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30.3.22

Motivation für Paralympics und anderes

 Woher kommt Ihr Ehrgeiz, Verena Bentele? – "Mein Handicap spornt mich an" 

"Die zwölffache Paralympics-Siegerin über ihr Aufwachsen bei furchtlosen Eltern, das Heimweh im Internat der Blindenschule – und Platzwunden. [...] 

Bentele: Diese Identitätsdebatten bergen die Gefahr, dass man als Mensch auf etwas festgelegt wird, aber mich kennzeichnet ja nicht allein, dass ich nicht sehen kann. Es gibt ebenso die Sportlerin Verena Bentele, die Politikerin und jetzt die Lobbyistin für die Rechte sozial Benachteiligter. 

ZEIT: Wann wurde Ihnen das erste Mal bewusst, dass Sie anders sind als andere Kinder? Ihr älterer Bruder Michael, mit dem wir zur Vorbereitung dieses Interviews sprachen und der die gleiche genetisch bedingte Sehbehinderung hat wie Sie, sagte uns, ihm wurde das erst in der Schule klar.

Bentele: Das war bei mir ähnlich. [...] 

ZEIT: 2009 hatten Sie während der Deutschen Meisterschaft einen schweren Unfall. Ihr Begleitläufer gab Ihnen eine falsche Richtung vor, und Sie sind einen Hang hinuntergestürzt, haben sich mehrere Brüche zugezogen und eine Niere verloren. Nach langer Pause und mit einem neuen Begleitläufer haben Sie weitergemacht, gegen Angst und Schmerz angekämpft und am Ende bei den Paralympics fünf Goldmedaillen geholt. Was haben Sie in dieser Krise gelernt?

Bentele: Dass ein negatives Erlebnis eben nicht das Ende bedeutet, sondern dass wir Menschen vieles, was wir gelernt haben, im Laufe unseres Lebens speichern und nicht auf einen Schlag verlieren.

ZEIT: Erinnern Sie sich an den Moment, als Sie das erste Mal wieder auf Skiern standen? Bentele: Sehr genau. Ich musste auf der Münchner Theresienwiese einen Hügel herunterfahren und hatte so viel Angst, dass mich mein Begleiter an die Hand nehmen musste. Stück für Stück ging es dann besser. Ein paar Monate später bin ich auf dem Gletscher wieder allein schnelle Abfahrten runter.

ZEIT: Als Sehende fragen wir uns auch: Das Schießen beim Biathlon, wie funktioniert das für Sie?

Bentele: Über Töne. Am Schießstand setzen blinde Sportlerinnen und Sportler einen Kopfhörer auf – und je näher man mit dem Gewehr dem Infrarotsignal des Ziels kommt, desto höher wird der Ton. Bei einem Treffer ertönt ein hohes Klingeln, bei einem Fehlschuss ein tiefer Brummton. 

"Zu sehen macht vieles einfacher im Leben" 

ZEIT: Bevor Sie die Leitung des Sozialverbands VdK übernommen haben, waren Sie Behindertenbeauftragte des Bundes – und damit Politikerin. Ihr Bruder sagte, Sie seien zuvor gar nicht so politisch gewesen?

Bentele: Politisch interessiert war ich immer schon, aber lange Zeit gab es tatsächlich vor allem meinen Sport und das Engagement für bessere Bedingungen für Athleten in Deutschland. Doch dann hat mich erst der Münchner Oberbürgermeister Christian Ude gefragt, ob ich sein Wahlkampfteam unterstützen wolle, und schließlich kam die Anfrage von Andrea Nahles, ob ich in die Bundesregierung als Beauftragte kommen will. Ich habe kurz gezögert, denn die Sozialgesetzbücher kannte ich nicht in allen Details aus dem Effeff. Aber ich habe selten zu einem Risiko Nein gesagt.

" (ZEIT 3.2.22)

7.2.22

Wieder einmal: Motivation

 Text 1: "Mein Handicap spornt mich an" (ZEIT, 3.2.22)

"Fehlt bei der Inklusion die Entschlossenheit?

Bentele: Ja, wenn wir eine offene Welt ohne Vorurteile wollen, 

dann müssen wir in der Schule damit anfangen. Immer wieder 

erlebe ich Barrieren, weil Menschen mit und ohne Behinderung

sich so schlecht kennen. Viele Menschen sagen etwa zu mir: 

Toll, dass du so gut hören kannst. Oder: Wie machst du das 

mit dem Schreiben? Noch nehmen wir eher das Trennende 

als das Verbindende an anderen wahr. Das ist Teil des 

Problems, das auch Kinder aus Einwanderer-familien 

kennen. Wir haben eben längst noch keine Schule für alle. 

[...] dann hat mich erst der Münchner Oberbürgermeister 

Christian Ude gefragt, ob ich sein Wahlkampfteam 

unterstützen wolle, und schließlich kam die Anfrage 

von Andrea Nahles, ob ich in die Bundesregierung als

Beauftragte kommen will. Ich habe kurz gezögert, 

denn die Sozialgesetzbücher kannte ich nicht in 

allen Details aus dem Effeff. Aber ich habe selten 

zu einem Risiko Nein gesagt."

(Verena Bentele)

Fontanefan: Hier das Verbindende zu sehen, ist etwas viel 

verlangt. 

Schließlich hat Bentele als blinde Skiläuferin nach einem Sturz

eine Niere verloren und danach furchtbare Angst. Dann ist sie

aber doch wieder Gletscher hinabgefahren. Da ist es nicht nur

für Sehende wie für Blinde eine riesige Herausforderung, das

Verbindende zu sehen.

Diese Herausforderung anzunehmen, könnte Motivation 

stärken.


Text 2:

Wenn eine Gruppe in einem Motivationstief ist wird vom Lehrer höchste Selbstdisziplin verlangt, denn er muss trotz Widerstände seine Forderungen aufrechterhalten, seine gute Laune und seine Offenheit bewahren, sich vor Selbstmitleid und Gejammere hüten. Das geht nur, wenn man sich kurzfristig unabhängig vom Urteil und von der Stimmung der Klasse macht und im Vertrauen auf die Qualität der eigenen Arbeit "durchhält", bis die Motivation der Schüler wieder da ist.

Die Therapie

Aus meiner Sicht liegt ein Hauptproblem unseres Schulwesens darin, dass die Schüler qualitativ (Energie, Erfahrung, Denkvermögen, Handlungsbereitschaft) mit einem so hohen Niveau in die Schule kommen, dass man als Einzellehrer ihre legitimen Ansprüche nur mit einem enormen Aufwand befriedigen kann. Bezogen auf meine 11.Klasse bin ich der Meinung, dass meine ganze Arbeitskraft gerade hinreicht, um diese Schüler gut zu bedienen. Andererseits: wer von meinen Kollegen kann sich einen solchen Aufwand leisten?

Es müssten folgende Forderungen erfüllt werden:

  • Der Einzelkampf der Lehrers muss durchbrochen werden. Wenn ich beispielsweise die 11. Klasse im Team mit anderen Lehrern führen würde, wüsste ich, welche Aktivitäten gerade anstehen. Ferner könnte ich Informationen über die allgemeine Stimmung in der Klasse einholen und würde nicht jede Schwierigkeit (aber auch jeden Erfolg) auf mich allein zurückführen.
  • Projekte müssen mit Kollegen geplant und durchgeführt werden. Wenn ich eine Woche lang beispielsweise mit der Deutschlehrerin, dem Englischlehrer und dem Geschichtslehrer ein Projekt über die Renaissance inklusive Exkursion gestalte, dann ist die Arbeit insgesamt viel intensiver, sie hat einen Anfang, eine Klimax und einen Schluss, sie nähert sich dadurch der Struktur des realen Lebens. Die Schüler prägen sich das Erlebte viel besser ein.
  • Über den 45-Minuten-Takt war ich mir bisher nicht ganz schlüssig. In der letzten Zeit stelle ich fest, dass dieser Takt schon sehr störend sein kann: zum Beispiel lasse ich gegenwärtig Plakate anfertigen, auf denen die Etappen unserer Frankreichreise dargestellt werden. Der Fleiß meiner Schüler ist tadellos, aber ihre Arbeit wird immer wieder unterbrochen, weil die Stunde zu Ende ist. Was uns am Stück höchstens 90 Minuten beschäftigt hätte, zieht sich durch die Unterbrechungen des 45-Minuten-Taktes jetzt seit mehr als einer Woche hin. Das gilt nicht nur für die Erstellung von Plakaten, sondern auch für jede längere Arbeit (Kurzreferate, Klassenkorrespondenz usw.). Wird dadurch der oft beklagten Oberflächlichkeit des modernen Lebens nicht Vorschub geleistet?

Diese Forderungen sind natürlich nicht originell. An vielen Schulen werden sie schon erfüllt. Ich glaube, diese Schulen sind auf dem richtigen Weg.

Der zweite Text stammt aus dem Jahr 1998 und ist nicht von mir, sondern von Jean Pol Martin.

Ich halte ihn aber immer noch für einen treffenden Beitrag zum Motivationsproblem.

mehr zu Motivation: 

Eine Zusammenfassung mehrerer Beiträge von 2012

alle Beiträge zu Motivation bei Fontanefan

Wikipedia

18.2.19

Wozu noch unterrichten? - Wozu lernen?

Jochen Englisch stellt sich die Frage und argumentiert wie folgt:

"Das schriftliche bayerische Abitur ist inzwischen derart läppisch, das kann ein durchschnittlicher 10.-Klässler nach spätestens vier Wochen. Die meisten meiner 10.-Klässler kommen beim Hörverstehen genauso auf ihre ca. 16 Punkte (von 20) wie meine Abiturienten. Angesichts der absurd langen Zeit und der Tatsache, dass sie ein zweisprachiges Lexikon verwenden dürfen, verstehen auch mittelmäßige Schüler zumindest den Sachtext weitgehend problemlos (Hintergrundwissen brauchen sie ja eh nicht). Und man benötigt nun wirklich keinen großen Wortschatz um in lächerlichen 250 Wörtern darüber zu schreiben, ob Zoos (2016/II, 1.) bzw. der Muttertag (2014/I, 1.) abgeschafft werden sollten. Der größten Dumpfbacke habe ich nach spätestens zwei Wochen beigebracht, dass der Aufsatz eine kurze Einleitung, einen erkennbaren Hauptteil und einen kurzen Schluss haben muss. Und die Mediation ist eh so wischiwaschi, das können 10.-Klässler (wieder mit Hilfe des zweisprachigen Lexikons) auch schon längst." (Wozu eigentlich noch unterrichten? 26.1.19)

Darauf kommt er zu folgendem Ergebnis: 

"Als ich vor mehr als 30 Jahren angefangen habe zu unterrichten, war Englisch ein tolles, anspruchsvolles, „gymnasiales“ Fach. Mit der Einführung des G8 begann ein für unmöglich gehaltener Niedergang. Der Tiefpunkt ist noch gar nicht erreicht, aber schon jetzt ist es ein Deppenfach, in dem – koste es was es wolle – nur noch gute Noten/Punkte produziert werden sollen. Unterricht bzw. Lehren im traditionellen Sinne findet nicht mehr statt."  (Wozu eigentlich noch unterrichten?)

Er formuliert überspitzt. 
Wie viel davon ist überzeugend? Gilt das nur für Englisch oder auch für andere Fächer?

15.5.18

Anleitung zu Betrug und Selbstbetrug als Bestseller

In der Vorankündigung hieß es, er habe ein Abitur mit Durchschnitt 1,3 geschafft, im Text, es sei 1,7 gewesen. Im Buchtitel heißt es "1er-Durchschnitt". Bei mir ist der Durchschnitt von 1 und 2 nicht 1.  Was ist korrekt?

Sein Buch: Tobias Brandt: Der entspannte Weg zum 1er-Durchschnitt

Im Buch empfiehlt er er, nur einen Teil der Aufgaben zu erledigen, "um sich dann im Unterricht gleich am Anfang zu melden und mit der korrekten Antwort zu glänzen." 
Im Interview sagt er dazu: "Klar ist das Schummelei, aber eine, die sich lohnt. Ich finde das deshalb okay, besonders wenn sich Aufgaben wiederholen. Der Schüler spart Zeit und hinterlässt ohne großen Aufwand einen guten Eindruck beim Lehrer. Da wären wir wieder bei der 80/20-Regel."

Für Perfektionisten ist das Buch unbedingt zu empfehlen, ebenso für intelligente Schüler, die sich im Unterricht so langweilen, dass sie ganz die Lust am Lernen verlieren. 
Gefährlich ist es für Schüler, die nicht überdurchschnittlich begabt sind; denn sie können so leicht Lerndefizite ansammeln, die nicht auffallen, aber später zu einem Lern-Einbruch führen können, weil sie nie wirklich Lernen gelernt haben. 

Auch Hochbegabte müssen Lernen lernen (und gerade die!), aber das können sie nicht beim normalen Schulstoff oder in einem auf den Klassendurchschnitt hin orientierten Frontalunterricht.
Eine Nobelpreisträgerin in Biologie sagte (dem Sinne nach): "Meine Eltern haben nie erwartet, dass ich etwas für die Schule tue, und haben mich ganz meinem Hobby nachgehen lassen. Ich brauchte nur gute Noten heimzubringen. Und so habe ich mich immer nur mit Biologie beschäftigt, das aber intensiv."

Für schülerzentrierten Unterricht nach dem "Flipped Classroom"-Prinzip sind Brandts Empfehlungen freilich tödlich.  Denn diese Arbeitsmethode würde dadurch zum Scheitern verdammt. 
Auch dafür gibt es freilich Ausnahmen. Ein kleiner Gauß könnte bei diesem Unterricht lernen, wie er dem Lehrer zu besserem mathematischen Verständnis verhilft. Nur der Rest der Lerngruppe stünde dann so lange auf dem Schlauch, bis der kleine Gauß gelernt hätte, wann er im Unterricht besser still ist.

Ich hatte einen Schüler, der nur kurzfristig gleichmäßig im Unterricht mitarbeitete, bis er sicher war, dass ich verstanden hatte, dass er wirklich schon in den ersten Minuten des Unterrichts das Lernziel erreicht hatte und sich darauf beschränken konnte, am Schluss der Stunde weiterführende Fragen einzubringen. Der war bei seinen Mitschülern nicht als "Streber" verhasst. 
Wenn ich Jean-Pol Martins Unterrichtsprinzip "Lernen durch Lehren" schon damals gekannt hätte, hätte ich ihm auch dabei weiterhelfen können. So habe ich mich mit dem begnügt, was er schon intuitiv verstanden hatte. 

Was Brandt empfiehlt, ist extrinsisches Lernen. Lernen für eine äußere Belohnung, das heißt, für eine Bestechung. 
Dauerhaft Lernen lernen kann man aber nur mit  intrinsischem Lernen, wo das Lernen selbst die Belohnung darstellt. 

[Einschub:
Das Prinzip Selbstverantwortung als Grundlage von Motivation]

Ein erwachsener Gauß würde bei Lob von außen misstrauisch: War das, was ich getan habe, so unter meinem Niveau, dass sie es begriffen haben? Nur außerhalb seines Spezialgebietes könnte Lob ihn motivieren. (Der Anekdote nach hat freilich selbst das Liebesspiel mit seiner Frau ihn nicht von seinen mathematischen Reflexionen ablenken können.)

18.6.15

Lässt sich der Spaß am Mathematikunterricht unaufwändig steigern?

Was Teenagern Lust auf Mathe macht, Bildungsklick 18.6.2015

"Dass sich Zitate als besonders wirksame Methode zur Motivationssteigerung erwiesen haben, könnte mit ihrem Identifikationspotenzial zusammenhängen. Wenn eine Psychologiestudentin erzählt, wie wichtig Mathe für ihr Studium ist, macht das auf Neuntklässler gleich einen ganz anderen Eindruck. Maßnahmen zur Motivationsförderung müssen also auch immer an die Altersgruppe angepasst sein", sagt Hanna Gaspard, die mit der Studie an der durch die Exzellenzinitiative geförderten Graduiertenschule LEAD promovierte.
Kurze Interventionen - lang anhaltende Effekte
"Ob unsere Unterrichtseinheit den gleichen Effekt hat, wenn der eigene Lehrer sie durchführt, wollen wir in weiteren Studien untersuchen", sagte Professor Benjamin Nagengast, einer der Leiter der Studie. "Wir sehen aber jetzt schon, dass bereits mit geringem Kosten- und Zeitaufwand viel bewirkt werden kann."

7.3.15

Kein Bock auf Schule?

Kein Bock auf Schule? Ein Motivationsvideo, veröffentlicht am 16.08.2014 (5min 41sec)

Lernlust - eine Blogparade, 25.2.15

Blogparade: Wie motiviert man Unmotivierte?  30.9.12

16.5.14

Offener Brief: "PISA gefährdet Wohlbefinden von Schülern und Lehrern"

Ich zitiere einen kleinen Abschnitt aus dem Brief und unterschreibe ihn hiermit auch (wenn auch nicht auf Papier)
"Wir können nicht verstehen, wie die OECD zum globalen Schiedsrichter über Mittel und Ziele von Bildung in der ganzen Welt werden konnte", heißt es in dem Schreiben. Die enge Ausrichtung der OECD auf standardisierte Tests drohe Lernen in Pedanterie zu verwandeln und Freude am Lernen zu beenden. Durch den von PISA stimulierten internationalen Wettlauf um Testergebnisse habe die OECD die Macht erhalten, weltweit Bildungspolitik zu bestimmen, ohne jede Debatte über die Notwendigkeit oder Begrenztheit der OECD-Ziele. "Durch das Messen einer großen Vielfalt von Bildungstraditionen und -kulturen mit einem engen und einseitigen Maßstab kann am Ende unseren Schulen und unseren Schülern irreparabler Schaden zugefügt werden", warnen die Autoren.
Zum Nachlesen des Briefes, so weit er in bildungsklick.de veröffentlicht ist.

Dabei möchte ich aber betonen, dass die Absicht durchaus eine lobenswerte ist und dass PISA auch sehr viel dazu beigetragen hat, dass Erfahrungen in anderen Ländern rezipiert und für Reformschritte genutzt wurden.
Aber Standardisierung steht notwendigerweise in Konflikt mit Schülerzentrierung. Beides ist sinnvoll, und es bedarf einer pädagogischen Entscheidung, wem im jeweiligen Fall der Vorrang gegeben wird.
Im Zweifelsfall gilt die Regel: Schülerzentrierung fürs Lernen und Lehren, Standardisierung für die Qualitätssicherung. Für Prüfungen muss aber ein erheblicher Anteil Schülerorientierung erhalten bleiben, sonst erhält man verfälschte Ergebnisse.

Zur deutschen Fassung des offenen Briefes (pdf)
Die Antwort Andreas Schleichers auf den Brief (pdf)
Hier ein kurzes Zitat; aber bitte den ganzen Text lesen!
"The OECD does, of course, contract specific technical services out to individuals, institutions or companies. Where it does, these individuals, institutions or companies are appointed by the OECD following an open, transparent and public call for tender. This transparent and open process ensures that each task is carried out by those entities that demonstrate they are best qualified and provide the best value for money"

Mit einzelnen Aussagen hat Schleicher durchaus Recht. Aber die Art seiner Argumentation macht deutlich, dass er die Kritik entweder nicht versteht oder nicht verstehen will. Ja seine Argumentation klingt genau wie das klassische Dementi, das durch die Formulierung dessen, was es dementiert, deutlich macht, das der Vorwurf begründet ist.
Das Problem ist ja nicht, dass zu viele Schüler am PISA-Testverfahren teilnehmen, sondern dass die PISA-Tests dazu geführt haben, dass schon in der 3. Klasse landesweite standardisierte Tests durchgeführt werden, die die Lehrer neben ihrer Arbeit auszuwerten haben und die einen erheblichen Leistungsdruck schon in die ersten Schuljahre hinein getragen haben.
Dabei ist fruchtbares Lernen doch etwas ganz anderes als die effektivste Methode, standardisierte Tests zu bestehen.
Ein Beispiel?
Was Lernen durch Lehren leistet, lässt sich durch  PISA-Tests schwerlich evaluieren. Mehr dazu im MOOC über Lernen durch Lehren.


über Probleme der Notengebung von Bob Blume

11.3.14

Noch einmal: Stichwort "Motivation"

Auf diesem Blog sind in einer Blogparade viele Lehrerbeiträge zu Motivation zusammengetragen worden.
Jetzt hat die Seite Lehrerdialog ausgehend von der Studie "Schüler richtig motivieren" einen weiteren Dialog über dieses Thema angeregt.
Dem möchte ich mich hier anschließen. Denn das passt sehr gut zu meinem Versuch, Lehrer über die Lehrerblogs, die im Netz stehen, ins Gespräch und - soweit möglich - zur Zusammenarbeit zu bringen.

Ob das Gespräch nur auf der Seite Lehrerdialog geführt werden sollte, bin ich mir nicht so sicher. Vermutlich ist es sinnvoll, ausführlichere Beiträge auch auf dem eigenen Blog zu veröffentlichen.
Ich würde es begrüßen, wenn sie auch hier verlinkt würden; aber das muss natürlich nicht sein.
Ich selber werde mich zu dem Dialog (über meine bisherigen Beiträge hinaus) nochmals äußern, wenn ich den Eindruck haben sollte, dass wichtige Aspekte zu kurz kommen.

Ein schöner Text über Motivation ist der Brief einer Mutter an den Chemielehrer ihres Sohnes.
Die Mutter ist Autorin. Hat sie vielleicht den Chemielehrer erfunden?
Jedenfalls ist deutlich, dass solche Art von Motivierung nicht als Rezept gelernt und verbreitet werden kann.
Auch mag sein, dass manches Mädchen das Vorführen von Liegestützen nicht gerade als angemessene Strafform empfindet.
Schließlich: Wir hören die Mutter eines Kindes.  Mein Sohn sagte über seinen Chemielehrer:
Wir alle schauen in der Stunde auf die Uhr, die anderen, weil sie wissen wollen, wann sie endlich aufhört, ich, weil ich befürchte, dass sie zu früh aufhört.

Aktueller Text zum Themenbereich: Pisa-Versager: Die Aufgegebenen von Christoph Titz, SPON 1.4.14

Ein noch aktuelleres Video:
KeinBock auf Schule? Ein Motivationsvideo, veröffentlicht am 16.08.2014 5min 41sec

22.12.12

Motivation (Fortsetzung der Blogparade)

Die am 30.9. begonnene Blogparade geht dank Georg Rückriem und teacherido weiter.

Georg Rückriem schreibt am 20.1.12 über Sinn als die Voraussetzung von Motivation. (Doch auch sein Beitrag über Lernkultur gehört in unseren Zusammenhang.)
Und am 21.1. schreibt er zu teacheridos Blogbeitrag über den Unsinn extrinsischer Motivation.
teacherido hat für heute eine Antwort auf Georgs Beitrag angekündigt. Meinerseits werde ich wohl erst nach den Feiertagen darauf reagieren.
Nur eine kurze Andeutung zur Wirksamkeit extrinsischer Motivation: Ein wesentlicher Grund, dass der vierte Band von Uwe Johnsons Jahrestagen trotz dessen Schreibhemmung doch noch zustande kam, war vermutlich Siegfried Unselds Druck. (vgl. Uwe Johnson – Siegfried Unseld: Der Briefwechsel. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1999, ISBN 3-518-41072-5.)

Motivation ist wichtiger als Intelligenz (Mathe als Beispiel)

CSpannagel plädiert für den Sinn extrinsischer Motivation bei seiner Erläuterung des Hörsaalspiels "Ring the Bell". (7.5.13)

Motivationstheorien an Beispielen (ZEIT online 19.9.2016)

1.11.12

Motivation durch Bindung an eine Bezugsperson

Man weiß, dass Säuglinge und Kleinkinder sich an eine Bezugsperson binden. Berühmt sind die Berichte von Konrad Lorenz über die Graugans, die auf ihn "geprägt" wurde und für die er die "Mutterrolle" übernahm.

Linda Tutmann berichtet in ZEIT online von jugendlichen Flüchtlingen, die ohne jeden Familienkontext in Deutschland eintreffen und für die beste Lernvoraussetzungen geschaffen werden sollen.
In der Lernforschung gibt es eine Theorie, die oft unter dem Stichwort »Lernen durch Bindung« zusammengefasst wird. Besonders in der Frühförderung, so hat die Wissenschaft herausgefunden, ist eine stabile emotionale Bezugsperson wie zum Beispiel die Mutter oder ein Erzieher entscheidend dafür, wie sich ein Kleinkind entwickelt. Aber auch in der Schule wird mehr und mehr die Persönlichkeit der Lehrer oder Schulleiter in den Fokus der Forschung gerückt. Lernen braucht Persönlichkeit, das glauben viele. Es gibt Neurobiologen wie Joachim Bauer, die sagen, dass die stärkste Motivationsquelle für junge Menschen ein anderer Mensch ist. »Dadurch dass die Kinder alleine nach Deutschland kommen, brauchen sie umso mehr ein Vorbild, jemanden, der die emotionale, soziale und kulturelle Lücke schließt«, erklärt der Migrationsforscher Anderson. Eine ganzheitliche Förderung sei wichtig, die Lehrer müssten wissen, woher der Schüler komme, seine Situation kennen, seine Probleme, seinen kulturellen Hintergrund.
Diese Flüchtlinge, berichtet sie,  "sprechen kaum oder gar kein Deutsch, manche sind durch die Flucht traumatisiert und leben ohne ihre Familie in einem fremden Land. Manche von ihnen können besser mit einer Kalaschnikow umgehen als mit dem Alphabet ihrer Muttersprache."

Woher soll ihre Motivation kommen?
Michael Stenger, der erfolgreich mit diesen Flüchtlingen arbeitet, meint über sich selbst:
»Ich bin ein Motivationskünstler.« Zu seinen Schülern sagt er Sätze wie diese: »Ihr seid die Zukunft Deutschlands. Ihr seid wichtig für die Gesellschaft.«

Der vollständige Artikel von  Linda Tutmann in ZEIT online enthält weit mehr zum Thema Flüchtlinge. Hier habe ich das zusammengestellt, woraus man erkennen kann, dass er eine Art Gastbeitrag zu unserem Thema "Wie motiviert man Unmotivierte?" ist.

11.10.12

Erfahrungen mit Motivation

"Dann hab ich gottseidank die Kurve gekriegt, zur Zufriedenheit der Studenten und auch zu meiner eigenen Zufriedenheit. Ich bin dazu übergegangen, alles in der Gesamtgruppe Schritt für Schritt zu machen (was ich normalerweise überhaupt nicht leiden kann), aber für diese Gruppe war es GENAU das richtige. "Okay, jetzt alle mal eine Strecke konstruieren, und zwar so." ... (zwei Minuten rumlaufen, schauen, bis es alle haben). "Jetzt konstruiert einen Kreis so....".... (zwei Minuten rumlaufen, schauen, bis es alle haben). ... usw. usw. [...] Woran man mal wieder sieht, dass man seine Methodenwahl auch nach der Lerngruppe ausrichten muss."

Was war vorhergegangen? 
Fehlte es an Motivation? 
Von seiten der Studenten, von seiten des Lehrers?

Zur Beantwortung der Fragen kann man nachlesen in CS Spannagel: "Über die Dehnung von Geduldsfäden."


Ich bekam eine Migrantin über 40 Jahre als Deutschschülerin, eine Altenpflegehelferin, die der Lehrerin im Altenpflegekurs keine Freude gemacht hatte.
In Unkenntnis dessen, was sie für ihre Arbeit brauchte, meinte ich zu ihr, sie müsse entscheiden, was sie lernen müsse. Das ging gut, bis ich als Texte für unsere sprachlichen Übungen welche aus dem Themenbereich der Altenpflege wählte. Ich merkte zunächst nichts, bis sie mir sagte, der Unterricht gefalle ihr nicht mehr.
Wie konnte es passieren, dass sie einige Zeit später mit Texten aus dem Bereich der Altenpflege zufrieden war, ja sogar mehr Texte dieser Art anforderte?

Statt Sachtexten suchte ich Erfahrungsberichte, und sie suchte Texte, wie sie an ihrem konkreten Arbeitsplatz geschrieben wurden.
Dass das nicht eins zu eins auf Schulunterricht in großen Klassen übertragen werden kann, versteht sich von selbst. Wenn aber beide Seiten daran glauben, dass der Partner im Lernarrangement besten Willens ist, eine möglichst günstige Lernsituation zu schaffen, dann wird des öfteren Vergleichbares möglich sein.

5.10.12

Was schafft Motivation?

Thesen zu "Was schafft Motivation?"

allgemein:
1. Bedürfnisse (z.B. Hunger, Neugier, sieh auch: Maslowsche Bedürfnispyramide)
2. starke Gefühle (z.B. Hass, Liebe, Zorn/Empörung, Mitleid, Neid)
2. Ziele (z.B. Entwurf einer besseren Zukunft)
3. Selbstwirksamkeitserwartung / noch stärker: das Gefühl, gebraucht zu werden

spezieller:
4. ein niedrigschwelliges Angebot ("Gelegenheit macht Diebe") - Beispiel Barcamps, insbesondere clc12
5. die Kombination von Aufgabe/Projekt und Lernanlass (forschendes Lernen, workplace learning)
    5a) Spezialfall: Lernen durch Lehren
6. Anregung durch ein lernbereites Umfeld (Vorbildfunktion von Lehrer und Mitschülern) Beispiel: Inklusion (Inklusionstag); Lernen auf Augenhöhe
7. soziale Anerkennung
8. emotionale Zuwendung* (Wie anders bekommt man Hauptschüler dazu, ein Buch zu schreiben und öffentlich über an sich selbst beobachtete Lerndefizite zu schreiben?)
9. äußerer Druck ("Not lehrt beten") - Lernunmotivierte und Lerndemotivierte, die per Definition keine intrinsische Motivation mitbringen, werden wegen des größeren Reizes von Unterhaltungsangeboten abgelenkt, Beispiel Pinocchio. Helfen kann da nur extrinsische Motivation: Lernen für den Lehrer, für die Gruppe oder aufgrund von äußerem Druck.

Die Thesen stellen eine sehr subjektive Verkürzung der Aussagen in der Blogparade "Wie motiviert man Unmotivierte?" dar.
Nach und nach werden Begründungen nachgereicht. Dabei hoffe ich auf viel Kritik, die es mir erleichtert, herauszufinden, wo es an Begründungen fehlt oder wo eine These verändert werden sollte.

*aus diesem Anlass: Welttag des Lehrers (Twitter, Presseartikel)

Motivationstheorien an Beispielen (ZEIT online 19.9.2016)

Weshalb Motivation allein nicht reicht.

Ich bin überzeugt, dass Motivation nicht der einzige Ansatzpunkt ist, um bessere Lernergebnisse zu erreichen. Oft fehlt es an den materiellen Voraussetzungen.
Dabei meine ich nicht speziell die Computer, die in indischen Dörfern weitab von jeder Bildungsinstitution aufgestellt werden und wo vierjärige Mädchen, wenn sie denn einmal an dem umdrängten Kasten herankommen, sich teils als begnadete Problemlöserinnen erweisen sollen. Es geht konkret darum, ob Lernfähigen Zeit und Raum für Konzentration auf Lernen ermöglicht wird. (Beispiel: der afrikanische Schweißerlehrling und seine Deutschkenntnisse )
Comuputer und Internetzugang allein reichen allerdings auch nicht. Nicht wenige der billigen Computer, die in Afrika verteilt wurden, werden inzwischen nicht mehr benutzt, weil sie angesichts der Anforderungen des täglichen Lebens an Reiz verloren haben.

Hinweise:
Lernkultur auf dem clc12

30.9.12

Blogparade: Wie motiviert man Unmotivierte?

Ich beginne mit einer strittigen These:

Das Internet motiviert kein Lernen. 
Es erleichtert nur und regt die Beschäftigung mit zusätzlichen Themen an.
Die Anregung, die vom Internet ausgeht, kann zur Internetabhängigkeit führen, nicht dazu, dass man lernsüchtig wird.

"Das Gehirn lernt immer", heißt es. Wie kommt es dann nur, dass  über die Jahrhunderte hin zwar Tausende von Schulreformen durchgeführt worden sind, aber eine Spezies Mensch nicht abgeschafft worden ist, der lernunwillige Schüler?
Es gibt gewiss tausend Gründe, nicht das zu lernen, was von einem erwartet wird: Die überhöhte Anforderung, die zu geringe Anforderung, der unsympathische Lehrer, der einem die Lust austreibt, die Ablenkung durch das, was man viel lieber macht, und die Unterhaltungsindustrie ist immer erfinderischer in dem, was sie auf den Markt bringt, um uns von dem abzubringen, was Leben ausmacht: uns so zu verändern, dass wir mit den Herausforderungen unserer Umwelt fertig werden.

Die Antworten auf diese Erfahrungen sind ihrerseits vielseitig. Eine radikale ist die Forderung, die Schule einfach abzuschaffen. In den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts fand man dafür die Ausdrücke Unschooling und Deschooling. In unserem Jahrhundert ist die Vorstellung immer beliebter geworden, man müsse die Schüler einfach nur mit Lernmaterial versehen, dann würden sie schon lernen, was sie brauchen. "Youtube macht Lehrer überflüssig." "Im Internet ist alles zu finden, was man braucht."
Andererseits wird geklagt, eben dieses Internet mache unsere Kinder dumm. Von Manfred Spitzer plakativ formuliert: Wie wir unsere Kinder um den Verstand bringen.

Beim CorporateLearningCamp am 28./29.9.2012 (clc12) sind einige Leute, die klüger sind als ich, der Frage nachgegangen, und nicht nur in einer Sitzung ist Kluges dazu formuliert worden, was mich zum Nachdenken gebracht hat. Das eine oder andere wird sich daraus auch noch ergeben, doch denke ich, es sollten noch mehr Leute, den Anlass wahrnehmen, etwas von dem niederzuschreiben, was ihrer Erfahrung nach geeignet ist, Lernwiderstände zu vermeiden, auszuräumen oder zu überwinden.

Die, die etwas zu dieser Frage geschrieben haben oder etwas finden, was unbedingt wahrgenommen werden sollte, bitte ich, in einem Kommentar darauf hinzuweisen.

Liste der von mir entdeckten Beiträge:
1. Teacheridoo (Dank an mons7 für ihren Tweet )
Ich greife zunächst nur einen Gedanken heraus: "nicht durch Zwang" (Teacheridoo), wohl aber durch Druck (Fontanefan). Ein Beispiel ist Pinocchio. Er wird als sehr verführbar und ablenkbar geschildert, aber in der Situation, wo er zu verhungern droht, reagiert er durch Lernen.
Ein zweites Beispiel bietet Herr Larbig. Sein Lehrer widersprach ihm, und er wollte ihm beweisen, dass er im Recht war, und fing an seine Meinung sorgfältig mit guten Argumenten zu unterfüttern. (Herr Larbig war freilich schon vorher motiviert, doch funktioniert die Methode nicht selten auch bei Unmotivierten.)
2. Educational Technology (Dank an G. Bless für seinen Tweet. Bless gibt auch sonst viele gute Tipps.)
Die 10 Regeln für Eltern gelten auch für Lehrer.
3. M.L. Höfer: Zur Blogparade: Wie motiviert man Unmotivierte (im Unternehmen zum Lernen)? #clc12
Höfer plädiert für eine "offene und einladende Lernumgebung". Da stimme ich zu.
Ich bin mir allerdings nicht sicher, dass diese Umgebung ausreicht, alle Personen, die durch Vorerfahrungen Lernwiderstände aufgebaut haben, wieder für Lernen zu gewinnen. Solch eine Lernumgebung wäre gewiss nicht demotivierend (viele schulische Lernumgebungen sind es bisher leider durchaus). Aber reicht das aus, um intensiv Demotivierte wieder zu gewinnen?
4. sifore: Zur Blogparade
sifore geht ausdrücklich auf die Demotivierten ein und hofft, sie durch Gruppemarbeit zu gewinnen, bei der sie motiviert werden könnten, "für die Gruppe [...] ein gemeinsames Ziel zu erreichen". Wichtig scheint mir dabei, dass dabei keine Eigenmotivierung notwendig ist, sondern das extrinsische Motiv der sozialen Integration als Movens für die Lernanstrengung gesehen wird und dass Lernen hier nicht als Wissensvermehrung oder Training von Fähigkeiten, sondern als Bewältigung einer Aufgabe gesehen wird.
5. Herr Rau: Zur Blogparade
Aus Herrn Raus Argumentation greife ich die Aussage heraus: "jeder unmotivierte Schüler ist auf seine besondere Art unmotiviert". Das ist gewiss ein wesentlicher Grund, warum meine so allgemein gestellte Frage so schwer zu beantworten ist.
In der Diskussion zu seinem Artikel wird zum einen gefragt, ob die von Unterhaltungsangeboten und billigen Erfolgserlebnissen Verwöhnten nicht am besten durch "Misserfolgserfahrungen" motiviert werden können (Beelzebub Bruck). Dagegen sieht Denken hilft das Problem bei unmotivierten Lehrern. (Meine Frage: Wie motiviert man die dazu, erfolgreichere Lernermöglicher zu werden? Vielleicht durch schlechte Noten?)
6. kubiwahn: Zur Blogparade
kubiwahn nennt als sinnvolle Wege zur Motivation "Neugier fördern, ermutigen Fragen zu stellen, bestärken (!), passender Anspruch, Höflichkeit und Freundlichkeit, das Gefühl vermitteln persönlich angesprochen zu sein". Da stimme ich voll zu. Und auch seiner Abwehr der Vorstellung, "dass unmotivierte Schüler nur ein Zeichen eines unfähigen Lehrers" sind.
Allerdings deutet er auch an, dass eine Lehrerpersönlichkeit, die es verstünde, auch den Demotiviertesten zu "vermitteln persönlich angesprochen zu sein" nahezu den Stein der Weisen zur Motivation hätte (Tua res agitur).
7. Maik Riecken: Zur Blogparade
Genau da setzt auch Riecken an, wenn er als Voraussetzung für Motivation die Beantwortung dieser beiden Fragen sieht: “Was interessiert dich eigentlich? Worin siehst du für dich Sinn?” - Wenn Personen lernen, diese Frage zu beantworten, dann ist gewiss viel für Persönlichkeitsbildung getan, und damit für die Fähigkeit, sich selbst zu motivieren.
8. Herr Larbig: Wie motiviert man Unmotivierte? - ein Versuch
Herr Larbig liefert wieder eine sehr präzise Analyse, aus der ich für meine Zwecke folgende Passage herausgreife: "Selbst motiviert sein [...] am gemeinsam lernen, [...] ohne den eventuell vorhandenen Wissensvorsprung der Lernen[den]  in einigen Bereichen zu übergehen" sind wichtige Voraussetzung für Motivation auch des Gegenübers.
Das ist nahe an der Methode "Lernen durch Lehren": Der Lehrer leitet die Lernenden an, wie sie sich gegenseitig etwas lehren können.
9: hokey: Zur Blogparade
hokey erläutert sehr schön: Auch prizipiell Motivierte können mal so gestresst sein, dass sie unmotiviert sind.
Nicht jeder erfährt dann das, was der anonyme Gast im 14. Kommentar (sieh unten) berichtet: nämlich dass die andern dafür mit aller Macht in die Bresche springen, um die fehlende Motivation des einen durch die erhöhte Motivation der Gruppe auszugleichen.
Um es mir leicht zu machen, kleide ich mein Lob für hokeys sehr anschaulichen Artikel in die Worte eines dort Kommentierenden: "Leider sind viele Kollegen nicht so selbstreflektierend."
10. Lernspielwiese (mons7): Zur Blogparade
mons7 schreibt in ihrem Artikel ein Stück weit aus der Perspektive der Unmotivierten und merkt an, sie sei auch immer wieder unmotiviert gewesen, nämlich wenn
"1. es sich so anfühlte, als werde meine Arbeit vom Gegenüber mitnichten geschätzt.
2. ich mich massiv unterfordert fühlte.
3. ich keinerlei Einfluss auf die Art der Ausführung der Tätigkeit hatte (und im Grunde meines Herzens überzeugt davon war, es gebe eine effizientere/angenehmere/für die Organisation bessere Art der Durchführung)."
Und auf die schwere Frage, wie man die verschiedenen Arten von Unmotiviertheit erkennen könne, meint sie:
"Die einzige Antwort, die mir – und auch erst jetzt nach vorstehenden Überlegungen – dazu einfällt ist jene, dass man das jeweilige Individuum danach fragen sollte/könnte. Und dann – aber eben erst dann – überlegen, wie man – gleichsam an der Wurzel – etwas (was auch immer) ändern könnte."
11. Was Spaß am Lernen bringt
Peter Struck betrachtet das Beispiel Polen.
12. Ann-Theres über Lernmotivation und Lernhemmnisse bei Senioren
13. @schb hat schon am 19.8.2010 einen wichtigen Beitrag zu dieser Blogparade geliefert: Sechs Möglichkeiten, Lernende zu demotivieren. Darin weist er auf den gleichnamigen Aufsatz von Manfred Prenzel von 1997 (dort genauer zitiert) hin. Zentral ist für Prenzel, "dass gerade die Verantwortung, die sich die Lehrenden für den Lernprozess der Lernenden zusprechen, kontraproduktiv ist."
14. Linda Tutmann hebt hervor, wie wichtig für die Motivation eine Bezugsperson und das Vertrauen in die Wichtigkeit der eigenen Person ist. Die wichtigsten Gedanken sind unter "Motivation durch Bindung an eine Bezugsperson" zusammengefasst. Ihr vollständiger Bericht über Flüchtlingskinder findet sich hier.
15. Georg Rückriem schreibt über Sinn als die Voraussetzung von Motivation. Es ist der neuste Beitrag (22.1..12) und - wenn ich nicht unaufmerksam war - der des ältesten Teilnehmers. (Übrigens weiß Georg noch nichts davon, dass ich ihn hier aufgenommen habe, und Lisa Rosa auch noch nicht, dass sie mich darauf hingewiesen hat.) Schließlich ist er auch Professor für Pädagogik und was sonst noch alles. Hier seine - ebenfalls höchst wissenschaftliche - Arbeit zur Lernkultur.

Fontanefan  fährt fort:
Von der Reaktion auf meine Frage bin ich überwältigt und danke allen Teilnehmern der Blogparade herzlich für ihren Einsatz. Herzlichen Dank auch im Sinne aller Leser dieses Artikels!
Meine Empfehlung: Bevor Sie weiterlesen, sehen Sie sich erst einen der oben angeführten Artikel an.

Haben Sie das getan? Dann dürfen Sie jetzt weiterlesen:

Lernwiderstände:
1. Anforderungsniveau
Ein wichtiger Grund, der einen daran hindern kann, ein Problem anzugehen, ist, dass es zu schwer zu bewältigen scheint.
Das fängt schon bei der Sprache an. Oft kann eine etwas leichtere Sprache helfen.
Beispiel: Warum sind die Dinge, wie sie sind?
Ein Leistungskursschüler hat das Problem auf die einprägsame Formel gebracht "Bei diesem Text verstehe ich nur und und oder."
Ich nenne es für mich selbst das Adorno-Symptom, seit ich seine Erklärung gelesen habe, warum er von den USA nach Deutschland zurückgekehrt sei: In angelsächsischen Ländern erwarteten Lektoren von ihm, dass er verständlich schreibe.
So ist auch zu erklären, dass nur für die englische Wikipedia eine Version in leichter Sprache existiert, die Simple English Wikipedia. (Genau genommen ist die SEWP freilich nicht konsequent in einfacher Sprache geschrieben. Die Autoren versuchen nur nach Kräften, möglichst einfach zu schreiben; bei der Erläuterung der Heisenbegschen Unschärferelation vereinfacht man nicht so lange, bis auch Menschen mit extremen Lernschwierigkeiten alles verstehen. Dennoch wird fortwährend an einer weiteren Vereinfachung schwieriger geschriebener Artikel gearbeitet.)
Für den deutschen Sprachbereich treten die verschiedensten Frageforen in die Bresche. Ich nenne eins, für das ich selbst öfters arbeite: Gute Frage. Hier zeigt sich eine zweite Schwierigkeit.
Viele Menschen haben Probleme bei der Recherche im Internet und geben deshalb vorzeitig auf. Auch dafür versucht Gute Frage die Lösung zu sein.

Gegen ein zu niedriges Anforderungsniveau scheint das Internet mit seiner Fülle von Querverweisen ein sehr geeignetes Medium zu sein. Wie man der Flucht in reines copy and paste entgegenwirken kann, erläutert Klaus Dautel.

Ein Problem stellt allerdings weiterhin dar, dass der Anreiz zur Ablenkung vom Lernen für viele größer ist als der zum Lernen. Das gilt insbesondere bei der Verwendung des Internets. (Beispiel)

2. vom Lehrer hervorgerufene Lernwiderstände

Zu Lernwiderständen führen (nach M. Prenzel, s.o.) insbesondere:
a) Unklarheit über die Ziele oder gar von den Lernenden abgelehnte Ziele
b) ein unpassendes Anspruchsniveau, besonders ein als zu niedrig empfundenes (vgl. Nr.1)
c) zu viel Kontrolle* und nicht nur zu viel Tadel, sondern auch Lob, das der Lernende nicht ernst nehmen kann
d) allgemein: jede Festlegung von Lernschritten, die nicht in Übereinstimmung mit dem Schülerinteresse steht
e) fehlendes Interesse des Lehrenden für den Lerngegenstand
Allgemein gesagt: Sobald der Lehrer selbst den Lernprozess steuern will und mehr als Lern-ermöglicher sein will, drohen Widerstände. Oft werden sie selbst von den Lernenden nicht erkannt, beim Lehrenden werden sie meist nur als Lernverweigerung und Störung wahrgenommen.

*Die Gefahr von zu viel Kontrolle schildert der Beitrag Kreide kotzen anschaulich am Beispiel von Referendaren, die zu sehr gegängelt werden und deren eigene Initiative zu wenig wahrgenommen wird. (Vielleicht ist die Darstellung aus Lehrersicht für Lehrer besonders leicht nachzuvollziehen.)


Meine weiteren Überlegungen habe ich hier in Thesenform festgehalten.
Durch die Kurzfassung in Thesen soll ein leichterer Zugang geschaffen werden.
Außerdem soll durch die Verkürzung Kritik erleichtert werden, damit es leichter zu Diskussionen kommt.

Über fremde und eigene Erfahrungen, wie verschwundene Motivation wieder gewonnen werden kann, berichte ich hier.

Motivationstheorien an Beispielen (ZEIT online 19.9.2016)

vgl. auch Herrn Larbigs Session im clc12: Zukunft des Lernens
Weiteres vom clc12 zu Lernen: z.B. Lernangebote, Lernkultur, Wissensvideos

Weitere bitte selbst als Kommentar eintragen bzw. tweeten! Ein PingBack funktioniert bei meinem Blog nicht!)
Ich verspreche, dass ich diese Beiträge lesen werde und sie, bevor ich weiter schreibe, in meinen Gedankengang einbeziehe.

Auswertung einer Blogparade zu Lernlust von Bob Blume, 25.2.15

KeinBock auf Schule? Ein Motivationsvideo, veröffentlicht am 16.08.2014, 5min 41sec

21.7.11

Spiele als Motivationshilfen?

pro: taz vom 19.7.11
contra: Comic

Die Beispiele der taz können mich nicht recht überzeugen. Wenn der Guardian die Möglichkeit anbot, Politikern auf die Spur zu kommen, die bei ihren Spesenabrechnungen Schmu gemacht hatten, so bot er durchaus eine intrinsische Motivation. Recht genau die, die die Mitarbeiter von Guttenbergplag dazu motivierte, eine Arbeit zu erledigen, die in so kurzer Zeit kein einzelner Professor hätte bewältigen können.
Und damit ist eine zweite Motivation bezeichnet: Wenn eine Aufgabe so umfassend ist, dass sie von wenigen gar nicht, von sehr vielen aber - vergleichsweise - leicht bewältigt werden kann, dann spornt das zur Mitarbeit an. Das zeigte sich bei der Wikipedia.
Ein spielerisches Moment kann dabei durchaus unterstützen, vor allem bei langweiligen Aufgaben. Aber entscheidend für die Motivation ist es bei dieser Art von Aufgaben nicht.
Etwas anderes liegt vor, wenn in der Chemie besondere Passungen von Molekülen gesucht werden, die bestimmte Kriterien erfüllen. Hier ist wichtig, dass zunächst an einfacheren Spielen getestet wird, ob der Spieler ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen hat, bis ihm dann die schwierigen Aufgaben gestellt werden, die die Wissenschaftler zu bewältigen haben und die nur von vielen und mit besonderer Ausdauer gelöst werden können.

1.1.09

Produktionsschulen

Das Konzept Produktionsschule scheint recht erfolgreich zu sein.
Was für die bisher im Schulsystem Gescheiterten eine wichtige Hilfe ist, das Lernen bei der Produktion von Gütern nicht als Wegwerfware, sondern zur Verwendung - in der Schule, in der Kommune oder auf dem Markt zum Verkauf - sollte m.E. verstärkt auch an anderen Schulen Eingang finden, damit Schüler besser den Sinn ihrer Anstrenungungen erfahren können.
Dabei braucht durchaus nicht alles auf den allgemeinen Markt zu kommen. Auch die Produktion von Lernhilfen für Mitschüler kann besser als sinnerfüllt erlebt werden als das Erstellen von Hausaufgaben als Wegwerfprodukte. Insofern hat das Konzept Lernen durch Lehren eine wichtige Gemeinsamkeit mit den Produktionsschulen.

19.10.08

Vorbild

Peter Frattons pädagogischer Grundsatz:
Niemals andere motivieren wollen – aber selbst von etwas begeistert sein.

4.6.08

Beschulung des Nachmittags oder Entschulung?

Dass man mit der G8-Regelung die Zeiten für freiwillige Aktivitäten gerade in den Zeiten der Pubertät, wo Jugendliche Freiräume brauchen, wegnimmt, beweist, dass man die Argumentation, mit der Hartmut von Hentig, der vielleicht wichtigste Reformpädagoge der Bundesrepublik, für Entschulung eingetreten ist, nicht nur nicht ernst nimmt, sondern, dass man selbst seine Beschreibung der sozialen Wirklichkeit nicht zu registrieren bereit ist.
Über die Mittel zur Behebung der Krise mag man streiten. Dass die entscheidende Gefahr ist, dass den Jugendlichen die Motivation wegbricht, das sollte man bemerkt haben.
Wenn sich Jugendliche auch durch große Bildungsanstrengungen keinen Arbeitsplatz sichern können, dann muss entweder diese Situation beseitigt werden oder eine neue Basis für Motivation geschaffen werden. Sonst hat über kurz oder lang das gesamte Schulsystem die Probleme, mit denen die Hauptschule sich gegenwärtig herumschlägt.

12.3.08

Teach first

Eine Initiative, die dem Dilemma zu entgehen sucht, dass man die Besten brauchte, um den Benachteiligten die bestmöglichen Bildungschancen zu bieten.
Die Zusammenarbeit innerhalb der Lerngruppen so zu gestalten, dass die Leistungsstärksten intensiv bei der Förderung der Leistungsschwächsten mitarbeiten, ist schwerer zu realisieren, als es die Theorie gern hätte.
Die Besten eines Jahrgang für den Lehrerberuf zu gewinnen, ist angesichts von Bezahlung und Image des Lehrerberufs illusorisch. Teach first hat sich jetzt zur Aufgabe gestellt, sie wenigstens kurzfristig für Tätigkeit in der Schule zu gewinnen, weil Motivation zu schaffen jetzt ja zu den Hauptaufgaben eines Managers gehört. Und wo ließe sich besser testen, ob einem das gelingt, als an einer Gruppe von Schülern, denen die Gesellschaft keinerlei Berufsaussichten bietet.
Wer da motivieren kann, kann auch Pazifisten für die Mitarbeit in einem Rüstungsbetrieb motivieren.
Der Gewinn für die Leistungsstarken ist dabei außer dem Härtetest die Stärkung ihrer Fähigkeit zur politischen Beteiligung.