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30.4.17

Wie ich Gefallen an einem Krimi der Tatortserie fand

Dass immer das Böse im Menschen thematisiert wird und verwendet wird, um psychologische Studien, der Schilderung von originellen Charakteren und attraktiven Orten durch Sensationelles aufzuwerten, spannender zu machen, gefällt mir nicht.
Rätselhaftes, Geheimnisvolles, Aufregendes gibt es doch auch, ohne dass immer einer Person das Kainsmal des Mordes aufgedrückt werden muss.
Doch nun sah ich einen Tatortkrimi, der sich von diesem Aufgeputschten, Aufgepufften distanzierte.
Immer wo Gesten, Mimik und Schnitte besonders bedeutungsgeladen daher kamen, wurden sie von einem Erzähler ironisiert, der durch Doppelung des Bedeutungselements ein entfremdendes Element beisteuerte. In kurzen, knappen, nur das Äußerliche schildernden Kommentaren wurde eine zweite Ebene geschaffen. Leicht irritierend war schon, wenn das, was gezeigt wurde, noch einmal mit Worten beschrieben wurde. Besonders wirkungsvoll aber war die Verfremdung dann, wenn - wie in einer Regieanweisung - zuerst Mimik und Gestik beschrieben wurden, bevor der Schauspieler sie nachspielte und das so rasch, dass verblüffte, wie perfekt er in Sekundenschnelle genau den Ausdruck annehmen konnte, der angekündigt worden war.
Dadurch wurden auch alle Effekthascherei durch übertriebenen Ausdruck, durch handlungstrennende Schnitte und durch unwahrscheinliche Handlungskonstruktion als künstlich und aufgesetzt entlarvt. - Dies Stilmittel machte zu Kunst, was gewollt, aber nicht erreicht hätte scheinen können.
Endlich ein Tatort, den ich mir ansehen konnte, ohne mich zu ärgern!

Als ich am nächsten Tag nach den Nachrichten wieder in einen Krimi geriet, fand ich zu einem Erstaunen dasselbe Stilmittel wieder vor. Und haargenau in der gleichen Weise eingesetzt.
Ein Stilmittel, das ich zuvor noch nie in einem Krimi wahrgenommen hatte, an zwei aufeinander folgenden Tagen? Das konnte doch nicht mit rechten Dingen zugehen.

Da hatte ich plötzlich das Gefühl eines Déja-vu-Erlebnisses. Ich hatte etwas Ähnliches doch vor vielen Jahren schon einmal gesehen: Das war in einem Spielfilm für Blinde.  

17.1.11

Mehr Fernsehzeit trotz Internet

Es wird mehr ferngesehen als in früheren Jahren, obwohl mehr und mehr Zeit im Internet verbracht wird, berichtete John Plunkett im Guardian vom 19.8.2010.
Die Begründung ist:
1. Die Bevölkerung wird älter, und ältere Leute tendieren dazu mehr fernzusehen. Über 65-Jährige sehen durchschnittlich über 5 Stuunden am Tag TV.
2. Fernsehen und Nutzung sozialer Netzwerke im Internet schließen sich nicht aus.

Meine Twittererfahrung bestätigt mir das. Es ist erstaunlich, wie oft man in Twitter zu lesen bekommt, dass ein Programm schlecht sei. Gewöhnlich heißt das nicht, dass man nicht von derselben Person über den Fortgang der Sendung informiert würde.

23.10.08

Deutschland sucht ...

Castingshows als Mittel für "Fernsehgrößen" sich vor kleinen Mädchen, die sich statt Bugee-Jumping den Casting-Kick geben, als etwas darzustellen. Mit der Technik von Enttäuschung, halber Hoffnung, harter Forderung, dann endlicher Gewährung gelang es heute einer Crew ein Mädchen mehrfach unter Tränen zu setzen und ihr dann die Formulierung zu entlocken "Jetzt weiß ich, dass es eine höhere Macht gibt". Wenn es nicht zu sehr an - zugegeben die harmloseren - Stasi-Foltermethoden erinnerte, würde ich es "selbstgefällig und borniert" nennen. Es ist aber schlimmer. Und der Staat lässt zu, dass ein solches Fernsehen als Sozialisationsmedium mit Elternhaus und Schule in Konkurrenz tritt. Um ehrlich zu sein: Ich saß am Computer und habe mir von der Show nur berichten lassen. Leider klang der Bericht sehr glaubwürdig.

15.10.08

Fernsehschelte von Marcel Reich-Ranicki

Anlässlich seiner Fernsehkritik hat man Marcel Reich-Ranicki "borniert und selbstgefällig" genannt. In der Tat, in der Selbstgefälligkeit kann ihn kaum eine(r) übertreffen. Aber von borniert kann bei ihm keine Rede sein.
Dabei ist "borniert und selbstgefällig" eine hervorragend knappe Charakterisierung der Fernsehberühmtheiten.
Dass es im Fernsehen auch andere Sendungen gibt, die weitab von Borniertheit sind - man denke an den ebenfalls höchst selbstgefälligen Peter Sloterdijk - rettet nicht die Fernsehberühmtheiten, die sich gegenseitig hochjubeln.
Ich möchte diese Berühmtheiten mal mit Orhan Pamuk vergleichen. Dieser hat schon als 20jähriger sich ernsthaft bemüht, sich ganz umfassend mit Geschichte und Kultur seines Landes vertraut zu machen, und wurde, als er ein Meisterwerk vorlegte, darauf aufmerksam gemacht, dass man einen Türken nicht recht wahrnehmen könne, unabhängig von dem, was er leistet. Bei den heutigen Fernsehgrößen gilt das Umgekehrte: Sie werden wahrgenommen unabhängig von dem, was sie leisten. Oder meint wirklich jemand, der Arundhati Roy kennt (ihr Name steht für Hunderte andere, von denen wir noch weit weniger hören), Dieter Bohlen verdiene auch nur ein Zehntel der Aufmerksamkeit, die wir ihren Aussagen zukommen lassen sollten? Und wann hört man noch von ihr?

Nachtrag von 2013: Ein Porträt MRRs von Ulrich Greiner