Posts mit dem Label Bildung werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Bildung werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

29.5.26

Kompetenzunterschiede zwischen Kindern verschiedener Elternhäuser

 Wie schafft man die ab?

Eine Bildungsforscherin sagt dazu: Es wird zu wenig getan. Wenn ein Neunjähriger sagt: "Die Reichen haben in der Schule ganz gut aufgepasst." Und andere: "Die guten Schüler haben sich einfach angestrengt, und die, die schlecht in der Schule sind, das sind die Kinder, die Mist machen."

Die Kinder haben nicht über Gerechtigkeit, strukturelle Probleme oder Diskriminierung gesprochen.

Fontanefan: Wieso können viele Schüler dem Unterricht folgen, ohne Hausaugaben zu machen? Lernt man ein Musikinstrument nur aus Freude an der Musik? Was unterscheidet Nobelpreisträger von Durchschnittsgelehrten? - Würde es Kindern helfen, wenn man ihnen Schulerfolg damit erklärt, es komme darauf an, aus welchem Elternhaus man kommt? Natürlich ist das sachlich richtig, aber nicht sonderlich motivierend. Natürlich sollte auch über Gerechtigkeit gesprochen werden, aber wenn das das Wichtigste ist, was sie über Lernen lernen und sich merken. Dann wäre das schlechte Pädagogik.

In den Formulierungen, die ich im vorigen Artikel gesammelt habe, heißt es u.a.:

"Doch Kinder fragen: wer, wie, was, wieso, weshalb, warum? Der Mensch will wissen. Etwas in uns strebt nach Bildung. Denn nur wer viel weiß, kann fragen."

Fontanefan: Weshalb wohl fördert KI Bildungsungleichheit? Kinder fragen und bekommen Antworten der Eltern. Weshalb wohl "schweigen viele die KI nur an"? Weil sie nicht mehr fragen können. Weil sie sich darauf verlassen, die KI könne - im Unterschied zu ihren Eltern - ohne gute Fragen*  gut antworten. Weil sie bei der ersten Weltentdeckung auf Fragen keine oder nur unzureichende Antworten bekamen. * Schließlich hat sie ja Hunderte von Milliarden gekostet. 

Fontanefan: Mir hat mein Sohn das Konzept der Elektronenbindung (in der Chemie) beigebracht, als er in der 3. Klasse war (weil er es aus einem Realschulbuch der 9. Klasse gelernt hatte. - Ich war da 40 J. und hatte in Chemie eine 1 gehabt. ) Als er 12 Jahre als war, hat er versucht, mir die neueste Computersprache, die er gelernt hatte, beizubringen. Als ich eine Frage stellte, antwortete er: "Das habe ich vor 5 Schritten erklärt. Ich glaube, ich kann dir die Sprache doch nicht beibringen." Als er mit Hilfe einer "zwei Jahre alten" Mathematik seine Informatik-Dissertation geschrieben hatte, hat er sie mir erklärt. In 20 Minuten. Genau in der Zeit, die er mir angekündigt hatte. Ob ich Zwischenfragen gestellt habe, weiß ich nicht mehr. Aber am Schluss hatte ich keine Fragen mehr. 

Offenbar hatte er Erklären gelernt (Schon vorher wollte meine Tochter nur von ihm erklärt bekommen. "Papa, ich warte lieber, bis Martin da ist.") Aber natürlich war klar, dass ich eine Informatik-Dissertation nicht würde verstehen können und dass er also zu enormen Vereinfachungen greifen müsse, um mir einen Eindruck davon zu geben, was er geschrieben hatte. 

Als meine Enkelin wissen wollte, was ein Komet ist und mit den Antworten ihrer Eltern unzufrieden war hat er ihr u. a. erklärt, dass der Schweif aus zwei unterschiedlichen Stoffen bestehe. Dazu die Wikipedia: 

"Die Bestandteile der Koma werden durch Strahlungsdruck und Sonnenwind „weggeblasen“, so dass sich etwa innerhalb der Marsbahn ein Schweif ausbildet, oder exakter zwei Schweife:

  • Ein schmaler, lang gestreckter Schweif (Typ-I-Schweif), der im Wesentlichen aus Molekül-Ionen besteht und auch Plasmaschweif genannt wird. Für diese Teilchen reicht der Strahlungsdruck als Erklärung nicht aus, sodass Ludwig Biermann 1951 eine von der Sonne ausgehende Partikelstrahlung, die heute Sonnenwind genannt wird, als Erklärung hierfür postulierte. Heute geht man davon aus, dass die kometaren Ionen durch eine Wechselwirkung mit dem solaren Magnetfeld angetrieben werden, das von den geladenen Teilchen des Sonnenwinds mitgeführt wird.
  • Ein diffuser, gekrümmter Schweif (Typ-II-Schweif), der auch Staubschweif genannt wird. Die kleinen Staubteilchen, die diesen Schweif bilden, werden durch den Strahlungsdruck der Sonne beeinflusst, dessen Wirkung durch eine Aufspaltung in zwei Komponenten erklärt werden kann:
    • Eine radiale Komponente, die der Gravitationskraft entgegengerichtet ist und wie diese quadratisch mit der Entfernung zur Sonne abnimmt. Dies wirkt wie eine effektive Abnahme der solaren Gravitationskraft, die Staubteilchen bewegen sich deshalb auf „Pseudo-Keplerbahnen“, die sich für Staubteilchen verschiedener Größe unterscheiden, da die Kraft durch den Strahlungsdruck von der Teilchengröße abhängig ist. Dies führt zu einer relativ starken Auffächerung des Staubschweifs im Vergleich zum Plasmaschweif.
    • Die andere wirksame Komponente des Strahlungsdruckes ist der Bewegungsrichtung der Staubteilchen entgegengerichtet und führt zu einer Abbremsung der Teilchen, die größer als die Wellenlänge des Lichtes sind, das heißt, größer als etwa 0,5 µm. Diese Teilchen bewegen sich langfristig genauso wie der sonstige interplanetare Staub auf Spiralbahnen Richtung Sonne (Poynting-Robertson-Effekt).[16]
  • Sehr selten, bei besonderen Bahnkonstellationen, ist ein Gegenschweif (Typ-III Schweif, Antischweif) sichtbar. Hierbei handelt es sich jedoch nicht um einen eigenständigen Schweif, sondern nur um einen geometrischen Projektionseffekt: Wenn die Erde die Kometenbahnebene kreuzt, kann ein Teil des Staubschweifs, bedingt durch seine Krümmung, scheinbar über den Kometenkopf hinausragen und zeigt dann scheinbar in Richtung Sonne. [...]" (Wikipedia)

Als ich das las, habe ich begriffen, wie viel mein Sohn gelernt hatte, weil er Fragen stellen konnte. Und weil er gelernt hatte, zu erklären: Lernen durch Lehren.

Zitate aus dem vorigen Blogartikel:

https://www.zeit.de/2026/22/bildung-deutschland-krise-pisa-ki/komplettansicht

"Ja, man kann alles online nachschlagen, sich alle Antworten zuliefern lassen. Aber dafür muss man ja wissen, was man wissen will. Und ob die Antwort zufriedenstellend ist. Wenn wir das nicht mehr können, verstummen wir. Und dann schweigen wir auch die KI nur noch an."

"Nach Bildung zu streben – als Mensch und als Gesellschaft – heißt, sich Dinge zuzumuten, die nicht nur einen selbst betreffen. Zu wissen: mein Horizont ist nur der Anfang."

"Die KI kann viel, will aber nichts. Doch Kinder fragen: wer, wie, was, wieso, weshalb, warum? Der Mensch will wissen. Etwas in uns strebt nach Bildung. Denn nur wer viel weiß, kann fragen. Nur wer fragen kann, ist frei."

Fontanefan: Dass KI nichts will, wird vermutlich nicht lange dauern. Kinder können fragen. Sind Kinder frei?

https://www.zeit.de/bildung/2026-05/gebildete-menschen-eigenschaften-cem-oezdemir-linda-zervakis-reinhard-mey

13.5.26

Bildung

 Wikipedia: Bildung Allgemeinbildung

Weltwissen Allgemeinbildung https://www.weltwissen.online/

Meine bisherigen 40 Artikel zu Bildung auf diesem Blog (nicht aktuell, sondern nur nostalgisch?)

Meine Frage: Sind Kompetenzen, die auf die falschen Gegenstände und für die falschen Ziele verwendet werden, gefährlich (bildungsfeindlich) ? Dazu vgl.: Kant und Sekundärtugenden

Links zu Artikeln der ZEIT vom 13.5.26

https://www.zeit.de/2026/22/bildung-deutschland-krise-pisa-ki/komplettansicht

"Ja, man kann alles online nachschlagen, sich alle Antworten zuliefern lassen. Aber dafür muss man ja wissen, was man wissen will. Und ob die Antwort zufrieden stellend ist. Wenn wir das nicht mehr können, verstummen wir. Und dann schweigen wir auch die KI nur noch an."

"Nach Bildung zu streben – als Mensch und als Gesellschaft – heißt, sich Dinge zuzumuten, die nicht nur einen selbst betreffen. Zu wissen: mein Horizont ist nur der Anfang."

"Die KI kann viel, will aber nichts. Doch Kinder fragen: wer, wie, was, wieso, weshalb, warum? Der Mensch will wissen. Etwas in uns strebt nach Bildung. Denn nur wer viel weiß, kann fragen. Nur wer fragen kann, ist frei."

Fontanefan: Dass KI nichts will, wird vermutlich nicht lange dauern. Kinder können fragen. Sind Kinder frei?

https://www.zeit.de/bildung/2026-05/gebildete-menschen-eigenschaften-cem-oezdemir-linda-zervakis-reinhard-mey

https://www.zeit.de/bildung/2026-05/bildungstest-allgemeinwissen-quiz-deutsche-quizmeisterschaften

https://www.zeit.de/2026/22/afd-sachsen-anhalt-hochschulen-hans-thomas-tillschneider

https://www.zeit.de/2026/22/wolf-sasa-stanisic-mobbing-ausgrenzung-schule

https://www.zeit.de/2026/22/mobbing-schule-praevention-lehrkraefte (Mobbing-Prävention)

https://www.zeit.de/2026/22/arbeitslosigkeit-geisteswissenschaftler-akademiker-jobsuche (Tellerwäscher)

https://www.zeit.de/bildung/2026-05/warnung-schulsterben-sven-schulze-afd-schulpflicht-faq

https://www.zeit.de/bildung/2026-04/musikschule-instrumente-musiklehrer-bildung

https://www.zeit.de/wissen/2026-04/soziologin-harvard-eirliani-abdul-rahman-klage-usa

https://www.zeit.de/2026/14/schulsystem-alberta-kanada-schulen-calgary-daten (Datensammeln, Datenschutz)

https://www.zeit.de/2026/12/exzellenzinitiative-universitaeten-deutschland-spitzenforschung-geld

(Kommentar)


Eltern - Kinder

https://www.zeit.de/2025/41/sabine-walper-familie-forschung-erziehung-eltern  Eltern sollten sich nicht zu viel an Ratschlägen orientieren (Gefahr: Eltern-Burnout)

https://www.zeit.de/2025/54/cordula-stratmann-komikerin-familientherapeutin-koeln-fernsehen



7.1.25

Gleichberechtigung bei der Bildung?

 Wie stünde es auf dem Bildungssektor, wenn nicht die Frauen das Nachlassen der Männer ausgleichen würden?

Inzwischen ist es eine Selbstverständlichkeit, dass Mädchen nicht nur in sprachlichen Bereich, sondern ganz allgemein schulisch den Jungen deutlich überlegen sind. Nur noch bei wenigen "Männerdomänen" ist das noch nicht der Fall. 

Ein Glück, dass Bildung seit dem 19. Jahrhundert weiblicher geworden ist: die Vielzahl der Salonnieren schon seit Ende des 18. Jahrhunderts, darunter der von Marie Lavoisier sogar schon ganz auf Naturwissenschaft ausgerichtet, waren das Vorspiel zu höherer 'weiblicher Bildung' an den höheren Töchterschulen, die jetzt vermehrt ihre 150. und 125. Jubiläen feiern, waren die Voraussetzung für einen breiten Zugang der Frauen an die Universitäten.

Im Bild das Humboldtgymnasium in Bad Homburg.


Die Schülerinnen ganz in Weiß und mit weißen Schleifen im Haar.

(Zur vollständigen Bildansicht bitte anklicken!)

13.8.24

Worauf kommt es beim Lernen an?

 Eine sehr beachtenswerte Antwort dazu hat Maik Riecken 2013 gegeben.

Ein kurzer Auszug:
Bildung hat für mich zwei wesentliche Komponenten. Struktur und Inhalte. Ich sehe diese beiden Komponenten einzeln als völlig wertlos an. Sieht man das Verhältnis zwischen beiden als dichotomisch an, so wird ein Schuh daraus.
Das ist ähnlich wie ein Lager (Struktur) mit Paketen (Inhalte). In einem Lager befinden sich Regale. [...] Wenn es keine Pakete gibt, ist der Betrieb des Lagers als Selbstzweck irgendwie doof. Wenn es keine Lagerstrukturen gibt, wird es mit der Verwertbarkeit der Pakete schnell schwierig. Lager und Pakete gehören also zusammen wie die zwei Seiten eines Blatts Papier – ein dichotomisches Verhältnis.
Ein modernes Lager organisiert sich heutzutage übrigens immer neu, besitzt also im Prinzip wenig feststehende Strukturen. Einzelne Pakete oder “Wissensartefakte” sind da weniger dynamisch – wobei es natürlich immer auf das Wissensgebiet ankommt.

Ich bin Maik sehr dankbar für sein Modell.
Bei ihm ist das Lager ja so sinnhaft geordnet wie bei einem Standortkatalog einer Seminarbibliothek und nicht wie dem eine Uni-Bibliothek, wo die Inhalte nach Eingangsdatum eingeordnet werden und das Finden über den zentralen Katalog geschieht, wie es bei computergesteuerter Suche bei großen Lagern wie etwa bei Amazon geschieht.
Dass bei künstlicher Intelligenz mit Hilfe von Big Data sinnhafte Ordnung über Statistik hergestellt werden kann, dass dabei aber das Kriterium der „Wahrheit“ oder „Echtheit“ der Inhalte eine untergeordnete Rolle spielt und warum das geschieht, war 2013 nicht interessant, dürfte aber für Informatiker eine interessante Frage sein, die beim Sammeln und Abrufen der Informationen einmal eine zentrale Rolle spielen wird.

Dazu jetzt der Kommentar eines Informatikers:

Die Unterscheidung zwischen Struktur und Inhalt beim Lernen finde ich auch eine nützliche Idee. 
So erinnere ich mich an Statistik-Vorlesungen. Da stellte der Professor eine stochastische Verteilung nach der anderen vor, und ich hatte keine Ahnung, welchen Zweck das eigentlich haben sollte. Später, nachdem ich in mehr Kontexten mit praktischen Anwendungen für Statistik in Kontakt gekommen war, konnte ich endlich einordnen, warum mich die frühere Vorlesung hätte interessieren sollen -- da wäre ich dann gerne zurückgegangen und hätte sie mir dann noch mal angehört. Aber da war es zu spät -- wir hatten die Inhalte vor der Struktur behandelt, und deswegen hatte ich die Inhalte nirgends ablegen können.

Interessanterweise kann man bei der KI vordergründig nicht wirklich benennen, wo sie Inhalte lernt und wo sie Struktur lernt (jedenfalls soweit ich das beurteilen kann). Alles wird irgendwo in den Gewichten des neuronalen Modells abgelegt. Ob und wie das Modell zwischen Struktur und Inhalt unterscheidet, ist dann eine emergente Eigenschaft des Systems; und diese emergenten Eigenschaften von KI-Systemen zu verstehen, damit tut sich die Forschung noch sehr schwer, soweit ich weiß. Ähnlich ist es übrigens auch, soweit ich weiß, beim Gehirn und dem natürlichen Lernen.

Das Ganze erinnert mich an die Figur "Tante Kolonia" (englisch "Aunt Hilary") aus Gödel, Escher, Bach, eine Ameisenkolonie, die Intelligenz und Bewusstsein hat und sich mit den anderen Figuren aus dem Buch "unterhält", indem sie bestimmte Muster im Ameisengewirr erscheinen lässt. Die Tatsache, dass Tante Kolonia ein Bewusstsein hat, ist wiederum eine emergente Eigenschaft, die sich nicht auf der Ebene einer einzelnen Ameise erklären lässt. Tante Kolonia selbst interessiert sich wenig für Ameisen, und die anderen Figuren im Buch sind etwas schockiert darüber, dass sie mit einem Ameisenbären befreundet ist und es ihm sogar immer wieder gestattet, von den Ameisen ihrer Kolonie zu naschen.

22.5.24

Bildung: Allerlei Antworten auf die Frage: Wie kann ich mich bilden?

  Eine Frage auf gutefrage.net hat eine Art Blogparade mehrerer Teilnehmer auf gutefrage.net ausgelöst.

Interessant ist dabei die unterschiedliche Vorgehensweise der Antwortenden. 

Für mich natürlich ein Anstoß, nachzusehen, was auf diesem Blog schon alles zu Bildung geschrieben worden ist. Etwas zu viel, als dass man es ohne weiteres mal kurz überfliegen könnte. Also ein Bildungsblog?

20.5.19

Eine Anfrage

Eine Anfrage an die Stiftung Jugend und Bildung:  

Bemerkenswert ist, dass auf Ihrem Arbeitsblatt zur Europawahl 2019 für Schüler der 9.-13. Jahrgangsstufe das Wort Klima nicht vorkommt.
Sind Sie der Ansicht, dass das angesichts der Schülerstreiks geeignet ist, das Interesse der Schüler an Europa zu fördern?

Link zum Arbeitsblatt

Als ihren Anspruch formuliert die Stiftung u.a.
"Im Gegensatz zu den offiziellen Schulbüchern können wir mit unseren Materialien schnell und zeitgemäß auf aktuelle Ereignisse und gesellschaftliche Diskussionen reagieren. Damit decken wir einen großen Bedarf von Lehrkräften ab.
Unsere Unterrichtsmaterialien setzen stets an der Lebenswelt von Jugendlichen an und sollen ihnen helfen, ihre Lebenssituation besser zu verstehen und aktiv zu gestalten." (Hervorhebungen von Fontanefan)

Stichwort Stiftung Jugend und Bildung im Deutschen Bildungsserver
Am 17.1.2005 wurde in Berlin die Stiftung Jugend und Bildung gegründet. Ziel der Stiftung ist es, die gesellschaftspolitische, soziale, wirtschaftliche und kulturelle Bildung von Kindern und Jugendlichen zu fördern - insbesondere angesichts der Herausforderung durch die erweiterte europäische Dimension. Mit Broschüren, Internetangeboten und Veranstaltungen wollen sich die Stifter an Kinder und Jugendliche sowie an alle im privaten und öffentlichen Bereich für die Erziehung, Bildung und Ausbildung Verantwortlichen wenden. Die Medien dienen zur allgemeinen Information und Motivation der Zielgruppen und können als ergänzendes Unterrichtsmaterial eingesetzt werden. Im Vordergrund steht bei allen Projekten, diejenigen zu unterstützen, die schulische Innovation mit beispielhaften Projekten vorantreiben.

Wer hinter der Stiftung steht, wird leider nicht angegeben.

27.4.19

Bildung in Zeiten von Digitalisierung und Klimawandel

"Bildung ist Bildung ist Bildung ist Bildung." (Rose is a rose is a rose is a rose. - Gertrude Stein) habe ich - wenn auch nicht wörtlich - der Redeweise von "digitaler Bildung" oder "digitalisierter Bildung" entgegengehalten.
Jetzt haben mich Martin Lindner (Die Bildung und das Netz) und Axel Krommer (Der Bildungsdiskurs als Kippfigur) davon überzeugt, dass David Weinberger mit „Small Pieces Loosely Joined” (2002) eine Veränderung der Bildungsbedingungen beschreibt, die eine solche Redeweise rechtfertigt.
Vorläufig lasse ich die Links als zureichende Begründung* meines Sinneswandels gelten, will aber später noch etwas mehr darüber hinzufügen, weshalb er mir berechtigt erscheint.

*Weshalb sehe ich in Links eine Rechtfertigung? Jedes Link verweist auf einen Begründungszusammenhang, der an und für sich einer ausführlicheren Erläuterung bedürfte. Aber der umfassende Schatz, den Allgemeinbildung früher zum Verständnis von Texten mit vielen unausgesprochenen Voraussetzungen beitrug, kann unter den Bedingungen der Internetkommunikation durch Links angedeutet und bis zu einem gewissen Grad ersetzt werden. Die drei unterschiedlichen Links, die ich zu Bildung gesetzt habe, können deutlich machen, wie weit der Bildungsbegriff inzwischen auch ohne die Redeweise von "digitalisierter Bildung" aufgefächert ist und inwiefern Bildung eben nicht Bildung, aber doch Bildung ist. 
Dass Bildung durch die Wikipedia in anderer Weise granularisiert und zugänglich geworden ist als in gedruckten Enzyklopädien, macht der Artikel der englischsprachigen Wikipedia A rose is a rose is a rose is a rose deutlich, der voll von Verlinkungen ist und dabei unter anderem auf Gertrude Steins Bezug auf ein Shakespearezitat* verweist.
*Bemerkenswert, dass dieses Zitat aus "Romeo und Julia" erst ab dem 18. Jahrhundert in dieser Form überliefert worden ist und dass es offenbar außer in der englischen Wikipedia nur in Farsi und Zentralkurdisch ebenfalls einen Wikipediaartikel dazu gibt.

19.3.19

Martin Lindner: "Die Bildung und das Netz" mit einigen aktuellen Anmerkungen

Mit dem Netz hat sich nicht nur der Zugang zu Bildung verändert, "sondern auch das Wissen selbst: Im Netz und mit dem Netz entstehen neuartige Wissensarchitekturen, weil die digitalisierten Bausteine ganz anders verknüpft und verarbeitet werden können. Die Fachleute sind jetzt nicht mehr entrückte Autoritäten, die sich in perfekt formulierten Publikationen äußern, sondern Menschen, denen man online quasi beim Denken zusehen kann. Und auch die Peer-Netzwerke sind von ganz anderer Qualität als früher.
Das bedeutet tatsächlich einen fundamentalen Bruch mit den Bedingungen, unter denen früher Bildung stattfand, auch wenn die sichtbaren Auswirkungen bislang noch gar nicht so dramatisch sind. [...]
Die Idee eines verpflichtenden Wissenskanons ist verloren. Die Autoritäten büßen viel von ihrer Richtlinienkompetenz ein. Die Kommunikationen verzetteln sich. Und je mehr man sich in Online-Netzwerken aufhält, desto weniger ist man auf den Zusammenschluss mit den Leuten angewiesen, die leibhaftig im selben Raum sind." (Martin Lindner: Die Bildung und das Netz, Kapitel 16: Eine sehr kurze Bildungsgeschichte - im Kindle irgendwo bei 34%.) 
Die Redaktionsversion des Textes der Teile 1 bis 7 findet sich unter diesem Link:
https://docs.google.com/document/d/1nPxUsEccO8MyYP4sveYLVSV-YLjLEQ7tX5GU07fIPDo/edit#
[Wenn ich gleich zum Inhaltsverzeichnis gegangen wäre, um das genaue Kapitel, aus dem sie stammt, anzugeben, hätte ich es mir sehr erschwert, die genaue Stelle, wiederzufinden, von der ab ich weiterlesen wollte (eine Besonderheit elektronischer Bücher).] 

Meine Annäherung an Martin Lindners Text geschieht in diesem Blogartikel etwas ungewöhnlich. In anderen werde ich versuchen, Stellen, die mir wichtig erscheinen, weitestgehend unkommentiert vorzustellen. Dazu habe ich von ihm die Erlaubnis bekommen.

Hier eine kurze Andeutung, wie mich diese Textstelle aus dem Buch erreicht hat und wie sie wieder ins Netz gelangt ist:
Ich habe das Buch vor der Erstellung subskribiert (heißt heute: "per crowdfunding schwarmfinanziert"), bei einem ZUM-Treffen im Druckexemplar gelesen, den Verfasser bei passender Gelegenheit gebeten, es mir zur Verfügung zu stellen, es mir im azw3-Format aus dem Netz heruntergeladen, gerätselt, wie ich es in meinen Kindle hineinbekomme, in gutefrage.net angefragt, eine richtige Antwort bekommen (auch wenn der Antwortende das azw3-Format nicht kannte), aber mit der Antwort nichts anfangen können. (Was mein Problem war, schildere ich dort.) Schließlich habe ich es aber geschafft, es wenigstens in amazondrive unterzubringen. Meine Vorstellung: Wenn es bei amazon ist, ist es nicht mehr weit bis zum Kindle.

Im drive konnte ich es freilich wegen des Formats nicht lesen. Das wollte ich auch gar nicht, es sollte ja im Kindle sein. Hätte ich jetzt jemanden gehabt, der "leibhaftig im selben Raum" gewesen wäre, wäre ich über einen besseren Weg informiert worden. So habe ich einen hochqualifizierten Informatiker bemüht, der einen Kindlebesitzer, mit dem er "im selben Raum" war, befragt und darauf mir kluge Ratschläge gegeben hat.
Unfähig, die Ratschläge zu deuten, habe ich den Verfasser des Buches bemüht, ihm mein Problem aus meiner Sicht geschildert, was er, da er nicht "leibhaftig im selben Raum" war, nicht recht deuten konnte.
Genug, offenkundig habe ich den Text dann irgendwie im Kindle lesen können.
Sogleich habe ich dort meine Markierungen gesetzt, um es von dort wie üblich auf den Computer zu übertragen. Der aber erkannte nicht, dass das Buch wirklich im Kindle war, erkannte auch meine Markierungen nicht und konnte mir nicht den Text anzeigen. 
Alles kein Problem. Ich lese die markierte Stelle meinem iphone vor, das konfiguriert die Mail, die mein Computer empfängt. Die kopiere ich in diesen Blogartikel, korrigiere die Verständnisfehler der Spracherkennung und schon steht Martin Lindners Textpassage im Netz. Freilich nur, wenn ich sie rechtzeitig gespeichert habe. 
Wie oft war diese Textpassage auf dem Weg vom Verfasser zu mir und von mir zum Blog und vom Blog zu Ihnen im Netz?

Ich stimme Martin Lindner durchaus zu, dass man die Gedankengänge eines Wissenschaftlers, der häufig twittert, gelegentlich bei ihrer Entstehung mitverfolgen kann. Und das weiß ich sehr zu schätzen. Zudem ist es über das Netz leichter möglich, sich auf einer Art Augenhöhe zu fühlen. [Beispiel: Twittergespräch über Wissenschaft - Ist hier erkennbar, wer Professor ist, wer Doktor, wer gar kein ausgewiesener Wissenschaftler?] 
Kurz gesagt, wir würden uns duzen, auch wenn wir nie zusammen "im selben Raum" gewesen wären. Aber von der Augenhöhe bleibt wenig übrig, wenn der eine sich im Netz nicht wie ein digital native, sondern wie ein Wissenschaftler bewegt, der seine Arbeitstexte so routiniert aufspürt, wie er es zuvor in Seminar- und Universitätsbibliothek, über Fernleihe und im Archiv getan hat. 

Dennoch: Greta Thunberg kann mit großer Autorität von den Politikern fordern: "Ihr müsst mehr für die Abschwächung des Klimawandels tun!" und gleichzeitig auf die Frage, was geschehen soll, antworten: "Das weiß ich nicht". 
Denn ihr ist schon lange bekannt, dass Hunderte von Wissenschaftlern sich über wesentliche Schritte einig sind (vielleicht auch Tausende oder Millionen). Und in der Wikipedia findet sich (sogar in 133 Sprachen) zu Klimaschutz Grundlegendes zum Problem in einer für eine intelligente 16-Jährige durchaus verständlichen Sprache. Und die Qualifizierung als exzellenter Artikel bedeutet inzwischen, dass das Gebotene inzwischen höheren Ansprüchen genügt als früheres Lexikonwissen.*

Es gibt andere Hürden, aber dass Politiker deshalb, weil sie sich auf das Fachwissen ihres Ministeriums stützen können, sich über ihr Aufgabengebiet qualifizierter äußern könnten als Schüler, wird ihnen schon länger kaum noch abgenommen. 
Da brauchte es nicht Seehofer, der Migration als "Mutter aller Probleme" bezeichnete, als ob Klimawandel und Migration nichts miteinander zu tun hätten.
Und auch keines Scheuer, der als Verkehrsminister eine Geschwindigkeitsbeschränkung auf Autobahnen als "gegen jeden Menschenverstand" bezeichnete, obwohl die überwältigende Mehrheit der Länder Europas eine solche Beschränkung eingeführt hat. Und auch keines Trump. 

Und die Aussage von 2017 "je mehr man sich in Online-Netzwerken aufhält, desto weniger ist man auf den Zusammenschluss mit den Leuten angewiesen, die leibhaftig im selben Raum sind." ist nicht erst durch den Schülerstreik in rund 130 Ländern bewiesen, bei dem z.B. in einem Land nur 4 streikende Schüler waren, die aber die Nachricht von ihrem Streik international bekannt machen konnten. 

Da mag ich in den vorhergehenden Absätzen noch so oft betont haben, dass Anwesenheit "im selben Raum" für Verständigung oft zentral ist. 

* Ich persönlich halte übrigens den Bericht des Club of Rome von 2012 "2052 ..." für politisch noch informativer* und besonders zusammen mit Barack Obamas Satz: "Als Politiker kann ich Ihnen eines versichern: Politische Führer werden keine Risiken eingehen, solange die Menschen dies nicht von ihnen verlangen." (SZ, 5.10.13) Denn der bedeutet ja, dass das Wichtigste ist, dass Politiker eben nicht nur von Vertretern der Wirtschaft gesagt bekommen, was sie tun sollen. 

* Sehr eindrucksvoll dazu die 20 Ratschläge

Zur Fortsetzung meines Kommentars zur Lektüre des Buches (Entwurfsstadium)

15.8.18

Nicht Bildung, sondern ein laufend diskutierter und erneuerter Kanon der Allgemeinbildung?

Thomas Kerstan wünscht sich einen solchen Kanon.

Hier begründet er seinen Wunsch:
https://www.zeit.de/2018/34/allgemeinwissen-kanon-globalisierung-digitalisierung-jugend-bildung/komplettansicht
"[...] Mein Kanon entspricht nicht der reinen Lehre, gewiss. Er ist angreifbar, er macht mich angreifbar. Einen Kanon entwerfen heißt nämlich immer auch: zeigen, wer man selbst ist. Aber er schafft Unterhaltung und Austausch. Und gegenseitiges Befremden. Und das geteilte Glück über Werke, die alle gleichermaßen bewegen. Gelungen wäre dieser Kanon, wenn wir ihn nicht abarbeiten, sondern immer wieder umbauen. Gemeinsam."

Hier ist Gelegenheit, Vorschläge dafür zu machen:
https://www.zeit.de/gesellschaft/schule/2018-08/allgemeinbildung-kanon-schule-werke

So sehr ich gegen die Vorstellung bin, ein Kanon von Wissen könnte Bildungsziel sein, so sehr hat mich schon seit langem Kanonbildung interessiert.**
Deshalb bin ich auch an diesem Vorstoß interessiert.
Besonders erfreulich: nicht nur künstlerisch-ästhetische und
sprachlich-kommunikative sowie historisch-philosophische Werke sollen aufgenommen werden (wie bei Schwanitz), sondern auch mathematisch-naturwissenschaftliche. Nicht nur schriftliche, sondern auch bildende Kunst und Musik, nicht nur lang bewährte, sondern auch hoch-aktuelle.*

Meine Überzeugung ist, dass es bessere Kriterien für gelungene menschliche Entwicklung gibt als Allgemeinwissen, aber an Anregungen bin ich sehr interessiert. Auch wenn es nie einen allgemein gültigen Kanon geben sollte, ein Nachdenken über einen sinnvollen Kern allgemeinen Wissens ist m.E. immer wieder nützlich. 

Ich schlage daher eine Blogparade zu diesem Kanon vor und nenne hier schon versuchsweise einige kurze Texte/Aufgabenstellungen aus verschiedenen Wissensgebieten, um eine Reihe von Anregungen zu bieten. Ein Hinweis noch vorweg: Gerade bei Kunst geht es nicht um Wissen, sondern um Kennen:

Das Ziegenproblem
Das Milgramexperiment
Kleist: Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden
Kafka: Vor dem Gesetz
Kant: Was ist Aufklärung?
Bonhoeffer: Was heißt: Die Wahrheit sagen?
Primo Levi: Ist das ein Mensch?
Claudius: Der Mond ist aufgegangen
Verlaine: Il pleure dans mon coeur
Matsuo Bashō: Das Frosch Haiku
...***

Hier kritisiere und lobe ich einzelne Titel aus Kerstans Kanon und schlage auch andere vor.

*Gut-informierte Personen haben eine völlig überholte Sicht auf die heutige Welt. Bei Faktenwissen geht es daher um aktuelles Wissen und um die Fallen, die uns Wissen vorgaukeln.

Es heißt, Georg Büchners Lehrer hätten gefordert, er solle die Klassiker lesen, statt sich mit nur tagesaktuellen Schriftstellern wie Goethe und Schiller zu beschäftigen.

** Deshalb habe ich z.B. schon einen eurozentristischen Blick auf die Weltgeschichte schon seit Jahrzehnten zu überwinden versucht, deshalb habe ich die Versuche einer Kanonbildung etwa durch die diversen Listen von ZEIT und europäischen Zeitungen mit Interesse verfolgt. 

***Kunstwerke, die man kennen sollte, stehen m.E. nicht selten für Erfahrungen, die man machen sollte*****. Es gibt aber außer den - ganz wichtigen ästhetischen - Erfahrungen auch andere, die wichtig, zum Teil vielleicht noch wichtiger,  sind: Selbstwirksamkeit, Hilflosigkeit, Dankbarkeit (für etwas, was man erhalten hat), Dankbarkeit eines anderen (für etwas, was man gegeben hat), Liebe und geliebt werden (was all die vorher genannten Erfahrungen einschließt), und allein in der Natur sein.# 

      Bei der ursprünglichen Abfassung des Artikels kannte ich Kerstans Kanon noch nicht. Er gefällt mir besser, als ich erwartet hätte. Ich freue mich, einen Teil meines Kanons, den ich hier noch nicht festgehalten habe, zu finden, noch mehr aber über die Anregungen.
Dennoch habe ich natürlich viel daran auszusetzen.
Warum den ganzen Ulysses, und Ilias und Odyssee,  wenn dafür (über dem Fetisch 25% der Titel für jeden "Wissens"-bereich) ungezählte Kulturen unterdrückt werden. Warum nicht ein einziges Haiku, kein Ghasel, nicht wenigstens eine Erzählung (wenn schon kein Roman) von Tolstoi oder Dostojewski? Kann es wirklich sein, dass er Jung Chang als einzige chinesische Stimme zu Wort kommen lässt, von Indien zu schweigen?
Doch mit Hannah Arendt im Gespräch mit Günter Gaus trifft er eine subjektive Vorliebe von mir so gut, dass ich mich wieder freue über die so subjektive Auswahl. 
Denn der Sinn eines solchen Kanons ist ja der, dass man sich darüber streitet.

*****Kunsterfahrung:"Einmal/ lebt ich, wie Götter, und mehr bedarfs nicht." (Hölderlin)

# Zur Naturerfahrung schreibt Prinzessin Märtha Louise von Norwegen im ZEIT-Magazin vom 16.8.18, S.27: "Oft bin ich auf meinen Lieblingsbaum geklettert, so hoch hinauf, dass kein Erwachsener mir folgen konnte. Der Baum war mein Schutzraum. Die Natur zu spüren und ein Teil von ihr zu sein war wunderbar [...] Die Vorstellung, dass viele Kinder und Jugendliche heutzutage ohne Raum für Tagträume aufwachsen, finde ich beängstigend. Ohne Träume verkümmert unsere Kreativität, wir verarmen innerlich."
Naturerfahrung für Tagträume ist etwas anderes als in der Natur - weitab von jeder Zivilisation. Aber Erfahrung von Natur, die mehr ist als "Pflanzenzoo" innerhalb unserer Zivilisation, kann heutigen Jugendlichen nur noch mit bewusster Anstrengung vermittelt werden. Sie ergibt sich für Smartphonebenutzer nicht mehr von selbst.

Unterrichtsmaterial zum Thema Bildungskanon (ZEIT)
Mehr dazu:
Eine Argumentation dafür, dass alles Wissen nur vorläufig ist.
Ein Beispiel für relevantes Abiturwissen (hier nur für Deutsch)
Sollte man eines der 50 beliebtesten Touristenziele besucht haben?

12.3.17

Bildung und das Netz

Wer Martin Lindners Werk kennen lernen und ihm beim Redigieren helfen will, hat hier die Gelegenheit.

14.1.17

Demokratie und das persönliche Lernnetzwerk (Blogparade Demokratiefähigkeit)

Netzwerken ist von jeher ein wichtiger Zugang zu Bildung gewesen. In der Zeit des Internet, wo das Auswahlproblem tendenziell ins Unendliche wächst, gilt das noch mehr. Deshalb ist die Qualifikation, sich ein persönliches Lernnetzwerk zu schaffen, eine wichtige Voraussetzung für Bildung im digitalen Zeitalter.
Freilich, je besser das Lernnetzwerk auf die individuellen Bedürfnisse ausgerichtet ist, desto größer ist die Gefahr, dass die Auseinandersetzung mit Menschen verschiedener Herkunft und Wertegemeinschaften, dass die Einübung in die demokratische Gestaltung unseres Zusammenlebens dabei zu kurz kommen.
Demokratie lernt man nicht in einer Interessengemeinschaft.* Da lernt man nur gute Zusammenarbeit, Teamwork. Was uns abhanden zu kommen droht, ist die Fähigkeit, widerstreitende Interessen anderer als grundsätzlich berechtigt anzuerkennen, und in einem geregelten Prozess zu Kompromissen zu finden.

Wenn man das als allgemeines Problem anerkennt, wird man auch akzeptieren können, dass es einen öffentlichen Raum geben muss, wo diese Fähigkeit eingeübt wird, ohne dass es gleich zu Frustration ("Die da oben machen ja sowieso nur, was sie wollen." "Politiker sind alle korrupt.") und daraus folgend zu Verschwörungstheorien kommt.
Bei widerstreitenden Interessen gibt es unvermeidlich Widerstände gegen Lösungsansätze für Umweltschutz, für Friedensordnungen und "Bewahrung der Schöpfung". Dazu bedarf es keiner Verschwörung.
Diese Erfahrungen zu machen, ohne dabei fürchten zu müssen, dass eigene existenzielle Grundbedürfnisse gefährdet werden, weil man in der Minderheit ist, ist Grundvoraussetzung für die Anerkennung von Demokratie.

Erfahrungsgemäß setzen sich die am besten Angepassten mit ihren Interessen am leichtesten durch und merken deshalb nicht, dass sie es deswegen viel leichter haben, eine demokratische Grundordnung zu akzeptieren. Wir brauchen aber eine Gesellschaft, in der nicht nur die Angepassten und die Lieblinge der jeweils aktuellen politischen Korrektheit zu ihrem Recht kommen und deshalb für ihren Zusammenhalt einzutreten bereit sind.

Obama wirbt dafür, Trump als Präsidenten anzuerkennen. Dabei zweifeln nicht nur Verschwörungstheoretiker daran, dass die amerikanische Demokratie stärker ist als alle Netzwerke zur Durchsetzung von Partikularinteressen. Weshalb ist es dazu gekommen? Wie kann man gegensteuern?

Was tun, bevor nur noch ziviler Ungehorsam als Mittel bleibt?
Netzwerk Courage *Dies Netzwerk bietet ein interessantes Gegenbeispiel gegen meine Argumentation, dass man Demokratie nicht in einer Interessengemeinschaft lernen könne. Zivilcourage ist gewiss eine wichtige Voraussetzung für funktionierende Demokratie, und die lernen die meisten Menschen am besten in Gemeinschaft.
Recht brechen, um Recht zu schützen, ZEIT online 14.1.17

Mit welchen Mitteln auch in der seriösen Presse  partikulare Interessen gegen den Versuch, eine solidarischer Gesellschaft zu entwickeln, verteidigt werden, kann man hier nachlesen.

Neuste Beiträge zur Blogparade Förderung von Demokratiefähigkeit:

Thomas Krüger: „Wir müssen politische Vielfalt als Demokratiegewinn sehen“  
Der Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung  äußert sich nicht absichtlich zu unserer Blogparade, aber eindeutig zu ihrem Thema. Er sieht politische Vielfalt als Gewinn und ist der Meinung, dass politische Bildung ihre größte Wirkung in der Jugend
hat.

Man braucht Nachrichten nicht zu fälschen, um zu manipulieren. Es reicht ein einseitiger Kontext.
Daniel Bernsen: Wie können Schulen Demokratiefähigkeit fördern?

Mitsprache und Mitentscheidung im Klassenzimmer als entscheidender Ansatzpunkt
Frühere Texte zum Thema:

Links:
Praxisbuch Demokratiepädagogik, Bundeszentrale politische Bildung

Schulstadt „Uhlmanien“ 

Wilhelm Heitmeyer hat im Zusammenhang mit der Zunahme des Rechtspopulismus (FR 28.10.16) darauf hingewiesen, wie gefährlich die Gewöhnung an Missstände ist: "Das Fatale ist, dass alles, was als normal gilt, nicht mehr problematisiert werden kann."
Wenn es bei allem berechtigten Streit eine Gemeinsamkeit zwischen allen Demokraten geben sollte, dann gewiss die: Es darf nicht wieder wie gegen Ende der Weimarer Republik zum Allgemeinplatz werden, dass man weniger Demokratie brauche.



Qualifiziert handeln! Bildungsarbeit und Rechtspopulismus Veranstaltungstag am 27.3.17 in Frankfurt

Björn Höcke in Dresden "Höcke hat längst aufgehört, von Flüchtlingsproblematiken zu sprechen - er redet jetzt von einem Deutschland, das nicht aus der Nazizeit lernen darf"
(Spiegel online 18.1.17)

Barack Obama über die Notwendigkeit, aus seiner Filterblase herauszukommen:
It’s what you said in your farewell address about Atticus Finch, where you said people are so isolated in their little bubbles. Fiction can leap — It bridges them. I struck up a friendship with [the novelist] Marilynne Robinson, who has become a good friend. And we’ve become sort of pen pals. I started reading her in Iowa, where “Gilead” and some of her best novels are set. And I loved her writing in part because I saw those people every day. And the interior life she was describing that connected them — the people I was shaking hands with and making speeches to — it connected them with my grandparents, who were from Kansas and ended up journeying all the way to Hawaii, but whose foundation had been set in a very similar setting. [...] Ausschnitte aus dem Interview mit der New York Times, NYT 16.1.17

Lamya Kaddor will  "keine Rezepte liefern, es geht ihr darum, eine Debatte anzustoßen. Eine Debatte darüber, "was uns zusammenhält"."

Ich denke, wir sollten sie führen. (Fontanefan)

Hier hat Walter Böhme eine Blogparade zum Thema Förderung von Demokratiefähigkeit angestoßen, die ziemlich genau auf dasselbe Thema hinausläuft.

Zum Thema Bedrohte Demokratie jetzt Materialien zum Funkkolleg Sicherheit:
Materialien

17.12.16

Digitale Bildung?

Google hat als ZEIT-Beilage ein Heft "Aufbruch Lernen. Ein Magazin zur digitalen Bildung" herausgebracht. 
Was mich daran stört? - Dass das Lernen des Umgangs mit Programmen und digitalen Medien als "Aufbruch des Lernens" bezeichnet wird, obwohl es doch nur um einen neuen (sehr wichtigen) Lernbereich geht. Und dass von digitaler Bildung gesprochen wird, als ob Bildung digital sein könnte. Mit digital ist ja nicht die Bildung, sondern nur der Bereich, um den es geht, bezeichnet.
(Mit dieser Kritik an einem üblich gewordenen Sprachgebrauch kritisiere ich mich durchaus auch selbst; denn ich selbst habe im ZUM-Wiki einen Artikel Digitales Lernen eingefügt. - Wenn man will, dass etwas gefunden wird, passt man sich dem Sprachgebrauch an, und der ist relativ häufig unlogisch. Das ist freilich nur so lange unproblematisch, wie darüber nicht die Differenzierung im Denken verloren geht.)

Jetzt aber zum Inhalt des Heftes: 
In den Artikeln wird zu Recht hervorgehoben, wie viel Möglichkeiten digitale Instrumente und Medien für Lernen bieten. Es wird aber nicht genügend berücksichtigt, dass diese Möglichkeiten primär den besonders Lernbegünstigten helfen und dass die durch äußere oder innere Umstände Lernbehinderten durch die Digitalisierung benachteiligt werden, so lange kein Schwerpunkt darauf gelegt wird, wie die Entstehung von Lerndefiziten aufgrund der Ausdehnung dieses Bereichs eingedämmt werden kann.  
Dazu:
Zum einen ist aufgrund des hohen Innovationsgrades im Bereich der Digitalisierung jeweils die ältere Generation benachteiligt, weil sie sich neue Bereiche in einer Phase erschließen soll, wo diese spezifische Lernfähigkeit gerade abnimmt. (Nur ein Beispiel: Ich selbst habe bisher den Umstieg vom Laptop zu mobileren Geräten nicht geschafft.)
Zum anderen ist aufgrund des höheren Abstraktionsgrades des digitalen Bereichs nicht nur der verständnisvolle Umgang mit den Instrumenten und Medien schwieriger, sondern auch das Verständnis für die Gefahren, die dort für den Einzelnen (aber auch die Gesellschaft) lauern. 
Wenn man bedenkt, wie zentrale gesellschaftliche Institutionen wie Regierung und Parlament mit dem Umgang mit digitalen Instrumenten hinterher hinken (unzureichende Absicherung gegen Hackerangriffe) und wie zeitverzögert auf die neuen Entwicklungen reagiert wird, dann sollte man sich auch klar machen können, dass ein Verständnis für die Gefahren der digitalen Welt (Sucht, Datenmissbrauch, Identitätsdiebstahl) und die Einübung in die Fertigkeiten, die man braucht, ihnen zu begegnen, weniger Lernbegünstigten stark erschwert ist.

Schließlich sollte man nicht ausblenden, dass nicht nur die Lernenden, sondern auch die gegenwärtigen Lehrer zu großen Teilen durch die neuen Anforderungen überfordert sind. 
Wie groß ist der Prozentsatz  der Lehrer, die sich schon ein funktionierendes persönliches Lernnetzwerk aufgebaut haben, und der Lernenden, die die technischen Geräte und notwendige Unterstützung haben, sich eins zu erarbeiten?
Dabei denke ich auch an den nicht geringen Anteil der Flüchtlinge, die schon mit Alphabetisierung und Spracherwerb extrem gefordert sind und gleichzeitig auch digitale Innovationen mitvollziehen können sollen, um in die Arbeitswelt integriert zu werden. 

Da scheint es fragwürdig, wenn 5 Milliarden für die Versorgung der Schulen mit digitalen Instrumenten bereitgestellt werden, aber die Finanzierung von Alphabetisierung und Spracherwerb der Flüchtlinge noch nicht sichergestellt ist. 

Sieh jetzt auch:
Digitale Strategie der KMK (Dezember 2016), ein kritischer Blogbeitrag in Lehrerzimmer vom 18.12.16
News4Teachers 21.12.16
Bildung in der digitalen Welt & Schulinternes Curriculum 3.1.17
Der Blog: Bildung digital

Lässt sich schon im Kindergartenalter Medienkompetenz erlernen?  Bildungsklick 16.1.17
Die Verfasserin antwortet mit ja. 
Aber auch sie bemerkt:
"Der pädagogisch verantwortete und kreative Einsatz von Tablets im Kitalltag ist für die meisten pädagogischen Fachkräfte Neuland, so dass nicht nur in die Ausstattung mit technischen Endgeräten, sondern vor allem auch die entsprechende Qualifizierung und Unterstützung des pädagogischen Personals eine weitere zu bewältigende bildungspolitische Herausforderung ist." 
Zu den Gefahren des Internets meint sie:
"Die aktive Mediennutzung in der Kita bietet viele Anknüpfungspunkte, mit Kindern Gespräche über Sicherheitsthemen im Internet zu führen, wie sie Hilfe holen, mit Gefühlen umgehen, eigene Grenzen einschätzen, mit eigenen Passwörtern umgehen sowie das Recht am eigenen Bild oder das Urheberrecht kennen lernen. Sie ermöglicht auch, mit Kindern Regeln über die Mediennutzung aufzustellen und sie in ihrem Bewusstsein zu stärken, was gute und schlechte Medieninhalte sind. Durch solche Herangehensweisen legt frühe Bildung den Grundstein für eine sichere und verantwortungsvolle Internetnutzung. Dann entwickeln bereits junge Kinder Kompetenzen, die für sie später in problematischen Situationen im Netz hilfreich sind. Bevor jedoch Tablets in Kinderhand gegeben werden, sind die von Fachleuten empfohlenen Sicherheitsvorkehrungen und eine Vorauswahl geeigneter Medieninhalte zu treffen."
Wie man sicherstellt, dass der "pädagogisch verantwortete und kreative Einsatz" gelernt wird und  genügend Geld nicht nur für die Geräte, sondern auch für die Schulung der Lehrkräfte bereitsteht, das hat sie nicht zu verantworten. Das ist aber genau der Punkt, an dem die bisherige Strategie, Medienkompetenz im digitalen Raum zu schaffen, gescheitert ist.