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2.7.11

Gerechtigkeit und Frieden

Vor dem Tod sind alle gleich. Vor ihm gilt kein Verdienst. Seine Gerechtigkeit ist die totale Gleichheit. Entsprechend gibt es beim Kirchhofsfrieden, wo alle Unzufriedenen getötet werden, keinen Streit mehr um Gerechtigkeit.
Ein Kirchhofsfriede kann geschaffen werden durch einen Diktator und seine Geschöpfe, die er alle töten kann. Durch eine Clique, durch eine Minderheit, durch eine Mehrheit.

Auch beim Burgfrieden, bei der Abwehr eines äußeren Feindes, gibt es keinen Anspruch auf Gerechtigkeit, der wird auf später vertagt.
Der Feind kann die Not sein. Dann bekommt der Pharao alle Rechte, weil er allein Not fernhalten kann (vgl. auch Königsheil). Hält er die Not nicht fern, versucht sich ein neuer an der Aufgabe.
Not könnte auch der Klimawandel sein. Jedenfalls versuchen Atomkraftbefürworter ihn manchmal in diesem Sinne auszunützen, seit Fukushima mit sinkendem Erfolg.

Geht es einem besser, will man einen positiven Frieden, die Abwesenheit struktureller Gewalt, gleiche Chancen für alle. Und dann gibt es Dauerstreit, weil jeder will, dass es ihm gerecht gemacht wird. Der Blinde, der Rollstuhlfahrer, der Ingenieur und der Künstler. (Der braucht Mäzene, also am besten bodenlos Reiche. Der Arme braucht Spiele/Opium, also Stars. Am besten gleiche Chancen, Superstar zu werden. Dafür spielt man Fußball oder geht zum Casting.)

Nachtrag:
Bibelstellen: Ps 85,11; Jes 32,17; Röm 14,17; Jak 3,18

19.9.08

Schule hilft gegen soziale Ungleichheit

Jürgen Baumert war Leiter des deutschen Teils der ersten PISA-Studie, die herausfand, das in Deutschland soziale Herkunft mehr als in den anderen Industrieländern über den Bildungserfolg entscheidet.
Jetzt betont er in der Zeit:
Die Schule ist die große Gleichmacherin der Nation. Überall hält sie die Kinder sozial stärker zusammen als die Familien. In einer Langzeitstudie wurden in Baltimore Kinder von der Einschulung bis zur Highschool immer wieder vor und nach der Sommerpause getestet. Die Leistungskurven der Kinder aus unterschiedlichen Sozialschichten verliefen während der Schulzeit parallel. Erst in den Ferien, wenn die Kinder nur dem Einfluss der Familie und Nachbarschaft ausgesetzt waren, gingen sie auseinander. Eine Untersuchung, die wir kürzlich in Berlin durchgeführt haben, belegt diesen Sommerlocheffekt auch für die kurzen deutschen Ferien: Kinder aus sozial benachteiligten Schichten und Zuwanderer lernen in dieser Zeit weniger dazu als Schulkameraden aus begüterten Schichten.

Und er verweist darauf, dass den Staat eine Bildungsinvestition vor allem für sozial benachteiligte Kinder dem Staat Geld spart, wenn sie in frühem Alter ansetzt:
Wie Langzeitstudien aus den USA, insbesondere das Perry Preschool Program, gezeigt haben, bekommt die öffentliche Hand für jeden Dollar, den sie für kleine Kinder aus sozial schwachen Familien investiert, das bis zu Siebenfache zurück. Diese Kinder haben später bessere Schulabschlüsse, leben seltener von Sozialhilfe und werden weniger häufig kriminell.

Er sagt damit nichts Erstaunliches, nur liest man es viel zu selten in der Zeitung.