endlich habe ich Zeit für ein Lebenszeichen gefunden. Bei mir ist gerade sehr viel los, zu viel, um auch nur irgendwas geregelt zu bekommen. Ich hoffe das wird sich in den nächsten Wochen wieder entspannen, weiß aber leider nichts zu versprechen. Ich werde es versuchen – dennoch kann es sein, dass es innerhalb der kommenden vierzehn Tage schwierig wird.Diese Sätze haben eine große Ähnlichkeit mit dem Schluss von Goethes Werther. Zum einen deshalb, weil sie vermutlich die Beschreibung einer realen Situation enthalten, aber so in die Komposition des Textes eingearbeitet sind, dass sie eine beachtliche literarische Aussage gewinnen.
Kestner hat Goethe mit klaren Worten, aber ohne jede literarische Absicht von Tod und Beerdigung Jerusalems, des literarischen Vorbilds von Werther berichtet. Die kurzen abschließenden Sätze aber bilden zu den ausführlichen Briefen Werthers einen harten Schlussstrich.
Der Hinweis der Bloggerin, dass sie Schwierigkeiten haben werde, innerhalb der nächsten 14 Tage etwas zu schreiben, klingt banal. Mit jeder Woche, jedem Monat, jedem Jahr, das nach diesen Worten ins Land geht, gewinnt die Überschrift "Lebenszeichen" aber an zusätzlicher Bedeutung.
Bei der Lektüre des Blogs hatte ich oft den Eindruck, dass die Darstellung zu nah an der Realität blieb, um nicht entschlüsselt zu werden, dass aber ein Formwille sie bestimmte, der weit mehr anstrebte, als reale Personen herabzusetzen und die Schreiberin in ein gutes Licht zu setzen.
Gerade bei Blogs von Autorinnen habe ich nicht selten das Gefühl, dass eine literarische Analyse lohnend sein könnte. Aber dafür brauchte ich mehr Zeit.