"Nachhilfe für Lehrer" kündigt die Überschrift des Artikels der FAS an, der Bericht beginnt freilich mit einem denkbar harten Praxistest für Lehramtsstudenten, wo man sie ins Wasser wirft, mit wechselnden Gruppen von teils traumatisierten Flüchtlingen arbeiten lässt und ihnen dazu Tipps gibt, wie sie ein Untergehen vermeiden.
Das kann lehrreich sein, wenn es begleitet wird von erfahrenen Praktikern, die zu motivieren und aufzubauen verstehen. Wahrscheinlicher ist aber, dass die angehenden Lehrer nur Überlebensstrategien für sich selbst lernen und den Versuch, den besten Weg für die Schüler zu finden, schon bald aufgeben.
Insgesamt ist der Artikel von der bekannten gefährlichen Illusion geprägt, es bedürfe nur der entsprechenden Ausbildung, um einen Sprachunterricht auf stets wechselndem Niveau so zu organisieren, dass nebenher noch genügend Zeit und Gelegenheit ist, Traumatisierten eine Therapie zu bieten, die ihnen ermöglicht, binnen Kurzem alle Lerndefizite auszugleichen.
Selbstverständlich ist intensive Ausbildung für den Umgang mit neuen äußerst komplexen Unterrichtssituationen nötig. Aber darüber hinaus bedarf es auch qualifizierten Personals, das Traumata aufarbeiten kann.
5.11.15
Schmerlenbacher Appell: Freie und offene Lernmaterialien für Flüchtlinge
Offener Brief von OER-Initiativen an die öffentliche Hand
Bildung ist ein Schlüssel zur Integration von Flüchtlingen. Für das Gelingen spielen professionelle, ehrenamtliche und non-formale Bildungsangebote eine zentrale Rolle.
Die Unterzeichner begrüßen, dass das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) ein entsprechendes Maßnahmenpaket im Umfang von 130 Millionen Euro angekündigt hat. Auch andere Akteure der öffentlichen Hand sind und werden aktiv, insbesondere um Lernmaterialien für Flüchtlinge entwickeln zu lassen.
Um die Wirksamkeit und Nachhaltigkeit entsprechender Maßnahmen zu gewährleisten, fordern die Unterzeichner:
Von der öffentlichen Hand geförderte Lernmaterialien müssen offen lizenziert sein!
Labels:
Flüchtlinge,
OER,
Schmerlenbacher Appell
1.11.15
Das ZUM-Treffen 2015 hat einen wichtigen Schritt zur Bündelung der Kräfte für OER gebracht
Bald werden bessere Berichte, als ich sie geben könnte, im ZUM-Wiki zu finden oder verlinkt sein.
Doch so viel kann ich schon sagen, obwohl ich nach dem intensiven Treffen noch nicht zu einem fundierten Statement imstande bin:
Der Bericht von Jöran Muuß-Merholz über den gegenwärtigen Stand der Initiative für OER hat die Anwesenden beim ZUM-Treffen motiviert, sich zusammen zu tun, und die ZUM strebt jetzt eine Partnerschaft mit dem Bündnis Freie Bildung an. Die Chance der Krise, von der ich im vorigen Artikel sprach, ist nicht links liegen gelassen worden.
Zu einem Durchbruch ist es sicher noch weit, aber ein wichtiger Schritt ist getan.
Zu den Ergebnissen der Arbeitsgruppen im ZUM-Pad (wird nach einiger Zeit gelöscht)
Schmerlenbacher Appell
OER-Atlas eine Art „Gelbe Seiten” für offene Unterrichtsmaterialien
Bei dieser Gelegenheit:
Einen Blick in die Anfänge der ZUM vor ihrer Entstehung ermöglicht das
Interview mit Karl-Friedrich Fischbach
Doch so viel kann ich schon sagen, obwohl ich nach dem intensiven Treffen noch nicht zu einem fundierten Statement imstande bin:
Der Bericht von Jöran Muuß-Merholz über den gegenwärtigen Stand der Initiative für OER hat die Anwesenden beim ZUM-Treffen motiviert, sich zusammen zu tun, und die ZUM strebt jetzt eine Partnerschaft mit dem Bündnis Freie Bildung an. Die Chance der Krise, von der ich im vorigen Artikel sprach, ist nicht links liegen gelassen worden.
Zu einem Durchbruch ist es sicher noch weit, aber ein wichtiger Schritt ist getan.
Zu den Ergebnissen der Arbeitsgruppen im ZUM-Pad (wird nach einiger Zeit gelöscht)
Schmerlenbacher Appell
OER-Atlas eine Art „Gelbe Seiten” für offene Unterrichtsmaterialien
Bei dieser Gelegenheit:
Einen Blick in die Anfänge der ZUM vor ihrer Entstehung ermöglicht das
Interview mit Karl-Friedrich Fischbach
Labels:
#oerinis15,
#zum15,
BFB,
Bündnis Freie Bildung,
Jöran Muuß-Merholz,
OER,
ZUM
31.10.15
OER in einer "kritischen Phase" - über das ZUM-Treffen 2015
Kritisch ist die Phase nicht, weil alles den Bach hinuntergehen könnte, sondern weil sich entscheidet, ob über Synergieeffekte ein Durchbruch gelingt, oder ob jede einzelne Initiative ihre eigene Sache mehr oder minder erfolgreich weiter betreibt.
In einem Gastbeitrag haben auf dem ZUM-Blog unter Möglichkeiten einer Zusammenarbeit von OER-Initiativen Heiko Przyhodnik und Hans Hellfried Wedenig inhaltliche Möglichkeiten aufgezeigt.
In einem Gastbeitrag haben auf dem ZUM-Blog unter Möglichkeiten einer Zusammenarbeit von OER-Initiativen Heiko Przyhodnik und Hans Hellfried Wedenig inhaltliche Möglichkeiten aufgezeigt.
- Inhaltlich ergänzende Zusammenarbeit (Gleicher inhaltlicher Schwerpunkt)
- Funktionsbedingte Zusammenarbeit (Unterschiedliche inhaltliche Schwerpunkte)
- OER-Initiativen-Zusammenarbeit allgemein
Beim ZUM-Treffen 2015 geht es unter dem Motto "Die Kräfte bündeln - OER-Initiativen stärken" durchaus um alle drei Punkte, vor allem aber um den Prozess. Gelingt es, ihn so weit voranzutreiben, dass eine neue Stufe der Zusammenarbeit gelingt, oder bleibt mehr oder minder alles beim Alten?
Gegenwärtig spricht man von der Ukrainekrise, der Eurokrise, der Griechenlandkrise, der Flüchtlingskrise. Und gerade bei der Flüchtlingskrise wird das Wort Krise von vielen gescheut, weil man die Gefahr des Umschlags von einer euphorischen Willkommenskultur in Überanstrengung, Resignation und Hasskulturen sieht.
Allzu oft haben historische Krisen (z.B. die Julikrise 1914) in Katastrophen geführt. Aber wenn wir an die Kubakrise denken, sehen wir, dass gerade eine Krise die Chance für etwas ganz Neues bietet. Die reale Gefahr, dass der Dritte Weltkrieg mit weltweiter atomarer Vernichtung ausbrechen könnte, hat dazu geführt, dass die Supermächte Regelungsmechanismen gefunden haben, die auf Jahrzehnte diesen Weltkrieg verhindert und mit der Wende von 1989/91 ihn sogar sehr unwahrscheinlich gemacht haben. Gerade weil die Ergebnisse dieses Prozesses gegenwärtig auf dem Spiel stehen, ist zu erkennen, wie stark und weitreichend die Wirkung der Kubakrise war.
Die Flüchtlingskrise und die Umweltkrise (Klimakonferenz in Paris) können noch langfristigere Folgen haben, ohne dass wir das heute übersehen können. Die Chance eines Neuanfangs ist dabei immer inbegriffen.
In dem Sinne sehe ich das ZUM-Treffen 2015 nicht als eine Entscheidung über alles oder nichts, sondern als einen wichtigen Punkt in einem Prozess, der große Möglichkeiten in sich birgt, aber sich auch festfahren kann.
Gegenwärtig spricht man von der Ukrainekrise, der Eurokrise, der Griechenlandkrise, der Flüchtlingskrise. Und gerade bei der Flüchtlingskrise wird das Wort Krise von vielen gescheut, weil man die Gefahr des Umschlags von einer euphorischen Willkommenskultur in Überanstrengung, Resignation und Hasskulturen sieht.
Allzu oft haben historische Krisen (z.B. die Julikrise 1914) in Katastrophen geführt. Aber wenn wir an die Kubakrise denken, sehen wir, dass gerade eine Krise die Chance für etwas ganz Neues bietet. Die reale Gefahr, dass der Dritte Weltkrieg mit weltweiter atomarer Vernichtung ausbrechen könnte, hat dazu geführt, dass die Supermächte Regelungsmechanismen gefunden haben, die auf Jahrzehnte diesen Weltkrieg verhindert und mit der Wende von 1989/91 ihn sogar sehr unwahrscheinlich gemacht haben. Gerade weil die Ergebnisse dieses Prozesses gegenwärtig auf dem Spiel stehen, ist zu erkennen, wie stark und weitreichend die Wirkung der Kubakrise war.
Die Flüchtlingskrise und die Umweltkrise (Klimakonferenz in Paris) können noch langfristigere Folgen haben, ohne dass wir das heute übersehen können. Die Chance eines Neuanfangs ist dabei immer inbegriffen.
In dem Sinne sehe ich das ZUM-Treffen 2015 nicht als eine Entscheidung über alles oder nichts, sondern als einen wichtigen Punkt in einem Prozess, der große Möglichkeiten in sich birgt, aber sich auch festfahren kann.
Labels:
Krise,
OER,
ZUM-Treffen,
ZUM-Treffen 2015
29.10.15
Familie Mann und die Familiensynode in Rom
In der neusten Nummer der ZEIT (Nr.44 vom 29.10.15) finden sich vier Artikel, die ich schon jetzt mit großem Interesse gelesen habe.
Zum einen eine Besprechung von Tilmann Lahme: Die Manns. Geschichte einer Familie. Dann die Seite Glauben & Zweifeln* mit drei Artikeln.
Michael Maar berichtet über Die Manns, dass Lahme auf jede Interpretation verzichtet habe, sondern nur Tatsachen sprechen lasse. Und schon sein Artikel reicht aus, um meine nicht ganz bescheidene Kenntnis der Familie Mann um wesentliche Facetten zu erweitern. Maars Fazit:
Ich bin gegen an die Öffentlichkeit zerren und bewundere die Noblesse von Uwe Johnsons Frau, die - meiner Kenntnis nach - nie öffentlich zu den Vorwürfen Stellung genommen hat, die ihr Mann ihr nach der Trennung gemacht hat. Ich bin auch für heilen, auch wenn es um Wunden Schuldiger geht. (Eindrucksvoll hat Schlink in Der Vorleser vorgeführt, wie viel Recht auf Heilung eine Nazitäterin haben kann.) Dennoch habe ich Beispiele angeführt, wo man wohl eher für das Sichtbarmachen und gegen das Heilen sein kann. Und dennoch möchte ich weiter zitieren, wie Luis Antonio Tagle fortfährt, als er über das Heilen gesprochen hat.
Das gilt auch für uns gegenüber Pegida, den Reformverweigerern in der Kirche und alle anderen, gegen die uns zu wenden, wir politische Gründe haben. Öffentlich kritisieren, aber ohne ihre Menschenwürde zu missachten und zu Gewalt gegen sie zu greifen. Privat sich um Verständnis zu bemühen, wie wir es auch mit unseren eigenen Schwächen und Fehlern tun sollten.
*Die ZEIT im Vorbericht über diese Seite:
Familiensynode: Die unvollendete Revolution – Die Familiensynode in Rom findet einen Kompromiss. Er klingt weich, könnte aber alles ändern. Dazu: Der Textchef der Synode, Bruno Forte, spricht über das Ende des Duckmäusertums.
Zum einen eine Besprechung von Tilmann Lahme: Die Manns. Geschichte einer Familie. Dann die Seite Glauben & Zweifeln* mit drei Artikeln.
Michael Maar berichtet über Die Manns, dass Lahme auf jede Interpretation verzichtet habe, sondern nur Tatsachen sprechen lasse. Und schon sein Artikel reicht aus, um meine nicht ganz bescheidene Kenntnis der Familie Mann um wesentliche Facetten zu erweitern. Maars Fazit:
Die Liebe überhaupt, wo bleibt sie in dieser düsteren Moritat? "Du sollst nicht lieben" - das war die Bedingung des Teufels im Doktor Faustus dafür, dass Adrian Leverkühn der Durchbruch in der Kunst gelang. Sie galt wohl auch für den Mann, dessen Werk wir verehren und der für seine Familie ein Unglück war.Evelyn Finger schreibt über den jüngsten der vier Präsidenten der Familiensynode, Luis Antonio Tagle und zitiert ihn:
Jede Familie hat ihre Wunden, sichtbare und unsichtbare. Es ist die Sache der Kirche, diese Wunden zu heilen, statt Schuld für Verletzungen zuzuweisen.Lahme und Maar haben Wunden der Familie sichtbar gemacht, die der Öffentlichkeit so genau noch nicht bekannt waren. Sie haben nicht versucht, diese Wunden zu verstecken, wie frühere Biographen es oft mit den Wunden ihrer Helden getan haben, oder zu heilen, wenn sie Nazitätern - wie es nicht ganz selten vorkam - zur Heilung ihrer Wunden zu einem Exil in Argentinien verhalf.
Ich bin gegen an die Öffentlichkeit zerren und bewundere die Noblesse von Uwe Johnsons Frau, die - meiner Kenntnis nach - nie öffentlich zu den Vorwürfen Stellung genommen hat, die ihr Mann ihr nach der Trennung gemacht hat. Ich bin auch für heilen, auch wenn es um Wunden Schuldiger geht. (Eindrucksvoll hat Schlink in Der Vorleser vorgeführt, wie viel Recht auf Heilung eine Nazitäterin haben kann.) Dennoch habe ich Beispiele angeführt, wo man wohl eher für das Sichtbarmachen und gegen das Heilen sein kann. Und dennoch möchte ich weiter zitieren, wie Luis Antonio Tagle fortfährt, als er über das Heilen gesprochen hat.
Verurteilen ist leicht. Helfen ist schwer. Es erfordert nicht nur Geduld, sondern Mut. Das christliche Credo lautet: Begegne dem anderen voller Gnade!In der Öffentlichkeit ist Kritik wichtig, privat Vergebung und Heilen. Die Kirche sollte das prophetische Wort finden, wenn sie über Ungerechtigkeit auf dieser Welt spricht. Wenn sie zu denen spricht, die nicht den kirchlichen Weg zum Heil gehen konnten, sollte sie sprechen, "ohne sie zu bevormunden und ihre Freiheit einzuschränken".
Ich nehme noch einmal meine Eltern als Beispiel. Beide sind jetzt 85 und noch recht stark, sie reisen immer noch, aber allmählich schwinden ihre Gesundheit, ihre Energie, ihr Gedächtnis. Ich muss zugeben, manchmal macht mir das Angst. Wer will seine Eltern schon schwach sehen? Ich hoffe, dass ich neue Wege finde, mit ihnen umzugehen, auf ihre Nöte zu reagieren - ohne sie zu bevormunden und ihre Freiheit einzuschränken.
Das gilt auch für uns gegenüber Pegida, den Reformverweigerern in der Kirche und alle anderen, gegen die uns zu wenden, wir politische Gründe haben. Öffentlich kritisieren, aber ohne ihre Menschenwürde zu missachten und zu Gewalt gegen sie zu greifen. Privat sich um Verständnis zu bemühen, wie wir es auch mit unseren eigenen Schwächen und Fehlern tun sollten.
*Die ZEIT im Vorbericht über diese Seite:
Familiensynode: Die unvollendete Revolution – Die Familiensynode in Rom findet einen Kompromiss. Er klingt weich, könnte aber alles ändern. Dazu: Der Textchef der Synode, Bruno Forte, spricht über das Ende des Duckmäusertums.
Labels:
Familie Mann,
Familiensynode,
Thomas Mann
24.10.15
Was sich aus den Erfahrungen mit der deutschen Einigung für den Umgang mit dem Flüchtlingsproblem lernen lässt
1. Vor dem Übergang von den zwei Staaten DDR und BRD gab es ein Flüchtlingsproblem mit teils chaotischen Verhältnissen.
2. Das Versprechen, es werde zu "blühenden Landschaften" kommen, war einerseits falsch, andererseits zutreffend.
a) Die "blühenden Landschaften" kamen nicht so früh, wie angekündigt, aber sie kamen.
b) Sie kamen, aber nicht für alle. Schon gar nicht in gleicher Weise.
3. Der Gegensatz zwischen Ost und West ist inzwischen unwichtiger geworden als der zwischen Arm und Reich und der zwischen Nord und Süd. (Wobei diese Pauschalisierung differenziert werden müsste in: zwischen Gewinnern der Veränderung und den Verlierern.)
4. Gewinner war die ältere Generation aus der DDR zwar zunächst über die Öffnung der Märkte und Rentenerhöhungen. Die Umstellungen waren aber eine eine ungeheure Kraftanstrengung für die Älteren und für viele (meiner Kenntnis nach nicht die Mehrheit) zumindest subjektiv die Mühe nicht wert.
Der langfristige Gewinner war die jüngere Generation der DDR. Sie wuchs in die neue Situation hinein und hatte über freie Wohnortswahl die Möglichkeit, sich ihre Chance im erweiterten Wirtschaftsraum zu suchen.
5. Gewinner der Umstellung waren freilich nicht zuletzt die Schnäppchenjäger, die Großbetriebe für 1 DM kauften und sie dann abwickelten und aus dem Verkauf der Immobilien viele Million Gewinn machten.
Bisher habe ich freilich nur beschrieben, was - aus meiner Sicht - Erfahrungen der deutschen Einigung waren. Was lässt sich daraus lernen?
Vorweg gesagt eins: Auf keinen Fall ein einfaches Dasselbe-in-Grün. Aber es gibt doch Anhaltspunkte.
1. Wer die Umstellung verhindern will, kämpft auf verlorenem Posten. (Beispiel: Lafontaine)
2. Wer die Gegner der Umstellung nur ausgrenzt, statt ihnen Wind aus den Segeln zu nehmen, aber auch. (Die Ausgrenzung der PDS im Osten begünstigte die Entstehung einer gesamtdeutschen Linken. Deren Erfolgsfigur wurde ein Mann aus dem Osten, Gregor Gysi.)
3. Die alten Unterschiede werden sich schon bald zugunsten neuer nivellieren. Bei Angela Merkel und Joachim Gauck wird zwar immer wieder ihre Herkunft aus dem Osten betont, aber was sie erfolgreich macht, ist ihre politische Orientierung und ihr politischer Stil.
Mit dieser Darstellung versuche ich keine Prognose. Aber ich möchte anregen, die gegenwärtige Umstellung als Teil eines längerfristigen Prozesses zu sehen.
Der Historiker Andreas Kossert über die Integration von Vertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg
2. Das Versprechen, es werde zu "blühenden Landschaften" kommen, war einerseits falsch, andererseits zutreffend.
a) Die "blühenden Landschaften" kamen nicht so früh, wie angekündigt, aber sie kamen.
b) Sie kamen, aber nicht für alle. Schon gar nicht in gleicher Weise.
3. Der Gegensatz zwischen Ost und West ist inzwischen unwichtiger geworden als der zwischen Arm und Reich und der zwischen Nord und Süd. (Wobei diese Pauschalisierung differenziert werden müsste in: zwischen Gewinnern der Veränderung und den Verlierern.)
4. Gewinner war die ältere Generation aus der DDR zwar zunächst über die Öffnung der Märkte und Rentenerhöhungen. Die Umstellungen waren aber eine eine ungeheure Kraftanstrengung für die Älteren und für viele (meiner Kenntnis nach nicht die Mehrheit) zumindest subjektiv die Mühe nicht wert.
Der langfristige Gewinner war die jüngere Generation der DDR. Sie wuchs in die neue Situation hinein und hatte über freie Wohnortswahl die Möglichkeit, sich ihre Chance im erweiterten Wirtschaftsraum zu suchen.
5. Gewinner der Umstellung waren freilich nicht zuletzt die Schnäppchenjäger, die Großbetriebe für 1 DM kauften und sie dann abwickelten und aus dem Verkauf der Immobilien viele Million Gewinn machten.
Bisher habe ich freilich nur beschrieben, was - aus meiner Sicht - Erfahrungen der deutschen Einigung waren. Was lässt sich daraus lernen?
Vorweg gesagt eins: Auf keinen Fall ein einfaches Dasselbe-in-Grün. Aber es gibt doch Anhaltspunkte.
1. Wer die Umstellung verhindern will, kämpft auf verlorenem Posten. (Beispiel: Lafontaine)
2. Wer die Gegner der Umstellung nur ausgrenzt, statt ihnen Wind aus den Segeln zu nehmen, aber auch. (Die Ausgrenzung der PDS im Osten begünstigte die Entstehung einer gesamtdeutschen Linken. Deren Erfolgsfigur wurde ein Mann aus dem Osten, Gregor Gysi.)
3. Die alten Unterschiede werden sich schon bald zugunsten neuer nivellieren. Bei Angela Merkel und Joachim Gauck wird zwar immer wieder ihre Herkunft aus dem Osten betont, aber was sie erfolgreich macht, ist ihre politische Orientierung und ihr politischer Stil.
Mit dieser Darstellung versuche ich keine Prognose. Aber ich möchte anregen, die gegenwärtige Umstellung als Teil eines längerfristigen Prozesses zu sehen.
Der Historiker Andreas Kossert über die Integration von Vertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg
"Integration ist ein langer Prozess. Die materiellen Probleme waren vergleichsweise schnell überwunden, aber die mentalen Spuren von Heimatverlust und Vertreibung blieben teilweise über Generationen sichtbar. Deshalb ist es wichtig, sich klarzumachen, was es früher, aber auch heute bedeutet, eine Heimat zu verlieren. Diese Erfahrung war in Deutschland für Millionen Menschen eine kollektive, von der aber viel zu selten die Rede ist. "
Labels:
Deutsche Einigung,
Flüchtlinge,
Flüchtlingsproblem
20.10.15
Wünsche der Wirtschaft an die Bildungsinstitutionen
Verfehlte Bildungspolitik: Jeder siebte junge Mensch ohne Berufsabschluss SPON 19.10.15
Natürlich haben Arbeitgeber ein Interesse daran, genügend gut ausgebildete Bewerber für de von ihnen angebotenen Arbeitsplätze zu bekommen. Schließlich kann man ja nicht ständig mit Zeitarbeitern jonglieren und Entlassungen in den Vorruhestand vornehmen, wenn man damit riskiert, dass einem dann demnächst die Fachkräfte fehlen werden.
Aber ist es angesichts der gegenwärtigen gesellschaftlichen Verhältnisse und der ständig ansteigenden Anforderungen an Flexibilität und Nachqualifizierung realistisch, dass mehr als 85% eines Jahrgangs den Anforderungen gerecht werden, ohne dass betrieblicherseits mehr dafür getan wird? Weder Schüler noch Lehrer werden von Jahr zu Jahr so viel intelligenter und motivierter, dass sie die steigenden Anforderungen erfüllen können.
Leider ist auch die Ausbildung an den Universitäten durch Bachelor und Modularisierung nicht erfolgreicher geworden. Die schwarze Null diktiert Einsparungen, wo angesichts der Zukunftsaufgaben (z.B. Inklusion und Integration von Migranten, gerechte Bezahlung von Erziehern) erhebliche Mehraufwendungen notwendig wären.
Nicht alles, was z.B. der Lehrerblog Bildungslücken treffend als Schwächen des gegenwärtigen Systems aufzeigt, ist nur der Borniertheit der Schulverwaltung zuzuschreiben.
Hochschulzugang für Flüchtlinge - Die Sache mit dem Zeugnis taz.de 19.10.15
"Bildung ist der Schlüssel zur Integration, heißt es. Aber was, wenn ein Flüchtling aus Syrien in Deutschland sein Wirtschaftsstudium fortsetzen will?"
Sieh oben: "Natürlich haben Arbeitgeber ein Interesse daran, genügend gut ausgebildete Bewerber für de von ihnen angebotenen Arbeitsplätze zu bekommen."
In diesem Fall bin ich voll auf der Seite der Migranten. Freilich müsste weit mehr dafür getan werden, dass sie rechtzeitig sprachlich und informativ auf die sehr unterschiedlichen Studienbedingungen vorbereitet werden.
Man erlasse mir, darzustellen, wie stark sich die Bildungssysteme der Welt im einzelnen unterscheiden. Ich kenne nur eindrucksvolle Beispiele.
Natürlich haben Arbeitgeber ein Interesse daran, genügend gut ausgebildete Bewerber für de von ihnen angebotenen Arbeitsplätze zu bekommen. Schließlich kann man ja nicht ständig mit Zeitarbeitern jonglieren und Entlassungen in den Vorruhestand vornehmen, wenn man damit riskiert, dass einem dann demnächst die Fachkräfte fehlen werden.
Aber ist es angesichts der gegenwärtigen gesellschaftlichen Verhältnisse und der ständig ansteigenden Anforderungen an Flexibilität und Nachqualifizierung realistisch, dass mehr als 85% eines Jahrgangs den Anforderungen gerecht werden, ohne dass betrieblicherseits mehr dafür getan wird? Weder Schüler noch Lehrer werden von Jahr zu Jahr so viel intelligenter und motivierter, dass sie die steigenden Anforderungen erfüllen können.
Leider ist auch die Ausbildung an den Universitäten durch Bachelor und Modularisierung nicht erfolgreicher geworden. Die schwarze Null diktiert Einsparungen, wo angesichts der Zukunftsaufgaben (z.B. Inklusion und Integration von Migranten, gerechte Bezahlung von Erziehern) erhebliche Mehraufwendungen notwendig wären.
Nicht alles, was z.B. der Lehrerblog Bildungslücken treffend als Schwächen des gegenwärtigen Systems aufzeigt, ist nur der Borniertheit der Schulverwaltung zuzuschreiben.
Hochschulzugang für Flüchtlinge - Die Sache mit dem Zeugnis taz.de 19.10.15
"Bildung ist der Schlüssel zur Integration, heißt es. Aber was, wenn ein Flüchtling aus Syrien in Deutschland sein Wirtschaftsstudium fortsetzen will?"
Sieh oben: "Natürlich haben Arbeitgeber ein Interesse daran, genügend gut ausgebildete Bewerber für de von ihnen angebotenen Arbeitsplätze zu bekommen."
In diesem Fall bin ich voll auf der Seite der Migranten. Freilich müsste weit mehr dafür getan werden, dass sie rechtzeitig sprachlich und informativ auf die sehr unterschiedlichen Studienbedingungen vorbereitet werden.
Man erlasse mir, darzustellen, wie stark sich die Bildungssysteme der Welt im einzelnen unterscheiden. Ich kenne nur eindrucksvolle Beispiele.
Labels:
Arbeitgeber,
Bildung,
Bildungssystem,
Wirtschaft
Abonnieren
Posts (Atom)