Wie soll es nun also aussehen, dieses Land, zu dem unsere Kinder und Enkel „unser Land“ sagen? Es soll „unser Land“ sein, weil „unser Land“ soziale Gerechtigkeit, Teilhabe und Aufstiegschancen verbindet. Der Weg dazu ist nicht der einer paternalistischen Fürsorgepolitik, sondern der eines Sozialstaates, der vorsorgt und ermächtigt. Wir dürfen nicht dulden, dass Kinder ihre Talente nicht entfalten können, weil keine Chancengleichheit existiert. Wir dürfen nicht dulden, dass Menschen den Eindruck haben, Leistung lohne sich für sie nicht mehr und der Aufstieg sei ihnen selbst dann verwehrt, wenn sie sich nach Kräften bemühen. Wir dürfen nicht dulden, dass Menschen den Eindruck haben, sie seien nicht Teil unserer Gesellschaft, weil sie arm oder alt oder behindert sind.In seiner ersten Rede nach seiner Vereidigung hat Bundespräsident Gauck diese Worte gefunden. Er hat damit auf Forderungen, die an ihn herangetragen wurden, reagiert. Er hat nicht seine Überzeugung aufgegeben, dass Freiheit der höchste politische Wert ist, doch er hat sich bemüht, als Präsident aller Deutschen zu sprechen. Ein ermutigendes Zeichen.
Nachtrag vom 9.7.12:
Ein kritisches Lob von J. Augstein: In normalen Zeiten wäre er eine Nervensäge, aber in der Krise ist er ein Glücksfall für die Demokratie.