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28.9.15

Digitale Bildungsrevolution?

Werbungsvideo der Bertelsmannstiftung "Passend für jeden – Wie maßgeschneidertes Lernen möglich ist"

Die Seite der Berstelsmannstiftung zum Thema

Leseprobe zum Buch, für das Werbung gemacht wird.

Ausschnitt aus der Leseprobe:
"Ein Investmentbanker erklärt seiner Cousine in selbstgedrehten Videos die Mathematik und wird im Netz zum ersten Popstar der Bildungsszene. Eine Universität arbeitet mit Software, die für jeden Studierenden die optimalen Fächer ermittelt, inklusive der voraussichtlichen Abschlussnoten. Ein Konzern lässt seine Bewerber in einem virtuellen Restaurant Sushi servieren, weil das Computerspiel ihren beruflichen Erfolg vorhersagt. Das ist die digitale Zukunft des Lernens."

Mir ist das Ganze in hohem Maße suspekt. Denn hier wird - aus meiner Sicht - Reklame für Computer gemacht, nicht für Lernmethoden.

Seit langem wird Individualisierung gefordert. Dafür dass sie über Computer mittelfristig Lernmotivation aufrechterhalten kann, kenne ich kein Beispiel.

Sacha Lobo dazu:
"Die nullte Regel der digitalen Gesellschaft heißt: Nichts geht von allein. Alles muss mühsam erarbeitet werden. Die destruktive Hybris, der im Bildungsbereich sowohl Netzskeptiker wie auch Netzenthusiasten erliegen, liegt darin: Einfach Internet und Bildungssystem irgendwie verrühren, dann wird es gut (Enthusiasten) oder schlecht (Skeptiker)."

Meine persönlichen Erfahrungen
"Für mich persönlich am wichtigsten: Ein Kollege, den nicht nur ich für weit fähiger halte als mich, ließ sich von mir anregen, genauso wie ich mit seiner Klasse im ZUM-Wiki zu arbeiten (dafür gibt es inzwischen die Kurs- und Klassenseiten und zwar über 350). Und er berichtete mir nachher, seine Schüler hätten das als sehr hilfreich empfunden und ihn gefragt, weshalb er das nicht schon früher mit ihnen gemacht habe. (Meine Schüler empfanden die Arbeit im ZUM-Wiki, wenn ich es richtig sehe, eher als eine persönliche Marotte von mir.)
Darüber hinaus kann ich auch sonst vor allem über Unterricht von anderen berichten, den ich im Netz mitverfolgen konnte und der mir sehr imponiert hat. (zum Beispiel: Lernpfade,  Romantische Schule)"
Immer waren es die Unterrichtsideen und das Engagement der Lehrer, die sich als hilfreich erwiesen. Die Möglichkeiten des Internet waren stets nur Hilfe zu ihrer Realisierung. 
mehr zur Bedeutung von Motivation
Liste der 50 beliebtesten MOOCs
Eine Publikation zum Thema mit nützlichen Anregungen bietet Lehrende arbeiten mit dem Netz (kostenloser Download möglich).

2.6.15

Schülerfrage

Ein Schüler fragt:
"Aber wäre es nicht wenigstens mal eine Überlegung wert, anstatt den Schülern mit dem ständigen G8-G9-Hin-und-Her-Gerudere auf die Nerven zu gehen, eine Individualisierung der Stundenpläne von Oberstufenschülern in Betracht zu ziehen?"
Bestimmt gibt es jemanden, der auf diese Frage hin fordern würde, ein Fach "Geschichte der Schulreformen in Deutschland" einzuführen, oder doch wenigstens ein Modul in der Lehrerausbildung mit diesem Gegenstand. 

Vermutlich reichte es aber, wenn man zurückfragte: Was spricht wohl gegen "Individualisierung der Stundenpläne von Oberstufenschülern"? 

Nur dann müsste Die Welt ohne diesen Artikel auskommen. 

17.7.13

"Neue Lernkultur" oder neues "Marketing"?

Mit einer "neuen Lernkultur" soll in Baden-Württemberg "individuelle Potenzialentfaltung" erreicht werden.

Matthias Burchardt und Jochen Krautz kritisieren daran in der FAZ vom 10.05.2013, Nr. 107, S. 7
So entlarven sich die Leitbegriffe der Reform "Gemeinschaft" und "Individualisierung" als Marketingvokabeln: Zwar werden Kinder mit verschiedenen Fähigkeiten und Bedürfnissen in einem Raum zusammengefasst, doch bildet sich daraus keine Gemeinschaft, denn sie werden zu vereinzelten Lernplanbewältigern isoliert. "Individuell" ist nur das Tempo und die Reihenfolge, in der die normierten Lernpakete abgearbeitet werden. Vor dem Kompetenzraster sind alle Schüler gleich wenig individuell.
Herr Rau kommentiert das "Wenigstens ist aus dem Lehrer als Lernbegleiter ein bisschen die Luft rausgelassen worden, nachdem dessen Galleonsfigur Peter Fratton aufgehört hat".

Die taz zitierte dazu am 24.9.2007 drei Finninnen:
 "Die Deutschen nehmen das alles so ernst, die sind auch in der Schule hart gegen sich selbst", sagen sie. Die Finninnen verraten ihr Rezept: "Gutes Lernen ist wie Sex. Entweder leidenschaftlich - oder mechanisch und ohne Gefühl."

Mein Eindruck ist, dass Individualisierung des Lernens über Spiele (vgl. den motivierenden Bericht von Leila Concetti) und Projekte sehr motivierend sein kann, dass aber viele SchülerInnen bei einer Lernbegleitung "an langer Leine" keine zureichenden Lernstrategien entwickeln.