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15.5.18

Anleitung zu Betrug und Selbstbetrug als Bestseller

In der Vorankündigung hieß es, er habe ein Abitur mit Durchschnitt 1,3 geschafft, im Text, es sei 1,7 gewesen. Im Buchtitel heißt es "1er-Durchschnitt". Bei mir ist der Durchschnitt von 1 und 2 nicht 1.  Was ist korrekt?

Sein Buch: Tobias Brandt: Der entspannte Weg zum 1er-Durchschnitt

Im Buch empfiehlt er er, nur einen Teil der Aufgaben zu erledigen, "um sich dann im Unterricht gleich am Anfang zu melden und mit der korrekten Antwort zu glänzen." 
Im Interview sagt er dazu: "Klar ist das Schummelei, aber eine, die sich lohnt. Ich finde das deshalb okay, besonders wenn sich Aufgaben wiederholen. Der Schüler spart Zeit und hinterlässt ohne großen Aufwand einen guten Eindruck beim Lehrer. Da wären wir wieder bei der 80/20-Regel."

Für Perfektionisten ist das Buch unbedingt zu empfehlen, ebenso für intelligente Schüler, die sich im Unterricht so langweilen, dass sie ganz die Lust am Lernen verlieren. 
Gefährlich ist es für Schüler, die nicht überdurchschnittlich begabt sind; denn sie können so leicht Lerndefizite ansammeln, die nicht auffallen, aber später zu einem Lern-Einbruch führen können, weil sie nie wirklich Lernen gelernt haben. 

Auch Hochbegabte müssen Lernen lernen (und gerade die!), aber das können sie nicht beim normalen Schulstoff oder in einem auf den Klassendurchschnitt hin orientierten Frontalunterricht.
Eine Nobelpreisträgerin in Biologie sagte (dem Sinne nach): "Meine Eltern haben nie erwartet, dass ich etwas für die Schule tue, und haben mich ganz meinem Hobby nachgehen lassen. Ich brauchte nur gute Noten heimzubringen. Und so habe ich mich immer nur mit Biologie beschäftigt, das aber intensiv."

Für schülerzentrierten Unterricht nach dem "Flipped Classroom"-Prinzip sind Brandts Empfehlungen freilich tödlich.  Denn diese Arbeitsmethode würde dadurch zum Scheitern verdammt. 
Auch dafür gibt es freilich Ausnahmen. Ein kleiner Gauß könnte bei diesem Unterricht lernen, wie er dem Lehrer zu besserem mathematischen Verständnis verhilft. Nur der Rest der Lerngruppe stünde dann so lange auf dem Schlauch, bis der kleine Gauß gelernt hätte, wann er im Unterricht besser still ist.

Ich hatte einen Schüler, der nur kurzfristig gleichmäßig im Unterricht mitarbeitete, bis er sicher war, dass ich verstanden hatte, dass er wirklich schon in den ersten Minuten des Unterrichts das Lernziel erreicht hatte und sich darauf beschränken konnte, am Schluss der Stunde weiterführende Fragen einzubringen. Der war bei seinen Mitschülern nicht als "Streber" verhasst. 
Wenn ich Jean-Pol Martins Unterrichtsprinzip "Lernen durch Lehren" schon damals gekannt hätte, hätte ich ihm auch dabei weiterhelfen können. So habe ich mich mit dem begnügt, was er schon intuitiv verstanden hatte. 

Was Brandt empfiehlt, ist extrinsisches Lernen. Lernen für eine äußere Belohnung, das heißt, für eine Bestechung. 
Dauerhaft Lernen lernen kann man aber nur mit  intrinsischem Lernen, wo das Lernen selbst die Belohnung darstellt. 

[Einschub:
Das Prinzip Selbstverantwortung als Grundlage von Motivation]

Ein erwachsener Gauß würde bei Lob von außen misstrauisch: War das, was ich getan habe, so unter meinem Niveau, dass sie es begriffen haben? Nur außerhalb seines Spezialgebietes könnte Lob ihn motivieren. (Der Anekdote nach hat freilich selbst das Liebesspiel mit seiner Frau ihn nicht von seinen mathematischen Reflexionen ablenken können.)

15.3.14

Vorsätzliche Umweltverschmutzung durch Betrug am Kunden

Wie soll man es nennen, wenn Druckersoftware leere Kartuschen simuliert, obwohl noch dreimal so viel Drucke möglich wären, als bisher durchgeführt worden sind? Was soll man davon halten, wenn bei Fernsehern Teile weggelassen werden, die nur Centbeträge kosten, damit die Fernseher eine bis zu 10 Jahre kürzere Lebenszeit haben? 
Stefan Schridde und  Christian Kreiß nennen es "Geplanter Verschleiß". So der Titel seines Buches, das in wenigen Tagen herauskommt. Die Wikipedia spricht noch neutraler, aber nahezu unverständlich von geplanter Obsoleszenz.
Angesichts der Tatsache, dass in elektronischen Geräten oft seltene und zugleich hochgiftige Rohstoffe verwendet werden, die zu recyclen nur in einem relativ geringen Prozentsatz (und dann oft nur mit hohem Aufwand) gelingt, und dass schon die Generation der jetzt Vierrzigjährigen damit rechnen muss, dass die Hälfte ihrer Arbeitsleistung für die Abwehr von klimabedingten Katastrophen aufgewendet werden muss, scheint mir eine solch neutrale Formulierung nicht mehr angemessen. Eine solche Art von Produktion bedeutet eine beabsichtigte Schädigung der Gesamtgesellschaft, die in meinen Augen noch gefährlicher ist als Steuerhinterziehung. Nur fehlen hier wie dort die Fahnder, die genügend Zeit aufwenden können, um dem Betrug auf die Spur zu kommen. 
Dass elektronische Geräte immer reparaturunfreundlicher gebaut werden, haben wir wohl alle wahrgenommen. Bisher habe ich mich darüber geärgert, war aber resigniert. Wie oft diese Reparaturunfreundlichkeit nicht nur hingenommen, sondern mit krimineller Energie herbeigeführt wird, war mir dabei nicht klar. Wir Kunden müssen aufgeklärt werden, und die Stiftung Warentest muss einen angemessenen Teil ihres Testaufwandes für die Aufdeckung solcher betrügerischer Manipulationen aufwenden. Das sind wir den kommenden Generationen schuldig. 

 Mehr zum Thema: 
http://www.ksta.de/wirtschaft/geplanter-verschleiss-wenn-waschmaschinen-und-drucker-vorzeitig-kaputt-gehen,15187248,26555142.html 

ältere Veröffentlichungen: 
http://www.stern.de/news2/aktuell/geplanter-verschleiss-bei-elektrogeraeten-immer-haeufiger-1986810.html 
http://www.sat1.de/tv/akte/video/kalkulierter-verschleiss-bei-geraeten-clip 
(Videoclip mit 6 Sekunden Werbungsvorspann)