Der überhöhte Fleischkonsum in den alten Industrieländern kann nur durch massiven Einkauf von Futtermitteln aus Übersee aufrechterhalten werden. Wenn die Schwellenländer und neuen Industrieländer ihren Bewohnern auch nur annähernd denselben Fleischkonsum ermöglichen wollen, reicht dafür die vorhandene Ackerfläche nicht aus. Ackerland wird also mittelfristig teurer werden.
Deshalb kaufen es Investoren aus aller Herren Länder gegenwärtig dort, wo es noch billig zu kriegen ist, nämlich in Afrika - obwohl dort jetzt schon 300 Millionen Menschen hungern.
Das wir ihnen dadurch erleichtert, dass in großen Teilen Afrikas Landeigentum auf dem Gewohnheitsrecht der Besitzer beruht und es daher schwer für sie ist, ihre Eigentumsrechte vor Gericht einzuklagen.
Inzwischen sind in Afrika schon etwa 60 Miliarden Hektar Ackerland - das entspricht knapp dem Doppelten der Fläche Deutschlands - aufgekauft worden.
Auf Englisch nennt man den Vorgang land grabbing: Man grabscht sich Land, wo man es kriegen kann, auch wenn man keine Verwendung dafür hat. Als Spekulationsobjekt taugt es allemal. Und so verlieren die, die das Land bearbeiten, ihr Eigentumsrecht daran, die Slums der Millionenstädte weiten sich aus.
(vgl.auch Eppler: Eine solidarische Leistungsgesellschaft, 2011, S.125-134)
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23.6.12
17.6.12
Eppler: Eine solidarische Leistungsgesellschaft
Eine zentrale Aussage des Buches ist:
Wissenschaftlicher Erfolg ist kein Maß für Leistung. Die Bezeichnung „Leistungsträger“ versucht das zu überspielen.
Zitate zu diesem Kontext:
„Der Unterschied zwischen Leistung und Erfolg ist wichtig für unser Zusammenleben.“ (S.76) „Marktradikalismus ist auf den Wachstumsglauben angewiesen.“ (S.80) „Es gab nach dem Zweiten Weltkrieg die schöne Lehre, der Luxuskonsum von heute sei der Massenkonsum von morgen. Damals stimmte dies sogar. Das Schnitzel, das sich im Krieg nur wenige leisten konnten, genoss jetzt eine Mehrheit.“ (S.81)
Das, was Eppler am Schnitzel beschreibt, wiederholte sich bei Fernseher, Auto, Computer und allen möglichen elektrischen und elektronischen Geräten.
Seinen weiterführenden Gedanken möchte ich mit eigenen Worten wiedergeben:
Es gibt Bereiche des Luxuskonsums, die mit Sicherheit nicht allen zugänglich sind. Als anschauliches Beispiel kann dafür die "Villa im Tessin" stehen. Was nicht über Massenproduktion vermehrbar ist, steigt bei erhöhter Nachfrage so im Preis, dass es immer nur einem sehr kleinen Teil der Bevölkerung zugänglich bleiben wird.
Die Flugreisen der Billiganbieter sind nur scheinbar ein Gegenbeispiel. Kurzfristig ist hier - wegen der Ausschaltung jeder ökologischen Vernunft - eine Massenproduktion in einem Bereich entstanden, auf dem diese Massenproduktion nur für eine sehr kurze Zeitspanne wird aufrechterhalten können.
Freilich gilt für weite Bereiche der Massenproduktion - wenn auch in weit abgeschwächterem Maße, dass sie so energie- und materialintensiv ist, dass sie in der gegenwärtig betriebenen Form nicht nachhaltig ist.
(Eppler: Eine solidarische Leistungsgesellschaft, 2011)
Wissenschaftlicher Erfolg ist kein Maß für Leistung. Die Bezeichnung „Leistungsträger“ versucht das zu überspielen.
Zitate zu diesem Kontext:
„Der Unterschied zwischen Leistung und Erfolg ist wichtig für unser Zusammenleben.“ (S.76) „Marktradikalismus ist auf den Wachstumsglauben angewiesen.“ (S.80) „Es gab nach dem Zweiten Weltkrieg die schöne Lehre, der Luxuskonsum von heute sei der Massenkonsum von morgen. Damals stimmte dies sogar. Das Schnitzel, das sich im Krieg nur wenige leisten konnten, genoss jetzt eine Mehrheit.“ (S.81)
Das, was Eppler am Schnitzel beschreibt, wiederholte sich bei Fernseher, Auto, Computer und allen möglichen elektrischen und elektronischen Geräten.
Seinen weiterführenden Gedanken möchte ich mit eigenen Worten wiedergeben:
Es gibt Bereiche des Luxuskonsums, die mit Sicherheit nicht allen zugänglich sind. Als anschauliches Beispiel kann dafür die "Villa im Tessin" stehen. Was nicht über Massenproduktion vermehrbar ist, steigt bei erhöhter Nachfrage so im Preis, dass es immer nur einem sehr kleinen Teil der Bevölkerung zugänglich bleiben wird.
Die Flugreisen der Billiganbieter sind nur scheinbar ein Gegenbeispiel. Kurzfristig ist hier - wegen der Ausschaltung jeder ökologischen Vernunft - eine Massenproduktion in einem Bereich entstanden, auf dem diese Massenproduktion nur für eine sehr kurze Zeitspanne wird aufrechterhalten können.
Freilich gilt für weite Bereiche der Massenproduktion - wenn auch in weit abgeschwächterem Maße, dass sie so energie- und materialintensiv ist, dass sie in der gegenwärtig betriebenen Form nicht nachhaltig ist.
(Eppler: Eine solidarische Leistungsgesellschaft, 2011)
4.6.12
Wer versagt gegenwärtig? - Die Versager oder?
"Es ist hochproblematisch, wenn die Kernnormen, die eine Gesellschaft zusammenhalten - Gerechtigkeit, Fairness, Solidarität -, einer erheblichen Anzahl der Menschen als nicht mehr realisierbar gelten."
Das meint Heitmeyer in einem Interview mit der Frankfurter Rundschau am 4.6.12 und sieht eine wesentliche Verantwortung bei den Eliten. Sie seien "inzwischen nicht mehr unbedingt Teil der Lösung, sondern Teil des Problems.
Die Ökonomisierung aller Lebensbereiche bis hin zur Familie, die Sortierung von Menschen nach Nützlichkeit, wird ja wesentlich durch die Unterstützung eines autoritären Kapitalismus durch Eliten vorangetrieben. [...]
Es hilft gar nichts, akribisch und beflissen eine politische Entscheidung nach der anderen abzuarbeiten, wenn die Perspektive, der Fluchtpunkt fehlt." (Eppler: Eine solidarische Leistungsgesellschaft, 2011, S.44)
Hier trifft sich Heitmeyer mit Eppler, der davor warnt, dass sich der Staat seine Entscheidungen durch den Markt abnehmen lässt. "Die Politik muss diskutieren und entscheiden, was rascher, was langsamer, was gar nicht wachsen oder gar schrumpfen soll." Diesem Grundsatz sei sogar Angela Merkel gefolgt, zunächst mit ihrer Entscheidung für längere Laufzeiten der Atomkraftwerke, dann mit ihrer Entscheidung, aus der Atomenergieproduktion auszusteigen.
Das meint Heitmeyer in einem Interview mit der Frankfurter Rundschau am 4.6.12 und sieht eine wesentliche Verantwortung bei den Eliten. Sie seien "inzwischen nicht mehr unbedingt Teil der Lösung, sondern Teil des Problems.
Die Ökonomisierung aller Lebensbereiche bis hin zur Familie, die Sortierung von Menschen nach Nützlichkeit, wird ja wesentlich durch die Unterstützung eines autoritären Kapitalismus durch Eliten vorangetrieben. [...]
Es hilft gar nichts, akribisch und beflissen eine politische Entscheidung nach der anderen abzuarbeiten, wenn die Perspektive, der Fluchtpunkt fehlt." (Eppler: Eine solidarische Leistungsgesellschaft, 2011, S.44)
Hier trifft sich Heitmeyer mit Eppler, der davor warnt, dass sich der Staat seine Entscheidungen durch den Markt abnehmen lässt. "Die Politik muss diskutieren und entscheiden, was rascher, was langsamer, was gar nicht wachsen oder gar schrumpfen soll." Diesem Grundsatz sei sogar Angela Merkel gefolgt, zunächst mit ihrer Entscheidung für längere Laufzeiten der Atomkraftwerke, dann mit ihrer Entscheidung, aus der Atomenergieproduktion auszusteigen.
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