Posts mit dem Label informationelle Selbstbestimmung werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label informationelle Selbstbestimmung werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

17.12.16

Digitale Bildung?

Google hat als ZEIT-Beilage ein Heft "Aufbruch Lernen. Ein Magazin zur digitalen Bildung" herausgebracht. 
Was mich daran stört? - Dass das Lernen des Umgangs mit Programmen und digitalen Medien als "Aufbruch des Lernens" bezeichnet wird, obwohl es doch nur um einen neuen (sehr wichtigen) Lernbereich geht. Und dass von digitaler Bildung gesprochen wird, als ob Bildung digital sein könnte. Mit digital ist ja nicht die Bildung, sondern nur der Bereich, um den es geht, bezeichnet.
(Mit dieser Kritik an einem üblich gewordenen Sprachgebrauch kritisiere ich mich durchaus auch selbst; denn ich selbst habe im ZUM-Wiki einen Artikel Digitales Lernen eingefügt. - Wenn man will, dass etwas gefunden wird, passt man sich dem Sprachgebrauch an, und der ist relativ häufig unlogisch. Das ist freilich nur so lange unproblematisch, wie darüber nicht die Differenzierung im Denken verloren geht.)

Jetzt aber zum Inhalt des Heftes: 
In den Artikeln wird zu Recht hervorgehoben, wie viel Möglichkeiten digitale Instrumente und Medien für Lernen bieten. Es wird aber nicht genügend berücksichtigt, dass diese Möglichkeiten primär den besonders Lernbegünstigten helfen und dass die durch äußere oder innere Umstände Lernbehinderten durch die Digitalisierung benachteiligt werden, so lange kein Schwerpunkt darauf gelegt wird, wie die Entstehung von Lerndefiziten aufgrund der Ausdehnung dieses Bereichs eingedämmt werden kann.  
Dazu:
Zum einen ist aufgrund des hohen Innovationsgrades im Bereich der Digitalisierung jeweils die ältere Generation benachteiligt, weil sie sich neue Bereiche in einer Phase erschließen soll, wo diese spezifische Lernfähigkeit gerade abnimmt. (Nur ein Beispiel: Ich selbst habe bisher den Umstieg vom Laptop zu mobileren Geräten nicht geschafft.)
Zum anderen ist aufgrund des höheren Abstraktionsgrades des digitalen Bereichs nicht nur der verständnisvolle Umgang mit den Instrumenten und Medien schwieriger, sondern auch das Verständnis für die Gefahren, die dort für den Einzelnen (aber auch die Gesellschaft) lauern. 
Wenn man bedenkt, wie zentrale gesellschaftliche Institutionen wie Regierung und Parlament mit dem Umgang mit digitalen Instrumenten hinterher hinken (unzureichende Absicherung gegen Hackerangriffe) und wie zeitverzögert auf die neuen Entwicklungen reagiert wird, dann sollte man sich auch klar machen können, dass ein Verständnis für die Gefahren der digitalen Welt (Sucht, Datenmissbrauch, Identitätsdiebstahl) und die Einübung in die Fertigkeiten, die man braucht, ihnen zu begegnen, weniger Lernbegünstigten stark erschwert ist.

Schließlich sollte man nicht ausblenden, dass nicht nur die Lernenden, sondern auch die gegenwärtigen Lehrer zu großen Teilen durch die neuen Anforderungen überfordert sind. 
Wie groß ist der Prozentsatz  der Lehrer, die sich schon ein funktionierendes persönliches Lernnetzwerk aufgebaut haben, und der Lernenden, die die technischen Geräte und notwendige Unterstützung haben, sich eins zu erarbeiten?
Dabei denke ich auch an den nicht geringen Anteil der Flüchtlinge, die schon mit Alphabetisierung und Spracherwerb extrem gefordert sind und gleichzeitig auch digitale Innovationen mitvollziehen können sollen, um in die Arbeitswelt integriert zu werden. 

Da scheint es fragwürdig, wenn 5 Milliarden für die Versorgung der Schulen mit digitalen Instrumenten bereitgestellt werden, aber die Finanzierung von Alphabetisierung und Spracherwerb der Flüchtlinge noch nicht sichergestellt ist. 

Sieh jetzt auch:
Digitale Strategie der KMK (Dezember 2016), ein kritischer Blogbeitrag in Lehrerzimmer vom 18.12.16
News4Teachers 21.12.16
Bildung in der digitalen Welt & Schulinternes Curriculum 3.1.17
Der Blog: Bildung digital

Lässt sich schon im Kindergartenalter Medienkompetenz erlernen?  Bildungsklick 16.1.17
Die Verfasserin antwortet mit ja. 
Aber auch sie bemerkt:
"Der pädagogisch verantwortete und kreative Einsatz von Tablets im Kitalltag ist für die meisten pädagogischen Fachkräfte Neuland, so dass nicht nur in die Ausstattung mit technischen Endgeräten, sondern vor allem auch die entsprechende Qualifizierung und Unterstützung des pädagogischen Personals eine weitere zu bewältigende bildungspolitische Herausforderung ist." 
Zu den Gefahren des Internets meint sie:
"Die aktive Mediennutzung in der Kita bietet viele Anknüpfungspunkte, mit Kindern Gespräche über Sicherheitsthemen im Internet zu führen, wie sie Hilfe holen, mit Gefühlen umgehen, eigene Grenzen einschätzen, mit eigenen Passwörtern umgehen sowie das Recht am eigenen Bild oder das Urheberrecht kennen lernen. Sie ermöglicht auch, mit Kindern Regeln über die Mediennutzung aufzustellen und sie in ihrem Bewusstsein zu stärken, was gute und schlechte Medieninhalte sind. Durch solche Herangehensweisen legt frühe Bildung den Grundstein für eine sichere und verantwortungsvolle Internetnutzung. Dann entwickeln bereits junge Kinder Kompetenzen, die für sie später in problematischen Situationen im Netz hilfreich sind. Bevor jedoch Tablets in Kinderhand gegeben werden, sind die von Fachleuten empfohlenen Sicherheitsvorkehrungen und eine Vorauswahl geeigneter Medieninhalte zu treffen."
Wie man sicherstellt, dass der "pädagogisch verantwortete und kreative Einsatz" gelernt wird und  genügend Geld nicht nur für die Geräte, sondern auch für die Schulung der Lehrkräfte bereitsteht, das hat sie nicht zu verantworten. Das ist aber genau der Punkt, an dem die bisherige Strategie, Medienkompetenz im digitalen Raum zu schaffen, gescheitert ist. 

31.10.13

Thomas Assheuer, das Internet und die Menschenrechte

Thomas Assheuer berichtet in der ZEIT vom 31.10. 13, es habe ein Versprechen gegeben, danach
"schaffe das Internet eine Zone radikaler Freiheit. Hier könne sich der Bürger unbeobachtet bewegen; fern von den Argusaugen des Staates, ohne Polizei, Gesinnungskontrolle und den sanften Terror der Mehrheit, kurz: ohne den großen Anderen, all die unsichtbaren Disziplinarmächte, die den Bürger unter Beobachtung stellen, die sein Reden und Denken regulieren und ihn auf Linie bringen. Das Internet sei ein Geschenk des Himmels, ein machtfreier Raum in der übermächtigen Moderne."

Ich habe im Netz etwas anderes wahrzunehmen geglaubt:
Die ständige Warnung: Wer das Netz kontrolliert, beseitigt das Grundrecht auf Freiheit. Der Staat darf hier nicht Spielregeln setzen, weil er sonst seine Aufgabe, Schutz des Schwachen gegen den Stärkeren, unmöglich machen würde.

Facebook war für mich die Speerspitze derer, die behaupteten und zum Teil wohl auch meinten, da die Privatheit sowieso nicht zu schützen sei, solle man sie bewusst freiwillig aufgeben.

Es war Bundesinnenminister Friedrich, der behauptete, der Schutz der Privatheit und des Briefgeheimnisses sei Aufgabe jedes Einzelnen. Ob er zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste, dass Merkel abgehört wurde, wo doch schon Helmut Schmidt seiner Aussage nach (Zeit vom 31.10. 13) ständig davon ausging, dass er abgehört wurde?
Wahrscheinlicher ist wohl, dass Friedrich glaubte, dass der Öffentlichkeit die Kenntnis über die Abhörpraktiken weiterhin vorenthalten werden könne. Zumindest für die Dauer des Wahlkampfs.

Trotz der bei Assheuer folgenden weiteren Absonderlichkeiten. Sein optimistischer Schluss gefällt mir:
"Natürlich könnte man den Teufel aus dem Netz austreiben. Man müsste es nur wollen."

Schon Locke antwortete auf Hobbes Vorstellung von der Unkontrollierbarkeit des absoluten Staates mit dem Konzept  des Gesellschaftsvertrages. Man müsste ihn nur schützen wollen.

Diejenigen, die nur stört, wenn Merkels Handy abgehört wird, gehören leider nicht zu den Verteidigern der Menschenwürde. Die, die gleich darauf verzichten, freilich auch nicht.

Dazu auch: Überwachungsstaat und Geheimdienst

18.10.13

Georg Büchner zu ehren

"Das Bundeskriminalamt hat vor 20, 30 Jahren sogar offiziell einmal gegen einen Herren Georg Büchner ermittelt. Ein Flugblatt war mit seinem Namen unterschrieben. Irgendwann wurden dann die Ermittlungen gegen Georg Büchner eingestellt." (Jan-Christoph Hauschild: "Büchner war ein Vorkämpfer";
Hauschilds  Interview vollständig als Audiodatei.)
Als Revolutionär gescheitert hat Büchner sich nicht sofort mit aller Kraft nur noch seiner naturwissenschaftlichen Arbeit widmen können, sondern er musste sich erst noch seinen Frust von der Seele schreiben (und versuchen, sich für seine Flucht Geld zu beschaffen).
Welche Ehre, dann nicht nur durch diese Frustprodukte weltberühmt zu werden, sondern als (zunächst) gescheiterter Revolutionär nach rund 150 Jahren  immer noch von der Polizei gesucht zu werden!

Georg Büchners erster Schritt der Flucht konnte es sein, die hessischen Landesgrenzen zu überschreiten, sicherer war er in Straßburg, noch sicherer in der schon recht demokratischen Schweiz.

Edward Snowden musste seine erste Etappe schon weiter wählen, nach Hongkong. Sicherer war er erst in einer - gegenwärtig noch recht stabilen - Diktatur. Dass eine Flucht in ein demokratisches Land - etwa nach Südamerika - für Snowden zu gefährlich war, zeigte sich, als das Flugzeug des bolivianischen Staatspräsidenten Morales von Österreich zur Landung gezwungen wurde und alle demokratischen Länder Europas dem Flugzeug, in dem der US-Geheimdienst Snowden vermutete, eine sichere Landung verwehrten.

Wir ehren Büchners Andenken - anders als das Bundeskriminalamt - dadurch, dass wir uns für einen Vorkämpfer der Freiheit aus seinem Geist wie Snowden einsetzen. War Büchners Hessischer Landbote dem Frieden der Hütten gewidmet, so Snowdens Whistleblowing dem Recht auf informationelle Selbstbestimmung, einem - wie wir sehen - im deutschen Grundgesetz unzureichend geschütztem Grundrecht (vgl. aber EU).
Karl Gutzkow brachte zu Büchners Unterstützung Dantons Tod heraus (zu spät, um mit dem Honorar Büchners Flucht finanzieren zu helfen, das tat Büchners Mutter). Snowden unterstützten Wikileaks und Glenn Greenwald vom Guardian. Letzterer bekam deshalb einigen Ärger, weshalb er jetzt finanziert vom ebay-Gründer Pierre Omidyar ein eigenes online-Medium gründen will.
Ich wünsche Greenwald viel Erfolg dabei und Edward Snowden, dass er seine mutige Aktion anders als Büchner länger als drei Jahre überlebt und hoffentlich bald in Freiheit, nicht mehr verfolgt von der mächtigsten Demokratie und im Stich gelassen von allen anderen.

Mehr zu Georg Büchner, besonders Briefauszüge

Tweets zu Büchner mit vielen Literatur- und Medienhinweisen
darunter von mir  hervorgehoben: Woyzeck, das Buch als Magazin, wdr5, taz,
Danton u. Robespierre in Dantons Tod (Trailer in YouTube)

Literaturhinweise:
Jan-Christoph Hauschild: Georg Büchner - Verschwörung für die Gleichheit, Hoffmann und Campe 2013, 352 Seiten, ISBN 978 3 455 50184 1.
Rezensionen des Werks
Frühe Kritik an Hauschilds Sicht und frühe Gegenrede
Hermann Kurzke Georg Büchner Geschichte eines Genies Cover: Georg Büchner C. H. Beck Verlag, München 2013
Rezensionen des Werks

Fortsetzung dieses Artikels in:

Fluchtwege, Asyl, Korrespondenz - Büchner, Snowden, Assange, Harrison und Manning

19.11.11

Googles Angriff auf meine Privatsphäre

Seit Google+ existiert, terrorisiert mich Google: es ordnet meine Dateien neu, schreibt meine E-Mails um (meine Adressaten erhalten einen anderen Text, als ich eingegeben habe).
Mein Experiment mit Google+ ist damit abgeschlossen.
Bevor ich mich abmelde, werde ich freilich erst noch darauf hinweisen, was dabei geschieht. Um Facebook Konkurrenz zu machen, nutzt Google die Google-Programme, die der Benutzer verwendet, um den von Googleprogrammen verwalteten Daten zu schalten, wie es will.
Die Willkür unterscheidet sich kaum noch von Facebook.

Bei dem Versuch, Bilder mit Picasa zu verkleinern, fing dies plötzlich an, alle Gesichter von ihm erreichbaren Fotos einzuscannen. Es war, bis ich das bemerkt hatte, schon bei über 2000 angelangt. Jetzt muss ich wohl auch Picasa deinstallieren. Was nutzt mir, wenn ich die eingescannten Gesichter nicht mit Namen versehe. Das Schlimme ist ja, dass die Googlesoftware unerlaubt mit den ihr erreichbaren Daten arbeitet.
Ich habe es hingenommen, dass Google all meine E-Mails liest, weil ich zum einen nicht in E-Mails schreibe, was dringlich der Vertraulichkeit bedarf, und ich mir angesichts der zu verarbeitenden Datenmengen ausrechnete, Google würde nur statistisch Auswertungen vornehmen und keine anderen als Werbezwecke verfolgen.
Dessen bin ich mir in keiner Weise mehr sicher.
Google ist auf einem Weg, auf dem es gestoppt werden muss (oder sich selbst stoppen muss), wenn verhindert werden soll, dass es die Menschenwürde angreift.

21.4.11

Wer bin ich im Netz? Und wenn ja, wie viele?

Die Tendenz geht nach Benjamin Jörissen, einem Medienwissenschaftler der Universität Magdeburg, zu einer Zentralidentität: "Das Netz ist so tief in unseren Alltag eingedrungen, dass wir logischerweise das Bedürfnis haben, dort mit unserer 'alten' Person unterwegs zu sein." Das liege daran, dass die Trennung von online und offline nicht mehr existiere.

Schüler, zumal Grundschüler, könnte ich davor nur warnen. Deshalb habe ich, so lange ich unterrichtet habe, auch klar zwischen meinen verschiedenen Netzexistenzen getrennt und die Verbindung zum realen Leben so schwer erkennbar wie möglich gehalten. Jetzt bin ich lässiger darin, weil ich glaube, weder sexuelle Übergriffe noch Ausspionierung durch meine potentiellen zukünftigen Arbeitgeber fürchten zu müssen. Aber Facebook mag über Accounts von meinen Bekannten Daten sammeln, so viel es will, ich bleibe abgemeldet.

Julia Schramm, Politologin in der Piratenpartei verkündet zwar: "Ob wir es nun gut finden oder nicht: Privatsphäre ist so was von Eighties." (vgl. Zeit online)

Ich denke, wir sollten unsere Schüler davor warnen. Wenn sie den Weg gehen, sollten sie ihn nicht völlig unbedarft gehen, sondern eine Ahnung haben, was sie damit tun. Das ist unsere Verantwortung.

Deshalb schreibe ich hier weiterhin nicht mit Klarnamen, auch wenn es halbwegs Geübten inzwischen wenig Mühe macht, meine 30 oder 40 Netzauftritte auf eine Person zu beziehen. Meiner Meinung nach kann für kommende Generationen ein zentrales Problem werden, dass sie mehr und mehr von der Werbung gesteuert werden. Die Tendenz sehe ich im heutigen Markenfetischismus schon sehr ausgeprägt.
(Zu den neuen Techniken vgl. u.a. Opinionmining)

Ob man's mit der Ignoranz so weit treiben muss wie ich, der ich bei dem Satz "Von Kate Middleton gibt es jetzt schon mehr Fotos im Netz als von Lady Di" mich fragte: "Den Namen hast du doch schon einmal gehört. In welchem Zusammenhang war das denn?" Nun, das kann man zu Recht fragen. So lange man Pubertierende zu unterrichten hat, sollte man schon besser Bescheid wissen. (Den Link habe ich gesetzt, damit ähnliche Ignoranten wie ich nicht denken, es handele sich um die Sexualberaterin der Bravo.)

8.5.09

Sorglose Twitterer

Sie lästern über ihren Chef, sie sagen vor der Bewerbung, dass sie von der neuen Firma nichts halten, verkünden, mit wem in der Firma sie geschlafen haben und das öffentlich und gelegentlich mit vollem Namen und Adresse. Viele Twitterer sind reichlich sorglos, weiß die taz zu berichten.
In der Benkenlosigkeit, intime Details in der Öffentlichkeit auszubreiten, stehen sie hinter Schülern in schülerVZ und StudiVZ nicht zurück.