"Die Mauer muss weg." Der Spruch ist über 27 Jahre alt.
Die Berliner Mauer, auf den er sich bezog, ist über 25 Jahre weg.
Seitdem hat die Zahl der Grenzsperranlagen von weltweit 16 auf inzwischen 65 zugenommen. Fast täglich hört man von Plänen für neue Anlagen.
Während die "Festung Europa" sich noch darauf beschränkte, unwillkommene Einreise zu verhindern, sind europäische Regierungschefs jetzt unterwegs und bieten Diktatoren Geld dafür an, dass sie ihre Bevölkerung an der Flucht hindern.
Man stelle sich vor, Kohl hätte Honnecker Milliarden dafür geboten, die Mauer zu errichten, statt Häftlinge aus DDR-Haft freizukaufen. 1989 wäre das noch undenkbar gewesen. Heute sind wir nicht mehr weit davon entfernt. Natürlich nicht davon, Honnecker Geld anzubieten, aber die Ähnlichkeit ist doch groß.
Ich bin weit davon entfernt, abzustreiten, dass das Problem, dem sich die Bundesrepublik gegenwärtig gegenübersieht, einfach zu lösen wäre.
Ja, wir kommen sicher um schmerzhafte Maßnahmen nicht herum. Und ich plädiere in keiner Weise dafür, dass wir versuchen sollten, Flüchtlingszahlen von 10% oder 20% unserer Bevölkerung zu akzeptieren - Verhältnisse, mit denen der Libanon seit Jahren lebt.
Aber es muss doch Lösungen geben, wozu auch die, denen es gut geht, fühlbar beitragen.
Ab wann fühlen Multimilliardäre, dass ihnen etwas abgeht?
Posts mit dem Label Mauer werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Mauer werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
23.11.15
17.6.10
17. Juni
Der Nationalfeiertag der alten Bundesrepublik erinnerte an den Aufstand in der DDR vom 17. 6. 1953. Es war ein Tag der Niederlage und auch ein Tag der Hoffnung. Zu diesem Tag gehörten die Bild von den Arbeitern, die mit Steinen auf Panzer warfen, und das Bild von Deutschland in der Grenzen von 1937 mit der Formel "Deutschland dreigeteilt niemals!" Die Bundesrepublik gehörte zum Westblock, die DDR zum Ostblock. Beide versuchten, Musterkind in ihrem Block zu sein.
Der Geschichtsunterricht der alten Bundesrepublik blieb nicht selten am Ende der Weimarer Republik stecken. Wer den Nationalsozialismus und die Nachkriegszeit bis 1950 behandelte, war stolz darauf, wie weit er gekommen war. Die DDR wurde als totalitärer Staat und Gegenbild zum freien Westen beschrieben, historisch interessant erschien allenfalls der Weg zum Einparteiensystem der SED und dem Aufbau der Volksarmee, danach eigentlich nichts mehr.
Der Nationalfeiertag der vereinigten Bundesrepublik Deutschland ist der 3. Oktober, der Tag der Wiedervereinigung von 1990. Die prägenden Bilder sind die der Feier am Brandenburger Tor und vom Fall der Mauer. "Wahnsinn!" das Stichwort.
Damals wurde klar, dass die gesamte Phase von 1945 bis 1989 Geschichte geworden war. Das wiedervereinigte Deutschland war wie die Europäische Einigung nicht mehr Vision, sondern Wirklichkeit, deren Vorgeschichte zu betrachten war.
Leicht fällt es im Westen Adenauerära, Studentenbewegung, Ostpolitik, RAF, den Wechsel von Schmidt zu Kohl und dann die Stufen zur Auflösung der Blöcke als wesentliche Stationen zu beschreiben. Doch welche Phasen der Geschichte der DDR sind so prägend, dass sie unbedingt behandelt werden müssten? Bisher kenne ich noch keine didaktisch überzeugende Konzeption für den Schulunterricht.
Bemerkenswert finde ich deshalb die Auswahl, die Dietrich Garska in Das schweigende Klassenzimmer trifft. 1953 und 1956 als die Jahre der gescheiterten Aufstände in DDR und Ungarn. Dann erst wieder der Blick auf die Einigung. Sollte man mit dem Prager Frühling von 1968 als Parallele zur Studentenbewegung fortfahren, dann 1976 die Ausbürgerung Biermanns und die Proteste dagegen mit der Entstehung der Solidarność in Polen 1980 zusammen sehen als Vorbereitung der friedlichen Revolutionen von 1989?
Das hieße, die DDR-Geschichte vom Ende her als letztlich nicht erfolgreiche Dauerunterdrückung zu verstehen. Aber das dafür entscheidende Jahr des Mauerbaus von 1961 fehlte dann. Darf man es wagen, die DDR-Geschichte nur in DDR vor und nach dem Mauerbau zu gliedern?
Nachtrag vom 13.8. (Mauerbau 1961):
In Brandenburg gibt es Überlegungen, mit der DDR-Geschichte schon in Klasse 7 zu beginnen.
Der Geschichtsunterricht der alten Bundesrepublik blieb nicht selten am Ende der Weimarer Republik stecken. Wer den Nationalsozialismus und die Nachkriegszeit bis 1950 behandelte, war stolz darauf, wie weit er gekommen war. Die DDR wurde als totalitärer Staat und Gegenbild zum freien Westen beschrieben, historisch interessant erschien allenfalls der Weg zum Einparteiensystem der SED und dem Aufbau der Volksarmee, danach eigentlich nichts mehr.
Der Nationalfeiertag der vereinigten Bundesrepublik Deutschland ist der 3. Oktober, der Tag der Wiedervereinigung von 1990. Die prägenden Bilder sind die der Feier am Brandenburger Tor und vom Fall der Mauer. "Wahnsinn!" das Stichwort.
Damals wurde klar, dass die gesamte Phase von 1945 bis 1989 Geschichte geworden war. Das wiedervereinigte Deutschland war wie die Europäische Einigung nicht mehr Vision, sondern Wirklichkeit, deren Vorgeschichte zu betrachten war.
Leicht fällt es im Westen Adenauerära, Studentenbewegung, Ostpolitik, RAF, den Wechsel von Schmidt zu Kohl und dann die Stufen zur Auflösung der Blöcke als wesentliche Stationen zu beschreiben. Doch welche Phasen der Geschichte der DDR sind so prägend, dass sie unbedingt behandelt werden müssten? Bisher kenne ich noch keine didaktisch überzeugende Konzeption für den Schulunterricht.
Bemerkenswert finde ich deshalb die Auswahl, die Dietrich Garska in Das schweigende Klassenzimmer trifft. 1953 und 1956 als die Jahre der gescheiterten Aufstände in DDR und Ungarn. Dann erst wieder der Blick auf die Einigung. Sollte man mit dem Prager Frühling von 1968 als Parallele zur Studentenbewegung fortfahren, dann 1976 die Ausbürgerung Biermanns und die Proteste dagegen mit der Entstehung der Solidarność in Polen 1980 zusammen sehen als Vorbereitung der friedlichen Revolutionen von 1989?
Das hieße, die DDR-Geschichte vom Ende her als letztlich nicht erfolgreiche Dauerunterdrückung zu verstehen. Aber das dafür entscheidende Jahr des Mauerbaus von 1961 fehlte dann. Darf man es wagen, die DDR-Geschichte nur in DDR vor und nach dem Mauerbau zu gliedern?
Nachtrag vom 13.8. (Mauerbau 1961):
In Brandenburg gibt es Überlegungen, mit der DDR-Geschichte schon in Klasse 7 zu beginnen.
Labels:
17. Juni,
DDR,
Geschichte,
Mauer,
Nationalfeiertag,
Volksaufstand
Abonnieren
Posts (Atom)