"Die überregionalen Medien haben die Bevölkerung vergessen" Deutschlandfunk 20.7.2017
"Während der Flüchtlingskrise sei zu unkritisch über die Zuwanderung berichtet worden - das ist das Ergebnis einer Studie der Otto-Brenner-Stiftung"
mehr dazu
Ich freue mich, dass jetzt in einer Studie untermauert worden ist, wovor ich seit Herbst 2015 gewarnt habe und was ich im Februar 2016 ausführlich als Blauäugigkeit kritisiert habe.
In der Flüchtlingskrise 2015 wurden die moralischen Appelle seitens der Politik und in den zentralen Medien überbetont und die Schwierigkeiten klein geredet.
Gut ist, dass jetzt ein größerer Realismus in Berichten und Kommentaren eingekehrt ist.
Beschämend ist, dass er nach den Ereignissen am Kölner Hauptbahnhof in der Silvesternacht 2015/16 so schlagartig einsetzte, als wären die Medien zentral gesteuert.
Und bedauerlich ist, dass der Deal der EU mit der Türkei zu selten realistisch behandelt wird als ein Umschwenken in der Flüchtlingspolitik, das wegen der Überforderung der Institutionen notwendig, aber nicht von den notwendigen Maßnahmen zur Stärkung der Aufnahmebereitschaft von Flüchtlingen begleitet wurde.
Dieser sehr problematische Deal wurde meist entweder radikal verworfen oder nahezu unkritisch gerechtfertigt.
Ich hoffe, dass die Qualitätsmedien aus ihren Fehlern genügend gelernt haben, dass sie nicht wieder so energisch in die Falle einer törichten Einseitigkeit tappen.
Natürlich war es ein Segen, dass das Sterben Zehntausender im Mittelmeer in den Blick geriet.
Aber das - politisch verständliche - "Wir schaffen das" in den Medien unkritisch zu begleiten, war kontraproduktiv.
Es macht mich freilich auch nicht glücklich, dass manche Zeitung frühere Fehler dadurch gut zu machen versucht, dass sie nun dem AfD-Wahlkampf besondere Aufmerksamkeit zuwendet.
Posts mit dem Label Qualitätsjournalismus werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Qualitätsjournalismus werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
24.7.14
Elektroschrott und journalistische Recherche
Ein Joghurt kostet weniger als 1 Euro, seine Zutaten legen mehr als 1000 km zurück und alle Transporteure verdienen daran.
Ein kaputter Fernseher ist hierzulande kaum sinnvoll zu reparieren. Wird er illegal nach Afrika transportiert, bekommt er plötzlich Wert (z.B. 27 - 70 Euro). Dafür legt er Tausende Kilometer zurück und alle Zwischenhändler und Transportunternehmen verdienen daran.
Als Lehrer habe ich Schülern etwas über den Zusammenhang von Klimaerwärmung und den Wegen von Joghurtzutaten beigebracht. Als Blogger schreibe ich über die Wege von Elektroschrott. Das, was ich weitergebe, verdanke ich journalistischer Recherche. Ich hätte weder Zeit, Energie, Expertise noch den Apparat für solche Recherchen. Auch Politiker verdanken es meist Journalisten, wenn sie erfahren, dass ein Gesetz den gegenteiligen Effekt hat, von dem, was der Gesetzgeber beabsichtigt hat.
Lehrer und Politiker können ihre Arbeit nicht tun, wenn es die Voraussetzungen für aufwändige Recherche nicht mehr gäbe. Edward Snowden war darauf angewiesen, dass er sein Material gut vernetzten Journalisten mit umfangreichen Ressourcen im Hintergrund übergeben konnte. Ein einzelner Blogger hätte ihm dafür nichts gebracht.
Ob man von Qualitätsjpurnalismus sprechen will oder nicht, wir brauchen mächtige Apparate, die die Voraussetzungen für aufwändige Recherchen schaffen können.
So sehr ich die Informationen aus anderen Blogs schätze: Wenn Blogs den Zeitungsverlagen den Boden entziehen könnten, so wie es die Wikipedia bei den traditionellen Enzyklopädien geschafft hat, wäre das ein unersetzlicher Schaden.
Wie ich darauf komme? In der ZEIT Nr. 31 vom 24.7.14, S.13ff wird der Weg von verschrotteten Fernsehern akribisch nachverfolgt. Der eine geht an eine private Entrümplungsfirma und landet in Afrika. Der andere wird zu einer kommunalen Wertstoffsammelstelle gebracht, kommt zu einer regionalen Entsorgungsfirma und landet - auf seinem Weg ständig per Sender genaue Positionsmeldungen abgebend - auch in Afrika.
Wer wollte das auf eigene Faust recherchieren?
Was für Schlüsse man daraus ziehen soll?
Da sind wir wieder bei der Aufgabe eines Blogs. Da - wohl aufgrund des Verbots des Exports funktionsuntüchtiger Elektrogeräte - immerhin 35% dieser Geräte in das deutsche Recyclingsystem gelangen, erfüllt das Gesetz einen Sinn. Freilich ist es nicht so wirksam, wie es sein sollte.
Doch gelangen so weniger Fernseher auf die Elektromülldeponie Agbogbloshie.
Laut Wikipedia haben schon Greenpeace und die BBC den Weg defekter Fernseher verfolgt:
Mehr zum Thema Schrott (beliebig herausgegriffen):
Auf der Jagd nach dem Müll, Kölner Stadt-Anzeiger, 14.4.14
GEWERBLICHE SAMMLER. Mit Musik auf der Jagd nach Schrott, Rhein-Erft Rundschau, 24.7.13
Ein kaputter Fernseher ist hierzulande kaum sinnvoll zu reparieren. Wird er illegal nach Afrika transportiert, bekommt er plötzlich Wert (z.B. 27 - 70 Euro). Dafür legt er Tausende Kilometer zurück und alle Zwischenhändler und Transportunternehmen verdienen daran.
Als Lehrer habe ich Schülern etwas über den Zusammenhang von Klimaerwärmung und den Wegen von Joghurtzutaten beigebracht. Als Blogger schreibe ich über die Wege von Elektroschrott. Das, was ich weitergebe, verdanke ich journalistischer Recherche. Ich hätte weder Zeit, Energie, Expertise noch den Apparat für solche Recherchen. Auch Politiker verdanken es meist Journalisten, wenn sie erfahren, dass ein Gesetz den gegenteiligen Effekt hat, von dem, was der Gesetzgeber beabsichtigt hat.
Lehrer und Politiker können ihre Arbeit nicht tun, wenn es die Voraussetzungen für aufwändige Recherche nicht mehr gäbe. Edward Snowden war darauf angewiesen, dass er sein Material gut vernetzten Journalisten mit umfangreichen Ressourcen im Hintergrund übergeben konnte. Ein einzelner Blogger hätte ihm dafür nichts gebracht.
Ob man von Qualitätsjpurnalismus sprechen will oder nicht, wir brauchen mächtige Apparate, die die Voraussetzungen für aufwändige Recherchen schaffen können.
So sehr ich die Informationen aus anderen Blogs schätze: Wenn Blogs den Zeitungsverlagen den Boden entziehen könnten, so wie es die Wikipedia bei den traditionellen Enzyklopädien geschafft hat, wäre das ein unersetzlicher Schaden.
Wie ich darauf komme? In der ZEIT Nr. 31 vom 24.7.14, S.13ff wird der Weg von verschrotteten Fernsehern akribisch nachverfolgt. Der eine geht an eine private Entrümplungsfirma und landet in Afrika. Der andere wird zu einer kommunalen Wertstoffsammelstelle gebracht, kommt zu einer regionalen Entsorgungsfirma und landet - auf seinem Weg ständig per Sender genaue Positionsmeldungen abgebend - auch in Afrika.
Wer wollte das auf eigene Faust recherchieren?
Was für Schlüsse man daraus ziehen soll?
Da sind wir wieder bei der Aufgabe eines Blogs. Da - wohl aufgrund des Verbots des Exports funktionsuntüchtiger Elektrogeräte - immerhin 35% dieser Geräte in das deutsche Recyclingsystem gelangen, erfüllt das Gesetz einen Sinn. Freilich ist es nicht so wirksam, wie es sein sollte.
Doch gelangen so weniger Fernseher auf die Elektromülldeponie Agbogbloshie.
Laut Wikipedia haben schon Greenpeace und die BBC den Weg defekter Fernseher verfolgt:
Greenpeace verfolgte jedoch einen funktionsuntüchtigen Fernseher mit einem eingebauten Peilsender von einem Londoner Recyclinghof bis nach Nigeria. Auch die BBC konnte den Weg eines defekten TV-Sets von einer Londoner Straße bis nach Ghana verfolgen.[2]:S. 6.Brauchen wir also keine Zeitungen, weil wir ja NGOs und Rundfunkanstalten haben (wie z.B. das ZDF).
Mehr zum Thema Schrott (beliebig herausgegriffen):
Auf der Jagd nach dem Müll, Kölner Stadt-Anzeiger, 14.4.14
GEWERBLICHE SAMMLER. Mit Musik auf der Jagd nach Schrott, Rhein-Erft Rundschau, 24.7.13
Labels:
Blog,
Elektroschrott,
Entsorgung,
Journalismus,
Qualitätsjournalismus,
Schrott
Abonnieren
Posts (Atom)