Wenn ich von dem Blogeintrag Lebenszeichen sage, er sei literarisch gestaltet, so nicht deshalb, weil ich mir dessen sicher bin, sondern deshalb, weil ein Blog, der bewusst komponiert ist, attraktiver wirkt als einer, bei dem die Beiträge, wie Kraut und Rüben daher kommen.
Es gibt aber noch einen anderen Grund. Der Abschied ist so abrupt, die Überschrift "Lebenszeichen" so ominös, dass der abschließende Halbsatz "dass ich nicht in der Versenkung verschwunden bin und ich euch keinesfalls vergessen habe" ganz danach klingt, als könnte die Autorin damit rechnen, dass in ihrem Leben eine so einschneidende Veränderung eintritt, dass sie mit ihren Leser(inne)n keinen Kontakt mehr halten kann. - Ich will einfach nicht, dass dieser realen Person etwas Unangenehmes zugestoßen ist, das ein Schweigen von gut eineinhalb Jahren begründet.
Ich versuche also das, was ich über den Blog weiß, in ein griffiges Bild zu bringen, ohne ernsthaft zu versuchen, es genau mit den mir vorliegenden Unterlagen abzugleichen.
Was bei einem Schüler unverzeihlich wäre, sich ein Bild von ihm zu machen und seine Überprüfung zu verweigern, glaube ich, mir bei einem Blog leisten zu können. Denn jeder kann sich ja sofort sein eigenes Bild von dem Blog machen, und außerdem kann ein etwas unzutreffendes Bild dem Blogautor kaum schaden. Zumal, wenn Sie jetzt vorgewarnt sind.
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