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6.10.26

Nutze den Tag!

 Das eine ist es, zu leiden. Das andere, Professor darin zu sein, dass einer litt.

Wenn die Könige bauen, haben die Kärrner zu tun.

Wer baute das siebentorige Theben? ...

Hatte er nicht wenigstens einen Koch dabei?

Wer schrieb Brechts Werke? Wer wurde ausgenutzt?

Er wusste sich nicht zu zähmen, und so zerrann ihm sein Leben und sein Dichten.

Einmal lebt' ich wie Götter und mehr bedarf's nicht. 

Jetzt sitze ich auf dem tavastländischen Boden, von dem es in der Schulbüchern heißt, er macht Müh, aber er lohnt auch die Müh. ...

Wem macht er Mühe und wem nutzt er?

Gerechtigkeit?

Eine 99-jährige Frau wurde zu einer Jugendstrafe verurteilt, weil sie mit 18 bis 20 Jahren Beihilfe geleistet hat zu vieltausendfachem Mord und vielfacher Folter. 

Die Kleinen hängt man und die Großen lässt man laufen.

Gottes Mühlen mahlen langsam, aber trefflich fein. 

Mein ist die Rache, redet Gott.


16.1.23

Versöhnen statt spalten

 Versöhnen statt spalten ist mein Grundsatz, aber der allein löst nicht jedes Problem.


Gegenwärtig wecken die Coronaepidemie, die Klimakrise und der Ukrainekrieg das Bewusstsein dafür, dass es Probleme gibt, wo jedes Nichthandeln oder nur halbherzige Handeln in eine Katastrophe führen kann.
Dennoch gibt es kein Recht, einen Rettungsversuch aufzugeben.

Von größter Wichtigkeit ist dabei die Klimakrise, weil sie das Schicksal der Menschheit auf Jahrtausende bestimmen könnte.
Sie droht von den neuen aktuellen Krisen im Bewusstsein verdrängt zu werden. Das insbesondere, weil die Gründe für ihre zentrale Bedeutung äußerst schwer nachzuvollziehen sind. So kann man - wie ich - die Krise seit Jahrzehnten für eins der wichtigsten Menschheitsprobleme gehalten haben, ohne ihre erschreckende Bedeutung verstanden zu haben. 
Deshalb hat Greta Thunberg ihren Schwerpunkt vom Klima-Aktivismus auf die Aufklärung gelegt und mit über 100 Experten die gut verständlich geschriebene Dokumentation "Das Klima Buch" verfasst. Als Hilfe für den Einstieg steht jetzt dank ZUM-Unterrichten ein Artikel im Internet zur Verfügung, der anhand von Zitaten einen Überblick über die sehr komplexe Thematik verschafft.

Die Klimakrise verschärft das Flüchtlingsproblem, der Ukrainekrieg die Klimakrise. Die Coronapandemie hat den Klimaaktivismus (insbesondere die Demonstrationen) sehr erschwert, aber auch das Bewusstsein gestärkt, dass Politiker wissenschaftliche Erkenntnisse nicht ignorieren dürfen, dass rechtzeitig gehandelt werden muss, zumal wenn eine Krise nur weltumfassend gelöst werden kann.

Es gibt trotz dieser Krisen Hinweise, dass auf der Welt extreme Armut abgenommen hat  (auch wenn sie gegenwärtig wieder zunimmt) und dass in mehr Bereichen, als wir meist glauben, die Erde ein besserer Platz geworden ist.

Aber wachsende Ungerechtigkeit und der Klimawandel (ob menschengemacht oder nicht) drohen all diese Entwicklungen ins Gegenteil zu verkehren. Je früher und energischer die Menschen gegen diese Probleme angehen, desto größer ist die Chance, dass keine Menschheitskatastrophe eintritt. (Die Schülerstreiks könnten dafür wichtig werden, wenn die Erwachsenengeneration darüber zum Handeln findet..)

Deshalb versuche ich, auf diese Probleme hinzuweisen und meine Meinung dazu beizutragen. Ich finde es gut, dass das immer mehr Menschen möglich wird.

Meinungsfreiheit und Demokratie sind natürlich auch nicht ungefährdet. Dazu schreibe ich an anderer Stelle (siehe Links).

Dieser Artikel ist die aktualisierte Version eines Artikels, den ich seit November 2018 (also schon vor der Coronapandemie) routinemäßig in meinen Mails verlinke. In gewisser Hinsicht ist das ein Ausdruck meiner Hilflosigkeit angesichts des Klimawandels, der unsere Gesellschaft und die Weltgesellschaft in immer größere gegenseitige Entfremdung zu treiben droht. 
Hilfe ist nur zu erwarten, wenn es gelingt, diese Spaltung zu überwinden.

25.2.20

Wer sollte bestimmen, was Rassismus ist?

Der folgende ZEIT-Artikel vertritt eine höchst ehrenwerte Position, die man zur Kenntnis nehmen sollte, wenn man meiner Argumentation nicht kritiklos auf den Leim gehen möchte. Ich wiederhole für meine Zwecke aber nicht die gesamte Argumentation, die man nachlesen kann, sondern zitiere hier nur den Schluss, den ich für problematisch halte:
"Selbst der rassistischste AfD-Wähler wird nie die Drohung erfahren, aus diesem Land ausgeschlossen zu werden. Immer werden Politiker der sogenannten Mitte sagen, man muss auch seine Sorgen anhören. Diese Sicherheit des Dazugehörens fehlt Deutschen nichtweißer Hautfarbe. Und wenn wir uns mit unseren Werten ernstnehmen, wenn wir also wollen, dass die Schönheit des ersten Satzes unserer Verfassung zugleich auch eine Wahrheit ist, dann schulden wir es ihnen, diese Sicherheit zu schaffen. Jetzt. Bedingungslos. Für immer." (Rassismus: Bedingungsloses Zuhören)

Meine Behauptung: Wer von Rassismus betroffen ist, merkt es.
Andere können das nicht unmittelbar nachvollziehen, denn menschliche Wahrheit* ist immer subjektiv.*
Wie komme ich darauf?
Ernst Tugendhat hat einmal gesagt: "Auch ein Deutscher muss die Wahrheit sagen dürfen."
Das hielt ich für eine sehr berechtigte Aussage, bis mir auffiel, dass nach dem Holocaust manches, was ich, ein Deutscher, für wahr halte, für einen Holocaustüberlebenden nicht nur grundfalsch sein, sondern eine schwere Verletzung bedeuten kann.
Wahrheit ist also so subjektiv, dass meine Wahrheit zwar sinnvoll in den allgemeinen Diskurs eingebracht werden kann, nicht aber einem Holocaustüberlebenden ins Gesicht gesagt werden kann, ohne ihn tief zu verletzen.

Was hat das mit der Begriffsbestimmung von Rassismus zu tun?
Antisemitismus ist eine Form von Rassismus. Wenn Personen von Antisemitismus betroffen sind, ist das für sie eine schwere Verletzung. Dass sie von Antisemitismus betroffen sind, ist ihre Wahrheit.
Wenn die Regierung Israels als Betroffene bestimmen könnte, was Antisemitismus ist, könnte sie jede Kritik an ihrem Handeln als Antisemitismus bezeichnen und damit die innerisraelische Opposition zu Antisemiten erklären.
Das ist nahe an dem, was gegenwärtig in der Türkei geschieht, wo (weitestgehend) vorurteilsfreie Berichterstattung als Spionage deklariert und als solche bestraft werden kann.

Zu Recht wird der Begriff Rasse als obsolet bezeichnet. Wenn jemand wegen seiner äußerlichen Merkmale abgewertet wird, indem man ihn einer angeblich minderwertigen "Rasse" zuordnet, verdient er daher unsere Solidarität.
Wenn Bangel aber behauptet, nur die Angegriffenen verstünden, was Rassismus ist, begeht er meiner Meinung nach einen Fehler. Er hat Recht damit, dass nur der Angegriffene beurteilen kann, wie verletzend Rassismus ist.
Denn nur in Ausnahmefällen (z.B., wenn man einen Menschen sehr liebt) wird man Verletzungen, die einem anderen zugefügt werden, genauso stark - oder gar stärker - empfinden als die, die einem selbst zugefügt werden. [Folterer versuchen, weil es diese Fälle gibt, gelegentlich, wenn sie die Gefolterten nicht brechen können, ob es ihnen über die Folter ihrer Angehörigen gelingt ihr/ihm ihren Willen aufzuzwingen.]
Hans Magnus Enzensberger hat dazu einmal dem Sinne nach gesagt: Jedem steht der eigene Zahnschmerz mehr weh als das Leid der vielen Millionen auf der Welt.

Deshalb haben die Angegriffenen aber noch nicht das Recht, für die Gesellschaft zu definieren, was Rassismus sei. Dass muss m.E. im gesamtgesellschaftlichen Diskurs geschehen.
Wenn z.B. Menschen in Deutschland Chinesen ausweichen und auf die andere Straßenseite wechseln, weil sie fürchten, von ihnen mit dem Coronavirus angesteckt zu werden, dann ist das in den meisten Fällen eine übertriebene Angstreaktion.* Weil es von den Chinesen aber als Rassismus empfunden werden kann, ist es ein angemessener Ausdruck von Solidarität, auf sie zuzugehen und sie besonders freundlich zu grüßen. (Bei Twitter habe ich einen solchen vorbildlichen solidarischen Akt dokumentiert gesehen.)
Aber wer seine übertriebene Angst nicht überwinden kann, ist deshalb noch kein Rassist, auch wenn sein Verhalten von Menschen, die öfter Rassismus erfahren haben, nahe liegender Weise so gedeutet werden wird.

Die völlig inakzeptablen Beleidigungen von Renate Künast könnten (zumindest theoretisch) subjektive Wahrheiten der Beleidiger sein.
Die Unterscheidung zwischen "Wahrheit" und "Beleidigung" kann aber nicht allein beim Beleidigten und schon gar nicht bei dem, dessen Äußerung als beleidigend empfunden wurde, liegen. Sie muss innerhalb des gesamtgesellschaftlichen Rahmens intersubjektiv geschehen. Entsprechendes gilt für rassistische Äußerungen und nicht-rassistische.

Im Gültigkeitsbereich des Grundgesetzes haben Richter einen Ermessensspielraum, im Rahmen der Gesetze darüber zu entscheiden, was so rassistisch ist, dass es diskriminierend oder gar beleidigend ist. (Andererseits kann solch ein Urteil angefochten werden und öffentliche Urteilsschelte geübt werden. Was zum Glück relativ häufig geschieht.) Ihre Empathie wird immer eine menschlich beschränkte sein. Deshalb kann Rechtsprechung immer nur Annäherung an Gerechtigkeit sein. Für die Fälle, wo sie zu weit davon entfernt ist, gibt es die genannten Korrekturmöglichkeiten, so unvollkommen sie bleiben.

Um auf den Schluss des oben angeführten Artikels aus der ZEIT einzugehen:
Der Satz "Die Würde des Menschen ist unantastbar" ist keine Wahrheit, sondern ein Postulat, das aufgestellt worden ist, weil sie im NS-Staat millionenfach in unerträglicher Weise missachtet worden ist.  Der Auftrag des Grundgesetzes ist: "Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt."
Bedingungslose Sicherheit der Menschenwürde zu garantieren geht über die Möglichkeit jeder empirisch feststellbaren Staatsgewalt hinaus. "Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt." Die ist meine Ansicht. Doch wichtiger ist Karl Jaspers Ermahnung:

"Wir wollen lernen, miteinander zu reden. Das heißt, wir wollten nicht nur unsere Meinung wiederholen, sondern hören, was der andere denkt. Wir wollen nicht nur behaupten, sondern im Zusammenhang nachdenken, auf Gründe hören, bereit bleiben, zu neuer Einsicht zu kommen. Wir wollen uns innerlich versuchsweise auf den Standpunkt des anderen stellen. Ja, wir wollen das uns Widersprechende geradezu aufsuchen. Das Ergreifen des Gemeinsamen im Widersprechenden ist wichtiger als die voreilige Fixierung von sich ausschließenden Standpunkten, mit denen man die Unterhaltung als aussichtslos beendet." 
(Karl Jaspers: Die Schuldfrage. Von der politischen Haftung Deutschland, 2012, Seite 8 – zitiert nach Harald Jähner: Wolfszeit 2019, S. 409)

* Für westliche Ohren mag das befremdlich klingen, nicht aber für asiatische Philosophie.

*  Vgl. D. Bonhoeffer: Was heißt die Wahrheit sagen?

* Mit Angst nichts zu tun hat folgender Vorgang, den ein Spanier aus der S-Bahn berichtet: Bin leicht erkältet, muss niesen. Typ neben mir steht auf, setzt sich weg, funkelt mich böse an und zischt: "Dreckiger Scheiß-Italiener! Dich haben Sie wohl vergessen, wegzusperren?"
Wenn man so etwas nie selbst erlebt hat, fällt Einfühlung natürlich sehr viel schwerer, als wenn man es aus eigener Erfahrung kennt.

22.11.18

Versöhnen statt spalten

Versöhnen statt spalten ist mein Grundsatz, aber der allein löst nicht jedes Problem.

Gegenwärtig wecken die Coronaepidemie, die Klimakrise und der Ukrainekrieg, seit dem 7.10.2023 auch der neueste Nahostkrieg (die anderen seit Jahren laufenden Kriege werden in der europäischen Öffentlichkeit kaum wahrgenommen) das Bewusstsein dafür, dass es Probleme gibt, wo jedes Nichthandeln oder nur halbherzige Handeln in eine Katastrophe führen kann.
Dennoch gibt es kein Recht, einen Rettungsversuch aufzugeben.

Von größter Wichtigkeit ist dabei die Klimakrise, weil sie das Schicksal der Menschheit auf Jahrtausende bestimmen könnte.
Sie droht von den neuen aktuellen Krisen im Bewusstsein verdrängt zu werden. Das insbesondere, weil die Gründe für ihre zentrale Bedeutung äußerst schwer nachzuvollziehen sind. So kann man - wie ich - die Krise seit Jahrzehnten für eins der wichtigsten Menschheitsprobleme gehalten haben, ohne ihre erschreckende Bedeutung verstanden zu haben. 
Deshalb hat Greta Thunberg ihren Schwerpunkt vom Klima-Aktivismus auf die Aufklärung gelegt und mit über 100 Experten die gut verständlich geschriebene Dokumentation "Das Klima Buch" verfasst. Als Hilfe für den Einstieg steht jetzt dank ZUM-Unterrichten ein Artikel im Internet zur Verfügung, der anhand von Zitaten einen Überblick über die sehr komplexe Thematik verschafft.

Die Klimakrise verschärft das Flüchtlingsproblem, der Ukrainekrieg die Klimakrise. Die Coronapandemie hat den Klimaaktivismus (insbesondere die Demonstrationen) sehr erschwert, aber auch das Bewusstsein gestärkt, dass Politiker wissenschaftliche Erkenntnisse nicht ignorieren dürfen, dass rechtzeitig gehandelt werden muss, zumal wenn eine Krise nur weltumfassend gelöst werden kann.

Es gibt trotz dieser Krisen Hinweise, dass auf der Welt extreme Armut abgenommen hat  (auch wenn sie gegenwärtig wieder zunimmt) und dass in mehr Bereichen, als wir meist glauben, die Erde ein besserer Platz geworden ist.

Aber wachsende Ungerechtigkeit und der Klimawandel (ob menschengemacht oder nicht) drohen all diese Entwicklungen ins Gegenteil zu verkehren. Je früher und energischer die Menschen gegen diese Probleme angehen, desto größer ist die Chance, dass keine Menschheitskatastrophe eintritt. (Die Schülerstreiks könnten dafür wichtig werden, wenn die Erwachsenengeneration darüber zum Handeln findet..)

Deshalb versuche ich, auf diese Probleme hinzuweisen und meine Meinung dazu beizutragen. Ich finde es gut, dass das immer mehr Menschen möglich wird.

Meinungsfreiheit und Demokratie sind natürlich auch nicht ungefährdet. Dazu schreibe ich an anderer Stelle (siehe Links).


13.5.14

Wie misst man sozialen Zusammenhang und ist wie ist er zu bewahren?

Soziale Kohäsion ist ein Ziel der EU.
Gemessen wird sie u.a. an der Häufigkeit, mit der Ehrenämter ausgeübt werden, am Vertrauen in staatliche Institutionen und am subjektiven Gerechtigkeitsgefühl.

Wie man sozialen Zusammenhang (soziale Kohäsion) bewahren könne, fragt man sich hauptsächlich im Zusammenhang mit der Entwicklung der Schere zwischen arm und reich, die in Armuts- und Reichtumsberichten beobachtet wird.

Die Berichte über die neuste Studie der Berstelsmannstiftung (pdf) kommen daher, als wäre fehlender Zusammenhalt eine moralische Schwäche des einzelnen.* Er ist aber weit eher ein Anzeichen dafür, ob staatliche Sozialpolitik erfolgreich ist oder nicht.
Wie es sich auswirkt, wenn die einen in wenigen Sekunden so viel verdienen, wie andere kaum in Wochen, Monaten oder Jahren erarbeiten können, das sollte nicht nur im Sozialkundeunterricht in speziell dafür vorgesehenen Stunden zur Sprache kommen.

Wenn man den Berichten über die Studie trauen darf, war staatliches Handeln der Bundesrepublik im Osten Deutschlands offenbar besonders wenig erfolgreich bei der Verfolgung des Ziels. Was tun?

Was leistet die EU-Politik der letzten Zeit für die soziale Kohäsion in Europa und insbesondere in der Ukraine?



* So erklärt der Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt "Wir sind nicht so" und kritisiert die Studie unter Verweis auf die große Solidarität in der Bevölkerung bei Hochwasserkatastrophen. 
Man braucht gar nicht anzunehmen, dass er von Kritik an seinem Regierungshandeln ablenken will. 
Die Solidarität unter den Benachteiligten ist eben etwas ganz anderes als das Gefühl, dass es in der Gesellschaft gerecht zugeht und dass man sich darauf verlassen kann, dass staatliche Institutionen sich dafür einsetzen. Und dass jemand, der zwei Arbeitsverhältnisse eingehen muss, um seinen Lebensunterhalt zu sichern, keine Zeit für Ehrenämter hat, dürfte sich von selbst verstehen. 

 Zusatz:
OECD kritisiert unsoziale Wirtschaftspolitik in Deutschland, SPON 13.5.14

16.6.13

Generationenmanifest

Ich kann alle 10 Warnungen des Generationenmanifestes unterschreiben und auch alle 10 Forderungen. Und ich habe sie unterschrieben. Die folgenden vier Warnungen sind mir die wichtigsten:
1. Der Klimawandel, die größte Bedrohung, die wir Menschen jemals erlebt haben, wird von der Bundesregierung und allen Parteien nicht mit höchster Priorität bekämpft. 
2. Die Energiewende, das bedeutendste Projekt unserer Generation, wird von den politischen Entscheidungsträgern halbherzig und inkonsequent umgesetzt. 
5. Gewinne werden privatisiert, Verluste sozialisiert.
7. Wir mehren unseren Wohlstand auf Kosten der Menschen in den Schwellen- und Entwicklungsländern, die oft unter menschenunwürdigen Bedingungen für uns arbeiten. 
Deshalb fordere ich alle meine Leser auf, das Manifest zu unterzeichnen.
Diese Aufforderung steht hier und (zunächst) nicht in meinem politischen Blog, weil es hier um so grundlegende Forderungen geht, dass sie unabhängig von jeder parteipolitischen Einstellung und unabhängig von jeder Vorstellung, wie sie im einzelnen durchgesetzt werden  sollten von allen Bürgern, denen es um eine gemeinsame Zukunft für die jetzigen Generationen geht, unterstützt werden können.
Mir gefällt der Stil nicht. Das Manifest klingt mir zu selbstgerecht. Und natürlich ist es leichter, etwas zu fordern, als es durchzusetzen. Aber es ist unglaublich schwer, etwas leicht verständlich und konsensfähig zu formulieren. Und es sollte deutlich werden, dass im bisherigen Wahlkampf die zentralen Fragen viel zu kurz kommen.
Deshalb bitte ich: unterzeichnet.
Aber natürlich gibt es noch andere Weisen, etwas für die Zielsetzung dieses Manifests zu tun.
Mein eigener kleiner Beitrag (natürlich nur abgekupfert von einem größeren) erschien bisher nur in zwei Sprachen. Wer hat Lust, ihn zu lesen und - besser noch, in eine weitere Sprache zu übersetzen?

20.12.11

Von den Gefahren des Internets

Eine Rentnerin ohne Computer soll über 600 Euro Strafe zahlen, weil sie nicht verhindert habe, dass über ihre IP-Adresse ein Hooligan-Video zum Tausch angeboten wurde, berichtet Spiegel online.
Weiß die Richterin, was sie von der Rentnerin verlangt? Wie viel Promille der deutschen Bevölkerung wissen, wie sie wirksam ihre IP-Adresse gegen Missbrauch schützen können? Wie viel Promille der Rentnerinnen?

2.7.11

Gerechtigkeit und Frieden

Vor dem Tod sind alle gleich. Vor ihm gilt kein Verdienst. Seine Gerechtigkeit ist die totale Gleichheit. Entsprechend gibt es beim Kirchhofsfrieden, wo alle Unzufriedenen getötet werden, keinen Streit mehr um Gerechtigkeit.
Ein Kirchhofsfriede kann geschaffen werden durch einen Diktator und seine Geschöpfe, die er alle töten kann. Durch eine Clique, durch eine Minderheit, durch eine Mehrheit.

Auch beim Burgfrieden, bei der Abwehr eines äußeren Feindes, gibt es keinen Anspruch auf Gerechtigkeit, der wird auf später vertagt.
Der Feind kann die Not sein. Dann bekommt der Pharao alle Rechte, weil er allein Not fernhalten kann (vgl. auch Königsheil). Hält er die Not nicht fern, versucht sich ein neuer an der Aufgabe.
Not könnte auch der Klimawandel sein. Jedenfalls versuchen Atomkraftbefürworter ihn manchmal in diesem Sinne auszunützen, seit Fukushima mit sinkendem Erfolg.

Geht es einem besser, will man einen positiven Frieden, die Abwesenheit struktureller Gewalt, gleiche Chancen für alle. Und dann gibt es Dauerstreit, weil jeder will, dass es ihm gerecht gemacht wird. Der Blinde, der Rollstuhlfahrer, der Ingenieur und der Künstler. (Der braucht Mäzene, also am besten bodenlos Reiche. Der Arme braucht Spiele/Opium, also Stars. Am besten gleiche Chancen, Superstar zu werden. Dafür spielt man Fußball oder geht zum Casting.)

Nachtrag:
Bibelstellen: Ps 85,11; Jes 32,17; Röm 14,17; Jak 3,18

6.5.07

Gerechtigkeit

"Der Begriff des Neiders füllt dieselbe rhetorische Rolle aus wie in der Adenauer-Zeit das Wort „Kommunist“ oder in der Studentenrevolte der Achtundsechziger das Wort „Faschist“. Es geht mit solchen unüberlegten Schlagworten darum, unerwünschte Kritik zu denunzieren und gründliches Nachdenken zu unterbinden", so lese ich es - von Politikern darf man so präzise Analysen nicht mehr erwarten - unter der Überschrift Option für die Schwachen in einem Wort zum Sonntag.
In der Tat. Gerechtigkeit, Verantwortungsgefühl, Mitgefühl, Werte, die unsere Gesellschaft einmal auszeichneten, versucht man uns systematisch als uncool auszureden und das seit 1989. Eine sehr bedauerliche Folge der deutschen Einigung.
Aber man hätte sonst ja auf den Gedanken kommen können "Unsere Brüder und Schwestern im Osten" wären etwa gleichberechtigt.