5.8.26

Sollte man als junger Mensch ein Ehrenamt betreiben, oder sich doch voll auf das berufliche Fortkommen konzentrieren?

Fontanefan bei gutefrage.net 

Das hängt von der Auslastung hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit ab. Ich denke daran, dass ich eine Schülerin gefragt habe, ob sie nicht ein Amt in der Schülervertretung übernehmen könne. Sie sagte ab, weil ihre Mutter krank sei und ihre Schwester relativ lernschwach und sie daher zu große familiäre Verpflichtungen habe.

Ein oder zwei Jahre später erklärte sie mir, sie habe die Arbeit in der Schülervertretung wohl nicht wichtig genug genommen.

Das war die Schülerin, die einen unbeliebten Lehrer verteidigte, der offen erklärt hatte, dass er einen Schüler "hasse". Ihr Verantwortungsgefühl war so weit entwickelt, dass sie sich abverlangte, was ich als Erwachsener mir nicht zugetraut hätte.

Natürlich ist die Ausübung eines Ehrenamtes für die persönliche Entwicklung sehr hilfreich, wenn sie dazu verhilft, für eine Gemeinschaft Verantwortung zu übernehmen, und in diesem Fall, bei Konflikten zwischen Lehrern und Schülern zu vermitteln. Aber sie sollte die Fortsetzung des Bildungsweges nach Möglichkeit nicht behindern.

Nicht jeder ist der Typ dafür und nicht für jeden sind Ehrenämter und Vereinsmeierei gedacht - ich gebe zu, dass ich Ersteres mag, Letzteres aber wie die Pest verabscheue, weil da sehr viel Selbstdarstellerei dabei ist und gerade Blaulicht- oder "sozialcaritative" Organisationen schlimme Tummelbecken für notorische Profilneurotiker ist, die sich gern in der Presse sehen, aber in Wahrheit die Arbeit andere machen lassen ------> nach dem Motto "Toll, Ein Anderer Macht's". Denn genau so läuft das im Ehrenamt leider oft.

Es gibt auch Leute, die von ihrer Art her zu still, zu ruhig oder auch zu ungesellig sind für Vereinsarbeit, die oft mit Zusammensitzen, Feiern, Bechern und ähnlichem zu tun hat - und auch wenn es im Lebenslauf gut aussieht, kann man es keinem verübeln, der dafür nicht geschaffen ist.

Stamme selbst auch nicht aus einer "Vereinsmeierfamilie" & bin nicht mit dauernden Arbeitseinsätzen und Versammlungen oder Sitzungen an jedem zweiten Wochenende großgeworden, war ein eher ruhiger Bub, mir war die "Beschaulichkeit" daheim und bei den Freunden lieber als der Trubel in typischen Vereinen, was man so mitbekam.

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Ich bin dennoch, seit ich 19 Jahre alt bin durchgängig in irgendeiner Weise aktiv, war vorher schon im Leitungsteam des Jugendhauses, aber ich habe meine Nische gefunden und bin lediglich in einem Verein richtig tätig (Verkehrswacht), weil das Team dort super ist, das operative Geschäft von der Polizei bestens geführt wird und es was Sinnvolles ist, das zudem meine Hobbys (Autos, Technik) beinhaltet und dann noch der Allgemeinheit zugute kommt.

Dass ich aktiv bin, ergab sich zufällig. Ich hatte die Juleica (Jugendleitercard) gemacht, weil mir die Jugendarbeit in der kath. Kirche gut gefallen hat und ein Diakon große Stücke auf mich hielt - und so rutschte ich auch in die Leitung des Jugendhauses. Dafür brauchte man die Juleica und der Diakon schlug mich vor. Über ihn kam ich auch in einen anderen Verein, der einen Schriftführer suchte - das habe ich lang gemacht, bis ich umgezogen bin. Ich war aber nie der Typ für ganz vorne und hätte nie als Vorsitzender kandidiert bzw. würde auch niemals Kassenwart machen - beim Geld hört es auf. Je nach Satzung ist man da ggf. privat haftbar, wenn was ist - und viele Vereine haben uralte Satzungen, weil kaum jemand sich dafür interessiert und man nicht einfach so eine Satzung erstellt und beschließt und beim Amtsgericht einreicht bzw. so schreibt, dass das Gericht zufrieden ist. Das scheuen viele Vereine, weil kaum einer was machen will bzw. die meisten nur so nett tun, wenn ein Redakteur da ist und Fotos macht.

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Bei den Vereinen ist es halt immer extrem schwer: Wenn man da als junger Mensch anklopft, muss man damit rechnen, dass man weder ernst genommen noch gern gesehen wird. Meist "regiert" ein Vorstand, der sich zwar immer beklagt, dass "die Jugend" nicht kommt - aber wenn "die Jugend" mal da ist und vorspricht und Ideen hat, wird sie regelrecht weggeekelt, weil man es eigentlich nur so machen will, wie es schon immer, wie vor 40-50 Jahren, gewesen ist.

Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass viele Vereine eher eine geschlossene Gesellschaft bzw. eine schiere Privatveranstaltung weniger engagierter und untereinander befreundeter Familien sind und Neueinsteiger nicht so gern gesehen sind.

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Thema "soziale" Vereine: Auf den ersten Blick sind das alles nette Leute, die da wirken; freundlich, fromm, von überaus christlicher Grundeinstellung, hilfsbereit, idealistisch, selbstlos, kurzum: Fleisch und Blut gewordener Altruismus.

Wenn man aber hinter die Kulissen blickt und Dinge sieht, die die Allgemeinheit nicht zu sehen bekommt, ist der "sozial-caritative" Bereich (egal wo) ein übles Sammelbecken von Selbstdarstellern, die alles tun, aber nicht das, was sie eigentlich tun sollen (Menschen helfen, für sie da sein, selbstlos wirken). Die Caritas ist da nicht viel besser als alle anderen, ich persönlich habe mit der Diakonie noch die besten Erfahrungen gemacht, mit Caritas Mittelmäßige und mit Kolping nur so viel, dass da unglaublich viele Scheinheilige aktiv sind, die lediglich "pressegeil" sind und gern repräsentieren, sich "aus christlicher Verantwortung" allerlei Pöstchen aneignen und denen es nur darum geht, im Mittelpunkt zu stehen. Ganz schlimm waren KAB-Leute und Salesianer Don Boscos.

Ich habe vernichtende Erfahrungen mit selbsternannten "christlichen Gutmenschen" und bekennenden Katholiken gemacht, die auf unterschiedliche Weise im "sozial-caritativen" Bereich unterwegs waren und möglicherweise noch sind. Die repräsentierten gern und waren nach außen hin freundlich, herzlich, gefällig und milde, aber im Grunde nicht der Rede wert. Wären die wirklich so christlich und nett gewesen, hätten sie zum Beispiel denjenigen geholfen, die ihre Hilfe gebraucht hätten. Sobald die mal konkret werden und helfen sollten bzw. das tun, was sie überall vorgaben und predigten, "konnten" sie angeblich nicht oder blieben stumm - allerdings grinsten und schwadronierten sie dann wieder, wenn ein Redakteur in Sichtweite war.

Wie gesagt: nach außen hin sind das "nette Leute", huldvoll, gediegen, man muss ihnen vertrauen, sie können kein Wässerchen trüben, nehmen jeden an die Hand. Diese Personen aber torpedieren durch ihr Verhalten genau die Werte, die sie angeblich nach außen hin darstellen, das macht sie und letztlich die katholische Kirche unglaubwürdig. Auch Organisationen wie Kolping, die katholische Arbeitnehmer-Bewegung und die Salesianer Don Boscos sind mir teilweise sehr negativ aufgefallen. Wenn jemand das Elisabethkreuz der Caritas-Konferenz trägt, ist das aus meiner Sicht kein gutes Zeichen, denn das tragen oft Pharisäer, die sich nur so schön präsentieren möchten. Und das ist nicht meine Welt.

Lernt man diese Leute mal näher kennen oder begegnet man ihnen in einer Position, wo sie denken, dass man mit ihnen auf der selben Wellenlänge sei, beginnen sie sich zu öffnen, werden hemmungslos, unvorsichtig und verraten sich eines Tages unbewusst selbst. Soweit meine Erfahrung als Ehrenamtler in dem Bereich, der früher bis ca. 2018 einiges in dem Segment gemacht hat, bis es unerträglich wurde.

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