Posts mit dem Label Verantwortung werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Verantwortung werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

24.6.20

Vom Beruf zum lebenslangen Lernen

Das Wort Beruf kommt von Berufung und bedeutet, dass man das lernen sollte und sich das als Lebensaufgabe setzen sollte, was einen besonders interessiert und was man für gesellschaftlich besonders wichtig hält (so wie gegenwärtig in der Coronakrise Versorgung und Betreuung von Menschen).
Die Entwicklung vom Beruf zum lebenslangen Lernen bedeutet: Es geht immer weniger darum, was man gelernt hat, und immer mehr darum, ob am motiviert ist, Neues zu lernen.
Eine Professorin hat bei einer Examensfeier den erfolgreichen Studenten Folgendes gesagt (ich gebe das aus dem Gedächtnis wieder): Worauf wir bei Studenten bei der Aufnahmeprüfung achten, ist dasselbe wie das, worauf die Firmen bei der Einstellung von Berufsanfängern achten: Motivation und gedankliche Offenheit, Flexibilität.
Ich füge hinzu: Was den Nobelpreisträger vom normalen Wissenschaftler unterscheidet, ist die Motivation, er ist weit motivierter als andere.
Die Fragen, die ich dazu zu stellen habe: Woher soll ich die Motivation nehmen, etwas zu lernen, was ich nicht für wichtig halte?
Wenn es um größtmögliche Lernfähigkeit und Flexibilität geht, ist ein Computer der Beste. Den kann man nämlich für jede beliebige neue Aufgabe programmieren. Menschen arbeiten aber am erfolgreichsten, wenn sie interessiert und motiviert sind.
Bedeutet mehr Eigenverantwortung des Angestellten mehr Freiheit für ihn oder nur weniger Verantwortungsbereitschaft des Unternehmers??

26.1.18

Haltung, Empörung, Konsens, Verantwortung

Mehr Haltung als Voraussetzung für einen großen gesellschaftlichen Konsens fordert Nico Hofmann in der zweiten Mannheimer Rede. (Mannheimer Morgen 26.1.2018, S.F4)

Recht gebe ich ihm insofern, als eine gesellschaftliche Diskussion nur dann voranbringen kann, wenn auf beiden Seiten Lernbereitschaft besteht (oder entsteht). Abwertung des Widerparts trägt nur zur Spaltung bei.
Das ist die gefährliche Entwicklung, die wir gegenwärtig beobachten.

Und doch hat Hessel recht, wenn er auffordert: "Empört euch!"
Wenn bei den Entscheidungsträgern eine Fehlentwicklung entsteht, besteht zunächst keine Gesprächsbereitschaft mit Kritikern. Dann braucht es einen "Aufschrei" der Empörung, damit das Gespräch erst in Gang kommt.
Ein Musterbeispiel ist Stuttgart 21.* Die Empörung führte zu einer Mediation mit einem - angesichts des damaligen öffentlichen Kenntnisstandes - vernünftigen Konsens.
Der entscheidende Fehler passierte, als die Entscheidungsträger sich - angesichts neuer, ihre Kritiker bestätigender Erkenntnisse - über die Vereinbarung (4,5 Mrd Höchstkosten) hinwegsetzten und selbst jetzt bei geschätzten über 8 Mrd nicht die Kraft zum Aufhören aufbringen.
Da ist es dann zu spät für Gespräche. Dann müssen die Entscheidungsträger zur Verantwortung gezogen werden. (Weshalb das nicht geschehen ist, ist ein eigenes Thema.)

*mehr dazu: Wikipediaartikel;   Fontanefans Schnipsel


Video mit Kurzauschnitten und Kurzcharakterisierung der Gesamtaussage.
unter anderem:
Soziale Medien als "Abfallgrube de eigenen Emotion", aber auch Voraussetzung für die Entstehung von großen Debatten. [von Hofmann nicht ausdrücklich genannt: #MeToo und #Aufschrei]


Schriftliche Kurzdarstellung zur Rede:
"Im Zentrum der "Mannheimer Rede" spricht Nico Hofmann von den Zusammenhängen zwischen Geschichte und dem Bewusstsein, das wir ihr gegenüber entwickeln. "Ich bin der festen Überzeugung, dass es ohne eine Beschäftigung mit unserer Vergangenheit und ein Lernen daraus kein Verständnis für die Probleme der Gegenwart und vor allem keine seriöse Gestaltung von Zukunft geben kann", sagt er. Er halte es für dringend geboten, "dass wir nicht aufhören, uns darüber bewusst zu werden, mit welcher Vorgeschichte und auf welcher geschichtlichen Basis die Gesellschaft, in der wir leben und die wir täglich weiter gestalten müssen, aufgebaut ist." Hofmann betont: "Ich halte es geradezu für eine Verpflichtung, dass wir die Deutung dieser Geschichte – auch und besonders, was die Zeit des Nationalsozialismus angeht – dabei nicht den Populisten überlassen."
"Aussagen von Björn Höcke sind brandgefährlich"
Wenn Gruppierungen wie die AfD anfingen, Terrains unserer Geschichte "nach ihrem Belieben wieder nationalistisch zu belegen" und mit "einem Gedankengut zu unterfüttern, das es in leidvoller Weise schon einmal gab", dann müssten Menschen wie Hofmann, die sich mit demselben Themenspektrum beschäftigen und über öffentliche Aufmerksamkeit verfügen, öffentlich Position beziehen.
Nicht nur, so Hofmann, weil er die Ansichten der AfD ablehne. Auch, so sagte er, "weil ich Aussagen, wie wir sie von jemandem wie Björn Höcke hören, für brandgefährlich halte." Seiner Meinung nach bedienen sie "genau die Mechanismen der Menschenverachtung und der Ausgrenzung, die schon einmal zu Faschismus und Verfolgung geführt haben." Auf diese Weise würden sie auch genau die nationalistischen Ressentiments schüren, die Europa und die Welt schon einmal ins Unglück gestürzt hätten.
Zum Schluss seiner Rede spricht Hofmann dann über die Diversität in unserer Gesellschaft, die "bunt und vielfältig" sei, "offen und durchlässig", und auch über intellektuelle Debatten. Schade sei, dass sich "Vielfalt in vielen Bereichen unseres gesellschaftlichen Lebens noch längst nicht so abbildet, wie es notwendig wäre." Dafür müsse jeder Einzelne beitragen. Hofmann: "Dafür zu sorgen, dass sich das ändert und dass wir unsere Gesellschaft auch so gestalten, dass sie ihrer eigenen Zusammensetzung gerecht wird, liegt im Verantwortungsbereich jedes Einzelnen von uns – je nach seinen Möglichkeiten."
Auch Hofmann fühlt sich dabei nicht nur als Privatperson gefordert. Ihm komme "auch durch meinen Beruf und meine Position, eine besondere Verantwortung zu. Auch in der UFA - in der rund 1800 Mitarbeiter fest angestellt arbeiten und in der durch die einzelnen Filmdrehs und Teams jährlich noch einmal 8000 Menschen dazu kommen - aber auch in unserer gesamten Branche bildet sich diese Diversität noch nicht so ab, wie es der Gesellschaft, in der wir leben, entsprechen würde." "

16.1.18

Demokratie und Verantwortung

Die SPD müsse Verantwortung übernehmen und eine deutsche Mehrheitsregierung ermöglichen, damit Europa wieder handlungsfähig werde, wird gesagt. Dafür müsse sie mit der Union Koalitionsverhandlungen aufnehmen. An dem gemeinsamen Beschluss der CDU/CSU eine "atmende Obergrenze" für die Aufnahme von Flüchtlingen festzulegen sei freilich nicht zu rütteln.

Der Zukunftsforscher Jørgen Randers vom Club of Rome argumentiert, Demokratie verlangsame Entscheidungen oft um Jahrzehnte. Verzögerte Entscheidungen könnten aber über das Wohlergehen und das Überleben von Milliarden von Menschen entscheiden. Daher sieht er es positiv, dass in China, wo bei der nachholenden Wohlstandsentwicklung der ökologische Fußabdruck sich sehr schnell vergrößere, aufgrund der Parteidiktatur Entscheidungen im Sinne des Umweltschutzes schneller durchgesetzt werden können.*

Die Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi antwortet auf Fragen zum Schicksal der in Myanmar verfolgten Rohingya ausweichend. Wie weit trägt sie für das Schicksal der Rohingya Verantwortung, wie weit der Präsident Myanmars Htin Kyaw, wie weit die Militärs, die bis zum Demokratisierung die volle Entscheidungsgewalt hatten und sie nur zum Teil abgegeben haben? Oder sind es die handelnden Generäle vor Ort? Wie weit sind politische Entscheidungen in Myanmar von China abhängig, auf dessen Investitionen Myanmar angewiesen ist? Wer trägt die Verantwortung für das Schicksal der 400000  Rohingya, die nach Bangladesch geflohen sind?

Wie sind individuelle Menschenrechte gegenüber dem Allgemeinwohl zu gewichten? Die Frage stellt sich bei der Abwägung zwischen dem Asylanspruch eines Verfolgten und dem Interesse einer Gesellschaft an der Aufrechterhaltung der vorhandenen Ordnung, aber auch bei der Frage, ob ein von Terroristen gekidnapptes Flugzeug abgeschossen werden darf. Die Auffassungen differieren dabei zwischen westlichen und asiatischen Ländern, aber auch zwischen herrschenden Eliten, Reformern und Revolutionären innerhalb Asiens. Aber auch in westlichen Ländern wird zunehmend im Blick auf Klimawandel und Umweltschutz die ein Vorrag individueller Menschenrechte gegenüber dem Allgemeinwohl in Zweifel gezogen.* 


*"Die Botschaft »Grenzüberziehung aufgrund verzögerter Entscheidungen« von GdW stößt nicht auf breites Verständnis. Das war vor einer Generation nicht überraschend, denn 1972 (als der menschliche ökologische Fußabdruck etwa halb so groß war wie heute) wurde es als ziemlich undenkbar gesehen, dass sich die Weltgesellschaft erlauben würde, über die nachhaltige Tragfähigkeit des Planeten hinaus zu wachsen. […] Kluge Politik muss sicherstellen, dass der menschliche Fußabdruck keine nicht-nachhaltige Größenordnung annimmt. Das bedeutet, von Expansion abzusehen, die einen nur kurzfristigen Vorteil brächte. Dies ist schwierig in einer Demokratie, die von kurzfristig denkenden Wählern bestimmt wird, und in Märkten, die von kurzfristig denkenden Investoren dominiert werden." (Randers: 2052, S.359-361)

*"Wir werden zu lange dem Ideal verhaftet bleiben, dass individuelle Rechte Priorität gegenüber dem Allgemeinwohl genießen, eine Sichtweise, die in einer immer dichter gedrängten Welt immer weniger hilfreich sein wird." (Randers: 2052, S.58)


Im Blick auf die Globalisierung wird die Verantwortung nationaler Regierungen wie auch einzelner Personen nicht allein auf das Wohlergehen einzelner Gruppen oder Staaten bezogen sein dürfen. Andererseits wird diese Verantwortung nur in besonderen Ausnahmefällen im Sinne eines militärischen Schutzes (Schutzverantwortung oder resposibility to protect) einer Gruppe vor staatlichen Übergriffen interpretiert werden dürfen. Umstritten ist z.B. der internationale Militäreinsatz in Libyen 2011, obwohl er zumindest teilweise durch eine UNO-Resolution gedeckt war. 


Für den Unterricht scheint es wichtig, anzuerkennen, dass es gegenwärtig keine weltweit geltenden Wertordnungen und Rechtsauffassungen gibt, auch wenn über Völkerrecht und Internationale Strafgerichtshöfe eine Vereinheitlichung angestrebt wird. Andererseits muss der Auffassung entgegengetreten werden, Wertsetzungen könnten individuell oder von Gruppen festgelegt werden; denn ein Konsens über die Bestimmung der Rechtsordnung durch Gesetz und Rechtsprechung ist die Voraussetzung für staatliche Ordnung, ohne die immer ein schrankenlos durchgesetztes Recht des Stärkeren gilt, das zum Völkermord führen kann.


Zu diesen Reflexionen bin ich durch die Diskussion über die Verantwortung der Parteien gekommen, die eine Minderheitsregierung zu verhindern hätten (dazu vgl. hier). 

Welche Aspekte dieses vielschichtigen Problems aufgegriffen werden, wird von der einzelnen Unterrichtssituation abhängig sein. Je multikultureller unsere Gesellschaft wird, desto wichtiger wird aber ein Grundkonsens in diesen Fragen.

9.7.15

Brauchen wir neue Verantwortlichkeitsregeln für die Publikation im Internet?

Götz Hamann äußert die Ansicht, Texte, die über Soziale Netzwerke vermittelt würden bezögen ihre Glaubwürdigkeit vom Vermittler, nicht vom Autor. Das sehe ich ganz anders.

Dagegen sehe ich mit Bernhard Pörksen (sieh weiter unten) durchaus ein Problem darin, wenn die Texte, die umfangreiche Recherchen, insbesondere Investigation, erfordern und in Redaktionen einer Qualitätskontrolle unterliegen, ganz durch ehrenamtlichen Freizeitjournalismus abgelöst würden. Texte von Heribert Prantl oder Habermas gewinnen für mich Autorität über den Autor, Texte, deren Autoren ich nicht einschätzen kann, über das Publikationsorgan. (Was nicht heißt, dass ich sie nicht aufgrund meiner politischen Einstellung und meines persönlichen Grundverständnisses einordnen würde.) Ich weiß, was ich bewirke, wenn ich mich auf eine einseitige Auswahl von Publikationsorganen stütze. 
Problematisch wird es, wenn ich mich für die Beurteilung von Texten allein auf mein Grundverständnis verlassen muss und über die Art der Textauswahl keine Ahnung habe (besonders, wenn sie sich - wie bei Google - an meinen vorhergegangenen Vorlieben orientiert).  Dass Pörsken diese Gefahr deutlich herausarbeitet, scheint mir wichtig. 

Pöbeleien im Netz ersticken Debatten. Wir brauchen endlich Regeln! Ein Appell von Bernhard Pörksen
"In einem solchen Zusammenwirken der unterschiedlichsten Kräfte zeigt sich eine Neuverteilung der publizistischen Machtverhältnisse. Einerseits verlieren die traditionellen Gatekeeper des Journalismus an Macht, aber damit beginnt nicht das Reich totaler Freiheit, sondern es gewinnen Gatekeeper neuen Typs an Einfluss, die ihre publizistische Mitverantwortung bislang offensiv ignorieren. Auf eine Formel gebracht: Beobachtbar ist eine Disintermediation bei gleichzeitiger Hyperintermediation*. 
(*It's the proliferation—not elimination—of intermediaries that has made blogging so widespread.  The right term here is “hyperintermediation,” not “disintermediation.” - Intermediaries online are more powerful, and more subtle, than ever before.)
Das sind, zugegebenermaßen, ziemlich scheußliche Ausdrücke aus dem Begriffsarsenal der Medienwissenschaft. Sie zeigen jedoch, warum die Ausweitung der Verantwortungszone in all den Debatten über die Macht der Medien und die Veränderung der Öffentlichkeit unbedingt geleistet werden muss und warum die allgemeinen Appelle in Richtung einer Publikumsethik ins Leere gehen. [...] Und schließlich bedeutet dies, dass der klassische Journalismus an Deutungsautorität verliert (und damit die Agenda der Allgemeinheit an Strahlkraft und Verbindlichkeit einbüßt). Der gesamte Mechanismus der Weltaneignung und Wirklichkeitskonstruktion, den Disintermediation ermöglicht, ist also zwiespältig: Er kann uns befreien, weil auf einmal für jeden sichtbar die Diktatur der Mono-Perspektive zerbröselt. Und er kann uns in eine neue Verbiesterung und ideologische Verhärtung hineinlocken, weil sich nun der Einzelne – ohne offizielles Korrektiv, ohne die Irritation durch einen allgemein anerkannten Glaubwürdigkeitsfilter – seine Weltsicht zusammenbasteln und in seine höchstpersönliche Wirklichkeitsblase hineingoogeln kann.
[...] Worauf es insgesamt ankommt, ebendies meint Disintermediation bei gleichzeitiger Hyperintermediation: Es entstehen, parallel zur publizistischen Selbstermächtigung des Einzelnen, Nachrichten- und Weltbildmaschinen eigener Art, globale Monopole der Wirklichkeitskonstruktion, die längst mächtiger sind als die klassischen Nachrichtenmacher. [...] Diese Gesellschaft braucht also, will sie nicht ihre liberal-aufklärerische Tradition verlassen, Denkräume und Wertedebatten, um die Frage nach der publizistischen Verantwortung in der öffentlichen Sphäre neu zu stellen, sie überhaupt erst zu behandeln. [...] Die neuen Player in der Erregungsarena der Gegenwart sind längst mitten unter uns, und es wäre fatal, die Frage nach der publizistischen Verantwortung aller weiterhin zu ignorieren."

Dass man sich "in seine höchstpersönliche Wirklichkeitsblase hineingoogeln kann" sehe ich als gesellschaftliche Gefahr, wenn es keine Konkurrenz von anspruchsvollen Redaktionen mehr gibt. (Deshalb sehe ich auch im Monopol der Wikipedia eine Gefahr, ohne das hier weiter zu begründen.)
Freilich, da ich in der Ukrainekrise wie der griechischen Finanzkrise weitgehend eine unkritische Übernahme der EU-Perspektive durch die Medien beobachtet habe, befürchte ich, dass auch die traditionellen Medien - aufgrund welcher Mechanismen auch immer - keine zureichende Meinungsvielfalt mehr generieren können. 

(Der Vorläufer dieses Textes findet sich auf Fontanefans Schnipsel.)

2.12.14

Klassenchats

Philippe Wampfler schreibt in "Klassenchat – oder die schwierige Ökologie sozialer Netzwerke":
Wer sich mit Klassenchats auseinandersetzt, wird bemerken, wie falsch viele Vorstellungen von »Digital Natives« sind. So selbstverständlich Neue Medien genutzt werden, so viele Schwierigkeiten bringen sie mit sich. Jugendliche haben ein differenziertes Bewusstsein von den Problemen, die Klassenchats schaffen können. Sie werden damit aber völlig allein gelassen, weil die Schule daran offiziell nicht beteiligt ist und die Eltern diese Chats als paraschulische Aktivität tolerieren müssen, weil sie eine Bedingung der Teilnahme an wichtigen Lernprozessen im Peer-Bereich geworden sind.
Wollen Lehrpersonen hier aktiv werden, bitte ich sie, mit jeder Klasse eine Lektion über ihren Chat zu sprechen. Am Schluss könnte eine Art Verpflichtung stehen, wie die Qualität des Austausches verbessert werden kann.
Dazu zunächst zwei Ausschnitte aus Kommentaren:
1. Mir scheint das Thema in Schule und Elternhaus von ausserordentlicher Bedeutung und bisher noch nicht wirklich geklärt, wohl auch weil die Zuständigkeit zwischen Stuhl und Bank fällt (zwischen öffentliche Schule und privatem Zuhause).
2. Ich frage die Klasse:”Können wir das … in eurem Klassenchat (WhatsApp, what else?) lösen?” – die Klasse:”Wollen Sie das wirklich?” – Ich:”Grundsätzlich nein, einfach kurz zur Lösung dieses Problems” – die Mädchen:”d’Buebe sind nid (nümme) i de Gruppe!”

Man merkt, dass dies Diskussionen im Schweizer Raum sind. Die Probleme sind aber mit Sicherheit überall ähnlich.
Meine Ansicht: Die Klassenchats gehören gewiss in das Gespräch im Lehrerzimmer (und in Lehrerblogs). Die Entscheidung, wie man darauf reagiert, gehört zur pädagogischen Verantwortung. Ob Lehrerkonferenzen und Ministerien dazu bindende Beschlüsse fassen sollten, kann ich ohne genauere Kenntnis der Situation vor Ort nicht beurteilen. Der Hinweis von Philippe Wampfler scheint mir aber bedenkenswert.

Links:
Eine aktuelle Schülerfrage in gutefrage.net mit Antworten;

Zeitungsartikel
Klassenchat kann schnell zu Mobbing führen, in http://www.wz-newsline.de/, 27.11.14
Whats App: Klassen-Chat eskaliert, 2.10.2013

5.6.13

Worauf kommt es beim Lernen an?

Eine sehr beachtenswerte Antwort gibt dazu Maik Riecken.
Ein kurzer Auszug:
Bildung hat für mich zwei wesentliche Komponenten. Struktur und Inhalte. Ich sehe diese beiden Komponenten einzeln als völlig wertlos an. Sieht man das Verhältnis zwischen beiden als dichotomisch an, so wird ein Schuh daraus.
Das ist ähnlich wie ein Lager (Struktur) mit Paketen (Inhalte). In einem Lager befinden sich Regale. [...] Wenn es keine Pakete gibt, ist der Betrieb des Lagers als Selbstzweck irgendwie doof. Wenn es keine Lagerstrukturen gibt, wird es mit der Verwertbarkeit der Pakete schnell schwierig. Lager und Pakete gehören also zusammen wie die zwei Seiten eines Blatts Papier – ein dichotomisches Verhältnis.
Ein modernes Lager organisiert sich heutzutage übrigens immer neu, besitzt also im Prinzip wenig feststehende Strukturen. Einzelne Pakete oder “Wissensartefakte” sind da weniger dynamisch – wobei es natürlich immer auf das Wissensgebiet ankommt.

Er setzt seinen Text unter der Überschrift "Was bedeutet für mich Bildung?"
Für mich ist Bildung etwas anderes (dazu unten ein paar wenige Worte), aber zur Erklärung, welche Rolle Struktur und Inhalt für das Lernen haben, ist der Text sehr anschaulich.

Ganz kurz zu Bildung:

30.7.12

Das Mädchen am Kanal

Eine Geschichte zum Nachdenken.

Ein Kommentar

Eine Geschichte aus Sicht einer Schülerin

Wie weit geht die Verantwortung von Lehrern?
Was sollen sie sich zumuten?
Was dürfen sie sich zumuten?

Wäre die Schülerin aus der zweiten Geschichte besser dran gewesen, wenn sich ihre Lehrerin gleich anfangs zurückgehalten hätte?

 (Dank an Frau Falke!)

11.11.07

Verantwortung übernehmen - Selbstwirksamkeit erfahren

Zu Recht hat von Hentig gefordert, Kinder sollten schon im Vorschulalter die Erfahrung machen, dass sie gebraucht werden. Das geht dadurch, dass sie Verantwortung übernehmen: durch Hausarbeit, für die sie allein zuständig sind (ein 13jähriger, der den gesamten Familieneinkauf organisiert, ist möglich), oder durch die Betreuung eines Tieres.

"Schule macht Kinder unglücklich" titelt heute die Welt am Sonntag.
"Ich gehe in die Schule, ich hab mir die schönste Schule ausgesucht", soll mein großer Bruder am ersten Schultag gesungen und schon am Ende der Woche ganz anders darüber gedacht haben.
Erfolgserlebnisse, wichtig sein, anerkannt werden, all das ist in der Familie leichter zu vermitteln als in einer großen Schulklasse. Aber Schule ließe sich so organisieren.

Ständige Gruppenarbeit allein braucht das nicht zu bringen, da man da die Verantwortung für den eigenen Lernprozess (anders, aber ähnlich erfolgreich wie beim reinen Frontalunterricht) auf andere abschieben kann. Lernen durch Lehren ist dafür besser, ist aber für die Leistungsschwachen nur durch besondere Arrangements erreichbar, z.B. im Gruppenpuzzle (kurz gesagt: "Ausbildung" von Experten in der ersten Arbeitsgruppe, Vortragen durch Experten in der themen- und damit expertengemischten zweiten Arbeitsgruppe). Mit dem, was man heute "fördern und fordern" nennt (u.a. mit dem intensiven Leistungsvergleich in der 3. Grundschulklasse) , geht es freilich kaum.