Google hat als ZEIT-Beilage ein Heft "Aufbruch Lernen. Ein Magazin zur digitalen Bildung" herausgebracht.
Was mich daran stört? - Dass das Lernen des Umgangs mit Programmen und digitalen Medien als "Aufbruch des Lernens" bezeichnet wird, obwohl es doch nur um einen neuen (sehr wichtigen) Lernbereich geht. Und dass von digitaler Bildung gesprochen wird, als ob Bildung digital sein könnte. Mit digital ist ja nicht die Bildung, sondern nur der Bereich, um den es geht, bezeichnet.
(Mit dieser Kritik an einem üblich gewordenen Sprachgebrauch kritisiere ich mich durchaus auch selbst; denn ich selbst habe im ZUM-Wiki einen Artikel Digitales Lernen eingefügt. - Wenn man will, dass etwas gefunden wird, passt man sich dem Sprachgebrauch an, und der ist relativ häufig unlogisch. Das ist freilich nur so lange unproblematisch, wie darüber nicht die Differenzierung im Denken verloren geht.)
Jetzt aber zum Inhalt des Heftes:
In den Artikeln wird zu Recht hervorgehoben, wie viel Möglichkeiten digitale Instrumente und Medien für Lernen bieten. Es wird aber nicht genügend berücksichtigt, dass diese Möglichkeiten primär den besonders Lernbegünstigten helfen und dass die durch äußere oder innere Umstände Lernbehinderten durch die Digitalisierung benachteiligt werden, so lange kein Schwerpunkt darauf gelegt wird, wie die Entstehung von Lerndefiziten aufgrund der Ausdehnung dieses Bereichs eingedämmt werden kann.
Dazu:
Zum einen ist aufgrund des hohen Innovationsgrades im Bereich der Digitalisierung jeweils die ältere Generation benachteiligt, weil sie sich neue Bereiche in einer Phase erschließen soll, wo diese spezifische Lernfähigkeit gerade abnimmt. (Nur ein Beispiel: Ich selbst habe bisher den Umstieg vom Laptop zu mobileren Geräten nicht geschafft.)
Zum anderen ist aufgrund des höheren Abstraktionsgrades des digitalen Bereichs nicht nur der verständnisvolle Umgang mit den Instrumenten und Medien schwieriger, sondern auch das Verständnis für die Gefahren, die dort für den Einzelnen (aber auch die Gesellschaft) lauern.
Wenn man bedenkt, wie zentrale gesellschaftliche Institutionen wie Regierung und Parlament mit dem Umgang mit digitalen Instrumenten hinterher hinken (unzureichende Absicherung gegen Hackerangriffe) und wie zeitverzögert auf die neuen Entwicklungen reagiert wird, dann sollte man sich auch klar machen können, dass ein Verständnis für die Gefahren der digitalen Welt (Sucht, Datenmissbrauch, Identitätsdiebstahl) und die Einübung in die Fertigkeiten, die man braucht, ihnen zu begegnen, weniger Lernbegünstigten stark erschwert ist.
Schließlich sollte man nicht ausblenden, dass nicht nur die Lernenden, sondern auch die gegenwärtigen Lehrer zu großen Teilen durch die neuen Anforderungen überfordert sind.
Wie groß ist der Prozentsatz der Lehrer, die sich schon ein funktionierendes persönliches Lernnetzwerk aufgebaut haben, und der Lernenden, die die technischen Geräte und notwendige Unterstützung haben, sich eins zu erarbeiten?
Dabei denke ich auch an den nicht geringen Anteil der Flüchtlinge, die schon mit Alphabetisierung und Spracherwerb extrem gefordert sind und gleichzeitig auch digitale Innovationen mitvollziehen können sollen, um in die Arbeitswelt integriert zu werden.
Da scheint es fragwürdig, wenn 5 Milliarden für die Versorgung der Schulen mit digitalen Instrumenten bereitgestellt werden, aber die Finanzierung von Alphabetisierung und Spracherwerb der Flüchtlinge noch nicht sichergestellt ist.
Sieh jetzt auch:
Digitale Strategie der KMK (Dezember 2016), ein kritischer Blogbeitrag in Lehrerzimmer vom 18.12.16
News4Teachers 21.12.16
Bildung in der digitalen Welt & Schulinternes Curriculum 3.1.17
Der Blog: Bildung digital
Lässt sich schon im Kindergartenalter Medienkompetenz erlernen? Bildungsklick 16.1.17
Die Verfasserin antwortet mit ja.
Aber auch sie bemerkt:
"Der pädagogisch verantwortete und kreative Einsatz von Tablets im Kitalltag ist für die meisten pädagogischen Fachkräfte Neuland, so dass nicht nur in die Ausstattung mit technischen Endgeräten, sondern vor allem auch die entsprechende Qualifizierung und Unterstützung des pädagogischen Personals eine weitere zu bewältigende bildungspolitische Herausforderung ist."
Zu den Gefahren des Internets meint sie:
"Die aktive Mediennutzung in der Kita bietet viele Anknüpfungspunkte, mit Kindern Gespräche über Sicherheitsthemen im Internet zu führen, wie sie Hilfe holen, mit Gefühlen umgehen, eigene Grenzen einschätzen, mit eigenen Passwörtern umgehen sowie das Recht am eigenen Bild oder das Urheberrecht kennen lernen. Sie ermöglicht auch, mit Kindern Regeln über die Mediennutzung aufzustellen und sie in ihrem Bewusstsein zu stärken, was gute und schlechte Medieninhalte sind. Durch solche Herangehensweisen legt frühe Bildung den Grundstein für eine sichere und verantwortungsvolle Internetnutzung. Dann entwickeln bereits junge Kinder Kompetenzen, die für sie später in problematischen Situationen im Netz hilfreich sind. Bevor jedoch Tablets in Kinderhand gegeben werden, sind die von Fachleuten empfohlenen Sicherheitsvorkehrungen und eine Vorauswahl geeigneter Medieninhalte zu treffen."
Wie man sicherstellt, dass der "pädagogisch verantwortete und kreative Einsatz" gelernt wird und genügend Geld nicht nur für die Geräte, sondern auch für die Schulung der Lehrkräfte bereitsteht, das hat sie nicht zu verantworten. Das ist aber genau der Punkt, an dem die bisherige Strategie, Medienkompetenz im digitalen Raum zu schaffen, gescheitert ist.
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17.12.16
6.10.16
Textarbeit mit unterschiedlichen Medien
Elektronische Medien erleichtern durch copy & paste das Anlegen von Exzerpten enorm (was in der Frühform dazu führt, dass man das Kopieren eines Textes für eine Art der Verarbeitung hält).
Im Internet ermöglichen sie zusätzlich die Verlinkung und Erstellung eines Hypertextes (Musterbeispiel Wikipedia).
Der Nachteil ist beim Internet, dass es weniger zur Lektüre sehr langer Texte geeignet ist, während das E-Buch die Erstellung eines Hypertextes nicht ermöglicht. Bei beiden ist die Abhängigkeit von der elektronischen Apparatur problematisch.
Das Smartphone schwächt diesen Nachteil ab, weil es (bei der intensiven Nutzung) jederzeit greifbar ist und außerdem keine relevante Anlaufzeit hat. Funklöcher und technische Störungen sind dabei freilich nicht berücksichtigt.
Ich persönlich vermisse beim gegenwärtigen E-Buch die Feindifferenzierung des Lesens. Entweder liest man seitenweise oder kapitelweise oder großabschnittweise. Der ungefähre Zugang über das Aufschlagen "gegen Schluss" oder "im ersten Drittel" oder "etwas 20 Seiten später", der beim Papierbuch eine Groborientierung ermöglicht, von dem übergangslos in das Lesen von Wort für Wort oder das Blättern von Seite zu Seite (mit Überblick über den Satzspiegel von zwei Seiten) gewechselt werden kann, fehlt mir sehr. Dazu kommt, dass das Markierte im Papierbuch besser auffällt und insofern die Unterscheidung eines bearbeiteten Abschnitts von einem unbearbeiteten leichter fällt.
Daher möchte ich weder das Papierbuch - nicht nur wegen des Haptischen -noch das E-Buch missen. Nur der Bedarf an Stellplatz und die Notwendigkeit des Transports beim Umzug und der Entsorgung bei der endgültigen Wohnungsauflösung sprechen massiv gegen das Papierbuch. Die hohen Kosten gegen eine Doppelversorgung durch beide Medien.
Im Internet ermöglichen sie zusätzlich die Verlinkung und Erstellung eines Hypertextes (Musterbeispiel Wikipedia).
Der Nachteil ist beim Internet, dass es weniger zur Lektüre sehr langer Texte geeignet ist, während das E-Buch die Erstellung eines Hypertextes nicht ermöglicht. Bei beiden ist die Abhängigkeit von der elektronischen Apparatur problematisch.
Das Smartphone schwächt diesen Nachteil ab, weil es (bei der intensiven Nutzung) jederzeit greifbar ist und außerdem keine relevante Anlaufzeit hat. Funklöcher und technische Störungen sind dabei freilich nicht berücksichtigt.
Ich persönlich vermisse beim gegenwärtigen E-Buch die Feindifferenzierung des Lesens. Entweder liest man seitenweise oder kapitelweise oder großabschnittweise. Der ungefähre Zugang über das Aufschlagen "gegen Schluss" oder "im ersten Drittel" oder "etwas 20 Seiten später", der beim Papierbuch eine Groborientierung ermöglicht, von dem übergangslos in das Lesen von Wort für Wort oder das Blättern von Seite zu Seite (mit Überblick über den Satzspiegel von zwei Seiten) gewechselt werden kann, fehlt mir sehr. Dazu kommt, dass das Markierte im Papierbuch besser auffällt und insofern die Unterscheidung eines bearbeiteten Abschnitts von einem unbearbeiteten leichter fällt.
Daher möchte ich weder das Papierbuch - nicht nur wegen des Haptischen -noch das E-Buch missen. Nur der Bedarf an Stellplatz und die Notwendigkeit des Transports beim Umzug und der Entsorgung bei der endgültigen Wohnungsauflösung sprechen massiv gegen das Papierbuch. Die hohen Kosten gegen eine Doppelversorgung durch beide Medien.
19.6.16
Bildung in der digitalen Welt
Strategie der Kultusministerkonferenz „Bildung in der digitalen Welt“
Kommt jetzt endlich die richtige Bildungspolitik in Deutschland?
(Lisa Rosas Kritik am Papier der KMK, 17.6.16)
Einen Eindruck, worum es dabei praktisch geht, vermitteln die folgenden Publikationen:
Bundeszentrale zur politischen Bildung: "Notizen" aus der Welt der digitalen Bildung
ZUM-Wiki: Digitales Lernen; Digitale Medien
Das ZUM-Team im ZUM-Blog über eine Diskussion des Strategiepapiers zur digitalen Bildung der Kultusministerkonferenz (KMK) in Berlin und eine gemeinsame Stakeholder-Konferenz von BMBF und KMK mit dem Titel „Digitaler Wandel in der Bildung: Perspektiven für Deutschland“
Der Blog Medienistik recht ausführlich zu denselben Veranstaltungen
Kommt jetzt endlich die richtige Bildungspolitik in Deutschland?
(Lisa Rosas Kritik am Papier der KMK, 17.6.16)
"Diese Rede vom „Vorbereiten auf“ macht mich ja immer stutzig, denn die Menschen leben doch schon in der digitalisierten Welt, und das schon seit Jahren. Da kommt jede Vorbereitung schon rein zeitlich zu spät und kann doch nur als Begleitung gedacht werden. Es ist tatsächlich ein Hinweis darauf, dass noch gar nicht verstanden wurde, dass die digitalisierte Welt nicht erst nach der Vorbereitung betreten wird, sondern dass wir in ihr leben, ob wir es wollen oder nicht. [...]Ob es sich um die obszön niedrige Entlohnung von Erziehern und DaF-Lehrern oder um die miserable „student-staff-ratio“ in Deutschlands Schulen und Hochschulen handelt: Ohne einen dramatischen politischen Wechsel im Bereich der Personalressourcen wird auch diese neue „Strategie der ‚Bildung in der digitalen Welt‘“ nicht erfolgreich sein."
Einen Eindruck, worum es dabei praktisch geht, vermitteln die folgenden Publikationen:
Bundeszentrale zur politischen Bildung: "Notizen" aus der Welt der digitalen Bildung
ZUM-Wiki: Digitales Lernen; Digitale Medien
Das ZUM-Team im ZUM-Blog über eine Diskussion des Strategiepapiers zur digitalen Bildung der Kultusministerkonferenz (KMK) in Berlin und eine gemeinsame Stakeholder-Konferenz von BMBF und KMK mit dem Titel „Digitaler Wandel in der Bildung: Perspektiven für Deutschland“
Der Blog Medienistik recht ausführlich zu denselben Veranstaltungen
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