Posts mit dem Label Lesebuch werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Lesebuch werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

31.1.25

Aussaat. Deutsches Lesebuch 7. Abteilung

 Aussaat. Deutsches Lesebuch 7. Abteilung Von der Urzeit bis zum Dreißigjährigen Kriege 

17 Bilder auf Tafeln G. Grote'sche Verlagsbuchhandlung E.S. Mittler & Sohn Verlagsbuchhandlung 2. Aufl. Berlin 1933



















































































Zum Inhalt:

Ludwigslied (881/82)

Waltharilied (grob geschätzt zwischen 950 u. 1050)

Ruodlieb (um 1050) lateinisch


25.1.25

Die Fackel. Lesebuch für höhere Schulen Band VII

 Verlag: Vandenhoeck  & Ruprecht 2. Auflage ohne Jahr. (Ein Vereis auf die Artemisausgabe von Goethe 1949-54 lässt aber auf die 2. Hälfte der 1950er Jahre schließen.)

Im Bilderanhang außer der Manessischen Liederhandschrift und dem Dresdner Zwinger nur religiöse Themen und Kirchen oder Teile davon wie die Stifterfiguren am Naumburger  Dom

Albrecht Altdorfer: Kreuzigung 

Bemerkenswert scheint mir die realistische Darstellung

und andererseits die ungewöhnlich lange Leiter, die das

Hinaufreichen des Schwammes als eine schwierige

Aktion erscheinen lässt.


Eine große Auswahl von Texten von germanischer Dichtung bis zur Goethezeit bei einem sehr hohen Anteil mittelhochdeutscher Texte (z.B. außer der Lyrik längere Abschnitte aus den Epen, jeweils auf mittelhochdeutsch)

Über Meier Helmbrecht wird F. Panzer zitiert: "Er erst wird wirklich positiv, weil bei ihm, um mit Schiller zu reden, die Abneigung gegen die Wirklichkeit nicht wie bei Neidhart einer sinnlichen Quelle, sondern dem entgegenstehenden Ideale entspricht. Sein Werk behauptet im geschichtlichen, wie ästhetischen Sinne einen Rang, der es dem Besten an die Seite stellt, was unsere mittelalterliche Dichtung überhaupt hervorgebracht hat. [...] Nicht trägt er im Predigtton abstrakte Lehren vor; sie ergeben sich vielmehr gleichsam absichtslos und zufällig als Begleiter und Folgen einer spannenden Erzählung, und der Dichter zeichnet ein anschauliches Kulturbild, indem er nur den Zwecken seiner künstlerischen Darstellung zu genügen scheint."(Seite 185). 

Aus heutiger Sicht wird den Schüler*innen eine Menge zugemutet wie auch in Texten von Bultmann: Humanismus und Christentum und Korff: Der Subjektivismus der Goethezeit.   Deutlich wird gegenüber späterer Bevorzugung von Ganzschriften das Bemühen um geistesgeschichtliche Einordnung.

Von Petrarca:

Die Besteigung des Mont Ventoux 

und Sonett 183

Von wannen nahm Amor das Gold, zu weben

Ein blondes Flechtenpaar? Und jene Rosen

Von welchen Dornen? Und von welchen Moosen

Den zarten, frischen Reif mit Puls und Leben?

Woher die Perlen, zügelnd zu umschweben

Der süßen Worte züchtig fremdes Kosen?

Woher der Stirn, der heitern, wolkenlosen,

Die Zauber all', die göttlich sie umweben?

Von welchen Engeln stieg, aus welcher Sphäre

Herab so himmlisches, so schmelzend Singen,

Daß wenig nun zu schmelzen bleibt hienieden?

Von welcher Sonn' entsprang des Lichtes Hehre

In Augen, die mir Krieg und Frieden bringen,

So mir das Herz in Eis und Feuer sieden?

















Der Text Die höfische Dichtersprache (offenbar vom Mitherausgeber F. Panzer) umfasst gut 7 Seiten. Zwei davon sind hier wiedergegeben. (Zur Wiedergabe der vollständigen Fotos bitte anklicken!)



23.2.18

Plädoyer für ...

"Unter unseren Schulbüchern war eines, das sich, obgleich von außen so nüchtern und drohend sachlich wie nur irgend ein Leitfaden und Grundriß, durch eine schöne Menschenfreundlichkeit und Zugänglichkeit des Inhalts vor allen anderen hervortat. [...]

Dieses Buch, dass eine zartere und gütigere Hand, als die sonst waltende den vorgeschriebenen Lehrmitteln hinzugefügt haben mußte, hieß einfach das Deutsche Lesebuch. Es war uns gegeben einzig und allein zu dem Zweck, damit wir die Sprache, unsere Muttersprache anschauten – oder vielmehr, damit wir sie belauschten, wie sie sich lächelnd selber anschaut im Gedicht." (Thomas Mann in "Chamisso", Einleitung in "Peter Schlemihls wundersame Geschichte", 1911)

Ich weiß, weshalb man Ganzschriften lesen sollte, und heute, wo das Internet zu kurzen Aufmerksamkeitsspannen erzieht, das Smartphone, was das Lesen betrifft, sogar besonders stark, da gelten diese Argumente sogar doppelt. 
Aber wie viele gute Texte haben als Ganzschrift angeboten schon viele Schüler verschreckt (Effi, das Biest; der "schlimme" Text Die Wahlverwandtschaften ...) und wie viele Texte werden in der Schule gar nicht mehr gelesen werden, weil über Ganzschriften dafür keine Zeit bleibt.

Wer von uns hat Musils Der Mann ohne Eigenschaften schon vollständig (samt Nachwortentwurf u.a.) durchgelesen? Und wie interessant ist doch der erste Absatz!

Wann kommt die Gelegenheit für Jean Pauls Rede des toten Christus vom Weltgebäude herab, dass kein Gott sei?  Dabei bietet schon allein die Überschrift viel Anlass zur  Reflexion. Aber die Ganzschrift Siebenkäs zu lesen wird man zu recht keinem Schüler zumuten wollen.
Können wir wirklich auf Kleists Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden verzichten?
Natürlich können wir im Deutschunterricht nicht den vollständigen Roman Don Quijote lesen, aber können wir uns damit zufrieden geben, dass nur die Redensart "Kampf gegen Windmühlen" bekannt ist, wenn schon ein Ausschnitt aus einem Kapitel  einen Eindruck  vom Witz dieses Werkes vermittelt, der eine Anregung für spätere Lektüre bedeuten kann?

Wenn wir schon kein gedrucktes Lesebuch mehr haben, so sollten wir zumindest in elektronischer Form die wichtigsten Kurztexte, die im Curriculum nicht mehr vorkommen, bereitstellen. 

25.5.17

Brauchen wir einen Literaturkanon?

"Ich finde nicht nur, dass ein Literaturkanon gut ist, weil ich an die tiefe Kraft glaube, die dem Verständnis von Literatur für jeden einzelnen inne liegt, sondern ich bin der Überzeugung,
dass ich besser auswählen kann, was man wissen soll (!) und was nicht. Weil ich über Jahre diese Themen studiert, über sie geschrieben, geredet und gestritten habe."
So formuliert Bob Blume in einem lesenswerten Text über den gegenwärtigen Bildungsdiskurs im Internet.

Brauchen wir einen literarischen Kanon? (Und: Schullektüren, Lesebücher.) fragt Herr Rau in seinem Lehrerzimmer.

Lesenswert sind auch die Kommentare dazu.

Zitat aus meinem Kommentar (ein klein wenig stilistisch verbessert):

"Lesebücher halte ich für so wichtig, weil die großartige „Rede des toten Christus“ und die „allmähliche Verfertigung des Gedankens“, die m.E. genauso zum Kanon gehören wie „Der Mond ist aufgegangen“ „Erlkönig“ und „Es war, als …“, sonst der Zufälligkeit des Interesses von einzelnen Deutschlehrern ausgeliefert wären.
Natürlich entsteht ein Kanon nur durch Gebrauch und davon reden, nicht durch Vorschriften.
Zum Glück gibt es noch Schulnamen, so dass wenigstens an diesen Schulen das eine oder andere Werk des Schulnamensdichters (in Ausschnitten) bekannt wird. – Mir unvergesslich, wie bei einer Lesung des lyrischen und dramatischen Werks eines nicht unbekannten Dichters (irgendetwas zwischen 48 und 90 Stunden) eine Sechstklässlerin als einzige das Metrum des „Reineke Fuchs“ deutlich zu Gehör brachte (Erwachsene scheiterten daran). Natürlich gehört „Reineke Fuchs“ nicht zum Kanon; aber dass dieser Dichter nicht nur im zweiten Teil seines dem Namen nach bekanntesten Werkes mit dem jambischen Trimeter antike Versmaße verwendete, das sollte … " (Da es Suchmaschinen gibt, lasse ich zunächst die zugehörigen Links fort.)

Auf jeden Fall ist der Artikel von Herrn Rau sehr lesenswert und für die meisten Leser dürfte auch das, was dort gesagt ist, ausreichen, um sich eine gut begründete Meinung zu bilden. Mich drängt es aber dazu, am Beispiel von Shakespeare und J.S. Bach auf die Geschichte der Kanonbildung einzugehen. 
Die Formulierung eines Kanons bedeutet immer ein Werturteil, und Werturteile bewähren sich nur im kritischen Diskurs (hier brauche ich ein Link, um anzudeuten, dass es um mehr als nur eine Unterhaltung geht). 
Shakespeare und J.S. Bach waren zu ihrer Zeit Mode. Dass sie aber heute weltweit zu den bedeutendsten Vertretern ihrer Kunst gezählt werden, hat sich erst durch einen Diskurs Generationen nach ihrem Tod herausgebildet. 
Lessing hat den zu seiner Zeit in Deutschland gültigen literarischen Kanon in seinem 17. Literaturbrief mit einem klaren "Ich bin dieser Niemand" in Frage gestellt und - letztendlich sehr erfolgreich - Shakespeare als Gegenbild herausgestellt. Die Weimarer Klassik ist ohne die Hinwendung zum Vorbild Shakespeare nicht denkbar (so sehr sie sich auch von ihm weg entwickelt hat).
J.S. Bach war durch seinen Sohn Carl Philipp Emanuel wegen dessen Epoche machenden Neuerungen, die die Wiener Klassik vorbereiteten, in den Schatten gestellt worden. Es bedurfte des J.S. Bach Revivals des 19. Jahrhunderts, um für das 20. und 21. Jahrhundert weltweit deutlich zu machen, dass Bach durch seinen Sohn nur abgelöst, nicht übertroffen worden war. 
Was wäre von Georg Büchner noch überliefert, wenn er nicht für den literarischen Kanon entdeckt worden wäre? [dazu sieh Ph. Wampflers Gegenkanon*]

Nicht zufällig habe ich Shakespeare und J.S. Bach als Beispiele für die Bedeutung der Kanonbildung herausgestellt; denn für diese beiden gilt - zumindest meiner Ansicht nach -, dass sie nicht "Zwerge auf den Schultern von Riesen" waren (so sehr sie auf der Überlieferung und den hervorragenden Werken ihrer Zeit aufbauten). Sie waren selber Riesen, und uns wäre Entscheidendes verloren gegangen, wenn wir nur die (großartigen, unsterblichen und was man sonst zum Lob der Künstler nach diesen beiden anführen mag) Werke, die auf sie folgten, angewiesen wären. 


So viel schon habe ich geschrieben und noch nichts dazu gesagt, weshalb man die  „Rede des toten Christus“ und die „allmähliche Verfertigung des Gedankens ...“ kennen sollte, obwohl sie beide nicht von Shakespeare oder einem der deutschen Klassiker stammen.

Vorerst schreibe ich auch noch nichts dazu, sondern wende mich meinem Tagewerk zu, nicht ohne ein kleines Gedicht anzuführen:
                                           „Schläft ein Lied in allen Dingen,
                                            Die da träumen fort und fort,
                                            Und die Welt hebt an zu singen,
                                            Triffst du nur das Zauberwort.“
Auch das verdient meiner Meinung nach, dem literarischen Kanon anzugehören. Und dazu braucht es meiner Meinung nach Lesebücher oder einen elektronischen Ersatz dafür. 
(Mehr zu Lesebüchern hier.)

Ergänzung am 24.5.:
Immer wieder gibt es Versuche, eine Kanonbildung zu unterstützen. Die ZEIT-Bibliothek der 100 Bücher (und die Folgeaktivitäten) gehörten dazu, Marcel Reich-Ranickis Kanon, auch Die Lieblingsgedichte der Deutschen.  Außerdem  der ZEIT-Schülerbibliotheks-Kanon (und daraus z.B.  Georg Büchner: Lenz, Leonce und Lena, Dantons Tod, Friedrich Dürrenmatt: Besuch der alten Dame, Jurek Becker: Jakob der Lügner, Georg Christoph Lichtenberg: Aphorismen, Hermann Bote: Till Eulenspiegel).
Die Beteiligung an der Umfrage zum Lyrikprojekt und die Auflagen der beiden erstgenannten zeugen von einem Interesse an einem Kanon und davon, dass er nicht staatlich verordnet sein muss, um wirksam zu werden.
Auch Lektürelisten von Universitäten oder Deutschlehrern (Beispiel von 1960 für eine 9. Klasse) helfen dabei.

Mehr zu der Bildung eines literarischen Kanons:
Hermann Korte: Grundzüge der Literaturdidaktik (ein Hinweis von Ph. Wampfler)
Philippe Wampflers Gegenkanon
*Büchner war als Schüler an der Bildung eines Gegenkanons beteiligt, wenn er mit seinen Freunden über Goethe und Schiller sprach statt über Homer und Horaz, wie seine Lehrer es von ihnen erwarteten. 

Dieser Text wurde auf Fontanefans Schnipsel entworfen.

Texte, die m.E. zu Unrecht in Vergessenheit zu geraten drohen:
Über das Marionettentheater
Campagne in Frankreich 1792