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7.9.19

Harari: Homo Deus. Eine Geschichte von Morgen - Eine Geschichtssicht, die den Klimawandel als irrelevante Episode außer Acht lässt

Harari: Homo Deus ist anregend. 

Kapitel 1: Die neue menschliche Agenda
Hunger, Krankheiten und Seuchen, ja sogar Kriege sind weitgehend eingedämmt. (dazu vgl. Rosling: Factfulnes) Als nächstes Ziel "werden die Menschen vermutlich ernsthaft nach der Unsterblichkeit greifen". (S.39) - 
Harari geht davon aus, dass es keine ethischen und politischen Hemmnisse dagegen geben wird, Reichen auf Kosten der Armen die "Unsterblichkeit" zu verschaffen (er präzisiert: die natürliche Lebensbegrenzung abzuschaffen). (S.51)
Entsprechend werde das "biochemische Streben nach Glück [...] auch Politik, Gesellschaft und Wirtschaft verändern" (S.69)
In diesen Passagen klingt Harari wie weiland der Zukunftsforscher Herman Kahn, der 1967 durch reine Trendverlängerung die Zukunft für das Jahr 2000 voraussagte, mit grotesken Fehleinschätzungen. Die Einschränkungen durch das bevorstehende Ende des Einsatzes fossiler Energiequellen erwähnt Harari zwar, aber was das für eine Veränderung von Forschungs- und Industrieaktivitäten bedeuten könnte, übergeht er.
Im Folgenden schwankt Harari zwischen Prognose und Freiheitsversprechen.
"Weil niemand mehr das System versteht, kann niemand es stoppen.
Wenn es uns [...] doch gelingen sollte, auf die Bremse zu treten, wird unsere Wirtschaft samt unserer Gesellschaft zusammenbrechen. [...] die moderne Wirtschaft [braucht], um zu überleben, fortwährendes und grenzenloses Wachstum." (S.86)
"Gerade weil wir, was den Einsatz neuer Technologien angeht, über gewisse Entscheidungsfreiheiten verfügen, sollten wir darüber Bescheid wissen, was passiert." (S.92)
"Je mehr wir wissen, desto weniger können wir vorhersagen." (S.94)
Und das begründet er damit, dass neues Wissen genutzt werde, "um auf neuartige Weise zu agieren [...] Denn wozu dient neues Wissen, wenn es keine neuen Verhaltensweisen nach sich zieht? Sobald die Menschen aber ihr Verhalten ändern, werden die ökonomischen Theorien obsolet." (S.94)
Dabei klammert er das Wissen über den Klimawandel aus. Denn so logisch es gewesen wäre, aufgrund dieses Wissens, das Verhalten entscheidend zu verändern, ist seit der Klimakonferenz 1992 nichts Einschneidendes passiert. 
Andererseits, Harari selbst hält an der These fest, die moderne Wirtschaft brauche, "um zu überleben, fortwährendes und grenzenloses Wachstum." und das, obwohl gerade grenzenloses Wachstum mit mathematischer Sicherheit zum Zusammenbruch führt. Er führt also an sich selbst vor, dass neues Wissen mitnichten zu neuen Verhaltensweisen führen muss. 
Doch wie kategorisch er auch manches behauptet, um seine Prognose zu begründen, schreibt er dann doch zu Recht:
"Die wirkliche Zukunft - also die Zukunft, die aus den neuen Ideen und Hoffnungen des 21. Jahrhunderts erwächst - könnte eine völlig andere sein." (S.108)
Mit dieser Ankündigung zur Glaubwürdigkeit seiner Hypothese beginnt er dann seine Darstellung.

Teil I: Homo sapiens erobert die Welt 

Dass politische Einheiten Fiktionen bzw. nur intersubjektive Wirklichkeit sind, scheint zwar ein alter Hut. Aber die Wirksamkeit von Fake News lässt sich durch  die Tatsache, dass belegte Tatbestände und Fake News beide intersubjektive Wahrheiten sind, besser erklären. Dasselbe gilt für das Aufkommen vielfältiger Geschlechtsidentitäten, für den raschen Wandel von bestimmten Sexualverhalten als strafwürdig oder als akzeptierte Varianz (und umgekehrt). 
Dennoch reibe ich mich an manchem. 

Teil II: Homo sapiens gibt der Welt einen Sinn
Kapitel 4: Die Geschichtenerzähler
Harari schreibt über die Kongokonferenz 1884/85, die Europäer bemerkten in Afrika, dass die "Grenzen der geographischen [...] Wirklichkeit nicht gerecht wurden." (S.263/64) und fährt fort: "Als die schriftlichen Fantasien europäischer Bürokratien auf die afrikanische Wirklichkeit trafen, hatte sich die Wirklichkeit zu fügen." (S.265)

Nicht die geographische Wirklichkeit veränderte sich, sondern die intersubjektive Wirklichkeit erwies sich mittelfristig für die gesellschaftliche Wirklichkeit wichtiger als die objektiven geographischen Gegebenheiten. Doch selbst so intersubjektive Phänomen wie die Sprachgemeinschaften veränderten sich sich in über 100 Jahren so wenig, dass in vielen Staaten noch immer keine gemeinsame Sprache existiert und die Amtssprache nur sehr beschränkt Verständigung ermöglicht. Von objektiven Wirklichkeiten ganz zu schweigen.

Hararis Argumentation mit der Wirksamkeit von Abiturzeugnissen (S.268) ist angesichts des Streits über die Validität von Zeugnissen anderer Bundesländer etwas problematisch. Dass ein Promotionsurkunde zum Karrierehindernis werden kann, passt noch weniger in sein Bild. 
Intersubjektive Wirklichkeiten lassen sich eben doch erschreckend schnell verändern, während die objektive Wirklichkeit auch der elegantesten Ableugnung nicht zu folgen pflegt. 

Kapitel 5: Das seltsame Paar
Gott fälschen
Die klare Trennung zwischen moralischem Urteil, Tatsachenfeststellung und praktischer Anweisung [S.299] ist hilfreich. Die deutlichen Aussagen, zu denen er aufgrund dieser Trennung kommt, m.E. ebenfalls. Für mich bemerkenswert seine Bewertung der Zerstörung des jüdischen Tempels 70 n.Chr.: "Das traditionelle Judentum - ein Judentum der Tempel, der Priester und der Köpfe spaltenden Krieger - verschwand. An seine Stelle trat ein neues Judentum der Bücher, der Rabbiner und der Haare spaltenden Gelehrten." (S.304) - Wenn er als deren Hauptleistung die Interpretation (S.305) herausstellt, so stellt er sich als Historiker in ihre Tradition. Doch macht er damit klar, dass er nur selten Tatsachenfeststellungen machen kann und dass seine Hauptarbeit eben Interpretation ist. 
[Freilich ist es recht mutig, zu behaupten, zur Zeit des babylonischen Talmud habe Interpretation und das Haare spalten keine große Rolle gespielt. Die Autoren des Talmud waren m.E. durchaus keine Exekutoren der mosaischen Gesetze, sondern sehr wohl mit umfassender Interpretation beschäftigt.]
"Der Religion geht es vor allem um Ordnung. Ihr Ziel ist es, eine Gesellschaftsstruktur zu schaffen und aufrechtzuerhalten. Der Wissenschaft geht es in erster Linie um Macht. Sie will Macht erlangen, um Krankheiten zu heilen, Kriege zu führen und Nahrungsmittel zu produzieren. Als Individuen mag Wissenschaftlern und Priestern die Wahrheit ungeheuer wichtig sein; doch als Kollektivinstitutionen stellen Wissenschaft und Religion Ordnung und Macht über die Wahrheit. [...] 
Die moderne Gesellschaft glaubt an humanistische Dogmen und nutzt die Wissenschaft nicht, um diese Dogmen infrage zu stellen, sondern um sie zu implementieren." (S.310)

Kapitel 6: Der moderne Pakt
"Die Moderne ist eine Übereinkunft. [...] Die Menschen stimmen zu, auf Sinn zu verzichten, und erhalten im Gegenzug Macht." (S.311)
"Ja, wir Modernen haben versprochen, im Austausch für Macht auf Sinn zu verzichten, aber es gibt niemanden da draußen, der uns auf unser Versprechen festnageln kann. Wir glauben, wir sind schlau genug, um alle Vorteile des modernen Deals zu genießen, ohne den Preis dafür zu zahlen." (S.315)
In diesem Abschnitt geht die Darstellung in Populärphilosophie über. 
Auf S.332 kommt Harari auf den "ökologischen Kollaps" zu sprechen und schreibt "womöglich bedroht er die menschliche Zivilisation sogar in ihrer Existenz.
Diese Gefahr ließe sich verringern, wenn wir Fortschritt und Wachstum verlangsamen." (S.322) 
Zu recht bemerkt er: "wenn es zur Katastrophe kommt, leiden die Armen fast immer mehr als die Reichen, auch wenn es zuallererst die Reichen waren, die die Tragödie verursacht haben." (S.335) Dass die Politiker nichts Ernsthaftes unternehmen, begründet er hier nicht damit, dass Ingenieure "eine Hightech-Arche für die Oberschicht bauen" könnten. Und den Armen sei die Gegenwart halt wichtiger als die Zukunft. 

Kapitel 7 Die humanistische Revolution
Hier beginnt aus meiner Sicht Hararis Darstellung in Boulevardjournalismus zu verflachen. Treffend noch seine Beobachtung, moderne Menschen, die dem folgen, was er Humanismus nennt (also eine Anschauung, wonach nicht eine übermenschliche Autorität regiert, sondern die Menschen selbst sich als oberste Autorität verstehen).  rechtfertigen Entscheidungen "im Namen menschlicher Gefühle und nicht im Namen heiliger Schriften und göttlicher Gebote." (S.350)

Wenn er dann aber drei "Sekten" (S.382), später spricht er von "Splittergruppen" (S.405) des Humanismus unterscheidet, den liberalen, den sozialistischen und den evolutionären Humanismus, dann fällt es mir schwer, das noch ernst zu nehmen. Seine historischen Kenntnisse lässt er hier offenkundig beiseite, um Pappkameraden aufzubauen. 

"Religion und Technologie tanzen immer einen grazilen Tango. [...] sie hängen aneinander und können sich nicht zu weit von einander lösen. [...]Ohne religiöse Überzeugungen können die Lokomotiven nicht entscheiden, wohin die Reise geht." (S.414)
Vgl. dazu Böckenförde-Theorem: „Der freiheitliche, säkularisierte Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann“ (Böckenförde: Die Entstehung des Staates als Vorgang der Säkularisation. in: Recht, Staat, Freiheit. Studien zur Rechtsphilosophie, Staatstheorie und Verfassungsgeschichte, st Wissenschaft 914. 1991,S. 92–114)

"[...] traditionelle Religionen [stellen] keine wirkliche Alternative zum Liberalismus 

dar. In ihren Schriften findet man nichts über Gentechnologie [... sie ] sie begreifen 
die jüngsten Errungenschaften in der Biologie [...] nicht." (S.425)

Teil III Homo sapiens verliert die Kontrolle (S.429 ff)
Kapitel 8 Die Zeitbombe im Labor
"Im Jahr 2016 wird die Welt vom liberalen Pakt aus Individualismus, Menschenrechten, Demokratie und freiem Markt beherrscht. Doch die Wissenschaft untergräbt die Grundfesten der liberalen Ordnung." (S.431)

Wer ist Ich? (S.445 ff)
Ausführlich referiert Harari Ergebnisse der Gehirnforschung, die gezeigt haben, dass Handlungsimpulse entstehen, bevor sie bewusst werden (was bei Reflexhandlungen oder bei gut eingeübten komplizierten Handlungen - etwa beim Klavierspielen - auch ohne Gehirnforschung zu studieren war) und erläutert, dass bei einer Trennung der beiden Gehirnhälften diese zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen, um nachzuweisen, dass es keine
"einzige klare und authentische / Stimme [gibt] die mein wahres Selbst ist und die Quelle allen Sinns und jeglicher Autorität im Universum darstellt". (S.445/46)
Außerdem führt er den Unterschied vom "erlebenden Selbst" und dem "erinnernden Selbst" (S.450-58) an. So als ob nicht schon Paulus davon gesprochen hätte, dass er tut, was er nicht will (Römerbrief 7,15) und Goethes Faust nicht über die zwei Seelen in seiner Brust geklagt hätte. (Er selbst verweist darauf, dass das erinnernde Selbst Pläne schmiede, die vom erlebenden Selbst durchkreuzt werden.)
Die Manipulierbarkeit der Gehirnströme gilt ihm als Beweis, dass nur naturwissenschaftlich messbare Vorgänge ernst zu nehmen sind und kulturelle Einflüsse reine Ideologie. (S.433)

Kapitel 9 Die große Entkoppelung
"Es ist bezeichnend, dass schon heute die Mehrheit der Bürger in vielen asymetrischen Konflikten darauf reduziert wird, als menschliche Schutzschilde gegen hoch entwickelte Waffen zu fungieren." (S.475)

Die nutzlose Klasse (S.488ff)
"Die aktuelle wissenschaftliche Antwort [...] lässt sich in drei einfachen Prinzipien [offenbar gemeint: Aussagen] zusammenfassen:
1. Organismen sind Algorithmen. Jedes Tier - darunter auch Homo sapiens - ist eine Ansammlung organischer Algorithmen [...]
3. Deshalb gibt es keinen Grund zu der Annahme, dass organische Algorithmen Dinge tun können, die nicht-organische Algorithmen niemals besser könnten." (S.490)
Harari lässt im Unklaren, ob er einen Unterschied zwischen "Bescheid wissen" (S.504, 506) über eine Person und sie "verstehen" (S.505) sieht. So als ob die genauere Kenntnis über "Medikamentenkonsum" und "Größe ihrer sozialen Netzwerke" eine Software dazu führen könnten, eine Person besser zu verstehen als sie sich selbst. (S.522)

Vom Orakel zum Souverän, S.524
Harari nimmt eine Entwicklung in den Blick, wo Cortana von einer Informationsquelle zum Berater und dann sogar zum Entscheider wird. (S.525ff)
[Auf mich wirkt dieser Gedanke besonders futuristisch, da ich mir zwar manchmal Empfehlungen von Amazon, die während eines Buchkaufs ansehe, während ich mich jedes - zum Glück seltene - Mal, wo ich bei einer Suche im Computer versehentlich auf Cortana einschalte, ärgere, weil sie meine Suchanfragen fast nie versteht und wenn, dann nur völlig banal beantwortet.]
"Die neuen Technologien des 21. Jahrhunderts könnten somit die humanistische Revolution rückgängig machen, indem sie die Menschen ihrer Macht berauben und stattdessen nicht-menschliche Algorithmen damit betrauen. Wenn diese Entwicklung Sie erschreckt, dürfen Sie die Schuld daran nicht den Computerfreaks geben. Die wirkliche Verantwortung liegt bei den Biologen. Denn diese gesamte Entwicklung wird von biologischen Erkenntnissen deutlich stärker vorangetrieben als von der Computerwissenschaft. Es sind die Biowissenschaften, die zum Schluss gekommen sind, dass Organismen Algorithmen sind. [...]  Doch weil die Biologen zu dem Schluss kamen, dass Organismen Algorithmen sind, rissen sie die Mauer zwischen dem Organischen und dem Anorganischen ein, sie verwandelten die Computerevolution, die zunächst eine rein mechanische Angelegenheit war in eine biologische Umwälzung und verschoben die Macht von einzelnen Menschen auf vernetzte Algorithmen. (S.529/30) [...] 
"Im 21. Jahrhundert ist es viel wahrscheinlicher, dass sich das Individuum still und leise von innen heraus auflöst und nicht von einem äußeren Big Brother brutal zugeschlagen wird." (Seite 530)
Dies ist eine der wenigen Passagen, wo Harari als Gesellschaftswissenschaftler eine Interpretation menschlichen Denkens aus Computeranalogie für problematisch hält und das, was er weithin als gültige Beschreibung der Wirklichkeit vorträgt, für ethisch fragwürdig hält.

Ein Blick auf Hararis weitere Überlegungen anhand des Wortlauts der Wikipedia: 
"Schließlich können die neuen Technologien des 21. Jahrhunderts das Individuum seiner Macht berauben und stattdessen nicht-menschliche Algorithmen damit betrauen. Die Folge wäre eine Masse nutzloser Menschen und eine kleine Elite optimierter Übermenschen.
[...] Die menschliche Vorstellungskraft ist lediglich das Produkt biochemischer Algorithmen. Das homozentrische Weltbild des Humanismus wird durch eine datazentrische Weltsicht ersetzt. Bewusste Intelligenz wird durch überlegene nicht-bewusste Algorithmen ersetzt."
(Harari: Homo Deus (Wikipedia)

Interessante Passagen:
 Kurzfassung der Geschichte aus der Sicht der Datenverarbeitung (S.579f.)

"Wie der Kapitalismus begann auch der Dataismus als neutrale wissenschaftliche Theorie, doch nun mutiert er zu einer Religion, die für sich in Anspruch nimmt, über Richtig und Falsch zu bestimmen. (S.584)
"Eine wachsende Zahl künstlerischer und wissenschaftlicher Schöpfungen wird heute allerdings durch / die fortwährende Zusammenarbeit von allen produziert. Wer verfasst Wikipedia? Wir alle.
Das Individuum wird zu einem winzigen Chip in einem riesigen System, das niemand wirklich versteht." (S.590/91)
"So wie die Kapitalisten an die unsichtbare Hand des Marktes glauben, glauben Dataisten an die unsichtbare Hand des Datenflusses." (S.591)
"Die Menschen wollen im Datenfluss aufgehen, denn wenn sie Teil des Datenflusses sind, dann sind sie auch Teil von etwas Größerem als sie selbst. Traditionelle Religionen haben mir erklärt, jedes meiner Worte und jede meiner Taten sei Teil irgendeines großen kosmischen Plans und Gott beobachte mich jede Minute und kümmere sich um all meine Gedanken und Gefühle. Die Datenreligion sagt heute, dass jedes meiner Worte und jede meiner Handlungen Teil des großen Datenflusses ist, dass mich die Algorithmen ständig im Auge haben und dass sie sich um alles kümmern, was ich tue und empfinde. Die meisten Menschen sind darüber ausgesprochen glücklich." (S.591/92) 
"Vielleicht finden wir aber auch heraus, dass Organismen gar keine lgorithmen sind." (S.603)

Harari beansprucht für sich freilich nicht, dass er Prognosen vorlege, sondern er zeige nur Möglichkeiten auf. (S.606)
Es geht ihm nicht um die Entwicklung in den kommenden Jahrzehnten, sondern um die Entwicklung des Lebens "im Großen und Ganzen". (S.608)

Drei Schlüsselfragen stellt Hariri an den Schluss:
"1. Sind Organismen wirklich nur Algorithmen, und ist Leben wirklich nur Datenverarbeitung? 
2. Was ist wertvoller – Intelligenz oder Bewusstsein?
3. Was wird aus unserer Gesellschaft, unserer Politik und unserem Alltagsleben, wenn nicht-bewusste, aber hoch intelligente Algorithmen uns besser kennen als wir uns selbst?" 
(S.608)

Fazit: Wenn Harari eine Kritik an der Entwicklung von künstlicher Intelligenz ohne Technikfolgenabschätzung schreiben wollte, ohne die Befürworter künstlicher Intelligenz zu verärgern, dann ist es ihm gut gelungen.
Er schreibt so, als käme die KI über uns, wie der Klimawandel (an dem wir freilich auch mitgewirkt haben). 
Ich denke, spätestens die Erfahrung mit der Atomkraft sollte uns gelehrt haben, dass Verzicht auf Technikfolgenabschätzung unverantwortlich ist.  Freilich, wenn der Homo Sapiens so instinktgeleitet sein sollte, dass er auf der Suche nach Glück in einer Kombination von notwendig und zufällig so oder so seine baldmöglichste Selbstvernichtung betreibt, dann wäre Hararis Darstellung ein sehr süffig und unterhaltsam zu lesender Kassandraruf. 

Beachtenswert, dass die Behandlung des Themas künstliche Intelligenz schon 2010 Staatsexamensthema war, Schüler von 2019 aber die Vernachlässigung des Themas Klimawandel beklagen.

12.10.14

Wie hilft man sich, wenn Wikipedia Artikel löscht, die stark nachgefragt sind?

Auf gutefrage.net fragt jemand: 
Wieso lernt man im Geschichtsunterricht NUR etwas über westliche Kulturen? [...] Ist/war das bei euch an der Schule auch so? Lernen die Geschichtslehrer im Studium überhaupt etwas in die "andere" Richtung?

Meine Antwort:
"Zunächst: In den meisten Geschichtsbüchern steht eine ganze Menge über den Nahen Osten, ein bisschen über das mittelalterliche China und etwas über die Mongolen. Andere enthalten noch ein wenig mehr.Das ist natürlich viel zu wenig. Aber das ist darauf zurückzuführen, dass die Zusammenhänge zwischen den Kulturen nicht ganz einfach darzustellen sind. Zum Glück gibt es aber im Internet vielfältige Möglichkeiten, sich über die Geschichte Asiens, Afrikas usw. zu informieren. Einen kurzen Überblick gibt der folgende Artikel:http://de.pluspedia.org/wiki/Menschheitsgeschichte. Über die roten Links, die ins Leere führen, brauchst du dich nicht zu ärgern. Denn all die Artikel, auf die dort verwiesen wird, stehen in der Wikipedia. Sobald du in der Kommandozeile pluspedia durch wikipedia ersetzt, wird der passende Artikel aufgerufen.
Außerdem findest du in dem genannten Artikel viele Literaturhinweise. Besonders empfehlenswert ist: Jürgen Osterhammel: Die Verwandlung der Welt. Eine Geschichte des 19. Jahrhunderts. C. H. Beck Verlag, München 2008.
Aber das Buch ist nicht billig und auch nicht ganz leicht zu lesen. Deshalb versuch es erst einmal mit den Artikeln im Internet."

Ich hätte natürlich auch darauf verweisen können, dass in der Tat die Universitäten heute meist noch die außerwestlichen Kulturen primär den archäologischen und den sprachwissenschaftlichen Lehrstühlen zuweisen und die Prüfungsordnungen sie ausklammern. Aber geklagt wird über diese Situation ohnehin. Wichtig ist meiner Meinung nach, dass auf Ansätze zur Veränderung hingewiesen wird. 
Ich hätte natürlich auch darauf hinweisen können, weshalb die Wikipedia ihren früheren Artikel gelöscht hat; aber das gehört nicht zum Thema Geschichtsunterricht und ich habe anderswo darüber berichtet.

17.7.14

Die Lehnspyramide – ein Wiedergänger des Geschichtsunterrichts

Die Fehlinterpretation der Lehenspyramide als Abbild einer Gesellschaftsordnung anstatt einer Rechtsbeziehung geht laut Boockmann auf die seit dem späten 18. Jahrhundert geführte Feudalismus-Diskussion zurück, also den Versuch, “die mittelalterliche Sozialordnung insgesamt als feudal zu verstehen”. Er zieht daraus den Schluss, dass die Lehnspyramiden in den Schulbüchern unter Einschluss der Bauern nicht die mittelalterliche Gesellschaft illustrierten, “sondern vielmehr ein Bild von dieser, das seine Wurzeln im ausgehenden 18. Jahrhundert hat und nach heutiger Auffassung ein Mißverständnis ist” (Bernhardt, Markus: Die Lehnspyramide – ein Wiedergänger des Geschichtsunterrichts. In: Public History Weekly 2 (2014) 23, DOI: dx.doi.org/10.1515/phw-2014-2164.)

Den Artikel zur Lehnspyramide benutze ich hauptsächlich als Aufhänger, um für eine neudeutsch betitelte Zeitschrift zu werben, ohne mit ihrem Titel abzuschrecken, für die public history weekly.de.
Dennoch möchte ich auch Interesse für diesen Aufsatz zu wecken versuchen, indem ich ein Zitat vom Ende des Aufsatzes hinzufüge:

Warum also ist die Lehnspyramide ein Wiedergänger des Geschichtsunterrichts? Ich denke, das hängt mit dem Metanarrativ unserer Lehrpläne und Geschichtsschulbücher zusammen, das wir eigentlich seit den 1970er Jahren überwunden glaubten. Natürlich gibt es heute nicht mehr die nationale Meistererzählung, aber es gibt eine andere “Geschichte”, die den Schülerinnen und Schülern als Metanarrativ präsentiert wird: die Fortschrittserzählung der westlichen Moderne, die etwa mit der Französischen Revolution beginnt und dann vom unaufhaltsamen Aufstieg der westlichen Werte berichtet: Menschenrechte, Demokratie, Emanzipation, Pluralismus, Innovation, Fortschritt. [...] Wäre es nicht an der Zeit, dieses Narrativ über Bord zu werfen und den älteren Epochen ihre Geschichte wiederzugeben?
So ganz leicht macht es der Aufsatz es dem Lehrer freilich nicht, der Schülern ein korrekteres Bild zeichnen möchte. Zu der bekannten Schwierigkeit, dass die Quellen so unvollständig sind, dass wir für keinen Zeitpunkt ein Szenario vorstellen können, das auch nur für den Kernbereich des Heiligen Römischen Reiches repräsentativ wäre, weil die Verhältnisse von Ort zu Ort weit unterschiedlicher gewesen sein dürften als heute, stellt sich jetzt noch die Forderung, dieses Szenario auch in seiner historischen Dimension zu zeichnen.
Da bleibt realistischerweise für den Lehrer nur die Formulierung Martin Lintzels, der eine scharfsinnige Untersuchung mit dem treffenden Hinweis schloss: "Das Ergebnis bleibt ein ignoramus."
Ob das nicht vielleicht doch einmal dazu führt, dass man das Mittelalter als die uns fremdeste Zeit erst am Ende des Geschichtsunterrichts behandelt, wenn die methodischen Voraussetzungen für ein differenziertes Geschichtsverständnis bereits in ihren Grundlagen erarbeitet sind?



7.7.14

Geschichte als Instrument

Gerade das unsere Gegenwartsepoche der Aufarbeitung prägende einvernehmliche Zusammenwirken von Geschichtspolitik, Gedenkkultur und Zeitgeschichte verstößt gegen den Grundsatz, dass nur und immer die Infragestellung des allgemein Anerkannten die Weiterentwicklung der Wissenschaft sichert.[18]  (Martin Sabrow: Geschichte als Instrument: Variationen über ein schwieriges Thema, Aus Politik und Zeitgeschichte, 14.10.2013, S.10)
Derselbe Sabrow hält freilich auch mit Befriedigung fest: 
Der Wille zur historischen Offenlegung ist noch in der Bonner Republik erfolgreich gegen alle Schlussstrichforderungen angegangen, er hat [...] den in der Kontroverse um die Wehrmachtsausstellung Mitte der 1990er Jahre zum letzten Mal machtvoll aufgeflammten Vorwurf der nationalen Nestbeschmutzung endgültig hinter die Grenzen des gesellschaftlich ungestraft Sagbaren verbannt. (ebd, S.8 - Hervorhebung von mir) 
 Wissenschaft muss in Frage stellen und ethischen Prinzipien folgen. Nicht immer gelingt das zufriedenstellend. Je mehr Forschung von Drittmitteln abhängt und Publikationen dem jeweiligen Hype folgen, umso mehr ist beides gefährdet.
(Dieser Eintrag dient dem Hinweis auf das gesamte Heft APZ 42-43 2013 "Geschichte als Instrument")

6.5.14

Histoproblog - Geschichte macht Schule

Der Histoproblog ist thematisch strukturiert, nach Klassenstufen und zugehörigen Themen, aber auch nach Unterrichtsmaterial, Leselisten und anderen Tipps.
Ein Beispiel für die 6. Klasse ist Geschichte - mehr als Vergangenheit. Hier erfährt man etwas über den Unterschied von Quellen und Darstellungen (unter Vermeidung der für die 6. Klasse überfordernden Begriffe Primär- und Sekundärliteratur) und gleich hat man gelernt, dass Geschichte natürlich weit weniger ist als Vergangenheit. Aber das kann man da nachlesen.
Etwas anspruchsvoller klingt Identität und Alterität in Europa (für die 10. Klasse), aber ganz konkret wird's bei der Türkenfurcht, wobei sich rasch über die "Türkenfurcht" von Merkel und Gauck sinnieren ließe; aber mit konkretem Bezug auf Vorgeschichte und auf Kategorien zur Bestimmung von Alterität.
Man kann es aber auch ganz allgemein haben wie in dem Essay Warum wird an Gymnasien Geschichte unterrichtet?
Oder spezieller mit einer Leseliste fürs Staatsexamen.

23.4.14

Blogs, die ich demnächst vorstellen will

Vorerst verlinke ich sie nur mit einem Stichwort, weil ich eine heftige Arbeitsphase vor mir habe und zwischenzeitlich Dinge langsamer angehen will. 

http://landeskunde.wordpress.com/ 
Deutsch als Fremdsprache


http://Halbtagsblog.de 
Religiöse Themen überzeugend vorgestellt

http://geschichtsunterricht.wordpress.com/ 
Medien im Geschichtsunterricht


http://histoproblog.org/ 
Geschichte für (fast) alle Klassen

2.2.14

Ab wann zählt ein Ereignis zur Weltgeschichte?

So wird auf gutefrage.net gefragt. Dort findet man auch verschiedene Antworten.

Meine findet sich auch hier:
Wenn ein Ereignis für längere Zeit auf eine große Zahl von Personen Einfluss hat.
z.B. 9.11.1989; 11.9.2001. Andererseits hängt es natürlich vom Zeitabstand ab (wie lange bleibt es als Ereignis bewusst, ab wann kennt man nur noch die Folgen).

Beispiele: Mord von Sarajewo 1914, Prager Fenstersturz 1618, Luthers 95 Thesen, ob sie an der Kirchentür angeschlagen waren oder nicht.

Die Erfindung des Rades war wichtiger; aber sie erfolgte auch mehrmals.* Doch ist uns nicht genau bekannt, wann und wo sie geschah. (Immerhin gibt es aber Anhaltspunkte.)
Interessant, dass in der Neuen Welt das Rad zwar erfunden wurde, aber nicht für Transportaufgaben, wo es doch seine größte welthistorische Auswirkung zu haben scheint.

An der folgenden Passage des Artikels Menschheitsgeschichte kann man für sich erproben, welche Ereignisse man für mittelfristig oder gar langfristig für welthistorisch hält oder nicht:
In den USA ging Barack Obama, der erste schwarze Präsident, 2009 in deutlicher Abkehr von seinem VorgängerGeorge W. Bush zu einer kooperativen Außenpolitik über,[61] und trieb die atomare Abrüstung voran. Innenpolitisch erzielte er 2010 mit seiner Gesundheitsreform einen ersten und mit den Maßnahmen zur Regelung desFinanzmarktes[62] einen zweiten Erfolg.
Neben die G 8 trat als internationales Konsultationsforum die G 20, der neben anderen Schwellenländerninsbesondere China und Indien angehörten. Diese gewannen bei Beratungen über die Finanzkrise ab 2007 verstärkte Bedeutung[63] und machten auch sonst immer häufiger als Großmächte ihre nationalen Interessen geltend, z. B. auch auf der UN-Klimakonferenz in Kopenhagen 2009, die deshalb und wohl auch aufgrund unzureichenden Engagements der USA scheiterte.[64][65]Ende 2010/Anfang 2011 kam es zu Protesten und Revolutionen in der Arabischen Welt. Diese zeitigten zwar manche Erfolge[66], führten aber in Libyen und Syrien zum Bürgerkrieg. 2013 kam es zu Protesten in der Türkei und in Brasilien. (Seite „Menschheitsgeschichte“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 12. Januar 2014, 11:44 UTC. URL:http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Menschheitsgeschichte&oldid=126385451 (Abgerufen: 2. Februar 2014, 09:04 UTC))
*Für den Historiker zeugt insofern der Spruch, man brauche das Rad nicht zweimal zu erfinden von einem relativ (!) eng begrenzten Horizont. - Besonders häufig geschah eine andere welthistorische Erfindung: die Erfindung der Schrift. Dabei sind freilich die Einflüsse von vorhergehenden Schriften oft so stark, dass man nicht von eigenständigen Erfindungen sprechen darf. Aber die Hieroglyphen, die Keilschrift, die ideographische Schrift der Chinesen und die Schrift der Mayas sind doch verhältnismäßig unabhängige Erfindungen. Aus der Bilderschrift die Buchstabenschrift zu entwickeln, darf man wohl auch als eine eigene Erfindung rechnen, jedenfalls wenn man sie mit Erfindungen, wie heute als patentwürdig gelten, vergleicht.

Eine Übersicht über die Weltgeschichte auf einer Seite.

27.10.13

Erinnerungskultur im Kontext von Holocaust und NS-Herrschaft

Da ich heute veranlasst worden bin, mich ein wenig mit dem Thema Erinnerungskultur zu beschäftigen, ist mir aufgefallen, wie wenig ich auf dem Höhepunkt der gegenwärtigen Diskussion bin und wie wenig die verschiedenen Diskussionen aufeinander Bezug nehmen. Das eine ist mein Problem, das andere werde ich nicht ändern.
Aber vielleicht gibt es Interessierte, die ein paar Hinweise auf Diskussionszusammenhänge interessant finden.

Deshalb hier ganz kurz:
Erinnerungskultur (vgl. auch: Gegen das Vergessen) ist ein Konzept, das sich deutlich von den Konzepten Geschichtskultur (vgl. Hinweise zur Abgrenzung von Erinnerungskultur), Geschichtsbewusstsein  und Globales Geschichtsbewusstsein unterscheidet.

In Deutschland wird mit Erinnerungskultur meist das Gedenken an Holocaust und NS-Zeit assoziiert, z.B. Mahnmale, die an die Deportation von Juden aus Deutschland erinnern.
Aber es gibt auch andere institutionalisierte Erinnerungen daran wie
Zur Erinnerung an den Holocaust ein paar eigene Texte:
Ein Geheimnis (Vorstellung einer Erzählung)

Zur Erinnerung an Widerstand in der NS-Zeit:
Friedrich: Wer wir sind (Umfassende Darstellung zu Personen des Widerstands) 
Zum Diskussionszusammenhang Erinnerungskultur nenne ich noch:
Geschichtspolitik Geschichtsperspektive  Historisierung
Geschichtlichkeit  Identitätsbewusstsein  
        

30.5.13

Wie auf gutefrage.net Schülern geholfen wird (Textanalyse im Geschichtsunterricht)

Im vorliegenden Fall beeindruckt mich, wie ausführlich und sachkompetent die Antwort gegeben wird, ohne dass der Schüler sie einfach übernehmen könnte. (http://www.gutefrage.net/frage/geschichtsanalyse)
Dabei steht am Anfang gleich eine deutliche Kritik an der vorgelegten Arbeit und der Hinweis, dass ohne die Kenntnis des zu behandelnden Textes "nicht viel Hilfestellung möglich" sei.
Dann aber folgt eine Hilfe, wie sie ein Lehrer angesichts der Arbeitssituation nur im Ausnahmefall geben kann.

Auch wenn viele Schüler sich dort billige Abschreibhilfe erhoffen: nicht selten treffen sie auf gezielte Anleitungen zum Weiterdenken. Freilich gibt es sie selten auf dem Niveau wie in diesem Beispiel.

Meiner Meinung nach ließen sich die beiden Texte zusammen mit dem Quellenauszug aus den Memoiren von Louis de Rouvroy (http://www.gutefrage.net/frage/geschichtsanalyse auf dem Foto weit unten) als Übungsaufgabe für die Textanalyse verwenden.
Albrechts Fragenkatalog zur äußeren Quellenkritik scheint mir vorbildlich.

8.4.13

Weltgeschichte?

Es ist nicht einfach mit dem Geschichtsbegriff. Was soll er umfassen? Die Geschichte allen Seins vom Urknall her? Die Geschichte der Menschheit? Die erinnerte Geschichte der Menschheit, also die durch schriftliche Selbstzeugnisse der Menschen zur Erinnerung festgehaltene Geschichte? (zum Geschichtsbegriff vgl. Geschichte)

"Die Weltgeschichte besteht aus vielen Strängen, die auch nicht immer miteinander verbunden waren. Man kann sie nicht als eine Geschichte erzählen. Sie setzt sich aus vielen Einzelgeschichten zusammen. Man muss immer wieder neu einsetzen. Die Grundeinheiten sind aber nicht – wie das 19. Jahrhundert uns glauben machen wollte – Staaten oder Nationen, sondern Regionen, ganze Weltteile." (meint Jörg Fisch in der FR vom 29.9.2012)

"Ob und wie man etwa Universalgeschichte, Weltgeschichte und Globalgeschichte unterscheiden kann und muss, beschäftigt viele kluge Köpfe. Konkrete Umsetzungen hingegen sind vergleichsweise rar." (stellt Andreas Ecker in der FR vom 8.1.2004 fest)

Dann stellt er gleich zwei Bücher zum Thema vor:
Alexander Demandt: Kleine Weltgeschichte, München 2003 und
Jürgen Osterhammel / Niels P. Petersson: Geschichte der Globalisierung. Dimensionen - Prozesse - Epochen, München 2003

Johannes Fried unterscheidet, wie folgt:

"Universalgeschichte meint die Weltgeschichte von der Steinzeit bis zur Gegenwart.
Globalgeschichte legt den Akzent weniger auf die Geschichte der Menschheit von Anfang an, als vielmehr auf die wechselnden Formen globaler Kommunikation."

Und trotz der vielen vorliegenden Weltgeschichten meint er, eine Weltgeschichte könne man nicht schreiben. Man brauche dafür eine Meistererzählung. Eine solche Erzählung gebe es aber noch nicht, Ranke habe sie versucht, er sei aber im achten Jahrhundert steckengeblieben.
"Eine Weltgeschichte im Sinne von Globalgeschichte muss heute ganz anders vorgehen Da gibt es nicht mehr die eine Zentralstrecke von Sumer, Ägypten, Griechenland, Rom, Mittelalter, Neuzeit, Moderne bis zu uns, von der aus der Rest der Welt 'entdeckt' wird." (J. Fried in FR vom 8.4. 2013, S.20/21)

Den Versuch eines Einzelnen, dennoch eine solche Geschichte zu schreiben bezeichnet Andreas Ecker als "burschikos":
"Vergleichsweise burschikos geht Alexander Demandt zu Werke. Der Berliner Althistoriker, erfahren im Genre der Synthesen und Verdichtungen, durchschreitet im Eiltempo die Geschichte unserer Welt vom Urknall bis zur unmittelbaren Gegenwart. Ein solches Unterfangen in Zeiten beckmesserischen Spezialistentums verdient selbstverständlich grundsätzlich Respekt. Doch hätte man etwa gerne gewusst, nach welchen Kriterien der Autor die gewaltige Stoffmasse geordnet hat." (Ecker in FR)

In der Wikipedia habe ich eine Menschheitsgeschichte eingestellt, die wie die üblichen Weltgeschichten der Verlage eine Zusammenstellung von vielen Einzeldarstellungen ist, die nur zu Teilen von mir selbst formuliert worden ist.
Hier werde ich nach und nach auf Probleme eingehen, die mir dabei begegnet sind.

Das ging schon mit der Bezeichnung (Wikipedia: Lemma) los. Der Begriff "Weltgeschichte" war in der deutschen Wikipedia schon vergeben für Weltgeschichtsschreibung. So habe ich mich für das Lemma "Menschheitsgeschichte" entschieden. Was aber unterscheidet das von Globalgeschichte und Universalgeschichte?
Johannes Frieds Position habe ich oben zitiert. Die Wikipedia setzt  Globalgeschichte und Universalgeschichte mit Weltgeschichtsschreibung gleich, insofern sie auf dieses Lemma verlinkt.

Diskussionswürdig finde ich die Ansicht Frieds, man könne keine Weltgeschichte schreiben, weil man dafür eine Meistererzählung brauche. Zwar glaube ich gern, dass die großen Sammelwerke wie Propyläen- und Fischer-Weltgeschichte keine Meistererzählung haben; aber im Mittelalter, der Zeit der vielen Weltchroniken (z.B. Frutolf u. Ekkehard), gab es die schon, und Hegel und Marx haben neue entwickelt, auch wenn wir sie heute nicht mehr als überzeugend ansehen. In der Sowjetunion fanden sich auch die Historikerkollektive, die bereit waren, ihre Geschichtsschreibung an solch einer Meistererzählung auszurichten. Es braucht also nicht mehr die Leistung eines Einzelnen wie Ranke, um das Riesenwerk zu verfassen. Im Zeichen der Kooperation in Wikis und bei der Möglichkeit der Verlinkung könnte sogar eine große Menge von Einzelstudien in einem Gesamttext verlinkt und damit ein Darstellungsnetz erzeugt werden, das zwar keine lineare Erzählung darstellt, sich aber an einer linearen Erzählung orientiert.

Wie seht ihr es? Kommentare würden mich freuen.

18.3.13

Blogparade: Worauf kommt es beim Lernen an? (3)


 ruft zu einer Blogparade auf, darüber zu schreiben, wie einzelne Kompetenzen erworben wurden.
Prompt meldet sich Odysseus Frau, die neben dem Weben auch noch Tabellenkalkulation gelernt hat.

Horst Sievert schreibt über die Erlernung der Bedienung seines Fernsehers und wendet sich gegen Schitt-für-Schritt-Anleitungen. - Interessant ist auch Diskussion zu seinem Beitrag. Sie läuft sehr ähnlich wie meine Diskussion zu dem anregenden Beitrag von
Jan-Martin Klinge Mathematik ist wie dieses Bild (seit 2010 gab es 245 Kommentare)
Das Entscheidende ist in der Tat, dass man seinen eigenen Weg findet. Und "So musst du es machen!" ist die erfolgreichste Methode, das Verständnis zu verhindern. Darin stimme ich ihm unbedingt zu. Wenn er Zeit und Anstrengung als die besten Lernhilfen bezeichnet, so ist das zwar sehr anregend, aber ...
Weshalb ich es für falsch halte, brauche ich hier nicht zu sagen, das habe ich schon dort getan.
Vielleicht sollte ich hier das Lob versteckter Lernhilfen singen, wie sie im ZUM-Wiki oft eingesetzt werden.

Ganz allgemein fragt
Georg Rückriem: Lernen ohne Pflichtschule – Ist das überhaupt möglich?


Außerdem möchte ich auf zwei Berichte über die Arbeit im Fach Geschichte mit online Unterrichtsmaterialien aufmerksam machen:

Ein kurzer Erfahrungsbericht von Currlin (Geschichtszentrum) über eine Enttäuschung.

Derselbe über die Notwendigkeit der Steuerung der Schüler angesichts des umfassenden Stoffes (unter: Geschichtszentrum 1. Steuerung des Schülers) und den Umfang der Selbststeuerung der Schüler (unter 2. Der selbstständige Schüler und - skeptischer - hier, dort finden sich auch wichtige Hinweise in den Kommentaren.)
Zur Rolle des Lehrers sagt Currlin u.a.:
"aber für das Verständnis historischer Zusammenhänge und für den systematischen Aufbau von Begriffen bedarf der Schüler der Hilfe des Lehrers, der ihn intellektuell anleiten muss, das sage ich in aller Deutlichkeit. Ein Lösungspapier greift da zu kurz. Diese intellektuelle Führung geht auch nicht so, dass man die Sachlage jedem von 25 oder 30 Schülern jedesmal einzeln erklärt, sondern das muss aus Zeit- und Effizienzgründen in einer Plenumsphase geschehen, und die macht oft weniger Spaß, weil hier wirklich konzentriert gearbeitet werden muss, und das ziemlich lange am Stück, oft eine Stunde lang. Je länger die Selbstarbeitsphase des Schülers, desto länger die Plenumsphase."

Historisch denken | Geschichte machen (segu - sieh: segu-Plattform) ist in seiner Positionsbestimmung hinsichtlich der Möglichkeit der Selbtststeuerung der Schüler deutlich optimistischer. Freilich bleibt es bei allgemeineren Überlegungen, es geht nicht um konkrete Einzelerfahrungen.

Zusatz vom 24.3.:
Folgendes parke ich erst einmal hier.
Geschichtszentrum schreibt zur Verwendung von Smartphones im Unterricht (24.3.)
Die neue Generation der Lehrkräfte unterscheidet sich dadurch wenig von der Generation, die nun die Schule verlässt.Das wiederum heißt, dass sich die Verhältnisse in den nächsten 20 oder 30 Jahren höchst zögerlich verändern werden, wenn überhaupt. Natürlich würde ich mich freuen, wenn es anders wäre, aber bis sich Mentalitäten wandeln, braucht es viel Zeit.
3.Andererseits besteht in meiner Abschlussklasse 12, in der ich mich erkundigt habe, eine hundertprozentige Abdeckung mit Smartphones. Das traditionelle Telefon- Handy gibt es auch im Laden kaum noch. Die technischen Möglichkeiten sind also da, aber statt sie zu nutzen, gibt es im Gegenteil wie wohl an fast allen Schulen, so vermute ich, ein Handy- Verbot. Dafür gibt es Gründe, aber im Effekt ist 1:1 Computing mit eigenen Geräten auf diese Weise praktisch nicht möglich. Deshalb wächst die Kluft zwischen technischen Möglichkeiten und schulischem Einsatz dieser Technik weiter."


11.3.13

Meine Erfahrungen mit Lehren und Lernen II

Meine Kommunikation und die Berichte über meine Aktivitäten  im pädagogischen Feld habe ich in letzter Zeit weitgehend aus diesem Blog heraus verlagert. Damit es hier aber nicht gar zu langweilig wird und zur leichteren Zugänglichkeit für mich selbst, will ich aber wieder etwas mehr hieherziehen.
Zum einen den Hinweis auf meine Teilnahme am hessischen Landtagsprojekt der Wikipedia mit dem dortigen Gummibärchen, dann meine online Stippvisite bei Geschichte Lernen digital am 8.3., und schließlich will ich für die, die die Fortsetzung meines Berichts zu Erfahrungen mit Lehren und Lernen noch nicht gelesen haben, ihn auch hier vorstellen und bei der Gelegenheit auch ergänzen. (z.B. u dem afrikanisch-deutschen Blog "Nachbarschaft", s.u.)
Der Abschluss des Berichts soll dann in einem kommenden Beitrag erfolgen.

Erfahrungen mit Lehren und Lernen II
In meiner Referendarzeit hatten wir einen Fachleiter, der seine Stunden so hielt: Er trat in die Klasse, fragte "Wo waren wir das letzte Mal?" und von da an sprachen nur noch die Schüler. Jedenfalls war das in seinen Vorführstunden für Referendare so. Dieser Idealform des Mottos unserer Ausbilder "Mehr strukturieren, weniger eingreifen!" entsprach mein Unterricht nur im absoluten Ausnahmefall. Im Normalfall machte die Strukturierung immer wieder ein Eingreifen erforderlich. Ohne moderierendes Eingreifen verflachte das Gespräch. Heutige Talkshows erinnern mich immer wieder an den Alptraum solcher Stunden. Die Lösung des Problems schien Gruppenarbeit zu sein. Durch Materialvorgabe und klare Aufgabenstellung sollte die Strukturierung sichergestellt sein, das Eingreifen überflüssig. Das klappte mehr oder minder gut. Die Schwachstelle kam freilich bei dem Bericht der arbeitsteiligen Gruppen über ihre Ergebnisse. Jede Gruppe war darauf fixiert, in den Augen des Lehrers gut dazustehen, die Mitschüler waren unwichtig. Dementsprechend ließ die Motivation des Plenums rapide. Ganz andere Erfahrungen machte ich, wenn ich in der Oberstufe die Gestaltung der Stunden vollständig den Schülern übertrug. Hier gelang des öfteren Teamteaching recht vorbildlich. Doch das hing immer wieder vom Zusammenspiel der Lehrgruppe mit der Gesamtgruppe zusammen. Ein “Lerne freiwillig und mit Begeisterung, was die Schule von dir zu lernen verlangt” war mit dieser Methode jedenfalls ebenfalls nur im Ausnahmefall zu erreichen. Eigenverantwortliches Arbeiten anzuleiten gelang mir dagegen mit der von Heinz Klippert gelernten Methode des Gruppenpuzzles besser. (Dabei bereiten "Stammgruppen" ein Thema vor und setzen sich dann in "Expertengruppen" zusammen, in denen die Experten sich gegenseitig über das zuvor Erarbeitete berichten. Dabei gibt es methodische Varianten, die sich danach unterscheiden, welche Rolle der Arbeit mit der Gesamtgruppe zugemessen wird.) Jeder Pädagoge vermisst in meinem Bericht bis jetzt den Projektunterricht. Meine Erfahrung: Je größer das Projekt ist, desto mehr kommt es auf die Anpassung an die Gruppe und ihre Lernsituation an. Grundsätzlich ist es dabei leichter als bei Kursunterricht möglich, intrinsische Motivation zu wecken, aber im Rahmen eines stundenplangetakteten Unterrichts sind kann nicht gleichfalls in allen Fächern an größeren Projekten gearbeitet werden. Was hat sich aus meiner Sicht bewährt? Theaterstücke, Planspiele, die Erstellung von Büchern, Blogs, Wikiartikeln. Konkrete Projekte, die mir gefallen haben, sind z.B. im Deutschunterricht Klasse 5 - 7 Krabat, in der Oberstufe Romantische Schule. Gegenwärtig werbe ich für die Erstellung von "Miniwikipedias" für das behandelte Fachgebiet mit Stichworterklärungen auf Schülerniveau. Ein Beispiel dafür entsteht gerade im ZUM-Wiki (zu finden unter Historische Stichworte). Theoretisch ließen sich so in großem Stil copyrightfreie Unterrichtsmaterialien (OER) durch Schüler erstellen. Im ZUM-Wiki finden sich dafür viele Ansätze. Weshalb bisher mit dieser Methode keine kompletten Lehrwerke entstehen, wäre zu diskutieren. Offenkundig ist es nicht einfach, sie zu erstellen, es ist aber vielleicht auch nicht sinnvoll. Zu von Lehrern erstellten offenen Bildungsinhalten verweise ich auf die laufenden Diskussionen.

Jetzt aber zu meinen Erfahrungen mit eigenem Lernen und Einzelunterricht...
  •  Das Quadriga Funkkolleg habe ich in bester Erinnerung. Die Studienbriefe ließen sich wie Zeitung lesen, die Hausarbeiten wie Kreuzworträtsel lösen, beim Klausurenschreiben sah man, wer sonst dem Hobby frönte, und bei alledem wurde man über neuere Tendenzen auf Gebieten, die einen interessierten, durch informierte Überblicke auf dem Laufenden gehalten. Das Internet bietet zwar auch manches. Aber beim Vergleich der Mathematik- und Linguistikvorlesungen (diese nur als Beispiel) im Netz schneiden die damaligen Begleitbriefe eindeutig besser ab. (Die Sendungen und Begleitbücher waren demgegenüber zweite Wahl.) Ich kann mir mathematische und linguistische Gedankengänge schriftlich besser nachvollziehen als über das Hören. So verdienstvoll das Funkkolleg Medien, das ich gegenwärtig mitverfolge, ist, es ist nur zum Hören, und die schriftlichen Texte sind zu unübersichtlich. (Dazu, dass MOOCs auch Vorteile haben, weiter unten.)
  • Lehrerfortbildung: die war sehr unterschiedlich. Am meisten störte viele Kollegen, wenn Vorwissen erkundet wurde und dabei der Eindruck entstand, dass die Kursleiter weniger davon verstanden als man selbst. Das ging mir nicht oft so.
Fachinformationen waren meist willkommen. Außer der Gelegenheit, Kollegen von der Universität wieder zu treffen, schätzte ich besonders den Kurs "Literatur 1992", denn auf aktuellem Stand war meine Literaturkenntnis nur bei meinen Lieblingsschriftstellern. Thomas Bernhard und Ransmayr gehörten nicht dazu. Die Erarbeitung von Unterrichtsprojekten habe ich als zweischneidig erlebt. Die auf ein Projekt ausgerichtete Arbeit des Lehrgangs war zunächst motivierend. Wenn man danach - wie meistens - feststellte, dass das Erarbeitete selbst mit großer Anpassungsanstrengung nicht für den eigenen Unterricht taugte, stellte sich trotz der wiederholten Erfahrung immer wieder eine kleine Enttäuschung ein. Doch es gab auch - sehr seltene - Ausnahmen. Die Einführung in unvertraute Methoden erwies sich dagegen fast durchweg hilfreich. Ich nenne hier nur als Beispiel die Kurse von Heinz Klippert und Karl Johé.
  • Privatprojekte:
Wikis: ein umfangreiches Thema. Vom passiven Gebrauch (Links, die ich auf meine Homepageseiten einband) kam ich bald dazu, in der Wikipedia Artikel zu schreiben. Daher fühle ich mich weiter als Wikipedianer und arbeite weiter als Administrator des ZUM-Wikis (Fontane44, dort Beispiele meiner Arbeit), auch wenn die Möglichkeiten der Mitarbeit in der Wikipedia für mich abnehmen. Faszinierend ist dabei, dass man Projekte aufgreifen kann, die als einzelner anzugehen man sich nicht trauen würde (und Projektarbeit ist , wie gesagt, lehrreich). Und wenn man Jahre darauf auf die Zugriffszahlen schaut, freut's einen auch.
Wikisource:  Am meisten beeindruckt hat mich, wie gut mein Projekt der Entzifferung eines Augenzeugenberichts über Napoleons Russlandfeldzug vorankam, nachdem ich Unterstützung bei Wikepianern und Wikisourcemitarbeitern gefunden hatte. (vorher - nachher) Mein Dank gilt besonders Frank und Paulis, aber selbst der Versionsgeschichte ist nicht ohne weiteres zu entnehmen, wie viele anderen außerdem  beteiligt waren. Man müsste die Versionsgeschichten aller 185 Seiten durchgehen. Aus einem recht unvollständigen und fehlerhaften Entzifferungsversuch wurde eine Edition mit erläuternden Anmerkungen, die sich m.E. sehen lassen kann. Solch eine Edition wäre mir, aber auch keinem anderen von uns allein nicht möglich gewesen (bei Frank allerdings wohl nur aufgrund des Zeitmangels). Nebenbei erhielt ich Einblick in andere Editionsunternehmen wie besonders die Herausgabe aller unterschiedlichen Originalausgaben der Märchen der Brüder Grimm Literaturhinweise zum Russlandfeldzug, an die ich sonst nie gekommen wäre. Aber auch ganz private Projekte wie die  Verbesserung alter Kassettenaufnahmen kamen voran, weil ich über ZUM.de technisch Findigere als mich kennenlernte. Urheberrecht, Philosophie.

Blogs: Bei Wikis gerät man über die Arbeit an konkreten Projekten mehr oder minder intensiv in die Wiki-Gemeinschaft hinein. Innerhalb der Blogger Beziehungen aufzubauen, erfordert über die Arbeit an den einzelnen Blogartikeln auch konkrete Kotaktaufnahme mit anderen über Kommentare. Wenn man freilich in der Wikipedia auch nur kurz mit Benutzer: Jeanpol zusammen gearbeitet hat, ergibt sich die Einführung in die pädagogische Bloggerszene wie von selbst. Außer ihm nenne ich nur das Lehrerzimmer von Herrn Rau und den Lehrerfreund.
Der Sonderfall Nachbarschaft (ein afrikanisch-deutsches-Online-Magazin) ergab sich über einen lokalen Kontakt mit einer deutschen Studentin, die an einem internationalen afrikanischen schulorientierten Magazin mitarbeitete, das als Druckversion verbreitet wurde, bei dem die Zusammenarbeit der Redakteure aber über E-Mail lief. Mein Vorschlag, es auch ins Internet zu stellen, fand Anklang. Seit einiger Zeit werden fast nur Beiträge von deutschen Redaktionsmitgliedern eingestellt, da das gedruckte Schulmagazin wegen Krankheit und anderen Problemen der afrikanischen Redakteure gegenwärtig pausiert.

Soziale Medien: Twitter wird von mir vor allem zum Hinweis auf Internetaktivitäten von mir verwendet, aber auch für Hinweise auf Internetaufrufe von bekannten Nichtregierungsorganisationen wie z.B. z.B. Avaaz, Amnesty, Campact - Demokratie in Aktion und Rettet den Regenwald e.V. sowie für gelegentliche Diskussionen und zum Mitverfolgen von Internetkursen.
Damit wäre ich beim nächsten Thema:  MOOCs u.ä.  Darüber informiert mein Blog, der darauf spezialisiert ist.
Barcamps schätze ich seit meiner Telnahme am CorporateLearningCamp 2012.



  • Gruppenunterricht und Einzelunterricht: 
  • Deutsch als Fremdsprache Ich habe neun Jahre Unterrichtsgruppen in Deutsch als Fremdsprache an einer Europäischen Schule unterrichtet. Fremdsprachenlehrer werden zu recht feststellen, dass ich bei diesem learning by doing nicht viel Methodik gelernt habe; doch habe ich dabei dreierlei gewonnen:


    Erstens die Erfahrung, dass ab einem gewissen Niveau der Sprachbeherrschung des Schülers offenbar die Sprachkenntnis des Lehrers wichtiger wird als die Methode (sofern er nicht wichtige Regeln ganz außer Acht lässt).
    Zweitens den Mut, in Deutschland Sprachunterricht für Ausländer fortzusetzen.
    Drittens eine Kenntnis über gewisse Regelmäßigkeiten der deutschen Grammatik, die der Deutschkundige nicht wahrnimmt, weil er sie aufgrund ständiger Anwendung beherrscht, während deutschlernende Muttersprachler aufgrund einer rasanten Sprachentwicklung oft Schwierigkeiten bei der Anwendung der Fälle haben und zwar nicht nur, weil - angeblich - der "Dativ dem Genitiv sein Tod" ist, sondern, weil parallel immer häufiger der Genitiv gebraucht wird, wo der Dativ stehen müsste.

    Erfahrung mit privatem Deutschunterricht für Ausländer in Deutschland:
    Wenn in einer Unterrichtsgruppe die Deutschkenntnisse sich "nur" durch ein bis drei Jahre Deutschunterricht unterscheiden, kann man manches auszugleichen versuchen. Der Unterricht von Sprachlernanfängern und flüssig, aber unkorrekt Deusch Sprechenden sowie mehreren Sprachniveaus zwischen diesen Stufen hat mich aber überfordert. (Daher habe ich eine gewisse Skepsis gegenüber Inklusion, so wünschenswert die Verwirklichung dieses Konzepts aus anderen Gründen ist.) Da war ich froh, als ich bei Einzelunterricht mir die Lernziele von den SchülerInnen vorgeben lassen konnte. Das kann eine beglückende Erfahrung sein.

    Was noch aussteht: mein Bericht über privaten Unterricht in Deutsch als Muttersprache und andere Projekte, die sich nicht so leicht unter einer Überschrift zusammenfassen lassen.