Manfred Spitzer berichtet:
„Papa, es gibt schlechte und gute Nachrichten. Die schlechte: Ich bin durch die Klausur gefallen. Die gute: Ich war der beste von den 93%, die durchgefallen sind“ schrieb mir mein Sohn per SMS während seines ersten Mathematik-Semesters an einer guten deutschen Universität."
"Nun weiß man jedoch, dass mathematische Hochbegabung mit Autismus (das heißt, einer psychischen Störung mit Defiziten in den Bereichen Kommunikation und soziale Interaktion) assoziiert ist:
Mathematiker haben eine höhere Wahrscheinlichkeit, an Autismus erkrankt zu sein, [...]"
(Eine private Erfahrung: Die wissenschaftliche Hilfskraft, die - nach meinem Eindruck - in meiner Lehrveranstaltung am systematischsten das Selbstbewusstsein nicht hochbegabter Mathematikstudenten abbaute, wurde später Ordinarius.) - Normaldruck: Manfred Spitzer, Schrägdruck: Fontanefans Kommentar.
"Das Systematische an der Ausbildung von Mathematiklehrern besteht also darin, dass während ihrer Ausbildung aktive Selektion gegen Menschen mit sozialem Einfühlungsvermögen betrieben wird. Das ist etwa so sinnvoll wie das Abfassen der Lehrmaterialien sowie Abhalten der schriftlichen Prüfungen bei der Ausbildung zum Verkehrspiloten in Blindenschrift."
"Stellen Sie sich nun vor, ich hätte meinen letzten Patienten vor 30 Jahren gesehen und würde meine angehenden Psychiatrie-Weiterbildungsärzte mit den Worten begrüßen: „Vergessen Sie, was Sie in sechs Jahren Studium an medizinischer Theorie gelernt haben: Wir haben hier richtige Patienten!“ Undenkbar? – in der Medizin ja, in der Bildung der Normalfall! Pädagogik-Professoren
unterrichten keine Schüler."
Wohl aber Informatikprofessoren.
"Wie sollen sie als Vorbild dienen können, an dem junge Lehrer sich „eine Scheibe abschneiden“? Systembedingt können sie das gar nicht! – Für diese eklatante Schwachstelle im Bildungssystem gibt es bei den hierfür Verantwortlichen einen vollkommenen blinden Fleck: Man sieht sie gar nicht, und hat daher auch keinen Handlungsbedarf. Abhilfe wäre leicht mit einer Systemänderung zu schaffen. Ebenso wie es keine Ausbildung in Medizin ohne Patienten gibt, sollte für den Bereich der Bildung gelten: Wer Lehrer ausbildet, muss auch Schüler unterrichten und wo Lehrer ausgebildet werden, müssen Schüler sein; nicht irgendwo in einer assoziierten Schule, sondern mitten im pädagogischen Institut. Es sollte keine normale Schule sein, sondern eine Brennpunktschule, genau so, wie an Universitätskliniken ja auch vor allem die schwierigen Fälle behandelt werden und die nächste Generation lernt, wie man das macht."
Oben genannter Informatikprofessor erkannte bald, dass er in der Hauptschule zu wenig Gelegenheit hatte, Fachunterricht zu erproben, sondern an sehr grundsätzlichen Problemen hängen blieb, und wählte andere Bedingungen. (Ein reiner Pädagogikprofessor hätte das wohl nicht tun sollen. Doch kenne ich kein Beispiel von einem Professor, der kontinuierlich an einer Brennpunktschule unterrichtete.)
"Von der Medizin weiß man:
Je mehr Therapieverfahren es für eine Krankheit gibt, desto schlechter wirken sie alle (und umgekehrt: Wenn etwas gut wirkt, machen alle genau das). In der Bildung haben wir 16 Systeme mit insgesamt knapp hundert Schultypen."
Nun ist Bildung etwas anderes als Medizin und es ließe sich an den Argumenten manches aussetzen. Trotzdem gibt Spitzers Argumentation zu denken.
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4.3.12
22.6.11
opco11 Spannagels Festival zu Medienkunde
Überblick der Konzerte (= der verlinkten Gruppenarbeiten auf Etherpads)
Kurzreflexion:
Je mehr man der Technik zumutet, desto mehr wird sie zur Zumutung.
Aus den Tweets:
Konzertprobe für #opco11 kollidiert bei mir mit Lektüre: A. Gruschka: Verstehen lehren - Plädoyer für guten Unterricht http://t.co/Ms4Sgkg
Technik nervt, Konzept der Konzerte gut
Session heute und das Klischee „Lehrende und Technik“ wird übererfüllt… Was für ein Festival. Was für ne Show…
Schade, dass die Aufführung keine Generalprobe war. So wie die daneben ging, wäre die Aufführung perfekt geworden.
Danke an alle Teilnehmer! Bitte reflektiert (Blogs, ...): 1) Wie fandet ihr das Format? 2) Wie viel ist inhaltlich rübergekommen?
Meinst du, der Arbeitsaufwand und das Ergebnis stehen in einem angemessenen Verhältnis?
Das zeigen die Erfahrungsberichte und Reflexionen der Teilnehmer, hoffe ich #opco11
Zur Klarstellung zum Konzert @2 Rya_ @Fontanefan: Die Mehrheit der Teilnehmer war sich einig, dass die Medienkompetenz nach einem einjährigen Fach-Unterricht, in dem die Grundbegriffe vermittelt werden sollten (Jahrgangsstufe 5), in sämtlichen Fächern verankert gehört. Die Benutzung von Wikis etc. wird mit der Zeit so normal sein wie im vergangenen Jahrhundert das Schreiben in Heften. - Die speziellen Inhalte von Informatik (Geschichte des Computers, Einblick ins Programmieren) sollte nicht für alle verpflichtend sein, sondern kann einerseits als Wahlfach angeboten werden, andererseits (etwa im mathematisch-naturwiss. Zweig eines Gymnasiums oder entsprechenden Schulformen/-ausprägungen) als verpflichtend (8./9. Jahrgangsstufe).
Reflexion 2:
Das Internet ermöglicht zeitversetztes Arbeiten. Die Technik, im Netz effektiv zeitgleich zu arbeiten, ist bei opco11 noch nicht vorhanden. (Chats sind ein schlechter Ersatz für Live-Audiodiskussion, die funktioniert.)
Auf Hausaufgaben zu setzen, wenn die Schüler fehlen, die sie gemacht haben, ist nicht sonderlich effektiv.
Es war eine anstrengende und lehrreiche Stunde. Vor ihr und von ihr gingen eine ganze Reihe von Anregungen aus. No risk, no fun.
Anmerkung:
Schulung der Medienkompetenz für Lehrende
Kurzreflexion:
Je mehr man der Technik zumutet, desto mehr wird sie zur Zumutung.
Aus den Tweets:
Konzertprobe für #opco11 kollidiert bei mir mit Lektüre: A. Gruschka: Verstehen lehren - Plädoyer für guten Unterricht http://t.co/Ms4Sgkg
Technik nervt, Konzept der Konzerte gut
Session heute und das Klischee „Lehrende und Technik“ wird übererfüllt… Was für ein Festival. Was für ne Show…
Schade, dass die Aufführung keine Generalprobe war. So wie die daneben ging, wäre die Aufführung perfekt geworden.
Danke an alle Teilnehmer! Bitte reflektiert (Blogs, ...): 1) Wie fandet ihr das Format? 2) Wie viel ist inhaltlich rübergekommen?
Meinst du, der Arbeitsaufwand und das Ergebnis stehen in einem angemessenen Verhältnis?
Das zeigen die Erfahrungsberichte und Reflexionen der Teilnehmer, hoffe ich #opco11
Zur Klarstellung zum Konzert @2 Rya_ @Fontanefan: Die Mehrheit der Teilnehmer war sich einig, dass die Medienkompetenz nach einem einjährigen Fach-Unterricht, in dem die Grundbegriffe vermittelt werden sollten (Jahrgangsstufe 5), in sämtlichen Fächern verankert gehört. Die Benutzung von Wikis etc. wird mit der Zeit so normal sein wie im vergangenen Jahrhundert das Schreiben in Heften. - Die speziellen Inhalte von Informatik (Geschichte des Computers, Einblick ins Programmieren) sollte nicht für alle verpflichtend sein, sondern kann einerseits als Wahlfach angeboten werden, andererseits (etwa im mathematisch-naturwiss. Zweig eines Gymnasiums oder entsprechenden Schulformen/-ausprägungen) als verpflichtend (8./9. Jahrgangsstufe).
Reflexion 2:
Das Internet ermöglicht zeitversetztes Arbeiten. Die Technik, im Netz effektiv zeitgleich zu arbeiten, ist bei opco11 noch nicht vorhanden. (Chats sind ein schlechter Ersatz für Live-Audiodiskussion, die funktioniert.)
Auf Hausaufgaben zu setzen, wenn die Schüler fehlen, die sie gemacht haben, ist nicht sonderlich effektiv.
Es war eine anstrengende und lehrreiche Stunde. Vor ihr und von ihr gingen eine ganze Reihe von Anregungen aus. No risk, no fun.
Anmerkung:
Schulung der Medienkompetenz für Lehrende
Labels:
Christian Spannagel,
Medienkunde,
Medienpädagogik,
opco11
Bildungsstandards für Medienkunde bei opco11
- Gruppe 1 bei Spannagels Konzerten: Etherpad
- Persönlichkeitsentwicklung
- zielgerichteter, reflektierter, kritischer Umgang (Produktion und Rezeption) mit Medien.
- mögliche Gefahren in weltweiten Netzen erkennen können (aber bitte auch zunächst mal die Chancen sehen)
- inhalte bewerten können, Auswählen der relevanten Information
- aktives zuhören, aktives adressatengerechtes partizipieren
- Umgang mit der ständigen Vernetzung (Computer, Smartphones, Ipads) und dem leben in den vielen Netzen- Sich strukturieren und abgrenzen können
- fähigkeit, als mündiger bürger zu handeln
- offen für andere Meinungen, Toleranzbereitschaft, die Fähigkeit, mit divergierenden Meinungen umgehen zu können, Persönlichkeitsrechte beachten
- Ungewissheiten aushalten statt nur nach allgemeingültigen Aussagen zu schauen
- Mit Zurückweisung oder nicht-Beachtung adäquat umgehen können, nicht ständig Rückmeldung brauchen
- Trennen zwischen Privat und Öffentlich
Schulung der Medienkompetenz für Lehrende
Labels:
Bildungsstandard,
Christian Spannagel,
Medienkunde,
opco11
22.9.09
Nicht nur Wikis!
"Web-2.0-Umgebungen bieten die Möglichkeit, Hochschulseminare öffentlich, das heißt unter Beteiligung von Personen außerhalb der Hochschule, abzuhalten." So hat cspannagel den Inhalt zweier Vorträge zusammengefasst, auf die ich hier hinweisen will.
Hier die Links: Öffentliche Seminare im Web 2.0 (Vorsicht:Pdf-Datei, daher eine gewisse Ladezeit), Folien zum Vortrag (rasch durchgeklickt), Gemeinsam lernen mit Wikis, Weblogs und Twitter (Folien zum Vortrag, teilidentisch mit denen vom vorigen), (Vortragsaufzeichnung, Video mit Folien)
Viel Kritisches kann ich dazu nicht sagen, dafür halte ich den Ansatz für viel zu vielversprechend. So sage ich nur mit Maik Rieken, Herrn Larbig u.a.: Man darf über der Methode aber die Inhalte nicht vergessen. Als ob Christian Spannagel jemals in Versuchung dazu wäre!
Hier noch ein Hinweis darauf, wie Lisa Rosa ihre Referendare dazu angeleitet hat, mit Blogs zu arbeiten, und einer dazu, wie Andreas Kalt die Blogs findet, die er für die Arbeit mit seinen Schülern braucht.
Hier die Links: Öffentliche Seminare im Web 2.0 (Vorsicht:Pdf-Datei, daher eine gewisse Ladezeit), Folien zum Vortrag (rasch durchgeklickt), Gemeinsam lernen mit Wikis, Weblogs und Twitter (Folien zum Vortrag, teilidentisch mit denen vom vorigen), (Vortragsaufzeichnung, Video mit Folien)
Viel Kritisches kann ich dazu nicht sagen, dafür halte ich den Ansatz für viel zu vielversprechend. So sage ich nur mit Maik Rieken, Herrn Larbig u.a.: Man darf über der Methode aber die Inhalte nicht vergessen. Als ob Christian Spannagel jemals in Versuchung dazu wäre!
Hier noch ein Hinweis darauf, wie Lisa Rosa ihre Referendare dazu angeleitet hat, mit Blogs zu arbeiten, und einer dazu, wie Andreas Kalt die Blogs findet, die er für die Arbeit mit seinen Schülern braucht.
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