Posts mit dem Label Intelligenz werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Intelligenz werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

5.1.22

Über Hochbegabung und das soziale Umfeld

Antwort von  Avicenna89, Community-Experte für Psychologie, Intelligenz, IQ bei gutefragenet (https://www.gutefrage.net/frage/kann-dummes-umfeld-dem-iq-eines-hochbegabten-schaden-anrichten#comment-318313430)

"Dem IQ eines Hochbegabten" fügt ein "dummes Umfeld" keinen Schaden zu. Der IQ ist der Versuch, die Intelligenz eines Menschen im Vergleich zu anderen Menschen zu quantifizieren. Als "hochbegabt" bezeichnet man dabei die Gruppe von Menschen, deren IQ mindestens doppelt so weit vom Durchschnitt abweicht wie man es aufgrund des statistischen Grundrauschens erwarten würde. Die Intelligenz ist ein Persönlichkeitsmerkmal und als solches (in Studien nachgewiesen) im Laufe des Lebens relativ stabil. Der größte Teil der Intelligenzunterschiede zwischen Menschen (also des IQ) ist genetisch veranlagt. Dieser Anteil nimmt sogar mit dem Alter zu. Diese genetische Veranlagung vererbt sich jedoch weitaus komplexer als die Fellfarbe von Nagetieren, anhand derer die Mendelschen Regeln in der neunten Klasse im Biounterricht erklärt werden, sodass man nicht unbedingt von den Eltern auf die Intelligenz der Kinder schließen kann. So etwas wird anhand von Zwillingsstudien herausgefunden, da man ja weiß, dass eineiige Zwillinge die gleichen Gene haben, aber nicht auf Basis von Studien zwischen Eltern und Kindern. Ein weiterer Teil der Intelligenzunterschiede kommt von Umwelteinflüssen, die aus meiner Sicht aber ähnlich wie bei der Anlage für Körpergröße eher destruktiv wirken. Das heißt, schlechtere Ernährung, psychische Belastungssituationen, physische Krankheiten, etc. können den IQ verringern. Achtung: Ob sich dadurch auch die Intelligenz verringert, steht auf einem anderen Blatt. Man kann ja die Intelligenz nur mit dem IQ messen, kann aber nicht immer sicher sein, dass die individuelle Person bei der Messung ihre vorhandene Intelligenz ausgereizt hat, also ob die Umweltfaktoren die Intelligenz bei der Messung überlagern oder ob sie die Intelligenz tatsächlich kaputt machen.

Generell ist die Intelligenz nur ein Potential. Sie ist einfach da. Bei manchen mehr, bei anderen weniger. Durch Anregungen, Förderung, Motivation, ... kann erreicht werden, dass sich dieses Potential entfaltet und kognitive Leistungen erbracht werden. So etwas ist in einem - wie du es beschreibst - "dummen Umfeld" nicht immer gegeben*. Dadurch kann es sein, dass das Potential nicht oder nur teilweise zur Entfaltung kommt - es ist jedoch weiterhin vorhanden und könnte abgerufen werden, wenn die Rahmenbedingungen besser sind, bspw. die Motivation oder die Anerkennung durch das Umfeld für kognitive Leistungen steigt. 

*Ich bin selbst entgegen des nachdrücklichen Rats des Realschulrektors [...]" (Link)

28.6.16

Wie muss sich Ausbildung im Blick auf die Fortschritte bei künstlicher Intelligenz verändern?

Mit den Fortschritten bei künstlicher Intelligenz werden akademische Qualifikationen zunehmend unwichtiger. Davon ist Wolfgang Wahlster überzeugt, CEO des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI).
Das heutige Ausbildungs- und Karrieresystem muss demnach neu gedacht werden. Der Einstieg in gutbezahlte Berufe gelingt nach wie vor meist über fachliche Qualifikation, also die Leistung bei kognitiver Intelligenz. Sie ist etwa für Schach oder Go wichtig, "aber hier sind uns die KI-Systeme zum Teil schon überlegen", betont Wahlster. Zur menschlichen Intelligenz gehöre aber ebenso die sensomotorische, emotionale und soziale Intelligenz. "Hier sind Computer noch weit von unserer Performanz entfernt." Er plädiert daher dafür, diese Stärken in der Schule deutlicher zu fördern. Es gehe darum, nicht nur Wissen zu lehren, sondern auch das clevere Entscheiden in Alltagssituationen, das Bewerten, das Lernen zu lernen. "Das ist viel wichtiger als reines Fachwissen. Dort liegt der riesige Vorsprung des Menschen vor den Computern." (Künstliche Intelligenz: Uni-Studium verliert an Bedeutung, Technology Review 27.6.16)

Die Sicht von 2018