen. Und wenn dieser Punkt erreicht ist, man also Gespräche mit anderen führt, die sich für ähnliche Themen interessieren wie man selbst, dann kommt auch das Lernen im Internet, die Fortbildung, auf eine mehr und mehr inhaltliche Ebene.
So weit Herr Larbig.
Ist das für Sie auch das Interessanteste an seinem Blogbeitrag gewesen?
Welche seiner Gedanken habe ich eben exemplifiziert?
  • Internet erlaubt Teilnahme zeitversetzt, vor und nach dem Vortrag
  • Seine eigenen Lernergebnisse macht man öffentlich, damit andere davon profitieren können, aber auch man selbst, falls man einen Gedanken nur ungenau aufgefasst hat. Denn dann önnen einen die Leser darauf hinweisen.
Außerdem führe ich vor, was meinen Blog auch sonst von dem von Herrn Larbig unterscheidet: Ich biete nicht längere Reflexionen, sondern weit kürzere Lernschritte.
Typisch seichter Internetstoff, wie ihn Schulmeister perhorresziert. Also jetzt bitte schleunigst zum Original!

19.6.11

Senioren gehen in die Schule

Warum geht man trotz früher teils recht schlechter Erfahrungen mit Schule wieder gerne dorthin?Weil man dort Schüler treffen kann! So ging es jedenfalls den Senioren, die über das Mehrgenerationenhaus eine Begegnung einer 9. Klasse des Goethe-Gymnasiums vermittelt bekamen, auch beim dritten Treffen mit den Schülern.
Die Senioren berichteten über ihre Berufe, gaben auch Tipps, was man bei der Wahl des Ausbildungsplatzes beachten kann, und fanden so viel Interesse, dass sie kaum noch auf das zweite Thema, was auch im Raum stand, "Jugendsprache" zu sprechen kamen.
Es ist ja aber auch nicht uninteressant, wie man vom Schlosser zum "Reaktorfahrer", dem Verantwortlichen am Steuerpult eines Kernreaktors, werden kann. Als Schlosser beginnen, in der Schuhfabrik ohne Berufsperspektive, weil wegen der internationalen Konkurrenz immer mehr Arbeitsplätze wegfallen, dann einen neuen Job suchen. Das war ein Job in einer Zukunftsindustrie: Atomkraftwerk. Da braucht es weniger Schlosser als Maschinenbauer. Also das dazu gelernt und mitgeholfen beim Aufbau neuer Kraftwerke, ein nach dem andern. Dann, als sie stehen, eine neue Umstellung. Mit der Automatisierung fallen mehr und mehr Aufgaben weg. Aber den Reaktor zu überprüfen, ihn hoch- und herunterfahren, das können Comuter dem Menschen nicht wegnehmen. Ein Zukunftsjob in Zeiten des Atomausstiegs? Wieder heißt es, eine neue Perspektive suchen.

Das suchten auch Schüler und Senioren im gemeinsamen Gespräch. Wie kann man die Zusammenarbeit, an der beide Seiten Gefallen gefunden haben, weiterführen? Unter Moderation der Schüler - der Lehrer konnte beruhigt zum nächsen Unterricht weitergehen - wurden neue Pläne entwickelt.
Die Senioren waren sich einig, die Begegnungen sollen fortgesetzt werden. Das einzige Problem: Woher die Zeit nehmen?

17.6.11

Der Ruf der Pflicht

"Call of duty" heißt passenderweise eine Spieleserie, die - obwohl erst ab 18 Jahren freigegeben - von einem weit höheren Anteil von 7.-Klässlern gespielt wird, als es der Anteil der Lehrer ist, die sie kennen.
Wieso auch sollte man sie kennen?

Man sollte soche Spiele nicht verteufeln, habe ich mir sagen lassen, und: Eltern, die ihre Kinder bis tief in die Nacht solche Spiele spielen ließen, seien selbst schuld.

Dazu:
Nehmen wir an, Schach sei ein Spiel, das einige wünschenswerte Fähigkeiten schult wie z.B. Konzentrationsfähigkeit und das Vorausdenken über mehrere Schritte hinweg.
Sollte ich es deshalb als unvermeidlich hinnehmen, wenn ich von 22:00 Uhr bis 2:00 Uhr morgens auf immer schlechterem Niveau gegen einen Computer Schach spiele, weil ich mich nicht davon lösen kann und danach nicht einschlafen kann, weil ich noch zu angeregt bin? Hieße es das Schachspiel verteufeln, wenn ich mir zur Regel machte, abends nicht gegen den Computer Schach zu spielen, wenn ich am nächsten Tag ab 8:00 Uhr wichtige Termine habe?
Nehmen wir an, eine alleinerziehende Mutter müsse aufgrund ihres Schichtdienstes am Morgen um 5:00 Uhr aufstehen und ihr 13-jähriger Sohn liehe sich von einem Klassenkamerad ein Computerspiel aus (das der Mutter unbekannt ist) und spielte es nach dem Zu-Bett-gehen der Mutter bis 4:00 morgens. Ist sie daran schuld?
Um es noch zu spezifizieren: Ist sie auch dann schuld, wenn ihr der Lehrer des Sohnes versichert, Computerspiele seien entgegen einem landläufigen Vorurteil ganz harmlos und außerdem seien viele geeignet, nützliche Fähigkeiten zu schulen?
Ein Ratschlag, der Eltern, die Computerspielen skeptisch gegenüber stehen, oft gegeben wird, ist der, die Spiele mit ihren Kindern zu spielen und sich dann mit ihnen darüber zu unterhalten.
Deshalb stelle ich hier einen kurzen Ausschnitt von the Call of Duty vor, den jemand für mich bei YouTube gefunden hat. (Kommentar dessen, der den Ausschnitt eingestellt hat: "First day with the game, still learning the map. Chopper Gunner killstreak halfway through video." Man lernt also auch Kartenlesen.)
Was ist die Pflicht, zu der mich das Computerspiel "Call of Duty" ruft?

16.6.11

Über die Gefahren von Computerschach und anderen Computerspielen

Unregelmäßig, aber mindestens einmal alle halbe Jahr komme ich dazu, mit einem Menschen Schach zu spielen. Vorher unterhalten wir uns, aber wir versuchen doch auch noch die Zeit für ein oder zwei Spiele herauszuschinden. Dann fahre ich des öfteren im Dunkeln nach Hause, obwohl ich das sonst zu vermeiden suche.
Mit meinem Computer kann ich auch Schach spielen. Er hat mir noch nie eine Revanche versagt. Das kann sich hinziehen.
Aber trotzdem versuche ich mich an einer Rechtfertigung für den Zeitverbrauch:

Relativ wenige Brettspiele sind darauf angelegt, Tötungshemmungen abzubauen, Computerspiele der Art gibt es einige. - Ich weiß, dass die wenigsten Spieler solcher Spiele in die Gelegenheit kommen werden, auszuprobieren, ob die Spiele in der Hinsicht effektiv sind.
Wenn man aber nachts bis um 4:00 um sein Leben gekämpft hat, sind am nächsten Morgen Dreisatzaufgaben nicht eben der Thrill.
7.-Klässler lassen sich solche Spiele von ihren Großeltern schenken. So können sie oft vermeiden, dass irgend jemand mitbekommt, was sie da tun. Da meine Kinder alle erwachsen sind, habe ich freilich noch nie ausprobiert, wie ich auf solche Spiele reagieren würde. Mir reichen Berichte von anderen Erwachsenen, die sie mit Interesse gespielt haben.
Natürlich lassen sich mit Computerspielen Lernstoffe erarbeiten und Fähigkeiten trainieren. (vgl. z.B. für Geschichte)

Nachtrag vom 17.6.:
Ich habe einen Bericht eines amerikanischen Ausbilders gelesen, wonach die gezielten Todesschüsse auf Gegner am Anfang des Vietnamkrieges etwa auf dem Niveau lag, das man auch für den 2. Weltkrieg annimmt, etwa 10%. Durch Einsatz der Schulungssoftware habe sich die Quote auf etwa 90% erhöhen lassen. Diese Schulungssoftware sei der Urahn heutiger Computerkampfspiele.
Bei Gelegenheit kann ich mal danach googeln.
Berichte aus dem weiteren Bekanntenkreis über die Faszination von Computerkampfspielen für sozial gut integrierte, vielseitig engagierte, u.a. durch Orchester, Sportverein und Mitarbeit in der Schülervertretung beschäftigte Schüler lassen mir wenig Hoffnung, dass sozial schlecht integrierte Schüler mit wenig Erfolgserlebnissen in "real life" der Faszination wesentlich besser widerstehen.
Es ist richtig: Sämtliche "Vorurteile über die sozialvereinsamten vor dem PC [haben sich] in Luft aufgelöst." Nur der Motivationsverlust auch der sozial gut Integrierten ist erschreckend.
Und die bleiben weiterhin die, auf denen zu Recht die Hoffnungen ruhen.

15.6.11

Aktueller Zwischenbericht zu den Upstreams von opco11

Die technische Qualität und die Organisation der Vorträge und der Diskussion dazu sind so schlecht, dass ich abgeschreckt werde, auch wenn die Themen an sich interessant finde und den Eindruck habe, dass die Referenten sehr sachkompetent sind. D.h. ich nutze die Zentralangebote nur, um auf Blogs aufmerksam gemacht zu werden, wo die Inhalte in meinem Sinne lerngerecht aufbereitet sind.

9.6.11

OpenCourse 2011 - Zwischenberichte

* Hosis Bericht (Seniorenlernen online)
* Joachim Wedekind
* Herr Larbig
* Bringt das bitte nicht euern Kindern bei!

Mein eigener Bericht wird noch folgen. Ich versuche gegenwärtig, Senioren und Schüler, die sich gelegentlich als Gruppe treffen (nicht meine Initiative! Ich bin nur freundlicherweise auch dazu eingeladen worden, dankeschön!), auch online zu vernetzen.

Sieh auch:
Sozialisation und Medienkompetenz
opco11-Zeitung

29.5.11

Was Hauptschülern wichtig ist

Heaven Hell and Paradise
Blog der Hauptschüler/innen der 9. Klasse, den sie Paradise nennen, weil sie da die Möglichkeit haben, sich auszudrücken und hoffen dürfen, verstanden zu werden. Etwas, was Menschen im allgemeinen und Hauptschülern im besonderen nicht immer und nicht überall gegeben ist.

"Und wenn der Mensch in seiner Qual verstummt, gab mir ein Gott, zu sagen, was ich leide."
Nun hat Frau Brosche nicht Goethe zu seiner Ausdrucksfähigkeit verholfen, und die Hauptschüler sprechen auch nicht nur von ihrem Leid.
Aber es ist schon etwas Besonderes, wenn jemand, der sich unverstanden fühlt, eine Möglichkeit bekommt, sich mitzuteilen. Anne Frank hatte ihr Tagebuch, die 9a an der Schiller-Volksschule in Augsburg-Lechhausen hat ihren Blog. Anne konnte nicht wissen, ob sie ihren Text jemals würde veröffentlichen können, sie konnte es nicht. Die 9a kann ihre Texte seit zwei Jahren im Netz lesen und weiß, dass jeder, der die 6,50 € aufbringen kann, ihre Texte unter der Nummer ISBN 978-3-89639-753-9 bestellen kann. Dank an Frau Brosche und das Internet!
Hier schreiben sie etwas über Selbstvertrauen: Confidence

Bei der Gelegenheit auch ein Hinweis auf Lernumgebungen bei opco11

21.5.11

Wie kommt man bei opco11 ins Gespräch?

Jasmin fragt, wie und wo man bei opco11 am besten ins Gespräch kommt. In den Kommentaren finden sich Hinweise.
Warum ich meinen hier zitiere, wird rasch ersichtlich:
Eine relativ simple Methode ist, den Kommentar zu schreiben und ihn dann auch als eigenen Blogpost zu veröffentlichen und dabei auf den Ausgangspost Bezug zu nehmen.


Wenn man dann noch als Tag (Schlagwort) opco11 angibt und über twitter (hier mit hashtag #opco11) auf beide Posts hinweist, hat man einiges zur Gesprächsanregung getan.

Obwohl mein Kommentar wenig inhaltsreich ist, werde ich es gleich mal mit ihm durchführen. (In der Nacht erreicht man freilich weniger Twitterer.)

4.5.11

Lernen heute und morgen

Herr Larbig schreibt in seinem Beitrag Thesen zur Zukunft des Lernens:
Die Fragen, was Lernen sei und wie sich Bildung zeigt, wird in heutigen Diskussionsprozessen oft ausgeblendet. [...] Viele Diskussionen um die Zukunft des Lernens neigen heute dazu, den an ihnen beteiligten Personen im Rahmen eines „heimlichen Lehrplanes“ vor allem Technologien nahe zu bringen und diese methodisch auf die Nutzbarkeit in Lernprozessen hin anzuwenden.

Eine solche Annäherung an konkrete Methoden und Technologien finde ich spannend und notwendig, solange klar ist, dass die Nutzung digitaler Technologien selbst nur ein Teil des mit ihnen möglichen Lernprozesses ist, ja, dass das Erlernen der Möglichkeiten, die solche Technologien bieten, selbst ein enormer Lernprozess ist, der zunächst geleistet werden muss, bevor das Medium nicht mehr das zentrale Thema des Lernprozesses ist.
Diese Aussagen möchte ich aus Herrn Larbigs durchweg lesenswerten Thesen hervorheben.
Die opco11 ist so angelegt, dass den Teilnehmern deutlich werden soll, was "Möglichkeiten, die solche Technologien bieten" sind, und dass zugleich getestet wird, wie fruchtbar die Verwendung dieser Technologien sind.
Ich hoffe, dabei wird sich erweisen, dass "die Fragen, was Lernen sei und wie sich Bildung zeigt" bei dieser Gelegenheit auch diskutiert werden können, obwohl die Medienaspekte verständlicherweise im Mittelpunkt stehen werden.

Zur Frage, "wie sich Bildung zeigt", möchte ich zunächst an nur zwei der sechs Bildungskriterien von Hartmut von Hentig erinnern (zu den übrigen 4 vgl. Bildung. Ein Essay)

  • Die Fähigkeit und der Wille, sich zu verständigen
  • Bereitschaft zur Selbstverantwortung und Verantwortung in der res publica
Ich greife zunächst diese zwei heraus, weil sie geradezu selbstverständlich erscheinen, aber mir gegenwärtig durchaus nicht mehr im notwendigen Sinne gepflegt zu werden scheinen.

Was war an den Aussagen vor der Ethikkommission (im Unterschied zum Ethikrat) so beeindruckend? Für mich nicht, dass offenbar nichts Neues gesagt wurde (wie sollte das nach jahrzehntelanger Diskussion pünktlich zu einer solchen Befragung passieren?)
Mich beeindruckte, dass den Berichten über die Befragung zufolge weder die Experten noch die Mitglieder der Ethikkommission darauf hingearbeitet haben, sich zu verständigen.
Ich habe die 11 Stunden nicht mit verfolgt, weil ich wenig Hoffnungen darauf hatte, dass das passieren könne. Aber wäre es angesichts der Katastrophe von Fukushima und der gegenwärtigen großen Abhängigkeit vieler Volkswirtschaften von Atomstrom nicht an der Zeit gewesen?

Und das gilt insbesondere in Bezug auf das zweite Kriterium:
Bereitschaft zur Selbstverantwortung und Verantwortung in der res publica (der Gesellschaft)

Wo ist bei den Vorstandsvorsitzenden der vier Energie-Oligopolisten Deutschlands etwas von dieser Verantwortungsbereitschaft zu sehen? Mehr noch, wo ist in den letzten Jahren seit Beginn der Finanzkrise ab 2007 bei führenden Bankern etwas davon zu spüren gewesen?
Sollte nicht wenigstens jetzt eine ernsthafte Diskussion über die Verantwortung führender Manager mit der Bereitschaft, sich zu verständigen geführt werden?

Ich habe die beiden Bildungskriterien von Hentigs absichtlich auf aktuelle Probleme und auf kontroverse Probleme bezogen. Denn über der Diskssion über die rechte Verwendung der Medien und über operationalisierbare Bildungsstandards kommt leider schon lange die Frage, woran Bildung sich zeigt, zu kurz.
Gut möglich, dass auch mir Verantwortungsbereitschaft und Wille zur Verständigung fehlen und ich es nur noch nicht wahrhaben will. Das wäre im Gedankenaustausch zu prüfen.

Statt Fragen daher nun meine in der Terminologie der Operationalisierbarkeit formulierte These:

Die Reaktion auf die Finanzkrise ab 2007 und die deutsche Diskussion nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima stellten eine Evaluation der Verständigungsbereitschaft und der Verantwortungsbereitschaft führender Manager von Energiekonzernen und Finanzinstituten dar.
Diese Manager haben noch schlechter abgeschnitten als die deutschen Schüler in der ersten PISA-Studie.

Seriöse Zeitungen wie das Handelsblatt lassen solch Halbgares über Bildung verlautbaren. Es gibt noch viel zu tun.

2.5.11

Stichworte zu Open Course 2011 (opco11)

Tipps von Ursel zum Umgang mit opco11 Sie gibt gute Hinweise zum Umgang mit den Netzangeboten von Open Course 2011.

Ihren Ratschlägen folgend stieß ich u.a. auf :

K.Pape über Massive Open Online Course (MOOC)

A. König: Soziale Medien in der Hochschullehre:
darin: "Soziale Medien brauchen dauernd Aufmerksamkeit und Pflege von allen Beteiligten." (Darin liegt ein gewichtiger Unterschied zu einlinigen Medien. Ff)

Wenn man opco11 (hier die Tweets dazu) wie einer täglichen Zeitung folgen will, kann man das hier ausprobieren.
Ob sich das bewährt, wird sich zeigen.

Missverständnisse über Beruf und Internet

Mit erstaunlich großem Echo hat Gunter Dueck auf der re:publica seine These vom Internet als Betriebssystem der Gesellschaft vorgetragen.

Ich argumentiere jetzt einmal spaßeshalber genauso undifferenziert wie er:
Er bringt es fertig, knapp eine Stunde lang so zu tun, als ob emotionale Intelligenz und Wissen getrennte Bereiche wären, als ob ein Patient seine Diagnose stellen könnte, wenn er nur seinen Fall und die Beschreibung von tausend möglichen Diagnosen dazu kännte.
Dass man Erfahrung sammeln muss, damit man möglichst rasch von einer falschen Diagnose zu einer richtigen kommen kann, ohne dass der Patient sich in die Krankheit hineinsteigert, die er nicht hat, und dass dazu auch Fachwissen dazu gehört, dass man präsent haben muss, ohne dass man es aus dem Internet zusammenrecherchiert. Das muss er ableugnen, um zwischen Wissen (Internet, maschinell produziert) und Expertise (Anwendung von Problemlösungsstrategien auf neue Fälle) eine Mauer aufzubauen, die beides sauber trennt.

Den ungeheuer abgetragenen Hut, dass Lehrer kein Fachwissen brauchten, weil Fachwissen ohne Empathie nichts bringt, mag er Internetverliebten als neu verkaufen. Schüler wissen das freilich schon seit vielen Generationen.

Womit er Recht hat, ist eins: Es gibt in der Tat mehr und mehr Fälle, wo der Sachbearbeiter weniger weiß als der Laie. -
Meine These: Das sind die Sachbearbeiter, die der These von der Trennung von Wissen und Problemlösungsfähigkeit, die Dueck vertritt, aufgesessen sind.

Oder nehmen wir Duecks Lieblingsbeispiel: Was brauchen wir noch Personen, die eine Arbeit tun, wenn man genausogut einen Automaten nehmen könnte: Man sucht aus, drückt auf einen Knof und schon kommt das Ausgesuchte unten heraus.
Nur weil es einen Algorithmus gibt, mit dem die Maschine solche Entscheidungen treffen kann, glaubt Dueck, Menschen könnten die Maschine ohne weiteres dazu bringen, die richtige Entscheidung zu treffen.
Nur weil Menschen Automaten für Menschen halten können - Weizenbaums ELIZA hat das eindrucksvoll demonstriert, gilt noch lange nicht das Umgekehrte: Eine Maschine wird immer einen Menschen für eine Maschine halten. Fahrkartenautomaten sind dafür das klassische Beispiel.

Das heißt nicht, dass es nicht schon lange Tendenzen in die Richtung von Duecks Zukunftsszenario gäbe: Mehr und mehr versucht die Wissensgesellschaft, alle Dienstleistungen abzuschaffen und sie dem Kunden aufzubürden. Günter Voß nennt das in seinem Vortrag zum Tag der Arbeit: Ohne Lohn - der arbeitende Kunde.

vgl. auch: ZDF Nachtstudio Diskussion zur Zukunft der Arbeit

Gunter Dueck Aufruf an die Generation Digital  (11.5.11)
Gegen solche Einseitigkeit verweise ich auf Carr, der freilich auch überpointiert.

29.4.11

OpenCourse 2011

Ich möchte auf OpenCourse 2011 aufmerksam machen, eine Internetveranstaltung, die von der Uni Frankfurt ausgeht und sich folgende Ziele gesetzt hat:

Blick auf Lernen in der Mediengesellschaft
                 Möglichkeiten
                 und Gefahren/Herausforderungen
Alles Weitere findet sich dort und unter dem Twitteraccount http://twitter.com/#!/search/opco11

Die Video-Streaming-Plattform findet sich hier: http://www.ustream.tv/channel/opco11

Da ich einen Teil der Beteiligten kenne, verspreche ich mir anregende Beiträge. Wie weit ich mich an der Diskussion beteiligen kann, übersehe ich bisher noch nicht.

Zwar habe ich schon vor zwei Jahren mein medienpädagogisches Konzept formuliert und so einige Artikel zu Lernen 2.0 und Web 2.0 geschrieben. Ich hoffe, dass ich angeregt werde, umzudenken und neue Positionen einzunehmen.