29.12.08

Historische Quellenkritik im Internet

Einige wichtige Fragen und treffende, freilich nicht unbedingt bequeme Antworten zur Quellenkritik im Netz sind hier angesprochen bzw. verlinkt.
Wer allerdings Wiederholungen und teils unfruchtbare Dialogteile scheut, kann sich auch einen zusammenhängenden Text zum Problem von Jan Hodel ansehen.

Schule, Wikis und Beat Döbeli

* Döbeli, Beat: Wiki und die starken Lehrerinnen, in: Steffen Friedrich: Unterrichtskonzepte für informatische Bildung, Lecture Notes in Informatics, September 2005
* Döbeli, Beat: Wiki und die starken Texte, in: Deutschmagazin 1/2006, Oldenbourg Verlag
* Döbeli, Beat: Wiki und die starken Potenziale - Unterrichten mit Wikis als virtuellen Wandtafeln, in: Web 2.0 und Schule, Zeitschrift Computer und Unterricht Nr 66, S. 39-41, Mai 2007

20.12.08

Handlungsorientierung

"Insgesamt wird Interessenten für das gymnasiale Lehramt geraten, [...] auf das Lehramtsstudium ganz zu verzichten."
"Die Ausbildungskapazitäten der deutschen Universitäten sind in diesem Bereich viel zu hoch."
Dass die Zahl der hessischen Lehramtsabsolventen ab 2004 absinken werde sei eine "erfreuliche rückläufige Entwicklung".

Nachzulesen in der Prognose zum Lehrerinnen- und Lehrerbedarf ab 2000, Basis "Stand: Dezember 1999".

Damals waren die Kinder, die heute aufs Gymnasium gehen, bereits geboren, das Lebensalter der Lehrer, die in den vergangenen Jahren pensioniert wurde und in den nächsten Jahren pensioniert werden, war auch bekannt.

Eine solche Fehlprognose lässt sich nicht mit Dummheit der Ministerialbürokrtie erklären. Es muss andere Gründe dafür gegeben haben.
Die Kultusministerin legte sie zum Teil offen, wenn sie ihr Vorwort unter die Frage stellte "Ist das Lehramtsstudium ein Weg in die Arbeitslosigkeit?" und dann hervorhob "Diese Faktoren unterliegen politischen Entscheidungen und sind von finanziellen Rahmenbedingungen abhängig."

12.12.08

Blogs und Web 2.0

Ein Aufsatz von Basicthinking stellt die gegenwärtige Situation in Web 2.0 m.E. sehr übersichtlich und überzeugend dar.

11.12.08

Kindliche Vorstellungen

Wissenschaftler haben untersucht, was Kinder über Politik wissen. Sie haben sich gewundert, wie viel sie wissen.
Ich bin nicht so beeindruckt. Dabei halte ich die Untersuchungen aber durchaus nicht für sinnlos, und keinesfalls möchte ich behaupten, ich hätte mir auch ohne die Untersuchung denken können, wie viel sie wissen.
Freilich, das, was ich für Politik halten würde: gesellschaftliche Problemlösung bei Interessenorientierung und Fähigkeit zur Kompromissfindung, haben die Wissenschaftler von den Kindern nicht erfragt. Dabei wissen Kinder gewiss sehr viel darüber, nämlich all das, was sich auch schon in der Familie erleben lässt.
Politisches Wissen sei, dass sie die Namen Merkel und Bush kennen und manche auch noch Schröder. Ich kannte Adenauer und die SPD. Adenauer wollte ich als Kanzler und die SPD sollte die bestimmende Partei sein. Von Politik habe ich also nicht viel verstanden. Meine Tochter hat im Kindesalter Kogons SS-Staat weithin durchgelesen. Sie versichert mir heute, sie habe ihn nicht verstanden.
Nach meinem Eindruck sagen Kinder über Politik meist das, was sie von den Eltern gelernt haben. Manche Erwachsene tun das noch mit 50 Jahren. Ich habe den Eindruck, von Politik verstehen diese beiden Gruppen nicht viel.
Man kann ihnen aber beibringen, dass sie Respekt vor anderen Menschen entwickeln und dass es wünschenswert ist, Maßnahmen zu finden, die den Interessen möglichst vieler gerecht werden. Dann haben sie schon recht viel von Demokratie verstanden, auch wenn sie eine Partei wählen, ohne recht zu wissen, welche politische Positionen sie von anderen unterscheiden.

5.12.08

LdL

Ich habe auch sonst schon auf Lernen durch Lehren hingewiesen, eine Art der Schülermotivation, die mit nahezu allen anderen Unterrichtsmethoden verbunden werden kann. Jetzt hat der "Erfinder" von LdL, Jeanpol Martin, in mehreren Blogeinträgen seine dahinter stehende Theorie erläutert. Hier das Inhaltsverzeichnis (natürlich mit Links).

Computernostalgie

Auch wenn die Bilder nicht lange über diesen Link erreichbar sein werden, ein wenig Nostalgie mit "good old Microsoft" leiste ich mir mit diesem Link auf die SZ.

4.12.08

Nicht Wissen, Handlungsfähigkeit ist gefragt

"Nicht das Wissen um etwas, sondern die Fähigkeit gesellschaftiche Phänomene zu deuten und abgewogen zu beurteilen - das muss im Geschichtsunterricht erlernt werden." Meiner Meinung nach kritisiert Hokey neue Vorstellungen zur Behandlung von Nationalsozialismus in der Grundschule zu Recht.
Abscheu vor Unmenschlichkeit, wie v. Hentig sie fordert, kann man in dem Alter schon lernen. (Eine meiner Töchter besuchte mit 8 Jahren aufgrund von Anne-Frank-Lektüre mit Interesse eine fast nur aus schriftlichen Quellen bestehende Ausstellung zum Judentum in Mühlhausen, die andere las mit 9 oder 10 Kogons SS-Staat, und es hat ihr nichts geschadet.) Wie man totalitäre Tendenzen in einer demokratischen Gesellschaft bekämpfen kann, lernt man in dem Alter noch nicht. Schon gar nicht mit verordneter Darstellung der Verhältnisse in einem Unrechtsstaat.

Ein sehr überzeugendes Konzept für Unterricht zu dem Thema findet sich hier beschrieben. Natürlich nicht für Grundschüler. Wer aber unbedingt Grundschüler darin unterrichten muss, kann z.B. Passagen aus Anne Franks Tagebuch, aus "Der gelbe Vogel" von Myron Levoy oder aus "Sternkinder" von Clara Asscher-Pinkhof vorlesen.

26.11.08

Hessen verkauft Abituraufgaben

Hessische Schuldirektoren sind streng gehalten, dafür zu sorgen, dass die Abituraufgaben des vergangenen Abiturs nicht in die Hände der Schüler gelangen, damit diese für das kommende Abitur üben können. Denn das Kultusministerium verkauft die Abituraufgaben an private Verlage.
Soll damit sichergestellt werden, dass in Hessen keine Chancengleichheit entsteht, sondern nur die Schüler üben können, die die entsprechenden Publikationen kaufen?

20.11.08

Vernetzung von Lehrern, Dozenten, Schülern, Studenten ...

Hier sollen unter anderem Möglichkeiten zur Basisvernetzung von Dozenten, Lehrern und Studenten vorgestellt und diskutiert und Vernetzungen zwischen Menschen initiiert werden. Auf dieser Basis soll es später möglich sein, dass:
* Lehrer und Referendare Unterstützung von Dozenten und Studenten bekommen,
* Dozenten ihre Seminare mit Leben und Praxisbezug füllen
* Studenten Feedback von der "Schul-Front" bekommen.
Ziel ist es eine Art "organisierten Flow" ins Leben zu rufen, der es den einzelnen Teilnehmern erlaubt, in kürzester Zeit und ohne großen Aufwand eine breite Öffentlichkeit aufmerksam zu machen, zu informieren und an sich zu binden.


Ich persönlich finde, dass die dort gebrauchte Metapher "Maschendraht" weniger nützlich ist als Vernetzung; aber das Projekt finde ich gut.

15.11.08

Aktualität von Kapitalismuskritik

Eine Rundfunkjournalistin bezeichnete eine Argumentation, die im Zusammenhang mit der Finanzkrise Elemente der Kapitalismuskritik von Marx aufgriff, als Nachrichten aus der ideologischen Antike. Weil es eine ziemlich ausgefallene Metapher ist, gefällt mir die Formulierung, obwohl so ziemlich alles daran falsch ist. So weit weg wird aber von manchen heute Marxsches Gedankengut gesehen. Natürlich hängt das mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion und der Wandlung der Kommunistischen Partei Chinas in ein Steuerungsorgan zu Aufbau und Entwicklung einer kapitalistischen Wirtschaft zusammen.

Nachtrag: Erst jetzt bekomme ich mit, dass die Formulierung der Titel der "Verfilmung" des Kapitals von Karl Marx ist. Da hat er natürlich einen ironischen Klang, den die Journalistin mitgedacht haben wird.

Für die Bundesrepublik ist ein Grund aber auch, dass die Radikalen aus der Studentenbewegung nach Beginn der sozialliberalen Koalition 1969 "ziemlich geschlossen in eine imaginäre Parallelwelt" umzogen (Geschichte des SDS, S.208), während die Masse der "Mitbewegten" der Bewegung zu Anhängern der sozialliberalen Koalition wurden.
In der Parallelwelt wurden revolutionäre Phantasien gelebt, Terror entwickelt und die DDR als Verwirklichung der Idealvorstellungen von Marx interpretiert.
Dagegen ist in der Realität der Kapitalismus seit 1989 in seiner Verleugnung der sozialen Zusammenhänge wieder erstaunlich nahe an die von Marx beschriebene Realität des 19. Jahhunderts herangerückt.

12.11.08

Bleib so, wie du bist???

Herrn Rau vom Lehrerzimmer verdanke ich den Hinweis und die Problematisierung des unter Jugendlichen immer häufigeren Geburtstagswunsches: "Bleib so, wie du bist!"

Die Formel "Bleib so, wie du bist!" soll dem anderen Anerkennung vermitteln und ihn dadurch stärken. Wörtlich genommen ist sie aber eine Aufforderung, zu erstarren und damit abzusterben.
In der christlichen Religion gibt es die Vorstellung, dass alle Menschen, so wie sie sind, von Gott angenommen sind. (Gleichnis vom verlorenen Sohn)
Gleichzeitig ergeht aber der ständige Ruf an die Christen "Tut Buße, sündigt hinfort nicht mehr, lasst euch von Gott finden!" (Aussage des Zöllners: "Gott sei mir Sünder gnädig!")
Diesen Gedanken greift humanistisch ohne Religionsbezug Bert Brecht auf mit K's Forderung an sich selbst, sich ständig weiterzuentwickeln und seiner Absicht, denen, die er liebt, zur Weiterentwicklung zu verhelfen.
Dagegen stellt Frisch wiederum die Forderung, sich kein Bildnis vom anderen Menschen zu machen.

Qintessenz:
Den anderen als gleichberechtigt akzeptieren.
Uns selbst immer weiter entwickeln.
Den anderen bei seiner Entwicklung unterstützen, nicht ihn im "Menschenpark" zum Übermenschen machen wollen.

Dazu: An unserer Schule hieß ein Abi-Motto "Lernst du noch oder lebst du schon?"
Ich habe es für mich verändert in "Paukst du nur oder lernst du schon? Lernst du noch oder bist du schon tot?"
Es gibt eine Definition von Macht als Fähigkeit, nicht lernen zu müssen. Die Fähigkeit hat die Bush-Administration ein paar Jahre lang bewiesen. Barack Obama versucht jetzt, den Zusammenbruch der USA zu vermeiden, indem er die verpassten Lektionen nachholt.

10.11.08

SDS von Helmut Schmidt zu Rudi Dutschke

Während der 68er 1967 den SDS als radikale establishment-kritische Organisation kennenlernte (Wikipedia spricht im Anschluss an eine Äuüßerung von 1968 in der FAZ von "strategisch planende und taktisch operierende Kerntruppe der Außerparlamentarischen Opposition"), zeigt der Rückblick, dass erst auf dem Weg der SPD zum Godesberger Programm eine Entfremdung zwischen ihr und ihrer Hochschulorganisation SDS eintrat. Gegen den Unvereinbarkeitsbeschluss von Seiten der SPD im Oktober 1961 wandte sich vor allem der Darmstädter Oberbürgermeister Ludwig Metzger. (Fichter/Lönnendonker: Kleine Geschichte des SDS, 2008, S.112 f)

8.11.08

Aktionstag: Rettet die Kastanien!

Was tut Ihre Stadt im Sinne der Aktion "Rettet die Kastanien!"?
Was können Sie tun, um dabei zu helfen?
Vielleicht fragen Sie mal bei Ihrer Kommunalverwaltung nach.

6.11.08

9 Thesen zu Europa

Ich habe hier schon einmal 10 Thesen zu Europa geschrieben.

Diese habe ich nun einerseits auf neun gekürzt, adererseits auf den neusten Stand gebracht. Dabei hat mir Habermas' neustes Interview in der ZEIT vom 6.11.2008 sehr geholfen, aus dem ich ein paar kurze Passagen zur Begründung meiner Thesen beigebe.

Thesen zu Geschichte und Politik Europas und was unsere Schüler dazu lernen sollten
1.) Mit der Aufklärung im klassischen Griechenland (Sokrates u.a.) und der im 18. Jahrhundert hat Europa wesentlich zur Überwindung von Mythen und zur Infragestellung überkommener Weltbilder beigetragen.
2.) Dabei ist allerdings ein neuer Mythos, ein Fortschritts - Mythos entstanden, den es kritisch zu hinterfragen gilt (z. B. Stammzellendiskussion).
3.) Die europäische Expansion und der europäische Kolonialismus haben nicht nur zur Zerstörung von Kulturen geführt, sondern auch zur Ausbreitung europäischer Sprachen, Religionen, Rechts- und Verwaltungsstrukturen sowie zur Verbreitung von Ideen der Aufklärung, darunter der Menschen- und Bürgerrechte, beigetragen.
4.) Ungeachtet aller Menschenrechtserklärungen wurden Sklavenhandel und Sklaverei bis tief in das 19. Jahrhundert von Europäern betrieben und begünstigt.
5.) Völkermord trat in der europäischen Geschichte immer wieder auf. Während der europäischen Expansion im 16.und 17. Jahrhundert an den indigenen Völkern Süd- und Nordamerikas und während des Kolonialismus im 19. Jahrhundert an afrikanischen Stämmen. Singulär bleibt die systematisch betriebene industrielle Massenvernichtung des europäischen Judentums während des Zweiten Weltkriegs durch den Nationalsozialismus (Holocaust).
6.) Der „europäische Bürgerkrieg“ (E. Nolte) 1914 – 1945 hat zur bisher größten Menschheitskatastrophe geführt.

7.) Der europäische Einigungs-Prozess seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ist ein weithin vorbildliches Beispiel für supranationale und regionale Zusammenarbeit auf multilateraler Basis.
8.) Doch die unkoordinierte Wirtschafts- und Sozialpolitik (krassestes Beispiel: der europäische Agrarprotektionismus) zeigt andererseits, dass die Regierungen der europäischen Staaten auch im 21. Jahrhundert noch nicht zu umfassenden multilateralen Regelungen bereit sind.
9.) In der Auseinandersetzung mit Themen der europäischen Geschichte und Politik und in der Begegnung mit Jugendlichen anderer Länder sollten junge Menschen lernen, Verständnis und Toleranz gegenüber fremden Kulturen zu entwickeln, verantwortungsbewusst mit modernen Technologien und den Ressourcen der Umwelt umzugehen und ihre Identität als politisch mündiger Bürger in einem zusammenwachsenden Europa zu festigen.

Seit den Anfängen der Moderne müssen Markt und Politik immer wieder so ausbalanciert werden, dass das Netz der solidarischen Beziehungen zwischen den Mitgliedern einer politischen Gemeinschaft nicht reißt. Eine Spannung zwischen Kapitalismus und Demokratie bleibt immer bestehen, weil Markt und Politik auf gegensätzlichen Prinzipien beruhen. Auch nach dem letzten Globalisierungsschub verlangt die Flut der in komplexer gewordenen Netzwerken freigesetzten dezentralisierten Wahlentscheidungen nach Regelungen, die es ohne eine entsprechende Erweiterung von politischen Verfahren der Interessenverallgemeinerung nicht geben kann. [...]
Seit dem späten 18. Jahrhundert haben Recht und Gesetz die politisch verfasste Regierungsgewalt durchdrungen und ihr im Binnenverkehr den substanziellen Charakter einer bloßen »Gewalt« abgestreift. Nach außen hat sie sich von dieser Substanz allerdings genug bewahrt – trotz des wuchernden Geflechts von internationalen Organisationen und der zunehmenden Bindungskraft des internationalen Rechts. Dennoch ist der nationalstaatlich geprägte Begriff des »Politischen« im Fluss. Innerhalb der Europäischen Union haben beispielsweise die Mitgliedstaaten nach wie vor das Gewaltmonopol inne und setzen gleichwohl das Recht, das auf supranationaler Ebene beschlossen wird, mehr oder weniger klaglos um. Dieser Formwandel von Recht und Politik hängt auch mit einer kapitalistischen Dynamik zusammen, die sich als ein Wechselspiel von funktional erzwungener Öffnung und sozialintegrativer Schließung auf jeweils höherem Niveau beschreiben lässt. [...]
Der weitere Verlauf der [gegenwärtigen] Krise macht ja den Makel der europäischen Konstruktion offenbar: Jedes Land reagiert mit eigenen wirtschaftspolitischen Maßnahmen. Weil die Kompetenzen in der Union, vereinfacht gesagt, so verteilt sind, dass Brüssel und der Europäische Gerichtshof die Wirtschaftsfreiheiten durchsetzen, während die dadurch entstehenden externen Kosten auf die Mitgliedsländer abgewälzt werden, gibt es heute keine gemeinsame wirtschaftspolitische Willensbildung. Die wichtigsten Mitgliedstaaten sind schon über die Grundsätze, wie viel Staat und wie viel Markt man überhaupt will, zerstritten.

(Jürgen Habermas, DIE ZEIT Nr.46, 6.11.2008, S.54)

3.11.08

Kinder als künftige Tyrannen?

Ich hatte die Absicht, etwas über Winterhoffs neustes Buch zu schreiben, werde aber auf absehbare Zeit nicht dazu kommen. Daher jetzt nur die beiden Links.

Naturwissenschaftlicher Unterricht

Die Hinweise von Wagenschein, hier zusammengestellt, sind auch für anderen Untericht anregend.

2.11.08

Zum Verhältnis Schüler und Lehrer

Christian Spannagel schildert Jean-Pol Martins Unterrichtsmethode und schließt dann:
Wenn Schüler diese Kommunikationsregeln verinnerlicht haben, dann - so finde ich - können sie sich und andere richtig ernst nehmen und fühlen sich nicht als die “dummen” Schüler im Vergleich zum “allwissenden” Lehrer. Der betont nämlich immer wieder, dass er selbst auf solche Gedanken nicht gekommen wäre, dass die Schüler toll sind, wenn sie eine geniale Idee kommunizieren usw.

So kurz habe ich einen entscheidenden Aspekt von "Lernen durch Lehren" noch nicht formuliert gesehen.

31.10.08

Zur Glaubwürdigkeit der Ergebnisse von Meinungsumfagen

ARD und ZDF haben eine Studie über Internetverhalten in Auftrag gegeben und dabei auch nach der Glaubwürdigkeit von Blogs gefragt. Was da gefragt und was aus den Antworten geschlossen wurde, erinnert mich an eine Erfahrung, die ich in meiner Studentenzeit gemacht habe.
Als ich die Studie „Student und Politik“, die damals u.a. von von Friederburg und Jürgen Habermas duchgeführt worden war, las, fand ich eine Antwort, die als „irrational von Politik distanziert“ gewertet wurde, und der ich voll zustimmen konnte.
Ich habe damals schon mein politisches Tagebuch geführt und kann noch heute von Distanz zur Politik in diesem Tagebuch nichts finden. Das heißt: Die mathematische Auswertung der Ergebnisse auf eine Frage mag fehlerfrei sein. Zunächst aber ist wichtig, ob die Frage erlaubt, eine nicht-falsche Aussage zu machen.
Bei der Frage nach der Glaubwürdigkeit von Blogs kann jemand, der Blogs kennt, nur „teils/teils“ sagen oder raten, wonach eigentlich gefragt ist.
Ich würde, wenn gefragt, raten, dass die durchschnittliche Glaubwürdigkeit von Blogs gefragt ist (damit fielen für mich wissenschaftliche Blogs als – nach meiner Beobachtung – immer noch kleine Minderheit für den Durchschnitt fast nicht ins Gewicht).
Bei der Standardfrage nach der Glaubwürdigkeit von Berufsvertretern könnte ich noch Politiker und Physiker halbwegs gut auseinanderhalten. Aber bei Medien? Ulrich Beck wird mir doch nicht unglaubwürdiger, ob er sich im Fernsehen oder in einer Zeitung äußert, Kurt Beck ebenfalls nicht. Natürlich halte ich „arte“ für glaubwürdiger als die „Bildzeitung“ und kann deshalb der naheliegenden Aussage, dass Fernsehen weniger glaubwürdig sei als Zeitungen auch nicht sinnvollerweise zustimmen.

30.10.08

Warum Erziehung immer schwerer wird

und Schulen ihrem Bildungsauftrag nur noch eingeschränkt wahrnehmen können.
Die tägliche Beobachtung in der Schule und auf der Straße zeigt, dass immer mehr Kinder und Jugendliche sich nicht einmal für ihr unmittelbares Lebensumfeld verantwortlich fühlen und dass Eltern immer weniger Einfluss auf ihre Kinder haben und Fernsehen, Computerspiele, Handykommunikation einen großen Teil der Zeit wegnehmen, die vor nicht allzu langer Zeit noch bei gemeinsamen Mahlzeiten und Unternehmungen dem Austausch zwischen den Generationen diente.
"Kindergerechte" elektronische Medien und die Überflutung mit Werbung machen es den Eltern schwer, ihre Kinder zu sinnvollem Lernen anzuregen und zu diszipliniertem Konsum zu erziehen.
Wenn Zweijährige gezielt durch speziell auf sie ausgerichtete Fernsehsendungen Markenbewusstsein lernen (vgl. McNeal, S.20), wenn Kinderreime und Fingerspiele durch Werbeslogans und die Bedienung elektronischen Spielzeugs ersetzt werden, dann ist Steuerung durch Industrie an die Stelle der Bildung eines gemeinsamen Wertbewusstseins in der Familie getreten.
"Die Vermarkter locken sie aus ihren Elternhäusern, um sie in eine erwachsene konsumistische Welt zu bringen, in der ihre Arglosigkeit sie besonders anfällig macht für kommerzielle Verführung. Befreiung bedeutet hier, aus Kinderboutiquen sowie aus Disney- und Warner Brothers Läden erwachsenenfreie Zonen zu machen [...], damit die Jungen getrennt von ihren Eltern einkaufen gehen", schreibt dazu B. Barber in Consumed!, S.37.

Wenn sie so mit Werbung überflutet und mit allen Mitteln der Kunst zu bloßem Konsum und Lebensgenuss überedet werden, hat es auch die Schule schwer, mit ihrem auf langfristigen Lebenserfolg ausgerichteten Konzept bei Kindern anzukommen. Natürlich gibt es immer noch die, denen die Schule gar nicht genug Anregungen bieten kann und die sich in großem Stil eigene Lernfelder schaffen. Zwölfjährige etwa, die beim Internetlexikon Wikipedia nicht nur Artikel schreiben, sondern für ganze Projektbereiche Verantwortung übernehmen. Daneben gibt es viele, die sich freuen, zum Lernen angeregt und dabei unterstützt zu werden.
Aber wenn man von klein auf lernt, dass es vor allem auf den Konsum ankommt, und als Zweijähriger in Markenkenntnis trainiert wird, damit man spätestens als Dreijähriger seinen Eltern seinen persönlichen Kleidungs-, d.h. Markenstil aufdrücken kann, dann verliert man schon dann etwas von Neugier und der elementaren Lust am Ausprobieren. Dann tritt Konsumverhalten an die Stelle von Kreativität und Experiment.
Wenn dann nicht spätestens im Kindergarten Konzentration von Aufmerksamkeit geübt wird, wird die Schule mit ihren Lernzielen für manche zum Schock.
Bei nächster Gelegenheit möchte ich einige Punkte davon noch genauer behandeln.

28.10.08

Neuron

Für ein Gehirn sind es noch viel zu wenige. Trotzdem scheinen die Neuronen schon etwas in Bewegung zu bringen. Jedenfalls liest sich dieser Beitrag so. Kommentare und Folgebeitrag klingen auch so.
Bleibt abzuwarten, ob das Vorbildwirkung hat.

25.10.08

Schüler als Lehrer

Hübsch und griffig formuliert Reinhard Kahls Bericht über den Französischunterricht, in dem besser gelernt wird, weil mehr Fehler gemacht werden, vor allem von den Lehrern.
Man kann verstehen, dass Jean-Pol Martin diesen Artikel über seine Methoder Lernen durch Lehren gern auf seinen Blog stellt. Es lohnt sich, den Artikel zu lesen.

Noch interessanter war es mir freilich, mitzubekommen, wie Schüler der 11. Klasse, von der im Artikel die Rede war, sich mit Lehramtsstudenten über ihren Unterricht austauschen. Man sollte sich von den ersten Beiträgen, in denen Martin (jpm) sich auf französisch äußert, nicht irritieren lassen, sondern gleich weitergehen zu der Stelle, wo Hanna etwas über den Unterricht sagt.
Wenn man schon dabei ist, sollte man allerdings auch mitverfolgen, wie die Lehramtsstudenten über Lernen durch Lehren diskutieren und wie sie auf den Gedanken kommen, mit den Schülern der 11c Verbindung aufzunehmen.

Vokabelkasten im Computer

Das Prinzip des Vokabelkastens setzt ein polnischer Informatiker in einem erfolgreichen Computerlernprogramm ein. So wie es beschrieben ist, fagt man sich, warum es das noch nicht schon länger gibt. Denn das, was an Programmen oft am längsten braucht, die Bedienerführung, ist offenbar bei diesem Programm noch in den Kinderschuhen.

23.10.08

Deutschland sucht ...

Castingshows als Mittel für "Fernsehgrößen" sich vor kleinen Mädchen, die sich statt Bugee-Jumping den Casting-Kick geben, als etwas darzustellen.
Mit der Technik von Enttäuschung, halber Hoffnung, harter Forderung, dann endlicher Gewährung gelang es heute einer Crew ein Mädchen mehrfach unter Tränen zu setzen und ihr dann die Formulierung zu entlocken "Jetzt weiß ich, dass es eine höhere Macht gibt".

Wenn es nicht zu sehr an - zugegeben die harmloseren - Stasi-Foltermethoden erinnerte, würde ich es "selbstgefällig und borniert" nennen. Es ist aber schlimmer.
Und der Staat lässt zu, dass ein solches Fernsehen als Sozialisationsmedium mit Elternhaus und Schule in Konkurrenz tritt.

Um ehrlich zu sein: Ich saß am Computer und habe mir von der Show nur berichten lassen. Leider klang der Bericht sehr glaubwürdig.

21.10.08

Woher kommen all die Krankheiten?

Wir hören nur noch von Krankheiten, unsere Kinder leiden an ADHS, Legasthenie, an Dyskalkulie, andere sind hochbegabt. Immer mehr Kinder befinden sich in Behandlung, sei es die Logopädie oder Ergotherapie. Wie ist das denn zu erklären? Es kann doch nicht sein, dass wir auf einmal nur noch kranke Kinder haben.

So sagt Michael Winterhoff in einem Interview im Südwestfunk.
Er führt das Phänomen darauf zurück, dass Kinder nicht genügend gereift sind, um die notwendige Frustrationstolerenz zu entwickeln.
Das komme u.a. daher, dass Eltern sich nicht genügend von ihren Kindern abgrenzten und statt sie zu erziehen, von ihnen bestätigt werden wollten. Dadurch werde den Kindern die Möglichkeit der Reifung genommen. Erst diese führe zur Wahrnehmung, dass der andere Mensch nicht von uns gesteuert werden kann, sondern dass wir in einem sozialen Prozess mit ihm umgehen müssen.
Eltern, die Kleinkinder nicht erzögen, sondern als Freunde auf gleicher Stufe behandelten, machten Kinder zu künftigen Tyrannen.

19.10.08

Vorbild

Peter Frattons pädagogischer Grundsatz:
Niemals andere motivieren wollen – aber selbst von etwas begeistert sein.

15.10.08

Fernsehschelte von Marcel Reich-Ranicki

Anlässlich seiner Fernsehkritik hat man Marcel Reich-Ranicki "borniert und selbstgefällig" genannt. In der Tat, in der Selbstgefälligkeit kann ihn kaum eine(r) übertreffen. Aber von borniert kann bei ihm keine Rede sein.
Dabei ist "borniert und selbstgefällig" eine hervorragend knappe Charakterisierung der Fernsehberühmtheiten.
Dass es im Fernsehen auch andere Sendungen gibt, die weitab von Borniertheit sind - man denke an den ebenfalls höchst selbstgefälligen Peter Sloterdijk - rettet nicht die Fernsehberühmtheiten, die sich gegenseitig hochjubeln.
Ich möchte diese Berühmtheiten mal mit Orhan Pamuk vergleichen. Dieser hat schon als 20jähriger sich ernsthaft bemüht, sich ganz umfassend mit Geschichte und Kultur seines Landes vertraut zu machen, und wurde, als er ein Meisterwerk vorlegte, darauf aufmerksam gemacht, dass man einen Türken nicht recht wahrnehmen könne, unabhängig von dem, was er leistet. Bei den heutigen Fernsehgrößen gilt das Umgekehrte: Sie werden wahrgenommen unabhängig von dem, was sie leisten. Oder meint wirklich jemand, der Arundhati Roy kennt (ihr Name steht für Hunderte andere, von denen wir noch weit weniger hören), Dieter Bohlen verdiene auch nur ein Zehntel der Aufmerksamkeit, die wir ihren Aussagen zukommen lassen sollten? Und wann hört man noch von ihr?

Nachtrag von 2013: Ein Porträt MRRs von Ulrich Greiner

6.10.08

Reicht Verbesserung der Lehrerausbildung aus?

Was nützt die psychologische Ausbildung, wenn man nur mit Gruppen um 30 Schülern arbeiten kann?
Die meisten Probleme, die die Pschologin der Elternberatungsstelle an unserer Schule zu bearbeiten hatte, waren Familienprobleme, die nur mit Einzel- und Familientherapie anzugehen waren. Das kann ein Lehrer auch mit der besten Ausbildung nicht übernehmen. Die Ausbildung hilft ihm nur, die Fälle früher zu erkennen und die Schuld nicht den Schülern in die Schue zu schieben. Dann aber muss ein Ansprechpartner da sein, der an dem Fall weiterarbeiten kann. Das gibt es in Finnland, in Deutschland viel zu selten.

Ich persönlich habe mit die besten Erfolgserlebnisse gehabt, als ich als Mediator (Streitschlichter) gearbeitet habe. Da hatte man mal eine Schulstunde lang für ein Problem Zeit und konnte Schülern helfen, Lösungen für ihre Probleme zu finden.

Theoretisch sollte ja auch eine Schulstunde dafür da sein. Weshalb sie das nur in den seltensten Fällen leisten kann, das zu behandeln, reicht ein Eintrag nicht aus.

25.9.08

Was kann man zur Verbesserung der Schulsituation tun?

Laut Umfrage sind 64 % der deutschen Bevölkerung der Meinung, dass Lehrer gute bis sehr gute Arbeit leisten. 66% der deutschen Lehrer mangelt es an Widerstandsressourcen und Freunde an der Arbeit. In Finnland gibt es ausgebaute Unterstützungssysteme für Lehrer, z.B. Schulpsychologen an praktisch jeder Schule. In Finnland sind Lehrer weit zufriedener mit ihrer Arbeit und gibt es weit bessere PISA-Ergebnisse als in Deutschland.
Man könnte nun meinen, es müsste in Deutschland auch mehr Unterstützungssysteme für Lehrer geben.
In der neusten Ausgabe der ZEIT kommt man zu einem anderen Schluss: Lehrer sollten besser damit umgehen, dass es "unzählig viele Angriffspunkte" auf sie gibt, und damit, dass sie "für alles verantwortlich gemacht werden" können.
Das ist sicher eine Strategie, den Lehrerberuf attraktiver zu machen, so dass der bevorstehende Lehrermangel beseitigt wird.

23.9.08

Zielpunkt der Studentenbewegung

Das Gros der von der Studentenbewegung Politisierten fand sich als Anhänger Brandts wieder. Ein nicht geringer Anteil landete bei der DKP und den sogenannten K-Gruppen, kommunistisch orientierten Gruppen von stalinistisch und maoistisch bis trotzkistisch.

Die Baader-Meinhof-Gruppe passte nicht in die Studentenbewegung, aber ihre Ideologie baute auf Argumentationen der früheren APO auf. Und sie hätte gewiss nicht so viele Sympathisanten gefunden, wenn die Studentenbewegung nicht vorangegangen wäre.

Treibhäuser & Co

Unter diesem Titel findet Anfang Oktober eine Bildungstagung am Bodensee statt.

Netzsensibilität

Um in der virtuellen Welt Mitstreiter für meine Projekte zu gewinnen, beachte ich folgende Regeln:

1. Mach dich transparent: liefere in deinem Profil möglichst viele, für den Benutzer spannende Informationen über dich. Je mehr Informationen du über dich gibst, desto größer die Chance, dass jemand einen Ansatzpunkt zur Zusammenarbeit entdeckt. Angst vor Missbrauch der Angaben ist meistens unbegründet. No risk, no fun!

2. Biete motivierende Projekte an: Was mich persönlich angeht, so stütze ich mich auf die Beschreibung der Grundbedürfnisse von Maslow. Meine Angebote sprechen das Bedürfnis nach sozialer Zugehörigkeit und sozialer Anerkennung, nach Selbstverwirklichung aber vor allem nach Sinn, weil nur dieses langfristig tragfähig ist: wir wollen die Welt verbessern!

3. Kontaktiere viele Leute: wenn du Mitstreiter suchst, muss du Leute ansprechen, auch wenn du auf manche penetrant wirken kannst. Wenn du dich nicht rührst, wird dich niemand beachten. Wenn jemand dich penetrant findet, wäre er sowieso kein guter Arbeitspartner für dich.

4. Wenn jemand auf deine Angebote positiv reagiert, pflege ihn: zeige ihm, dass du dich für ihn interessierst. Als möglicher Partner besitzt er bestimmt "Ressourcen", die für die Zusammenarbeit wertvoll sind. Diese Fähigkeiten musst du entdecken.

5. Antworte stets zügig (Reaktionsgeschwindigkeit), sei präsent und zuverlässig: enttäusche die Menschen nicht, die Energie und Zeit für dich investieren. Im Netz sind Menschen und Beziehungen sehr volatil, du aber willst mehr mit den Menschen tun! Du hast was mit den Leuten vor! Das müssen sie spüren!

6. Stelle deine Partner auf eine Bühne und vernetze sie: wenn du mit Leuten langfristig zusammenarbeiten willst, solltest du sie miteinander verbinden. Zeige was sie können, führe ihnen Aufmerksamkeitsströme zu, indem du sie in Sammelmails erwähnst und auf ihre Arbeit hinweist.

7. Überlege dir immer wieder spannende Projektziele und achte darauf, dass diese Ziele auch erreicht werden. Das ist zwar auch im Realleben (RL) wichtig, aber im virtuellen Raum noch viel mehr, weil - wie bereits festgestellt - die Beziehungen im Netz besonders volatil sind. Beteiligunsinitiativen verlangen, dass der Initiator immer wieder Impulse einbringt. Bis zum Schluss.

Diese Verhaltensweisen bilden das, was ich Netzsensibilität nenne. Sie müssen automatisiert werden, wenn man im neuen Paradigma erfolgreich arbeiten will. Wer im traditionellen Wissenschaftssystem sozialisiert wurde, hat dies nicht gelernt.

Begriff und Text stammen von Jean-Pol Martin.

20.9.08

Schneeurlaub

Bizarre Erfahrungen, die ich beim Korrigieren von Klassenarbeiten gemacht habe, haben dazu geführt, dass ich mit der Zeit immer länger für Korrekturen gebraucht habe und immer seltener nachts korrigiert habe.
Am einprägsamsten war das Wort "Schneeurlaub", dass ich - von meiner Hand ungewöhnlich säuberlich geschrieben - als Korrekturbemerkung am Rande einer Arbeit fand. Bis ich es Durchsicht meiner Korrektur dort entdeckte, war mir das Wort noch nie untergekommen. Jetzt hatte ich es geschrieben, und ich konnte nicht entdecken, inwiefern es in irgendeiner Weise einen Hinweis zur Verbesserung des Textes enthalten hätte.
Meine einzige Erklärung für dieses Wort am Rand der Arbeit: Ich hatte im Schlaf weiter korrigiert. Es war wohl ein Sekundenschlaf gewesen, denn vorher oder nachher fand ich keine fragwürdige Korrekturbemerkung.
Daraufhin beschloss ich, dass nicht nur beim Autofahren Pausen eingelegt werden müssen. Und ich fand, dass die Lösungshinweise (der Erwartungshorizont), die ich meinen Schülern ausgab, noch einen weiteren Nutzen hatten: Wenn ich bei der Korrektur einen Fehler machte, so hatten meine Schüler es in der Hand, anhand der Lösungshinweise auf Nachkorrektur zu drängen.
Da ich bei einer Schülerin feststellen musste, dass sie selbst falsch von mir zusammengezählte Punkte nicht angemahnt hatte, habe ich dann auch besonderen Wert darauf gelegt, keine Fragen zur Arbeit zu beantworten, bevor nicht alle ausdrücklich meine Punktberechnung überprüft hatten. (Ich kann leider nicht sagen, dass sich das als eine völlig überflüssige Maßnahme herausgestellt hätte.)

Vom Nutzen eines Erwartungshorizonts

Bei Abiturklausuren und Vergleichsarbeiten schon lange gefordert, ist der Erwartungshorizont, d.h. die Formulierung der Leistungserwartungen für die einzelnen Aufgaben auch bei normalen Arbeiten doppelt nützlich. Zum einen hilft er, auch bei länger sich hinziehenden Korrekturen die Leistungsanforderungen ganz gleichmäßig zu halten, zum anderen ermöglicht er Schülern, wenn sie ihn nach der Klausur als "Lösungshinweise" erhalten, ihre Leistung im Vergleich mit der erwarteten einzuschätzen. Da er bei mir stets in Stichpunkten formuliert war, entstand auch nicht das Missverständnis, dass eine Arbeit dieser Kürze 15 Punkte erbringen würde. Andererseits war manchmal erkennbar, dass ich bei der endgültigen Bewertung gelegentlich auftretende unerwartete Schwierigkeiten für die Schüler bei der Benotung berücksichtigt hatte.
Einen weiteren Vorteil werde ich unter dem Stichwort "Schneeurlaub" demnächst behandeln.

Es folgt ein Beispiel zu einer Klausur in Jahrgangsstufe 12, die in dieser Form nie wieder wird gegeben werden können.

Erwartungshorizont

1) Geben Sie die Positionen, die von Gewerkschaftsseite und Arbeitgeberseite vertreten werden, wieder. 30%
2) Erläutern Sie, weshalb es von Gewerkschaftsseite zu unterschiedlichen Positionen kommt. 10%
3) Stellen Sie dar, wie gegenwärtig Tarifverhandlungen verlaufen und was sich ändern müsste, damit die Vorstellungen von Zwickel und Hundt realisiert werden könnten. 30%
4) Im Mittelpunkt der Betrachtungen steht bei diesen Überlegungen immer wieder die Arbeitsproduktivität. (Diese Sichtweise hat sich nach Merkantilismus und Physiokraten erst im 19. Jahrhundert durchgesetzt, als von Liberalen und Sozialisten gleichermaßen die Arbeit als Quelle aller Werte angesehen wurde.)
Erläutern Sie, inwiefern die Konzentration auf die Arbeitsproduktivität es erschwert, Lösungen für Umweltprobleme und Arbeitsmarktprobleme zu finden. (Dabei können Sie auf die Argumentation von Text 3 zurückgreifen.) 20%
5) Welche Maßnahmen müssten ergriffen werden, damit Ressourcenproduktivität für die Unternehmen wichtiger wird als Arbeitsproduktivität? 10%

1) Zwickel für differenzierte Lohnabschlüsse je nach Betriebserfolg. Dafür müsse es freilich klare Kriterien geben. Meine (Niedersachsen) dagegen, da bei einem zweistufigen Modell nur die Arbeitnehmer der florierenden Unternehmen profitierten. Vertreter aus Baden-Württemberg und Sachsen/Brandenburg aber dafür. Arbeitgeberpräsident Hundt denkt an Korridore für Lohnerhöhungen.
2) Baden-Württemberg ist für Zwickels Modell, weil dort die meisten Arbeitnehmer mehr bekommen würden als sonst. Sachsen/Brandenburg dafür, weil Arbeitslosigkeit sehr hoch u. als dringendes Problem gesehen wird. Niedersachsen dagegen, weil im Zweifelsfall nur in schwierigen Zeiten Bilanzen vorgelegt würden. Bei guten Verdienst des Unternehmens würden die Gewerkschaften nicht genau informiert. Außerdem Gefahr für Einigkeit und Zusammenhalt in der Gewerkschaft, da sich unterschiedliche Interessengruppen bilden würden.
3) Zum Ablauf der TV vgl. die Hausarbeiten der Arbeitsgruppen. Zu den Änderungen:
Bei Zweistufenkonzept kann die erste Stufe bei den TV festgelegt werden, die zweite in den einzelnen Betrieben ausgehandelt werden. Es könnten aber (vielleicht allerdings auch nur theoretisch) auch zentral feste Kriterien erarbeitet werden (z.B. Gewinn pro Mitarbeiter), nach denen für die Betriebe die zweite Stufe die Lohnsteigerung mechanisch errechnen könnten. Bei Lohnkorridor läge die Aushandlung der Lohnsteigerung innerhalb des Korridors ganz bei den Betrieben.
4) Wegen des Prinzips der Gewinnmaximierung streben die Unternehmen grundsätzlich eine hohe Kapitalproduktivität, d.h. möglichst kostengünstige Produktion an. Erhöhung der Arbeitsproduktivität bedeutet in sich noch nicht billigere Produktion. Das bedeutet sie nur, wenn keine zusätzlichen Produktionsfaktoren (Maschinen, Energie) erforderlich sind oder deren Kosten geringer sind als die für die eingesparte Arbeit.
Wenn aber das Hauptinteresse darauf liegt, die Arbeitsproduktivität zu erhöhen, werden energieintensivere Lösungen begünstigt (Ersatz menschlicher Arbeitskraft durch Maschinen), Innovationseifer geht in Richtung Einsparung von Arbeit, nicht Verringerung der Umweltbelastung. Das ist schlecht für die Umwelt.
Da alle Kraft darauf konzentriert ist, Arbeitsplätze abzubauen, erhöht sich die Zahl der Arbeitslosen. (Die Abnahme der Zahl der Beschäftigten führt mittelfristig dazu, dass auch weniger qualifizierte Arbeitskräfte zur Verfügung stehen. Damit verringert sich insgesamt die volkswirtschaftliche Leistungsfähigkeit.)
5) Preise für Ressourcen müssten erhöht werden, möglichst bei gleichzeitiger Erniedrigung der Arbeitskosten (um internationale Konkurrenzfähigkeit zu erhalten). Beispiel: Ökosteuer.

19.9.08

Schule hilft gegen soziale Ungleichheit

Jürgen Baumert war Leiter des deutschen Teils der ersten PISA-Studie, die herausfand, das in Deutschland soziale Herkunft mehr als in den anderen Industrieländern über den Bildungserfolg entscheidet.
Jetzt betont er in der Zeit:
Die Schule ist die große Gleichmacherin der Nation. Überall hält sie die Kinder sozial stärker zusammen als die Familien. In einer Langzeitstudie wurden in Baltimore Kinder von der Einschulung bis zur Highschool immer wieder vor und nach der Sommerpause getestet. Die Leistungskurven der Kinder aus unterschiedlichen Sozialschichten verliefen während der Schulzeit parallel. Erst in den Ferien, wenn die Kinder nur dem Einfluss der Familie und Nachbarschaft ausgesetzt waren, gingen sie auseinander. Eine Untersuchung, die wir kürzlich in Berlin durchgeführt haben, belegt diesen Sommerlocheffekt auch für die kurzen deutschen Ferien: Kinder aus sozial benachteiligten Schichten und Zuwanderer lernen in dieser Zeit weniger dazu als Schulkameraden aus begüterten Schichten.

Und er verweist darauf, dass den Staat eine Bildungsinvestition vor allem für sozial benachteiligte Kinder dem Staat Geld spart, wenn sie in frühem Alter ansetzt:
Wie Langzeitstudien aus den USA, insbesondere das Perry Preschool Program, gezeigt haben, bekommt die öffentliche Hand für jeden Dollar, den sie für kleine Kinder aus sozial schwachen Familien investiert, das bis zu Siebenfache zurück. Diese Kinder haben später bessere Schulabschlüsse, leben seltener von Sozialhilfe und werden weniger häufig kriminell.

Er sagt damit nichts Erstaunliches, nur liest man es viel zu selten in der Zeitung.

18.9.08

Fraktale backen

ist nicht so ganz arbeitsökonomisch, aber die Ergebnisse sind hübsch und lassen auf den Prozess zurückschließen.
Den Hinweis habe ich - einmal mehr - von Herrn Rau.

15.9.08

Blogger und Mailer aller Provider vereinigt euch!

Diese Aufforderung kann man bei Apanat finden. Dort steht auch, wie er darauf kommt.

14.9.08

Sinnvolle Unterstützung für Lehrer

Wir denken immerzu darüber nach, Strukturen zu ändern. Und die Personen, die diese Strukturen mit Leben füllen sollen, die Lehrer, lassen wir vor sich hin wurschteln. Lehrer sind die ewigen Randfiguren in bildungspolitischen Debatten. Dabei müssten sie in deren Mittelpunkt stehen.
Wo er Recht hat, hat er Recht, Bernhard Bueb, bekannt geworden durch sein Lob der Disziplin.
Stets glaubt man nämlich, nur durch Ausbildungsordnungen und Vorschriften Unterricht verbessern zu können. Dabei bedarf es gezielter Auswahl der Mitarbeiter und gezielter Unterstützung. Man sage nicht, Vergleichsarbeiten unterstützten Schüler oder Lehrer.
Den Hinweis auf das Interview mit Bueb verdanke ich wieder Herrn Rau.

9.9.08

Lehrerzimmer

Herr Rau berichtet von den Gedanken, die man sich in seinem Kollegium über die Sitzordnung in einem erweiterten Lehrerzimmer gemacht hat: "Vorschlag vom Kollegen: Sitzgruppen nach Fächern ordnen. Schon bisher hatten die Religionslehrer, aber eigentlich nur die, ihren Stammtisch. Ich kann mir dann aussuchen, ob ich eher bei den Deutsch- oder Englischlehrern hocke."
Das erinnert mich an meine Erfahrungen:
Wir hatten ursprünglich - von einer Situation mit wenigen Lehrern ausgehend - 8 große Tische, die zu einem Großblock zusammengestellt waren. Da gab es eine Reihe von Lehrern, die feste Sitzplätze hatten, teils duldeten sie niemanden auf ihrem Platz, teils suchten sie sich, wenn er besetzt war stillschweigend einen benachbarten; aber jeder, der einige Zeit an der Schule war, wusste, von den betreffenden Lehrerinnen und Lehrern, wo sie ihren Platz hatten. (Ich hatte lange Zeit eine Schwäche für die "Bibliothek", die eigentlich eher ein breiter Gang mit Bücherregalen an der einen, Fenstern an der anderen Seite war. Aber es waren nicht die Bücher, die mich anzogen, sondern die netten Kolleginnen und Kollegen.)
Ich hatte nie einen Platz, sondern setzte mich immer nur auf Plätze, die gerade frei waren, entweder weil der Platzbesitzer im Unterricht war oder weil es einer der wenigen nicht festgelegten Plätze war.
Danach gab es Tischgruppen. Besonders gut war die Atmosphäre bei den Referendaren, die über viele Jahre hin einen vorbildlichen Zusammenhalt hatten. Ehemalige Referendare setzten sich deshalb auch besonders gern dorthin. Das führte schließlich dazu, dass für die aktuellen Referendare dort bald kein Platz mehr war und sie sich einen neuen Tisch suchen mussten.
Mehr darf ich aber nicht dazu erzählen, sonst wird eine Schulchronik daraus. Aber vielleicht komme ich noch einmal darauf zurück.

7.9.08

Hochschule in der Hand der Wirtschaft

In Baden-Württemberg ist man ganz offen und nennt die Universitätsrektoren gleich Vorstandsvorsitzende und die Kontrollorgane Aufsichtsräte. In anderen Bundesländern heßen sie noch Hochschulrat oder Kuratorium. Dass die Kriterien für wissenschaftliche Leistung neuerdings weitgehend in der Masse eingeworbener Gelder und verkaufter Produkte gemessen wird, daran hat man sich schon gewöhnt. Dies ist für mich eine Steigerung, die ich bisher übersehen hatte.
Dass dies zu einer noch weitgehenderen Marginalisierung von Geistes- und Kulturwissenschaften zu führen droht, ist aus dem jüngsten Hochschulstreit in Siegen abzulesen, über den Klaus Kreimeier in der ZEIT Nr.36 vom 28.8.08 berichtete.

5.9.08

Tagebuch eines 68ers weiter vervollständigt

Inzwischen sind die Einträge zu 1968 bis zum 30.5. über die bisherigen Rumpfeinträge hinaus vervollständigt worden. Den ausführlichen Eintrag zum 28.4. (in dem ich nur die Zahlen zum endgültigen Wahlergebnis weggelassen habe) habe ich auch kommentiert.

4.9.08

Lehrerblogs

Tamara Specht und Susanne Horsch haben Spiegel-online auf die Sprünge geholfen, etwas über Lehrerblogs zu schreiben.
Dass dabei Thomas Raus Lehrerzimmer als ein Favorit herauskommt, gefällt mir, weil es meiner ist. Dass sein Blog deshalb so überlaufen war, dass man ihn nicht mehr erreichen konnte, habe ich bedauernd bemerkt, jetzt finde ich auch das erfreulich.
Nie mehr Schule hat mich, glaube ich, nicht so angemacht. Jedenfalls habe ich früher mal ähnliche Geschichten in einem Lehrerblog gelesen, die mir zu konstruiert vorkamen. Wenn er mit seinem Blog Diskussionen anregt, finde ich das aber gut. (Die führe ich freilich lieber im realen Leben, weil ich schneller reden als tippen kann und ohnehin zuviel Zeit am Computer sitze.)

31.8.08

Plagiate bei Hausaufgaben

Bei Lehrerfreund gibt es jetzt eine Reihe nützlicher Hinweise zum Thema Abschreiben von Hausaufgaben.
Die Hauptüberlegung ist die:
1. Aufgaben möglichst so stellen, dass man sie nicht aus dem Netz übernehmen kann.
2. Das Problem erläutern und schon am Anfang, bevor es einen Fall gegeben hat, harte Strafen ankündigen.

Da die harte Strafe häufig in Nacharbeit in der Schule bestehen wird, gibt es in den Kommentaren einen Hinweis, wie man die schulintern lehrerfreundlich gestalten kann.

29.8.08

Goethelesung - Triumph des Versmaßes

Es wird erzählt im Märchenton. Es ist vom Wolf die Rede. Wo in Goethes dramatischen und lyrischen Werk kann das vorkommen?
Jetzt beginnt ein kleines Mädchen zu lesen, 6. oder 7. Klasse schätze ich und höre fließende Hexameter. Jetzt wird mir klar, die Organisatoren haben nicht nur das lyrische Werk, sondern auch die Versdichtungen in die Lesung einbezogen: Reineke Fuchs.

Bald darauf ertönen im Sprechchor die Verse
Hochgeehrt ist Reineke nun! Zur Weisheit bekehre
Bald sich jeder und meide das Böse, verehre die Tugend!
Dieses ist der Sinn des Gesangs, in welchem der Dichter
Fabel und Wahrheit gemischt, damit ihr das Böse vom Guten
Sondern möget und schätzen die Weisheit, damit auch die Käufer
Dieses Buchs vom Laufe der Welt sich täglich belehren.
Denn so ist es beschaffen, so wird es bleiben, und also
Endigt sich unser Gedicht von Reinekens Wesen und Taten.
Uns verhelfe der Herr zur ewigen Herrlichkeit! Amen.

(Wer beim a-religiösen Goethe nur im Faust mit religiösen Formeln rechnet, mag die Verse nachlesen.)
Der Rekordversuch ist beendet.
Werden die Schüler nachträglich erfahren, dass sie Hexameter gelesen haben, haben sie es vorher gewusst, sind aber vor dem Versmaß gescheitert?

28.8.08

Goethes lyrisches und dramatisches Werk vorgelesen

"Das langweiligste Hörbuch der Welt" verspricht der Direktor.
Etwa 50 Stunden lang lesen rund 1000 Schüler das gesamte dramatische und lyrische Werk Goethes ohne Pause.
Hier zu sehen und durch weitere Informationen ergänzt. Während ich hier schreibe, nähert man sich Seite 900. Bisher fehlt sowohl der Faust als auch das Jahrmarktsfest zu Plundersweilern.
Fernsehanstalten melden sich an. Der Hessische Rundfunk hat schon gestern darüber berichtet. Anscheinend will man auch ins Guinness Book of Records.

Welche Voraussetzungen müssten gegeben sein, damit das Ganze Sinn hat?
Das frage ich nicht nur mich, sondern auch meine Leser.

27.8.08

1968

Inzwischen habe ich im "Tagebuch eines 68ers" alle Einträge zu 1968 angelegt, damit es bei dem Monatsrhythmus für den damaligen Jahresrhythmus bleibt: Juni 08: 1966, Juli 08: 1967, August 08: 1968.
Die Einträge sind aber noch unvollständig. Bei einem Eintrag konnte ich gegenüber der früheren gekürzten Ausgabe des politischen Tagebuchs auf meiner Homepage ein falsches Datum berichtigen. (Hoffentlich sind jetzt keine neuen Fehler drin.)
Einer ist schon sicher: Dubcek habe ich zweimal so wie hier falsch geschrieben, obwohl es im Tagebuch richtig stand, weil ich nicht weiß, wie man das č auf der Tastatur produziert und ich zu faul war, es jedesmal korrekt (Dubček) aus dem Internet zu holen.

1.8.08

Tagebuch eines 68ers

Heute habe ich Postings für Januar bis April 68 eingestellt. Zunächst sind die meisten stark gekürzt.
Ich werde sie bei Gelegenheit ergänzen.
Wichtig ist mir, dass ich im August alle Einträge zu 1968 einstellen kann, damit alle gemeinsam aufrufbar sind.

24.7.08

Urheberrecht, Kopierregelungen an Schulen

Es gibt jetzt neue Creative Commons Lizenzen, die der neuen Rechtssituation im internationalen Urheberrecht Rechnung tragen.

Andererseits weiten sich die Versuche aus, Unterricht an Schulen und Hochschulen durch Urheberrechtsabmahnungen zu behindern. Weil zu den Regeln zum Kopieren jetzt Rechtsunsicherheit entstanden ist, hier eine offizielle Information aus Baden-Württemberg.

20.7.08

Thesen zu Europa

1) Mit der Aufklärung im klassischen Griechenland (Sokrates u.a.) und der im 18. Jahrhundert hat Europa wesentlich zur Überwindung von Mythen und zur Infragestellung überkommener Weltbilder beigetragen.

2) Dabei ist ein Fortschrittsmythos entstanden, den in Frage zu stellen Religionen beitragen können. (z.B. Stammzellendiskussion, Hinweise von Habermas)

3) Die stürmische Entwicklung der Technik, besonders der Waffentechnik, ermöglichte den europäischen Kolonialismus, der zur Zerstörung von Kulturen, aber auch zur Verbreitung der Aufklärung und des Menschenrechtsgedankens beigetragen hat.

4) Sklavenhandel und Sklaverei wurde allen Menschenrechtserklärungen zum Trotz bis tief ins 19. Jahrhundert von Europäern betrieben und begünstigt.

5) Völkermord trat in der europäischen Geschichte immer wieder auf. (Während des Kolonialismus an den indigenen Völkern Süd- und Nordamerikas, im 20. Jahrhundert vor allen an den Juden)

6) Der „europäische Bürgerkrieg“ (1. und 2. Weltkrieg) hat zur bisher größten Menschheitskatastrophe geführt.

7) Die europäische Einigung ist ein vorbildliches Beispiel für regionale Zusammenarbeit auf multilateraler Basis.

8) Der europäische Agrarprotektionismus zeigt, dass die europäische Politik auch im 21. Jahrhundert noch nicht zu umfassenden multilateralen Regelungen bereit ist.

9) Schüler sollten lernen, dass die Fähigkeit, sein eigenes Weltbild in Frage zu stellen, die Voraussetzung für wissenschaftlichen und technischen Fortschritt und für ein möglichst gewaltarmes Zusammenleben in einer globalisierten Welt ist.

10) Die Schüler sollten lernen, dass zu dem in Frage stellen des eigenen Weltbildes auch die Kritik am Fortschrittskonzept gehört, dass unsere Wertordnung aber keine Infragestellung der Menschenwürde zulässt, sondern nur eine Diskussion darüber, worin sie besteht. (z.B. Emanzipation, Kopftuchstreit)

11.7.08

Mehr Demokratie wagen

Man hat gesagt und ich habe gesagt: Brandt hat die Studenten, die der Studentenbewegung anhingen, für die Bundesrepublik zurück gewonnen.
Wenn ich mein politisches Tagebuch von 1966/67 lese, sehe ich mehr noch das andere: Sehr viele warteten auf den politischen Wandel. Nach dem alten Adenauer, nach Erhard, der - trotz seiner anderen Ausrichtung als Adenauer - nichts wirklich Neues zustande brachte, sehnten viele sich danach, dass Demokratie auch durch den Wechsel von Regierung und Opposition ausdrücken werde, dass sie dadurch lebendig werde.
Die Große Koalition wurde von mir damals nicht als ein Zwischenspiel angesehen, sondern als den Wandel des CDU-Staats in österreichische Verhältnisse einer großen Dauerkoalition. Die Einführung des Mehrheitswahlrechts nicht als Chance für häufigeren Wechsel, sondern als Gefahr eines Festschreibens des Immobilismus: entweder weiter CDU-Staat oder Große Koalition. Beendigung demokratischen Wechsels.
Die Studentenbewegung wurde von mir ergriffen als Protest dagegen. Im Tagebuch ist nicht zu fassen, dass ich die Notstandsgesetzgebung als Schritt in einen totalitären Staat gesehen hätte.
Das stumpfsinnige Ho Ho Ho Chí Minh, die Idealisierung des DDR-Kommunismus, gar eine Mao-Verehrung waren meine Sache nicht, auch als ich als Mitbewegter Vorlesungen sprengte.
Die Wahl Heinemanns, Willy Brandts "mehr Demokratie wagen" ermöglichten es mir, nach der Studentenbewegung, die seit den Osterunruhen von 1968 mit ihrer extremen Gewalt gegen Sachen und der ausgeweiteten Gewalt gegen Personen nicht mehr meine Sache war, meine Hoffnungen auf demokratischen Wandel zu setzen.
Was hat die Studentenbewegung verändert?
Adorno, Horkheimer, Günter Anders gab es schon früher. Adorno, ein wichtiger Repräsentant der BRD vor 1968 wurde von den Studenten angegriffen und starb kurz darauf. Von seinen und Habermas' Ideen ist kaum etwas in die Studentenbewegung eingegangen. Aber sie weckte die Hoffnung, dass man als Bürger trotz alles Immobilismus' der Parteien etwas verändern könne. Sie bereitete den Boden dafür, dass Brandt in der jungen Generation enthusiastische Anhänger haben konnte.
Für mich persönlich hat sie damit Motivation geschaffen, auch in der gegenwärtigen Situation weiter für mehr Gerechtigkeit für die von der Globalisierung Ausgegrenzten einzutreten: für die Länder Afrikas, für Hartz-IV-Empfänger, auch wenn die Große Koalition sie abgeschrieben zu haben scheint.

9.7.08

Ethik und Biologismus


"Begreifen wir doch ein für allemal, daß der sittliche Fortschritt der Gesellschaft sich nicht der Nachahmung des kosmischen Prozesses verdankt, auch nicht dem Davonlaufen vor ihm, sondern dem Kampf gegen ihn ..." (Thomas Huxley)

Dies Rassisten und Predigern vom "Egoismus der Gene" ins Stammbuch, die Strategien und Verhaltensweisen als unveränderbar von der Natur vorgegeben betrachten.

5.7.08

Technik der Tagebucheinträge

Meine Technik, im Tagebuch eine 68ers viele Tagebucheinträge gleichzeitig ins Netz zu stellen und sie erst nach und nach "auszufüllen" verstellt leider den Blick auf das Wachstum und die neu entstandenen vollständigen Beiträge.
Deswegen werde ich hier gelegentlich Aussagen zitieren, die auf neu in den 68er-Blog eingetragene Passagen verweisen. So zum 3.4.:
Wen sollen die Feinde der großen Koalition denn wählen, wenn nicht NPD? Natürlich FDP, aber das liegt dem Durchschnittswähler leider nicht nahe genug und wird ihr vielleicht nicht helfen.

Hier sieht man, dass bei mir das Bedürfnis nach einer APO offenbar schon vor ihrem Bestehen existierte, und wie positiv damals die FDP von links von der SPD stehenden Bürgern beurteilt wurde.

2.7.08

Wikipedia und Mathematik

Da ich gerade dabei bin, sollte ich auch auf die Veranstaltung der Wikipedia Acadamy zu Mathematik hinweisen.

Wikipedia 50+

Link Wikipedia Generation 50plus

Illustration
Das Lerncafé macht darauf aufmerksam, dass es in der deutschen Wikipedia Anstalten gibt, vermehrt über 50jährige anzusprechen. Ich mach es hiermit auch und verweise dazu auch auf "Das kleine Wikipedia-Einmaleins".

23.6.08

Mobbing

Eine neue Motivation für Mobbing ist einerseits, wenn man mit seine Angriffe filmen und ins Netz stellen kann und wenn man im Chatroom anonyme Drohungen ausstoßen kann, ohne dass der andere eine Schriftprobe von einem hat. (ZEIT vom 19.6.08)

19.6.08

Kommentar zum Tagebuch des 68ers im Jahr 1966

Mir scheint beachtenswert, dass Vietnam kritisch gesehen wird, dass aber vor allem der Schock der Großen Koalition mit dem ehemaligen Nazi Kiesinger und dem Protagonisten der Spiegelaffäre von 1962, Franz Josef Strauß, zu dem Schluss führt, jetzt könne man nicht mehr SPD wählen: Vorbereitung einer Aufgeschlossenheit für die APO.

Aushöhlung der Verfassung

Das Urteil des Hessischen Staatsgerichtshofs vom 11.6.2008 bedeutet eine ausdrückliche Abkehr von der Bestimmung der Hessischen Verfassung, dass das Hochschulstudium unentgeltlich ist (Art.59 Absatz 1, Satz 1). Das wird im Minderheitsgutachten von 5 der 11 Richter (am Schluss des oben verlinkten Urteils wiedergegeben) überzeugend dargelegt. Die Mehrheitsentscheidung ist nur daraus zu erklären, dass man das Studium der zureichend Begabten nicht mehr als eine gesellschaftliche Aufgabe, sondern als eine Privatinvestition in Bildung ansieht. Die kostenlosen Darlehen sind dann die Subvention des Staates von volkswirtschaftlich als nützlich angesehenen Investitionen. Das widerspricht aber Geist und Buchstabe der Verfassung.
Anders als bei der extremen Einschränkung des Asylrechts durch Artikel 16a des Grundgesetzes hat diese Entscheidung aber nicht der Verfassungsgesetzgeber getroffen, sondern eine knappe Mehrheit der Richter des Staatsgerichtshofes.
Selbst die Zulassung des Angriffskrieges entgegen Artikel 26 des Grundgesetzes, wie sie vom Bundesverfassungsgericht entschieden wurde, war wenigstens indirekt durch die Änderung des Artikels 79 (1) des Grundgesetzes durch den Verfassungsgesetzgeber vorbereitet. (Auch wenn die Formulierung "Bei völkerrechtlichen Verträgen, die eine Friedensregelung [..] zum Gegenstand haben oder zur Verteidigung der Bundesrepublik bestimmt sind, genügt zur Klarstellung, daß die Bestimmungen des Grundgesetzes dem Abschluß und dem Inkraftsetzen der Verträge nicht entgegenstehen, eine Ergänzung des Wortlauts die sich auf diese Klarstellung beschränkt." Geist und Buchstaben des Artikels 79 (1) Satz 1 eindeutig widerspricht.) So konnte vom BVG argumentiert werden, die Verteidigung der BRD sei gefährdet, sobald sie sich innerhalb der NATO politisch isoliere.

Das Urteil des Hessischen Staatsgerichtshofes aber kommt ganz ohne Verweis auf eine veränderte Intention des Verfassungsgesetzgebers aus, sondern orientiert sich an Zeitgiest und den Bestimmungen eines einfachen Gesetzes.

Tagebuch von 1966 bis 1968

Ich plane jetzt, alle Einträge zu 1966 wenigstens anzufangen, damit - wenn möglich - im Laufe des Juni dieses Jahres alle Einträge von 1966 dort angedeutet sind.
Entsprechend wäre mit 1967 im Juli zu verfahren. Im August käme dann eine Pause. Das Jahr 1968 sollte dann im Septermber angefangen werden. Der Ausbau des Jahres 1968 sollte in diesem Jahr abgeschlossen werden.
Nach 1968 wären dann die Vorjahre zu vervollständigen. 1969 und die folgenden Jahre könnten dann ohne Druck nach und nach folgen

18.6.08

Biosprit 2

Inzwischen ist mein Blogeintrag vom 23.4. in einem interessanten Unterrichtsprojekt verwendet worden und Biosprit ist von der Weltbank als noch wichtigerer Preistreiber für Lebensmittel ausgemacht worden, als es bisher gesehen wurde.

Politische Einstellung

Ich bin von meiner Seite unbedingt für den Abbruch des Vietnamkrieges. Trotzdem weiß ich nicht, ob ich ihn als amerikanischer Präsident auch abbrechen würde und würde die Verantwortung für den Abbruch nur ungern tragen. (Allerdings lieber als für die Weiterführung.)

So habe ich am 15.10.66 in mein politisches Tagebuch geschrieben. Heute sage ich mir und anderen immer wieder: Meine Verantwortung ist nicht, mir für den hypothetischen Fall, dass ich Bundeskanzler wäre und dessen Informationen hätte, auszudenken, was ich für richtig hielte. Meine Aufgabe ist, mich für das einzusetzen, was ich für politisch richtig halte.
Deshalb bin ich weiter gegen deutsche Angriffskriege. Gegen den auf Serbien, gegen den auf Afghanistan und gegen den auf andere Staaten, weil ich die Grundgesetzregelung für richtig halte.
Ob mich Joschka Fischer irgendwann von etwas anderem überzeugt, weiß ich nicht. Jedenfalls sind Auschwitz und Kosovo zwei ganz unterschiedliche Sachen, auch Auschwitz und der 11.9.2001, auch Auschwitz und die Behinderung von Katastrophenhilfe in Birma. Das heißt nicht, dass ich die damalige Politik Serbiens, Osama Bin Ladens und die des birmesischen Militärregimes in irgendeiner Weise entschuldigen wollte. Die Menschenrechte sind als Rechtfertigung eines Angriffskrieges meiner Meinung nach untauglich. Wenn die UNO ein Eingreifen beschlösse, wäre das etwas anderes. Freilich - wie beim Koreakrieg mit der "Uniting for peace"-Resolution - wäre auch da später noch historisch zu prüfen, ob der Schritt wirklich gerechtfertigt war.

Tagebuch eines 68ers

Am 14. Juni bin ich darauf gekommen, mein politisches Tagebuch, das ich ab 1966 geführt habe, ins Internet zu stellen. So ganz ohne ist es nicht, weil ich beim Tippen Probleme mit meinem "Tennisellbogen" bekomme, besonders wenn ich abtippe, weil ich dabei leicht verkrampfe.
Ich versichere aber hier schon einmal, dass es bis 1968 führt und über 1968 hinausführt, auch wenn es nur langsam vorangeht. Zur Not werde ich hier gelegentlich etwas Späteres schon Getipptes zitieren, um mir Mut zu machen, dass es nicht vor 1968 steckenbleiben muss.
Hier das Link zum Tagebuch.

15.6.08

Selbstlerner

In großem Stil wird gegenwärtig in Freiburg von Externen das Abitur gemacht, die für selbstbestimmtes Lernen acht mündliche Prüfungen in Kauf nehmen. Sieben Monate haben sie sich selbst organisiert und damit einiges Risiko in Kauf genommen.

9.6.08

Sind Hausaufgaben sinnvoll?

Eine kluge Kategorisierung leistet das "Hausaufgabenschaf".
Lehrer würden zwar anders kategorisieren, aber die machen ohnehin keine Hausaufgaben ...

4.6.08

Beschulung des Nachmittags oder Entschulung?

Dass man mit der G8-Regelung die Zeiten für freiwillige Aktivitäten gerade in den Zeiten der Pubertät, wo Jugendliche Freiräume brauchen, wegnimmt, beweist, dass man die Argumentation, mit der Hartmut von Hentig, der vielleicht wichtigste Reformpädagoge der Bundesrepublik, für Entschulung eingetreten ist, nicht nur nicht ernst nimmt, sondern, dass man selbst seine Beschreibung der sozialen Wirklichkeit nicht zu registrieren bereit ist.
Über die Mittel zur Behebung der Krise mag man streiten. Dass die entscheidende Gefahr ist, dass den Jugendlichen die Motivation wegbricht, das sollte man bemerkt haben.
Wenn sich Jugendliche auch durch große Bildungsanstrengungen keinen Arbeitsplatz sichern können, dann muss entweder diese Situation beseitigt werden oder eine neue Basis für Motivation geschaffen werden. Sonst hat über kurz oder lang das gesamte Schulsystem die Probleme, mit denen die Hauptschule sich gegenwärtig herumschlägt.

29.5.08

Schule als lernende Organisation

Dies ist ein weites Feld. Allein, was bei einer Tagung in Dillingen über die Nutzung des Internets für die Schule zusammengestellt wurde, stellt beinahe ein Überangebot dar.
Aber man kann sich ja auf einen Punkt beschränken und sehen, ob einem das was bringt, und dann in vier Wochen noch einmal etwas anderes ausprobieren.

Wikipedia und Kommunikation

Eine mutige These mit einem hochinteressanten Beleg finde ich in Michael Kratky’s Weblog
Langfristig bin ich der Meinung, dass die Wikipedia auch für die Wissenschaft, zum Beispiel als Ort der Selbstpräsentation, immer attraktiver wird. [...]
Ein Extrembeispiel, das die eben aufgestellte These aber bestätigt, stellt der folgende, hier verkürzt und anonymisiert wiedergegebene Austausch zwischen einem Professor und einem 13-jährigen Schüler dar:

- Ist irgendwie zu hoch für mich, bedarf einer gründlichen Überarbeitung, ich verstehe nur Bahnhof!–18:00, 16. Feb.
- Kommt Ihnen die überarbeitete Fassung entgegen? –20:01, 17. Feb. 2007 (…)Gerade habe ich deine Selbstvorstellung gelesen: Schüler, 13 Jahre alt. Für dich ist dieser Artikel (leider) nicht geschrieben - obwohl ich mich freuen würde, wenn ich ihn so verständlich schreiben könnte, dass auch du ihn verstehst, und er dabei dennoch auch für Lehrer (und interessierte “Laien”) informativ wäre. Bleiben wir im Dialog? –20:04, 17. Feb.
- Ich sehe dass du dir sehr viel Mühe gegeben hast. Das ist ja erst die Rohfassung, vielleicht ändert sich in nächster Zeit ja noch etwas. Wikipedia ist ja für alle und es finden sich sicher noch welche, die mithelfen und vielleicht wird der Artikel dann auch so, dass ich ihn verstehe! –12:00, 18. Feb. (…)
- Ich habe den Artikel nochmals überarbeitet, vereinfacht, gekürzt. Ich habe dabei ziemlich stark an dich (…)gedacht und mich gefragt, was du jetzt verstehst und was nicht. Deine Skepsis war hilfreich für mich! Danke! (…)
Was verstehst du noch nicht? — 14:06, 19. Feb.
- Ähm, die Methodische Umsetzung und die Sieben Prinzipien! — 18:05, 19. Feb.
- “Sieben Prinzipien” sind jetzt zu drei “methodischen Aspekten” reduziert. (…) Was konkret ist an der “methodischen Umsetzung” nicht verständlich? –13:21, 25. Feb.
- Ich hab es jetzt noch einmal durchgelesen und verstanden! –14:05, 25. Feb.
- Ich verbuche das als Kompliment und bin entsprechend stolz. Danke für deine Hartnäckigkeit.– 13:56, 28. Feb.

Zu solch einem Dialog gehören in der Tat nicht nur ein besonderer Professor und ein besonderer 13-jähriger, sondern auch ein entsprechendes Wissensgebiet, auf dem der 13-jährige (als Schüler) sehr wichtige Grundkenntnisse mitbringt.
Doch auch in Mathematik oder den Naturwissenschaften, wo Spezialisten eine dem normalen Hochschulabsolventen ihres Fachs völlig unverständliche Sprache sprechen, lässt sich der Dialog in Wikipedia sinnvoll führen.
Systematisch versucht wird das in der Simple English Wikipedia, wo etwa die Heisenbergsche Unschärferelation auf einem vergleichsweise einfachen Niveau angeboten wird und dem Leser über die Diskussionsseite die Gelegenheit zur Nachfrage gegeben ist.

24.5.08

Schule kann gelingen

Herr Rau schreibt über den Bericht Enja Riegels über die Helene-Lange-Schule, dass er einerseits etwas neidisch ist, andererseits etwas enttäuscht, dass er nicht mehr über den Weg zum Erfolg erfährt. (So ging es mir bei der Lektüre auch.) Dann fährt er aber zu Recht fort: “Das Buch von Riegel sagt leider nicht, wie man dorthin kommt, wo die Helene-Lange-Schule ist, und auch das hat schließlich zwanzig Jahre gedauert - aber es zeigt, dass es möglich ist. Man muss wohl ein Ziel haben, auf das man nach und nach hinarbeitet.”

Wichtig ist aber ein zweites, worauf er hinweist: “Ansonsten, und das ist das, was ich von dem Buch vor allem mitnehme, gelten für diese öffentliche Schule im Prinzip die gleichen Lehrpläne, Vorschriften, Erlasse wie für alle anderen Schulen. Manche davon muss man kreativ erfüllen, andere umgehen. Und das kann man anscheinend, wenn man will.”

Damit man das erreichen kann, was Kultusminister mit ihren Vorschriften erreichen wollen, muss man bereit sein, diese Vorschriften zu umgehen.

Das ist leider nicht ungewöhnlich, aber es macht es nicht einfacher, sich mit gutem Gewissen an solche Vorschriften zu halten.

23.5.08

Geschichtsklitterung

Den 1968ern nachzusagen, sie hätten den Historikerstreit gegen Ernst Noltes in der FAZ ausgebreitete Thesen angefangen, wie es in der heutigen FAZ geschieht, heißt denn doch sich die Geschichte allzusehr zurechtzufrisieren.
Es war Habermas, der scharfe Kritiker der 68er und von ihnen unter die "Scheißliberalen" Gezählte, der ihn begann. Zu Recht war vorher im Artikel Habermas' Kritik an den totalitären Elementen der Bewegung angeführt worden.
Freilich Götz Alys Parallelisierung von nationalsozialistischen Angriffen von Studenten auf Professoren mit denen von 1968 hat er so nie vertreten, auch wenn er schon am 9.6.1967 in einer Diskussion mit Rudi Dutschke von einem linken Faschismus sprach. Denn im selben Atemzug hatte er ihre "voluntaristische Ideologie" mit dem utopischen Sozialismus verglichen und später ausdrücklich die Identifizierung des SDS mit den Studenten der 30er Jahre als grobes Missverständnis bezeichnet.
So schrieb er in einem Brief vom 13. Mai 1968 an C. Grossner:
Erstens habe ich damals nicht gesehen, dass die neuen Formen der Provokation ein sinnvolles, legitimes und sogar notwendiges Mittel sind, um Diskussionen dort, wo sie verweigert werden, zu erzwingen.
Zweitens hatte ich damals Angst vor den irrationalistischen Implikationen eines Vorgehens, das unter dem Topos 'die Spielregeln brechen' eingeführt wurde. Diese Befürchtungen hege ich auch heute noch, daher hat sich die Intention meiner damaligen Bemerkung nicht geändert. Freilich würde ich [...] heute [...] das Etikett des linken Faschismus vermeiden, und zwar nicht nur, weil dieses Etikett das grobe Missverständnis einer Identifizierung des SDS mit den rechten Studenten Anfang der dreißiger Jahre hervorgerufen hat, sondern weil ich inzwischen überhaupt unsicher geworden bin, ob das eigentliche Neue an den gegenwärtigen Revolten durch geistesgeschichtliche Parallelen getroffen werden kann.

12.5.08

Apokalypseblindheit

In seinem Buch Klimakrieg warnt Harald Welzer davor, über dem Blick auf die ökologischen Folgen des Klimawandels die sozialen, nämlich Krieg und Gewalt, die damit einhergehen werden, zu unterschätzen. Die drohende Apokalypse sei eine doppelte, die Apokalypseblindheit (das Wort hat Günter Anders geprägt) beziehe sich aber vor allem auf die drohende Gewalt. So ordnet er den Darfurkonflikt nicht den ethnischen, sondern den Klimakonflikten zu.

26.4.08

Sie

»Ist es ein Wunder, dass sie ausgerechnet auf ihn geschossen haben? Den mir liebsten unter meinen politischen Freunden.« Ulrike Meinhof im April 1968 über Rudi Dutschke
Es ist dieses "sie", vor dem wir uns zu fürchten haben. Die mangelnde Unterscheidung innerhalb von Gruppen. Das aus dem Blick Geraten des Individuums, das Verpassen von "Charaktermasken". Beide haben schwer für diesen aus ihrer Situation heraus nur zu verständlichen Fehler bezahlt.
Der eine als Opfer, die andere als Täterin und damit den Mittätern Ausgelieferte.

"Der Handelnde ist immer gewissenlos" (Goethe). Gut, dass Dutschke nicht alle seine politischen Pläne ausagieren konnte. Meinhofs Tragik, dass sie zum Handeln verführt wurde.
Nicht nur im Konzentrationslager gilt: Wenn überhaupt involviert, dann besser als Opfer, denn als Täter.
So ungeheuer das Unrecht, das dem Opfer widerfährt, auch sein mag.

23.4.08

Protest gegen gegenwärtige Biospritverordnung

Dass Benzin und Diesel in den nächsten Jahren immer mehr Agrarsprit enthalten sollen, ist eine große Fehlentscheidung. Diese Energie vom Acker heizt das Klima an, vertreibt Menschen, zerstört Regenwälder und führt zu mehr Hungertoten.

Ich bitte Sie im Interesse der Umwelt: Nehmen Sie die Entscheidung zurück, bis es möglich ist, aus Bioabfällen genügend Agrarsprit herzustellen. Dann wird er ein Segen sein.

So der Wortlaut meines Schreibens an Bundesumweltminister Gabriel.

Man kann bei Regenwald.org auch ein Flugblatt dazu herunterladen.

22.4.08

Was tun?

Wenn man politisch etwas erreichen will, sollte man nicht nur sich selber dafür einsetzen, sondern auch sein Geld, meint Wolfgang Kessler von Publik-Forum.
Wir kennen das vom Boykott, z.B. gegen Shell im Zusammenhang mit dem schwimmenden Öltank Brent Spar, der den mächtigen Ölkonzern zu einer Änderung seiner Politik bewogen hat. Aber man kann auch positiv sein Kapital für ökologische Investitionen einsetzen, z.B. über Ökofonds.
Aber man sollte auch den Staat dazu bringen, etwas zu tun. So könnte er z.B.:
1. sinnvoll investieren in Forschung und Bildung. (Dabei geht es vor allem um die Integration derer, die gegenwärtig aus dem Schulsystem herausfallen, damit sie nicht, wenn die Geburtenjahrgänge schwächer werden, zusätzlich zu den Rentnern mitversorgt werden müssen.)
2. Er sollte eine Mindestabsicherung für alle einführen. Freie Versicherungswahl sollte nur für Zusatzleistungen bestehen.
3. Er sollte zur Förderung ökologischeren Wirtschaftens kann eine Energiesteuer einführen, die zu 100% wieder zurückgezahlt wird, freilich pro Kopf eine einheitlicher Betrag, so dass sich umweltschonendes Verhalten für jeden lohnt.
4. Öffentlich kontrollierte Banken dürften nicht frei spekulieren.
5. Ein Teil des freien Geldes (im Promillebereich) sollte über eine Spekulationssteuer (Tobinsteuer) abgeschöpft und gezielt zur Bekämpfung von Armut eingesetzt werden.
6. Der Staat sollte auch auf Beteiligung der Arbeitnehmer an ihrem Betrieb hinarbeiten, weil das wieder Wirtschaften für ihre Interessen möglich machen würde.

Und schließlich könnten die Tarifparteien durch höhere Lohnabschlüsse mehr Inlandsnachfrage ermöglichen.

11.4.08

Götz Aly und die Studentenbewegung

Götz Aly, verdient als Holocaustforscher und durch sein Buch "Hitlers Volksstaat" (2005), der die materielle Seite der Zustimmungsmobilisierung durch die Nazis eindrucksvoll belegt, ist jetzt mit einem Buch über die Studentenbewegung hervorgetreten: "Unser Kampf. 1968 – ein irritierter Blick zurück", 2008.
Darin berichtet er u.a. von einer mit "Schweinejagd" bezeichneten Aktion im Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin, die darin bestand, Professoren bei einer Institutsbesetzung zu den Fenstern des Seminarraums zu tragen und ihnen anzudrohen, sie aus dem Fenster zu werfen. Er war dabei beteiligt. Was seine Rolle war, gibt er nicht an.
Dafür erklärt er, die Studentenbewegung von 1968 sei gleichsam die Fortsetzung der Studentenbewegung von 1933.
Interessant ist, was Rolf Schneider am 11.4. in der Frankfurter Runschau zu bemerken hat:
Bei der Besetzung der staatlichen Kunstschule in Berlin durch die SA-Studentenschaft wurde eine Prüfung "gewaltsam unterbrochen", die Professoren wurden "aus den Prüfungsräumen entfernt", die mit den Professoren sympathisierenden Studenten "gewaltsam zurückgedrängt" und eine vier Meter hohe Hakenkreuzfahne aufgerichtet. Als Aly diese Szene rekonstruierte, muss ihn die Frage heimgesucht haben: Hatte er als einer der Anführer der "Schweinejagd" im OSI nicht das Gleiche getan? Das Gleiche oder dasselbe? Und war auf dem vom "Wiedergänger" Aly mitverfassten Aufruf zur "Schweinejagd" nicht eine Karikatur zu sehen, auf der ein besonders großes Schwein namens Richard Löwenthal zu sehen war - eines jüdischen Professors, der in die USA geflohen und nach Deutschland zurückgekehrt war, um den jungen Deutschen die Demokratie beizubringen?
Womöglich, so spekuliere ich, sind es der Schock und die Scham über diese frappante Ähnlichkeit seiner eigenen Schandtat mit der der SA-Studenten gewesen, die dem erfahrenen Rechercheur Götz Aly und Holocaust-Experten die Handwerkszeuge des Historikers aus den Händen geschlagen haben. Statt seinem höchst angebrachten Schuldgefühl nachzugehen, flüchtet er sich in ein General-Verdikt der ganzen Generation ...

10.4.08

Ist doch der Genitiv der Tod des Dativs?

"Ausführlich widmet sich die Süddeutsche Zeitung noch einmal des höchstrichterlichen Urteils", so zu hören in einem Rundfunkkulturprogramm.
Gehobene Stilebene, aber die Kenntnis der Fälle scheint verlorengegangen.

8.4.08

Völkerverständigung

Zwar bin ich fest überzeugt, schon einmal auf dies Gespräch mit einem Aborigine eingegangen zu sein, aber da ich keinen Eintrag dazu finde, setze ich den Hinweis - noch einmal? - hierher.
Und das war's, was ich (freilich anderswo) geschrieben hatte:
Ich glaube, es bedarf nicht einer Tradition von 40 000 Jahren, um nicht verloren zu sein, sondern eine Aufgabe, die man voll und ganz annehmen kann.
Die kann dann ein Bei-sich-sein erzeugen wie bei Gandhi, den Männern des 20. Juli, Matin Luther King und Nelson Mandele.
Doch das Bei-den-Vorfahren-sein, wie es die Aborigines kannten, ist freilich seit Beginn der Jungsteinzeit verloren gegangen. Zu hektisch wurde da der Wandel.
Dagegen hat der junge Joseph laut Thomas Mann noch etwas von der alten Kontinuität gekannt, die die späteren Namensträger mit ihren Vorgängern verband wie etwa seinen Eliezer mit dem Abrahams.
Joseph „sah durch ihn hindurch eine unendliche Perspektive von Elezergestalten, die alle durch den Mund des gegenwärtig Dasitzenden Ich sagten, und da man im Dämmer des schattenmächtigen Baumes saß, hinter Eliezer aber die hitzig durchsonnten Lüfte flirrten, so verlor diese Identitätsperspektive sich nicht im Dunkel, sondern im Licht.“ (Der junge Joseph, zweites Hauptstück, S.312)
Ein Mitglied der stolen generation kann freilich nicht mehr so Ich sagen. Aber er wird sich bei seiner Entscheidung gegen Küstenaustralien und für Outback bewusst mit seinen Vorfahren identifiziert haben, für die das generationenumfassende Ich noch selbstverständlich war. Das unterscheidet ihn freilich von uns, die wir in Nachfolge von Bismarck, Ebert, Möllemann und Westerwelle ich sagen.

Lernen durch Lehren

Zwar habe ich die Methode schon einmal angesprochen, aber die Internetseite dazu noch nicht vorgestellt.
Dass auch die Initiative Teach first als wesentliches Merkmal "Lernen durch Lehren" enthält, habe ich bei meinem Bericht davon auch noch nicht angemerkt.

6.4.08

Erfolgreiche Kommunikation

"Wie verhalten wir uns in Netzwerken? Die Ratschläge von Stephen Downes zielen nicht auf "guten Umgang", sondern auf eine, sagen wir, "richtige Balance". Konkret:
1. Be Reactive
2. Go With The Flow
3. Connection Comes First
4. Share
5. RTFM [Read The Fine Manual]
6. Cooperate
7. Be Yourself"
Das habe ich als Post von Jochen Robes im Weiterbildungsblog entdeckt.
Dieser betont dabei, dass zum Share (Weitergeben) gehört, dass man nicht auf Win/Win fixiert ist, sondern bereit ist, weiterzugeben, ohne dass man dafür etwas erhält. Im Geschäftsleben sei das freilich kaum möglich, weil man ja ständig verkaufen, d.h. also sein Wissen rar machen muss.
Auch das Read The Fine Manual bedarf der Erklärung: Informiere dich über das, was ohne Fragen herausgefunden werden kann, bevor du fragst. - Begründung: Andere werden umso bereitwilliger Auskunft geben, je mehr sie den Eindruck haben, dass der Fragende nicht einfach nur zu faul ist, sich selbst zu informieren.

12.3.08

Teach first

Eine Initiative, die dem Dilemma zu entgehen sucht, dass man die Besten brauchte, um den Benachteiligten die bestmöglichen Bildungschancen zu bieten.
Die Zusammenarbeit innerhalb der Lerngruppen so zu gestalten, dass die Leistungsstärksten intensiv bei der Förderung der Leistungsschwächsten mitarbeiten, ist schwerer zu realisieren, als es die Theorie gern hätte.
Die Besten eines Jahrgang für den Lehrerberuf zu gewinnen, ist angesichts von Bezahlung und Image des Lehrerberufs illusorisch. Teach first hat sich jetzt zur Aufgabe gestellt, sie wenigstens kurzfristig für Tätigkeit in der Schule zu gewinnen, weil Motivation zu schaffen jetzt ja zu den Hauptaufgaben eines Managers gehört. Und wo ließe sich besser testen, ob einem das gelingt, als an einer Gruppe von Schülern, denen die Gesellschaft keinerlei Berufsaussichten bietet.
Wer da motivieren kann, kann auch Pazifisten für die Mitarbeit in einem Rüstungsbetrieb motivieren.
Der Gewinn für die Leistungsstarken ist dabei außer dem Härtetest die Stärkung ihrer Fähigkeit zur politischen Beteiligung.

11.3.08

Strategischer Konsum

Für mich ist diese Seite zu strategischem Konsum zugunsten der Bewahrung der Umwelt neu.
Ich werde aber öfter mal reinschauen, da das Konzept im Unterschied zu Franz Alts Sonnenseite mit einer Community zu arbeiten versucht.
Immerhin findet der mal positive Worte für Ypsilanti.
Dass es - wie damals bei Barschel - gelungen ist, den Ärger vom Täter (heute Koch) auf das Opfer (damals Engholm) umzuleiten, stärkt mein Vertrauen in die veröffentlichte Meinung nicht sonderlich.
Umso interessanter Versuche einer strategischen Utopie.

7.3.08

Abgebrannte Schule

Harmloser als ein Amaoklauf war die Idee, die eigene Akte zu verbrennen, die zum Abbrennen einer ganzen Schule führte, sicher.
War pädagogische Uneinigkeit der Lehrer schuld?

Siemens verkauft Elektroschrott

Ich gebe zu, das ist keine neue Erkenntnis. Neu ist, dass auf der Cebit deie Umweltunverträglichkeit der IT-Produkte angesprochen wird und neu mein spezifischer Ärger mit Telefonen der Siemens AG.

5.3.08

Schüler verbreiten Hoffnungsschimmer

Zumindest für eine Schule in Hessen ist für einen Teilbereich die funktionsunfähige LUSD, das vom Hessischen Kultusministerium vorgeschriebene Programm, ersetzt worden.
Zwei Schüler haben unterstützt von ihrem Informatiklehrer und in Zusammenarbeit mit dem Studienleiter des Alten Kurfürstlichen Gymnasiums in Bensheim wenigstens die Kurswahl in der Sekundarstufe II störungsfrei gestaltet. Ihr Programm Kurswahl-online ermöglicht Kurswahlen im Internet ohne die durch die LUSD vom Ministerium vorgeschriebenen Störungen.
Jetzt wird es spannend: Werden die anderen hessischen Schulen sich dies Programm zunutze machen, bevor es in Hessen eine neue Regierung geben wird?
In jedem Fal wird man aber auf die neue Regierung warten müssen, bis auch die Fehler bei Abiturzulassung, Notenberechnung etc. nicht mehr regierungsamtlich verordnet sind.

Wer hätte gedacht, dass die Linke einmal für alle hessischen Schüler zum Hoffnungsträger werden würde? Roland Koch und Karin Wolff ist es zu danken.

15.2.08

Eine Ministerin wird man leichter los als ein funktionsunfähiges Computerprogramm

Ein Lob auf die Demokratie! Zwar hat Frau Wolff durchgesetzt, dass das erwiesenermaßen funktionsunfähige Programm LUSD weiter benutzt werden muss, aber immerhin sie selbst geht. Sie hat vieles gut gemeint, aber ihr Weggang ist ein großer Gewinn.

Ein Verlust für jeden überzeugten Enzyklopedisten

Dass der Brockhaus die Druckausgabe seiner Enzyklopedie stoppt und 50 Mitarbeiter zu entlassen droht, ist sicher auf den Erfolg der Wikipedia zurückzuführen.
Als Wikipedianer sehe ich es aber mit sehr großem Bedauern. Es bedeutet eine Entwicklung vom Buch weg, die zu diesem frühen Stadium auch der Wikipedia nur schadet. Vorläufig enthält das Internet noch so wenig, dass die Wikipedia auf eifrige Buchleser als Autoren angewiesen ist.

4.2.08

Microsoft, Yahoo und Google

Microsoft will Yahoo kaufen. Google will Yahoo gegen die unfreundliche Übernahme stützen. Wie das geschehen soll, ist noch unklar.
Search Wikia hat sich arg viel vorgenommen.

24.1.08

Wikia search im Gespräch

Als Googlekonkurrent mit Mahalo im Gespräch und die User schreiben eifrig Minis.

16.1.08

Saisonarbeiterin Wolff

Knapp 14 Tage vor der Wahl entdeckt Frau Wolff, dass G8 und Verweigerung von Ganztagsschulenanträgen nicht gut zusammenpassen: "Mit diesen neuen Stellen werden wir weiter flächendeckend freiwillige Ganztagsschulen ausbauen, landesweit", heißt es in der Pressemitteilung vom 16.1..
Wer 14 Tage vor den Zeugnissen anfängt zu arbeiten, kann vielleicht nachgeprüft werden, aber nicht versetzt.
Regelmäßig lernen und nicht Saisonarbeit betreiben, bitte, Frau Kultusminister!

15.1.08

Erschreckendes Beispiel von Lernunfähigkeit

Zur Extrembelastung von Lehrern und Schulverwaltung durch das funktionsunfähige Computerprogramm LUSD (Lehrer- und Schülerdatenbanksystem) fügte die Hessische Kultusministerin Wolff noch die Überbelastung der Schüler der Sekundarstufe I hinzu durch Einführung von „Unterrichtsgarantie plus“ und Nachmittagsunterricht für Schüler ab der 5. Klasse im Zuge der Schulzeitverkürzung G 8.

Doch das ist nicht das Schlimmste. Erschreckend ist vor allem, dass sie, nachdem alle Experten ihr bescheinigt hatten, dass das Programm LUSD nichts taugt (so ließ der hessische Zentralcomputer den Jahrgangsbesten nicht zum Abitur zu) , daran festhielt, es müsse mindestens bis zum Schuljahresende 2008 weiter benutzt werden, obwohl funktionsfähige Programme am Markt sind. Und wirklich beängstigend ist, dass sie zwar eingestand, dass ihre Einführung von G 8 zu einer übermäßigen Belastung der Schüler führt, aber nicht bereit war, wenigstens für diese Schüler die Belastung durch Verzicht auf „Unterrichtsgarantie plus“ herabzusetzen. Statt selbst zu handeln, schiebt sie die Verantwortung auf Kultusministerkonferenz und die Einzelschulen ab, denen sie zuvor die Einführung der Ganztagsschule reihenweise abgelehnt hat.

14.1.08

Videohandyeinsatz an Schulen abschaffen

Über Selbstverpflichtung, über Verbote?

6.1.08

Legale Korruption

Nach einem Wort Hermann Scheers gibt es bei uns in der Bundesrepublik legale Korruption durch Bezahlung im Anschluss an die ausgeübte Tätigkeit.
Ein Schelm, wer dabei an Gazprom denkt.