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27.1.16

Holocaustgedenken

Chronik des Ghettos Lodz/Litzmannstadt (das letzte Jahr)

Jüdischer Widerstand

Holocaust (Wikipedia)

Zum Gedenktag:
Der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert an alle Opfer eines beispiellosen totalitären Regimes während der Zeit des Nationalsozialismus: „Juden, Christen, Sinti und Roma, Menschen mit Behinderung, Homosexuelle, politisch Andersdenkende sowie Männer und Frauen des Widerstandes, Wissenschaftler, Künstler, Journalisten, Kriegsgefangene und Deserteure, Greise und Kinder an der Front, Zwangsarbeiter und an die Millionen Menschen, die unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft entrechtet, verfolgt, gequält und ermordet wurden.“[2]
Der Gedenktag wurde am 3. Januar 1996 durch Proklamation des Bundespräsidenten Roman Herzog eingeführt und auf den 27. Januar festgelegt.[3] Am 27. Januar 1945 befreiten Soldaten der Roten Armee die Überlebenden des KZ Auschwitz-Birkenau, des größtenVernichtungslagers des Nazi-Regimes.
In seiner Proklamation führte Herzog aus:
„Die Erinnerung darf nicht enden; sie muss auch künftige Generationen zur Wachsamkeit mahnen. Es ist deshalb wichtig, nun eine Form des Erinnerns zu finden, die in die Zukunft wirkt. Sie soll Trauer über Leid und Verlust ausdrücken, dem Gedenken an die Opfer gewidmet sein und jeder Gefahr der Wiederholung entgegenwirken.“
(Wikipedia: Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus)
Holocaust (meine Blogbeiträge A)
Holocaust (meine Blogbeiträge B)

10.12.15

Als Adolf in die Falle ging

Eine Buchvorstellung ist  in diesem Blog etwas ungewöhnlich. Das Buch scheint mir so bemerkenswert, dass ich ihm eine größere Bekanntheit wünsche. Es geht um "Als Adolf in die Falle ging" von Brigitte Endres.

Brigitte Endres schreibt über ihren Roman für Kinder:
James Krüss hat einmal über sich und Erich Kästner gesagt, da sie beide Lehramt studiert hatten:
„Wir wurden den Lehrern untreu und hielten den Kindern die Treue.“
Was mich angeht, möchte ich weder den Lehrern noch den Kindern untreu werden.
So kam ich auf die Idee, Kinderbücher zu schreiben, die sich als Klassenlektüren eignen und dazu Lehrerhandbücher zu entwickeln, die Ihnen die Arbeit erleichtern.
 Diese Absicht merkt man dem Buch an. Es ist aus der Perspektive eines Kindes leicht verständlich geschrieben. Die Handlung ist klar strukturiert.


Die Hauptperson, der Pimpf Heinz, ist von dem Eintritt in die Welt der Älteren fasziniert. Er findet dort Vorbilder in den Gruppenleitern beim Jungvolk und Anreize durch die gesellschaftlichen Symbole der höheren Reifestufen: Uniform, Teilhabe an den Ritualen der Älteren und ein ambivalentes Symbol, das Messer mit der Inschrift "Blut und Ehre".
Noch älter ist freilich sein Vorbild seit früher Kindheit, sein Großvater, der immer Zeit für ihn hatte und in dessen Garten er spielerisch Verantwortung lernte.
Verantwortung hat er freilich auch durch die häuslichen Pflichten in seiner Familie. Dazu gehört für ihn als den Jüngsten auch die Fürsorge für ein noch jüngeres Nachbarskind, die kleine Marie, die er immer wieder einmal, wenn ihre alleinerziehende Mutter sich nicht um sie kümmern kann, zu seinem Opa bringt, für den der Umgang mit dem kleinen Kind eine wahre Freude ist. Eifersucht entwickelt Heinz gegenüber Marie nicht. Da sie selbst für ihre drei Jahre noch zurückgeblieben ist, ist sie keine Konkurrenz für ihn.
Dagegen ist er auf seine ältere Schwester sehr wohl eifersüchtig, weil sie schon mehr Rechte und Freiheiten hat als er und weil sie den Großvater auch dort versteht, wo er aus Sicht von Heinz unverständlich reagiert. Richtig wütend werden kann er, wenn nicht nur die Erwachsenen, sondern auch seine Schwester ihm eine Erklärung für das Verhalten der Älteren verweigert mit dem Hinweis, dafür sei er noch zu jung.
Sein Weg zu den Älteren verläuft beim Jungvolk und der Hitlerjugend in klaren Bahnen mit wachsenden Anforderungen und ehrenvollen Bestätigungen für ihre Bewältigung, wird aber unübersichtlich dadurch, dass sein Großvater die gesellschaftlichen Normen des Systems ablehnt und seine Eltern zwar an das System angepasst sind, aber nicht aus innerer Überzeugung. Sein Veter akzeptiert die Forderungen als gesellschaftlich vorgegeben, seine Mutter folgt ihnen aus Furcht vor den Sanktionen, die sonst drohen. Freilich für den Ankauf von Uniform und Messer Geld aufzubringen, sind sie nicht bereit. Bei der Uniform ergibt sich ein Ersatz durch Braunfärben eines Kleidungsstückes, beim Messer hilft sich Heinz, indem er das notwendige Geld aus seiner Sparbüchse herausangelt, obwohl ihm das verboten ist.
Doch dann bricht von zwei Seiten das System auf ihn ein, wo er keinen rechten Frieden mit ihm machen kann: Zum einen erfährt er im Jugendlager, das ihm zwar Anerkennung und Erfolge im gesellschaftlichen Umfeld bringt, dass Vorgesetzte ihn und seine Kameraden mit willkürlichen Schleifereien und ständiger Herabsetzung begenen. Zum anderen erfährt er, dass sein Schützling Marie ein Opfer des Systems werden soll. Hier versagt die Anpassungsstrategie seiner Eltern. Seine Mutter ergreift klar Partei für das Kind, und alle sind ganz froh, als der Großvater, der dem System von Anfang an mit Widerstand begegnet ist, Marie bei sich vor Verfolgung beschützt und einen dauerhaften Weg zu ihrer Rettung findet: die Auswanderung von Mutter und Kind in die USA, wo der Bruder der Mutter lebt.
Dieser Weg erfordert den vollen Einsatz des Großvaters und erweist sich nur deshalb als gangbar, weil die Mutter, wie sie befriedigt feststellt, "Arierin" ist. Juden gelingt die Ausreise, wie Heinz bei dieser Gelegenheit bemrkt, nur selten.
Dass Heinz bei dieser Gelegenheit Zweifel am NS-Regime entwickelt und einen Ausweg aus seinen unmenschlichen Forderungen sucht, ist psychologisch verständlich und überzeugend. Ebenso, dass ein Kind über Identifikation mit Heinz (oder, falls die Geschlechterrolle das Mädchen schlechter ermöglicht, mit seiner älteren Schwester) nachzuvollziehen und abzulehnen lernt.
Es gilt aber dennoch einige Einwände zu bedenken, die gegen diesen Handlungsverlaufs eines Romanes für Kinder sprechen.
Besonders stört mich, dass der Opa seinerseits Hitler und seine Anhänger mit Ratten vergleicht und dass er die letzte Ratte, die es zu fangen gilt, Adolf nennt. Als Otto, der Onkel von Heinz kriegsverletzt in die Heimat zurückkehrt und für alle glaubhaft versichert, dass der "Führer" von den Schandtaten des Regimes weiß und die Bevölkerung bewusst belügt, beschließt Heinz, sein Ehrenzeichen, das Messer, wegzugeben. Das ist symbolisch bedeutsam, weil es für die Bereitschaft zu töten steht und er sich damit vom Regime löst.
Der Großvater sagt dazu "Adolf ist heute in die Falle gegangen". Damit meint er, dass der Nazi in Heinz beseitigt worden ist, und klärt damit über die Bedeutung des vorher unverständlich gebliebenen Titel des Buches auf. Das ist wirkungsvoll, auch wenn Kinder wohl nur unbestimmt fühlen können, dass das Böse überwunden ist.
Aber darf man für diesen Effekt den Großvater dasselbe tun lassen wie die Nazis, nämlich den Gegner zum Ungeziefer erklären, das es um jeden Preis zu beseitigen gilt?

Dann ist zu fragen, wieso das System der systematischen Ermordung von Menschen nur am Beispiel der Behinderten dargestellt wird, das Schicksal der Juden aber nur vage angedeutet wird. Zu erklären ist es damit, dass Heinz nur für ein jüngeres Kind Verantwortung übernehmen kann. Juden im Versteck wie Anne Frank im Amsterdamer Hinterhaus hätten einen weit unübersichtlicheren Handlungsaufbau erfordert. Und der Holocaust kann im Unterrichtsgespräch in Analogie mit der Ermorderung von Behinderten besprochen werden.

Schließlich aber kann man bezweifeln, dass die Behandlung des systematischen Massenmordes von Kindern überhaupt bewältigt werden kann, auch wenn sie nur am Beispiel eines einzelnen behinderten Kindes erfolgt.
Dazu habe ich in meiner eigenen Familie Erfahrungen gesammelt: Meine jüngste Tochter hat sich von 8 Jahren mit dem Schicksal von Anne Frankl beschäftigt und deshalb bei einem Museumsbesuch alle eindrucksvollen Ausstellungsstücke unbeachtet gelassen, um sich auf eine Sonderausstellung zum Schicksal der Juden dieses Ortes zu konzentrieren, obwohl diese weitgehend nur aus Schriftzeugnissen bestand.
Die ältere Tochter hat mit 9 Jahren - ohne unser Wissen - Eugen Kogons SS-Staat gelesen. Die dort geschilderten Gräuel haben sie weniger in Angst versetzt als später die Romane von Stephen King.
Beide Töchter aber haben die spätere Behandlung der NS-Zeit im Unterricht als weniger aufschlussreich empfunden als ihren kindlichen Umgang mit dem Problem.

Dennoch wird die Beschäftigung mit diesem Themenkomplex problematisch bleiben, wenn sie nicht von einer Besprechung der aufkommenden Fragen begleitet wird.

Deshalb hat Brigitte Endres ihrem Roman auch ergänzendes Material zur Seite gestellt: Kurzinformationen für die Leser und umfangreiches Begleitmaterial für die Hand des Lehrers.  

18.8.13

Bericht vom Open Peer Review: "Arbeit im Nationalsozialismus"

Anders als beim letzten Mal, als es um historisches Lernen mit Blogs ging, werde ich diesmal nur wenig Zeit und eine eingeschränkte Kompetenz zum Open Peer Review mitbringen. Ich möchte aber darauf aufmerksam machen, deshalb hier schon einmal ein Kurzzitat:
"Ehefrauen, deren Männer in die Wehrmacht eingezogen worden waren [...] erhielten bis zu 85 Prozent des letzten Nettoeinkommens des Ehemannes unabhängig von dessen Sold. 57 Die meisten Familien hatten dadurch ein höheres Einkommen als zuvor."
Nicole Kramer : Haushalt, Betrieb, Ehrenamt: Zu den verschiedenen Dimensionen der Frauenarbeit im Dritten Reich

Das passt natürlich wunderbar zu Götz Alys "Hitlers Volksstaat".

Zur Situation alleinstehender Frauen, die im Krieg aus der Großstadt aufs Land evakuiert waren, berichtet Kramer
"Die Rückkehr in die Städte hing vom Nachweis eines Vollzeit-Arbeitsplatzes ab, was für Frauen  mit Kindern ausgeschlossen war. "
Nicole Kramer : Haushalt, Betrieb, Ehrenamt: Zu den verschiedenen Dimensionen der Frauenarbeit im Dritten Reich 

Wer mehr dazu erfahren will, kann hier nachlesen. Vielleicht kann er mehr Verbesserungsvorschläge zu der m.E. sehr gelungenen Arbeit machen als ich.

12.4.11

Tsunami und Erinnerungskultur: Manchmal kann man aus der Geschichte lernen.

Die Gefahren, die von der Atomkraft ausgehen, sind historisch einmalig. Es ist unsere Generation, die aus den Atombombenabwürfen, aus der Strahlenverseuchung durch Atomtests und aus Unfällen in Atomkraftwerken hätte lernen müssen.
Aber Erfahrungen mit Erdbeben und Tsunamis hat die Menschheit schon früher gemacht. Und speziell in Japan haben frühere Generationen ihre Nachfahren davor zu warnen versucht.

"Hunderte der Wegsteine stehen in Nordjapan, manche sind älter als 600 Jahre. Viele sind freilich kaum zu entdecken, sie stehen abseits der Straßen, überwuchert im Dickicht", berichtet Spiegel online.

Auf den Steinen stehen Mahnungen wie "Erinnert das Unheil der Tsunamis. Baut nicht unterhalb dieses Punktes." und "Hohe Gebiete sind Friede und Harmonie der Nachgeborenen." sowie "Wenn ein Erdbeben kommt, nimm Dich vor Tsunamis in Acht."
Erfahrungsgemäß verblassen solche Erinnerungen freilich schon im Lauf von drei Generationen so, dass sie nicht mehr erst genommen werden. Es bedarf einer bewussten Erinnerungkultur, das Bewusstsein für solche Gefahren lebendig zu halten. Im japanischen Dorf Aneyoshi haben die Bewohner gelernt und überlebt. Hier haben, berichtet Spiegel online, die "meisten Leute ihr Haus oberhalb der steinernen Mahnmale gebaut. 'Jeder hier kennt die Steine', sagt die Zwölfjährige Yuto Kimura, 'wir haben sie in der Schule durchgenommen'. Bevor am 11. März die Tsunamis kamen, sei das Dorf geschlossen auf Anhöhen geflüchtet."
Es gibt gute Gründe, die Erinnerung an die Zeit des Nationalsozialismus und an den Holocaust wachzuhalten, gerade auch dann, wenn die letzten Zeitzeugen weggestorben sein sollten.
Wir sind es unseren Nachfahren schuldig.

Dirk Franke hat einen anderen Blick auf die Nachricht von Spiegel online.

28.12.10

Täterväter

Selbst Opfer fühlloser Väter und dennoch mit ihnen verbunden und sei es durch das Bedürnis, alles anders zu machen.
Ute Scheub, eine der Gründerinnen der taz schreibt 2006, 37 Jahre nach dem öffentlichen Selbstmord ihres Vaters auf dem Kirchentag in Stuttgart (1969), in ihrem Buch "Das falsche Leben" ihre Auseinandersetzung mit ihrem Vater nieder. (vgl. auch ihr Artikel in der taz vom Februar 2006)

6.12.10

Der deutsche Geist und das Christentum. Vom Wesen geschichtlicher Begegnung

Die Formulierung  "der deutsche Geist", 1938 im Jahre der Reichspogromnacht  von einem deutschen Universitätslehrer gebraucht, der sich 1933 zu Hitler bekannt haben soll, weckt den Verdacht, hier schreibe ein Mitläufer der Nazis. Doch diese Schrift von Theodor Litt bewahrt eine bemerkenswerte Unabhängigkeit, die Litt wohl nur möglich war, weil er im Jahr zuvor seine vorzeitige Versetzung in den Ruhestand erreicht hatte.
Statt einer NS-Bekenntnisschrift erwartet den Leser eine kritische Auseinandersetzung mit Alfred Rosenbergs Mythus des 20. Jahrhunderts, freilich eine unpolemische.
Den in der damaligen Zeitsituation an sich nicht vorhandenen, für die Kritik aber notwendigen Argumentationsspielraum gewinnt Litt dadurch, dass er seine Haltung deutlich von der eines gläubigen Christen absetzt. Er betrachte das Christentum als geschichtliche Erscheinung und nicht, wie der Gläubige es müsse, als eine aller Zeitlichkeit überlegene Erhebung zum Transzendenten.
Seine Kritik an Rosenberg setzt an dessen Verständnis von Artgerechtheit an. Wenn es die einzige Aufgabe des Menschen sei, seiner Art gerecht zu werden und sie nicht zu verfehlen, dann könne er sich nicht zu etwas Höherem entwickeln. Das werde nur möglich durch die Begegnung mit etwas anderem.
Der Mensch sei nicht völlig bestimmt durch sein Erbgut, denn dann unterschiede er sich nicht vom Tier, aber auch nicht allein durch seine Umwelt geprägt, denn dann sei er unfrei. Vielmehr befinde er sich in einer Zwischenposition, wo er wählen könne, worauf er sich einlasse, wem er begegnen wolle. Förderlich für eine Entwicklung sei immer, wenn das Gegenüber besser oder größer sei als das Ich. ("Die Sicherheit also, in die das Evangelium der Selbstentfaltung den Menschen einwiegen möchte, ist eine Selbsttäuschung." S.29)

Entsprechendes gilt nach Litt auch für Völker und Kulturen. Eine solche Begegnung sei nicht rückgängig zu machen, indem man einfach eine neu entstandene obere Schicht abtrage und zu dem Urgrund seines Wesens zurückkehre, denn eine Begegnung erfasse immer den ganzen Menschen. So habe auch das Christentum die abendländische Kultur erfasst, so dass es "auch da noch fortwirkt, wo jeder Gedanke an Evangelium, Bekenntnis und Kirche ferne ist" (S.56).
Am Schluss kritisiert er von daher ganz allgemein "gewisse Formen humaner Lebensdeutung und Lebensausrichtung", wenn sie nicht auf die Begegnung mit dem Anderen ausgerichtet seien, und betont "wie streng alles Menschliche, sofern es seine Bestimmung erfüllen will, auf das "Andere" angewiesen ist, das seiner Verfügung nicht untersteht." (S.58)

Von heute aus gesehen verwundert die von der geisteswissenschaftlichen Pädagogik herkommende völlig unempirische Argumentation, mit der über Erb- und Umwelteinflüsse reflektiert wird. Zumal eine Aussage über die christlichen Völker und Einflüsse auf ihre Seele erscheint uns heute recht wolkig. ("Den christlichen Völkern ist, solange eine unerschütterliche Glaubensgewißheit in ihrem Leben die Führung hatte, dieser Anspruch und Auftrag umso tiefer in die Seele gedrungen, je weiter dieser Glaube das Göttliche vom Irdischen abrückte und je inbrünstiger er, gleichwohl und gerade deshalb, zu dem unendlich Fernen hin- und empordrängte." S.47)
Es ist aber eine Argumentation, die keine Kompromisse mit dem nationalsozialistischen Ungeist eingeht und die beweist, dass auch vom konservativen Standpunkt aus noch 1938 Kritik an nationalsozialistischen Positionen möglich war.

Theodor Litt: Der deutsche Geist und das Christentum. Vom Wesen geschichtlicher Begegnung, Leopold Klotz Verlag, Leipzig (3. und 4. Tausend) 1938, 63 S.

Wolfgang Klafki geht in seinem Aufsatz Die gegenwärtigen Kontroversen in der deutschen Erziehungswissenschaft über das Verhältnis der Geisteswissenschaftlichen Pädagogik zum Nationalsozialismus, Marburg 1998 kurz auch auf Theodor Litt ein und stellt heraus, dass er sich nicht vom Nationalsozialismus habe korrumpieren lassen.

31.10.09

Jüdin beschreibt Rettung durch Nazi

Valentin Beck ist volksdeutscher Nazi in Ostpolen. Bei einem Saufgelage in seinem Haus rühmt sich der Polizist Hans, 72 Juden erschossen zu haben.
Eine jüdische Familie hört es getrennt nur durch ein paar Dielen in ihrem niedrigen Versteck mit. Valentin Beck hat sie versteckt.
Clara Kramer berichtet 65 Jahre darauf in ihrem Buch Eine Handbreit Hoffnung. Die Geschichte meiner wunderbaren Rettung, wie sie in ihrem Versteck überlebt hat.
Beck war ein Säufer, betrog seine Frau, einmal auch mit einer der versteckten Jüdinnen. Seine Frau, die ihn dabei erwischte, bereut, die "Schlange" in ihr Haus aufgenommen zu haben. Doch sie verrät sie nicht.
Beck rettet insgesamt 18 Juden.
1944 wird Beck von Agenten des sowjetischen Geheimdienstes NKWD verhaftet. Clara legt ihnen ihr Tagebuch aus dem Versteck vor, und er wird freigelassen.
Als Clara Kramer ihm nach dem Krieg Geld schickt, schreibt er bald: "Kein Geld mehr".
Denn Kontakte nach Israel waren damals in Polen verdächtig.

4.12.08

Nicht Wissen, Handlungsfähigkeit ist gefragt

"Nicht das Wissen um etwas, sondern die Fähigkeit gesellschaftiche Phänomene zu deuten und abgewogen zu beurteilen - das muss im Geschichtsunterricht erlernt werden." Meiner Meinung nach kritisiert Hokey neue Vorstellungen zur Behandlung von Nationalsozialismus in der Grundschule zu Recht.
Abscheu vor Unmenschlichkeit, wie v. Hentig sie fordert, kann man in dem Alter schon lernen. (Eine meiner Töchter besuchte mit 8 Jahren aufgrund von Anne-Frank-Lektüre mit Interesse eine fast nur aus schriftlichen Quellen bestehende Ausstellung zum Judentum in Mühlhausen, die andere las mit 9 oder 10 Kogons SS-Staat, und es hat ihr nichts geschadet.) Wie man totalitäre Tendenzen in einer demokratischen Gesellschaft bekämpfen kann, lernt man in dem Alter noch nicht. Schon gar nicht mit verordneter Darstellung der Verhältnisse in einem Unrechtsstaat.

Ein sehr überzeugendes Konzept für Unterricht zu dem Thema findet sich hier beschrieben. Natürlich nicht für Grundschüler. Wer aber unbedingt Grundschüler darin unterrichten muss, kann z.B. Passagen aus Anne Franks Tagebuch, aus "Der gelbe Vogel" von Myron Levoy oder aus "Sternkinder" von Clara Asscher-Pinkhof vorlesen.

11.4.08

Götz Aly und die Studentenbewegung

Götz Aly, verdient als Holocaustforscher und durch sein Buch "Hitlers Volksstaat" (2005), der die materielle Seite der Zustimmungsmobilisierung durch die Nazis eindrucksvoll belegt, ist jetzt mit einem Buch über die Studentenbewegung hervorgetreten: "Unser Kampf. 1968 – ein irritierter Blick zurück", 2008.
Darin berichtet er u.a. von einer mit "Schweinejagd" bezeichneten Aktion im Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin, die darin bestand, Professoren bei einer Institutsbesetzung zu den Fenstern des Seminarraums zu tragen und ihnen anzudrohen, sie aus dem Fenster zu werfen. Er war dabei beteiligt. Was seine Rolle war, gibt er nicht an.
Dafür erklärt er, die Studentenbewegung von 1968 sei gleichsam die Fortsetzung der Studentenbewegung von 1933.
Interessant ist, was Rolf Schneider am 11.4. in der Frankfurter Runschau zu bemerken hat:
Bei der Besetzung der staatlichen Kunstschule in Berlin durch die SA-Studentenschaft wurde eine Prüfung "gewaltsam unterbrochen", die Professoren wurden "aus den Prüfungsräumen entfernt", die mit den Professoren sympathisierenden Studenten "gewaltsam zurückgedrängt" und eine vier Meter hohe Hakenkreuzfahne aufgerichtet. Als Aly diese Szene rekonstruierte, muss ihn die Frage heimgesucht haben: Hatte er als einer der Anführer der "Schweinejagd" im OSI nicht das Gleiche getan? Das Gleiche oder dasselbe? Und war auf dem vom "Wiedergänger" Aly mitverfassten Aufruf zur "Schweinejagd" nicht eine Karikatur zu sehen, auf der ein besonders großes Schwein namens Richard Löwenthal zu sehen war - eines jüdischen Professors, der in die USA geflohen und nach Deutschland zurückgekehrt war, um den jungen Deutschen die Demokratie beizubringen?
Womöglich, so spekuliere ich, sind es der Schock und die Scham über diese frappante Ähnlichkeit seiner eigenen Schandtat mit der der SA-Studenten gewesen, die dem erfahrenen Rechercheur Götz Aly und Holocaust-Experten die Handwerkszeuge des Historikers aus den Händen geschlagen haben. Statt seinem höchst angebrachten Schuldgefühl nachzugehen, flüchtet er sich in ein General-Verdikt der ganzen Generation ...

17.3.07

Feldpostbriefe 1941 - 1945

Eine Analyse von Feldpostbriefen aus dem Russlandfeldzug 1941-45 und die Briefe mit originalem Schriftbild und Transkription finde ich ganz beachtenswert