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5.5.25

Gastarbeiter in der DDR

 In der DDR  wurden sie Vertragsarbeiter genannt und hatten eine etwas andere Rolle.

Auch um die vier Millionen Flüchtlinge, die in den Westen geflohen waren, zu kompensieren, schloss man Anwerbeabkommen  ab: 1965 mit Polen, 1967 Ungarn, 1979 Mosambik  und 1980 Vietnam.

Als so genannte Bruderhilfe kamen auch wenige Arbeiter aus Angola, China, Kuba, Nicaragua, Jemen und Nordkorea.

In den rund 40 Jahren DDR waren somit knapp vier Millionen Vertragsarbeiter dort.

4.3.25

DDR Spielzeug

 Puppenstuben, -häuser, -möbel

Puppen, Puppenzubehör

Kartenspiele und Ähnliches

mehr zur DDR im virtuellen DDR-Museum

Schullektüren in der DDR

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Schullekt%C3%BCren_in_der_DDR

https://virtuelles-ddrmuseum.de/seiten/schulliteraturddr.htm

https://www.buechereule.de/wbb/thread/12668-schulliteratur-wie-erinnert-ihr-euch-an-buecher-die-ihr-lesen-musstet/?pageNo=16

Bemerkenswert, dass Shakespeares Romeo und Julia offenbar unter der deutschen Literatur aufgeführt wurde. 

https://www.gutefrage.net/frage/wie-war-das-ddr-schulsystem

Es wurden einige wichtige Werke der klassischen deutschen Literatur gelesen (Goethe, Schiller usw.). In den höheren Klassenstufen gab es dazu einige wenige Werke der historischen humanistischen Weltliteratur.

Deutsche Literatur

Fremdsprachige Literatur

Sozialistische Literatur

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Ein wesentlicher Bestandteil der Schullektüre waren Bücher von Autoren aus der DDR und aus der Sowjetunion. Dieses waren in den unteren Klassenstufen Kinderbücher, einige ohne offensichtliche politische Ausrichtung (Benno Pludra), andere als spannende Geschichten mit einem sozialistischen Hintergrund. In den höheren Klassenstufen waren die Inhalte dann oft ideologischer (Maxim Gorki, Dieter Noll).

DDR-Literatur

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Sowjetische Literatur

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Weitere Werke

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Einige weitere Werke Bücher wurden nicht in allen Schulen gelesen oder nur in bestimmten Jahren. In den obersten Klassenstufen in der Erweiterten Oberschule (EOS) waren einige Werke aus der Weltliteratur fakultativ, meist nach Entscheidung der jeweiligen Deutschlehrer. (Auswahl)

13.2.25

Honeckers Hofdichter aus Köln?


 

André Müller sen.:
Shakespeare ohne Geheimnis, Leipzig: Philipp Reclam jun. 1980, mit einem Vorwort von Peter Hacks

Oder: Der realsozialistische Hamlet.

Wikipedia: "André Müller sen. gilt als Shakespeare-Spezialist. Mit einer unakademischen Herangehensweise interpretiert er Shakespeare-Stücke der elisabethanischen und der jakobäischen Zeit völlig neu.[2] Müllers Methode ist es, die seiner Meinung nach im Text verborgenen gesellschaftlichen Hintergründe verständlich zu machen. Damit legt er übersehene, unterbewertete, vergessene oder auch zugeschüttete Bedeutungsschichten frei, was zu verblüffenden Einsichten in die Welt Shakespeares, seiner Figuren, aber auch des künstlerischen Schaffensprozesses führt. Müller betont: „Die aufgezeigten Vorgänge und ihre Bedeutung können nur die Grundlage bilden, auf der die Poesie ihre eigentümliche Schönheit entfalten muss“. Sein hermeneutisches Shakespeare-Verständnis ist autorzentriert und geprägt durch den Einfluss der marxistischen Literaturwissenschaft sowie durch Brechts Shakespeare-Rezeption.

Peter Hacks schrieb hierzu: „Der Vorteil von André Müllers Methode liegt in ihrer Beweiskraft. Er spricht nicht: soundso interpretiere ich den Hamlet, er spricht: das und das steht drin. Sorgfalt, die Tugend der Dummköpfe, erweist sich bei diesem denkenden Mann als ein Hilfsmittel von unschätzbarem Wert. Es kommt an den Tag, dass Shakespeare selber Ideen hatte und deren der Ausleger vielleicht so sehr nicht bedarf.“ In der Shakespeareforschung bleiben Müllers Interpretationen umstritten, da er nicht die Originaltexte berücksichtigt, sondern sich in der Interpretation ausschließlich auf deutsche Übersetzungen stützt. Als problematisch wird die Fokussierung auf politisch-soziologische Aspekte in den Dramen empfunden.[3]"

Die vorliegende Ausgabe mit dem Preis von 2,50 MDN kann als historisch gelten, 

denn mit 381 Seiten war sie sicher preiswerter als ein dünnes westliches 

Reclamheft.

Behandelt sind Hamlet, Richard II., Der Kaufmann von Venedig, Maß für Maß, 

Was ihr wollt, Wie es euch gefällt, Ein Sommernachtstraum, Der Sturm.




























Peter Hacks "begründete in den 1960er Jahren die „sozialistische Klassik“ und gilt als einer der bedeutendsten Dramatiker der DDR. Dort war Hacks neben Heiner Müller, Ulrich Plenzdorf und Rudi Strahl ein Bühnenautor, dessen Stücke auch in der Bundesrepublik Deutschland gespielt wurden. Ein Gespräch im Hause Stein über den abwesenden Herrn von Goethe war sein größter Erfolg."

Die beiden Fotos sind durchaus als Werbung für die damals übliche Subvention von Bildungsgütern gedacht. Sie können aber auch entfernt werden, wenn irgendwelche Copyrightgründe ihrer Veröffentlichung entgegenstehen.
Dass Hacks Shakespeare zugesteht, dass er "selber Ideen hatte", erstaunt zunächst,
doch da Müller dem Leser anhand einer deutschen Übersetzung klarzumachen 
versucht, was Shakespeare selbst gemeint hat und was durch Interpretationen nur verdunkelt werde, scheint der Hinweis nicht überflüssig. 
Ich für mein Teil empfinde Müllers Interpretation besonders beim Sommernachtstraum sehr hilfreich, weil der bloße Text meine Einbildungskraft überfordert. 
Dass die Interpretation von einer heute weitgehend in Vergessenheit geratenen Geschichtsauffassung begleitet wird, macht die Lektüre noch anregender. 
Zu danken ist den Betreibern von Austauschbücherregalen, dass so nach der Vernichtung von Millionen Zeugnissen der DDR-Bemühungen um die Bewahrung "klassischen" Erbes wenigstens etwas auch den Normallesern zugänglich wird. 

12.2.12

Christian Meier: Erinnern - Verdrängen - Vergessen

In seiner Schrift "Das Gebot zu vergessen und die Unabweisbarkeit der Erinnerung. Vom öffentlichen Umgang mit schlimmer Vergangenheit" zeigt Christian Meier in dem Aufsatz "Erinnern - Verdrängen - Vergessen" auf, dass in der europäischen Geschichte über 2000 jahre lang am Ende von Auseinandersetzungen wie Bürgerkriegen und Kriegen immer wieder ein öffentliches Gebot zu vergessen stand. An zahlreichen Beispielen aus der antiken griechischen Geschichte, deutlich pauschaler dann auch der mittelalterlichen und neuzeitlichen europäischen Geschichte weist er nach, dass diese Haltung bis zum Ende des 19. Jahrhunderts durchgängig vorhanden war. Als Begründung dafür findet er folgende Thesen:

1. Wenn man in Frieden zusammenleben will und nicht alte zu immer neuen Streitigkeiten führen sollen, dann muss einmal ein Schlusspunkt gesetzt werden.
2. Um des Friedens willen verzichtet man auf das Bestrafen von Unrecht auch darum, weil man weiß, dass die Gruppe der Verlierer fast jede Bestrafung von Beteiligten ihrer Gruppe als ungerecht und als Siegerjustiz empfinden würde.
3. Wenn politische Einheiten sich nicht vernichten können und in Frieden zusammen leben wollen, müssen sie sich gegenseitig respektieren.
4. Unrecht, das man im Auftrag eines Staates begangen hat, lässt sich besonders schwer einsehen, wenn man von der Rechtmäßigkeit der staatlichen Ordnung ausgeht.
5. Staaten können Unrecht offenbar besonders schwer zugeben, weil sie um ihre zukünftige Autorität besorgt sind.
6. Nach Neuanfängen ohne gegenseitiges Aufrechnen ist nicht nur nach Kriegen Bedarf. (Meier, S.45-47)

Gegenüber dem bis dahin in der Geschichte immer wieder eingeforderten Gebot des Vergessens kommt es nach Meier in Deutschland nach 1945 zu "einer welthistorisch völlig neuen Situation" (S.49).

In Nachkriegsdeutschland ab 1945 folgte auf die Bestrafung der Hauptverantwortlichen durch die Alliierten und das Scheitern einer Art vollständiger Säuberung zunächst eine Phase des Totschweigens.

Meier fragt, ob in der Phase bis 1958 "die Wahrheit über die NS-Vergangenheit wirklich zumutbar war. Wäre die damalige bundesrepublikanische Gesellschaft dadurch nicht stark überfordert gewesen? Wobei man sich streiten kann, ob sie überfordert war, weil sie verstockt, oder verstockt, weil sie überfordert war." (S.68)

Der Umschlag kam, als ein Verantwortlicher für Massenexekutionen auf Wiedereinstellung klagte.
"Indem einer allzu unverschämt auf das Vergessen baute, führte er das Ende der Vorherrschaft des Vergessens herbei." (S.70)
Dies ist der - nach Meier - welthistorisch neue Vorgang eines Versuchs der Aufarbeitung des Geschehens (das seiner Meinung nach freilich zu Unrecht oft "Vergangenheitsbewältigung" genannt wurde).

"Das Erstaunlich an diesem langgestreckten Prozeß der Erinnerungsarbeit war, daß sie - entgegen den vor allem auf "konservativer Seite" gehegten Befürchtungen - spätestens seit den neunziger Jahren den Deutschen als Vorzug angerechnet wird." (S.76)

"Wo es sich um Genozid handelt, wird mit aller Macht gegen das Vergessen anzukämpfen sein. Auch deswegen, damit nicht jemand wie Hitler aus dem Beschweigen des Mords an den Armeniern den Schluß zieht, man könne alles machen, ohne dafür büßen zu müssen." (S.89)


Der zweite Aufsatz des Bandes "Mentalitätsprobleme der deutschen Vereinigung" hat mit dem ersten das Thema "Vom öffentlichen Umgang mit schlimmer Vergangenheit" gemeinsam. Im Wesentlichen handelt er freilich von den Zumutungen, die auf die Bevölkerung der neuen Bundesländer nach der von ihr gewollten Vereinigung zukamen: "Was [...] auf die DDR-Bürger [...] zukam, war ungeheuerlich." (S.143)
Nachdem sich die sozialen Probleme seit der Finanzkrise bundesweit verschärfen, dürften sich diese Erfahrungen allerdings etwas relativieren. Vielleicht spielt auch eine Rolle, dass jetzt von den Griechen ähnliche Anpassungsleistungen verlangt werden, einfach aufgrund der Tatsache, dass ihr System wirtschaftlich weniger leistungsfähig ist.
Eine von Meiers Überlegungen zum Umgang mit schlimmer Vergangenheit sollte freilich besonders hervorgehoben werden:
"Aufarbeitung schlimmer Vergangenheit ist nicht nur ein rechtliches und intellektuelles Problem. [...] Im Falle der DDR kam der große Nachteil dazu, daß sich die Arbeit an ihrer Vergangenheit unter den Augen der Westdeutschen vollziehen mußte." (S.155)

Dieser Blick hat sicher zu Verzerrungen beigetragen. Einerseits, weil mancher aufgrund von Trotzreaktionen die alte DDR allzu nostalgisch verklärt, andererseits aber wohl auch, weil manche gelungene Verbindung von Anpassung und Widerstand in der DDR vom Westen her nicht zureichend nachvollzogen werden konnte.

Zur Kritik an Meiers Ansatz
In den vorliegenden Besprechungen ist manches kritisiert worden.
Am Wichtigsten erscheint mir, dass natürlich das Nichtvergessen über Jahrtausende der Normalfall war und das Gebot des Vergessens nur eine politische Forderung in Ausnahmefällen.
Dennoch scheint mir Meiers Hinweis darauf, dass das Gebot des Vergessens sinnvoll neben der Notwendigkeit der Erinnerung an Völkermord stehen sollte, sehr wichtig. 

Hinweis:
Dieser Artikel ist auch auf ZUM-Buch veröffentlicht worden.

28.9.11

Wir werden bleiben wollen, wenn wir gehen dürfen

Stadtteilarbeit für die evangelische Kirche in Rostock, wie Joachim Gauck sie schildert, erinnert mich an die Stadtteilarbeit Obamas in Chikago. Wie sollte sie es auch nicht. Dennoch macht es einen Unterschied, ob man Berichte aus der Arbeit der evangelischen Kirche in der DDR aufnimmt in einer Zeit, wo die Unterdrückung noch völlig präsent war, oder heute, wo die Rolle, die die Kirche für die friedliche Umwälzung gespielt hat, ihr Bild bestimmt.
Wie weit war der Weg dorthin!

Als ich nach Evershagen zog, konnten sich die wenigen Christen nicht einmal im eigenen Stadtteil treffen. Es gab kein Gotteshaus noch irgendwelche Gemeinderäume, auch keinen Kirchgemeinderat und keine Mitarbeiter. In einer solchen Terra incognita die Arbeit aufzunehmen, erforderte Entschlossenheit, Offenheit und Durchhaltekraft. [...]
Wie andere junge Pastoren in Mecklenburg orientierte ich mich an Heinrich Rathke, der später unser Landesbischof werden sollte. Heinrich Rathke hatte bereits Anfang der sechziger Jahre als Pfarrer in einem Mecklenburger Neubaugebiet Erfahrungen gesammelt — in der Südstadt, der ersten Rostocker Großwohn­siedlung im Plattenbaustil mit über 20000 Bewohnern. An alles war damals gedacht worden — Krankenhaus, Kino, Post, Theater und so fort -, nur nicht an eine Kirche. Als erstes galt es also, die evangelischen Christen ausfindig zu machen. Rathke ging von Haus zu Haus, von Stockwerk zu Stockwerk, klingelte wahllos, meist abends. Zu Gottesdiensten konnte er aber nur in eine der weit entfernten Stadtkirchen einladen. Als alle Anträge bei der Stadt Rostock zum Bau einer eigenen Kirche fehlschlugen, stellte Rathke kurz entschlossen einen Zirkuswagen auf ein Privatge­lände am Rande des Neubauviertels. Ein schlichtes Holzkreuz an der Wand und ein schlichter Tisch als Altar verwandelten ihn in emen Andachtsraum. Am 12. Mai 1963 fand dort der erste Got­tesdienst mit 53 Gläubigen statt.

So berichtet Joachim Gauck in seinen Erinnerungen "Winter im Sommer - Frühling im Herbst" auf Seite 125.
vgl. dazu eine Leseprobe der Seiten 1-18

19.12.10

Nachtrag zur von Knabe vorgetragenen Wahrheit

Am meisten freuen dürften sich die über das Buch, die im Wahlkampf noch nach Munition gegen die Linke suchen, also vor allem die bürgerlichen Parteien. Knabe liefert dazu in seinem Nachschlagewerk jedes nur erdenkliche Argument gegen die Linke und dazu noch jede Menge Argumentationshilfen gegen die SPD.

Das Problem ist nicht, dass Knabe immer wieder an das Unrechtssystem DDR erinnert. Auch nicht, dass er die Fakten über das skandalöse Finanzgebaren der PDS als Rechtsnachfolgerin der SED zusammenträgt. Das Problem ist, dass er den Parteigängern der Linken auch 20 Jahre nach der Wende noch pauschal abspricht, sich möglicherweise demokratisiert zu haben.
(aus der Besprechung der Süddeutschen Zeitung vom 19.3.2009)

Das hat Thomas Denkler drastisch formuliert. Aber für die Seiten 242-249 trifft die Charakterisierung durchaus. Da propagiert Knabe Wertvorstellungen, die nur von Schwarz-Gelb und allenfalls rechts davon vertreten werden.
Er mag diese Vorstellungen gern haben, als Grund eine Partei, die anderes vertritt, für undemokratisch zu halten, gelten sie mir nicht.

5.12.10

Knabe über die Strategie der PDS

Hubertus Knabe stellt in seinem Buch "Die Wahrheit über die Linke" (S.195) fest:
Die Strategie, sich als Ostpartei zu profilieren, war für die PDS ein voller Erfolg. Dabei kam ihr zugute, dass sich die Öffentlichkeit immer wieder mit den Problemen des Einigungsprozesses beschäftigte, während Fragen der Außenpolitik oder der inneren Sicherheit damals eine eher untergeordnete Rolle spielten. Nur wenige Jahre nach dem Ende des SED-Regimes konnte die PDS im Osten Deutschlands jedenfalls erstaunliche Wahlerfolge einheimsen. Diese hingen eng damit zusammen, dass sich dort das DDR-Bild in den i99oer Jahren zunehmend positiv färbte. Während im Jahr der Wiedervereinigung knapp drei Viertel der Ostdeutschen die Verhältnisse in der DDR für unerträglich hielten, waren es 1994 nur noch 56 Prozent und 2001 sogar nur noch 44 Prozent. Demgegenüber stieg der Anteil derjenigen, die die Lebensverhältnisse in der DDR für erträglich hielten, im selben Zeitraum von 19 auf 42 Prozent.
Was Hubertus Knabe als geschickte Strategie der PDS hinstellt, ergab sich einigermaßen zwangsläufig aus der Situation, dass die PDS praktisch nur in den neuen Bundesländern Mitglieder hatte und dass sich im Laufe des Einigungsprozesses einige Härten für ihre Bewohner ergaben, u.a. ein niedrigeres Lohnniveau als im Weten, eine steigende Arbeitslosigkeit und der Schock eines neuen Rechtssystems.

Verharmloser und Verteidiger von Verbrechen der SED-Diktatur?

Hubertus Knabe sieht gefährliche Geschichtsverfälschungen und Organisationen zur Verdunklung von Verbrechen aus der SED-Diktatur bei dem Insiderkomitee zur Förderung der kritischen Aneignung der Geschichte des MfS, bei der Gesellschaft zur Rechtlichen und Humanitären Unterstützung (GRH), bei der ISOR und vielen anderen Organisationen, die er in seinen Büchern Die Täter sind unter uns und Die Wahrheit über die Linke anführt. (zu Die unterwanderte Republik und weiteren Rezensionen von Publikationen von Knabe)
Diese Versuche einer Geschichtspolitik zur Verhharmlosung der DDR-Geschichte lassen die Entwicklung eines Curriculums zur Geschichte der DDR besonders wichtig erscheinen. 

Als Notiz dazu hier ein Link zum DDR-Alltag und zum DDR-Lexikon.

24.11.10

Geschichte der DDR, der SED, der PDS und ihrer Nachfolgeparteien

Bisher besteht noch wenig Klarheit darüber, was an Schulen über die Geschichte der DDR unterrichtet werden sollte. Es ist klar, dass eine reine Faktengeschichte nicht viel bringen kann. Es kommt auf die Setzung von Schwerpunkten an. Später dazu mehr.
Einen Schwerpunkt hat sich Hubertus Knabe gesetzt: Behandlung von Unrecht, das in der DDR geschehen ist. In seinem neusten Buch "Die Wahrheit über die Linke" betrachtet er nun die Vorgeschichte und die Nachgeschichte der SED, der Staatspartei der DDR. (Rezension in berlinerliteraturkritik.de)
Wenn auch seine Darstellungsweise zu Recht umstritten ist und er sich zu so merkwürdigen Vorstellungen versteigt wie die, dass Gewerkschaftler nicht parteipolitisch aktiv sein sollten (S.377), so ist doch das, was er an Material zusammenträgt, für den Gegenstand Nachgeschichte der SED sehr interessant. So stellt er im einzelnen dar, wie die PDS versucht hat, Geldbestände (von am 1.10.1989 6,3 Milliarden Mark) und Sachwerte von 6-10 Milliaerden Mark für die Partei zu erhalten (S.158 ff), er geht auf die Einnahmen der SED aus dem Geschenkedienst Genex und auf die Putnik-Affäre ein und referiert Untersuchungsergebnisse der unabhängigen Kommission des Bundestages zur Untersuchung des Verbleibs des SED-Vermögens.
Die - undurchsichtige - Rolle Schalck-Golodkowskis und die "kommerzielle Koordinierung" kommt dabei m.E. freilich zu kurz.

25.10.10

Über den Stand der deutschen Einigung - B. v. Weizsäcker: Die Unvollendete

Beatrice von Weizsäcker hat in ihrem Buch über "Deutschland zwischen Einheit und Zweiheit" viel Wissenswertes zusammengetragen: Axel Schmidt-Gödelitz mit seinem Projekt der Ost-West-Biographien, zum Beispiel, der sich auch um deutsch-türkische Biographien kümmert. Jana Hensel mit ihrem Buch Zonenkinder von 2002, die Stiftung Demokratische Jugend mit ihren Projekten. Eine Vielzahl weiterer Projekte. Schließlich gestehe ich, dass mir ihr Bericht über Udo Lindenbergs Sonderzug nach Pankow nützliche Informationen brachte, die ich beim Anblick der Sondermarke noch nicht mitbrachte.

Viele ihrer Urteile sind mir auch sympathisch. Eine Abqualifizierung von SED-Mitgliedern allein aufgrund der Tatsache, dass sie dieser Partei angehörten, steht meiner Meinung nach gut angepassten Karrieremenschen im Westen gewiss nicht zu. Aber wieso sieht sie nur bei Bündnis 90/Die Grünen eine gelungene Vereinigung von "westlichen" und "östlichen" Politikern? Werden in der SPD Genossen aus den neuen Bundesländern etwa diskriminiert? Gibt es in der Partei Die Linke einen Gegensatz zwischen West und Ost oder nicht viel mehr einen zwischen orthodoxen Marxisten und radikalen Linken? Nur im Osten geht es nach v. Weizsäcker den Linken um soziale Gerechtigkeit, im Westen dagegen sieht sie nur diffusen Protest (S.232).
Wirklich befremdet bin ich freilich erst, wenn sie formuliert "Die Weste der Ost-SPD ist tatsächlich rein." (S.241) Willy Brandt soll eine unreine Weste haben, weil er mit SED-Politikern gesprochen hat? Vieles kann man ihm vorwerfen; aber das nicht, wenn man denn wirklich für eine deutsche Einigung ist.
Zu Recht erinnert sie an Uwe Holmer, der in der Tat christliche Gesinnung bewiesen hat. Aber ich zweifle sehr, ob sie "Vergebung und Versöhnung", die sie für die Honneckers anmahnt, auch für die richtige Haltung der Kirche hält, wenn sie hohen SS-Offizieren die Flucht nach Argentinien ermöglichte.
Sehr zu Recht erinnert sie an die großartige Einrichtung der Wahrheits- und Versöhnungkommissionen in Südafrika und die Initiative von Ralf Wüstenberg , die Ähnliches für Deutschland anstrebte. Aber sie hat als Konzept nur zu bieten "Irgendwo zwischen Lobetal und Südafrika muss man sich treffen" (S.265). Unbestimmter geht es kaum.
Zustimmen kann ich wieder ihren Sätzen: "Versöhnung braucht Wahrheit. Wahrheit ohne Chance auf Versöhnung führt zu nichts." (S.265)

Den angemessenen Raum gibt sie Matthias Platzeck (S.214 ff) und seinem energischen Versuch, 20 Jahre nach dem Zusammenbruch des SED-Regimes denen, die sich nach der sehr westdeutsch bestimmten Einigung (Übergehen des Artikels 146 des Grundgesetzes) gezwungenermaßen enttäuscht aus dem politischen Leben zurückgezogen hatten, Versöhnung anzubieten und zu ermöglichen (vgl. sein Aufsatz im Spiegel November 2009).
Ihre Kritik an Marianne Birthler, so sehr ich sie teile, scheint mir freilich entschieden zu harsch. Birthler Amtsmissbrauch vorzuwerfen, wäre übertrieben. Dass sie ihrer Aufgabe aufgrund ihrer persönlichen Einstellung nicht gerecht werden kann, scheint mir freilich deutlich.

Alles in allem hat Beatrice von Weizsäcker ein nützliches Buch geschrieben. Und ich könnte noch viel positiver darüber schreiben, gäbe es da nicht auch die Sätze "Darf es nur eine für alle gültige Geschichtsdeutung geben? Darf oder muss es nicht vielmehr verschiedene Auslegungen geben können. Ja, es darf und muss." und gleich darauf die ihnen völlig widersprechenden "Für die Zeit der Nazi-Diktatur ist die Frage der Geschichtsdeutung klar. Sie stellt sich erst gar nicht. Denn da gibt es nichts zu deuten." (S.266/67)

Sie ist keine Historikerin, deshalb bringt sie es fertig von dem "unsäglichen Historikerstreit" zu sprechen, "in dem es darum ging, Auschwitz zu relativieren" (S.25), als hätte nicht Jürgen Habermas den Streit mit genau der entgegengesetzten Absicht begonnen. Ich glaube ja an ihre guten Absichten. Aber hier hat das Lektorat versagt. (Vielleicht im Glauben, der Verfasser der Rede vom 8. Mai 1985 hätte das Manuskript schon gegengelesen.) Worum gingen denn die Diskussionen um die Thesen von Daniel Goldhagen und andererseits von Götz Aly wenn nicht um die Deutung dessen, was die NS-Diktatur möglich machte?

Nach dieser Unkenntnis über die Aufgabe von Geschichtswissenschaft wird man von Frau von Weizsäcker keine Antwort auf die Frage erwarten dürfen, welche Schwerpunkte man bei der unterrichtlichen Behandlung der DDR-Geschichte setzen sollte. Immerhin kann ich ihr zustimmen, wenn sie die pauschale Bezeichnung der DDR als Unrechtsstaat nicht als hilfreich ansieht. (Das SED-Regime als Unrechtsregime zu bezeichnen, wäre weniger missverständlich.) Dass sie aber die DDR-Geschichte nicht nur als die einer SED-Diktatur behandelt sehen will, hilft mir nicht weiter. Soll man die Erfüllung von Plansoll oder Hermann Kants Bücher loben oder den Volkaufstand vom 17. Juni, Robert Havemann und Wolf Biermann? Was es an Positivem gab in der Geschichte der DDR, etwa der politechnische Unterricht, war ja immer auch verbunden mit den hässlichen Seiten der SED-Diktatur. (Diese Aussage bedürfte freilich einer ausführlicheren Begründung als hier möglich.)
Die Unvollendete ist ein lesenswertes Buch. Das Wichtige ist, dass es Anstöße gibt, die einzelnen Schwächen sind demgegenüber unwichtig.

Nachtrag:
Bericht von einer Autorenlesung

13.8.10

DDR-Geschichte

Zum 17. Juni hatte ich mir Gedanken darüber gemacht, dass noch nicht genügend Überlegungen zur Didaktik der DDR-Geschichte vorliegen.
Jetzt gibt es in Brandenburg originelle Überlegungen, schon in Klasse 7 damit einzusteigen, weil man festgestellt hat, dass nur noch wenig Wissen darüber vorhanden ist. Die energische Kritik von Peter Haber teile ich nicht. Natürlich spricht viel für einen chronologischen Durchgang. Aber ich habe meinerseits Geschichtsunterricht zu Nationalsozialismus und 2. Weltkrieg in der 5. Klasse (oder war es doch erst die 6.?) erhalten, der freilich nicht dauerhaft mein Geschichtsbild bestimmt hat, aber doch geeignet war, das, was man aus Gesprächen und Medien entnahm, besser einzuordnen. In diesem Sinne halte ich es nicht für falsch, die DDR-Geschichte in der 7. Klasse aufzugreifen. Die schwierige Frage, was man dabei auswählen sollte, ist damit freilich noch nicht beantwortet.

Ich habe meinerseits in den 90er Jahren eine Auswahl von Ereignissen aus der deutschen Geschicht ab 1945 getroffen. Dass solch eine Zeittafel mit Erläuterungen (z.B. DDR, Kollektivierung der Landwirtschaft 1952, DDR-Flüchtlinge 1989) vorliegt, halte ich weiterhin für nützlich. Doch das Auswahlkriterium müsste eine Strukturierung ermöglichen. Daher weise ich nochmals auf meine Überlegungen vom 17.6.2010 hin:
Bemerkenswert finde ich deshalb die Auswahl, die Dietrich Garska in Das schweigende Klassenzimmer trifft. 1953 und 1956 als die Jahre der gescheiterten Aufstände in DDR und Ungarn. Dann erst wieder der Blick auf die Einigung. Sollte man mit dem Prager Frühling von 1968 als Parallele zur Studentenbewegung fortfahren, dann 1976 die Ausbürgerung Biermanns und die Proteste dagegen mit der Entstehung der Solidarność in Polen 1980 zusammen sehen als Vorbereitung der friedlichen Revolutionen von 1989?

Das hieße, die DDR-Geschichte vom Ende her als letztlich nicht erfolgreiche Dauerunterdrückung zu verstehen. Aber das dafür entscheidende Jahr des Mauerbaus von 1961 fehlte dann. Darf man es wagen, die DDR-Geschichte nur in DDR vor und nach dem Mauerbau zu gliedern?
Stichworte:
Zentralverwaltungswirtschaft, Fünfjahresplan, Ministerium für Staatssicherheit, Neues Ökonomisches System

17.6.10

17. Juni

Der Nationalfeiertag der alten Bundesrepublik erinnerte an den Aufstand in der DDR vom 17. 6. 1953. Es war ein Tag der Niederlage und auch ein Tag der Hoffnung. Zu diesem Tag gehörten die Bild von den Arbeitern, die mit Steinen auf Panzer warfen, und das Bild von Deutschland in der Grenzen von 1937 mit der Formel "Deutschland dreigeteilt niemals!" Die Bundesrepublik gehörte zum Westblock, die DDR zum Ostblock. Beide versuchten, Musterkind in ihrem Block zu sein.
Der Geschichtsunterricht der alten Bundesrepublik blieb nicht selten am Ende der Weimarer Republik stecken. Wer den Nationalsozialismus und die Nachkriegszeit bis 1950 behandelte, war stolz darauf, wie weit er gekommen war. Die DDR wurde als totalitärer Staat und Gegenbild zum freien Westen beschrieben, historisch interessant erschien allenfalls der Weg zum Einparteiensystem der SED und dem Aufbau der Volksarmee, danach eigentlich nichts mehr.

Der Nationalfeiertag der vereinigten Bundesrepublik Deutschland ist der 3. Oktober, der Tag der Wiedervereinigung von 1990. Die prägenden Bilder sind die der Feier am Brandenburger Tor und vom Fall der Mauer. "Wahnsinn!" das Stichwort.
Damals wurde klar, dass die gesamte Phase von 1945 bis 1989 Geschichte geworden war. Das wiedervereinigte Deutschland war wie die Europäische Einigung nicht mehr Vision, sondern Wirklichkeit, deren Vorgeschichte zu betrachten war.

Leicht fällt es im Westen Adenauerära, Studentenbewegung, Ostpolitik, RAF, den Wechsel von Schmidt zu Kohl und dann die Stufen zur Auflösung der Blöcke als wesentliche Stationen zu beschreiben. Doch welche Phasen der Geschichte der DDR sind so prägend, dass sie unbedingt behandelt werden müssten? Bisher kenne ich noch keine didaktisch überzeugende Konzeption für den Schulunterricht.

Bemerkenswert finde ich deshalb die Auswahl, die Dietrich Garska in Das schweigende Klassenzimmer trifft. 1953 und 1956 als die Jahre der gescheiterten Aufstände in DDR und Ungarn. Dann erst wieder der Blick auf die Einigung. Sollte man mit dem Prager Frühling von 1968 als Parallele zur Studentenbewegung fortfahren, dann 1976 die Ausbürgerung Biermanns und die Proteste dagegen mit der Entstehung der Solidarność in Polen 1980 zusammen sehen als Vorbereitung der friedlichen Revolutionen von 1989?

Das hieße, die DDR-Geschichte vom Ende her als letztlich nicht erfolgreiche Dauerunterdrückung zu verstehen. Aber das dafür entscheidende Jahr des Mauerbaus von 1961 fehlte dann. Darf man es wagen, die DDR-Geschichte nur in DDR vor und nach dem Mauerbau zu gliedern?

Nachtrag vom 13.8. (Mauerbau 1961):
In Brandenburg gibt es Überlegungen, mit der DDR-Geschichte schon in Klasse 7 zu beginnen.

10.11.07

Schülerkenntnisse über DDR und BRD

Wenn man erschreckt werden will, braucht man nur zu fragen. Honnecker als Bundeskanzler, Adenauer als SED-Chef. Andererseits brachte die Befragung von Schülern ind West und Ost relativ ähnliche Ergebnisse.