Posts mit dem Label Facebook werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Facebook werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

10.4.18

Zuckerbergs Befragung vor dem US-Kongress und Faktencheck durch die NYT (Livestream)

Livestream der Befragung

Zuckerberg is scheduled to appear before a joint hearing of the Senate Judiciary and Commerce committees on April 10 (Tuesday). Zuckerberg will also appear April 11 (Wednesday) in a hearing before the House Energy and Commerce Committee.
Tuesday will mark Zuckerberg's first congressional appearance, and lawmakers are sure to grill the 33-year-old executive of one of the world's most valuable companies. Here's how you can watch lawmakers seek further details about abuse of the Facebook platform and the company's actions.
Livestream der Befragung
(https://www.cbsnews.com/live-news/watch-mark-zuckerberg-testimony-senate-judiciary-commerce-committee-facebook-data-breach-today-live/)

Tweets dazu

Faktencheck zu seinen Aussagen durch die New York Times
https://www.nytimes.com/2018/04/10/technology/zuckerberg-elections-russia-data-privacy.html 

Mark Zuckerberg bleibt die zentrale Antwort schuldig NZZ 11.4.18


Focus 11.4.18:
"19.10 Uhr:Senator Loebsack stellt nun die existenziellen Fragen: Ist es möglich für Facebook, als Unternehmen zu existieren, wenn man keine Daten verkaufen würde?
Zuckerberg korrigiert sofort: Man verkaufe keine Daten an Firmen.
Loebsack schlägt zurück: Wenn man die Daten teile anstatt verkaufe?
Das kann Zuckerberg nicht wirklich mit Ja beantworten."

Welt 12.4.18: Diese vier Fragen will Mr. Zuckerberg nicht beantworten
 Lindsey Graham aus South Carolina "wollte schlicht wissen, wer Facebooks Rivalen sind. Der Gedanke hinter der Frage ist, dass Facebook womöglich eine Monopolstellung besitzt und der Markt mehr Wettbewerb benötigt. Zuckerberg wirkte verunsichert, geriet ins Stottern. Welche soziale Plattform sollte er als Konkurrenten nennen? Instagram und WhatsApp wären Möglichkeiten – aber die hat Facebook ja gekauft. Und so blieb Zuckerberg die Antwort schuldig."

FAZ 11.4.18:


Spiegel online: US-Senatoren grillen Mark Zuckerberg

ZEIT: Der große Datenmissbrauch

4.4.18

"Facebook ist nicht Google, es hat nicht die gleiche Qualität der Mitarbeiter"

"Facebook ist nicht Google, es hat nicht die gleiche Qualität der Mitarbeiter", sagt Andreas Weigend 
Das schreibt die ZEIT. Sie fährt fort, der Apple-Chef Tim Cook habe gesagt, "Ich wäre nicht in dieser Situation" und lege damit nahe, "dass Apple zu klug war, um den Nutzer selbst samt seiner Daten zum Produkt zu machen". (ZEIT online 4.4.18)

Ich fühle mich in meiner jahrelangen Ablehnung von Facebook bestätigt.
Zwar halte ich auch Googles Umgang mit den Daten seiner Nutzer für fragwürdig, und ich versuche, seine Marktmacht möglichst wenig zu fördern. Aber da, wo Google das beste Instrument liefert, scheue ich nicht davor zurück, es einzusetzen, auch wenn ich versuche, es zu umgehen. In der ZEIT heißt es auch: "Entsteht aus dem Facebook-Skandal ein gesundes Verhältnis zu Daten? Unmöglich ist das nicht." In diesem Fall hoffe ich mit, auch wenn die Hoffnung nicht sonderlich gut begründet ist.
Ich wäre schon froh, wenn ein gesunderes Verhältnis zu Daten herauskäme.

28.3.18

Facebook, Datenschutz und zur Reaktion auf erfolgreichen "Datenklau"

Vermutlich sind persönliche Daten über Einstellungen von 50 Mill. Personen bei Facebook abgegriffen und vielleicht für die Optimierung des US-Wahlkampfs verwendet worden.

Die evangelische Kirche von Hessen-Nassau stellt daher Forderungen auf, hat aber weiterhin vor, ihre Verkündigung über Facebook zu verbreiten.
Das scheint mir unproblematisch, sofern sie damit nur dir für den Predigtzweck erforderlichen Daten ihrer Organisation preisgibt. Wenn man aber für die Verkündigung den Dialog für nötig hält, wird es problematisch. Auf der Seite der EKHN heißt es:
„Das Evangelium ist doch zuerst ein persönliches Zeugnis“, stellt Social-Media-Pfarrer Hans Genthe fest. Da kämen die Sozialen Medien wie gerufen. Während Zeitungen und Bücher, ja die Bibel selbst, keinen Dialog ermöglichten, seien die Sozialen Medien auf persönliche Ansprache und Austausch angelegt. 
Wenn man jetzt, bevor Facebook auf die Forderungen reagiert hat, das Netzwerk völlig unverändert auf Facebook betreibt, erscheint mir das problematisch.
Manche Kritik an sozialen Netzwerken scheint mir überzogen, aber gegenüber Facebook ist ein unbekümmertes Weiter so aus meiner Sicht das falsche Signal.

mehr zu Facebook:
Der Techlash erwischt Facebook von Gundula Stoll 28.3.18

3.2.18

Sollte das Internet nicht mehr böse sein?

Herr Rau schreibt:
"[...] Das Internet war plötzlich kein Ort des Bösen mehr, sondern auch ein Ort der Verwirklichung, der Kommunikation und Zusammenarbeit. Das war ja bereits die Sicht der Minderheit, die 2005 im Web war - bevor dann das Internet Massenphänomen wurde und Facebook das Web 2.0 kaputt gemacht hat. Ganz kaputt? Nein, die Urgesteine von damals gab und gibt es immer noch." (Lehrerzimmer 3.2.18)

Es lohnt sich, den vollständigen Artikel zu lesen.

Ich war damals noch kein Blogger, sondern nur bei Wikipedia und ZUM-Wiki, aber Facebook empfand ich auch (wie die Kultusminister) als einen argen Angriff auf die Privatsphäre. 
Dazu habe ich 2011 geschrieben:
"Facebook lehne ich ab. Die Beseitigung von Privatheit (dazu jetzt auch Computerbild), die Facebook aggressiv betreibt, widerspricht m.E. eindeutig dem Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung. [...]" (19.11.11)

Jetzt haben Google und andere nachgezogen; aber die Vorzüge des Netzes sind weitgehend geblieben.
Was schlechter und was besser geworden ist, zähle ich aber nicht auf. Viel zu viel!
Bei Gelegenheit äußere ich mich vielleicht zu meinem subjektiven Eindruck.

Nur so viel. Dass die Wikipedia inzwischen nicht zu schlecht, sondern für viele Schüler zu anspruchsvoll  geworden ist, hat ebenso Vor- wie Nachteile.


25.12.15

Steffen Martus' mediengeschulter Blick auf die Aufklärung

Wenn Steffen Martus in "Aufklärung. Das deutsche 18. Jahrhundert" die Politik der deutschen absolutistischen Fürsten am Anfang des 18. Jahrhunderts beschreibt, wirkt es wie aus dem Handbuch der großen Internetfirmen Google, Facebook, Amazon oder ihrer literarischen Repräsentation "Der Circle". Man muss nur die Stichwörter Aufklärung, Fürst etc. durch die passenden Wörter der Internetwelt ersetzen:
"Attraktivität war für die neue Politik auf dem Weg zur" Marktbeherrschung "überhaupt entscheidend, denn der Posten des" Datenlieferanten "sollte reizvoll erscheinen und nicht nur" aufgrund von Ausspähung "eingenommen werden. Wie also versah man" einen Internetdienst "mit so viel Anziehungskraft, dass sich die Menschen gern der Regierung" durch einen Dienstanbieter "unterstellten? Hochschulen" und Schulen "wurden von den" angehenden Monopolisten gern als Instrumente für "solche Fragen begriffen." (Aufklärung. Das deutsche 18. Jahrhundert, S.110/111)*

Wie führt man den Wandel herbei? Internetfirmen müssen dafür sorgen, dass Schulen und Hochschulen möglichst durchgängig mit Computern versorgt sind und mit Computern arbeiten (auch wenn das für die Grundschulen weitgehend sinnwidrig erscheint), Wenn erst einmal genügend Computer angeschafft sind und sich Kinder an den Umgang damit gewöhnt haben, kann man Computer auch im Privatbereich durchsetzen. Mit den Smartphones ist nun endlich auch schon für Dreijährige der Zugang zum Internet eröffnet und Kinder sind - weil noch arglos - ideal geeignet als Datenlieferanten und - um nun das Wort der absolutistischen Fürsten zu gebrauchen - in ihre Rolle als Untertanen eingeführt zu werden.

*Auf die Zeit des 18. Jahrhunderts bezogen formuliert Martus wie folgt:
"Attraktivität war für die neue Politik auf dem Weg zur Aufklärung überhaupt entscheidend, denn der Posten des Untertanen sollte reizvoll erscheinen und nicht nur  auf Befehl eingenommen werden. Wie also versah man ein Herrschaftsgebiet mit so viel Anziehungskraft, dass sich die Menschen gern der Regierung eines Fürsten unterstellten? Hochschulen wurden von den Obrigkeiten der Frühen Neuzeit und vor allem in der Aufklärung  als eine Antwort auf solche "Fragen begriffen." (Aufklärung. Das deutsche 18. Jahrhundert, S.110/111 - Hervorhebungen von mir)

Es geht um eine Neuerrichtung eines Systems von Obrigkeit und Untertanen in ihren Herrschaftsgebieten. Zwischen denen werden die Kämpfe ausgefochten und wir folgen der Attraktivität unserer Herrscher. Wenn Martus das nicht als Kennzeichen unserer Zeit erkannt hätte, hätte er das 18. Jahrhundert nicht so treffsicher als strukturgleich mit dem Internetzeitalter beschreiben können. 


24.7.13

Einsatz von Sozialen Netzwerken durch Lehrer in Baden-Württemberg

Der Einsatz von "Sozialen Netzwerken" an Schulen
Handreichung des Ministeriums für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg zum Einsatz von „Sozialen Netzwerken“ an Schulen.

Dass in Sozialen Netzwerken keine personenbezogenen Daten von Schülern verarbeitet werden sollen, scheint mir aus datenschutzrechtlichen Gründen sinnvoll. Merkwürdig wird es, wenn über soziale Netzwerke keine Unterrichtsmaterialien ausgetauscht werden sollen.
Dass mithilfe von 140 Zeichen bei Twitter keine Tests und Arbeitsblätter ausgetauscht werden können, versteht sich von selbst. Wenn aber auch keine Informationen über den Fundort von Unterrichtsmaterialien ausgetauscht werden dürfen, dann wird die Nutzung von Twitter zumindest für Politiklehrer obsolet. Denn wie will man privat politische Informationen austauschen, ohne in Gefahr zu geraten, damit auch mögliches Unterrichtsmaterial auszutauschen? Wenn man aber das soziale Netzwerk weder für schulische noch für nahe liegende private Zwecke nutzen darf, woher soll man dann die Informationen beziehen, die einen befähigen, über Nutzen und Gefahren der sozialen Netzwerke zu unterrichten und dabei glaubwürdig zu sein?

Nach allem, was ich beobachte und mir sagen lasse, gehen viele Erwachsene, also auch Lehrer, sträflich leichtsinnig mit privaten Informationen, gelegentlich wohl auch über Schüler, um. Ein generelles Verbot des beruflichen Umgangs mit sozialen Netzwerken bei gleichzeitiger Verpflichtung, über sie zu unterrichten, scheint mir doch ein arger Schildbürgerstreich.

Entmündigung des Bürgers allenthalben: Lass dich unbesorgt ausspähen und deine verschlüsselten Mails entschlüsseln lassen, aber hüte dich, dir ein eigenes Urteil zu bilden über Gegentände, zu denen du Unterricht halten sollst.

Zur Situation in anderen Bundesländern sieh Soziale Medien in Schulen: Länder verordnen Lehrern Facebook-Schranken Spiegel online, 24.7.13



19.11.11

Googles Angriff auf meine Privatsphäre

Seit Google+ existiert, terrorisiert mich Google: es ordnet meine Dateien neu, schreibt meine E-Mails um (meine Adressaten erhalten einen anderen Text, als ich eingegeben habe).
Mein Experiment mit Google+ ist damit abgeschlossen.
Bevor ich mich abmelde, werde ich freilich erst noch darauf hinweisen, was dabei geschieht. Um Facebook Konkurrenz zu machen, nutzt Google die Google-Programme, die der Benutzer verwendet, um den von Googleprogrammen verwalteten Daten zu schalten, wie es will.
Die Willkür unterscheidet sich kaum noch von Facebook.

Bei dem Versuch, Bilder mit Picasa zu verkleinern, fing dies plötzlich an, alle Gesichter von ihm erreichbaren Fotos einzuscannen. Es war, bis ich das bemerkt hatte, schon bei über 2000 angelangt. Jetzt muss ich wohl auch Picasa deinstallieren. Was nutzt mir, wenn ich die eingescannten Gesichter nicht mit Namen versehe. Das Schlimme ist ja, dass die Googlesoftware unerlaubt mit den ihr erreichbaren Daten arbeitet.
Ich habe es hingenommen, dass Google all meine E-Mails liest, weil ich zum einen nicht in E-Mails schreibe, was dringlich der Vertraulichkeit bedarf, und ich mir angesichts der zu verarbeitenden Datenmengen ausrechnete, Google würde nur statistisch Auswertungen vornehmen und keine anderen als Werbezwecke verfolgen.
Dessen bin ich mir in keiner Weise mehr sicher.
Google ist auf einem Weg, auf dem es gestoppt werden muss (oder sich selbst stoppen muss), wenn verhindert werden soll, dass es die Menschenwürde angreift.

19.10.11

Social Learning Blogparade 1

Ich greife die Anregung von Cornelie Picht und Julian Grandke auf, an einer Social Learning Blogparade teilzunehmen, und beginne mit den ersten beiden Fragen:

Was verstehe ich unter Social Learning? 
(Die 3 wichtigsten Kennzeichen)

Meine erste Reaktion, wenn ich diese Frage lese, ist, in der Wikipedia oder bei einem der Blogs, die über Social Learning schreiben, also bei "Experten" nachzusehen. Dabei weiß ich, dass in der Wikipedia meist keine Experten schreiben und die, die Experten sind, immer, was andere schreiben, wiedergeben sollen, nicht, was sie selbst wissen. Und auch, dass für diese Blogparade die Devise ausgegeben worden ist, es gäbe keine Experten für Social Learning.
Also schnell mein erstes Kennzeichen: Zusammenarbeit
Bei meinen ersten Schritten mit der Wikipedia hatte ich meinen Inhalt vollständig eingegeben, nur wusste ich nicht, wie ich ihn speichern sollte. Ich habe meinen Sohn angerufen, der hat mir gesagt, worauf ich klicken sollte und woran ich die Speicherung erkennen würde.
Dann wurde ich gefragt, ich arbeitete in der mittelalterlichen Geschichte, ob ich nicht auch ...
Als ich mit Wikipediamethoden (ein anderes Kapitel) dazu gebracht worden war, eine Nacht lang einen Artikel völlig umzubauen, fand sich bald jemand, der das begleitete. Alle weiteren größeren Änderungen haben wir nur in gegenseitigem Einvernehmen unternommen.
Nun ist, sich helfen lassen, und mit anderen zusammen zu arbeiten zwar Lernen im sozialen Kontext, aber nicht das, was der englische Fachausdruck mir an Assoziationen weckt.
Daher mein zweites Kennzeichen: Lernen im Internet
Zusammenarbeit bestimmt den größten Teil unseres Lebens, aber nur im Internet ist es möglich, ohne größeren Aufwand Arbeitspartner zu finden.
Als ich ein deutsches Wort vom Anfang des 19. Jahrhunderts, das damals noch keine Suchmaschine kannte, ins Wiktionary einfügte und nicht recht damit zurechtkam, flugs hals mir ein Zwölfjähriger auf die Sprünge.
Die Entzifferung eines Manuskripts aus dem frühen 19. Jahrhundert hatte ich lange betrieben, erst Bekannte von der Wikipedia machten es möglich, dass eine Edition bei Wikisource daraus wurde. Dabei haben sie mir so viel beigebracht, dass ich glaube, die Hauptarbeit daran selbst getan zu haben. In der Tat, was gelernt.
Als drittes Kennzeichen wähle ich: Lernen in lockerer Gemeinschaft 
Wenn ich von meiner Frau, meinen Kindern, meinem Freund, von meinen Arbeitskollegen etwas lerne, so tue ich das in einer dauerhaften Verbindung. Im Internet findet man sich zu einer Zusammenarbeit oder an einer Lernaufgabe und verlässt sich, wenn diese abgeschlossen ist. Es bleiben freilich mehr oder minder lockere Verbindungen (manche können sich sogar zu dauerhaften auswachsen), die man reaktivieren kann, wenn es um eine neue Aufgabe geht.

Welche Tools und Methoden haben mich begeistert? 
(Beim Lernen, in der Lehre, im Training)


Keine.


Begeistert hat mich von Anfang an, die Möglichkeit, anderen etwas anzubieten, was sie nutzen können oder auch nicht. Dass ich niemanden zu motivieren brauche, Material, das ich ins Internet einstelle, zu verwenden.
Wenn ich also doch ein Instrument nennen soll, so wäre es das Internet. Ich glaube aber nicht, dass man im Kontext des Social Learnings das Internet als Tool versteht.
Dann natürlich die Wikipedia. Auch kein Tool, sondern ein großartiges Gemeinschaftsunternehmen, an dem mich fasziniert hat, dass man mit sehr schwachen Kraften etwas sehr Großartiges, was über die Leistungsfähigkeit eines Genies hinausgeht, noch verbessern kann.
Dann habe ich einen Blog angefangen. Hat er mich begeistert? Natürlich erlaubte er mir sehr viel einfacher als meine Homepage, Inhalte ins Netz zu stellen. Aber das war für mich lange kein großer Unterschied.
Erst als ich durch cspannagel in den Hype um Lernen durch Lehren von Jean-Pol Martin gezogen wurde (den und LdL schätzte ich schon länger), merkte ich, dass sie nicht nur Rückmeldungen und das Knüpfen von Kontakten erlaubten, sondern dass man dabei ausführlichen Diskussionen folgen und in diese neue Aspekte einbringen konnte.  Also Blogsoftware und die Kommentarfunktion sind mir wichtig, ja.
Gegenüber Twitter war ich misstrauisch, habe meinen Account dort auch einige Zeit ruhen lassen, doch inzwischen habe ich mehrere Accounts aufgemacht, die ich zwar fast durchweg sehr vernachlässige, aber auf Twitter verzichten würde ich ungern.
Facebook lehne ich ab. Die Beseitigung von Privatheit (dazu jetzt auch Computerbild), die Facebook aggressiv betreibt, widerspricht m.E. eindeutig dem Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung.  Und die ist mir wichtiger als die vielen schönen Instrumente, mit denen das Internet soziales Lernen erleichtert. Wenn Social Learning nur in einer Gesellschaft möglich wäre, in der die Regeln von Facebook gelten, würde ich darauf verzichten.
Ich weiß etwas über die Möglichkeiten, auch bei Facebook eine gewisse Datenautonomie zu erhalten, ohne mich darin wirklich auszukennen. Wer Experte ist, wird vermutlich auch bei Facebook noch seine informationelle Selbstbestimmung erhalten können, zumal wenn er aus bewusster Entscheidung seine Privatsphäre energisch beschränkt oder auch ganz aufgibt.
Weil Facebook aber so leicht zugänglich ist, dass es auch dem in Datenschutz ganz Unbefangenen den Zugang erlaubt, hat es für mich dieselbe moralische Integrität wie die Stasi. Die war (als Organisation, nicht alle Mitglieder) auch davon überzeugt, dass ihr System richtig sei.

Weitere Tools? Natürlich braucht man viele, manche weniger als andere. Doch das führte mir zu weit.

Hier der Ort, wo die anderen Beiträge zur Blogparade gefunden werden können.

3.2.11

Digitaler Selbstmord oder digitaler Scheintod?

"Frauke Lüpke-Narberhaus will es wissen: Sie hat ihr digitales Leben beendet." So berichtete Spiegel online am 3.2.2008.
Sie erläuterte ausführlicher:
Drei Jahre habe ich mich in den Netzen von StudiVZ, Facebook und Xing verstrickt. Ich gehörte zwar nicht zu jenen Nackedeis, die sich online komplett entblößen und ihre Privatsphäre ins Internet stellen. Und trotzdem: Ich habe gratuliert, geschrieben, gegruschelt, genetzwerkt, gemustert, gelästert, gelacht. Das ist ab heute vorbei. Ich steige aus.

Heute - nach drei Jahren - berichtet sie wieder in Spiegel online:
Mein digitaler Selbstmord ist gescheitert. Drei Jahre lang versank ich regelmäßig bei Facebook, StudiVZ und Xing, bis ich im Februar 2008 genug hatte und dieses digitale Leben beendete. Andere würden sagen, ich habe mir maximal den digitalen kleinen Finger abgeschnitten, denn E-Mails schrieb ich genauso wie zuvor, und auch auf Online-Banking verzichtete ich nicht.[...] Ohne Facebook mailte und simste ich mit meinen Freunden, statt Nachrichten zu schreiben.

Als sie dann zu Facebook zurückkehrt musste sie feststellen: "Facebook ließ mich damals nicht sterben [...] Ich wollte ein neues Leben beginnen, aber mein altes war noch da. Für einen Neubeginn bei Facebook brauchte ich eine neue E-Mail-Adresse."

Der "Selbstmord" gelang also erst bei der Rückkehr. Bis dahin war sie nur scheintot, so wie ich es auch bin, der ich ein paar Wochen bei Facebook war und mich vor einigen Monaten abgemeldet habe.
Ihr neues Leben hat sie damit begonnen, Facebook anders zu nutzen: "Ich nutze es kaum noch, um mich abzulenken, sondern fast nur noch, um mich bewusst zu informieren, zu kommunizieren und zu recherchieren."

Ob sie uns wohl auch davon berichten wird, wenn ihre Nutzung sich wieder hochschaukelt und sie gar wie nach einer Abmagerungskur einen Jo-Jo-Effekt erlebt?
Lästern sollte ich keineswegs. Mein einziger Scheintod war beim Karl-May-Wiki. Sonst versuche ich meine Wikis und Blogs halbwegs regelmäßig zu bedienen, auch wenn's bei dem einen leichter fällt als bei dem anderen ...

6.12.09

Freundschaft auf Facebook

Ich habe mich auf Facebook um eine zweite Freundschaft beworben. Bei Henio Zytomirski. Ich scheue mich auch nicht, sein Facebookaccount zu verlinken, obwohl er erst 7 Jahre alt ist. Ihm droht kein Cybermobbing.
Er ist nämlich ein Zeitzeuge für das, was mit ihm und seiner Familie passiert ist, damals in Lublin und dann im KZ Majdanek. Ihm sind viele Facebook-Freunde zu wünschen, denn er hat eine Botschaft, die dadurch, dass man jetzt knapp 70 Jahre nichts mehr von ihm gesehen hat, nicht weniger aktuell geworden ist.
Nachtrag vom 13.11.2012:
Der Link zur Facebookwall von Henio Zytomirski führt mich nicht mehr dorthin. Die virtuelle "Freundschaft" (Verbundenheit) mit ihm ist damit nicht beendet, wohl aber die mit Facebook.
Nachtrag vom 31.1.2019:
Hier der Wikipediaartikel zu: Henio_Zytomirski