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5.8.26

Der große Unterschied zwischen KI zur Recherche und KI für Information

 Angesichts der Fülle des gegenwärtig vorhandenen Materials ist KI zur Recherche für den Laien unumgänglich, für den Fachmann als erster Schritt kaum zu übergehen.

Bei der Information ist KI gefährlich, eine Kontrolle zumindest durch die Wikipedia wichtig. 

Für den Fachmann (Wissenschaft) ist die Wikipedia als erster Schritt sinnvoll, aber ohne Überprüfung an Sekundärliteratur und/oder Quellen unzulässig.

Für den Wikipedianer ist KI zur Recherche zugelassen, für die Formulierung der Information verboten. 

Wird das ausreichen, um zu verhindern, dass KIs sich wegen der Häufigkeit ihrer Texte letztlich nur immer wieder sich selbst bestätigen, so dass solide Information kaum noch durchdringt?

24.9.19

Wie viele Informationen darf man Schülern vorenthalten? - Klimaschutz und politische Realität

Greta Thunberg hat 2018 mit 15 Jahren begonnen, vor dem schwedischen Reichstag für den Klimaschutz zu demonstrieren.
Freiwillig? Wurde sie von ihren Eltern dazu abgerichtet? Was ging ihrer Entscheidung voraus?

Die folgenden Seitenzahlen beziehen sich auf Greta Thunberg, Svante Thunberg, Malena Ernman, Beate Ernman: Szenen aus dem Herzen. Unser Leben für das Klima, 2019:

Als Gretas jüngere Schwester Beata in eine große Krise kam und sie ihre Mutter beschimpfte "Ich hasse dich Mama. Du bist die schlechteste Mutter auf der ganzen Welt, du verdammte Bitch" und sie ihre Bücher und DVDs vor Wut die Treppe herunterwarf (S.60), beschloss ihr Vater, mit ihr nach Italien in Urlaub zu fahren.
" 'Fliegen ist das absolut Schlimmste, was man machen kann', erklärt [Greta]. Aber sie sagt, dass sie fahren sollen, wenn es ihrer kleinen Schwester hilft." (S.62)
Nach der Rückkehr von Vater und Schwester sagt sie den beiden: " 'Ihr habt gerade einen CO2-Ausstoß in Höhe von 2,7 Tonnen verursacht [...] Das entspricht der Jahresemission von fünf Einwohnern des Senegal.' " (S.64)

Greta litt lange, bevor sie mit ihrer Demonstration von dem Reichstag einen Ausweg für sich fand, darunter, dass sie erleben musste, dass ihre Eltern und ihre Schwester sich nicht so verhielten, wie sie es doch hätten tun müssen angesichts des Zustandes der Welt.
Diese inneren Widersprüche, die zu unserem Leben gehören, sind für Menschen mit Asperger-Syndrom nur sehr schwer zu ertragen.
Sie wusste ja, dass ihre Eltern über den Zustand der Welt informiert waren. Ursprünglich hatte sie es ja von ihnen erklärt bekommen, bevor sie sich wie besessen immer genauer informierte.
" 'Ihr Promis seid für die Umwelt ungefähr das, was der Rechtspopulist Jimmie Akesson für die multikulturelle Gesellschaft ist' sagt Greta" (S.83)

In diesen Widerstreit haben ihre Eltern sie geführt, dabei würde sie sie doch so gerne lieben, wie sie sind.

Als Lehrer habe ich Anfang der 70er Jahre meinen Schülern erzählt, dass nicht die Überbevölkerung in Asien und Afrika das Problem ist, sondern die Tatsache, dass wir bei unserem Lebensstil darauf angewiesen sind, dass zwischen uns und ihnen kein fairer Handel besteht, dass, wenn alle Menschen auf der Welt lebten wie wir, die Ressourcen nicht ausreichten.
Ja, das war damals schon deutlich, obwohl der Konsumrausch erst in der 80er Jahren begonnen hat. 1972 war mit der Publikation von "Grenzen des Wachstums" schon zu erkennen, was sich in den Jahrzehnten danach immer eindrücklicher herausgestellt hat.

Wir in Europa und Nordamerika seien das Hauptproblem.
Als ich dann mein erstes Kind bekam, erzählte mir die Mutter einer Schülerin von mir, ihre Tochter sei enttäuscht von mir. Das sei doch sehr inkonsequent.

Ja, es war inkonsequent und es ist gut, dass Kinder solche Inkonsequenzen bemerken und Kinder in der Pubertät sowieso.
Freilich, es ist in dem Alter noch schwer nachzuvollziehen, dass zwei sich widersprechende Aussagen beide richtig sein können, weil die Wirklichkeit so komplex ist, dass zwei sich widersprechende Aussagen gleichzeitig eine korrekte Beschreibung sein können. Das geläufigste Beispiel ist vermutlich das Wellen- und Quantencharakter des Lichtes, das noch absurder wirkende Schödingers Katze.
Aber diese Inkonsequenzen darf man nicht verleugnen. Nur Querköpfe können Gretas Inkonsequenz verdammen, wenn sie es hinnimmt, dass die, die sie klimaneutral transportieren, unabhängig von dieser einen Fahrt mitnichten klimaneutral leben, zumal die Erstellung des Segelboots schon zu Unmengen von CO2-Ausstoß verursacht hat.

Ich habe nicht bemerkt, dass unsere Kinder unter den Inkonsequenzen differenzierter Sicht auf die Wirklichkeit sehr gelitten hätten. Als sie noch klein waren, haben wir ihnen nicht alles so deutlich erklärt. Da hat mein Sohn noch geweint, als er ein Bild von einem Fuchs sah, der von Gänsen verfolgt wurde. "Der arme Fuchs!" - Beruhigen ließ er sich aber mit dem Hinweis: Das hat der Zeichner nicht gewusst, dass dich das so aufregen würde.
Und später haben sie sich damit zufrieden gegeben, dass wir uns bemüht haben, für gerechten Handel einzutreten, auch wenn das bis heute nicht erfolgreich war.
Heimlich hat meine Tochter aber schon mit 9 Jahren Kogons "SS-Staat" gelesen. Unruhige Nächte bereiteten ihr erst die Horror-Romane von Stephen King.

Wie viele Inkonsequenzen können Kinder ertragen und wie viele dürfen wir uns heute noch leisten?
Weniger, als uns lieb wäre. Sie zu belügen, hilft aber auch nicht. Doch man darf ihnen Zeit lassen, die Inkonsequenzen selbst herauszufinden, und sollte sich Mühe geben, dass man sich dann nicht vor ihnen schämen muss.
"Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Zukunft klaut!", rufen die Schüler, und ich bin dankbar.
"How dare you!" "Was erlauben Sie sich!", sagt Greta zu recht. Und ich bin ihr dafür sogar Dank schuldig.

Die Bundesregierung legt ein völlig unzureichendes Klimapaket vor, und ich bin froh, dass es nicht noch schlechter aussieht. Das mag inkonsequent sein. Unzulässig wäre meiner Meinung nach nur, wenn ich es als vorbildlich verteidigte oder so täte, als wäre ich sicher, dass ein wesentlich besseres in der gegenwärtigen Situation durchsetzbar wäre. Dafür sind vorher von zu vielen Akteuren zu viele Fehler begangen worden, und Fehler sind zwar gegen die Norm, aber der Normalfall.


Eine Vorform dieses Artikels steht in Fontanes Schnipsel.

16.3.18

Nicht nur ein "Gespräch über Bäume" ...

Nicht nur ein "Gespräch über Bäume", sondern auch der Bericht über hundert Anlässe, sich zu engagieren, schließt ein "Schweigen über so viele Untaten" (Brecht: An die Nachgeborenen) ein.

Ich schweige auf meinen drei Blogs, auf denen ich mich hauptsächlich zu politischen Vorgängen äußere, über unglaublich viel. Freilich, dieses Schweigen wird noch weniger wahrgenommen als mein Schreiben. (Das sollte mich beruhigen.)

Geschwiegen habe ich z.B. darüber, wie sehr das britische Ultimatum an Russland dem österreich-ungarischen an Serbien von 1914 gleicht und das Verhalten der Vertreter der EU und der NATO dem des Deutschen Reiches in der Julikrise. Denn schließlich gibt es ja auch Unterschiede, und empören müsste man sich über beinah jeden Tweet von Trump. Und wenigstens das leistet die Presse im Überfluss. Denn wenn es wirklich ernst wird, nimmt es dann keiner mehr wahr. (Auch das gehört zu Trumps Stil.)

Dennoch, es gibt so vieles, was man wirklich aufgreifen müsste und was ich nicht aufgreife.
Da freue ich mich über die vielfältige Information durch die BpB (Bundeszentrale für politische Bildung), die nicht nur erfreulich umfassend und Hintergründe erfassend, sondern auch multiperspektivisch (vgl. z.B. euro|topics) informiert. Von regierungsamtlichen Institutionen geschieht das nicht allzu oft.

7.3.15

Besteht die Gefahr eines Meinungsmonopols?

Albig: Ungefilterte Meinungsbildung im Google-Zeitalter bewahren, heise.de 4.3.15

 Albig träumt vom öffentlich-rechtlichen Internet, Internet-Law 7.3.15

Torsten Albigs absurder Vorschlag gegen die Pressefreiheit, shz.de 5.3.15

Albigs Gastbeitrag in der ZEIT Nr. 10 vom 05.03.2015, S. 29
Kurzfassung seines Beitrags bei ZEIT online 4.3.15

Mein erster Kommentar: 
Alle Informationen, die wir aufnehmen, sind gefiltert. Ungefilterte Informationen bekommen zu wollen, ist kindisch.
Das Problem ist aber, dass Google sehr nah daran ist, Monopolist zu werden.
Mehrere etwa gleich gute Suchmaschinen als Alternativen sicherzustellen, wäre sehr schwer. Wenn es die aber nicht gibt, sind wir bald vollständig von Googles Entscheidungen abhängig.


Albigs Lösungsvorschlag überzeugt mich nicht; aber Albig zeigt ein reales Problem auf.
Die Kritiker Albigs liefern meines Erachtens keine besseren Lösungsvorschläge. 

Übrigens: Sobald die Wikipedia Monopolist würde, stünden wir vor einem ähnlichen Problem. Das sage ich, obwohl ich stolz bin, einige Jahre aktiver Wikipedianer gewesen zu sein und dort weiterhin nach Kräften mitarbeite.