25.10.08

Schüler als Lehrer

Hübsch und griffig formuliert Reinhard Kahls Bericht über den Französischunterricht, in dem besser gelernt wird, weil mehr Fehler gemacht werden, vor allem von den Lehrern.
Man kann verstehen, dass Jean-Pol Martin diesen Artikel über seine Methoder Lernen durch Lehren gern auf seinen Blog stellt. Es lohnt sich, den Artikel zu lesen.

Noch interessanter war es mir freilich, mitzubekommen, wie Schüler der 11. Klasse, von der im Artikel die Rede war, sich mit Lehramtsstudenten über ihren Unterricht austauschen. Man sollte sich von den ersten Beiträgen, in denen Martin (jpm) sich auf französisch äußert, nicht irritieren lassen, sondern gleich weitergehen zu der Stelle, wo Hanna etwas über den Unterricht sagt.
Wenn man schon dabei ist, sollte man allerdings auch mitverfolgen, wie die Lehramtsstudenten über Lernen durch Lehren diskutieren und wie sie auf den Gedanken kommen, mit den Schülern der 11c Verbindung aufzunehmen.

Vokabelkasten im Computer

Das Prinzip des Vokabelkastens setzt ein polnischer Informatiker in einem erfolgreichen Computerlernprogramm ein. So wie es beschrieben ist, fagt man sich, warum es das noch nicht schon länger gibt. Denn das, was an Programmen oft am längsten braucht, die Bedienerführung, ist offenbar bei diesem Programm noch in den Kinderschuhen.

23.10.08

Deutschland sucht ...

Castingshows als Mittel für "Fernsehgrößen" sich vor kleinen Mädchen, die sich statt Bugee-Jumping den Casting-Kick geben, als etwas darzustellen. Mit der Technik von Enttäuschung, halber Hoffnung, harter Forderung, dann endlicher Gewährung gelang es heute einer Crew ein Mädchen mehrfach unter Tränen zu setzen und ihr dann die Formulierung zu entlocken "Jetzt weiß ich, dass es eine höhere Macht gibt". Wenn es nicht zu sehr an - zugegeben die harmloseren - Stasi-Foltermethoden erinnerte, würde ich es "selbstgefällig und borniert" nennen. Es ist aber schlimmer. Und der Staat lässt zu, dass ein solches Fernsehen als Sozialisationsmedium mit Elternhaus und Schule in Konkurrenz tritt. Um ehrlich zu sein: Ich saß am Computer und habe mir von der Show nur berichten lassen. Leider klang der Bericht sehr glaubwürdig.

21.10.08

Woher kommen all die Krankheiten?

Wir hören nur noch von Krankheiten, unsere Kinder leiden an ADHS, Legasthenie, an Dyskalkulie, andere sind hochbegabt. Immer mehr Kinder befinden sich in Behandlung, sei es die Logopädie oder Ergotherapie. Wie ist das denn zu erklären? Es kann doch nicht sein, dass wir auf einmal nur noch kranke Kinder haben.

So sagt Michael Winterhoff in einem Interview im Südwestfunk.
Er führt das Phänomen darauf zurück, dass Kinder nicht genügend gereift sind, um die notwendige Frustrationstolerenz zu entwickeln.
Das komme u.a. daher, dass Eltern sich nicht genügend von ihren Kindern abgrenzten und statt sie zu erziehen, von ihnen bestätigt werden wollten. Dadurch werde den Kindern die Möglichkeit der Reifung genommen. Erst diese führe zur Wahrnehmung, dass der andere Mensch nicht von uns gesteuert werden kann, sondern dass wir in einem sozialen Prozess mit ihm umgehen müssen.
Eltern, die Kleinkinder nicht erzögen, sondern als Freunde auf gleicher Stufe behandelten, machten Kinder zu künftigen Tyrannen.

19.10.08

Vorbild

Peter Frattons pädagogischer Grundsatz:
Niemals andere motivieren wollen – aber selbst von etwas begeistert sein.

15.10.08

Fernsehschelte von Marcel Reich-Ranicki

Anlässlich seiner Fernsehkritik hat man Marcel Reich-Ranicki "borniert und selbstgefällig" genannt. In der Tat, in der Selbstgefälligkeit kann ihn kaum eine(r) übertreffen. Aber von borniert kann bei ihm keine Rede sein.
Dabei ist "borniert und selbstgefällig" eine hervorragend knappe Charakterisierung der Fernsehberühmtheiten.
Dass es im Fernsehen auch andere Sendungen gibt, die weitab von Borniertheit sind - man denke an den ebenfalls höchst selbstgefälligen Peter Sloterdijk - rettet nicht die Fernsehberühmtheiten, die sich gegenseitig hochjubeln.
Ich möchte diese Berühmtheiten mal mit Orhan Pamuk vergleichen. Dieser hat schon als 20jähriger sich ernsthaft bemüht, sich ganz umfassend mit Geschichte und Kultur seines Landes vertraut zu machen, und wurde, als er ein Meisterwerk vorlegte, darauf aufmerksam gemacht, dass man einen Türken nicht recht wahrnehmen könne, unabhängig von dem, was er leistet. Bei den heutigen Fernsehgrößen gilt das Umgekehrte: Sie werden wahrgenommen unabhängig von dem, was sie leisten. Oder meint wirklich jemand, der Arundhati Roy kennt (ihr Name steht für Hunderte andere, von denen wir noch weit weniger hören), Dieter Bohlen verdiene auch nur ein Zehntel der Aufmerksamkeit, die wir ihren Aussagen zukommen lassen sollten? Und wann hört man noch von ihr?

Nachtrag von 2013: Ein Porträt MRRs von Ulrich Greiner

6.10.08

Reicht Verbesserung der Lehrerausbildung aus?

Was nützt die psychologische Ausbildung, wenn man nur mit Gruppen um 30 Schülern arbeiten kann?
Die meisten Probleme, die die Pschologin der Elternberatungsstelle an unserer Schule zu bearbeiten hatte, waren Familienprobleme, die nur mit Einzel- und Familientherapie anzugehen waren. Das kann ein Lehrer auch mit der besten Ausbildung nicht übernehmen. Die Ausbildung hilft ihm nur, die Fälle früher zu erkennen und die Schuld nicht den Schülern in die Schue zu schieben. Dann aber muss ein Ansprechpartner da sein, der an dem Fall weiterarbeiten kann. Das gibt es in Finnland, in Deutschland viel zu selten.

Ich persönlich habe mit die besten Erfolgserlebnisse gehabt, als ich als Mediator (Streitschlichter) gearbeitet habe. Da hatte man mal eine Schulstunde lang für ein Problem Zeit und konnte Schülern helfen, Lösungen für ihre Probleme zu finden.

Theoretisch sollte ja auch eine Schulstunde dafür da sein. Weshalb sie das nur in den seltensten Fällen leisten kann, das zu behandeln, reicht ein Eintrag nicht aus.