"Wissen steht gerade in meinem Land nicht sehr hoch im Kurs - außer im Zuusammenhang mit besseren Jobs, besseren Einkommen."
Aus welchem Land kommt die Person, die das gesagt hat?
Sie fährt fort:
"Unsere Medien tun ja ihr Bestes dazu, uns dumm zu halten - durch unablässige Unterhaltung dumm zu halten."
Kann das auch auf soziale Netzwerke gemünzt sein? Ist die Wikipedia inzwischen schon so einseitig, dass dies Verdikt zu Recht auch für sie gelten könnte? Gibt es einen Bereich in der digitalen Kommunikation, für den es nicht gilt? Welche Veränderungen durch das Internet (Hier mahnt uns Robert Basic, die früheren Arten des Informationsaustauschs nicht zu vergessen.) gehen in die Richtung Verdummung, welche in Richtung Wissen?
"Mir wird oft gesagt, meine Bücher seien so traurig. Aber ich frage mich, ob diese Sichtweise nicht mit dem geringen Wert zu tun hat, den man dem Wissen generell beimisst. Denn das gibt es in jedem meiner Romane: jemand, der etwas lernen muss, etwas verstehen, das er am Anfang noch nicht kannte. Aber in den meisten Religionen ist Wissen Sünde - es ist schlecht für dich, du must leiden dafür, kommst in die Hölle. Und das gilt, jenseits von Religion, immer noch!" Und auf die Nachfrage "Wird Wissen denn immer durch Leiden erworben?" antwortet die Person: "Durch Leben!"
Sollte es von Hentig sein, der so spricht? Immerhin hat er "Die Menschen stärken, die Sachen klären." geschrieben. Oder muss es ein Autor sein, der fiktionale Texte geschrieben hat?
"Vieles hat mit Obama eine neue Qualität bekommen. Er hat keine Angst vor Fremden, vor dem Fremden."
Zu einem entfernt verwandten Stichwort Hirndoping zunächst nur ein Link. Vielleichtkommt es noch zu einem eigenständigen Beitrag.
11.10.09
7.10.09
Lehrerbildung - Bildungsstandards
Herr Larbig versteht es, interessante Diskussionen anzustoßen. So äußert bei ihm Lisa Rosa:
Irgendwie verständlich, dass es Lehrer gibt, die weder von Bildungsstandards noch von Kompetenzmodellen etwas hören wollen, obwohl beide intellektuell anregend sind.
Freilich, es gehört schon sehr viel dazu, Franz E. Weinerts Definition von Kompetenz (die ich auch Lisa Rosa verdanke) "evaluierbar" zu machen. Kompentenz sind nach Weinert nämlich „die bei Individuen verfügbaren oder durch sie erlernbaren kognitiven Fähigkeiten und Fertigkeiten, um bestimmte Probleme zu lösen, sowie die damit verbundenen motivationalen, volitionalen und sozialen Bereitschaften und Fähigkeiten, um die Problemlösungen in variablen Situationen erfolgreich und verantwortungsvoll nutzen zu können.“
Wie stelle ich nun fest, wer diese Kompetenzen für "bestimmte Probleme" hat? Es ist ein ernsthaftes Problem. Nicht zufällig sind alle Pädagogen der Welt nicht mit dem Problem fertig geworden, wie man die verschiedensten Lehrer mit einem einheitlichen System dazu befähigt, die verschiedensten Schüler zu den jeweils von Politikern gesetzten Zielen zu führen.
Ich bitte mir, spät am Abend ein wenig Unernst zu verzeihen:
George W. Bush ist mit dem Problem fertig geworden, wie man über vier Jahre lang die Interessen einer sehr kleinen Gruppe bedient und der Bevölkerungsmehrheit vormacht, es geschähe in ihrem Interesse.
Obama scheint es nicht zu gelingen, die Bevölkerungsmehrheit dazu zu bringen, eine Gesundheitsreform zu akzeptieren, deren Inhalte von über 60% der Bevölkerung gewünscht werden.
Der nahe liegende Schluss: Das zweite Problem ist definitionsgemäß höchst einfach. Wenn Obama damit nicht fertig wird, ist er unfähig. (Deshalb sacken die Zustimmungszahlen für ihn bereits dramatisch ab.)
Oder soll ich jetzt eine saubere Problemschwierigkeitsskala aufstellen, mit deren Hilfe saubere Kompetenzstandards evaluierbar wären?
Wie sagte v. Hentig: "Die Menschen stärken, die Sachen klären" (und zwar in der Reihenfolge). Ich habe nicht den Eindruck, dass das gegenwärtig für die Mehrheit der deutschen Schüler geleistet wird, aber genauso wenig, dass es für die Mehrheut der deutschen Lehrer geleistet wird.
Es soll freilich DirektorInnen geben, die es verstehen, LehrerInnen zu stärken, indem sie universitäre und ministeriale Empfehlungen und Weisungen deutlich tiefer hängen, als es von seiten dieser Institutionen gewünscht wird.
Kein Wunder, dass Ministerien nachher deren Schulen den anderen als Vorbild vorhalten: "Ihr seht doch, es geht!"
Freilich, einfach ist es nie.
Die Bildungsstandards Geschichte bspw. widersprechen schon im Ansatz dem Kompetenzmodell “Historisches Denken” von Schreiber/Körber/v. Borries”. Letztere werden darum auch nicht von den Bildungsplanmachern aufgenommen. Wie widersprüchlich die Praxis derzeit aussehen kann: Ich arbeite mit Körber zusammen und biete Lehrerfortbildungen auf der Grundlage des Kompetenzmodells an – und neben mir und über den Hof rüber sitzen die Lehrplangestalter und passen die Lehrpläne an die Bildungsstandards Geschichte an.
Irgendwie verständlich, dass es Lehrer gibt, die weder von Bildungsstandards noch von Kompetenzmodellen etwas hören wollen, obwohl beide intellektuell anregend sind.
Freilich, es gehört schon sehr viel dazu, Franz E. Weinerts Definition von Kompetenz (die ich auch Lisa Rosa verdanke) "evaluierbar" zu machen. Kompentenz sind nach Weinert nämlich „die bei Individuen verfügbaren oder durch sie erlernbaren kognitiven Fähigkeiten und Fertigkeiten, um bestimmte Probleme zu lösen, sowie die damit verbundenen motivationalen, volitionalen und sozialen Bereitschaften und Fähigkeiten, um die Problemlösungen in variablen Situationen erfolgreich und verantwortungsvoll nutzen zu können.“
Wie stelle ich nun fest, wer diese Kompetenzen für "bestimmte Probleme" hat? Es ist ein ernsthaftes Problem. Nicht zufällig sind alle Pädagogen der Welt nicht mit dem Problem fertig geworden, wie man die verschiedensten Lehrer mit einem einheitlichen System dazu befähigt, die verschiedensten Schüler zu den jeweils von Politikern gesetzten Zielen zu führen.
Ich bitte mir, spät am Abend ein wenig Unernst zu verzeihen:
George W. Bush ist mit dem Problem fertig geworden, wie man über vier Jahre lang die Interessen einer sehr kleinen Gruppe bedient und der Bevölkerungsmehrheit vormacht, es geschähe in ihrem Interesse.
Obama scheint es nicht zu gelingen, die Bevölkerungsmehrheit dazu zu bringen, eine Gesundheitsreform zu akzeptieren, deren Inhalte von über 60% der Bevölkerung gewünscht werden.
Der nahe liegende Schluss: Das zweite Problem ist definitionsgemäß höchst einfach. Wenn Obama damit nicht fertig wird, ist er unfähig. (Deshalb sacken die Zustimmungszahlen für ihn bereits dramatisch ab.)
Oder soll ich jetzt eine saubere Problemschwierigkeitsskala aufstellen, mit deren Hilfe saubere Kompetenzstandards evaluierbar wären?
Wie sagte v. Hentig: "Die Menschen stärken, die Sachen klären" (und zwar in der Reihenfolge). Ich habe nicht den Eindruck, dass das gegenwärtig für die Mehrheit der deutschen Schüler geleistet wird, aber genauso wenig, dass es für die Mehrheut der deutschen Lehrer geleistet wird.
Es soll freilich DirektorInnen geben, die es verstehen, LehrerInnen zu stärken, indem sie universitäre und ministeriale Empfehlungen und Weisungen deutlich tiefer hängen, als es von seiten dieser Institutionen gewünscht wird.
Kein Wunder, dass Ministerien nachher deren Schulen den anderen als Vorbild vorhalten: "Ihr seht doch, es geht!"
Freilich, einfach ist es nie.
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Kompetenzorientierung,
Lehrer
4.10.09
Namensgebung
Wie verhält man sich im Netz?
Offen, freundlich, möglichst viel von den eigenen Interessen darstellend, damit andere an einen andocken können, oder vorsichtig, damit nichts gegen einen verwendet werden kann.
Christian Heller plädiert (auf den macdays) für das erste. Er überzeugt Gabi, bis sie dann entdeckt, dass vielleicht doch etwas dabei problematisch ist.
Merkel und Steinmeier kamen im Internet nicht so gut an wie Obama. Lag das nur daran, dass sie die falsche Netzstrategie hatten? Gibt es vielleicht Gründe, weshalb unterschiedliche Personen sich unterschiedlich im Netz verhalten sollten?
Sollten Kinder und Jugendliche nicht eher vorsichtig mit Mitteilungen über sich umgehen, während Ältere ruhig etwas mutiger mit der Darstellung ihrer Interessen sein sollten, damit sie Gleichgesinnte kennen lernen.
Offen, freundlich, möglichst viel von den eigenen Interessen darstellend, damit andere an einen andocken können, oder vorsichtig, damit nichts gegen einen verwendet werden kann.
Christian Heller plädiert (auf den macdays) für das erste. Er überzeugt Gabi, bis sie dann entdeckt, dass vielleicht doch etwas dabei problematisch ist.
Merkel und Steinmeier kamen im Internet nicht so gut an wie Obama. Lag das nur daran, dass sie die falsche Netzstrategie hatten? Gibt es vielleicht Gründe, weshalb unterschiedliche Personen sich unterschiedlich im Netz verhalten sollten?
Sollten Kinder und Jugendliche nicht eher vorsichtig mit Mitteilungen über sich umgehen, während Ältere ruhig etwas mutiger mit der Darstellung ihrer Interessen sein sollten, damit sie Gleichgesinnte kennen lernen.
3.10.09
Arbeit mit dem Netz
In seinem Vortrag "Die Wissenschaft auf Wolke google 2.0" beschreibt Jörg Kantel den Arbeitstag eines Geisteswissenschaftlers, offenkundig stark angelehnt an den eigenen (nur ist die Zahl der Blogeinträge hier untertrieben.)
Nach Christian Heller lässt sich hier das Ende der Privatheit studieren, J-P. Martin galubt sogar die Gefahr eines Identitätsverlustes zu verspüren.
Das scheint mir persönlich zu skeptisch, denn die Tatsache, dass sich die Identität trotz eines gewissen Verlusts der Privatheit nicht aus dem Netz rekonstruieren lässt, bedeutet noch nicht, dass sie nicht vorhanden wäre. Trotzdem bleibt Martins Empfehlung Handeln (also: sich größere Projekte vornehmen) natürlich völlig überzeugend.
Die Projekte können umso größer sein, mit je mehr Personen man gemeinsam an einem solchen Projekt arbeitet.
Nach Christian Heller lässt sich hier das Ende der Privatheit studieren, J-P. Martin galubt sogar die Gefahr eines Identitätsverlustes zu verspüren.
Das scheint mir persönlich zu skeptisch, denn die Tatsache, dass sich die Identität trotz eines gewissen Verlusts der Privatheit nicht aus dem Netz rekonstruieren lässt, bedeutet noch nicht, dass sie nicht vorhanden wäre. Trotzdem bleibt Martins Empfehlung Handeln (also: sich größere Projekte vornehmen) natürlich völlig überzeugend.
Die Projekte können umso größer sein, mit je mehr Personen man gemeinsam an einem solchen Projekt arbeitet.
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Handeln,
Netzidentität,
Privatheit,
Projekt
29.9.09
Twitter für Lehrer
Ich propagiere Twitter. Freilich nicht als Unterrichtsmedium, sondern als Materialbörse und zur Pflege von Kontakten, die man nicht mit E-Mails überschütten will und kann.
Deshalb ist mir der Beitrag von Andreas Kalt zum Twittereinstieg für Lehrer sehr willkommen.
Deshalb ist mir der Beitrag von Andreas Kalt zum Twittereinstieg für Lehrer sehr willkommen.
24.9.09
Europäische Verantwortung
Der Beitrag war überfällig. Und er ist so gut recherchiert, dass ich mit meinen Recherchen dahinter weit weit zurückbleibe. Mein Dank an alle, die an dem Beitrag mitgearbeitet haben!
Gemeint ist der Beitrag "Willkommen in Europa" in der ZEIT vom 24.9. Nr.40, S.13-14
Eine italienische Kirchenzeitung vergleicht das Wegschauen Europas mit dem vor "Zügen voller Deportierter" während der Shoah. Wovon wird weggeschaut? Von einer ganzen Reihe von Umstehenden, als jemand, der Zivilcourage bewies, zu Tode getrampelt wurde. Das ging durch die Presse.
Aber von den meisten verantwortlichen Politikern, von den meisten Journalisten und von der Mehrheit der Bevölkerung wird weggeschaut von dem Flüchtlingsdrama, das an den Grenzen Europas tagtäglich abläuft, von den menschenrechtswidrigen Bedingungen, in denen Flüchtlinge in Griechenland gehalten werden, von den Out-of-area-Einsätzen, mit denen Flüchtlinge nach Libyen zurückgeschafft werden, wo ihnen noch schrecklichere Lagerbedingengen und Transporte über 1500 km ohne Nahrung und ohne Wasser drohen. Jährlich kommen Tausende von Flüchtlingen in Seenot in Mittelmeer und Atlantik um, und die Helfer, die Schiffbrüchige retten, werden mit Gefängnisstrafen bedroht. Der Fall Cap Anamur ist seit Jahren anhängig.
Am 20.8. wurden von 78 Flüchtlingen, die Ende Juli an der lybischen Küste mit einem Schlauchboot aufgebrochen waren, 5 Überlebende von der italienischen Küstenwache gerettet. Mehrere Handelsschiffe waren vorüber gefahren, ohne zu helfen. Die, die halfen, gaben nur Brot und Wasser. Auf Rettung Schiffbrüchiger steht Gefängnisstrafe.
Wie überstehen die Angehörigen der italienische Küstenwache den ständigen Umgang mit ähnlichen Fällen? Was bedeutet es für uns, wenn wir ständig die Augen davor verschließen oder kommentieren "Macht endlich die Grenzen dicht!" oder "Es ist ungemein hart aber Europa kann nicht das Auffangbecken für alle Wirtschaftsflüchtlinge dieser Erde herhalten." (Allein Südafrika, das auch andere Probleme hat, "beherbergt mit 7 Millionen Ausländern ohne Papiere mehr 'Illegale' als die gesamte EU" (ZEIT Nr.40).)
Gemeint ist der Beitrag "Willkommen in Europa" in der ZEIT vom 24.9. Nr.40, S.13-14
Eine italienische Kirchenzeitung vergleicht das Wegschauen Europas mit dem vor "Zügen voller Deportierter" während der Shoah. Wovon wird weggeschaut? Von einer ganzen Reihe von Umstehenden, als jemand, der Zivilcourage bewies, zu Tode getrampelt wurde. Das ging durch die Presse.
Aber von den meisten verantwortlichen Politikern, von den meisten Journalisten und von der Mehrheit der Bevölkerung wird weggeschaut von dem Flüchtlingsdrama, das an den Grenzen Europas tagtäglich abläuft, von den menschenrechtswidrigen Bedingungen, in denen Flüchtlinge in Griechenland gehalten werden, von den Out-of-area-Einsätzen, mit denen Flüchtlinge nach Libyen zurückgeschafft werden, wo ihnen noch schrecklichere Lagerbedingengen und Transporte über 1500 km ohne Nahrung und ohne Wasser drohen. Jährlich kommen Tausende von Flüchtlingen in Seenot in Mittelmeer und Atlantik um, und die Helfer, die Schiffbrüchige retten, werden mit Gefängnisstrafen bedroht. Der Fall Cap Anamur ist seit Jahren anhängig.
Am 20.8. wurden von 78 Flüchtlingen, die Ende Juli an der lybischen Küste mit einem Schlauchboot aufgebrochen waren, 5 Überlebende von der italienischen Küstenwache gerettet. Mehrere Handelsschiffe waren vorüber gefahren, ohne zu helfen. Die, die halfen, gaben nur Brot und Wasser. Auf Rettung Schiffbrüchiger steht Gefängnisstrafe.
Wie überstehen die Angehörigen der italienische Küstenwache den ständigen Umgang mit ähnlichen Fällen? Was bedeutet es für uns, wenn wir ständig die Augen davor verschließen oder kommentieren "Macht endlich die Grenzen dicht!" oder "Es ist ungemein hart aber Europa kann nicht das Auffangbecken für alle Wirtschaftsflüchtlinge dieser Erde herhalten." (Allein Südafrika, das auch andere Probleme hat, "beherbergt mit 7 Millionen Ausländern ohne Papiere mehr 'Illegale' als die gesamte EU" (ZEIT Nr.40).)
23.9.09
Jugendgewalt - auch Verantwortung unserer Gesellschaft
Amoklauf, Mord an Menschen, die Zivilcourage haben, Mord für 20 Cent. Die Täter sind nicht unschuldig, es sind auch nicht ihre Eltern oder ihre Lehrer verantwortlich zu machen. Aber die Taten sind auch nicht völlig unerklärlich.
Hochbezahlte Manager, die gegen alle ökonomische Vernunft Durchschnittsrenditen von 25% anstreben und dafür geschickten Spekulanten Superprovisionen zahlen. Sie handeln so, nicht weil sie gieriger wären als andere Manager vor ihnen.
Ein Mensch gilt in unserer Gesellschaft nicht um seiner selbst willen, er muss "Leistung" zeigen. Die besteht nicht darin, dass er sein Handwerk versteht und dass er einsatzbereit ist, nein, er muss profitabel einsetzbar sein. Das ist ein Spekulant, nicht aber ein Dozent der Germanistik oder der Indologie. Das war gestern ein Maschinenbauer, heute aber nicht mehr, so lange bis eine boomende Konjunktur wieder mehr Maschinen aus Deutschland nötig macht. Und kein Betrieb leistet sich den Luxus, einen Angestellten voll zu bezahlen, wenn er nur so viel Arbeit für ihn hat, dass er sie in Ruhe und Sorgfalt erledigen kann und immer noch Zeit für ein Schätzchen mit dem Arbeitskollegen hat.
Das ist schlimm genug.
Noch schlimmer aber ist es, dass immer mehr junge Menschen das Gefühl gewinnen, dass diese Gesellschaft sie nicht braucht.
Was ist das für eine Gesellschaft, die hochqualifizierten Examinierten nur Praktikumsplätze zu bieten hat, an denen sie ohne Bezahlung einem Achtstundentag nachgenen sollen, nur deswegen, weil der Staat keine Kurzarbeit für alle finanziert, so dass sich aus den festangestellten Mitarbeitern so viel Arbeitsleistung herauspressen lässt, dass man zur Not auch ohne weitere Arbeitskräfte über die Flaute hinwegkommt?
Unsere Gesellschaft bläut mehr und mehr Menschen die Vorstellung ein, sie seien Versager, wenn sie keinen Arbeitsplatz bekommen. Die meisten geben sich wirklich die Schuld. Aber manche versuchen, sich mit Gewaltphantasien ein brüchiges Selbstvertrauen zu verschaffen. Und nur wenige von denen werden dann wirklich gewalttätig. Wenn aber wieder einer sinnlos gewalttätig wird, suchen wir alle möglichen Schuldigen. Nur die Bereitschaft zuzugeben, dass man nicht ohne Folgen Jahr für Jahr Menschen für überflüssig erklärt, die fehlt.
Hochbezahlte Manager, die gegen alle ökonomische Vernunft Durchschnittsrenditen von 25% anstreben und dafür geschickten Spekulanten Superprovisionen zahlen. Sie handeln so, nicht weil sie gieriger wären als andere Manager vor ihnen.
Ein Mensch gilt in unserer Gesellschaft nicht um seiner selbst willen, er muss "Leistung" zeigen. Die besteht nicht darin, dass er sein Handwerk versteht und dass er einsatzbereit ist, nein, er muss profitabel einsetzbar sein. Das ist ein Spekulant, nicht aber ein Dozent der Germanistik oder der Indologie. Das war gestern ein Maschinenbauer, heute aber nicht mehr, so lange bis eine boomende Konjunktur wieder mehr Maschinen aus Deutschland nötig macht. Und kein Betrieb leistet sich den Luxus, einen Angestellten voll zu bezahlen, wenn er nur so viel Arbeit für ihn hat, dass er sie in Ruhe und Sorgfalt erledigen kann und immer noch Zeit für ein Schätzchen mit dem Arbeitskollegen hat.
Das ist schlimm genug.
Noch schlimmer aber ist es, dass immer mehr junge Menschen das Gefühl gewinnen, dass diese Gesellschaft sie nicht braucht.
Was ist das für eine Gesellschaft, die hochqualifizierten Examinierten nur Praktikumsplätze zu bieten hat, an denen sie ohne Bezahlung einem Achtstundentag nachgenen sollen, nur deswegen, weil der Staat keine Kurzarbeit für alle finanziert, so dass sich aus den festangestellten Mitarbeitern so viel Arbeitsleistung herauspressen lässt, dass man zur Not auch ohne weitere Arbeitskräfte über die Flaute hinwegkommt?
Unsere Gesellschaft bläut mehr und mehr Menschen die Vorstellung ein, sie seien Versager, wenn sie keinen Arbeitsplatz bekommen. Die meisten geben sich wirklich die Schuld. Aber manche versuchen, sich mit Gewaltphantasien ein brüchiges Selbstvertrauen zu verschaffen. Und nur wenige von denen werden dann wirklich gewalttätig. Wenn aber wieder einer sinnlos gewalttätig wird, suchen wir alle möglichen Schuldigen. Nur die Bereitschaft zuzugeben, dass man nicht ohne Folgen Jahr für Jahr Menschen für überflüssig erklärt, die fehlt.
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