Liebe streikenden Schülerinnen und Schüler,
ich bin euch dankbar, weil ihr mich aus meiner Resignation herausgerissen habt.
Nicht nur Greta, sondern ihr alle geht auf dem Weg voran, den allein zu gehen ich mich nicht getraut habe. Danke!
Freilich, ich bedaure euch auch. Ihr müsst damit fertig werden, dass die Umweltbewegung, die vor knapp 60 Jahren entstand, nur so wenig erreicht hat. Zwar nahmen 1972 an der erste Weltumweltkonferenz in Stockholm bereits 113 Staaten teil, aber es dauerte 20 Jahre, bis es zur zweiten kam (1992 in Rio) und als endlich 2015 in Weltklimakonferenz in Paris relativ konkrete Beschlüsse gefasst wurden, sprangen die USA gleich und Deutschland - nur scheinbar ein Vorreiter in der Umweltbewegung - wenig später ab.
Was euch erwartet, weil die Generationen vor euch nicht genügend voran kamen, ist besorgniserregend. Jørgen Randers, der sich intensiv mit den Zukunftsaussichten für 2052 befasst hat, gibt deswegen heutigen Eltern den Rat: "Erziehen Sie ihre Kinder nicht zu Naturliebhabern." Denn wenn Sie das täten, erhöhten Sie "dadurch die Chance, dass Ihr Kind unglücklich wird".
2052 werden nämlich nur noch wenige mit der Natur in Berührung kommen können.
Aber ich sehe auch die neuen Chancen, die euer Weg euch eröffnet:
Je stärker sich die Klimaerwärmung bemerkbar macht, desto deutlicher wird nämlich, dass diese Entwicklung die ganze Erde betrifft und dass es daraus kein Entkommen gibt. Insofern hat eure Generation die Chance zu lernen, dass es ein gemeinsames Interesse eurer Generation ist, die Auswirkungen der Erwärmung so gering wie möglich zu halten. Und zwar habt ihr die Chance, das zu tun, bevor ihr davor resigniert.
Natürlich gab es immer wieder Anläufe, weltweit ein lebenswerteres Leben zu gestalten, die gescheitert sind. Aber gerade in den letzten Jahrzehnten gab es Entwicklungen, die Anlass zur Hoffnung geben*:
Die Blockbildung in Ost und West ist zusammengebrochen, auch ohne dass es darüber eine weltweite Verständigung gab. Einseitige Schritte haben in Umkehrung der Domino-Theorie immer mehr Staaten Freiheit gebracht.
In Deutschland haben wir erlebt, dass ein Kanzler der CDU, die energisch die Annäherung an den Osten bekämpft hatte, diese Annäherung bis zur Deutschen Einigung vorantrieb.
Die Fehlleistung eines Politikers führte zum glücklichen Fall der Mauer.
Wer sagt denn, dass heutige oder zukünftige Politiker keine Fehler mehr machen, die gute Folgen haben können?!
Durch die Digitalisierung sind internationale Kontakte ungeheuer erleichtert. Gute Ideen können sich schneller verbreiten als je. Greta Thunberg ist beileibe nicht die einzige Jugendliche, die einen mutigen Plan gefasst und verwirklicht hat.
Und deshalb brauch ich diese Rede nicht zu halten.
Die heutige Jugendgeneration kann selbst ihre Interessen artikulieren.
Und sie wird kein Blatt vor den Mund nehmen.
Tweet von Greta
* Entwicklungen mit Anlass zur Hoffnung
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11.3.19
2.9.16
Nicht nur TTIP, sondern schon CETA ist mit dem Rechtsstaat nicht zu vereinbaren
"Der große öffentliche Protest hat bewirkt, dass der ursprüngliche Vertrag nachverhandelt und verbessert wurde. Der stark kritisierte Investitionsschutz wurde dabei reformiert, die Rechtsstandards verbessert. Sonderrechte für ausländische Investoren treten den Rechtsstaat aber weiter mit Füßen. Während ausländische Konzerne vor dem internationalen Schiedsgericht klagen können, ist dieser Rechtsweg heimischen Firmen, Gewerkschaften oder Umweltverbänden verbaut. Diese Diskriminierung ist durch nichts zu rechtfertigen." (Nochmals verhandeln. Verbesserungen bei Ceta reichen noch nicht aus, von DIERK HIRSCHEL, FR 25.8.16)
Dazu auch:
Dazu auch:
- Steht TTIP vor dem Aus?, internationale Pressestimmen 30.8.16
- Streit um Freihandelspakt: Gabriels TTIP-Abgesang irritiert Washington Spiegel online 30.8.16
- Freihandelspakt: Frankreich will Stopp der TTIP-Verhandlungen Spiegel online 30.8.16
- Transatlantisches Freihandelsabkommen (ZUM-Wiki)
Gegenwärtig ist CETA die gefährlichste politische Weichenstellung, die es zu vermeiden gibt, denn sie würde ein entschlossenes Umsteuern zur Verhinderung einer Klimakatastrophe verhindern.
Das ändert nichts daran, dass die Integration der Flüchtlinge, die zu uns gekommen sind und zu uns kommen werden, aktuell den höchsten Einsatz von Ressourcen erfordern (was die Steuersenkungspläne außer Acht lassen).
Die weltpolitisch umfassendste Aufgabe bleibt aber die Erhaltung der Bewohnbarkeit der Erde. Es geht darum, zu verhindern, dass so große Räume unbewohnbar werden, dass auch die großzügigste Flüchtlingspolitik nicht mehr genügend Ausweichsräume erhalten und bereitstellen kann.
Die Politik darf sich nicht die Hände binden, die sie zur Gefahrenabwehr braucht.
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21.1.16
Der Fluch des billigen Öls: der Markt "ertrinkt" darin
Marktmechanismen können eine Feinsteuerung auf komplexen Arbeitsfeldern ermöglichen, die durch feststehende Pläne nicht angemessen gesteuert werden können.
Deshalb hat es einen Sinn, wenn man z.B. Emissionszertifikate ausgibt, so dass das ökonomische Interesse eine Anpassung an ökologische Zielsetzungen ermöglicht.
Was aber, wenn der Markt völlig aus dem Gleichgewicht geraten ist?
Dann beschließt man in Paris Regelungen zur CO2-Eindämmung, die innerhalb von Jahrzehnten Erfolg versprechen, und binnen weniger Monate hat ein falscher Preis, der das Gegenteil der ökologischen Wahrheit sagt, all diese Pläne Makulatur werden lassen.
Was geschieht gegenwärtig?
Die USA favorisieren Fracking, um nicht auf den internationalen Energiemarkt angewiesen zu sein, auf dem China die Nachfrage gewaltig erhöht hat. Das trifft auf eine Situation, wo die chinesischen Wachstumsraten sinken. Damit ist eine Krise aus dem Genre Schweinezyklus angesagt.
Die Europäische Zentralbank hält die Zinsen auf nahe Null, um Deflation zu verhindern, die durch den niedrigen Ölpreis verursacht wird.
Die Liste müsste man fortsetzen.
mehr dazu findet sich in: Der Fluch des billigen Öls von Jens Berger 20.1.16 auf Nachdenkseiten
Ich halte dazu fest:
Während die Welt durch Treibhausgase erhitzt wird, ertrinkt der Energiemarkt im billigen Öl.
Das hängt zusammen.
"Und sie laufen! Naß und nässer
wirds im Saal und auf den Stufen.
Welch entsetzliches Gewässer!
Herr und Meister! hör mich rufen! -
Ach, da kommt der Meister!
Herr, die Not ist groß!
Die ich rief, die Geisterwerd ich nun nicht los."
heißt es im Zauberlehrling.
Deshalb hat es einen Sinn, wenn man z.B. Emissionszertifikate ausgibt, so dass das ökonomische Interesse eine Anpassung an ökologische Zielsetzungen ermöglicht.
Was aber, wenn der Markt völlig aus dem Gleichgewicht geraten ist?
Dann beschließt man in Paris Regelungen zur CO2-Eindämmung, die innerhalb von Jahrzehnten Erfolg versprechen, und binnen weniger Monate hat ein falscher Preis, der das Gegenteil der ökologischen Wahrheit sagt, all diese Pläne Makulatur werden lassen.
Was geschieht gegenwärtig?
Die USA favorisieren Fracking, um nicht auf den internationalen Energiemarkt angewiesen zu sein, auf dem China die Nachfrage gewaltig erhöht hat. Das trifft auf eine Situation, wo die chinesischen Wachstumsraten sinken. Damit ist eine Krise aus dem Genre Schweinezyklus angesagt.
Die Europäische Zentralbank hält die Zinsen auf nahe Null, um Deflation zu verhindern, die durch den niedrigen Ölpreis verursacht wird.
Die Liste müsste man fortsetzen.
mehr dazu findet sich in: Der Fluch des billigen Öls von Jens Berger 20.1.16 auf Nachdenkseiten
"[...] Der niedrige Ölpreis produziert mehr Verlierer als Gewinner und birgt unkalkulierbare Risiken. Er ist ungesund niedrig, zumal der Verfall so schnell kam, dass die ölexportierenden Länder kaum eine Chance hatten, strukturell auf die niedrigen Preise zu reagieren. Chaos, Zerfall und Kriege könnten eine Folge eines langanhaltenden Preisverfalls sein. Politische Lösungen sind derweil nicht in Sicht. Wahrscheinlich wird die Krise eher ökonomisch „gelöst“. Schließlich ist die Ölförderung bei derart niedrigen Preisen nur noch am Persischen Golf profitabel. Und dauerhafte Verluste wird kein Förderer hinnehmen können. [...]"
Ich halte dazu fest:
Während die Welt durch Treibhausgase erhitzt wird, ertrinkt der Energiemarkt im billigen Öl.
Das hängt zusammen.
"Und sie laufen! Naß und nässer
wirds im Saal und auf den Stufen.
Welch entsetzliches Gewässer!
Herr und Meister! hör mich rufen! -
Ach, da kommt der Meister!
Herr, die Not ist groß!
Die ich rief, die Geisterwerd ich nun nicht los."
heißt es im Zauberlehrling.
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6.5.15
TTIP begünstigt das Treibhausklima, dieses führt zu Klimaflucht
Zum Zusammenhang von TTIP und Maßnahmen zum Klimaschutz sagt Naomi Klein:
Zum Zusammenhang von Klimawandel und Flucht schreibt der Guardian am 8.3.2015
Zitat aus dem genannten Guardianartikel:
"[...] burning existing stocks of oil, gas and coal could, as Naomi Klein has written, result in cities drowning, citizens fleeing storms and droughts, and whole cultures being swallowed by the sea."
Über das Schicksal der knapp 3,8 Millionen syrischen Bürgerkriegsflüchtlinge berichtet Amnesty International.
(Erstveröffentlichung in Fontanefans Schnipsel unter anderer Überschrift)
Um den Klimawandel effektiv zu bekämpfen, brauchen wir eine Wiederbelebung der regionalen Wirtschaft, wir müssen den Einfluss der Konzerne zurückdrängen, Freihandelsabkommen blockieren. Es müssen große Summen in den Umbau der Agrarwirtschaft und der öffentlichen Infrastruktur fließen, die Energie- und Wasserversorgung und den Umbau der Städte, um den Verkehr zu vermindern. Ein riesiges Programm, dass schnell umgesetzt werden muss. Ist das möglich? Natürlich. Ist das möglich, ohne die Grundregeln des deregulierten Kapitalismus anzugreifen? Keinesfalls. ("Das Wirtschaftssystem in Frage stellen" FR 29.3.15)Mehr dazu von Naomi Klein: Die Entscheidung: Kapitalismus vs. Klima
Zum Zusammenhang von Klimawandel und Flucht schreibt der Guardian am 8.3.2015
In 2014, around 3,500 boat people died trying to cross the Mediterranean to enter Europe. They risked their lives and lost. According to the UN High Commissioner for Refugees around 218,000 people got to Europe “by irregular means” last year. They took a chance and survived.Dazu führt er weiter aus: Wanderungs- und Fluchtbewegungen aufgrund klimatischer Veränderungen gab es schon seit prähistorischer Zeit. [Fontanefan: Aus der Schulzeit kennen die meisten von uns wohl die Wanderung der Kimbern und Teutonen. ] Neu ist, dass es um menschengemachte Klimaveränderungen geht.
Among them were those fleeing the violence in Syria, and of these, a proportion must be counted as climate refugees. Possibly because of global warming, the years 2007 to 2010 saw the most sustained drought on record in the Fertile Crescent. Agriculture collapsed, and around 1.5 million people abandoned failing farms in the countryside for Damascus and other cities. That is, they became climate refugees. Livestock was obliterated, cereal prices doubled, and children started to sicken with nutrition-related illnesses. The 2011 Syrian uprising against the Assad regime began in the crowded settlements of climate refugees. [Hervorhebungen von mir]
Zitat aus dem genannten Guardianartikel:
"[...] burning existing stocks of oil, gas and coal could, as Naomi Klein has written, result in cities drowning, citizens fleeing storms and droughts, and whole cultures being swallowed by the sea."
Über das Schicksal der knapp 3,8 Millionen syrischen Bürgerkriegsflüchtlinge berichtet Amnesty International.
(Erstveröffentlichung in Fontanefans Schnipsel unter anderer Überschrift)
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