Der Übergang zur Kaiserzeit war eine Umwälzung, aber keine Revolution, die eine neue Gesellschaftsschicht an die Macht brachte.
Die Revolution hatte mit den Gracchen begonnen. Sie brachte das Ende der Herrschaft der Senatoren (Landbesitzer) zugunsten von Militärdiktaturen, die die Großhandels- und Unternehmerschicht förderten und das Volk bei Laune zu halten versuchten. Die Kaiserzeit bedeutete den Abschluss dieser Revolution (ähnlich wie Napoleon die französische Revolution beendete).
Anders als Napoleon überreizten die römischen Kaiser aber lange Zeit ihre Macht nicht, vielmehr gelang es ihnen, die Eliten der Provinzen in die Herrschaftsschicht zu integrieren. (Prinzipat und Dominat waren verschiedene Ausformungen dieser Diktaturform.)
Spätestens zur Zeit Diokletians kamen aber deutliche Zeichen imperialer Überdehnung ans Licht, die auch durch die Reichsteilung und Konstantins Reformen zum Zusammenbruch des Westteils des Reiches führten.
Dass das byzantinische Reich danach noch 1000 Jahre fort bestand, zeigt freilich, wie solide diese Herrschaft angelegt war.
(angeregt durch eine Frage auf gutefrage.net; dort auch eine ausführliche Antwort)
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8.12.13
17.9.11
Fischers Erinnerungen 2
In Fischers Erinnerungen steht freilich
nicht nur höchst Fragwürdiges.
Erfrischend klingt, was er über
europäische Großmachtambitionen
schreibt.
"Und so wird der Rest der Welt eines Tages den Europäern wohl klarmachen müssen, dass das 19. Jahrhundert und auch die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts längst Geschichte sind und die globale Machtverteilung der Gegenwart nicht mehr, wie in der Vergangenheit, von europäischen Mittelmächten bestimmt werden kann." (S.299 - Hervorhebungen von mir)
Seinen eigenen Versuch, einen ständigen
Sicherheitsratssitz für die EU an die Stelle des britischen und des
französischen zu setzen, hatte er schon bald aufgeben müssen, als er
sah, wie viel diesen Ländern an der bisherigen Regelung lag.
Zur Stellung der heutigen Großmächte
sagt Fischer, die Finanzkrise habe die Stellung der USA als einzige
Weltmacht erschüttert. "In der Folge dieser Krise wurde der
relative Abstieg der USA ebenso offensichtlich wie der Aufstieg der
großen Schwellenländer China, Indien und Brasilien."
(S.353)
Und auch sein Hinweis darauf, dass
weltbewegende Veränderungen in westlichen Gesellschaften – und
nicht nur in denen – oft „alltagstauglich verdrängt“ werden,
ist ja ganz richtig. Die entscheidende Menschheitsfrage, nämlich, ob
es gelingt, unsere Wirtschaft rechtzeitig so umzustellen, dass es
nicht allseits zu Kriegen um ausgehende Ressourcen kommt und dass der
Klimawandel die Erde nicht für Menschen unbewohnbar macht, die wird
in der Tat meist verdrängt. (Ich nehme mich nicht davon aus.)
Aber auch Fischers Behauptung, dass
manches weniger gewaltsam verläuft, ist treffend. Nur hätte er
nicht gerade behaupten sollen, das gelte nicht für Revolutionen.
Denn gerade für die hat Timothy
Garton Ash am Beispiel
der gewaltlosen Umstürze von 1989 einen neuen
Typus der gewaltarmen Revolution beschrieben, wie er sich auch
im Arabischen
Frühling wieder zeigte. (Zu Ash vgl. seinen
Aufsatz ''Samtene Revolution in Vergangenheit und Zukunft''
in: Jahrhundertwende. Weltpolitische Betrachtungen 2000 - 2010,
München 2010, S.87-100)
Um Fischer noch weiter zu loben, hier auch der Hinweis auf das Buch von Paul Hockenos: Joschka Fischer and the Making of the Berlin Republic, 2008
Um Fischer noch weiter zu loben, hier auch der Hinweis auf das Buch von Paul Hockenos: Joschka Fischer and the Making of the Berlin Republic, 2008
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18.2.11
Über den Nutzen von Gruppenarbeit
Nicht nur die friedlichen Revolutionäre aus Tunesien, Serbien und Ägypten haben zusammengearbeitet, auch die Leser von zu Guttenbergs Dissertation arbeiten zusammen, um die Plagiate zu sammeln (in dem Wiki Guttenplag).
20.5.09
Klassengrößen
In Niedersachsen müssen Grundschulklassen geteilt werden, wenn mehr als 28 Kinder in einer Klasse sind. Die dadurch entstehenden zwei neuen Klassen sind entsprechend kleiner, außerdem bekommt die Schule zusätzliche Lehrkräfte (da ja mehr Klassen mit Unterricht zu versorgen sind).So berichtet der Lehrerfreund und fügt noch hinzu:
Da sich die unhaltbaren Klassengrößen auf dem Dienstweg nicht ändern lassen, nutzt man dezent die entsprechenden rechtlichen Lücken, um realitätsfremde Vorgaben seitens Politik und Verwaltung zu umgehen und so auf eigene Faust die Unterrichtsqualität zu verbessern. Das ist interessant, da die zuständigen Stellen (Schulen, Kommunen ...) ja selbst Staatsorgane sind, die die Ziele der (Bildungs-)Politik umsetzen sollen - aber offensichtlich lieber einen eigenen Weg gehen, der ihnen sinnvoller scheint.
Meine Meinung dazu:
28 Schüler in Grundschulklassen sind heute Wahnsinn.
Allerdings:
1. Früher kam man auch mit Grundschulklassen mit 32 oder 35 zurecht.
2. Unter günstigen Bedingungen sind 29 Schüler weit eher tragbar als unter ungünstigen 26.
3. Eine Klasse, die am Anfang des Schuljahres mit 27 Schülern beginnt, hat nicht selten am Schuljahresende 29.
Nach dem St. Floriansprinzip zu handeln ("mögen andere sich erfolglos beschweren, ich trickse mich durch"), ist unethisch, aber politisch nicht selten die geschickteste Lösung.
In Sonderfällen (z.B. Ausländeranteil) mag es auch die ethisch richtige Lösung sein.
Der Rechnungshof fordert absolute Gleichbehandlung. Statt Abschwächung der Missstände im Rahmen des Systems Systemveränderung.
Recht hat er: Schulen aller Bundesländer vereinigt euch! Es lebe die Revolution!
Statt der Abwrackprämie hätte man ehrlicher sein sollen und nicht die Beseitigung alter Autos, sondern gleich die nicht wirtschaftstauglicher Menschen fordern sollen.
Wenn man alle benachteiligten und schwierigen Schüler ins Mittelmeer werfen würde, so wie man es mit Afrikanern, die nach Europa zu fliehen versuchen, mit Hilfe des maritimen Seegrenzschutzes mit Tausenden de facto erfolgreich praktiziert, könnte man auch mit Klassengrößen von 29 Schülern zurecht kommen.
So lange man Menschlichkeit nicht aufgeben will, muss man bereit sein, für die Benachteiligten besonderen Aufwand zu treiben. Und das schließt absolute Gleichbehandlung aller aus.
Das Problem liegt freilich darin, dass heute die Stärkeren bevorzugt werden und die Schwächeren benachteiligt.
Grund genug, seine Kräfte für eine Bildungsrevolution einzusetzen.
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