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16.12.22

Erklärung, weshalb für mich Greta Thunbergs Klima-Buch das wichtigste Buch seit Jahren ist

 Ganz konkret geht es mir gegenwärtig darum, darauf aufmerksam zu machen, wieviel ich noch über die Klima- und Biodiversitätskrise erfahren musste, um den Ernst der Krise zu verstehen. Erst die Lektüre des Klimabuchs von Greta Thunberg hat mir klar gemacht, was sie mit der folgenden Formulierung meint: "Wir sind uns nicht bewusst, dass wir uns in einer Klimanotlage befinden. Aber das ist gar nicht das Hauptproblem. Das Hauptproblem ist, dass wir uns nicht darüber im Klaren sind, dass wir uns dessen nicht bewusst sind. " (S.308) Journalisten, Politiker und die Bevölkerung suchen nach Instrumenten, wie wir den Klimawandel im Rahmen halten können. Wir sind uns aber nicht darüber im Klaren, wie unzureichend die bisherigen Versuche waren. Thunberg ist daher zu der Überzeugung gekommen, dass das Aufmerksammachen auf die Krise (und das bezieht sich sicher auch auf die Aktionen der Letzten Generation) völlig unzureichend ist, so lange nicht eine breite Öffentlichkeit die Komplexität und den ganzen Ernst verstanden hat. Deshalb hat sie über hundert Experten dafür gewonnen, einerseits Einzelaspekte des Problems aus ihrer Sicht zu beschreiben und andererseits Lösungsansätze zu skizzieren.

Ich greife nur ein Beispiel heraus: Der Wirtschaftswissenschaftler Piketty schreibt da: "Die obersten 10 Prozent der Weltbevölkerung sind für etwa 50 Prozent aller Treibhausgasemissionen verantwortlich, während die untere Hälfte der Weltbevölkerung lediglich 12 Prozent aller Emissionen beiträgt." (Das Klima-Buch, S.445) Ohne grundsätzliche Änderung der Lebensweise dieser 10 Prozent, zu denen die politischen und wirtschaftlichen Eliten der ganzen Welt, aber auch ein sehr großer Teil der Mittelschichten der hochindustrialisierten Länder gehören, können also Maßnahmen nicht erfolgreich sein. Deshalb muss man in Demokratien die Einsicht der Mehrheit dafür gewinnen, dass diese Änderung notwendig ist. Daher müssen die dafür notwendigen Informationen erst einmal bekannt geworden sein.

Aus ihren Gesprächen mit führenden Politikern hat sie nämlich entnommen, dass denen die Zusammenhänge noch längst nicht klar sind und dass es daher ganz verständlich ist, dass sie immer wieder Tagesprobleme ernster nehmen. (S.308/309) Hoffnung für eine Bewältigung der Krise kann man nur gewinnen, wenn man nicht aufgibt, immer und überall das Verständnis zu fördern.

Artikel zum Klima-Buch:

Wikipedia

ZUM-Unterrichten (Vorstellung des gesamten Buches und der meisten Einzelartikel anhand von Zitaten) 



13.12.20

2020 Rückblick und Vorausschau

 Über dem Ärger wegen Corona haben viele vergessen, dass in Sachen Klimaschutz weltweit eine Veränderung eingetreten ist. Die konsequente Verfolgung eines Gedankens durch eine schwedische Schülerin hat weltweites Umdenken ausgelöst und dass der US-Präsident dagegen war, hat nicht verhindert, dass die EU ein Klimaschutzprogramm in Angriff genommen hat, das ohne Greta vielleicht gar nicht oder zumindest noch bescheidener entstanden wäre.

Die Coronakrise hat meiner Meinung nach manche Fehlentwicklungen aufgezeigt: Die Privatisierung des Gesundheitswesens führt Unterversorgung der Allgemeinheit herbei. Fleischfabriken sind gefährlich. Sie hat aber auch vorhandene Möglichkeiten aufgezeigt: Es geht mit weniger Flugverkehr und weniger Individualverkehr, wenn die Fernkommunikation ausgenutzt (und verbessert) wird.

Schließlich: Der Staat muss die Fähigkeit behalten, Veränderungen für alle zu ermöglichen: Regulierung der Finanzindustrie, Abschöpfung von Monopolgewinnen (Amazons Sondergewinne wegen Geschäftsschließungen), und es reicht nicht, wenn einzelne umdenken; aber auch ganze Gesellschaften können lernen.

Die giftigen Auseinandersetzungen sind schwer erträglich, aber besser, als wenn sie gewalttätig werden. (Die Sklavenbefreiung in den USA erfolgte erst nach dem blutigen Bürgerkrieg.)

Verglichen mit Menschen in Notsituationen wie Naturkatastrophen, Krieg, absoluter Armut, politischer Verfolgung oder auch nur politischer Unfreiheit geht es der deutschen Bevölkerung im Durchschnitt unfassbar gut.

Andererseits: Das, was ich hier stark vereinfachend so positiv geschildert habe, habe ich zunächst alles negativ, als zu wenig gedacht: Ich zweifle sehr, ob die gegenwärtigen Entwicklungen in eine gute Richtung führen, aber ich weigere mich, zu verzweifeln, wenn sie nicht in die Richtung führen, die ich für richtig halte.

Ein Gedanke ist mir im Gedächtnis geblieben (die genaue Formulierung nicht): Hoffnung heißt, zu handeln als wenn eine Lösung möglich wäre. Gerade in der jungen Generation gibt es dafür viele Beispiele.