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5.8.26

Der große Unterschied zwischen KI zur Recherche und KI für Information

 Angesichts der Fülle des gegenwärtig vorhandenen Materials ist KI zur Recherche für den Laien unumgänglich, für den Fachmann als erster Schritt kaum zu übergehen.

Bei der Information ist KI gefährlich, eine Kontrolle zumindest durch die Wikipedia wichtig. 

Für den Fachmann (Wissenschaft) ist die Wikipedia als erster Schritt sinnvoll, aber ohne Überprüfung an Sekundärliteratur und/oder Quellen unzulässig.

Für den Wikipedianer ist KI zur Recherche zugelassen, für die Formulierung der Information verboten. 

Wird das ausreichen, um zu verhindern, dass KIs sich wegen der Häufigkeit ihrer Texte letztlich nur immer wieder sich selbst bestätigen, so dass solide Information kaum noch durchdringt?

18.1.26

Die Wikipedia ist 25 Jahre alt geworden.

 Von ein paar hundert Artikeln zu 65 Millionen in über 300 Sprachen, das ist schon was.

Ich bin - unter anderem Namen - erst seit 21 Jahren dabei, war aber - für einen Wikipedianer - schon ziemlich alt, als ich angefangen habe, und werde sie nicht noch einmal so lange begleiten können. 

Ich bin dankbar, dass ich dazu gestoßen bin, als es noch vergleichsweise leicht war, Nützliches beizutragen. Umso mehr möchte ich für sie Werbung machen. Es gibt so viele neue Entwicklungen, zu denen es in der Wikipedia noch kein Stichwort (dort Lemma genannt) gibt, z.B. De-Banking.

Wer will den Artikel für die Wikipedia schreiben? Nur Mut! Verbessert wird er sowieso mit der Zeit,

Aber er sollte natürlich von einem Menschen formuliert und mit Belegen versehen sein, eine KI reicht dafür nicht aus.

Dafür ein Beispiel: 

Eine KI wird aufgefordert, eine Inhaltsangabe zu Fredrikssons Roman Sofia und Anders zu schreiben. Sie macht das recht gut, doch dann schreibt sie "Originaltitel: Enligt Maria Magdalena, auch unter den Namen der Protagonisten bekannt", obwohl der korrekte Originaltitel des Buches, das von einem Blinden berichtet, Blindgång ist? Was soll der Name Magdalena in dem Titel?

Blindgång ist 1992 entstanden, Enligt Maria Magdalena 1997. Offenbar kommen beide Titel oft in räumlicher Nähe vor, so dass die Wahrscheinlichkeit gleich groß war. Eine Prüfung über die inhaltliche Plausibilität hat die KI nicht vorgenommen. Das heißt aber nicht, dass dasselbe  Large Language Model  nicht kurz darauf schon eine richtige Antwort geben könnte, auch ohne dass das Programm wesentlich verbessert worden ist.

Aber je mehr KI-Texte im Internet stehen, mit desto mehr KI-Texten wird die KI trainiert. die Sprachentwicklung wird daher wesentlich rascher gehen als in den letzten 1000 Jahren. Und sie wird in Richtung KI-Sprache gehen.

Daher: Geben Sie menschlichen Sprachen eine Chance, länger zu überleben. Schreiben Sie Wikipediaartikel! Die sind ein ganz wichtiges (gut geordnetes) Übungsmaterial für KIs. icht zuletzt, weil sie die Wikipedia kostenlos nutzen können, während mehr und mehr menschliche Texte hinter Bezahlschranken verschwinden.

7.6.23

Diskussion über künstliche Intelligenz in der Wikipedia

Auszug aus einem Diskussionsbeitrag im Wikipediakurier:

"Anders als Wikipedia sind Chatbots keine Produkte einer gemeinnützigen Organisation, die von Freiwilligen und Spenden getragen wird. Vielmehr werden sie von einzelnen profitorientierten Unternehmen entwickelt. Die Programme selbst sind wenig transparent. Als Grundlage für das maschinelle Lernen dienen unzählige Daten aus dem Internet (u. a. die gesamte Wikipedia), aber wie der Chatbot entscheidet, welche Informationen er zur Generierung von Antworten heranzieht, ist völlig unklar und auch den Entwicklern kaum bekannt.

Im Zusammenhang mit Wikipedia wurde viel darüber diskutiert, ob die Online-Enzyklopädie eine geeignete Quelle ist bzw. das Wissen der Welt korrekt abbildet. Soziale Medien haben inzwischen eine große Macht und einen großen Einfluss auf verschiedene wissenschaftliche und politische Themen erlangt, verbunden mit entsprechenden Risiken. Verstärkt wurde dieser Effekt durch automatisch generierte Beiträge. Eine nennenswerte Reaktion erfolgte erst, als die Macht der sozialen Medien bereits vorhanden war.

Auf die rasante Entwicklung von Chatbots muss viel schneller reagiert werden. Wir werden die Entwicklung der generativen KI nicht aufhalten, aber wir können vielleicht noch Einfluss nehmen auf Faktentreue, den Erhalt gesellschaftlicher Werte und die Sicherung menschlichen Wissens. Dazu ist die Politik gefragt, aber es gehört auch dazu, die Vorteile der neuen Technologie zwar zu nutzen, aber künstlich erzeugte Texte kritisch zu prüfen, bevor sie massenhaft veröffentlicht werden. Salino01 07.05."

(Wikipediakurier abgerufen am 7.6.23)

19.3.19

Martin Lindner: "Die Bildung und das Netz" mit einigen aktuellen Anmerkungen

Mit dem Netz hat sich nicht nur der Zugang zu Bildung verändert, "sondern auch das Wissen selbst: Im Netz und mit dem Netz entstehen neuartige Wissensarchitekturen, weil die digitalisierten Bausteine ganz anders verknüpft und verarbeitet werden können. Die Fachleute sind jetzt nicht mehr entrückte Autoritäten, die sich in perfekt formulierten Publikationen äußern, sondern Menschen, denen man online quasi beim Denken zusehen kann. Und auch die Peer-Netzwerke sind von ganz anderer Qualität als früher.
Das bedeutet tatsächlich einen fundamentalen Bruch mit den Bedingungen, unter denen früher Bildung stattfand, auch wenn die sichtbaren Auswirkungen bislang noch gar nicht so dramatisch sind. [...]
Die Idee eines verpflichtenden Wissenskanons ist verloren. Die Autoritäten büßen viel von ihrer Richtlinienkompetenz ein. Die Kommunikationen verzetteln sich. Und je mehr man sich in Online-Netzwerken aufhält, desto weniger ist man auf den Zusammenschluss mit den Leuten angewiesen, die leibhaftig im selben Raum sind." (Martin Lindner: Die Bildung und das Netz, Kapitel 16: Eine sehr kurze Bildungsgeschichte - im Kindle irgendwo bei 34%.) 
Die Redaktionsversion des Textes der Teile 1 bis 7 findet sich unter diesem Link:
https://docs.google.com/document/d/1nPxUsEccO8MyYP4sveYLVSV-YLjLEQ7tX5GU07fIPDo/edit#
[Wenn ich gleich zum Inhaltsverzeichnis gegangen wäre, um das genaue Kapitel, aus dem sie stammt, anzugeben, hätte ich es mir sehr erschwert, die genaue Stelle, wiederzufinden, von der ab ich weiterlesen wollte (eine Besonderheit elektronischer Bücher).] 

Meine Annäherung an Martin Lindners Text geschieht in diesem Blogartikel etwas ungewöhnlich. In anderen werde ich versuchen, Stellen, die mir wichtig erscheinen, weitestgehend unkommentiert vorzustellen. Dazu habe ich von ihm die Erlaubnis bekommen.

Hier eine kurze Andeutung, wie mich diese Textstelle aus dem Buch erreicht hat und wie sie wieder ins Netz gelangt ist:
Ich habe das Buch vor der Erstellung subskribiert (heißt heute: "per crowdfunding schwarmfinanziert"), bei einem ZUM-Treffen im Druckexemplar gelesen, den Verfasser bei passender Gelegenheit gebeten, es mir zur Verfügung zu stellen, es mir im azw3-Format aus dem Netz heruntergeladen, gerätselt, wie ich es in meinen Kindle hineinbekomme, in gutefrage.net angefragt, eine richtige Antwort bekommen (auch wenn der Antwortende das azw3-Format nicht kannte), aber mit der Antwort nichts anfangen können. (Was mein Problem war, schildere ich dort.) Schließlich habe ich es aber geschafft, es wenigstens in amazondrive unterzubringen. Meine Vorstellung: Wenn es bei amazon ist, ist es nicht mehr weit bis zum Kindle.

Im drive konnte ich es freilich wegen des Formats nicht lesen. Das wollte ich auch gar nicht, es sollte ja im Kindle sein. Hätte ich jetzt jemanden gehabt, der "leibhaftig im selben Raum" gewesen wäre, wäre ich über einen besseren Weg informiert worden. So habe ich einen hochqualifizierten Informatiker bemüht, der einen Kindlebesitzer, mit dem er "im selben Raum" war, befragt und darauf mir kluge Ratschläge gegeben hat.
Unfähig, die Ratschläge zu deuten, habe ich den Verfasser des Buches bemüht, ihm mein Problem aus meiner Sicht geschildert, was er, da er nicht "leibhaftig im selben Raum" war, nicht recht deuten konnte.
Genug, offenkundig habe ich den Text dann irgendwie im Kindle lesen können.
Sogleich habe ich dort meine Markierungen gesetzt, um es von dort wie üblich auf den Computer zu übertragen. Der aber erkannte nicht, dass das Buch wirklich im Kindle war, erkannte auch meine Markierungen nicht und konnte mir nicht den Text anzeigen. 
Alles kein Problem. Ich lese die markierte Stelle meinem iphone vor, das konfiguriert die Mail, die mein Computer empfängt. Die kopiere ich in diesen Blogartikel, korrigiere die Verständnisfehler der Spracherkennung und schon steht Martin Lindners Textpassage im Netz. Freilich nur, wenn ich sie rechtzeitig gespeichert habe. 
Wie oft war diese Textpassage auf dem Weg vom Verfasser zu mir und von mir zum Blog und vom Blog zu Ihnen im Netz?

Ich stimme Martin Lindner durchaus zu, dass man die Gedankengänge eines Wissenschaftlers, der häufig twittert, gelegentlich bei ihrer Entstehung mitverfolgen kann. Und das weiß ich sehr zu schätzen. Zudem ist es über das Netz leichter möglich, sich auf einer Art Augenhöhe zu fühlen. [Beispiel: Twittergespräch über Wissenschaft - Ist hier erkennbar, wer Professor ist, wer Doktor, wer gar kein ausgewiesener Wissenschaftler?] 
Kurz gesagt, wir würden uns duzen, auch wenn wir nie zusammen "im selben Raum" gewesen wären. Aber von der Augenhöhe bleibt wenig übrig, wenn der eine sich im Netz nicht wie ein digital native, sondern wie ein Wissenschaftler bewegt, der seine Arbeitstexte so routiniert aufspürt, wie er es zuvor in Seminar- und Universitätsbibliothek, über Fernleihe und im Archiv getan hat. 

Dennoch: Greta Thunberg kann mit großer Autorität von den Politikern fordern: "Ihr müsst mehr für die Abschwächung des Klimawandels tun!" und gleichzeitig auf die Frage, was geschehen soll, antworten: "Das weiß ich nicht". 
Denn ihr ist schon lange bekannt, dass Hunderte von Wissenschaftlern sich über wesentliche Schritte einig sind (vielleicht auch Tausende oder Millionen). Und in der Wikipedia findet sich (sogar in 133 Sprachen) zu Klimaschutz Grundlegendes zum Problem in einer für eine intelligente 16-Jährige durchaus verständlichen Sprache. Und die Qualifizierung als exzellenter Artikel bedeutet inzwischen, dass das Gebotene inzwischen höheren Ansprüchen genügt als früheres Lexikonwissen.*

Es gibt andere Hürden, aber dass Politiker deshalb, weil sie sich auf das Fachwissen ihres Ministeriums stützen können, sich über ihr Aufgabengebiet qualifizierter äußern könnten als Schüler, wird ihnen schon länger kaum noch abgenommen. 
Da brauchte es nicht Seehofer, der Migration als "Mutter aller Probleme" bezeichnete, als ob Klimawandel und Migration nichts miteinander zu tun hätten.
Und auch keines Scheuer, der als Verkehrsminister eine Geschwindigkeitsbeschränkung auf Autobahnen als "gegen jeden Menschenverstand" bezeichnete, obwohl die überwältigende Mehrheit der Länder Europas eine solche Beschränkung eingeführt hat. Und auch keines Trump. 

Und die Aussage von 2017 "je mehr man sich in Online-Netzwerken aufhält, desto weniger ist man auf den Zusammenschluss mit den Leuten angewiesen, die leibhaftig im selben Raum sind." ist nicht erst durch den Schülerstreik in rund 130 Ländern bewiesen, bei dem z.B. in einem Land nur 4 streikende Schüler waren, die aber die Nachricht von ihrem Streik international bekannt machen konnten. 

Da mag ich in den vorhergehenden Absätzen noch so oft betont haben, dass Anwesenheit "im selben Raum" für Verständigung oft zentral ist. 

* Ich persönlich halte übrigens den Bericht des Club of Rome von 2012 "2052 ..." für politisch noch informativer* und besonders zusammen mit Barack Obamas Satz: "Als Politiker kann ich Ihnen eines versichern: Politische Führer werden keine Risiken eingehen, solange die Menschen dies nicht von ihnen verlangen." (SZ, 5.10.13) Denn der bedeutet ja, dass das Wichtigste ist, dass Politiker eben nicht nur von Vertretern der Wirtschaft gesagt bekommen, was sie tun sollen. 

* Sehr eindrucksvoll dazu die 20 Ratschläge

Zur Fortsetzung meines Kommentars zur Lektüre des Buches (Entwurfsstadium)

10.3.18

Was mache ich hier eigentlich?

Während in meiner aktiven Zeit als Lehrer meine Blogartikel weitgehend auf meinen Erfahrungen mit Schule und Schulbürokratie beruhten, ergeben sie sich seitdem aus dem, was mir mein persönliches Lernnetzwerk (PLN) mir zuträgt: Zeitungen und Zeitschriften, gedruckt und online, Kontakte mit Internetbekanntschaften (nicht zuletzt aus der ZUM), die ich nur selten persönlich treffe, Twitter, gutefrage.net, MOOCs, Newsletter u.ä. Eigene Recherchen betreibe ich nicht.

Hat ein solcher Echoraum für medial Produziertes seinen Sinn?
Positiv beantworten würde ich es eindeutig bei 2052. ..., Flüchtlinge und "Der Mann, der die Wüste aufhielt" (basierend auf einem ZEIT-Artikel von Andrea Jeska).
Bei meinen weit über 1000 anderen Texten? Bei meinen Meinungsäußerungen?
Immer wieder lese ich Artikel, die ich für festhaltenswert und empfehlenswert halte und erstelle Blogartikel, wie ich früher Zeitungsausschnitte sammelte. Bei einem Wikipediaartikel wie Zeitungsausschnitt, der 2009 entstand und seitdem immer wieder einmal verbessert wurde und gegenwärtig täglich zweimal abgerufen wird, erscheint mir das unbedingt sinnvoll, weil ich heute dort nicht nur lesen kann, was ich damals dazu herausgefunden habe, sondern auch, was ich in der Zwischenzeit hätte lernen können, wenn ich mich weiterhin damit beschäftigt hätte.

Ich will in Zukunft mehr Zeit für Beziehungen aufwenden und weniger für solche Texte.
Freilich, die Frage "Was tue ich eigentlich?" sollte man sich immer wieder stellen. Aber muss man wirklich einen Blogartikel dazu schreiben, nur damit man später einmal weiß, was man damals gedacht hat?

Und wenn Sie bis hierher gekommen sind, fragen Sie sich vermutlich: "Warum habe ich das hier eigentlich gelesen?"
Meine Schüler haben mir über die Aussageabsicht von Texten meist gesagt: "Der Text will zum Nachdenken anregen."
Hilft Ihnen das weiter?

4.2.16

Über die Wikipedia (aus gegebenem Anlass)

Es gibt genügend Lehrer, die sich mit der Wikipedia nicht auskennen und daher falsche Aussagen darüber machen. Wenn solche Urteile von anderen übernommen werden, ist nicht so sehr den anderen, sondern den Lehrern ein Vorwurf zu machen, dass sie urteilen, ohne informiert zu sein.
Weshalb vor der Wikipedia zu Recht gewarnt wird:
1. Wer Informationen aus der Wikipedia (oder allgemein aus dem Internet) übernimmt, ohne sie verstanden zu haben, bringt sich um den Lernerfolg, der durch die Bearbeitung von Schulaufgaben (nicht nur Hausaufgaben, sondern auch Präsentationen, Facharbeiten u.ä.) erzielt werden könnte.
2. Die Lektüre von Enzyklopädien ersetzt nur in sehr speziellen Fällen einmal das Studium wissenschaftlicher Fachliteratur. Das galt für den Brockhaus und gilt für die Wikipedia. 
3. Die Wikipedia ist inzwischen so anspruchsvoll und so ausführlich geworden, dass sie viele Schüler und Erwachsene überfordert. Insbesondere die Fähigkeit, Artikel geringeren Niveaus oder mit kurzzeitigen Falschinformationen von anderen zu unterscheiden, bringt nicht jeder Leser mit. 
Weshalb oft zu Unrecht vor der Wikipedia gewarnt wird:
Die Wikipedia ist heute so verlässlich, wie es der Brockhaus einmal war, dafür aber viel aktueller. Und über die Lektüre der Diskussionsseiten kann man sich auch darüber informieren, welche Informationen im Artikel umstritten sind. Das war in früheren Enzyklopädien nicht möglich.

13.9.15

Erlesnis - oder darf man auch sagen: Wirkung von Literatur?

"Erlesnis ist definiert als: was bei Literaturlektüre dem eigenen Empfinden nach an nicht-propositionalem Wissen erworben wurde. Wird ein Erlesnis in publizierten Leseberichten beschrieben, kann es als Brücke zwischen dem Wikipedia-Artikel und dem literarischen Text fungieren, denn der Lesebericht ist als Beleg in einem Werkartikel (Artikel über ein Werk, zum Beispiel ein literarisches) verwendbar geworden. Unter recht pragmatischen Gesichtspunkten sind also Erlesnis-Autoren* gefragt und ihre Äußerungen sollten zitierbar sein." (C.Koltzenburg: Nicht-propositionales Wissen aus Literaturlektüre und Bedingungen seiner Darstellbarkeit in Wikipedia-Einträgen zu literarischen Werken)
 C.Koltzenburg geht es darum, dass in der Wikipedia als einer vermutlich immer wichtiger werdenden Quelle von Literaturkenntnis auch das nicht-propositonale Wissen, das einem literarischen Werk entnommen wird, dargestellt wird. Vereinfachend würde ich sagen: das subjektive Leseerlebnis. Für die Wikipedia würde ich dafür einen möglichst wenig spezifischen Ausdruck vorschlagen wie z.B. Wirkung des Werks, der dann so wie bei Sachautoren der Abschnitt Kritik zu einem Standardabschnitt werden könnte. 
In folgendem Artikel zu Stifters Nachsommer wird unter Wertung eine recht ähnliche Wirkung auf verschiedene Autoren beschrieben, die freilich höchst unterschiedlich gewertet wurde:
"Wir glauben nichts zu riskieren, wenn wir demjenigen, der beweisen kann, dass er sie ausgelesen hat, ohne als Kunstrichter dazu verpflichtet zu sein, die Krone von Polen versprechen," meinte Friedrich HebbelW-Logo.gif 1858 über diesen Roman.
Nun war die Krone Polens schon damals nichts wert.
A: [...] ein Evangelium gepflegten Stumpfsinns.
B.: Alle Gestalten im 'Nachsommer', von der ersten bis zur letzten, sind hinsichtlich Realität nur selektiv unterrichtet. Kein Konflikt der Generationen. Man bewegt sich zeitlupig ; denn: "Leidenschaft ist unsittlich", wie Stifter in unbegreiflicher Geistesverengung dekretiert, und sich damit selbst dichterisch entmannt hat. Der Würgengel vermeinter Sittsamkeit garantiert die stereotypste Starre und Kälte: im ganzen Buch lacht nicht ein Mensch!
A.: Ein Kabinettstück in seiner Art der chemisch gereinigte Liebeshandel Heinrichs und Nataliens: noch frostiger und pomadiger kann man sich nicht gerieren.

Der sanfte Unmensch. Einhundert Jahre Nachsommer. Radioessay in: Der sanfte Unmensch, 1958, S.85
Eigentümlich handlungsarm und arm an Gefühlsdarstellung ist der Roman gewiss. Doch gerade das übt auf manche eine gewisse Faszination aus.[3], während viele spannende Bücher - das gilt insbesondere für BestsellerW-Logo.gif - nach einmaligem Lesen verbraucht sind.
Mit Flauberts Madame BovaryW-Logo.gif und Beaudelaires Les Fleurs du MalW-Logo.gif, die alle 1857 erschienen, hat man den Roman als ein frühes Beispiel der ModerneW-Logo.gif[4] gesehen. (Der Nachsommer im ZUM-Wiki)

12.10.14

Wie hilft man sich, wenn Wikipedia Artikel löscht, die stark nachgefragt sind?

Auf gutefrage.net fragt jemand: 
Wieso lernt man im Geschichtsunterricht NUR etwas über westliche Kulturen? [...] Ist/war das bei euch an der Schule auch so? Lernen die Geschichtslehrer im Studium überhaupt etwas in die "andere" Richtung?

Meine Antwort:
"Zunächst: In den meisten Geschichtsbüchern steht eine ganze Menge über den Nahen Osten, ein bisschen über das mittelalterliche China und etwas über die Mongolen. Andere enthalten noch ein wenig mehr.Das ist natürlich viel zu wenig. Aber das ist darauf zurückzuführen, dass die Zusammenhänge zwischen den Kulturen nicht ganz einfach darzustellen sind. Zum Glück gibt es aber im Internet vielfältige Möglichkeiten, sich über die Geschichte Asiens, Afrikas usw. zu informieren. Einen kurzen Überblick gibt der folgende Artikel:http://de.pluspedia.org/wiki/Menschheitsgeschichte. Über die roten Links, die ins Leere führen, brauchst du dich nicht zu ärgern. Denn all die Artikel, auf die dort verwiesen wird, stehen in der Wikipedia. Sobald du in der Kommandozeile pluspedia durch wikipedia ersetzt, wird der passende Artikel aufgerufen.
Außerdem findest du in dem genannten Artikel viele Literaturhinweise. Besonders empfehlenswert ist: Jürgen Osterhammel: Die Verwandlung der Welt. Eine Geschichte des 19. Jahrhunderts. C. H. Beck Verlag, München 2008.
Aber das Buch ist nicht billig und auch nicht ganz leicht zu lesen. Deshalb versuch es erst einmal mit den Artikeln im Internet."

Ich hätte natürlich auch darauf verweisen können, dass in der Tat die Universitäten heute meist noch die außerwestlichen Kulturen primär den archäologischen und den sprachwissenschaftlichen Lehrstühlen zuweisen und die Prüfungsordnungen sie ausklammern. Aber geklagt wird über diese Situation ohnehin. Wichtig ist meiner Meinung nach, dass auf Ansätze zur Veränderung hingewiesen wird. 
Ich hätte natürlich auch darauf hinweisen können, weshalb die Wikipedia ihren früheren Artikel gelöscht hat; aber das gehört nicht zum Thema Geschichtsunterricht und ich habe anderswo darüber berichtet.

20.9.14

Wikipedia traut sich nicht

Ein zusammenfassender Wikipediaartikel basiert auf Wikipediaartikeln mit Einzelbelegen aus diesen Wikipediaartikeln wird abgelehnt. Lieber keinen Artikel zu dem Thema als einen, der sich auf Wikipediaartikel (wie z.B. Geschichte Amerikas, Geschichte Indiens oder Römisches Reich) verlässt. Denn solch ein Artikel wäre Theoriefindung und widerspräche den Prinzipien der Wikipedia.

Denn der Wikipedia ist nicht zu trauen, Wikipediaartikel sind keine zulässige Grundlage, insbesondere, wenn es Artikel aus einer anderen Sprachsektion sind, aber auch die aus der eigenen.

14.8.14

Wikipedia, Journalismus und angebliche Forschung

"Am 29. Juli erschien in der Neuen Zürcher Zeitung ein Artikel, der sich wohlwollend mit der Wikipedia, insbesondere dem Schutz vor Fakes, Vandalismus und Werbung befasst. Die NZZ berichtete von vier Falscheinträgen, die von Studierenden der Uni Gießen zu Testzwecken in der Wikipedia untergebracht worden waren. Drei Fake-Artikel und eine unrichtige Aussage seien schnell oder nach einigen Wochen gelöscht worden, heißt es da mit einem Lob für die funktionierende Kontrolle innerhalb der Wikipedia."

So beginnt ein Artikel im Wikipedia Kurier, in dem scharfe Kritik an der Produktion von Fehlern in der Wikipedia für angebliche Forschung geübt wird. Man kann ihn dort nachlesen. 

11.3.13

Meine Erfahrungen mit Lehren und Lernen II

Meine Kommunikation und die Berichte über meine Aktivitäten  im pädagogischen Feld habe ich in letzter Zeit weitgehend aus diesem Blog heraus verlagert. Damit es hier aber nicht gar zu langweilig wird und zur leichteren Zugänglichkeit für mich selbst, will ich aber wieder etwas mehr hieherziehen.
Zum einen den Hinweis auf meine Teilnahme am hessischen Landtagsprojekt der Wikipedia mit dem dortigen Gummibärchen, dann meine online Stippvisite bei Geschichte Lernen digital am 8.3., und schließlich will ich für die, die die Fortsetzung meines Berichts zu Erfahrungen mit Lehren und Lernen noch nicht gelesen haben, ihn auch hier vorstellen und bei der Gelegenheit auch ergänzen. (z.B. u dem afrikanisch-deutschen Blog "Nachbarschaft", s.u.)
Der Abschluss des Berichts soll dann in einem kommenden Beitrag erfolgen.

Erfahrungen mit Lehren und Lernen II
In meiner Referendarzeit hatten wir einen Fachleiter, der seine Stunden so hielt: Er trat in die Klasse, fragte "Wo waren wir das letzte Mal?" und von da an sprachen nur noch die Schüler. Jedenfalls war das in seinen Vorführstunden für Referendare so. Dieser Idealform des Mottos unserer Ausbilder "Mehr strukturieren, weniger eingreifen!" entsprach mein Unterricht nur im absoluten Ausnahmefall. Im Normalfall machte die Strukturierung immer wieder ein Eingreifen erforderlich. Ohne moderierendes Eingreifen verflachte das Gespräch. Heutige Talkshows erinnern mich immer wieder an den Alptraum solcher Stunden. Die Lösung des Problems schien Gruppenarbeit zu sein. Durch Materialvorgabe und klare Aufgabenstellung sollte die Strukturierung sichergestellt sein, das Eingreifen überflüssig. Das klappte mehr oder minder gut. Die Schwachstelle kam freilich bei dem Bericht der arbeitsteiligen Gruppen über ihre Ergebnisse. Jede Gruppe war darauf fixiert, in den Augen des Lehrers gut dazustehen, die Mitschüler waren unwichtig. Dementsprechend ließ die Motivation des Plenums rapide. Ganz andere Erfahrungen machte ich, wenn ich in der Oberstufe die Gestaltung der Stunden vollständig den Schülern übertrug. Hier gelang des öfteren Teamteaching recht vorbildlich. Doch das hing immer wieder vom Zusammenspiel der Lehrgruppe mit der Gesamtgruppe zusammen. Ein “Lerne freiwillig und mit Begeisterung, was die Schule von dir zu lernen verlangt” war mit dieser Methode jedenfalls ebenfalls nur im Ausnahmefall zu erreichen. Eigenverantwortliches Arbeiten anzuleiten gelang mir dagegen mit der von Heinz Klippert gelernten Methode des Gruppenpuzzles besser. (Dabei bereiten "Stammgruppen" ein Thema vor und setzen sich dann in "Expertengruppen" zusammen, in denen die Experten sich gegenseitig über das zuvor Erarbeitete berichten. Dabei gibt es methodische Varianten, die sich danach unterscheiden, welche Rolle der Arbeit mit der Gesamtgruppe zugemessen wird.) Jeder Pädagoge vermisst in meinem Bericht bis jetzt den Projektunterricht. Meine Erfahrung: Je größer das Projekt ist, desto mehr kommt es auf die Anpassung an die Gruppe und ihre Lernsituation an. Grundsätzlich ist es dabei leichter als bei Kursunterricht möglich, intrinsische Motivation zu wecken, aber im Rahmen eines stundenplangetakteten Unterrichts sind kann nicht gleichfalls in allen Fächern an größeren Projekten gearbeitet werden. Was hat sich aus meiner Sicht bewährt? Theaterstücke, Planspiele, die Erstellung von Büchern, Blogs, Wikiartikeln. Konkrete Projekte, die mir gefallen haben, sind z.B. im Deutschunterricht Klasse 5 - 7 Krabat, in der Oberstufe Romantische Schule. Gegenwärtig werbe ich für die Erstellung von "Miniwikipedias" für das behandelte Fachgebiet mit Stichworterklärungen auf Schülerniveau. Ein Beispiel dafür entsteht gerade im ZUM-Wiki (zu finden unter Historische Stichworte). Theoretisch ließen sich so in großem Stil copyrightfreie Unterrichtsmaterialien (OER) durch Schüler erstellen. Im ZUM-Wiki finden sich dafür viele Ansätze. Weshalb bisher mit dieser Methode keine kompletten Lehrwerke entstehen, wäre zu diskutieren. Offenkundig ist es nicht einfach, sie zu erstellen, es ist aber vielleicht auch nicht sinnvoll. Zu von Lehrern erstellten offenen Bildungsinhalten verweise ich auf die laufenden Diskussionen.

Jetzt aber zu meinen Erfahrungen mit eigenem Lernen und Einzelunterricht...
  •  Das Quadriga Funkkolleg habe ich in bester Erinnerung. Die Studienbriefe ließen sich wie Zeitung lesen, die Hausarbeiten wie Kreuzworträtsel lösen, beim Klausurenschreiben sah man, wer sonst dem Hobby frönte, und bei alledem wurde man über neuere Tendenzen auf Gebieten, die einen interessierten, durch informierte Überblicke auf dem Laufenden gehalten. Das Internet bietet zwar auch manches. Aber beim Vergleich der Mathematik- und Linguistikvorlesungen (diese nur als Beispiel) im Netz schneiden die damaligen Begleitbriefe eindeutig besser ab. (Die Sendungen und Begleitbücher waren demgegenüber zweite Wahl.) Ich kann mir mathematische und linguistische Gedankengänge schriftlich besser nachvollziehen als über das Hören. So verdienstvoll das Funkkolleg Medien, das ich gegenwärtig mitverfolge, ist, es ist nur zum Hören, und die schriftlichen Texte sind zu unübersichtlich. (Dazu, dass MOOCs auch Vorteile haben, weiter unten.)
  • Lehrerfortbildung: die war sehr unterschiedlich. Am meisten störte viele Kollegen, wenn Vorwissen erkundet wurde und dabei der Eindruck entstand, dass die Kursleiter weniger davon verstanden als man selbst. Das ging mir nicht oft so.
Fachinformationen waren meist willkommen. Außer der Gelegenheit, Kollegen von der Universität wieder zu treffen, schätzte ich besonders den Kurs "Literatur 1992", denn auf aktuellem Stand war meine Literaturkenntnis nur bei meinen Lieblingsschriftstellern. Thomas Bernhard und Ransmayr gehörten nicht dazu. Die Erarbeitung von Unterrichtsprojekten habe ich als zweischneidig erlebt. Die auf ein Projekt ausgerichtete Arbeit des Lehrgangs war zunächst motivierend. Wenn man danach - wie meistens - feststellte, dass das Erarbeitete selbst mit großer Anpassungsanstrengung nicht für den eigenen Unterricht taugte, stellte sich trotz der wiederholten Erfahrung immer wieder eine kleine Enttäuschung ein. Doch es gab auch - sehr seltene - Ausnahmen. Die Einführung in unvertraute Methoden erwies sich dagegen fast durchweg hilfreich. Ich nenne hier nur als Beispiel die Kurse von Heinz Klippert und Karl Johé.
  • Privatprojekte:
Wikis: ein umfangreiches Thema. Vom passiven Gebrauch (Links, die ich auf meine Homepageseiten einband) kam ich bald dazu, in der Wikipedia Artikel zu schreiben. Daher fühle ich mich weiter als Wikipedianer und arbeite weiter als Administrator des ZUM-Wikis (Fontane44, dort Beispiele meiner Arbeit), auch wenn die Möglichkeiten der Mitarbeit in der Wikipedia für mich abnehmen. Faszinierend ist dabei, dass man Projekte aufgreifen kann, die als einzelner anzugehen man sich nicht trauen würde (und Projektarbeit ist , wie gesagt, lehrreich). Und wenn man Jahre darauf auf die Zugriffszahlen schaut, freut's einen auch.
Wikisource:  Am meisten beeindruckt hat mich, wie gut mein Projekt der Entzifferung eines Augenzeugenberichts über Napoleons Russlandfeldzug vorankam, nachdem ich Unterstützung bei Wikepianern und Wikisourcemitarbeitern gefunden hatte. (vorher - nachher) Mein Dank gilt besonders Frank und Paulis, aber selbst der Versionsgeschichte ist nicht ohne weiteres zu entnehmen, wie viele anderen außerdem  beteiligt waren. Man müsste die Versionsgeschichten aller 185 Seiten durchgehen. Aus einem recht unvollständigen und fehlerhaften Entzifferungsversuch wurde eine Edition mit erläuternden Anmerkungen, die sich m.E. sehen lassen kann. Solch eine Edition wäre mir, aber auch keinem anderen von uns allein nicht möglich gewesen (bei Frank allerdings wohl nur aufgrund des Zeitmangels). Nebenbei erhielt ich Einblick in andere Editionsunternehmen wie besonders die Herausgabe aller unterschiedlichen Originalausgaben der Märchen der Brüder Grimm Literaturhinweise zum Russlandfeldzug, an die ich sonst nie gekommen wäre. Aber auch ganz private Projekte wie die  Verbesserung alter Kassettenaufnahmen kamen voran, weil ich über ZUM.de technisch Findigere als mich kennenlernte. Urheberrecht, Philosophie.

Blogs: Bei Wikis gerät man über die Arbeit an konkreten Projekten mehr oder minder intensiv in die Wiki-Gemeinschaft hinein. Innerhalb der Blogger Beziehungen aufzubauen, erfordert über die Arbeit an den einzelnen Blogartikeln auch konkrete Kotaktaufnahme mit anderen über Kommentare. Wenn man freilich in der Wikipedia auch nur kurz mit Benutzer: Jeanpol zusammen gearbeitet hat, ergibt sich die Einführung in die pädagogische Bloggerszene wie von selbst. Außer ihm nenne ich nur das Lehrerzimmer von Herrn Rau und den Lehrerfreund.
Der Sonderfall Nachbarschaft (ein afrikanisch-deutsches-Online-Magazin) ergab sich über einen lokalen Kontakt mit einer deutschen Studentin, die an einem internationalen afrikanischen schulorientierten Magazin mitarbeitete, das als Druckversion verbreitet wurde, bei dem die Zusammenarbeit der Redakteure aber über E-Mail lief. Mein Vorschlag, es auch ins Internet zu stellen, fand Anklang. Seit einiger Zeit werden fast nur Beiträge von deutschen Redaktionsmitgliedern eingestellt, da das gedruckte Schulmagazin wegen Krankheit und anderen Problemen der afrikanischen Redakteure gegenwärtig pausiert.

Soziale Medien: Twitter wird von mir vor allem zum Hinweis auf Internetaktivitäten von mir verwendet, aber auch für Hinweise auf Internetaufrufe von bekannten Nichtregierungsorganisationen wie z.B. z.B. Avaaz, Amnesty, Campact - Demokratie in Aktion und Rettet den Regenwald e.V. sowie für gelegentliche Diskussionen und zum Mitverfolgen von Internetkursen.
Damit wäre ich beim nächsten Thema:  MOOCs u.ä.  Darüber informiert mein Blog, der darauf spezialisiert ist.
Barcamps schätze ich seit meiner Telnahme am CorporateLearningCamp 2012.



  • Gruppenunterricht und Einzelunterricht: 
  • Deutsch als Fremdsprache Ich habe neun Jahre Unterrichtsgruppen in Deutsch als Fremdsprache an einer Europäischen Schule unterrichtet. Fremdsprachenlehrer werden zu recht feststellen, dass ich bei diesem learning by doing nicht viel Methodik gelernt habe; doch habe ich dabei dreierlei gewonnen:


    Erstens die Erfahrung, dass ab einem gewissen Niveau der Sprachbeherrschung des Schülers offenbar die Sprachkenntnis des Lehrers wichtiger wird als die Methode (sofern er nicht wichtige Regeln ganz außer Acht lässt).
    Zweitens den Mut, in Deutschland Sprachunterricht für Ausländer fortzusetzen.
    Drittens eine Kenntnis über gewisse Regelmäßigkeiten der deutschen Grammatik, die der Deutschkundige nicht wahrnimmt, weil er sie aufgrund ständiger Anwendung beherrscht, während deutschlernende Muttersprachler aufgrund einer rasanten Sprachentwicklung oft Schwierigkeiten bei der Anwendung der Fälle haben und zwar nicht nur, weil - angeblich - der "Dativ dem Genitiv sein Tod" ist, sondern, weil parallel immer häufiger der Genitiv gebraucht wird, wo der Dativ stehen müsste.

    Erfahrung mit privatem Deutschunterricht für Ausländer in Deutschland:
    Wenn in einer Unterrichtsgruppe die Deutschkenntnisse sich "nur" durch ein bis drei Jahre Deutschunterricht unterscheiden, kann man manches auszugleichen versuchen. Der Unterricht von Sprachlernanfängern und flüssig, aber unkorrekt Deusch Sprechenden sowie mehreren Sprachniveaus zwischen diesen Stufen hat mich aber überfordert. (Daher habe ich eine gewisse Skepsis gegenüber Inklusion, so wünschenswert die Verwirklichung dieses Konzepts aus anderen Gründen ist.) Da war ich froh, als ich bei Einzelunterricht mir die Lernziele von den SchülerInnen vorgeben lassen konnte. Das kann eine beglückende Erfahrung sein.

    Was noch aussteht: mein Bericht über privaten Unterricht in Deutsch als Muttersprache und andere Projekte, die sich nicht so leicht unter einer Überschrift zusammenfassen lassen.

    14.9.12

    Geschichtsunterricht und Wikipedia

    Während es in der Anfangszeit noch sinnvoll erschien, im Unterricht für die Wikipedia Beiträge zu verfassen, und so forschungs- und handlungsorientierten Unterricht anzuregen, ist das bei der gestiegenen Qualität der Wikipedia für Geschichte nur noch in Einzelfällen möglich (In anderen Fächern gibt es auch aus neuerer Zeit durchaus sehr erfreuliche Beispiele, dass das noch geht.)
    Wer die Kombination von forschungs- und handlungsorientiertem Unterricht anstrebt, kann das jetzt besser durch die Kritik an Wikipediaartikeln und das Umschreiben auf didaktische Zielsetzungen (z.B. Gewichtung des didaktischen Schwerpunkts, schülerorientierte Sprache) erreichen.

    Wie viel Verbesserungspotential die Wikipedia gerade im Bereich Geschichte eröffnet, wird kompetent von Peter Haber auf histnet im Artikel "Wikipedia. Ein Web 2.0-Projekt, das eine Enzyklopädie sein möchte" erläutert.
    Wer den Begründungszsammenhang genauer kennen lernen möchte, greift am besten auf Geschichte in Wissenschaft und Unterricht 63 (2012), 5-6 zurück. (Hier ein Link zu einem Überblick in die Inhalte des Heftes und eine kurze Einodrnung der Beiträge)

    Wenn man vollständige Texte veröffentlichen lassen möchte, kann man das besser in Blogs oder didaktisch orientierten Wikis wie z.B. dem ZUM-Wiki tun. Dort vermutlich am besten auf Kurs- und Klassenseiten.

    2.4.12

    Unterrichtsvorbereitung in Geschichte

    Mein herzlicher Dank für die Hinweise auf die elektronischen Versionen der Aufsätze von Maren Lorenz zur Eignung der Wikipedia zur Vorbereitung von Geschichtsunterricht geht an Jan Hodel, der sich mit eben diesem Thema in seinem Blog beschäftigt.
    ier der - von ihm übernommene - Hinweis auf die Printversionen ihrer Arbeiten:

    • Lorenz, Maren: Wikipedia. Zum Verhältnis von Struktur und Wirkungsmacht eines heimlichen Leitmediums. In: WerkstattGeschichte 43 (2006), S. 84-95.
    • Lorenz, Maren: Repräsentation von Geschichte in Wikipedia oder: Die Sehnsucht nach Beständigkeit im Unbeständigen. In: Korte, Barbara; Paletschek, Sylvia (Hg.): History goes Pop. Zur Repräsentation von Geschichte in populären Medien und Genres, Bielefeld 2009, S. 289-312.
    • Lorenz, Maren: Wikipedia als “Wissensspeicher” der Menschheit – genial, gefährlich oder banal?. In: Meyer, Erik: Erinnerungskultur 2.0. Kommemorative Kommunikation in digitalen Medien, Frankfurt 2009, S. 207-236.
    • Nachtrag: Lorenz, Maren: Grenverschiebungen zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit, 2011 - als Video im Netz zu finden.
    Im Folgenden ein paar Gedanken dazu, die ich auch dort im Kommentar niedergelegt habe, aber hier noch erweitern möchte:

    Der Aufsatz von 2006 wird der Wikipedia von 2011 kaum gerecht (ich denke an die inzwischen gut etablierte Geschichtsredaktion), den anderen habe ich noch nicht gelesen.
    Eine Kritik an der Verwendung der Wikipedia zur Unterrichtsvorbereitung geht freilich von völlig falschen Vorstellungen über den Zeithaushalt von Lehrern für Unterrichtsvorbereitung aus. Die Lehrer, die 5 Minuten vor Beginn einer Stunde in der 8. Klasse ein 800 Seiten starkes Werk über Alexander den Großen studieren, gab es, sie waren aber schon immer selten. Falls sie noch seltener geworden sein sollten, wäre es m.E. für die Qualität des Unterrichts nur von Vorteil; denn sorgfältige inhaltliche Vorbereitung kann nur auf Unterrichtsreihen geschehen, nicht auf einzelne Stunden.
    Dabei ist dann der Rückgriff auf Print-Literatur, sofern sie greifbar ist, möglich. Doch die wissenschaftliche Positionierung findet auch dort nicht statt, sondern in der allgemeinen persönlichen Fortbildung. Und selbst für die ist die Wikipedia noch nützlich, weil sie das Verfolgen neuerer Trends und aktueller Diskussionen in der Publizistik und in fachwissenschaftlichen Publikationen erleichtert.

    Dennoch finde auch  ich es bedauerlich, wenn Lehrer für ihre Unterrichtsvorbereitung in Geschichte hauptsächlich die Wikipedia heranziehen sollten. Dann entgingen ihnen nämlich die didaktischen und methodischen Hilfen, die sie von für Lehrer aufbereitetem Material gewinnen können. Für mich persönlich steht dabei bei den Internetquellen an erster Stelle das ZUM-Wiki, das über die Fachseite zu Geschichte erschlossen ist.

    8.8.11

    Wissensarbeit = Arbeit 2.0?

    „Ein Wissensarbeiter ist jemand, der mehr über seine Tätigkeit weiß als jeder andere in der Organisation“, definiert Peter Drucker.
    Weil das so ist, argumentiert Ulrich Klotz, könne kein Vorgesetzter besser wissen, was der Wissensarbeiter zu tun habe, als dieser selbst. So nachzulesen in dem höchst lesenswerten Artikel in der Frankfurter Rundschau vom 8.8.11. Deshalb greife "Frederick W. Taylors Konzept der 'wissenschaftlichen Betriebsführung'" für Wissensarbeiter nicht mehr, weil es Menschen als Teil einer Maschine begreife, und das führe zu "Frust und Demotivation".
    Die richtige Arbeitsorganisation glaubt er im Internet bei Projekten wie Linux, Firefox und Wikipedia zu finden. In diesen Projekten herrsche "ein anderes Verständnis von geistigem Gemeineigentum. Hier sind die Menschen motiviert und gerne bereit, ihr Wissen und ihre Ideen anderen oder einer Organisation zur Verfügung zu stellen, weil ihnen Vertrauen, Respekt, Anerkennung, Fairness und Toleranz entgegengebracht wird." Das sei Arbeit 2.0, weil hier auf gleicher Augenhöhe gearbeitet werde.
    So weit mein Referat seiner Thesen.


    So sympathisch mir seine Haltung ist. Ich muss seiner Darstellung doch an wichtigen Punkten widersprechen:
    Es ist zwar richtig, dass in diesen Projekten eine andere Motivation herrscht als anderswo. Doch "Vertrauen, Respekt, Anerkennung, Fairness und Toleranz" finden sich - zumindest in der Wikipedia - oft nicht. 
    Weshalb ist das nicht so? 
    Zum einen, weil Menschen nicht alle auf Vertrauen etc. angelegt sind, aber auch, weil es mit Vertrauen allein nicht immer getan ist. Denn freilich hat der Verfasser von zu Guttenbergs Dissertation über seine Arbeit mehr gewusst "als jeder andere". (Das gilt unabhängig davon, wer diese Arbeit verfasst hat.) Aber dennoch musste die Arbeit kontrolliert werden. Dasselbe ist der Fall in Wikipedia und Open-Source-Projekten. Bei letzteren gibt es freilich eine objektive Kontrolle: Funktioniert das Programm oder nicht. (Dass die Kontrolle oft nicht ausreichen wird, steht auf einem anderen Blatt.) Bei der Wikipedia aber fehlt dieses Kriterium. Deshalb wird es durch die Forderung nach Belegen, durch Peer-Bewertung und durch Kontrolle durch "Administratoren", Personen mit (ein wenig) mehr Rechten, ersetzt. Dass dies des öfteren "Anerkennung, Fairness und Toleranz" gefährdet und nicht allzu selten sogar zum Umschlag in ihr Gegenteil führt, weiß, wer sich in der Wikipedia ein wenig besser auskennt.
    Dennoch gibt der Erfolg dieser internetbasierten Projekte Ulrich Klotz im wesentlichen Recht.


    Dass man daraus für die Schule lernen könnte, beweist die seit langem geführte Diskussion über Lernen 2.0, auf die ich hier im Prinzip nur verweisen kann. Auf einen ganz aktuellen Beitrag möchte ich aber ganz gezielt hinweisen: auf Herrn Larbigs Hinweis, dass bei aller Binnendifferenzierung in der Schule weiterhin auf zweierlei aufbauen solle: auf die spezifische Anregung durch den Gegenstand und die Autonomie der Schüler.

    29.6.11

    Schreibt Wikipedia Geschichte?

    Wikiwatch berichtet darüber, wie unglaublich schnell und aktuell die Wikipedia, insbesondere die englische, auf die Proteste in Ägypten reagiert hat und dass sie diese von Anfang an als Revolution interpretiert hat.
    Dabei weist es darauf hin, dass "der Ägypten-Artikel von 728 Wikipedianern insgesamt 4828 mal" bearbeitet worden ist.
    Schnelligkeit verträgt sich freilich nicht mit abgewogener Geschichtsschreibung. Wie sollten die Administratoren 728 Autoren ständig auf einem Kurs von Objektivität halten, wenn einfach noch kein abgewogenes Bild existiert?
    Wichtig scheint mir, dass nach einer ersten Phase, die zunächst von nur wenigen Quellen ausgeht, möglichst rasch ein objekticvierendes Bild versucht wird.
    Hochinteressant ist der Blogartikel des israelischen Linguisten Dor Kamir, auf den sich Wikiwatch bezieht, allerdings. Offenbar benutzten die Protestler nicht nur Facebook und Twitter, sondern auch die Wikipedia.
    Daraus zu folgern, weil die Proteste in der Wikipedia von Anfang an als Revolution bezeichnet wurden, habe die Wikipedia den Gang der Geschichte mit beeinflusst, scheint mir freilich etwas kühn.

    1.10.10

    Wofür man die Wikipedia - unter anderem - braucht

    O'Murchu schaute auf Wikipedia nach, ob an diesem Tag irgendetwas Bemerkenswertes passierte - und wurde fündig: Am 9. Mai 1979 wurde ein jüdisch-iranischer Geschäftsmann namens Habib Elghanian in Iran exekutiert - weil er angeblich als Spion für Israel arbeitete.
    O'Murchu ist Spezialist für Computerviren und untersuchte den Wurm Stuxnet. Er wollte wissen, was eine bestimmte Zahl bedeutet, die der Wurm in die Registry eines angegriffenen Computers schreibt. Mit dem Brockhaus hätte er das wohl kaum herausgefunden.

    Das zeigt, wie vielseitig die Wikipedia gegenwärtig verwendbar ist und von kommenden Schülergenerationen verwendet werden können sollte. Wer diese Möglichkeiten nicht kennt, hat Nachteile in der Arbeitswelt.

    Freilich enthält der Bericht von Spiegel online auch einen interessanten Hinweis auf die Firma Microsoft und Viren:
    Erste Virenangriffe, die später zu Komponenten von Stuxnet wurden, datieren sogar auf Januar 2009 zurück", teilte Microsoft mit.
    Das wirft die Frage auf, ob sich zwischen all den Viren, die täglich neu entdeckt werden, schon die Ausläufer einer neuen, noch intelligenteren Schad-Software verstecken - ohne dass es jemand mitbekommt. Die Zahl neuer Viren, die sich zu anspruchsvoller Schad-Software kombinieren lassen, jedenfalls wächst dramatisch. Laut einer Erhebung von AV-Test wurden 2006 rund 100.000 neue Viren entdeckt. Im vergangenen Jahr waren es 1,2 Millionen.

    Beseitigt hat Microsoft die Lücke in Windows, die die Voraussetzung des Angriffs von Stuxnet wurde, erst im Sommer 2010.

    22.12.09

    Wikipedia und Chaos Computer Club im Gespräch

    Wenn man wie ich die Löschdiskussionen und die Blogkommentare, die im Zusammenhang mit den Löschanträgen für die Wikipedia-Artikel MOGiS und Fefes Blog entstanden sind, gelesen hat und vom Ergebnis einer ersten Diskussion zwischen CCClern und Wikipedianern gehört hatte, dann hielt man es kaum für möglich, dass bald darauf ein so fruchtbares Gespräch zwischen diesen Gruppen zustande kommen könnte wie das, über das Juliana da Costa José im Wikipedia:Kurier vom 16.11.2009 unter dem Titel Der große Graben berichtet. Mein Kompliment an alle Teilnehmer und besonders an die Berichterstatterin Juliana.

    31.10.09

    Abmahnungen

    Die ehemalige Unterstützerin der Hausbesetzerszene und heutige Journalistin Eva C. Schweitzer lässt abmahnen und gibt sich dann wieder großzügig.
    Jonny berichtet in Spreeblick und nimmt zu ihrer Stellungnahme Stellung.
    Abmahnungen sind eine Methode, Blogger von ihrer Meinungsäußerung im Internet abzuschrecken. Mich empört das weit mehr als die Relevanzkriterien der Wikipedia.
    Zur presserechtlichen Situation in diesem Zusammenhang schreibt Thomas Schwenke.
    Der Pressekodex im Wortlaut.

    In ihrem neusten Blogeintrag stellt Eva Schweitzer fest, dass schon vor meinem Kommentar zu Ihrem letzten Eintrag bereits alles gesagt sei. Daher wiederhole ich hier nur noch das dort offenbar schon Gesagte:
    Ich möchte Sie bitten, mir mitzuteilen, ob ich Ihre Stellungnahmen hier kritisieren darf, ohne vorher bei Ihnen anzufragen, ob ich einen kritischen Kommentar schreiben darf.
    Des weiteren interessiert mich, ob ich Ihnen 10 Euro zu zahlen habe, falls Sie auf meinen Kommentar antworten.
    Schließich interessiert mich, ob der folgende Blogbeitrag Sie kritisieren würde.
    (Der damit angesprochene Blogbeitrag ist der, der meinem Hinweis auf Eva Schweitzers Blogeinträge voranging.)

    18.10.09

    Aktuelle Links

    Schillers Kunstphilosophie besprochen in der SZ

    Robert Basic über die soziale Funktion von Blogs als Menschenvernetzungsmaschinen

    Einmal mehr: Das Netz vergisst nichts (FAZ)

    Bildung hacken: Überblick (weblearn-Wiki) Einzeläußerungen (etherpad)

    Wikipedia, Relevanzkriterien, Löschdiskussionen, fefes Blog und Kampf gegen Zensur im Internet

    Stasi 2.0 In diesem Wikipediaartikel wird über die sehr zweifelhafte Praxis von Gegnern von online-Computerdurchsuchungen und Internetzensur berichtet, die solches Vorgehen und das Bild des gegenwärtigen Finanzministers mit Stasimethoden in Verbindung bringen. Dagegen scheint mir der Bundestrojaner eine gelungene Art von Kritik.

    Abmahnungen

    Presserechtsblogbeitrag von Thomas Schwenke

    Der Pressekodex im Wortlaut.

    "Loch in der Wand" - ein Computer unterrichtet 300 indische Kinder (mit ersten Kommentaren)

    Kant, Web 2.0 und Kritik an Abmahnungen

    Es gibt kein Rezept für gehirngerechtes Lernen

    Schule reformieren genügt nicht. Man muss sie transformieren, sagt Lisa Rosa.

    Digitale Medien helfen nicht gegen die gegenwärtigen Probleme der Schule

    Verhaltensregeln für Neuronen (über die normative Funktion der Neuronenmetapher)

    Aufstellung über "die 50 einflussreichsten englischsprachigen Blogger" nach income diary von Thilo Bonow

    (was immer most influential nach Th. Bonow heißen mag)
    Bis jetzt mein Favorit aus der Liste: huffington post

    Links zu Politik u. Medien

    Lernen und Vergessen

    eines Tages: Abschied vom Quellekatalog u.a.

    weniger aktuell, aber ziemlich einmalig: Spaziergang unter dem Eis der Losse