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25.8.26

KI-Bilder im Philosophieunterricht

 https://frauschuetze.de/?p=7946

https://frauschuetze.de/?page_id=6237

Mehr dazu:

Ein Beleg dafür, wie viel Arbeit einem KI erspart:

"Man schreibt einen Prompt und macht einen Klick und schon hat die KI das Bild erstellt":

  • Das Hintergrundbild habe ich mit ChatGPT 5 erstellt, der Prompt dafür ist folgender:

Subject: Simplified museum floor plan from a top-down (bird’s-eye) view, flat vector illustration, clean shapes, minimal detail, no faces. Layout: Central foyer as the starting point, four rectangular exhibition rooms arranged around it (top-left, top-right, bottom-left, bottom-right), rounded corners, door openings toward the foyer. Room labels (German, neutral sans-serif, medium, all caps): “Mythos vs. Wissenschaft”, “Übergangsrituale”, “Karneval”, “Trauerrituale”. Zone icons (monochrome pictograms, consistent stroke, no faces, minimal detail): Mythos vs. Wissenschaft: stack of books, star symbol, test tube icon. Übergangsrituale: open notebook, candle icon, handshake. Karneval: mask, confetti, drum. Trauerrituale: single candle, laurel wreath, simple grave stele. Wayfinding: Subtle dotted footprints in light gray from the foyer to each door; small arrowheads at the end. Doors/locks: Small padlock icon at each door (ochre/gold), simple, no gloss. Style: Flat vector (cartoon), no gradients, no shadows, no textures, crisp edges, unified stroke width. Color palette: Background/foyer: warm off-white #F8F5F0 Walls/outlines: light gray #D9D9D9, stroke ~3 px Footprints: medium gray #BDBDBD Locks: ochre/gold #D4AF37 Room accents/icons: Mythos vs. Wissenschaft: deep blue #2D4A8A, accent purple #7A5DC7 Übergangsrituale: warm amber #E6A93A Karneval: coral red #EF6F6C, accent teal #2AB7CA, confetti in 2–3 colors Trauerrituale: blue-gray #5A6B7A, dark gray accent #444444 Typography: Neutral sans-serif (DIN/Inter-like), high legibility, medium size, black #222222. Composition: Even spacing, calm negative space, three icons centered per room, equal size, balanced layout. Format: Square 1:1, 2048×2048 px. Negative: No people, no faces, no 3D, no photo textures, no clutter.


sieh auch:

Kurzfilme im Ethikunterricht:

 Es geht um zwei Seefahrer, Ernest und Marty, die einen Schiffbruch auf hoher See überlebt haben. Nun treiben sie, vom Hunger geplagt auf ihrem Floß über den Ozean. Als einer jedoch einen Fisch fängt, bricht ein Verteilungskampf mit tödlichen Folgen aus. [...]

https://frauschuetze.de/?p=6710 

16.9.25

Vorstoß, dafür, dass Klassenarbeiten nicht auf Deutsch geschrieben werden müssen

 "CDU und Grüne wollen die Mehrsprachigkeit an Schulen stärken. Ein gemeinsamer Antrag der beiden regierungstragenden Fraktionen im Landtag sieht eine „Verankerung von Mehrsprachigkeit über die gesamte Schullaufbahn“ vor. Die Förderung von Mehrsprachigkeit als Kompetenzförderung müsse von der Grundschule bis zum Abitur „als integraler Bestandteil des Bildungswegs“ gedacht werden, heißt es in dem Antrag. Mehrsprachigkeit sei im Lehrplan stärker zu berücksichtigen.

Nordrhein-Westfalen sei schon jetzt ein Land der Vielfalt und der gelebten Mehrsprachigkeit, befinden CDU und Grüne. Rund ein Drittel der Bevölkerung habe eine Einwanderungsgeschichte. Nach Daten aus dem Mikrozensus 2022 spricht jeder Zweite mindestens eine weitere Sprache neben Deutsch zu Hause. Das zeige sich auch an den Schulen: In NRW haben etwa 44 Prozent der Schülerinnen und Schüler eine internationale Biografie.

FDP-Chef spricht von Kapitulation

Die Koalitionäre wollen „den Unterricht an die Lebensrealitäten und aktuelle Bedarfe“ der Schüler und deren Familien anpassen. Fachliche Kompetenzen sollen künftig auch dann angemessen erfasst werden können, wenn ein Kind unzureichende Deutschkenntnisse hat. Zudem könne die Oberstufenreform eine Gelegenheit bieten, Projektkurse auch in der Erstsprache durchzuführen und anzuerkennen oder auch für Schülerinnen und Schüler zu öffnen, die diese Sprache als Fremdsprache lernen. In der Lehrkräftefortbildung müsste die Mehrsprachigkeit natürlich gefördert und weiterentwickelt werden. 

Der Schulausschuss gab am Mittwoch eine Sachverständigenanhörung zum Thema in Auftrag. FDP-Fraktionschef Hennig Höne hat sein Urteil bereits gefällt: „Schwarz-Grün plant in NRW Klassenarbeiten in der Herkunftssprache: integrations- und bildungspolitisch eine Kapitulation. Zu oft sprechen Kinder zwei Sprachen, aber keine richtig gut. Wer Pilot des eigenen Lebens sein will, braucht die deutsche Sprache“, schrieb er auf X."

https://www.wa.de/nordrhein-westfalen/nur-auf-deutsch-geschrieben-werden-klassenarbeiten-kuenftig-nicht-93930115.html

17.1.25

Kinderbetreuung

"Wenn Institutionen mehr Aufgaben übernehmen müssen, dann brauchen sie auch ein erweitertes Personal und multiprofessionelle Teams. Man müsste auch Anreize schaffen, damit Pädagogen in sinnvollem Umfang, etwa einer halben Stelle, auch im Rentenalter weiterarbeiten. Wichtig wäre zudem mehr Unterstützung von außen. Wenn sich nur jeder zehnte Babyboomer ehrenamtlich oder als Honorarkraft im Bildungsbereich engagieren würde, dann wären das mehr Menschen als alle derzeit tätigen Erzieherinnen und Grundschullehrer zusammen. Als Lesepate oder Mentorin, durch Sport-, Musik- oder Handwerksangebote – es gäbe unheimlich viele und zum Teil notwendige Bereiche für Engagement. [...]"

  " [...] Da kommt man in eine Klasse, auf dem Papier gibt es dort einen Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund von 60 Prozent, und man denkt: Das ist für eine Großstadt durchschnittlich und müsste doch hinzukriegen sein! Aber dann erfährt man, dass dort zwölf Muttersprachen gesprochen werden, sieht an den Stecknadeln auf der Weltkarte an der Wand, dass die Familien aus drei Kontinenten kommen und verschiedensten Religionen angehören. Man trifft auf Hatice, vierte Generation, die sagt, sie sei Türkin, aber sie zählt per definitionem genauso wenig zu den 60 Prozent wie die schwarze Sandra. Und dann kapiert man, dass der Begriff Migrationshintergrund die Realität nicht mehr angemessen beschreiben kann. Stellen Sie sich ein zugewandertes ukrainisches oder syrisches Kind vor, das in so einem Klassenzimmer sitzt: Wie nimmt es dieses Land wahr? Für dieses Kind sind seine Klassenkameraden aus aller Welt Deutschland. Und mit dieser Brille merkt man schnell: Im politischen Berlin werden Debatten über Integration und Migration geführt, die 1990 sinnvoll gewesen wären. [...]"

https://www.zeit.de/2025/03/kinderbetreuung-muetter-kindergarten-schule-demografischer-wandel/komplettansicht

27.1.24

Zu den Ratschlägen des PISA-Koordinators Schleicher an die deutschen Lehrkräfte

Ich bin seit seit über 16 Jahren im Ruhestand und weiterhin noch sehr an Schule interessiert.* Auch Freude am Lehren hat mich nicht verlassen, aber was ich von meinen Kindern und Schwiegerkindern, die an verschiedenen Schulformen unterrichten, über die Entwicklung an unseren Schulen besonders seit der Pandemie erfahre, vermittelt mir die Überzeugung, dass ich unter den gegebenen Umständen den Ruhestand nicht als Lehrer erreicht hätte.

Dabei habe ich Verständnis für die Unzufriedenheit des Koordinators der PISA-Studien mit dem jüngsten Abschneiden der bundesdeutschen Schüler*innen bei eben diesen Studien. Er ist nicht für den Leistungsabfall zuständig, schließlich ist er nicht Organisator des deutschen Bildungswesens und schon gar nicht Trainer der gegenwärtigen Lehrkräfte,  

Aber aufgrund meiner Erfahrungen halte ich ebenso wie die Lehrkräfte, die im Folgenden zu Wort kommen, seine Empfehlungen an die Lehrkräfte für nicht sachgerecht.

Zur Begründung meiner Einschätzung zitiere ich recht ausführlich aus Berichten von Lehrer*innen aus der ZEIT und aus Kommentaren zu diesen Berichten. 

 "Mein Erste-Klasse-Material nehme ich jetzt für die Dritte" (Die ZEIT 25.1.2024 - mit - während der Schlussredaktion dieses Artikels - rund 230 Kommentaren)

"Lehrerinnen sollen weniger jammern und sich als Coaches* für Schüler verstehen, sagt Pisa-Erfinder Andreas Schleicher. Drei Lehrkräfte erzählen, warum sie das aufregt.

Sebastian Hartling*, Anfang 40, Lehrer an einem Gymnasium in Süddeutschland

Ich war nie an einer Problemschule, im Gegenteil: Ich unterrichte Kinder und Jugendliche, die lernen wollen. Viele möchten Karriere machen wie ihre Eltern, Managerin oder Chef werden. Und Schulleitungen von Gymnasien wie unserem legen viel Wert aufs Image. Dementsprechend mögen sie es, wenn junge Lehrerinnen und Lehrer bereit sind, Verantwortung zu übernehmen: zusätzliche Aufgaben, Unterricht anders gestalten, in der Freizeit mit den Schülern eine Exkursion machen. Da bremst dich niemand.

Bei mir zum Beispiel sind in den Anfangsjahren noch drei neue Fächer dazu gekommen, unter anderem Wirtschaft. Das war so eine Idee aus dem Kultusministerium: Dort denken sich Leute schöne Dinge für die Schulen aus, etwa neue Unterrichtsfächer. Sie berücksichtigen aber nicht, wie viel mehr Arbeit das ist – und dass es Leute braucht, die sie erledigen. Ich belegte unbezahlt Abendstudiengänge, um diese neuen Fächer zu lehren. [...]Idealisten wie ich brennen dabei aus. Fast zwei, drei Jahre lang war ich ein Wrack, sobald ich die Schule verlassen habe. Während der Arbeit funktionierte ich, aber schon im Auto nicht mehr, im Privatleben sowieso nicht. Ich hätte in eine Klinik gehört, stattdessen machte ich heimlich eine Therapie, damit an der Schule niemand etwas merkt. Gerade erst fange ich an, Krankenkassenbelege von 2019 einzureichen, viel zu spät, einfach weil ich zum ersten Mal seit Jahren die Kraft habe, mich um solche Dinge zu kümmern. Zu Hause übernahm meine Partnerin alles: den Haushalt, den Mental Load. Ich bin nicht mehr zu Geburtstagen der Familie oder von Freunden gegangen. Noch immer nehme ich mir zu wenig Zeit für meine Mutter, meine Schwester, meinen Neffen. Konzerte, Theater, alles, was ich gerne gemacht habe, ist weggefallen.[...] 

Luisa-Marie Berentz*, 44 Jahre alt, Lehrerin an einer Grundschule in Norddeutschland

Andreas Schleicher fordert also Hausbesuche von uns ein. Seit 15 Jahren bin ich Lehrerin. Ganz am Anfang habe ich das einmal gemacht, bei einer fünften Klasse, alle Familien einmal zu Hause besucht. Es war als freundliche Geste gedacht, zum Kennenlernen. Und ich sage nur: nie wieder. Ich habe mich wie ein Eindringling gefühlt, den Eltern gegenüber ist das übergriffig.

Und ich finde diese Erwartung auch uns Lehrerinnen gegenüber frech. Meine Schule liegt in einem Stadtteil mit vielen sozialen Herausforderungen. Ich möchte nicht in die Privatleben der Menschen geschickt werden. Ein Handwerker, der in einen Haushalt geht und Missstände vorfindet, kann anonym eine Gefährdungsmeldung beim Jugendamt machen. Als Lehrerin bist du da ganz anders involviert. Ich bin schon bedroht worden, weil ein Kind nach einer Meldung von mir aus der Familie geholt worden ist. Die Eltern wissen ja, wo sie mich finden. [...]

Wirklich lachen muss ich allerdings, wenn Leute wie Schleicher sagen, der Leistungsgedanke gehöre wieder in den Vordergrund. Ich sorge auch da gerne für – wirklich, er muss mir nur sagen, wie. Jeder sollte mal einen Tag mit einer Lehrerin oder einem Lehrer mitgehen und sich anschauen, was uns da begegnet. Heute im Sachunterricht haben wir uns mit den Jahreszeiten beschäftigt. Die Kinder sind jetzt schon ein halbes Jahr in der Schule, sie kriegen ihre ersten Zeugnisse. Ich frage: Was haben wir denn jetzt für eine Jahreszeit? Dann meldet sich ein Mädchen und sagt: Schnee. Es bleibt wenig hängen, viele Kinder können sich ganz schlecht konzentrieren. Ich habe keine Erklärung, warum genau das so ist: Mein Erste-Klasse-Material von vor zehn Jahren nehme ich jetzt für die Dritte.

Das ist mir auch schon an der Gemeinschaftsschule aufgefallen, bis hoch in die achte Klasse verstehen Kinder und Jugendliche oft nicht einmal den Arbeitsauftrag. Sie lesen sich eine Aufgabe durch, wissen aber trotzdem nicht, was sie tun sollen. Jetzt in der Grundschule rufen mich manche schon zur Hilfe, bevor sie überhaupt das Buch aufgeschlagen haben. [...]

Christiane Bauminger*, 39, Lehrerin an einem Beruflichen Schulzentrum in Süddeutschland

Eine Aussage von Andreas Schleicher regt mich richtig auf. In dem Interview mit der Stuttgarter Zeitung sagte er, dass gute Pädagogen nicht nur ihre Schüler, sondern auch deren Eltern kennen und sie bei Problemen zu Hause besuchen sollten. Ernsthaft? Das ist nicht mein Job, dafür bin ich nicht ausgebildet. Dafür gibt es Sozialarbeiterinnen oder das Jugendamt.  

Als Lehrkräfte übernehmen wir schon viele dieser Aufgaben: Jugendliche sprechen mich an, wenn ein Mitschüler suizidgefährdet ist. Oder weil der vermeintliche Freund heimlich ein Sexvideo aufgezeichnet hat.

Jugendliche sprechen mich an, wenn ein Mitschüler suizidgefährdet ist. Oder weil der vermeintliche Freund heimlich ein Sexvideo aufgezeichnet hat. Wegen einer Schwangerschaft. Das alles ignoriere ich natürlich nicht. Ich höre zu, versuche, Lösungen zu finden. Ich kenne die Eltern, selbstverständlich sind mir Gespräche mit ihnen wichtig. Aber auch noch zu ihnen nach Hause gehen? Auf keinen Fall. Das finde ich auch problematisch, weil es Familien gibt, die uns ihre Lebenssituation nicht zeigen wollen. Wie es bei ihnen zu Hause aussieht, geht uns einfach nichts an. 

Ich bin seit mehr als zehn Jahren Lehrerin – und ich liebe diesen Job. Doch er frustriert mich auch immer wieder. Dabei sind die Bedingungen an meiner Schule sehr gut. Bei uns können Jugendliche und junge Erwachsene sämtliche Schulabschlüsse machen. Außerdem absolvieren Azubis hier einen Teil ihrer Ausbildung. Die Klassen sind klein, meistens so um die 20 Schülerinnen und Schüler. Unser Landkreis, der Träger der Schule, ist spendabel. Und über den Förderverein bekommen wir viel Geld von Unternehmen, deren Auszubildende bei uns lernen. Wir haben moderne Produktionsstätten, an denen Berufsschüler Erfahrungen sammeln. Es gibt überall schnelles Internet.  

Es könnte also schön sein, aber so einfach ist es nicht. Ich unterrichte vor allem Jugendliche mit niedrigem Bildungsniveau, und die kommen mit einer krassen Konsumhaltung in den Unterricht. Er soll am liebsten wie ein Kinoabend sein, immer etwas Besonderes. Wenn ich nichts Außergewöhnliches biete, kommen einige nicht. In den vergangenen Jahren sind es immer mehr geworden, die regelmäßig nicht erscheinen. Nur als die Landeszentrale für Politische Bildung mit einem Escape-Room zu Gast war, da waren dann wirklich mal alle da. 

Manche Schüler haben den Wissensstand von Siebtklässlern, sind Schwänzer, ihr persönliches Umfeld ist schwierig. Außenstehende, auch Bildungspolitiker, denken, dass diese Kids in einem Jahr mit Hauptschulabschluss und Ausbildungsplatz unsere Schule verlassen können. Das klappt aber oft nicht, und das frustriert Kolleginnen und Kollegen. Mich inzwischen nicht mehr so, weil ich weiß, wie unrealistisch diese Erwartungen sind.

Schleicher kritisiert auch, dass Pädagogen meistens Einzelkämpfer sind. Ich kann nur von meinem Kollegium sprechen, und da hat er leider recht: Wir sind Eigenbrötler, unter uns gibt es nur wenige Teamplayer. Ich kann gar nicht genau sagen, woran das eigentlich liegt. Es hängt natürlich von den Leuten ab, von der jeweiligen Person. Aber wer einmal drin ist, ist drin. Das Schulsystem ändert sich, die Schüler verändern sich, doch niemand kontrolliert, ob sich die Lehrenden auf diese Veränderungen einlassen. [...] Aber in Teams entstehen mehr Innovationen, glaubt der OECD-Bildungsdirektor. Grundsätzlich gebe ich ihm da recht. Als Teil eines Schulversuchs haben wir auch mal ausprobiert, dass zwei oder drei Lehrer gemeinsam eine Klasse unterrichten. So kann man kleinere Gruppen bilden und besser auf die einzelnen Schülerinnen und Schüler eingehen. Das klingt toll. Aber dafür brauchst du natürlich doppelt so viele Lehrkräfte. Es kostet Zeit, gemeinsame Unterrichtskonzepte zu entwickeln, aber die fehlt uns im Alltag.  [...]

Ich kann mich noch gut an eine Abirede von vor fast zehn Jahren erinnern. Der Schüler, der für die Jahrgangsstufe sprach, sagte: "Für eine 1 muss man auswendig lernen. Wenn man selbst Ideen hat, ist die 1 weg. Was macht man also? Natürlich auswendig lernen." So gilt es bis heute. Wie sollen wir Lehrkräfte bei den vorgegebenen Prüfungen das eigenständige Lernen fördern?  

Dazu passt der nächste Vorwurf des Pisa-Chefs: dass viele Lehrerinnen und Lehrer Befehlsempfänger seien. Würde ich mich so definieren? Dienst nach Vorschrift? Das klingt so hart. Ich bin Landesbeamtin und damit habe ich mich verpflichtet, bestimmte Dinge umzusetzen. Ganz ehrlich: Manchmal ist es auch der bequemere Weg. Ich habe mir jahrelang riesige Mühe gegeben, ich melde mich freiwillig für "Problemklassen". Manchmal fehlt mir dafür die Wertschätzung, auch von Kolleginnen und Kollegen. 

*Die Namen der Gesprächspartnerinnen und -partner sind zum Schutz vor beruflichen Nachteilen geändert, die richtigen Namen sind der Redaktion bekannt."

* Während meiner Dienstzeit habe ich allerlei Herausforderungen angenommen und bin seit 2004 auch in der Wikipedia (in mehreren Sprachsektionen sowie darauf auch in Wikiversity,  Wikibooks  und Wikisource u.ä.), seit 2005 in der ZUM, seit 2006 in diesem und einer Reihe weiterer Blogs, und seit 2011 bei verschiedenen weiteren Formen des Internetlernens und außerdem in verschiedenen Formen ehrenamtlicher Arbeit bereits während meiner Dienstzeit, doch besonders im Ruhestand engagiert. Am Engagement scheint es mir also - zumindest auf den ersten Blick - nicht unbedingt zu fehlen.

* Lernen durch Lehren ist sehr geeignet, die Lernmotivation der Lernenden zu fördern, ist aber, gerade weil die Lehrkraft die Schüler*innen nicht unterrichtet, sondern sie dafür trainiert, ihre Mitlernenden zu lehren, nach Aussage des Begründers der Methode Jean-Pol Martin  für die Lehrkraft, zumal in der Übergangsphase, besonders fordernd. Die großen Vorteile, die in der Wirtschaft entstehen, wenn erfahrene Manager*innen von Berufsanfänger*innen gecoacht werden, sind naheliegenderweise nicht auf die frühen Jahrgänge des Unterrichtswesens übertragbar. Die besonderen Probleme mit Inklusion (ich bin selbst hörgeschädigt) bedürften einer besonderen Behandlung.

Beispielkommentare:

"Ich gehe davon aus, dass die Kultusministerien wissentlich die Erkenntnisse und Regeln des Arbeitsschutzes missachten und es an Schulen keine ehrlichen Gefährdungsbeurteilungen der Arbeitsplätze gibt.

Ich habe in der Industrie gearbeitet, in der die Arbeitgeber in vielen Fällen begegriffen haben, dass die Arbeitsbelastung erfasst werden muss, um Fehlbelastungen zu mindern. Mitarbeiter werden für Belastungen bezahlt, nicht für Fehlbelastungen. Und weil Fehlbelastungen der Mitarbeiter den Unternehmen schaden, wissen heute Arbeitgeber auch, wie Fehlbelastungen definiert sind, wie man Belastungen erfasst und darin Fehlbelastungen erkannt werden.

In vernünftig geführten Unternehmen sind darum auch die Arbeitgeber an ehrlichen Gefährdungsbeurteilungen der Arbeitsplätze (also auch der Arbeitsbedingungen) interessiert." (GoetzKluge)

"Ich habe jetzt extra noch einmal das Interview von Schleicher gegengelesen. Die hier vorgetragenen Statements geben ihm im Grunde Recht. Sie wehren alle seine Pauschalisierungen ab, um ihm dann in praktisch jedem Detail zuzustimmen.

Beide Artikel zusammen geben einen desaströsen Über- und Einblick in ein dysfunktionales System namens Schule, das dann auch noch der Kleinstaaterei zum Opfer gefallen ist." (Undduso)


"Zu meiner Zeit, 1979, Dorfgrundschule mit 35 Kindern in meiner Klasse, hatten gerade mal drei die Empfehlung fürs Gymnasium erreicht (davon zwei Mädchen - eine ist auch Lehrerin geworden) .

Heute erreicht es fast die Hälfte der Grundschüler das höchste Niveau - und die Anforderungen an Schüler sind ja eher gestiegen.
Die heutigen Schüler sind also (im Schnitt) viel besser als wir damals." (Holger_Tim)

"Arbeitszeiterfassung, gut ausgestattete Büros für wirklich alle Lehrkräfte würde uns nicht nur im internationalen Vergleich gut anstehen sondern auch im Vergleich zu so gut wie jeder anderen Berufsgruppe. Würde auch die Zusammenarbeit im Kollegium stärken" (koalaozd)

6.12.23

euro|topics: Wo schwächelt Europas Bildung?

 Fontanefan:

Mit Hilfe von Tests die Bildungssysteme ganzer Länder punktgenau zu evaluieren und so eine gültige Skala zu entwickeln, nach der Standard von Bildungssystemen geeicht werden kann, wird gewiss nicht gelingen.

Aber das Gute an den PISA-Studien ist, dass sie Motivation schaffen und Beispiele dafür, wie sich Ziele erreichen lassen. Motivation und das Vertrauen in Selbstwirksamkeit sind gewiss die Voraussetzungen für erfolgreiches Lernen und für Problemlösung. 

Insofern sind die PISA-Studien gewiss wesentliche Hilfen für eine fortlaufende  Verbesserung auf dem Bildungssektor, für alle Länder. 

Früher habe ich die Studien kritischer gesehen. In diesem Bereich habe ich wohl etwas dazugelernt. 

Am Dienstag sind die Ergebnisse der ersten Pisa-Studie nach der Corona-Pandemie veröffentlicht worden. Getestet wurden rund 690.000 Lernende im Alter von 15 oder 16 Jahren aus 81 Staaten. Gegenüber früheren Erhebungen haben die Leistungen in den meisten Ländern abgenommen. Die obersten Plätze belegen fast durchweg ostasiatische Staaten. Europas Presse fordert Nachsitzen für die Verantwortlichen in Sachen Bildungspolitik.

PRIMORSKE NOVICE (SI)

Erwachsene schulden Schülern eine Reform

Die Pisa-Studie zeigt auch in Slowenien einen Wissensrückgang. Deswegen ist die Tatsache, dass das Land in Mathematik und Naturwissenschaften über dem OECD-Durchschnitt liegt, kein Anlass für Tatenlosigkeit, meint Primorske novice:

„Jede Verzögerung von Veränderungen wird den jungen Menschen am meisten schaden, die in den Arbeitsmarkt eintreten, eine Familie gründen und alles andere tun, was das Erwachsenenleben mit sich bringt. ... Und sie werden diesen Weg als Erwachsene betreten, die nicht wissen, wie man Kreditrisiken berechnet, ihr Handeln nicht auf den Schutz der Umwelt ausrichten oder vielleicht die Gebrauchsanweisung für Geräte nicht verstehen. Der Staat, das Bildungssystem, Lehrer und Erwachsene im Allgemeinen schulden ihnen Reformen.“

Jana Krebelj
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HANDELSBLATT (DE)

Gezielte Förderung, wo sie benötigt wird

Die gestiegene Zahl der Migranten ist keine Entschuldigung für die schlechten Ergebnisse in Deutschland, betont das Handelsblatt:

„Länder wie Italien, die Türkei und Portugal haben es geschafft, sich bei Pisa kontinuierlich zu verbessern, obwohl die Migration aus politischen und ökonomischen Gründen weltweit explodiert ist. Wir nicht. Die Ursachen sind fehlende Sprachförderung, fehlende gezielte Betreuung von Migranten, aber auch von schwachen deutschen Schülern, und fehlende Kita-Plätze. ... Unser System hat bereits 20 Prozent Schulversager 'produziert', die nicht richtig lesen, schreiben und rechnen können, als der Migrantenanteil noch bei einem Zehntel lag.“

Barbara Gillmann
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LE MONDE (FR)

Bitte an einem Strang ziehen

Über das Hü und Hott in der französischen Bildungspolitik ärgert sich Le Monde:

„Aufgrund der ständig wechselnden Reformen, müssen sich die Lehrer oft widersprüchlichen Anordnungen unterwerfen. ... Wem soll man folgen? Emmanuel Macron, der die Autonomie der Lehrkräfte und Bildungseinrichtungen betont? Oder seinem Bildungsminister, der eine nationale Norm für das Wiederholen von Klassenstufen und die Bildung von Klassengruppen festlegen will? Die Inkonsistenz ist so groß, dass es unmöglich ist, die Pisa-Ergebnisse mit einer bestimmten Politik in Verbindung zu bringen.“

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LE TEMPS (CH)

Note Ungenügend in Chancengleichheit

Das relativ gute Schweizer Gesamtergebnis darf nicht über das starke Leistungsgefälle hinwegtäuschen, analysiert Le Temps:

„Der Durchschnitt wird von einer großen Gruppe sehr guter Schüler nach oben gezogen. Doch die Pisa-Studie zeigt auch, dass ein Viertel der Schüler die Mindestanforderungen nicht erfüllt. Das ist sehr viel und die Kluft zwischen den Klassenbesten und dem Rest wird immer größer. Die Studie weist vor allem auch auf einen beunruhigenden Zusammenhang hin: Schüler aus privilegierten Verhältnissen erzielen die besten Ergebnisse, während die aus prekären Verhältnissen stammenden Schüler ihren Status als Leistungsschwache bestätigen. Die Schule ist da, um zu bilden und zu lernen. Jedoch auch, um allen Schülerinnen und Schülern die gleichen Chancen zu bieten.“

Aïna Skjellaug
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HVG (HU)

Kaum woanders ist die Kluft so tief wie in Ungarn

In einer Kategorie belegt das Land leider wieder einen der schlechtesten Plätze, bedauert hvg:

„Die Studie hat erneut das besorgniserregendste Problem des ungarischen Bildungssystems bestätigt, das seit vielen Jahrzehnten besteht: Es gelingt ihm nicht, die gesellschaftlichen Unterschiede zu verringern. Der Leistungsunterschied zwischen Kindern aus verschiedenen Familien ist enorm. Kinder aus den am meisten benachteiligten Verhältnissen haben bei dem jüngsten Pisa-Test 121 Punkte weniger erreicht als Kinder aus den besten Verhältnissen, was im internationalen Vergleich sehr schlecht ist. Der OECD-Durchschnitt lag bei 93 Punkten.“

István Balla
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POLITIKEN (DK)

Mehr analoger Unterricht

Auch die dänischen Schülerinnen und Schüler haben bei der Pisa-Studie schlecht abgeschnitten. Politiken setzt auf weniger Bildschirm-Zeit:

„Die Corona-Krise liegt hinter uns und Schulschließungen werden bei einer neuen Pandemie hoffentlich vorsichtiger gehandhabt. Allerdings sind Bildschirme nach wie vor ein fester Bestandteil des Alltagslebens. Es muss nachdenklich stimmen, dass dänische Schulkinder einen Rekord bei der Bildschirmnutzung haben. ... 3,8 Stunden sitzen dänische Schulkinder in der Schule vor einem Bildschirm; fast doppelt so viel wie der Durchschnitt in anderen Ländern. ... Die deprimierende Nachricht über die sinkenden Bildungsergebnisse zeigt deutlich, in welche Richtung es gehen sollte: weniger Bildschirm, mehr Schule.“

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PRAVDA (SK)

Slowakei taugt bald nicht mal mehr als Werkbank

Die Ergebnisse im eigenen Land entsetzen Pravda:

„Mehr als 30 Jahre nach der Revolution können wir uns nicht mehr mit dem postkommunistischen Erbe herausreden. Polen oder insbesondere Estland zeigen, dass auch Länder im Wandel Kindern eine qualitativ hochwertige Bildung bieten können. Die Ergebnisse könnten diesmal auf Covid zurückzuführen sein. Aber wie lässt sich dann erklären, dass die umliegenden V4-Länder und Österreich überdurchschnittliche Ergebnisse erzielten? Wir machen einfach etwas falsch, und wenn wir es nicht rechtzeitig merken, werden wir mit der Zeit nicht einmal eine 'verlängerte Werkbank' sein, weil es uns an qualifizierten Arbeitskräften mangelt.“

Marián Repa
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