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5.8.26

Der große Unterschied zwischen KI zur Recherche und KI für Information

 Angesichts der Fülle des gegenwärtig vorhandenen Materials ist KI zur Recherche für den Laien unumgänglich, für den Fachmann als erster Schritt kaum zu übergehen.

Bei der Information ist KI gefährlich, eine Kontrolle zumindest durch die Wikipedia wichtig. 

Für den Fachmann (Wissenschaft) ist die Wikipedia als erster Schritt sinnvoll, aber ohne Überprüfung an Sekundärliteratur und/oder Quellen unzulässig.

Für den Wikipedianer ist KI zur Recherche zugelassen, für die Formulierung der Information verboten. 

Wird das ausreichen, um zu verhindern, dass KIs sich wegen der Häufigkeit ihrer Texte letztlich nur immer wieder sich selbst bestätigen, so dass solide Information kaum noch durchdringt?

1.6.20

Ohne Meinungsaustausch werden wir nicht klüger

Warum haben sich die Politiker in der Coronakrise ständig auf die Wissenschaft berufen? Weil Gefahr im Verzuge war und man nach bestem Wissen und Gewissen schnell entscheiden musste. Das war richtig, und Wissenschaftler haben darauf immer wieder hingewiesen. Aber dieselben Wissenschaftler haben stets gewusst, dass alle wissenschaftliche Erkenntnis nur vorläufig ist. Deshalb forschen sie ständig weiter, unternehmen neue Experimente, damit die Unsicherheit geringer wird und Schritte aus der Krise heraus weniger riskant.
Dazu gehört freilich auch offene Diskussion darüber, was aus dieser Krise zu lernen war. Und dazu gehören Proteste, Demonstrationen und fundierte Kritik am Regierungshandeln aus den Reihen der Opposition. Ohne Meinungsaustausch werden wir nicht klüger.
Was uns in die Krise hineingeführt hat, kann uns nicht herausführen.

19.3.19

Martin Lindner: "Die Bildung und das Netz" mit einigen aktuellen Anmerkungen

Mit dem Netz hat sich nicht nur der Zugang zu Bildung verändert, "sondern auch das Wissen selbst: Im Netz und mit dem Netz entstehen neuartige Wissensarchitekturen, weil die digitalisierten Bausteine ganz anders verknüpft und verarbeitet werden können. Die Fachleute sind jetzt nicht mehr entrückte Autoritäten, die sich in perfekt formulierten Publikationen äußern, sondern Menschen, denen man online quasi beim Denken zusehen kann. Und auch die Peer-Netzwerke sind von ganz anderer Qualität als früher.
Das bedeutet tatsächlich einen fundamentalen Bruch mit den Bedingungen, unter denen früher Bildung stattfand, auch wenn die sichtbaren Auswirkungen bislang noch gar nicht so dramatisch sind. [...]
Die Idee eines verpflichtenden Wissenskanons ist verloren. Die Autoritäten büßen viel von ihrer Richtlinienkompetenz ein. Die Kommunikationen verzetteln sich. Und je mehr man sich in Online-Netzwerken aufhält, desto weniger ist man auf den Zusammenschluss mit den Leuten angewiesen, die leibhaftig im selben Raum sind." (Martin Lindner: Die Bildung und das Netz, Kapitel 16: Eine sehr kurze Bildungsgeschichte - im Kindle irgendwo bei 34%.) 
Die Redaktionsversion des Textes der Teile 1 bis 7 findet sich unter diesem Link:
https://docs.google.com/document/d/1nPxUsEccO8MyYP4sveYLVSV-YLjLEQ7tX5GU07fIPDo/edit#
[Wenn ich gleich zum Inhaltsverzeichnis gegangen wäre, um das genaue Kapitel, aus dem sie stammt, anzugeben, hätte ich es mir sehr erschwert, die genaue Stelle, wiederzufinden, von der ab ich weiterlesen wollte (eine Besonderheit elektronischer Bücher).] 

Meine Annäherung an Martin Lindners Text geschieht in diesem Blogartikel etwas ungewöhnlich. In anderen werde ich versuchen, Stellen, die mir wichtig erscheinen, weitestgehend unkommentiert vorzustellen. Dazu habe ich von ihm die Erlaubnis bekommen.

Hier eine kurze Andeutung, wie mich diese Textstelle aus dem Buch erreicht hat und wie sie wieder ins Netz gelangt ist:
Ich habe das Buch vor der Erstellung subskribiert (heißt heute: "per crowdfunding schwarmfinanziert"), bei einem ZUM-Treffen im Druckexemplar gelesen, den Verfasser bei passender Gelegenheit gebeten, es mir zur Verfügung zu stellen, es mir im azw3-Format aus dem Netz heruntergeladen, gerätselt, wie ich es in meinen Kindle hineinbekomme, in gutefrage.net angefragt, eine richtige Antwort bekommen (auch wenn der Antwortende das azw3-Format nicht kannte), aber mit der Antwort nichts anfangen können. (Was mein Problem war, schildere ich dort.) Schließlich habe ich es aber geschafft, es wenigstens in amazondrive unterzubringen. Meine Vorstellung: Wenn es bei amazon ist, ist es nicht mehr weit bis zum Kindle.

Im drive konnte ich es freilich wegen des Formats nicht lesen. Das wollte ich auch gar nicht, es sollte ja im Kindle sein. Hätte ich jetzt jemanden gehabt, der "leibhaftig im selben Raum" gewesen wäre, wäre ich über einen besseren Weg informiert worden. So habe ich einen hochqualifizierten Informatiker bemüht, der einen Kindlebesitzer, mit dem er "im selben Raum" war, befragt und darauf mir kluge Ratschläge gegeben hat.
Unfähig, die Ratschläge zu deuten, habe ich den Verfasser des Buches bemüht, ihm mein Problem aus meiner Sicht geschildert, was er, da er nicht "leibhaftig im selben Raum" war, nicht recht deuten konnte.
Genug, offenkundig habe ich den Text dann irgendwie im Kindle lesen können.
Sogleich habe ich dort meine Markierungen gesetzt, um es von dort wie üblich auf den Computer zu übertragen. Der aber erkannte nicht, dass das Buch wirklich im Kindle war, erkannte auch meine Markierungen nicht und konnte mir nicht den Text anzeigen. 
Alles kein Problem. Ich lese die markierte Stelle meinem iphone vor, das konfiguriert die Mail, die mein Computer empfängt. Die kopiere ich in diesen Blogartikel, korrigiere die Verständnisfehler der Spracherkennung und schon steht Martin Lindners Textpassage im Netz. Freilich nur, wenn ich sie rechtzeitig gespeichert habe. 
Wie oft war diese Textpassage auf dem Weg vom Verfasser zu mir und von mir zum Blog und vom Blog zu Ihnen im Netz?

Ich stimme Martin Lindner durchaus zu, dass man die Gedankengänge eines Wissenschaftlers, der häufig twittert, gelegentlich bei ihrer Entstehung mitverfolgen kann. Und das weiß ich sehr zu schätzen. Zudem ist es über das Netz leichter möglich, sich auf einer Art Augenhöhe zu fühlen. [Beispiel: Twittergespräch über Wissenschaft - Ist hier erkennbar, wer Professor ist, wer Doktor, wer gar kein ausgewiesener Wissenschaftler?] 
Kurz gesagt, wir würden uns duzen, auch wenn wir nie zusammen "im selben Raum" gewesen wären. Aber von der Augenhöhe bleibt wenig übrig, wenn der eine sich im Netz nicht wie ein digital native, sondern wie ein Wissenschaftler bewegt, der seine Arbeitstexte so routiniert aufspürt, wie er es zuvor in Seminar- und Universitätsbibliothek, über Fernleihe und im Archiv getan hat. 

Dennoch: Greta Thunberg kann mit großer Autorität von den Politikern fordern: "Ihr müsst mehr für die Abschwächung des Klimawandels tun!" und gleichzeitig auf die Frage, was geschehen soll, antworten: "Das weiß ich nicht". 
Denn ihr ist schon lange bekannt, dass Hunderte von Wissenschaftlern sich über wesentliche Schritte einig sind (vielleicht auch Tausende oder Millionen). Und in der Wikipedia findet sich (sogar in 133 Sprachen) zu Klimaschutz Grundlegendes zum Problem in einer für eine intelligente 16-Jährige durchaus verständlichen Sprache. Und die Qualifizierung als exzellenter Artikel bedeutet inzwischen, dass das Gebotene inzwischen höheren Ansprüchen genügt als früheres Lexikonwissen.*

Es gibt andere Hürden, aber dass Politiker deshalb, weil sie sich auf das Fachwissen ihres Ministeriums stützen können, sich über ihr Aufgabengebiet qualifizierter äußern könnten als Schüler, wird ihnen schon länger kaum noch abgenommen. 
Da brauchte es nicht Seehofer, der Migration als "Mutter aller Probleme" bezeichnete, als ob Klimawandel und Migration nichts miteinander zu tun hätten.
Und auch keines Scheuer, der als Verkehrsminister eine Geschwindigkeitsbeschränkung auf Autobahnen als "gegen jeden Menschenverstand" bezeichnete, obwohl die überwältigende Mehrheit der Länder Europas eine solche Beschränkung eingeführt hat. Und auch keines Trump. 

Und die Aussage von 2017 "je mehr man sich in Online-Netzwerken aufhält, desto weniger ist man auf den Zusammenschluss mit den Leuten angewiesen, die leibhaftig im selben Raum sind." ist nicht erst durch den Schülerstreik in rund 130 Ländern bewiesen, bei dem z.B. in einem Land nur 4 streikende Schüler waren, die aber die Nachricht von ihrem Streik international bekannt machen konnten. 

Da mag ich in den vorhergehenden Absätzen noch so oft betont haben, dass Anwesenheit "im selben Raum" für Verständigung oft zentral ist. 

* Ich persönlich halte übrigens den Bericht des Club of Rome von 2012 "2052 ..." für politisch noch informativer* und besonders zusammen mit Barack Obamas Satz: "Als Politiker kann ich Ihnen eines versichern: Politische Führer werden keine Risiken eingehen, solange die Menschen dies nicht von ihnen verlangen." (SZ, 5.10.13) Denn der bedeutet ja, dass das Wichtigste ist, dass Politiker eben nicht nur von Vertretern der Wirtschaft gesagt bekommen, was sie tun sollen. 

* Sehr eindrucksvoll dazu die 20 Ratschläge

Zur Fortsetzung meines Kommentars zur Lektüre des Buches (Entwurfsstadium)

2.5.17

Realitätsverleugnung

Dass Wissenschaft nicht endgültige Wahrheiten erschließen kann, sondern immer nur vorläufiges Wissen produziert, das erfolgreiches Handeln begünstigt und die Früherkennung von Fehlentwicklungen ermöglicht, gehört schon seit Jahrzehnten zur Schulweisheit.
Deshalb ist es bedauerlich, dass bei der Kampagne gegen Trumps Abwertung und finanzielle Strangulierung von Wissenschaft immer wieder ein falscher Zungenschlag aufkommt, als könnte Wissenschaft unbezweifelbare "Fakten" feststellen. (mehr dazu in Fontanefans Schnipsel)

Dabei hat schon Shakespeare solche Wissenschaftsgläubigkeit gegeißelt.*
Und in neuerer Zeit haben Philosophen von so unterschiedlicher Couleur wie Popper und Habermas beide sehr deutlich gemacht, dass Wissenschaft als Religionsersatz völlig ungeeignet ist.

Umso ärgerlicher ist es, dass die seriöse Presse und selbst Wissenschaftler, die es besser wissen, vom "postfaktischen Zeitalter" reden, als gäbe es so etwas wie unbezweifelbare Fakten und Wissenschaft hätte aufgehört, sich durch ständiges Infragestellen des herkömmlichen Wissens weiter zu entwickeln.

Trumps Fehler ist nicht, dass er nicht an unbezweifelbare Wissenschaftsresultate glaubt. Wissenschaftsgläubigkeit ist gefährlich. Sein Fehler ist, dass er - nur scheinbar? - meint, dass er Warnungen vor Fehlentwicklungen ungestraft außer Acht lassen könnte. Und politisch gefährlich wird er daduch, dass er seinen Anhängern - noch immer ziemlich erfolgreich - vorzugaukeln versucht, sie brauchten wirtschaftliche und politische Zusammenhänge nur zu leugnen, damit sie bedeutungslos würden.

Was nutzt es, wenn man vor Trugbildern warnt und dann nur andere an ihre Stelle setzt?

Man muss aufzeigen, dass Trumps Politik der großen Mehrheit der Bevölkerung und besonders seinen Wählern schadet. Wenn man damit wartet, bis es für alle offen zutage liegt, dürfte es zu spät dafür sein, ihre Folgen einzudämmen. Das Beispiel Bush junior und das Chaos im Nahen Osten, das er mit seinen Interventionen angerichtet hat, sollte uns Lehre genug sein. 

*There are more things in heaven and earth, Horatio,


Than are dreamt of in your philosophy. (Akt I, Szene 5)

(auf Deutsch korrekt zitiert:
Es gibt mehr Ding' im Himmel und auf Erden,
Als eure Schulweisheit sich träumen lässt, Horatio)

Zur Ergänzung dieses Artikels möchte ich auf die Diskussion dieses Themas auf dem fr-blog verweisen, in deren Einleitung es heißt:
"Von der Wissenschaft darf man keine „ewigen Wahrheiten“ erwarten. Wissenschaft ist das Ringen um Erkenntnis. Wissenschaftlicher Fortschritt passiert sogar im Grunde ausgerechnet immer dann, wenn eine Theorie als widerlegt betrachtet und zu den Akten gelegt werden muss, denn dann muss ein neuer Lösungsansatz her. Man kann wissenschaftlichen Fortschritt als eine Evolution von Ideen betrachten."
Und in der Henning Flessner am 25.4. 'sagte':
"Wenn man das Wort Fakten googelt und nach einem Wikipedia-Eintrag sucht, wird man auf den Begriff Tatsachen umgeleitet. Es gibt bei Tatsachen zwei Unterkapitel: 1. Rechtswissenschaft und 2. Philosophie und Theologie. Ein Unterkapitel Naturwissenschaft gibt es nicht.
Durch die Klimaforschung hat eine wahrscheinlich bisher einmalige Politisierung der Naturwissenschaft stattgefunden. Plötzlich ist in der Naturwissenschaft von Fakten, bei denen implizit immer mitschwingt, dass sie beweisbar sind und Wahrheiten die Rede. Man kann aber und will in der Naturwissenschaft auch gar nichts beweisen. Die Naturwissenschaft entwickelt Theorien zur Beschreibung der Phänomene mit dem Ziel der Vorhersagbarkeit." (Hervorhebung von Fontanefan - Herrn Raus Kommentar verdanke ich es, dass ich in der Diskussion noch etwas weiter nachgelesen habe, so dass ich hier anführen kann, was ich selbst nicht so klar hätte formulieren können.)

Am 26.4. formuliert Flessner:
"Die Relativitätstheorie hat sich in der Beschreibung der Phänomene tadellos bewährt, genau wie die Quantentheorie. Dummerweise können nicht beide richtig sein. Aber sie sind beide extrem gut brauchbar und das ist das Entscheidende."
Es lohnt sich, diese Diskussion noch weiter zu verfolgen. Freilich geht es dabei auch um manche Feinheiten, die man nicht unbedingt dauerhaft parat zu haben braucht. 

8.8.11

Wissensarbeit = Arbeit 2.0?

„Ein Wissensarbeiter ist jemand, der mehr über seine Tätigkeit weiß als jeder andere in der Organisation“, definiert Peter Drucker.
Weil das so ist, argumentiert Ulrich Klotz, könne kein Vorgesetzter besser wissen, was der Wissensarbeiter zu tun habe, als dieser selbst. So nachzulesen in dem höchst lesenswerten Artikel in der Frankfurter Rundschau vom 8.8.11. Deshalb greife "Frederick W. Taylors Konzept der 'wissenschaftlichen Betriebsführung'" für Wissensarbeiter nicht mehr, weil es Menschen als Teil einer Maschine begreife, und das führe zu "Frust und Demotivation".
Die richtige Arbeitsorganisation glaubt er im Internet bei Projekten wie Linux, Firefox und Wikipedia zu finden. In diesen Projekten herrsche "ein anderes Verständnis von geistigem Gemeineigentum. Hier sind die Menschen motiviert und gerne bereit, ihr Wissen und ihre Ideen anderen oder einer Organisation zur Verfügung zu stellen, weil ihnen Vertrauen, Respekt, Anerkennung, Fairness und Toleranz entgegengebracht wird." Das sei Arbeit 2.0, weil hier auf gleicher Augenhöhe gearbeitet werde.
So weit mein Referat seiner Thesen.


So sympathisch mir seine Haltung ist. Ich muss seiner Darstellung doch an wichtigen Punkten widersprechen:
Es ist zwar richtig, dass in diesen Projekten eine andere Motivation herrscht als anderswo. Doch "Vertrauen, Respekt, Anerkennung, Fairness und Toleranz" finden sich - zumindest in der Wikipedia - oft nicht. 
Weshalb ist das nicht so? 
Zum einen, weil Menschen nicht alle auf Vertrauen etc. angelegt sind, aber auch, weil es mit Vertrauen allein nicht immer getan ist. Denn freilich hat der Verfasser von zu Guttenbergs Dissertation über seine Arbeit mehr gewusst "als jeder andere". (Das gilt unabhängig davon, wer diese Arbeit verfasst hat.) Aber dennoch musste die Arbeit kontrolliert werden. Dasselbe ist der Fall in Wikipedia und Open-Source-Projekten. Bei letzteren gibt es freilich eine objektive Kontrolle: Funktioniert das Programm oder nicht. (Dass die Kontrolle oft nicht ausreichen wird, steht auf einem anderen Blatt.) Bei der Wikipedia aber fehlt dieses Kriterium. Deshalb wird es durch die Forderung nach Belegen, durch Peer-Bewertung und durch Kontrolle durch "Administratoren", Personen mit (ein wenig) mehr Rechten, ersetzt. Dass dies des öfteren "Anerkennung, Fairness und Toleranz" gefährdet und nicht allzu selten sogar zum Umschlag in ihr Gegenteil führt, weiß, wer sich in der Wikipedia ein wenig besser auskennt.
Dennoch gibt der Erfolg dieser internetbasierten Projekte Ulrich Klotz im wesentlichen Recht.


Dass man daraus für die Schule lernen könnte, beweist die seit langem geführte Diskussion über Lernen 2.0, auf die ich hier im Prinzip nur verweisen kann. Auf einen ganz aktuellen Beitrag möchte ich aber ganz gezielt hinweisen: auf Herrn Larbigs Hinweis, dass bei aller Binnendifferenzierung in der Schule weiterhin auf zweierlei aufbauen solle: auf die spezifische Anregung durch den Gegenstand und die Autonomie der Schüler.

25.2.11

Ehrlichkeit in der Wissenschaft

Seit es Wissenschaften gab, gab es vermutlich Wissenschaftsschulen, d.h. Wissenschaftler, die Schüler eines Lehrers waren und Gruppen, die die gleiche wissenschaftliche Orientierung hatten. In solchen Schulen wurden Hypothesen wohlwollender geprüft, wenn sie aus der eigenen Schule stammten, und kritischer, wenn sie von Außenstehenden kamen. Das widerspricht  dem wissenschaftlicher Objektivität, ist aber menschlich.
Problematischer wird es, wenn wissenschaftliche Ergebnisse nicht durch Schulen bedingte Parteilichkeit, sondern durch bewussten Betrug zustande kommen.
Das Bloggewitter "Ehrlichkeit in der Wissenschaft" versucht, darauf aufmerksam zu machen.

31.8.10

"Das ist längst bewiesen!" - Über falsche Sicherheiten

Francis "Bacon hat vor voreiligem Vertrauen darauf, das Richtige erkannt zu haben, gewarnt und auf folgende Arten von Täuschungen aufmerksam gemacht:

1.Täuschungen, die sich aus den Tiefen des Individuums, dem Unbewussten, ergeben.
2.Irrtümer aus überlieferten, überzeugend dargelegten Lehrsätzen: „Dogmen“ oder Meinungen einer Autorität, die wir glauben, ohne zu „hinterfragen“. Solche Irrtümer sieht er bei Scholastiker, aber auch bei Humanisten, wenn sie die Naturwissenschaften nicht genügend berücksichtigen.
3.Irrtümer, für die unser Sprachgebrauch verantwortlich ist. Das ist ein Ansatz für die moderne Sprachkritik der Philosophie.
4.Fehler unseres Verstandes – Sie entstehen, weil wir von unserem menschlichen Standpunkt aus urteilen, statt der Natur der Dinge gerecht zu werden. Dazu zählt er die Überbetonung der Bedeutung plötzlicher und außergewöhnlicher Vorgänge." (zitiert von hier)

Auch Naturwissenschaftler sind vor solchen Irrtümern nicht gefeit, wie der Blogartikel Wie Wissenschaft funktioniert an einem Beispiel von Forschung im Bereich der Grünen Gentechnik aufzeigt. Gerade was naturwissenschaftlich korrekt ist, kann freilich sozialwissenschaftlich gesehen in gefährliche Irrtümer führen.

Im Lehrerzimmer werden wir auf die Unterscheidung Wahrnehmung und erkenntnis (am Beispiel einer optischen Täuschung) und von Ergebnis einer Untersuchung und ihrer Interpretation aufmerksam gemacht. Vor solchen Fallstricken kann man gar nicht genug warnen. Danke!

Francis Bacon freilich hatte das Erkenntnisinteresse Naturbeherrschung, und das ist bis heute für die Naturwissenschaften Normalfall und für Technik Norm.
Dass ein solches Erkenntnisinteresse Fragestellungen erschwert, die die Gefahren von menschlicher Naturveränderung aufzudecken geeignet sind, weiß man freilich nicht erst seit dem Klimawandel.

29.8.09

Wikipedia und Wissenschaft

Zwei bemerkenswerte Beiträge, die sich m.E. inhaltlich gar nicht so sehr widersprechen.
Einer der betont, dass die Wikipedia nicht den Anspruch hat, wissenschaftliche Forschung zu betreiben von Nando Stöcklin, und einer von Klaus Graf, der darauf hinweist, dass es sehr wohl eine ganz erhebliche Anzahl von Artikeln von wissenschaftlichem Niveau gibt. Graf nennt seinen Beitrag "Dummes Zeug von Nando Stöcklin über die Wikipedia" und charakterisiert damit mehr und seinen farbigen Stil als den Beitrag auf, den er sich bezieht.
Ich kann beiden Artikeln zustimmen.

7.9.07

Affen die besseren Mathematiker?

Beim Vergleich von zweieinhalb Jahre alten Kindern und Affen, ergab sich, dass die Kinder besser von anderen lernen konnten, die Affen aber besser selbständig mit einem Stock sich etwas heranholen und auch besser rechnen konnten.

Dass die Forscher dennoch an der Vermutung festhalten, dass Menschen offenbar trotzdem langfristig besser lernen, ermutigt. Dass die Untersuchung mit eineinhalb Jahre alten Kindern eindeutig zugunsten der Affen ausgegangen wäre, ist meine unbewiesene These.

Mir schwebt eine Versuchsreihe vor, bei der sämtliche Affenarten mit Menschen zwischen zweieinhalb und drei Jahren verglichen werden. So ließe sich leicht eine PISA-Studie erstellen, aus der hervorgeht, welche deutschen Bundesländer in welchem Alter in welcher Fähigkeit den Bonobos unterlegen sind. - Etwas Ähnliches hat man schon vor.

13.7.07

Unberechtigte Vorwürfe an Karin Wolff

Man braucht kein Anhänger von Karin Wolffs Schulpolitik zu sein, um befremdet darauf zu reagieren, wie ihre Äußerungen zur Behandlung fachübergreifender Fragestellungen in Biologie- und Religionsunterricht benutzt werden, um ihr zu unterstellen, sie rede Kreationisten das Wort.
Immerhin hat kein Geringerer als Karl Popper von dem Komplementaritätsmodell von Theologie und Naturwissenschaften gesprochen. So wie er auch darauf verwiesen hat, dass wissenschaftliche Ergebnisse nach dem Falsifizierungsprinzip immer nur vorläufige sind. Zudem sind weder Urknalltheorie noch die Evolutionstheorie Darwins falsifizierbar. Deshalb bleibt beiden - bei aller Überzeugungskraft der für sie sprechenden Argumente - ein Gutteil Spekulation Voraussetzung für die Bereitschaft, sie für das einzig angemessene Erklärungsmodell zu halten.