19.6.26

Herr Rau und das Märchen vom Zauberfaden

 Chatbot-Nutzung ist wie das Zupfen am Zauberfaden. Das ist der letzte Satz von Thomas Rau in seinem Blogbeitrag über das Märchen vom Zauberfaden. Was die Aussage dieses Märchens ist, findet man bei Herrn Rau

Das Märchen handelt von Zeitsprüngen, also davon, wie man Ergebnisse vor der Zeit bekommt. Der Weg zur Erkenntnis wird übersprungen, und man erhält vom Chatbot gleich ein argumentativ begründete Lösung.

Deshalb kommentiert Stefan Loskamp auch: „Chatbot-Nutzung ist wie das Zupfen am Zauberfaden“: Das ist the best Aphorismus ever, weil KI macht dumm, dümmer gehts nimmer!

Ich stimme Stefan zu und widerspreche ihm zugleich. Denn natürlich hat er überzogen: dümmer gehts nimmer geht zu weit, denn ganz ohne jede richtige Aussage kommt man nicht aus, auch wenn die Lösung eines Problems, ein Aha-Erlebnis viel weiter bringt als die Lektüre einer Gebrauchsanleitung: Man muss schon das Vertrauen, dass es eine Lösung gibt und verschiedene Wege zur Erkenntnis gesehen haben, damit man den Weg zur Erkenntnis erfolgreich begehen kann.

Auch wenn Lessing darauf besteht, dass die Wahrheit für Gott allein sei, und Schiller warnt: "Weh dem, der zu der Wahrheit kommt durch Schuld: Sie wird ihm nimmermehr erfreulich sein."

Für eine Recherche in Texten, die im Internet noch nicht zu finden sind, ist Chatbot-Nutzung durchaus sinnvoll. Deshalb versuche ich in den Artikeln, in denen ich Texte vorstelle, möglichst immer die Originaltexte zu verlinken, aber biete auch Kurzvorstellungen von Textinhalten an, damit man Bewertungen einordnen kann. 

4.6.26

OERchideenfächer und freie Bildung

 Gemeint sind seltene Ausbildungsberufe. Mein aktuelles Beispiel: Kaminbau in Bayern. Hierfür gibt es nur zwei Berufsschulen, die diesen Beruf anbieten: eine mit einem Nordost- und eine mit einem Südwestsprengel. Solche Fächer sind hochspezialisiert. Es gibt nur wenige Lehrkräfte, die sie unterrichten, und wenige Auszubildende, weshalb auch selten Schulbücher zur Verfügung stehen.

Was hat das mit freier Bildung zu tun?

Ein Lehrkräfteteam hat sich mit dem Lehrplan von 2025 auf den Weg gemacht, diesen im Team umzusetzen. Im Rahmen des Schulversuchs „Clever Clustern“ vom Bildungspakt Bayern setzen sie auch Lernortkooperationen um. Die Lehrkräfte erstellen kompetenzorientierte Unterrichtsszenarien für handlungsorientierten Unterricht. Die Szenarien werden mit den Betrieben evaluiert: Sind sie praxisrelevant? Sind sie aktuell? Die Ergebnisse und Unterrichtsmaterialien werden die Lehrkräfte über hubbs.schule anderen Schulen frei zur Verfügung stellen.

(https://www.zum.de/portal/oerchideenfaecher-und-freie-bildung/ Von Patrick / 16. Mai 2026)

29.5.26

Kompetenzunterschiede zwischen Kindern verschiedener Elternhäuser

 Wie schafft man die ab?

Eine Bildungsforscherin sagt dazu: Es wird zu wenig getan. Wenn ein Neunjähriger sagt: "Die Reichen haben in der Schule ganz gut aufgepasst." Und andere: "Die guten Schüler haben sich einfach angestrengt, und die schlecht in der Schule sind, das sind die Kinder, die Mist machen."

Die Kinder haben nicht über Gerechtigkeit, strukturelle Probleme oder Diskriminierung gesprochen.

Fontanefan: Wieso können viele Schüler dem Unterricht folgen, ohne Hausaugaben zu machen? Lernt mein Musikinstrument nur aus Freude an der Musik? Was unterscheidet Nobelpreisträger von Durchschnittsgelehrten? - Würde es Kindern helfen, wenn man ihnen Schulerfolg damit erklärt, es komme darauf an, aus welchem Elternhaus man kommt? Natürlich ist das sachlich richtig, aber nicht sonderlich motivierend. Natürlich sollte auch über Gerechtigkeit gesprochen werden, aber wenn das das Wichtigste ist, was sie über Lernen lernen und sich merken. Dann wäüre das schlechte Pädagogik.


In den Formulierungen, die ich im vorigen Artikel gesammelt habe, heißt es u.a.:

"Doch Kinder fragen: wer, wie, was, wieso, weshalb, warum? Der Mensch will wissen. Etwas in uns strebt nach Bildung. Denn nur wer viel weiß, kann fragen."

Fontanefan: Weshalb wohl fördert KI Bildungsungleichheit? Kinder fragen und bekommen Antworten der Eltern. Weshalb wohl "schweigen viele die KI nur an"? Weil sie nicht mehr fragen können. Weil sie sich darauf verlassen, die KI könne - im Unterschied zu ihren Eltern - ohne gute Fragen*  gut antworten. Weil sie bei der ersten Weltentdeckung auf Fragen keine oder nur unzureichende Antworten bekamen. * Schließlich hat sie ja Hunderte von Milliarden gekostet. 

Fontanefan: Mir hat mein Sohn das Konzept der Elektronenbindung (in der Chemie) beigebracht, als er in der 3. Klasse war (weil er es aus einem Realschulbuch der 9. Klasse gelernt hatte. - Ich war da 40 J. und hatte in Chemie eine 1 gehabt. ) Als er 12 Jahre als war, hat er versucht, mir die neueste Computersprache, die er gelernt hatte, beizubringen. Als ich eine Frage stellte, antwortete er: "Das habe ich vor 5 Schritten erklärt. Ich glaube, ich kann dir die Sprache doch nicht beibringen." Als er mit Hilfe einer "zwei Jahre alten" Mathematik seine Informatik-Dissertation geschrieben hatte, hat er sie mir erklärt. In 20 Minuten. Genau in der Zeit, die er mir angekündigt hatte. Ob ich Zwischenfragen gestellt habe, weiß ich nicht mehr. Aber am Schluss hatte ich keine Fragen mehr. 

Offenbar hatte er Erklären gelernt (Schon vorher wollte meine Tochter nur von ihm erklärt bekommen. "Papa, ich warte lieber, bis Martin da ist.") Aber natürlich war klar, dass ich eine Informatik-Dissertation nicht würde verstehen können und dass er also zu enormen Vereinfachungen greifen müsse, um mir einen Eindruck davon zu geben, was er geschrieben hatte. 

Als meine Enkelin wissen wollte, was ein Komet ist und mit den Antworten ihrer Eltern unzufrieden war hat er ihr u. a. erklärt, dass der Schweif aus zwei unterschiedlichen Stoffen bestehe. Dazu die Wikipedia: 

"Die Bestandteile der Koma werden durch Strahlungsdruck und Sonnenwind „weggeblasen“, so dass sich etwa innerhalb der Marsbahn ein Schweif ausbildet, oder exakter zwei Schweife:

  • Ein schmaler, lang gestreckter Schweif (Typ-I-Schweif), der im Wesentlichen aus Molekülionen besteht und auch Plasmaschweif genannt wird. Für diese Teilchen reicht der Strahlungsdruck als Erklärung nicht aus, sodass Ludwig Biermann 1951 eine von der Sonne ausgehende Partikelstrahlung, die heute Sonnenwind genannt wird, als Erklärung hierfür postulierte. Heute geht man davon aus, dass die kometaren Ionen durch eine Wechselwirkung mit dem solaren Magnetfeld angetrieben werden, das von den geladenen Teilchen des Sonnenwinds mitgeführt wird.
  • Ein diffuser, gekrümmter Schweif (Typ-II-Schweif), der auch Staubschweif genannt wird. Die kleinen Staubteilchen, die diesen Schweif bilden, werden durch den Strahlungsdruck der Sonne beeinflusst, dessen Wirkung durch eine Aufspaltung in zwei Komponenten erklärt werden kann:
    • Eine radiale Komponente, die der Gravitationskraft entgegengerichtet ist und wie diese quadratisch mit der Entfernung zur Sonne abnimmt. Dies wirkt wie eine effektive Abnahme der solaren Gravitationskraft, die Staubteilchen bewegen sich deshalb auf „Pseudo-Keplerbahnen“, die sich für Staubteilchen verschiedener Größe unterscheiden, da die Kraft durch den Strahlungsdruck von der Teilchengröße abhängig ist. Dies führt zu einer relativ starken Auffächerung des Staubschweifs im Vergleich zum Plasmaschweif.
    • Die andere wirksame Komponente des Strahlungsdruckes ist der Bewegungsrichtung der Staubteilchen entgegengerichtet und führt zu einer Abbremsung der Teilchen, die größer als die Wellenlänge des Lichtes sind, das heißt, größer als etwa 0,5 µm. Diese Teilchen bewegen sich langfristig genauso wie der sonstige interplanetare Staub auf Spiralbahnen Richtung Sonne (Poynting-Robertson-Effekt).[16]
  • Sehr selten, bei besonderen Bahnkonstellationen, ist ein Gegenschweif (Typ-III Schweif, Antischweif) sichtbar. Hierbei handelt es sich jedoch nicht um einen eigenständigen Schweif, sondern nur um einen geometrischen Projektionseffekt: Wenn die Erde die Kometenbahnebene kreuzt, kann ein Teil des Staubschweifs, bedingt durch seine Krümmung, scheinbar über den Kometenkopf hinausragen und zeigt dann scheinbar in Richtung Sonne. [...]" (Wikipedia)

Als ich das las, habe ich begriffen, wie viel mein Sohn gelernt hatte, weil er Fragen stellen konnte. Und weil er gelernt hatte, zu erklären: Lernen durch Lehren.

Zitate aus dem vorigen Blogartikel:

https://www.zeit.de/2026/22/bildung-deutschland-krise-pisa-ki/komplettansicht

"Ja, man kann alles online nachschlagen, sich alle Antworten zu liefern lassen. Aber dafür muss man ja wissen, was man wissen will. Und ob die Antwort zufriedenstellend ist. Wenn wir das nicht mehr können, verstummen wir. Und dann schweigen wir auch die KI nur noch an."

"Nach Bildung zu streben – als Mensch und als Gesellschaft – heißt, sich Dinge zuzumuten, die nicht nur einen selbst betreffen. Zu wissen: mein Horizont ist nur der Anfang."

"Die KI kann viel, will aber nichts. Doch Kinder fragen: wer, wie, was, wieso, weshalb, warum? Der Mensch will wissen. Etwas in uns strebt nach Bildung. Denn nur wer viel weiß, kann fragen. Nur wer fragen kann, ist frei."

Fontanefan: Dass KI nichts will, wird vermutlich nicht lange dauern. Kinder können fragen. Sind Kinder frei?

https://www.zeit.de/bildung/2026-05/gebildete-menschen-eigenschaften-cem-oezdemir-linda-zervakis-reinhard-mey

13.5.26

Bildung

 Wikipedia: Bildung Allgemeinbildung

Weltwissen Allgemeinbildung https://www.weltwissen.online/

Meine bisherigen 40 Artikel zu Bildung auf diesem Blog (nicht aktuell, sondern nur nostalgisch?)

Meine Frage: Sind Kompetenzen, die auf die falschen Gegenstände und für die falschen Ziele verwendet werden gefährlich (bildungsfeindlich) ? Dazu vgl.: Kant und Sekundärtugenden

Links zu Artikeln der ZEIT vom 13.5.26

https://www.zeit.de/2026/22/bildung-deutschland-krise-pisa-ki/komplettansicht

"Ja, man kann alles online nachschlagen, sich alle Antworten zu liefern lassen. Aber dafür muss man ja wissen, was man wissen will. Und ob die Antwort zufrieden stellend ist. Wenn wir das nicht mehr können, verstummen wir. Und dann schweigen wir auch die KI nur noch an."

"Nach Bildung zu streben – als Mensch und als Gesellschaft – heißt, sich Dinge zuzumuten, die nicht nur einen selbst betreffen. Zu wissen: mein Horizont ist nur der Anfang."

"Die KI kann viel, will aber nichts. Doch Kinder fragen: wer, wie, was, wieso, weshalb, warum? Der Mensch will wissen. Etwas in uns strebt nach Bildung. Denn nur wer viel weiß, kann fragen. Nur wer fragen kann, ist frei."

Fontanefan: Dass KI nichts will, wird vermutlich nicht lange dauern. Kinder können fragen. Sind Kinder frei?

https://www.zeit.de/bildung/2026-05/gebildete-menschen-eigenschaften-cem-oezdemir-linda-zervakis-reinhard-mey

https://www.zeit.de/bildung/2026-05/bildungstest-allgemeinwissen-quiz-deutsche-quizmeisterschaften

https://www.zeit.de/2026/22/afd-sachsen-anhalt-hochschulen-hans-thomas-tillschneider

https://www.zeit.de/2026/22/wolf-sasa-stanisic-mobbing-ausgrenzung-schule

https://www.zeit.de/2026/22/mobbing-schule-praevention-lehrkraefte (Mobbing-Prävention)

https://www.zeit.de/2026/22/arbeitslosigkeit-geisteswissenschaftler-akademiker-jobsuche (Tellerwäscher)

https://www.zeit.de/bildung/2026-05/warnung-schulsterben-sven-schulze-afd-schulpflicht-faq

https://www.zeit.de/bildung/2026-04/musikschule-instrumente-musiklehrer-bildung

https://www.zeit.de/wissen/2026-04/soziologin-harvard-eirliani-abdul-rahman-klage-usa

https://www.zeit.de/2026/14/schulsystem-alberta-kanada-schulen-calgary-daten (Datensammeln, Datenschutz)

https://www.zeit.de/2026/12/exzellenzinitiative-universitaeten-deutschland-spitzenforschung-geld

(Kommentar)


Eltern - Kinder

https://www.zeit.de/2025/41/sabine-walper-familie-forschung-erziehung-eltern  Eltern sollten sich nicht zu viel an Ratschlägen orientieren (Gefahr: Eltern-Burnout)

https://www.zeit.de/2025/54/cordula-stratmann-komikerin-familientherapeutin-koeln-fernsehen



24.4.26

Zum Umgang mit KI

 

Im Umgang mit KI hilft ein einfacher Prüfmechanismus: 

Erstens: Ist die Aussage allgemein oder konkret? Allgemeine Erklärungen sind oft brauchbar. Konkrete Daten, Orte und Zahlen müssen genau überprüft werden. 

Zweitens: Woher könnte die Information stammen? Wenn keine Quelle angegeben ist ist, sollte man sehr vorsichtig sein. 

Drittens: Ist der Text zu glatt? Wirklichkeit ist oft widersprüchlicher als KI-Prosa. 

Viertens: Füllt die KI vielleicht eine denkbare Lücke?
Ursprünge, Übergänge, Endpunkte und aktuelle Entwicklungen (!) sind typische Halluzinationszonen. 

Diese vier Fragen reichen oft, um problematische Stellen schnell zu erkennen.


Mehr dazu unter: Wenn eine KI mich für tot erklärt

20.4.26

Zum Verständnis von KI und ihrer Steuerung

 Jean-Pol Martin: Lernen durch Lehren und Neue Menschenrechte 19.4.2026

"[...] KI kann Begriffe in Beziehung setzen, Texte rekonstruieren, Varianten erzeugen, Muster sichtbar machen und in iterativen Schleifen zu immer stimmigeren Ergebnissen beitragen. Besonders stark ist sie dort, wo ein Mensch den Rahmen vorgibt, die Fragestellung präzisiert und die Rückmeldungen prüft. Zugleich sieht Martin klar ihre Grenzen. KI besitzt kein menschliches Langzeitgedächtnis, keine eigene Identität, keine biografische Kontinuität und kein Selbstverhältnis. Sie rekonstruiert, kombiniert und variiert – aber sie erinnert nicht im menschlichen Sinn und sie urteilt nicht aus eigener existenzieller Verankerung. Gerade diese Unterscheidung ist entscheidend. Sie schützt davor, sprachliche Leistungsfähigkeit mit Bewusstsein zu verwechseln. [...]

Jean-Pol Martin versteht KI auf drei Ebenen zugleich. Erstens funktional: Er erkennt, was diese Systeme praktisch leisten können und worin ihre Begrenzungen bestehen. Zweitens systemisch: Er begreift KI nicht isoliert, sondern als Teil eines größeren Rückkopplungsprozesses zwischen Mensch, Technik, Text, Öffentlichkeit und kollektiver Wissensbildung. Drittens normativ: Er fragt immer nach dem Wozu. KI soll nicht nur effizient sein, sondern dem Menschen dienen – seiner Selbststeuerung, seiner Partizipation und seiner Fähigkeit, kohärent zu denken und zu handeln. Gerade diese dritte Ebene fehlt vielen gegenwärtigen KI-Debatten. Dort dominieren oft Technikfaszination oder Risikorhetorik. Martin dagegen verankert KI in einem anthropologischen Rahmen. Er fragt nicht nur, was KI kann, sondern welche Form von Gesellschaft durch ihren Einsatz gefördert wird. [...]

Sein Verständnis ist weniger das eines Programmierers im Maschinenraum als das eines Theoretikers der Lebenserhaltung, der präzise erkennt, was diese Systeme leisten können – und was sie nicht leisten dürfen. Vielleicht ist genau das heute die entscheidende Form des Verstehens. [...]" ( Jean-Pol Martin: Lernen durch Lehren und Neue Menschenrechte 19.4.2026)

2.4.26

Duderstadt / Forytta: Literarisches Lernen (in der Grundschule)

 "Das Werk "Literarisches Lernen", herausgegeben von Matthias Duderstadt und Claus Forytta (erschienen 1999 als Band 107 in der Reihe Beiträge zur Reform der Grundschule des Grundschulverbandes), gilt als ein wichtiger Beitrag zur deutschdidaktischen Diskussion über die Rolle und den Umgang mit Literatur in der Primarstufe.

Das Buch bietet einen umfassenden Überblick über didaktische Konzepte, um Kindern den Zugang zu literarischen Texten zu ermöglichen und sie in ihrer literarischen Kompetenz zu fördern.

Zentrale Ansätze des Bandes

Das Werk verfolgt einen integrativen Ansatz, der das "Literarische Lernen" als einen aktiven Prozess der Weltaneignung begreift. Die Kernideen lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • Zweigliedrigkeit der Lernprozesse: Das literarische Lernen realisiert sich durch ein Zusammenspiel von Rezeption (das Aufnehmen und Verstehen von Texten) und Produktion (das eigene literarische Schreiben der Kinder). Beide Bereiche werden als wechselseitig befruchtend angesehen.

  • Begegnung mit Literatur: Ein zentraler Punkt ist die Gestaltung der Begegnung zwischen Kindern und literarischen Vorlagen (Texte und Bilder). Ziel ist es, Kindern Wege zur Kinderliteratur zu eröffnen, ohne sie durch zu eng geführte Aufgabenstellungen in ihrer freien Deutung einzuschränken.

  • Literarische Kompetenzentwicklung: Der Band betrachtet das Literarische Lernen nicht als starres Ziel, sondern als einen fortlaufenden Prozess. Dabei wird betont, dass Kinder bereits vor Schuleintritt basale literarische Erfahrungen mitbringen, an die der Unterricht anknüpfen muss.

  • Produktionsorientierung: Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf dem kreativen Schreiben. Hier wird reflektiert, wie die literarische Qualität von Kindertexten gefördert werden kann, indem Kinder sich an literarischen Vorbildern orientieren und ihre eigenen Geschichten als einen Prozess begreifen, der Ähnlichkeiten zum "Träumen" oder zur individuellen Sinnstiftung hat.

Einordnung in die Fachdidaktik

Das Buch ist in einer Zeit entstanden, in der die Deutschdidaktik verstärkt nach Wegen suchte, Literatur als ästhetisches Medium zu begreifen und nicht nur als Gegenstand für rein kognitive Sachtextanalysen. Duderstadt und Forytta betonen die Bedeutung des "literarischen Modus" – Literatur als ein Medium, das die Fantasie nährt, Fremdheit aushaltbar macht und Reflexionsräume über das eigene Selbst und die Welt bietet.

Relevanz heute

Obwohl das Werk von 1999 stammt, sind die darin diskutierten Grundsatzfragen nach wie vor hochaktuell. Die moderne Forschung zur literarischen Bildung knüpft direkt an diese Ansätze an, etwa bei der Frage, wie durch das literarische Gespräch (z. B. nach dem Heidelberger Modell) auch komplexe Texte für Grundschulkinder zugänglich gemacht werden können, ohne die kindliche Souveränität im Umgang mit Literatur zu untergraben." (KI: Gemini)




13.2.26

Anja Besands Notfall- oder Katastrophencurriculum

  Anja Besand ist Professorin für Didaktik der politischen Bildung an der Technischen Universität Dresden. In ihrer Arbeit konzentriert sie sich stark darauf, wie Schulen und Lehrkräfte mit aktuellen gesellschaftlichen Krisen sowie antidemokratischen und rechtspopulistischen Herausforderungen umgehen können.

Ein zentrales aktuelles Projekt ihrer Professur ist das sogenannte „Katastrophen-Curriculum“ (oft auch als Notfallcurriculum für Schulen bezeichnet).

Das Katastrophen-Curriculum

Dieses Curriculum wurde als Reaktion auf die Beobachtung entwickelt, dass Schulen in Krisenzeiten (wie etwa der Pandemie oder bei anderen Großereignissen) dazu neigen, sich auf Kernfächer und Prüfungsrelevanz zu verengen, während die politische und soziale Bildung oft in den Hintergrund rückt.

  • Ziel: Es bietet ein alternatives Bildungsangebot für den „Notbetrieb“. Ziel ist es, Schule in Ausnahmesituationen handlungsfähig zu halten, die Gemeinschaft zu stärken und Schülern dabei zu helfen, Krisenlagen solidarisch zu verstehen und zu verarbeiten.

  • Struktur: Das Material besteht aus drei Hauptkomponenten:

    1. Einem speziellen Lehrplanteil.

    2. Einer pädagogischen Handreichung für Lehrkräfte.

    3. Einem Notfallschulheft, das sich direkt an die Schüler richtet.

  • Entstehung: Das Projekt wurde partizipativ entwickelt. Beteiligt waren neben Lehramtsstudierenden auch der Landesschülerrat Sachsen, Eltern sowie Schulleitungen verschiedener Schulformen.

Arbeitsschwerpunkte von Prof. Dr. Besand

Neben diesem speziellen Curriculum ist Anja Besand für folgende Themen bekannt:

  • Umgang mit Rechtsextremismus: Sie erforscht, wie Lehrkräfte auf extremistische Vorfälle und Einschüchterungsversuche (z. B. durch politische Meldeplattformen) reagieren können, ohne in eine indifferente Haltung zu verfallen.

  • Inklusive politische Bildung: Ein Fokus liegt darauf, politische Bildung für alle Zielgruppen zugänglich zu machen, unter anderem auch im Kontext beruflicher Schulen oder durch Projekte wie „Lernort Stadion“.

  • Medien und Politik: Sie befasst sich mit der Rolle neuer Medien und populärkultureller Formate (z. B. Fernsehserien) für die politische Vermittlung.


Soll ich Ihnen Details zu den 32 Fallsituationen aus ihrem Praxishandbuch für den Umgang mit antidemokratischen Vorfällen heraussuchen?

In diesem Video erläutert Prof. Dr. Anja Besand, warum sich Schulen gegenüber ihrer Umwelt öffnen sollten und wie echte demokratische Partizipation für Schüler aussehen kann. Öffnung von Schule: Warum Schule mit ihrer Umwelt interagieren sollte

3.2.26

Aus einer Schulchronik von 1947

"Mit 450 Schülerinnen erreichte die Schule im Jahre 1944 ihren höchsten Stand. Infolge der Kriegsverhältnisse hatten viele Familien ihren Wohnsitz an die Bergstraße verlegt mit ihren Kindern der Schule diesen Zuwachs gebracht. Schließlich konnten nur noch Schülerinnen aufgenommen werden, die eine Sitzgelegenheit mitbrachten."


18.1.26

Die Wikipedia ist 25 Jahre alt geworden.

 Von ein paar hundert Artikeln zu 65 Millionen in über 300 Sprachen, das ist schon was.

Ich bin - unter anderem Namen - erst seit 21 Jahren dabei, war aber - für einen Wikipedianer - schon ziemlich alt, als ich angefangen habe, und werde sie nicht noch einmal so lange begleiten können. 

Ich bin dankbar, dass ich dazu gestoßen bin, als es noch vergleichsweise leicht war, Nützliches beizutragen. Umso mehr möchte ich für sie Werbung machen. Es gibt so viele neue Entwicklungen, zu denen es in der Wikipedia noch kein Stichwort (dort Lemma genannt) gibt, z.B. De-Banking.

Wer will den Artikel für die Wikipedia schreiben? Nur Mut! Verbessert wird er sowieso mit der Zeit,

Aber er sollte natürlich von einem Menschen formuliert und mit Belegen versehen sein, eine KI reicht dafür nicht aus.

Dafür ein Beispiel: 

Eine KI wird aufgefordert, eine Inhaltsangabe zu Fredrikssons Roman Sofia und Anders zu schreiben. Sie macht das recht gut, doch dann schreibt sie "Originaltitel: Enligt Maria Magdalena, auch unter den Namen der Protagonisten bekannt", obwohl der korrekte Originaltitel des Buches, das von einem Blinden berichtet, Blindgång ist? Was soll der Name Magdalena in dem Titel?

Blindgång ist 1992 entstanden, Enligt Maria Magdalena 1997. Offenbar kommen beide Titel oft in räumlicher Nähe vor, so dass die Wahrscheinlichkeit gleich groß war. Eine Prüfung über die inhaltliche Plausibilität hat die KI nicht vorgenommen. Das heißt aber nicht, dass dasselbe  Large Language Model  nicht kurz darauf schon eine richtige Antwort geben könnte, auch ohne dass das Programm wesentlich verbessert worden ist.

Aber je mehr KI-Texte im Internet stehen, mit desto mehr KI-Texten wird die KI trainiert. die Sprachentwicklung wird daher wesentlich rascher gehen als in den letzten 1000 Jahren. Und sie wird in Richtung KI-Sprache gehen.

Daher: Geben Sie menschlichen Sprachen eine Chance, länger zu überleben. Schreiben Sie Wikipediaartikel! Die sind ein ganz wichtiges (gut geordnetes) Übungsmaterial für KIs. icht zuletzt, weil sie die Wikipedia kostenlos nutzen können, während mehr und mehr menschliche Texte hinter Bezahlschranken verschwinden.