An den Schulen, bei denen ich das beobachten konnte, hat sich mit der Einführung des Punktesystems für die Spitzenschüler der Notenschnitt verbessert. Das ist nahe liegend, weil man mit 15 Punkten die deutlich schwächeren 11 Punkte (eine ehemalige 2) zu 13 Punkten (also 1) "ausgleichen" kann.
Entsprechend verbesserte sich mit Einführung des Zentralabiturs wiederum der Notenschnitt der landesweit besten Schüler. Da Lehrer für den Leistungsvergleich nur die Leistungen innerhalb der Lerngruppe (also höchstens die der eigenen Schule, nie die innerhalb des gesamten Bundeslandes) zur Verfügung haben, werden sie in besonders guten Lerngruppen daher eher weniger Spitzennoten vergeben als in schwächeren. Für die in solchen Gruppen als "nur" gut eingeschätzten Schüler führt das dazu, dass sie im Landesdurchschnitt zur Gruppe mit sehr gut gehören.
Wie weit dieser allgemein geltende Effekt noch durch weitere Veränderungen begünstigt wurde, vermag man als einzelner Lehrer nicht zu beurteilen. Dazu muss eine größere Gruppe als er beobachten kann, untersucht werden.
Der Faktencheck des Spiegel (Faktencheck: Bekommen Schüler wirklich immer bessere Noten?, 12.12.16) scheint meine allgemeinen Vorüberlegungen zu bestätigen. Was die weiteren Veränderungen (Stichwort: Kompetenzorientierung) betrifft, liegen offenbar noch keine Untersuchungen vor, die belastbare Aussagen für das gesamte Bundesgebiet ermöglichen. Da die Testergebnisse deutscher Schüler sich aber im internationalen Vergleich seit der ersten PISA-Untersuchung verbessert haben, wäre von daher eine Verbesserung des Notendurchschnitts durchaus gerechtfertigt. - Das besagt freilich noch nicht, dass die Entwicklung des Notendurchschnitts in allen Bundesländern genau der Entwicklung des Leistungsstandes entspricht.
Posts mit dem Label Notengebung werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Notengebung werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
16.5.14
Offener Brief: "PISA gefährdet Wohlbefinden von Schülern und Lehrern"
Ich zitiere einen kleinen Abschnitt aus dem Brief und unterschreibe ihn hiermit auch (wenn auch nicht auf Papier)
Dabei möchte ich aber betonen, dass die Absicht durchaus eine lobenswerte ist und dass PISA auch sehr viel dazu beigetragen hat, dass Erfahrungen in anderen Ländern rezipiert und für Reformschritte genutzt wurden.
Aber Standardisierung steht notwendigerweise in Konflikt mit Schülerzentrierung. Beides ist sinnvoll, und es bedarf einer pädagogischen Entscheidung, wem im jeweiligen Fall der Vorrang gegeben wird.
Im Zweifelsfall gilt die Regel: Schülerzentrierung fürs Lernen und Lehren, Standardisierung für die Qualitätssicherung. Für Prüfungen muss aber ein erheblicher Anteil Schülerorientierung erhalten bleiben, sonst erhält man verfälschte Ergebnisse.
Zur deutschen Fassung des offenen Briefes (pdf)
Die Antwort Andreas Schleichers auf den Brief (pdf)
Hier ein kurzes Zitat; aber bitte den ganzen Text lesen!
"The OECD does, of course, contract specific technical services out to individuals, institutions or companies. Where it does, these individuals, institutions or companies are appointed by the OECD following an open, transparent and public call for tender. This transparent and open process ensures that each task is carried out by those entities that demonstrate they are best qualified and provide the best value for money"
Mit einzelnen Aussagen hat Schleicher durchaus Recht. Aber die Art seiner Argumentation macht deutlich, dass er die Kritik entweder nicht versteht oder nicht verstehen will. Ja seine Argumentation klingt genau wie das klassische Dementi, das durch die Formulierung dessen, was es dementiert, deutlich macht, das der Vorwurf begründet ist.
Das Problem ist ja nicht, dass zu viele Schüler am PISA-Testverfahren teilnehmen, sondern dass die PISA-Tests dazu geführt haben, dass schon in der 3. Klasse landesweite standardisierte Tests durchgeführt werden, die die Lehrer neben ihrer Arbeit auszuwerten haben und die einen erheblichen Leistungsdruck schon in die ersten Schuljahre hinein getragen haben.
Dabei ist fruchtbares Lernen doch etwas ganz anderes als die effektivste Methode, standardisierte Tests zu bestehen.
Ein Beispiel?
Was Lernen durch Lehren leistet, lässt sich durch PISA-Tests schwerlich evaluieren. Mehr dazu im MOOC über Lernen durch Lehren.
über Probleme der Notengebung von Bob Blume
"Wir können nicht verstehen, wie die OECD zum globalen Schiedsrichter über Mittel und Ziele von Bildung in der ganzen Welt werden konnte", heißt es in dem Schreiben. Die enge Ausrichtung der OECD auf standardisierte Tests drohe Lernen in Pedanterie zu verwandeln und Freude am Lernen zu beenden. Durch den von PISA stimulierten internationalen Wettlauf um Testergebnisse habe die OECD die Macht erhalten, weltweit Bildungspolitik zu bestimmen, ohne jede Debatte über die Notwendigkeit oder Begrenztheit der OECD-Ziele. "Durch das Messen einer großen Vielfalt von Bildungstraditionen und -kulturen mit einem engen und einseitigen Maßstab kann am Ende unseren Schulen und unseren Schülern irreparabler Schaden zugefügt werden", warnen die Autoren.Zum Nachlesen des Briefes, so weit er in bildungsklick.de veröffentlicht ist.
Dabei möchte ich aber betonen, dass die Absicht durchaus eine lobenswerte ist und dass PISA auch sehr viel dazu beigetragen hat, dass Erfahrungen in anderen Ländern rezipiert und für Reformschritte genutzt wurden.
Aber Standardisierung steht notwendigerweise in Konflikt mit Schülerzentrierung. Beides ist sinnvoll, und es bedarf einer pädagogischen Entscheidung, wem im jeweiligen Fall der Vorrang gegeben wird.
Im Zweifelsfall gilt die Regel: Schülerzentrierung fürs Lernen und Lehren, Standardisierung für die Qualitätssicherung. Für Prüfungen muss aber ein erheblicher Anteil Schülerorientierung erhalten bleiben, sonst erhält man verfälschte Ergebnisse.
Zur deutschen Fassung des offenen Briefes (pdf)
Die Antwort Andreas Schleichers auf den Brief (pdf)
Hier ein kurzes Zitat; aber bitte den ganzen Text lesen!
"The OECD does, of course, contract specific technical services out to individuals, institutions or companies. Where it does, these individuals, institutions or companies are appointed by the OECD following an open, transparent and public call for tender. This transparent and open process ensures that each task is carried out by those entities that demonstrate they are best qualified and provide the best value for money"
Mit einzelnen Aussagen hat Schleicher durchaus Recht. Aber die Art seiner Argumentation macht deutlich, dass er die Kritik entweder nicht versteht oder nicht verstehen will. Ja seine Argumentation klingt genau wie das klassische Dementi, das durch die Formulierung dessen, was es dementiert, deutlich macht, das der Vorwurf begründet ist.
Das Problem ist ja nicht, dass zu viele Schüler am PISA-Testverfahren teilnehmen, sondern dass die PISA-Tests dazu geführt haben, dass schon in der 3. Klasse landesweite standardisierte Tests durchgeführt werden, die die Lehrer neben ihrer Arbeit auszuwerten haben und die einen erheblichen Leistungsdruck schon in die ersten Schuljahre hinein getragen haben.
Dabei ist fruchtbares Lernen doch etwas ganz anderes als die effektivste Methode, standardisierte Tests zu bestehen.
Ein Beispiel?
Was Lernen durch Lehren leistet, lässt sich durch PISA-Tests schwerlich evaluieren. Mehr dazu im MOOC über Lernen durch Lehren.
über Probleme der Notengebung von Bob Blume
Labels:
Interesse,
Motivation,
Notengebung,
PISA,
Prüfung,
Schülerorientierung,
schülerzentriert
24.9.13
Darf eine Leistung, die nicht erbracht werden konnte, mit 6 bewertet werden?
Zu der Zeit und an den Orten, wo ich unterrichtet habe (zeitweise im Ausland) war es üblich, dass in solchen Fällen, wenn die Leistung nicht nachgeholt werden kann, ein "ohne Leistung" eingetragen wird (was rechnerisch einer 6 oder 0 Punkten entspricht).
Bei der Gesamtbewertung sollte die Lehrkraft berücksichtigen, wie diese Einzelnote zustande gekommen ist.
Wenn sonst viele Einzelbelege mit deutlich besseren Leistungen vorliegen, wird sie die fehlende Einzelleistung nicht schwer gewichten. Wenn aber sonst keine bewertbaren Leistungen vorliegen, darf sie ja nicht eine Note erfinden. - Bei Bewertung von aus dem Rahmen fallenden Leistungen sollte prinzipiell das Prinzip der Regression auf den Mittelwert angewandt werden (zur Begründung vgl. Daniel Kahnemann: Schnelles Denken, langsames Denken, 2012, S.242/43). Das ist freilich nicht intuitiv und wird deshalb nicht überall so gehandhabt.
Unabhängig davon darf aber eine nicht vorhandene Leistung nicht besser bewertet werden als eine vorhandene, auch wenn sich die große Mehrheit intuitiv dafür entscheidet.
Sollte denn ein mehrmaliger Olympiasieger, wenn er am Wettkampftag nicht antreten kann, wegen seiner sonstigen guten Leistungen eine Bronzemedaille bekommen oder als Zehnter gewertet werden oder soll man irgendeine andere Wertung für ihn erfinden?
Die Entscheidung des Lehrers zur Einzelleistung ist also eindeutig richtig. Entscheidend ist, wie er bei der Endnote die Gesamtleistung bewertet.
Bei Gute Frage.de ist - nahe liegender Weise die große Mehrheit anderer Meinung. Ich lade zur Diskussion über diese Frage ein.
29.7.13
Notengebung
Jeder Versuch, objektive Kriterien für Notengebung zu gewinnen, wird um einen erheblichen Ermessensspielraum nicht ausschließen können, soweit es nicht um standardisierte Tests geht. Meine Erfahrungen beruhen auf dem hessischen und dem baden-württembergischen System und dem der Europäischen Schulen (mit Erst-, Zweit- und Drittkorrektor innerhalb einer Schule, eines Landes und länderübergreifend).
Als ich von Deutschland ins System der Europäischen Schulen kam, setzte der Zweitkorrektor ca. 70% meiner schriftlichen Deutschnoten um eine Note herauf. In mindestens einem Fall wurde die Note sogar von 3 auf 1 heraufgesetzt.
Bei meinem letzten Europäischen Abitur wurde eine 1, die ich gegeben hatte, durch Zweit- und Drittprüfer in eine 4/5 umgewandelt. Dieselbe Schülerin wurde übrigens im mündlichen Abitur vom externen Prüfer mit 2 bewertet.
Als ich von Deutschland ins System der Europäischen Schulen kam, setzte der Zweitkorrektor ca. 70% meiner schriftlichen Deutschnoten um eine Note herauf. In mindestens einem Fall wurde die Note sogar von 3 auf 1 heraufgesetzt.
Bei meinem letzten Europäischen Abitur wurde eine 1, die ich gegeben hatte, durch Zweit- und Drittprüfer in eine 4/5 umgewandelt. Dieselbe Schülerin wurde übrigens im mündlichen Abitur vom externen Prüfer mit 2 bewertet.
Als ich in das deutsche System zurückkam, schockte ich eine Schülerin in der ersten Deutscharbeit mit einer 3+ (entspricht 9 Punkten), die nachher ein Abitur mit einem Schnitt
von 1,0 hinlegte. (Sie war mir übrigens sehr sympathisch, und ich war bald
mit der Familie befreundet.)
Wenn man glaubt, das gäbe es nur in
Deutsch, so ein anderer Fall.
Mathematiklehrer einigten sich nach
ausführlicher Diskussion auf einheitliche Bewertungskriterien.
Danach wurde ihnen eine anonyme Arbeit vorgelegt. Die Bewertungen
schwankten zwischen 2 und 5.
Nach diesen Erfahrungen habe ich mir
gesagt: Jede (!) Arbeit, die ich mit bestem Wissen und Gewissen
bewertet habe, kann zu Recht einen Punkt besser und einen Punkt
schlechter bewertet werden.
Freilich, wenn ein(e) Schüler(in) in
der schriftlichen Prüfung mit 13 Punkten bewertet wird, diese Arbeit
vom Zweitprüfer mit 9 Punkten beurteilt wird und in der deshalb
erforderlich gewordenen Prüfung sie so glänzend vorträgt und
Zusatzfragen so gut beantwortet, dass die meisten Anwesenden der
Meinung sind, noch nie eine so gute Prüfung in dem Fach gesehen zu
haben, dann sind ihr die 9 Punkte wohl nicht gerecht geworden.
Eine Abweichung um einen (!) Punkt (von
15) liegt m.E. eindeutig im Bereich der Abweichung, die kein
menschliches Bewertungssystem ausschließen kann.
Ich darf das sagen, denn ich bin
pensioniert und aus Hessen und musste nie Notenentscheidungen
aufgrund von Hundertsteln von Punkten innerhalb der
Jahresdurchschnittenote fällen.
Dass man einen IQ punktgenau festlegen
kann, ist etwas anderes. Da gilt nur: IQ ist das, was der Test misst.
- Ein Physiker, der bei IQ-Test mit 85 abschnitt, konstruierte
daraufhin einen anderen, der mit dem anderen weitestgehend
korrelierte, ihm selbst aber ein Ergebnis von über 110 brachte. (Das
habe ich freilich nur gelesen, ist vielleicht eine "Spinne in
der Yuccapalme", eine moderne Sage.)
24.6.09
"Waffengleichheit"
Wenn der Anwalt des Internetunternehmens spickmich davon spricht, dass jetzt "Waffengleichheit" hergestellt worden sei, unterstellt er eine Duellsituation. Das mag im politischen Bereich zwischen Regierung und Opposition stimmen, beschreibt die Situation einer Notenentscheidung aber völlig falsch.
Etwas anderes wäre es, wenn Schülerbeurteilungen ausdrücklich in die Beurteilung der päsagogischen Qualifikation von Lehrern durch ihre Vorgesetzten einbezogen würden. Denn wie bei Schülerbenotung geht es dabei um Karriereentscheidungen.
Etwas anderes wäre es, wenn Schülerbeurteilungen ausdrücklich in die Beurteilung der päsagogischen Qualifikation von Lehrern durch ihre Vorgesetzten einbezogen würden. Denn wie bei Schülerbenotung geht es dabei um Karriereentscheidungen.
21.4.09
Notengebung
Inzwischen glaube ich, dass die Schule tatsächlich eine einzigartige Kommunikationssituation erzeugt, mit der einfach nicht jeder klarkommt, die aber nur begrenzte Schlüsse auf das Verhalten in späteren Berufssituationen zulässt. Deshalb finde ich es hervorragend, wenn Schüler primär nach Äußerungsformen beurteilt werden, mit denen sie sich wohl fühlen. Sie durch Abwertung in Bereichen, die sie nicht mögen, auf das “wahre Leben” vorzubereiten, zeugt vielleicht von einer Überschätzung des Modellcharakters der schulischen Situation.So Johannes Wiele in einer Diskussion über mündliche Noten und introvertierte Schüler bei Jochen Englisch.
Ich sehe es ähnlich wie Johannes Wiele und habe seit einiger Zeit stets zwischen Klassenarbeitsnoten und Noten für alles andere unterschieden. Wer nichts sagt, kann nach den schriftlichen Leistungen außerhalb der Klassenarbeiten beurteilt werden, wer viel und Gutes im laufenden Unterricht leistet, dessen Hausaufgaben braucht man nicht zu korrigieren, um zu einer begründeten Note zu kommen.
Labels:
introvertierte Schüler,
mündliche Noten,
Notengebung
Abonnieren
Posts (Atom)