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19.3.19
Martin Lindner: "Die Bildung und das Netz" mit einigen aktuellen Anmerkungen
Mit dem Netz hat sich nicht nur der Zugang zu Bildung verändert, "sondern auch das Wissen selbst: Im Netz und mit dem Netz entstehen neuartige Wissensarchitekturen, weil die digitalisierten Bausteine ganz anders verknüpft und verarbeitet werden können. Die Fachleute sind jetzt nicht mehr entrückte Autoritäten, die sich in perfekt formulierten Publikationen äußern, sondern Menschen, denen man online quasi beim Denken zusehen kann. Und auch die Peer-Netzwerke sind von ganz anderer Qualität als früher.
Das bedeutet tatsächlich einen fundamentalen Bruch mit den Bedingungen, unter denen früher Bildung stattfand, auch wenn die sichtbaren Auswirkungen bislang noch gar nicht so dramatisch sind. [...]
Die Idee eines verpflichtenden Wissenskanons ist verloren. Die Autoritäten büßen viel von ihrer Richtlinienkompetenz ein. Die Kommunikationen verzetteln sich. Und je mehr man sich in Online-Netzwerken aufhält, desto weniger ist man auf den Zusammenschluss mit den Leuten angewiesen, die leibhaftig im selben Raum sind." (Martin Lindner: Die Bildung und das Netz, Kapitel 16: Eine sehr kurze Bildungsgeschichte - im Kindle irgendwo bei 34%.)
Die Redaktionsversion des Textes der Teile 1 bis 7 findet sich unter diesem Link:
https://docs.google.com/document/d/1nPxUsEccO8MyYP4sveYLVSV-YLjLEQ7tX5GU07fIPDo/edit#
[Wenn ich gleich zum Inhaltsverzeichnis gegangen wäre, um das genaue Kapitel, aus dem sie stammt, anzugeben, hätte ich es mir sehr erschwert, die genaue Stelle, wiederzufinden, von der ab ich weiterlesen wollte (eine Besonderheit elektronischer Bücher).]
Meine Annäherung an Martin Lindners Text geschieht in diesem Blogartikel etwas ungewöhnlich. In anderen werde ich versuchen, Stellen, die mir wichtig erscheinen, weitestgehend unkommentiert vorzustellen. Dazu habe ich von ihm die Erlaubnis bekommen.
Das bedeutet tatsächlich einen fundamentalen Bruch mit den Bedingungen, unter denen früher Bildung stattfand, auch wenn die sichtbaren Auswirkungen bislang noch gar nicht so dramatisch sind. [...]
Die Idee eines verpflichtenden Wissenskanons ist verloren. Die Autoritäten büßen viel von ihrer Richtlinienkompetenz ein. Die Kommunikationen verzetteln sich. Und je mehr man sich in Online-Netzwerken aufhält, desto weniger ist man auf den Zusammenschluss mit den Leuten angewiesen, die leibhaftig im selben Raum sind." (Martin Lindner: Die Bildung und das Netz, Kapitel 16: Eine sehr kurze Bildungsgeschichte - im Kindle irgendwo bei 34%.)
Die Redaktionsversion des Textes der Teile 1 bis 7 findet sich unter diesem Link:
https://docs.google.com/document/d/1nPxUsEccO8MyYP4sveYLVSV-YLjLEQ7tX5GU07fIPDo/edit#
[Wenn ich gleich zum Inhaltsverzeichnis gegangen wäre, um das genaue Kapitel, aus dem sie stammt, anzugeben, hätte ich es mir sehr erschwert, die genaue Stelle, wiederzufinden, von der ab ich weiterlesen wollte (eine Besonderheit elektronischer Bücher).]
Meine Annäherung an Martin Lindners Text geschieht in diesem Blogartikel etwas ungewöhnlich. In anderen werde ich versuchen, Stellen, die mir wichtig erscheinen, weitestgehend unkommentiert vorzustellen. Dazu habe ich von ihm die Erlaubnis bekommen.
Hier eine kurze Andeutung, wie mich diese Textstelle aus dem Buch erreicht hat und wie sie wieder ins Netz gelangt ist:
Ich habe das Buch vor der Erstellung subskribiert (heißt heute: "per crowdfunding schwarmfinanziert"), bei einem ZUM-Treffen im Druckexemplar gelesen, den Verfasser bei passender Gelegenheit gebeten, es mir zur Verfügung zu stellen, es mir im azw3-Format aus dem Netz heruntergeladen, gerätselt, wie ich es in meinen Kindle hineinbekomme, in gutefrage.net angefragt, eine richtige Antwort bekommen (auch wenn der Antwortende das azw3-Format nicht kannte), aber mit der Antwort nichts anfangen können. (Was mein Problem war, schildere ich dort.) Schließlich habe ich es aber geschafft, es wenigstens in amazondrive unterzubringen. Meine Vorstellung: Wenn es bei amazon ist, ist es nicht mehr weit bis zum Kindle.
Im drive konnte ich es freilich wegen des Formats nicht lesen. Das wollte ich auch gar nicht, es sollte ja im Kindle sein. Hätte ich jetzt jemanden gehabt, der "leibhaftig im selben Raum" gewesen wäre, wäre ich über einen besseren Weg informiert worden. So habe ich einen hochqualifizierten Informatiker bemüht, der einen Kindlebesitzer, mit dem er "im selben Raum" war, befragt und darauf mir kluge Ratschläge gegeben hat.
Unfähig, die Ratschläge zu deuten, habe ich den Verfasser des Buches bemüht, ihm mein Problem aus meiner Sicht geschildert, was er, da er nicht "leibhaftig im selben Raum" war, nicht recht deuten konnte.
Genug, offenkundig habe ich den Text dann irgendwie im Kindle lesen können.
Sogleich habe ich dort meine Markierungen gesetzt, um es von dort wie üblich auf den Computer zu übertragen. Der aber erkannte nicht, dass das Buch wirklich im Kindle war, erkannte auch meine Markierungen nicht und konnte mir nicht den Text anzeigen.
Alles kein Problem. Ich lese die markierte Stelle meinem iphone vor, das konfiguriert die Mail, die mein Computer empfängt. Die kopiere ich in diesen Blogartikel, korrigiere die Verständnisfehler der Spracherkennung und schon steht Martin Lindners Textpassage im Netz. Freilich nur, wenn ich sie rechtzeitig gespeichert habe.
Wie oft war diese Textpassage auf dem Weg vom Verfasser zu mir und von mir zum Blog und vom Blog zu Ihnen im Netz?
Ich stimme Martin Lindner durchaus zu, dass man die Gedankengänge eines Wissenschaftlers, der häufig twittert, gelegentlich bei ihrer Entstehung mitverfolgen kann. Und das weiß ich sehr zu schätzen. Zudem ist es über das Netz leichter möglich, sich auf einer Art Augenhöhe zu fühlen. [Beispiel: Twittergespräch über Wissenschaft - Ist hier erkennbar, wer Professor ist, wer Doktor, wer gar kein ausgewiesener Wissenschaftler?]
Kurz gesagt, wir würden uns duzen, auch wenn wir nie zusammen "im selben Raum" gewesen wären. Aber von der Augenhöhe bleibt wenig übrig, wenn der eine sich im Netz nicht wie ein digital native, sondern wie ein Wissenschaftler bewegt, der seine Arbeitstexte so routiniert aufspürt, wie er es zuvor in Seminar- und Universitätsbibliothek, über Fernleihe und im Archiv getan hat.
Dennoch: Greta Thunberg kann mit großer Autorität von den Politikern fordern: "Ihr müsst mehr für die Abschwächung des Klimawandels tun!" und gleichzeitig auf die Frage, was geschehen soll, antworten: "Das weiß ich nicht".
Denn ihr ist schon lange bekannt, dass Hunderte von Wissenschaftlern sich über wesentliche Schritte einig sind (vielleicht auch Tausende oder Millionen). Und in der Wikipedia findet sich (sogar in 133 Sprachen) zu Klimaschutz Grundlegendes zum Problem in einer für eine intelligente 16-Jährige durchaus verständlichen Sprache. Und die Qualifizierung als exzellenter Artikel bedeutet inzwischen, dass das Gebotene inzwischen höheren Ansprüchen genügt als früheres Lexikonwissen.*
Es gibt andere Hürden, aber dass Politiker deshalb, weil sie sich auf das Fachwissen ihres Ministeriums stützen können, sich über ihr Aufgabengebiet qualifizierter äußern könnten als Schüler, wird ihnen schon länger kaum noch abgenommen.
Da brauchte es nicht Seehofer, der Migration als "Mutter aller Probleme" bezeichnete, als ob Klimawandel und Migration nichts miteinander zu tun hätten.
Und auch keines Scheuer, der als Verkehrsminister eine Geschwindigkeitsbeschränkung auf Autobahnen als "gegen jeden Menschenverstand" bezeichnete, obwohl die überwältigende Mehrheit der Länder Europas eine solche Beschränkung eingeführt hat. Und auch keines Trump.
Und die Aussage von 2017 "je mehr man sich in Online-Netzwerken aufhält, desto weniger ist man auf den Zusammenschluss mit den Leuten angewiesen, die leibhaftig im selben Raum sind." ist nicht erst durch den Schülerstreik in rund 130 Ländern bewiesen, bei dem z.B. in einem Land nur 4 streikende Schüler waren, die aber die Nachricht von ihrem Streik international bekannt machen konnten.
Da mag ich in den vorhergehenden Absätzen noch so oft betont haben, dass Anwesenheit "im selben Raum" für Verständigung oft zentral ist.
* Ich persönlich halte übrigens den Bericht des Club of Rome von 2012 "2052 ..." für politisch noch informativer* und besonders zusammen mit Barack Obamas Satz: "Als Politiker kann ich Ihnen eines versichern: Politische Führer werden keine Risiken eingehen, solange die Menschen dies nicht von ihnen verlangen." (SZ, 5.10.13) Denn der bedeutet ja, dass das Wichtigste ist, dass Politiker eben nicht nur von Vertretern der Wirtschaft gesagt bekommen, was sie tun sollen.
* Sehr eindrucksvoll dazu die 20 Ratschläge
Zur Fortsetzung meines Kommentars zur Lektüre des Buches (Entwurfsstadium)
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21.2.15
Kompetenz und Wissen nicht mehr zwei Seiten einer Medaille?
Frontalunterricht heißt das Schreckgespenst. Hilbert Meyer spricht daher statt dessen von direkter Instruktion, wenn er die Fähigkeit, komplexe Zusammenhänge zu verdeutlichen und Einzelphänomene in einen Zusammenhang einzuordnen, für notwendig hält, wenn Projektarbeit und individualisiertes Lernen vorbereitet werden soll. (Wie man diese Fähigkeit des Lehrers über Lernen durch Lehren für das Unterrichtsgeschehen nutzen kann, ohne dass in der Lernsituation der Lehrer im Mittelpunkt stehen muss, hat er offenbar noch nicht zu schätzen gelernt.)
Dass Kompetenz und Wissen als in Konkurrenz stehend gesehen werden, scheint mir allerdings erschreckend.
Leider bin ich mir aber nicht sicher, dass der Artikel Der Kompetenz-Fetisch in der FAZ, 18.2.15, die Verhältnisse verzerrt darstellt, wenn es dort heißt:
Jetzt dazu auch: Warum Allgemeinbildung eine wichtige Grundlage bleibt, 25.2.15
Dass Kompetenz und Wissen als in Konkurrenz stehend gesehen werden, scheint mir allerdings erschreckend.
Leider bin ich mir aber nicht sicher, dass der Artikel Der Kompetenz-Fetisch in der FAZ, 18.2.15, die Verhältnisse verzerrt darstellt, wenn es dort heißt:
"So kreisen am Ende Goethe, Kafka und das Periodensystem der Elemente um den Schüler statt der Schüler um sie. Wiechmann graut es davor: „Von einer Sache, die so zum bloßen Material, zur Verfügungsmasse degeneriert ist, kann dann keine Motivation mehr ausgehen, und es ist nur konsequent, wenn das Kompetenzkonzept Kompetenzen der Selbstmotivation dann eigens in den Katalog mit aufnimmt.“ Auch eint die Kritiker die Furcht, dass nicht wie erwartet reifere Persönlichkeiten die neuen Schulen verlassen werden."Was ich dem hinzuzufügen hätte, hat Klaus Dautel im ZUM-Blog schon beredter ausgesprochen.
Jetzt dazu auch: Warum Allgemeinbildung eine wichtige Grundlage bleibt, 25.2.15
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5.6.13
Worauf kommt es beim Lernen an?
Eine sehr beachtenswerte Antwort gibt dazu Maik Riecken.
Ein kurzer Auszug:
Er setzt seinen Text unter der Überschrift "Was bedeutet für mich Bildung?"
Für mich ist Bildung etwas anderes (dazu unten ein paar wenige Worte), aber zur Erklärung, welche Rolle Struktur und Inhalt für das Lernen haben, ist der Text sehr anschaulich.
Ganz kurz zu Bildung:
Ein kurzer Auszug:
Bildung hat für mich zwei wesentliche Komponenten. Struktur und Inhalte. Ich sehe diese beiden Komponenten einzeln als völlig wertlos an. Sieht man das Verhältnis zwischen beiden als dichotomisch an, so wird ein Schuh daraus.
Das ist ähnlich wie ein Lager (Struktur) mit Paketen (Inhalte). In einem Lager befinden sich Regale. [...] Wenn es keine Pakete gibt, ist der Betrieb des Lagers als Selbstzweck irgendwie doof. Wenn es keine Lagerstrukturen gibt, wird es mit der Verwertbarkeit der Pakete schnell schwierig. Lager und Pakete gehören also zusammen wie die zwei Seiten eines Blatts Papier – ein dichotomisches Verhältnis.
Ein modernes Lager organisiert sich heutzutage übrigens immer neu, besitzt also im Prinzip wenig feststehende Strukturen. Einzelne Pakete oder “Wissensartefakte” sind da weniger dynamisch – wobei es natürlich immer auf das Wissensgebiet ankommt.
Er setzt seinen Text unter der Überschrift "Was bedeutet für mich Bildung?"
Für mich ist Bildung etwas anderes (dazu unten ein paar wenige Worte), aber zur Erklärung, welche Rolle Struktur und Inhalt für das Lernen haben, ist der Text sehr anschaulich.
Ganz kurz zu Bildung:
- Abscheu und Abwehr von Unmenschlichkeit
- Die Wahrnehmung von Glück
- (mehr dazu bei jeanpol, meiner Meinung nach sehr Wichtiges)
- Die Fähigkeit und der Wille, sich zu verständigen
- Ein Bewusstsein von der Geschichtlichkeit der eigenen Existenz
- Wachheit für letzte Fragen
- Bereitschaft zur Selbstverantwortung und Verantwortung
- Wegen der Anschaulichkeit der Argumentation folge ich von Hentig. Dass Wilhelm von Humboldt und selbst Goethe dazu auch Wissenswertes gesagt haben, sollte man auch wissen.
- Wenn man verstanden hat, was Verantwortung bedeutet und sich danach zu richten versucht, hat man freilich viel Wichtigeres für seine Bildung getan, als wenn man einen vollständigeren und stimmigeren Bildungsbegriff entwickeln kann als von Hentig.
- Ausführlich und eindrücklich hat Peter Bieri 2005 sein Verständnis von Bildung begründet.
- Ich habe etwas gegen die Rede vom "toten Wissen", aber ein fundierter, streng hergeleiteter Bildungsbegriff ist für mich "totes Wissen".
- Deswegen: Herzlichen Dank Maik, dass du mir so anschaulich Lernen erläutert hast!
13.3.13
Blogparade: Worauf kommt es beim Lernen an? (2)
Mein Beitrag vom 27.1. Blogparade: Worauf kommt es beim Lernen an? wird gegenwärtig zwar noch häufig gelesen, aber er ist mir zu unübersichtlich geworden.
Deshalb beginne ich hier eine neue Liste mit Beiträgen zu dem Thema:
Herr Rau: Bessere Lehrer mit der dazugehörigen Diskussion. (13.3.13)
Höchste Zeit, auch C.Spannagels Beitrag "Muss man eigentlich nix mehr wissen?" anzufügen.
Er ist zwar schon vom 10.3.;
aber auch die neueren Kommentare enthalten viel Wissenswertes.
So auch den Link zu "Offene Bildung und offenes Lernen – mehr als nur eine Alternative für E-Learning" (pdf) von Markus Deimann.
Vom 15.3. hebe ich den Diskussionsbeitrag von Martin Ebel hervor.
Dort geht es gewiss noch weiter. Zum Beispiel mit meinem Kommentar vom 17.3.
Inzwischen hat C.Spannagel die Orte, wo sein Beitrag und die darauf folgenden Beiträge diskutiert werden,
zusammengefasst.
Hier füge ich mutig ein Zitat aus einem noch recht unbekannten Gedicht (nicht von mir) als Ergänzung an:
Deshalb beginne ich hier eine neue Liste mit Beiträgen zu dem Thema:
Herr Rau: Bessere Lehrer mit der dazugehörigen Diskussion. (13.3.13)
Höchste Zeit, auch C.Spannagels Beitrag "Muss man eigentlich nix mehr wissen?" anzufügen.
Er ist zwar schon vom 10.3.;
aber auch die neueren Kommentare enthalten viel Wissenswertes.
So auch den Link zu "Offene Bildung und offenes Lernen – mehr als nur eine Alternative für E-Learning" (pdf) von Markus Deimann.
Vom 15.3. hebe ich den Diskussionsbeitrag von Martin Ebel hervor.
Dort geht es gewiss noch weiter. Zum Beispiel mit meinem Kommentar vom 17.3.
Inzwischen hat C.Spannagel die Orte, wo sein Beitrag und die darauf folgenden Beiträge diskutiert werden,
zusammengefasst.
Hier füge ich mutig ein Zitat aus einem noch recht unbekannten Gedicht (nicht von mir) als Ergänzung an:
vielleicht
sind wir geschaffen
zum Träumen.
Und Realität
- eine Fiktion,
die je anders aussieht -
resultiert nur
aus dem Mangel
an Träumen.
Anders gesagt: Ist nicht eine ganz wichtige Funktion von Lehren und Lernen, dass mehr Menschen lernen, wieder zu träumen und wie Hessel, sich darüber zu empören, wenn Träume nicht wahr werden?
Und braucht man nicht, wenn man - aus welchen Gründen auch immer - isoliert ist, Literatur, Kunst, Musik, um die Einsamkeit ertragen zu können?
Und braucht man nicht, wenn man - aus welchen Gründen auch immer - isoliert ist, Literatur, Kunst, Musik, um die Einsamkeit ertragen zu können?
11.3.13
Meine Erfahrungen mit Lehren und Lernen III
Beruflich habe ich Deutsch bis zu meinem Wechsel an die Europäische Schule 1979 immer nur als Muttersprache unterrichtet. Dann folgten neun Jahre Erfahrung mit Deutsch als Fremdsprache und nach meiner Rückkehr der erste Privatunterricht in Deutsch als Fremdsprache, wie oben berichtet.
Privatunterricht in Deutsch als Muttersprache habe ich lange allenfalls als Nachhilfeunterricht gegeben (und dabei als Referndar erste Erfahrungen im Unterricht von Legasthenikern gemacht).
Deutsch als Muttersprache für Erwachsene erwies sich als relativ ähnlich wie Deutsch als Fremdsprache.
Fruchtbar war es vor allem, wo ich mich ganz auf die Bedürfnisse der einzelnen einstellen und die Zielvorgabe weitestgehend von ihnen bestimmen lassen konnte. (Das Gegenteil zum Nachhilfeunterricht, wo die Lernziele einseitig von dem Unterricht, der begleitet wurde, vorgegeben waren.)
Bei verschiedenen kleineren Projekten, wo andere Sachgebiete behandelt wurden als Deutsch, habe ich mich weniger an Zielvorgaben der Lernenden halten können, weil sie die Sachgebiete zu wenig kannten, um zu erkennen, wo für sie Lernzuwachs am wichtigsten war. Doch auch hier kam ich am ehesten zum Erfolg, wenn ich zunächst den Kenntnisstand evaluieren und dann den Unterricht daran orientieren konnte. Das ist eine Banalität, aber es erklärt mir, weshalb mich diese Arbeit meist besser motivierte als die mit großen Gruppen.
Wenn die Gruppe eine hohe Motivation mitbringt oder wenn der Lehrende - aus welchen Gründen auch immer - sie zu erzeugen vermag, dann funktioniert auch ein Unterricht, bei dem die Lernenden sich nicht eigenverantwortlich steuern können und der sich nicht streng an den Einzelbedürfnissen orientiert.
Die eigenverantwortliche Steuerung setzt ihrerseits aber nicht nur allgemeine Fähigkeiten, sondern auch erhebliche Vorkenntnisse voraus.* Darin folge ich Christian Spannagels Überlegungen in: Muss man eigentlich nix mehr wissen? (vgl. auch die dortige Diskussion). Einmal mehr ein Anlass für mich, ihm für seine anregenden Beiträge zu danken (gelobt werden will er ja nicht).
Im Zusammenhang mit dieser Diskussion hier eine Kurzinformation zu Wissensmanagement mit weiterführenden Links sowie eine Kurzerläuterung zum in der Informatik gebräuchlichen Begriff Chunk.
* Sonst muss ein Lernerleichterer gezielt dies Wissen beisteuern.
Bei den folgenden Selbstlernplattformen für Schüler sind gezielt Lernhilfen für die entsprechende Altersstufe beigegeben: Mauswiesel (Grundschule) Select (Sekundarstufe I und II), Lernmodule, aber natürlich können sie nur für sehr eingeschränkte Fragenkomplexe Lernmaterial anbieten: Schulstoff eben und auch davon nur ein sehr kleiner Teil. Natürlich hat das mit selbständigem Lernen mit Hilfe des Internets so gut wie nichts zu tun.
Privatunterricht in Deutsch als Muttersprache habe ich lange allenfalls als Nachhilfeunterricht gegeben (und dabei als Referndar erste Erfahrungen im Unterricht von Legasthenikern gemacht).
Deutsch als Muttersprache für Erwachsene erwies sich als relativ ähnlich wie Deutsch als Fremdsprache.
Fruchtbar war es vor allem, wo ich mich ganz auf die Bedürfnisse der einzelnen einstellen und die Zielvorgabe weitestgehend von ihnen bestimmen lassen konnte. (Das Gegenteil zum Nachhilfeunterricht, wo die Lernziele einseitig von dem Unterricht, der begleitet wurde, vorgegeben waren.)
Bei verschiedenen kleineren Projekten, wo andere Sachgebiete behandelt wurden als Deutsch, habe ich mich weniger an Zielvorgaben der Lernenden halten können, weil sie die Sachgebiete zu wenig kannten, um zu erkennen, wo für sie Lernzuwachs am wichtigsten war. Doch auch hier kam ich am ehesten zum Erfolg, wenn ich zunächst den Kenntnisstand evaluieren und dann den Unterricht daran orientieren konnte. Das ist eine Banalität, aber es erklärt mir, weshalb mich diese Arbeit meist besser motivierte als die mit großen Gruppen.
Wenn die Gruppe eine hohe Motivation mitbringt oder wenn der Lehrende - aus welchen Gründen auch immer - sie zu erzeugen vermag, dann funktioniert auch ein Unterricht, bei dem die Lernenden sich nicht eigenverantwortlich steuern können und der sich nicht streng an den Einzelbedürfnissen orientiert.
Die eigenverantwortliche Steuerung setzt ihrerseits aber nicht nur allgemeine Fähigkeiten, sondern auch erhebliche Vorkenntnisse voraus.* Darin folge ich Christian Spannagels Überlegungen in: Muss man eigentlich nix mehr wissen? (vgl. auch die dortige Diskussion). Einmal mehr ein Anlass für mich, ihm für seine anregenden Beiträge zu danken (gelobt werden will er ja nicht).
Im Zusammenhang mit dieser Diskussion hier eine Kurzinformation zu Wissensmanagement mit weiterführenden Links sowie eine Kurzerläuterung zum in der Informatik gebräuchlichen Begriff Chunk.
* Sonst muss ein Lernerleichterer gezielt dies Wissen beisteuern.
Bei den folgenden Selbstlernplattformen für Schüler sind gezielt Lernhilfen für die entsprechende Altersstufe beigegeben: Mauswiesel (Grundschule) Select (Sekundarstufe I und II), Lernmodule, aber natürlich können sie nur für sehr eingeschränkte Fragenkomplexe Lernmaterial anbieten: Schulstoff eben und auch davon nur ein sehr kleiner Teil. Natürlich hat das mit selbständigem Lernen mit Hilfe des Internets so gut wie nichts zu tun.
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8.7.12
Europa in der Krise
Soeben habe ich "Der Preis der Freiheit. Geschichte Europas in unserer Zeit" von Andreas Wirsching durchgelesen. Ich werde versuchen, einige besonders bemerkenswerte Aussagen daraus vorzustellen. Vorerst verweise ich auf Wehlers Rezension in der FAZ und die weiteren Informationen bei perlentaucher.de.
Meine erste Kurzzusammenfassung stützt sich auf Wirschings eigene. Er meint, die politischen Akteure seien gegenwärtig auf die Meistererzählung "Europa auf dem Weg zu Fortschritt und Freiheit" angewiesen "um sich selbst zu legitimieren" und "um nicht an der Dauerkrise [...] zu verzweifeln" (S.409)
Europa habe keine Alternative als die bisher von ihm entwickelten Instrumente, um die Krise abzuwehren. Insofern bestehe eine "Pfadabhängigkeit". Dieser einmal beschrittene Weg habe in jeder Krise zu mehr Konvergenz geführt. "Die Krise Europas besteht in seinem Zusammenwachsen." (S.409)
Als Vorgeschmack auf Einzelaussagen Wirschings zitiere ich zunächst nur eine:
"Um zu erkennen, daß eine führende Produktivkraft wie "Wissen" rasch vom Kapital angesogen und seinem Verwertungsinteresse unterworfen wird, braucht man kein Marxist zu sein." (S.255)
Der Begriff der Pfadabhängigkeit scheint mir nützlich zum Verständnis der gegenwärtigen Krise.
Vermutlich wäre es für Griechenland und die anderen Euroländer besser gewesen, wenn Griechenland nicht in den Euroraum aufgenommen worden wäre, bevor nicht Reformen es konkurrenzfähiger gemacht hätten. Nachdem es aufgenommen worden ist, ist ein Ausscheiden Griechenlands extrem aufwändig.
Vielleicht hätten andere Wege als die Rettungsschirme gewählt werden können, um den griechische Wirtschaft und die in Griechenland engagierten Banken aus der Klemme zu helfen. Nachdem man den Kurs Rettungsschirme gewählt hat, ist es extrem schwer, umzusteuern. Denn das bedeutete ja, dass die Politiker der Meinung wären, dass Rettungsschirme der falsche Weg waren, und das würde alle Spekulanten veranlassen, gegen die Schirme zu spekulieren.
Der Begriff hilft aber auch, zu verstehen, woher die handelnden Politiker und Wirsching den Optimismus nehmen, dass Europa mit der Krise fertig wird.
Es mag viele Gründe geben, weshalb Politiker, manche Parteien und ganze Staaten gegen die gegenwärtig eingeschlagene Richtung der Europapolitik sind. So lange ihnen der Weg zurück entbehrungsreicher erscheint, werden sie lieber auf Souveränitätsrechte verzichten und mehr Zusammenarbeit zulassen ("Fiskalunion"), als diesen harten Weg zu gehen.
Zum Vergleich kann man Bismarcks Wort von 1867 heranziehen: "Setzen wir Deutschland in den Sattel! Reiten wird es schon können."
Es ritt dann in zwei Weltkriege, geteilt aus dem zweiten heraus und nun vereint in die Eurokrise. Reiten kann es offenbar, und der gegenwärtige Pfad ist besser als der von 1933. Der von 1957 war bestimmt nicht schlecht, ob der gegenwärtige der bestmögliche ist, darüber darf noch gestritten werden.
Der hessische FDP-Europaminister Jörg-Uwe Hahn fordert jedenfalls eine "Verschnaufpause" vor noch mehr Integration.
Angela Merkel hat mit ihrer Zurücknahme des Ausstiegs aus dem Atomausstieg bewiesen, dass sie zu Kursänderungen imstande ist.
Freilich, Europa reitet bekanntlich auf einem griechischen Gott. Ob Merkel auch den zu lenken vermag, muss sie erst noch beweisen. ;-)
Meine erste Kurzzusammenfassung stützt sich auf Wirschings eigene. Er meint, die politischen Akteure seien gegenwärtig auf die Meistererzählung "Europa auf dem Weg zu Fortschritt und Freiheit" angewiesen "um sich selbst zu legitimieren" und "um nicht an der Dauerkrise [...] zu verzweifeln" (S.409)
Europa habe keine Alternative als die bisher von ihm entwickelten Instrumente, um die Krise abzuwehren. Insofern bestehe eine "Pfadabhängigkeit". Dieser einmal beschrittene Weg habe in jeder Krise zu mehr Konvergenz geführt. "Die Krise Europas besteht in seinem Zusammenwachsen." (S.409)
Als Vorgeschmack auf Einzelaussagen Wirschings zitiere ich zunächst nur eine:
"Um zu erkennen, daß eine führende Produktivkraft wie "Wissen" rasch vom Kapital angesogen und seinem Verwertungsinteresse unterworfen wird, braucht man kein Marxist zu sein." (S.255)
Der Begriff der Pfadabhängigkeit scheint mir nützlich zum Verständnis der gegenwärtigen Krise.
Vermutlich wäre es für Griechenland und die anderen Euroländer besser gewesen, wenn Griechenland nicht in den Euroraum aufgenommen worden wäre, bevor nicht Reformen es konkurrenzfähiger gemacht hätten. Nachdem es aufgenommen worden ist, ist ein Ausscheiden Griechenlands extrem aufwändig.
Vielleicht hätten andere Wege als die Rettungsschirme gewählt werden können, um den griechische Wirtschaft und die in Griechenland engagierten Banken aus der Klemme zu helfen. Nachdem man den Kurs Rettungsschirme gewählt hat, ist es extrem schwer, umzusteuern. Denn das bedeutete ja, dass die Politiker der Meinung wären, dass Rettungsschirme der falsche Weg waren, und das würde alle Spekulanten veranlassen, gegen die Schirme zu spekulieren.
Der Begriff hilft aber auch, zu verstehen, woher die handelnden Politiker und Wirsching den Optimismus nehmen, dass Europa mit der Krise fertig wird.
Es mag viele Gründe geben, weshalb Politiker, manche Parteien und ganze Staaten gegen die gegenwärtig eingeschlagene Richtung der Europapolitik sind. So lange ihnen der Weg zurück entbehrungsreicher erscheint, werden sie lieber auf Souveränitätsrechte verzichten und mehr Zusammenarbeit zulassen ("Fiskalunion"), als diesen harten Weg zu gehen.
Zum Vergleich kann man Bismarcks Wort von 1867 heranziehen: "Setzen wir Deutschland in den Sattel! Reiten wird es schon können."
Es ritt dann in zwei Weltkriege, geteilt aus dem zweiten heraus und nun vereint in die Eurokrise. Reiten kann es offenbar, und der gegenwärtige Pfad ist besser als der von 1933. Der von 1957 war bestimmt nicht schlecht, ob der gegenwärtige der bestmögliche ist, darüber darf noch gestritten werden.
Der hessische FDP-Europaminister Jörg-Uwe Hahn fordert jedenfalls eine "Verschnaufpause" vor noch mehr Integration.
Angela Merkel hat mit ihrer Zurücknahme des Ausstiegs aus dem Atomausstieg bewiesen, dass sie zu Kursänderungen imstande ist.
Freilich, Europa reitet bekanntlich auf einem griechischen Gott. Ob Merkel auch den zu lenken vermag, muss sie erst noch beweisen. ;-)
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11.10.09
Wissen
"Wissen steht gerade in meinem Land nicht sehr hoch im Kurs - außer im Zuusammenhang mit besseren Jobs, besseren Einkommen."
Aus welchem Land kommt die Person, die das gesagt hat?
Sie fährt fort:
"Unsere Medien tun ja ihr Bestes dazu, uns dumm zu halten - durch unablässige Unterhaltung dumm zu halten."
Kann das auch auf soziale Netzwerke gemünzt sein? Ist die Wikipedia inzwischen schon so einseitig, dass dies Verdikt zu Recht auch für sie gelten könnte? Gibt es einen Bereich in der digitalen Kommunikation, für den es nicht gilt? Welche Veränderungen durch das Internet (Hier mahnt uns Robert Basic, die früheren Arten des Informationsaustauschs nicht zu vergessen.) gehen in die Richtung Verdummung, welche in Richtung Wissen?
"Mir wird oft gesagt, meine Bücher seien so traurig. Aber ich frage mich, ob diese Sichtweise nicht mit dem geringen Wert zu tun hat, den man dem Wissen generell beimisst. Denn das gibt es in jedem meiner Romane: jemand, der etwas lernen muss, etwas verstehen, das er am Anfang noch nicht kannte. Aber in den meisten Religionen ist Wissen Sünde - es ist schlecht für dich, du must leiden dafür, kommst in die Hölle. Und das gilt, jenseits von Religion, immer noch!" Und auf die Nachfrage "Wird Wissen denn immer durch Leiden erworben?" antwortet die Person: "Durch Leben!"
Sollte es von Hentig sein, der so spricht? Immerhin hat er "Die Menschen stärken, die Sachen klären." geschrieben. Oder muss es ein Autor sein, der fiktionale Texte geschrieben hat?
"Vieles hat mit Obama eine neue Qualität bekommen. Er hat keine Angst vor Fremden, vor dem Fremden."
Zu einem entfernt verwandten Stichwort Hirndoping zunächst nur ein Link. Vielleichtkommt es noch zu einem eigenständigen Beitrag.
Aus welchem Land kommt die Person, die das gesagt hat?
Sie fährt fort:
"Unsere Medien tun ja ihr Bestes dazu, uns dumm zu halten - durch unablässige Unterhaltung dumm zu halten."
Kann das auch auf soziale Netzwerke gemünzt sein? Ist die Wikipedia inzwischen schon so einseitig, dass dies Verdikt zu Recht auch für sie gelten könnte? Gibt es einen Bereich in der digitalen Kommunikation, für den es nicht gilt? Welche Veränderungen durch das Internet (Hier mahnt uns Robert Basic, die früheren Arten des Informationsaustauschs nicht zu vergessen.) gehen in die Richtung Verdummung, welche in Richtung Wissen?
"Mir wird oft gesagt, meine Bücher seien so traurig. Aber ich frage mich, ob diese Sichtweise nicht mit dem geringen Wert zu tun hat, den man dem Wissen generell beimisst. Denn das gibt es in jedem meiner Romane: jemand, der etwas lernen muss, etwas verstehen, das er am Anfang noch nicht kannte. Aber in den meisten Religionen ist Wissen Sünde - es ist schlecht für dich, du must leiden dafür, kommst in die Hölle. Und das gilt, jenseits von Religion, immer noch!" Und auf die Nachfrage "Wird Wissen denn immer durch Leiden erworben?" antwortet die Person: "Durch Leben!"
Sollte es von Hentig sein, der so spricht? Immerhin hat er "Die Menschen stärken, die Sachen klären." geschrieben. Oder muss es ein Autor sein, der fiktionale Texte geschrieben hat?
"Vieles hat mit Obama eine neue Qualität bekommen. Er hat keine Angst vor Fremden, vor dem Fremden."
Zu einem entfernt verwandten Stichwort Hirndoping zunächst nur ein Link. Vielleichtkommt es noch zu einem eigenständigen Beitrag.
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