Hans-Jürgen Pandel: Theory of History Knowledge: Poor.
Geschichtstheoretische Kenntnisse: Mangelhaft.
"Viele geschichtsdidaktische Texte durchzieht ein modischer Jargon, der mit fundierter geschichtstheoretischer Begrifflichkeit gar nichts mehr zu tun hat. [...] Dekonstruieren – abgeleitet von dem Schachtelwort „Dekonstruktion“ (Destruktion plus Konstruktion) – wird als modisches Synonym für den methodisch nicht spezifizierten Allerweltsbegriff “untersuchen” gebraucht. Meist wird damit von den SchülerInnen eine Tätigkeit verlangt, von der niemand weiß, was er tun soll. Bedenklicher ist aber, dass mit dieser anti-hermeneutischen Floskel die Einführung der SchülerInnen in die Probleme der Hermeneutik und des hermeneutischen Verstehens versäumt wird. [...]"
Michael Sauer: VON DEN MÜHEN DER REGIONALISIERUNG
"[...] Alle neuen Curricula verstehen sich als kompetenzorientiert. Sie weisen Kompetenzmodelle mit einzelnen Kompetenzbereichen aus, wobei sie sich mal mehr, mal weniger auf geschichtsdidaktische Vorarbeiten beziehen. Ein zweiter Punkt sind die Operatoren. Ausgehend von den durch die KMK definierten EPA2 enthalten die meisten neueren Curricula auch für die Sekundarstufe I Listen von Operatoren, die den Lehrkräften zur Orientierung dienen sollen – und natürlich zugleich eine Vorgabe für die Verlage darstellen.3 Beides, Kompetenzorientierung und Operatorenvorgaben, ist prinzipiell eigentlich eine positive Entwicklung. Freilich fallen auch hier erhebliche Unterschiede zwischen den Ländern ins Auge. Sie führen dazu, dass Verlage Regionalisierungen jetzt nicht nur in Bezug auf Inhalte, sondern auch auf die Bezeichnung von Kompetenzen und die Verwendung von Operatoren vornehmen müssen. So finden wir beispielsweise im aktuellen Curriculumentwurf für das Gymnasium in Baden-Württemberg die Kompetenzbereiche Fragekompetenz, Methodenkompetenz, Orientierungskompetenz, Reflexionskompetenz und Sachkompetenz aufgeführt.4 Im niedersächsischen Entwurf gibt es zunächst eine übergeordnete narrative Kompetenz, darunter dann die Bereiche Sachkompetenz, Methodenkompetenz und Urteilskompetenz, ergänzt durch Fachwissen.5 In Rheinland-Pfalz sind vorgesehen Fachkompetenz, Methodenkompetenz, Kommunikationskompetenz und Urteilskompetenz.6 [...]"
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11.12.11
Offene Bildungsinhalte in Europa
In Norwegen bietet die Regierung Schulbuchautoren ein höheres Honorar, wenn sie nicht nur für einen Verlag, sondern mit offener Lizenz schreiben.
Ein Gedanke, der auch in Deutschland zu verfolgen wäre.
Freilich, die Kulturhoheit der Länder macht es nicht einfacher. Aber es geht darum, von Vorbildern zu lernen.
Nachtrag vom 14.12.: Daniels Artikel
vgl. auch: Urheberrecht in Wissenschaft und Bildung (Vortrag von Felix Schaumburg)
Ein Gedanke, der auch in Deutschland zu verfolgen wäre.
Freilich, die Kulturhoheit der Länder macht es nicht einfacher. Aber es geht darum, von Vorbildern zu lernen.
Nachtrag vom 14.12.: Daniels Artikel
vgl. auch: Urheberrecht in Wissenschaft und Bildung (Vortrag von Felix Schaumburg)
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19.1.10
Scheiß-Smartboards!
Einen Höllenlärm rief die Lehrerin in ihrer Abiturklasse herauf, als sie meinte, die Schüler könnten sich für das Lernen fürs Abitur noch einmal Bücher aus der 12. Klasse ausleihen.
Lange konnte sie in den wüsten Schimpfkanonaden nicht verstehen, worum es ging. Eine allseits beliebte Schülerin mit Ambitionen auf einen Schnitt von 1,0 konnte die allgemeine Empörung - die sie uneingeschränkt teilte - schließlich erläutern.
Da die Bücher nicht einmal für den Jahrgang 12 ausreichen, werden dieses Jahr keine Bücher für das Lernen für das Abitur herausgegeben. Einzige Chance, man findet einen Schüler des Jahrgangs 12, der bereit ist, das Buch zu teilen.
Die Kritik der AbiturientInnen auf einen Punkt gebracht: Geld für Smartboards haben sie, aber für Schulbücher haben sie kein Geld.
Eine Kollegin, die gern mit dem Smartboard arbeitet, erläutert: "Sie sind sehr gut einsetzbar. Ich verwende sie freilich nur zwei- bis dreimal in der Woche. Das Problem ist, dass sie nur für Frontalunterricht eingesetzt werden können."
Nachtrag vom 11.10.11:
Aus einem aktuellen Interview mit Lisa Rosa:
"Auf diesem Hintergrund ist es nicht verwunderlich, dass ausgerechnet das sündhaft teure digitale Whiteboard sich von allen Geräten als erstes die Unterrichtsräume erobert, noch bevor jeder Schüler sein eigenes Mobile mitbringen darf: Das interaktive Whitboard ist der alten Kreidetafel vom Lernsetting her am ähnlichsten: Der Lehrer bleibt vorne und im Zentrum, alle Schüler gucken nach vorne (anstatt dass sie sich individuell beschäftigen oder mit anderen Schülern kommunizieren). Man hofft, der Kelch des System Changes könne an einem vorbei gehen, wenn man nur das digitale Whiteboard einführt und damit den Unterricht formal modernisiert." (Lehrerbildung im digitalen Zeitalter, 8.10.11)
Lange konnte sie in den wüsten Schimpfkanonaden nicht verstehen, worum es ging. Eine allseits beliebte Schülerin mit Ambitionen auf einen Schnitt von 1,0 konnte die allgemeine Empörung - die sie uneingeschränkt teilte - schließlich erläutern.
Da die Bücher nicht einmal für den Jahrgang 12 ausreichen, werden dieses Jahr keine Bücher für das Lernen für das Abitur herausgegeben. Einzige Chance, man findet einen Schüler des Jahrgangs 12, der bereit ist, das Buch zu teilen.
Die Kritik der AbiturientInnen auf einen Punkt gebracht: Geld für Smartboards haben sie, aber für Schulbücher haben sie kein Geld.
Eine Kollegin, die gern mit dem Smartboard arbeitet, erläutert: "Sie sind sehr gut einsetzbar. Ich verwende sie freilich nur zwei- bis dreimal in der Woche. Das Problem ist, dass sie nur für Frontalunterricht eingesetzt werden können."
Nachtrag vom 11.10.11:
Aus einem aktuellen Interview mit Lisa Rosa:
"Auf diesem Hintergrund ist es nicht verwunderlich, dass ausgerechnet das sündhaft teure digitale Whiteboard sich von allen Geräten als erstes die Unterrichtsräume erobert, noch bevor jeder Schüler sein eigenes Mobile mitbringen darf: Das interaktive Whitboard ist der alten Kreidetafel vom Lernsetting her am ähnlichsten: Der Lehrer bleibt vorne und im Zentrum, alle Schüler gucken nach vorne (anstatt dass sie sich individuell beschäftigen oder mit anderen Schülern kommunizieren). Man hofft, der Kelch des System Changes könne an einem vorbei gehen, wenn man nur das digitale Whiteboard einführt und damit den Unterricht formal modernisiert." (Lehrerbildung im digitalen Zeitalter, 8.10.11)
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