21.4.11

Wer bin ich im Netz? Und wenn ja, wie viele?

Die Tendenz geht nach Benjamin Jörissen, einem Medienwissenschaftler der Universität Magdeburg, zu einer Zentralidentität: "Das Netz ist so tief in unseren Alltag eingedrungen, dass wir logischerweise das Bedürfnis haben, dort mit unserer 'alten' Person unterwegs zu sein." Das liege daran, dass die Trennung von online und offline nicht mehr existiere.

Schüler, zumal Grundschüler, könnte ich davor nur warnen. Deshalb habe ich, so lange ich unterrichtet habe, auch klar zwischen meinen verschiedenen Netzexistenzen getrennt und die Verbindung zum realen Leben so schwer erkennbar wie möglich gehalten. Jetzt bin ich lässiger darin, weil ich glaube, weder sexuelle Übergriffe noch Ausspionierung durch meine potentiellen zukünftigen Arbeitgeber fürchten zu müssen. Aber Facebook mag über Accounts von meinen Bekannten Daten sammeln, so viel es will, ich bleibe abgemeldet.

Julia Schramm, Politologin in der Piratenpartei verkündet zwar: "Ob wir es nun gut finden oder nicht: Privatsphäre ist so was von Eighties." (vgl. Zeit online)

Ich denke, wir sollten unsere Schüler davor warnen. Wenn sie den Weg gehen, sollten sie ihn nicht völlig unbedarft gehen, sondern eine Ahnung haben, was sie damit tun. Das ist unsere Verantwortung.

Deshalb schreibe ich hier weiterhin nicht mit Klarnamen, auch wenn es halbwegs Geübten inzwischen wenig Mühe macht, meine 30 oder 40 Netzauftritte auf eine Person zu beziehen. Meiner Meinung nach kann für kommende Generationen ein zentrales Problem werden, dass sie mehr und mehr von der Werbung gesteuert werden. Die Tendenz sehe ich im heutigen Markenfetischismus schon sehr ausgeprägt.
(Zu den neuen Techniken vgl. u.a. Opinionmining)

Ob man's mit der Ignoranz so weit treiben muss wie ich, der ich bei dem Satz "Von Kate Middleton gibt es jetzt schon mehr Fotos im Netz als von Lady Di" mich fragte: "Den Namen hast du doch schon einmal gehört. In welchem Zusammenhang war das denn?" Nun, das kann man zu Recht fragen. So lange man Pubertierende zu unterrichten hat, sollte man schon besser Bescheid wissen. (Den Link habe ich gesetzt, damit ähnliche Ignoranten wie ich nicht denken, es handele sich um die Sexualberaterin der Bravo.)

12.4.11

Tsunami und Erinnerungskultur: Manchmal kann man aus der Geschichte lernen.

Die Gefahren, die von der Atomkraft ausgehen, sind historisch einmalig. Es ist unsere Generation, die aus den Atombombenabwürfen, aus der Strahlenverseuchung durch Atomtests und aus Unfällen in Atomkraftwerken hätte lernen müssen.
Aber Erfahrungen mit Erdbeben und Tsunamis hat die Menschheit schon früher gemacht. Und speziell in Japan haben frühere Generationen ihre Nachfahren davor zu warnen versucht.

"Hunderte der Wegsteine stehen in Nordjapan, manche sind älter als 600 Jahre. Viele sind freilich kaum zu entdecken, sie stehen abseits der Straßen, überwuchert im Dickicht", berichtet Spiegel online.

Auf den Steinen stehen Mahnungen wie "Erinnert das Unheil der Tsunamis. Baut nicht unterhalb dieses Punktes." und "Hohe Gebiete sind Friede und Harmonie der Nachgeborenen." sowie "Wenn ein Erdbeben kommt, nimm Dich vor Tsunamis in Acht."
Erfahrungsgemäß verblassen solche Erinnerungen freilich schon im Lauf von drei Generationen so, dass sie nicht mehr erst genommen werden. Es bedarf einer bewussten Erinnerungkultur, das Bewusstsein für solche Gefahren lebendig zu halten. Im japanischen Dorf Aneyoshi haben die Bewohner gelernt und überlebt. Hier haben, berichtet Spiegel online, die "meisten Leute ihr Haus oberhalb der steinernen Mahnmale gebaut. 'Jeder hier kennt die Steine', sagt die Zwölfjährige Yuto Kimura, 'wir haben sie in der Schule durchgenommen'. Bevor am 11. März die Tsunamis kamen, sei das Dorf geschlossen auf Anhöhen geflüchtet."
Es gibt gute Gründe, die Erinnerung an die Zeit des Nationalsozialismus und an den Holocaust wachzuhalten, gerade auch dann, wenn die letzten Zeitzeugen weggestorben sein sollten.
Wir sind es unseren Nachfahren schuldig.

Dirk Franke hat einen anderen Blick auf die Nachricht von Spiegel online.

24.3.11

Störfall Fukushima

Plastiktüten im Polarmeer, verstrahlte Rotkehlchen, die Opfer der Atombombe alternativlos (?)  periodischen Atomkatastrophen ausgesetzt, angesichts deren nur kollektives Bewahren von Würde in der menschengemachten Katastrophe Menschlichkeit bewahren kann.
Unterschiede von Kulturen und das gemeinsam Menschliche.
Es gäbe zu viel darzustellen, abzuwägen. Daher zunächst nur Links und Nachweise von Belegstellen, bevor ich versuche, ein Thema genauer zu betrachten.

RWE klagt gegen Biblis-Abschaltung (31.3.)
Sie schämen sich nicht, trotz der vielen Milliarden an Subventionen. - Und die Regierung schämte sich nicht, ein Gesetz zu umgehen, das den Konzernen keine Schadensersatzklage ermöglicht hätte, nur um ein Wahlergebnis zu verhindern, das dann trotzdem kam.

Christa Wolf: Interview zu ihrem Roman Störfall, ZEIT online

Kenichi Michima über die Sicht auf Fukushima und die japanische Kultur, Frankfurter Rundschau

Gesine Foljanty-Jost: Japaner trauern anders, ZEIT 24.3.11, S.51

Adolf Muschg: 50 Tapfere retten das Bild der Japaner von sich selbst, ZEIT 24.3.11, S.52

Andreas Maier: Natur war gestern, ZEIT 24.3.11, S.49

Mit keinem Autor gehe ich ganz konform, aber zu oberflächlich wäre noch ein Versuch, meine Position gegen diese Aussagen abzugrenzen.
Angesichts der vielen Themen weiche ich - auch in anderen Blogs - zunächst in Links aus, die vielleicht Anregungen für Gesprächsansätze im Unterricht bieten.
Nach und nach werde ich versuchen, die Einträge auszubauen (vgl. den zum Angriff auf Libyen).

Nachtrag vom 2.4.:
Gefahren für Tokio vorläufig noch nicht groß

19.3.11

Filmhinweis: Water makes Money

Nach der Reaktion der Konzerne zu urteilen scheint der Film Water makes Money einige interessante Aussagen zu machen.
Die Konzerne VEOLIA und SUEZ versuchen die Ausstrahlung zu verhindern. Gérard Mestrallet von SUEZ rief sogar persönlich die ARTE-Präsidentin an und verlangte die Absetzung der Sendung.

Wenn Arte weiterhin standfest bleibt, wird der Film am Dienstag, dem 22.3.2011, um 20:15 und am Donnerstag, 24.3., um 10:05 auf Arte gezeigt.

Zur Aussage des Films:
"Die Wasserversorgung ist weltweit noch zu mehr als 80% in öffentlicher Hand. Doch überall, wo finanziell klamme Kommunen nach Entlastung suchen, klopfen die weltgrößten Wasserkonzerne Veolia und Suez an die Tür. Innerhalb der letzten 10 Jahre hat allein Veolia es geschafft,  nach eigenen Angaben in 450 deutschen Städten die Wasserversorgung zu übernehmen oder an ihr beteiligt zu werden." (Zitat aus der Webseite zum Film)

Wasser im Unterricht
Wasser als Menschenrecht

12.3.11

Wer hat den Affen auf seiner Schulter?

Wer bietet etwas, was Aufmerksamkeit erregt, wer nicht? Herr Larbig gebraucht die Affenmetapher zur Unterscheidung von lehrer- und schülerzentriertem Unterricht. Man kann sie auch für die Analyse der Schülerzentrierung verwenden: Kommen wie bei Lernen durch Lehren alle einmal ins Zentrum oder nur einige?
Die Affenmetapher eignet sich aber auch vorzüglich für die Kritik an schlechten Powerpointpräsentationen: Der Affe muss beim Sprecher sitzen, nicht aber so offenkundig auf Leinwand oder Smartboard, dass selbst der Sprecher immer wieder darauf starrt. (Ausnahme, wenn intensiv am präsentierten Material gearbeitet wird).

11.3.11

Veränderungen meiner Webpräsenz

Die historischen Seiten meiner Homepage sind zur Zentrale für Unterrichtsmaterialien im Internet umgezogen (zur ZUM). Sie werden auf meiner Homepage nicht mehr aktualisiert.
Dieser Blog erhält auch weniger Einträge. Das liegt u.a. daran, dass ich Fachdiskussionen jetzt hauptsächlich in der ZUM-Unity führe. Vor allem aber daran, dass seit meinem Ausscheiden aus dem Beruf, pädagogische Themen für mich weniger zentral geworden sind. Die meisten Leser dieses Blogs wissen inzwischen, dass sie meine neuen Beiträge häufiger auf der rechten Spalte unter "Meine Blogliste" finden als hier in der Artikelliste. (Ich selbst gehe des öfteren nur auf diesen Blog, um mir einen Überblick zu verschaffen, wo meine neusten Beiträge stehen und welcher Blog schon länger ein Stiefkinddasein führt.)
Falls jetzt jemand meinen sollte, ich wäre auch ein Lehrerfreund im Lehrerzimmer und auch die R.I.B.-Artikel oder die von Herrn Larbig wären von mir, so lasse ich das im Sinne zu Guttenbergs gern im Unklaren und freue mich über die Ehre.
Freilich, wenn jemand den Stil von Robert Basic nicht von meinem unterscheiden kann, fühle ich mich nicht geehrt. Nicht deshalb, weil Robert Basic als Blogger nicht haushoch über mir stünde (was mutatis mutandis auch für die anderen genannten Blogger gilt), sondern weil der/die Betreffende noch weniger von Stil verstünde als zu Guttenbergs Doktorvater. Und von so jemandem für Robert Basic gehalten zu werden, ist so viel, wie bei einer Promotion mit Pauken und Trompeten durchzufallen.

Ach, wie konnte das nur passieren! Ich hatte mir doch vorgenommen, nicht über den mit dem großen Zapfenstreich zu Recht Geehrten zu schreiben.

8.3.11

Erkennung von Plagiaten 2006 "kaum möglich"

Debora Weber-Wulff berichtete bereits 2002, wie sich Plagiate über das Internet nachweisen lassen.

Doktorvater Professor Häberle und Zweitgutachter Professor Streinz der Dissertation zu Guttenbergs erklären jetzt aber:
In der Diskussion über die Arbeit sollte man sich stets vor Augen halten, dass die Überprüfung von Dissertationen mit technischen Mitteln 2006 nicht üblich war und bis heute verbreitet (noch) nicht üblich ist. Zudem war die Erkennung von Plagiaten 2006 mit den seinerzeit vorhandenen technischen Mitteln kaum möglich. Plagiatsoftware sowie auch andere Methoden waren damals keineswegs so weit entwickelt wie heute.
Als Juristen dürfte ihnen der Terminus Schutzbehauptung geläufig sein.