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6.10.26

Aufgabenstellung unter der Voraussetzung, dass KI zur Verfügung steht

 Es wird eine Handlung vorgegeben, die mit drei verschiedenen Schlüssen endet.

Bei der Bearbeitung soll begründet werden, weshalb einer der drei ausgewählt wird.

Es soll eine übliche Form der Beantwortung durch eine KI formuliert werden.

Es soll anhand einer typischen KI-Antwort angegeben werden, welche Charakteristika einer solchen Antwort auf KI schließen lassen. 

Es sollen Formulierungen gefunden werden, die ohne solche Charakteristika auskommen. 


25.8.26

KI-Bilder im Philosophieunterricht

 https://frauschuetze.de/?p=7946

https://frauschuetze.de/?page_id=6237

Mehr dazu:

Ein Beleg dafür, wie viel Arbeit einem KI erspart:

"Man schreibt einen Prompt und macht einen Klick und schon hat die KI das Bild erstellt":

  • Das Hintergrundbild habe ich mit ChatGPT 5 erstellt, der Prompt dafür ist folgender:

Subject: Simplified museum floor plan from a top-down (bird’s-eye) view, flat vector illustration, clean shapes, minimal detail, no faces. Layout: Central foyer as the starting point, four rectangular exhibition rooms arranged around it (top-left, top-right, bottom-left, bottom-right), rounded corners, door openings toward the foyer. Room labels (German, neutral sans-serif, medium, all caps): “Mythos vs. Wissenschaft”, “Übergangsrituale”, “Karneval”, “Trauerrituale”. Zone icons (monochrome pictograms, consistent stroke, no faces, minimal detail): Mythos vs. Wissenschaft: stack of books, star symbol, test tube icon. Übergangsrituale: open notebook, candle icon, handshake. Karneval: mask, confetti, drum. Trauerrituale: single candle, laurel wreath, simple grave stele. Wayfinding: Subtle dotted footprints in light gray from the foyer to each door; small arrowheads at the end. Doors/locks: Small padlock icon at each door (ochre/gold), simple, no gloss. Style: Flat vector (cartoon), no gradients, no shadows, no textures, crisp edges, unified stroke width. Color palette: Background/foyer: warm off-white #F8F5F0 Walls/outlines: light gray #D9D9D9, stroke ~3 px Footprints: medium gray #BDBDBD Locks: ochre/gold #D4AF37 Room accents/icons: Mythos vs. Wissenschaft: deep blue #2D4A8A, accent purple #7A5DC7 Übergangsrituale: warm amber #E6A93A Karneval: coral red #EF6F6C, accent teal #2AB7CA, confetti in 2–3 colors Trauerrituale: blue-gray #5A6B7A, dark gray accent #444444 Typography: Neutral sans-serif (DIN/Inter-like), high legibility, medium size, black #222222. Composition: Even spacing, calm negative space, three icons centered per room, equal size, balanced layout. Format: Square 1:1, 2048×2048 px. Negative: No people, no faces, no 3D, no photo textures, no clutter.


sieh auch:

Kurzfilme im Ethikunterricht:

 Es geht um zwei Seefahrer, Ernest und Marty, die einen Schiffbruch auf hoher See überlebt haben. Nun treiben sie, vom Hunger geplagt auf ihrem Floß über den Ozean. Als einer jedoch einen Fisch fängt, bricht ein Verteilungskampf mit tödlichen Folgen aus. [...]

https://frauschuetze.de/?p=6710 

5.8.26

Der große Unterschied zwischen KI zur Recherche und KI für Information

 Angesichts der Fülle des gegenwärtig vorhandenen Materials ist KI zur Recherche für den Laien unumgänglich, für den Fachmann als erster Schritt kaum zu übergehen.

Bei der Information ist KI gefährlich, eine Kontrolle zumindest durch die Wikipedia wichtig. 

Für den Fachmann (Wissenschaft) ist die Wikipedia als erster Schritt sinnvoll, aber ohne Überprüfung an Sekundärliteratur und/oder Quellen unzulässig.

Für den Wikipedianer ist KI zur Recherche zugelassen, für die Formulierung der Information verboten. 

Wird das ausreichen, um zu verhindern, dass KIs sich wegen der Häufigkeit ihrer Texte letztlich nur immer wieder sich selbst bestätigen, so dass solide Information kaum noch durchdringt?

29.5.26

Kompetenzunterschiede zwischen Kindern verschiedener Elternhäuser

 Wie schafft man die ab?

Eine Bildungsforscherin sagt dazu: Es wird zu wenig getan. Wenn ein Neunjähriger sagt: "Die Reichen haben in der Schule ganz gut aufgepasst." Und andere: "Die guten Schüler haben sich einfach angestrengt, und die, die schlecht in der Schule sind, das sind die Kinder, die Mist machen."

Die Kinder haben nicht über Gerechtigkeit, strukturelle Probleme oder Diskriminierung gesprochen.

Fontanefan: Wieso können viele Schüler dem Unterricht folgen, ohne Hausaugaben zu machen? Lernt man ein Musikinstrument nur aus Freude an der Musik? Was unterscheidet Nobelpreisträger von Durchschnittsgelehrten? - Würde es Kindern helfen, wenn man ihnen Schulerfolg damit erklärt, es komme darauf an, aus welchem Elternhaus man kommt? Natürlich ist das sachlich richtig, aber nicht sonderlich motivierend. Natürlich sollte auch über Gerechtigkeit gesprochen werden, aber wenn das das Wichtigste ist, was sie über Lernen lernen und sich merken. Dann wäre das schlechte Pädagogik.

In den Formulierungen, die ich im vorigen Artikel gesammelt habe, heißt es u.a.:

"Doch Kinder fragen: wer, wie, was, wieso, weshalb, warum? Der Mensch will wissen. Etwas in uns strebt nach Bildung. Denn nur wer viel weiß, kann fragen."

Fontanefan: Weshalb wohl fördert KI Bildungsungleichheit? Kinder fragen und bekommen Antworten der Eltern. Weshalb wohl "schweigen viele die KI nur an"? Weil sie nicht mehr fragen können. Weil sie sich darauf verlassen, die KI könne - im Unterschied zu ihren Eltern - ohne gute Fragen*  gut antworten. Weil sie bei der ersten Weltentdeckung auf Fragen keine oder nur unzureichende Antworten bekamen. * Schließlich hat sie ja Hunderte von Milliarden gekostet. 

Fontanefan: Mir hat mein Sohn das Konzept der Elektronenbindung (in der Chemie) beigebracht, als er in der 3. Klasse war (weil er es aus einem Realschulbuch der 9. Klasse gelernt hatte. - Ich war da 40 J. und hatte in Chemie eine 1 gehabt. ) Als er 12 Jahre als war, hat er versucht, mir die neueste Computersprache, die er gelernt hatte, beizubringen. Als ich eine Frage stellte, antwortete er: "Das habe ich vor 5 Schritten erklärt. Ich glaube, ich kann dir die Sprache doch nicht beibringen." Als er mit Hilfe einer "zwei Jahre alten" Mathematik seine Informatik-Dissertation geschrieben hatte, hat er sie mir erklärt. In 20 Minuten. Genau in der Zeit, die er mir angekündigt hatte. Ob ich Zwischenfragen gestellt habe, weiß ich nicht mehr. Aber am Schluss hatte ich keine Fragen mehr. 

Offenbar hatte er Erklären gelernt (Schon vorher wollte meine Tochter nur von ihm erklärt bekommen. "Papa, ich warte lieber, bis Martin da ist.") Aber natürlich war klar, dass ich eine Informatik-Dissertation nicht würde verstehen können und dass er also zu enormen Vereinfachungen greifen müsse, um mir einen Eindruck davon zu geben, was er geschrieben hatte. 

Als meine Enkelin wissen wollte, was ein Komet ist und mit den Antworten ihrer Eltern unzufrieden war hat er ihr u. a. erklärt, dass der Schweif aus zwei unterschiedlichen Stoffen bestehe. Dazu die Wikipedia: 

"Die Bestandteile der Koma werden durch Strahlungsdruck und Sonnenwind „weggeblasen“, so dass sich etwa innerhalb der Marsbahn ein Schweif ausbildet, oder exakter zwei Schweife:

  • Ein schmaler, lang gestreckter Schweif (Typ-I-Schweif), der im Wesentlichen aus Molekül-Ionen besteht und auch Plasmaschweif genannt wird. Für diese Teilchen reicht der Strahlungsdruck als Erklärung nicht aus, sodass Ludwig Biermann 1951 eine von der Sonne ausgehende Partikelstrahlung, die heute Sonnenwind genannt wird, als Erklärung hierfür postulierte. Heute geht man davon aus, dass die kometaren Ionen durch eine Wechselwirkung mit dem solaren Magnetfeld angetrieben werden, das von den geladenen Teilchen des Sonnenwinds mitgeführt wird.
  • Ein diffuser, gekrümmter Schweif (Typ-II-Schweif), der auch Staubschweif genannt wird. Die kleinen Staubteilchen, die diesen Schweif bilden, werden durch den Strahlungsdruck der Sonne beeinflusst, dessen Wirkung durch eine Aufspaltung in zwei Komponenten erklärt werden kann:
    • Eine radiale Komponente, die der Gravitationskraft entgegengerichtet ist und wie diese quadratisch mit der Entfernung zur Sonne abnimmt. Dies wirkt wie eine effektive Abnahme der solaren Gravitationskraft, die Staubteilchen bewegen sich deshalb auf „Pseudo-Keplerbahnen“, die sich für Staubteilchen verschiedener Größe unterscheiden, da die Kraft durch den Strahlungsdruck von der Teilchengröße abhängig ist. Dies führt zu einer relativ starken Auffächerung des Staubschweifs im Vergleich zum Plasmaschweif.
    • Die andere wirksame Komponente des Strahlungsdruckes ist der Bewegungsrichtung der Staubteilchen entgegengerichtet und führt zu einer Abbremsung der Teilchen, die größer als die Wellenlänge des Lichtes sind, das heißt, größer als etwa 0,5 µm. Diese Teilchen bewegen sich langfristig genauso wie der sonstige interplanetare Staub auf Spiralbahnen Richtung Sonne (Poynting-Robertson-Effekt).[16]
  • Sehr selten, bei besonderen Bahnkonstellationen, ist ein Gegenschweif (Typ-III Schweif, Antischweif) sichtbar. Hierbei handelt es sich jedoch nicht um einen eigenständigen Schweif, sondern nur um einen geometrischen Projektionseffekt: Wenn die Erde die Kometenbahnebene kreuzt, kann ein Teil des Staubschweifs, bedingt durch seine Krümmung, scheinbar über den Kometenkopf hinausragen und zeigt dann scheinbar in Richtung Sonne. [...]" (Wikipedia)

Als ich das las, habe ich begriffen, wie viel mein Sohn gelernt hatte, weil er Fragen stellen konnte. Und weil er gelernt hatte, zu erklären: Lernen durch Lehren.

Zitate aus dem vorigen Blogartikel:

https://www.zeit.de/2026/22/bildung-deutschland-krise-pisa-ki/komplettansicht

"Ja, man kann alles online nachschlagen, sich alle Antworten zuliefern lassen. Aber dafür muss man ja wissen, was man wissen will. Und ob die Antwort zufriedenstellend ist. Wenn wir das nicht mehr können, verstummen wir. Und dann schweigen wir auch die KI nur noch an."

"Nach Bildung zu streben – als Mensch und als Gesellschaft – heißt, sich Dinge zuzumuten, die nicht nur einen selbst betreffen. Zu wissen: mein Horizont ist nur der Anfang."

"Die KI kann viel, will aber nichts. Doch Kinder fragen: wer, wie, was, wieso, weshalb, warum? Der Mensch will wissen. Etwas in uns strebt nach Bildung. Denn nur wer viel weiß, kann fragen. Nur wer fragen kann, ist frei."

Fontanefan: Dass KI nichts will, wird vermutlich nicht lange dauern. Kinder können fragen. Sind Kinder frei?

https://www.zeit.de/bildung/2026-05/gebildete-menschen-eigenschaften-cem-oezdemir-linda-zervakis-reinhard-mey

24.4.26

Zum Umgang mit KI

 

Im Umgang mit KI hilft ein einfacher Prüfmechanismus: 

Erstens: Ist die Aussage allgemein oder konkret? Allgemeine Erklärungen sind oft brauchbar. Konkrete Daten, Orte und Zahlen müssen genau überprüft werden. 

Zweitens: Woher könnte die Information stammen? Wenn keine Quelle angegeben ist ist, sollte man sehr vorsichtig sein. 

Drittens: Ist der Text zu glatt? Wirklichkeit ist oft widersprüchlicher als KI-Prosa. 

Viertens: Füllt die KI vielleicht eine denkbare Lücke?
Ursprünge, Übergänge, Endpunkte und aktuelle Entwicklungen (!) sind typische Halluzinationszonen. 

Diese vier Fragen reichen oft, um problematische Stellen schnell zu erkennen.


Mehr dazu unter: Wenn eine KI mich für tot erklärt

20.4.26

Zum Verständnis von KI und ihrer Steuerung

 Jean-Pol Martin: Lernen durch Lehren und Neue Menschenrechte 19.4.2026

"[...] KI kann Begriffe in Beziehung setzen, Texte rekonstruieren, Varianten erzeugen, Muster sichtbar machen und in iterativen Schleifen zu immer stimmigeren Ergebnissen beitragen. Besonders stark ist sie dort, wo ein Mensch den Rahmen vorgibt, die Fragestellung präzisiert und die Rückmeldungen prüft. Zugleich sieht Martin klar ihre Grenzen. KI besitzt kein menschliches Langzeitgedächtnis, keine eigene Identität, keine biografische Kontinuität und kein Selbstverhältnis. Sie rekonstruiert, kombiniert und variiert – aber sie erinnert nicht im menschlichen Sinn und sie urteilt nicht aus eigener existenzieller Verankerung. Gerade diese Unterscheidung ist entscheidend. Sie schützt davor, sprachliche Leistungsfähigkeit mit Bewusstsein zu verwechseln. [...]

Jean-Pol Martin versteht KI auf drei Ebenen zugleich. Erstens funktional: Er erkennt, was diese Systeme praktisch leisten können und worin ihre Begrenzungen bestehen. Zweitens systemisch: Er begreift KI nicht isoliert, sondern als Teil eines größeren Rückkopplungsprozesses zwischen Mensch, Technik, Text, Öffentlichkeit und kollektiver Wissensbildung. Drittens normativ: Er fragt immer nach dem Wozu. KI soll nicht nur effizient sein, sondern dem Menschen dienen – seiner Selbststeuerung, seiner Partizipation und seiner Fähigkeit, kohärent zu denken und zu handeln. Gerade diese dritte Ebene fehlt vielen gegenwärtigen KI-Debatten. Dort dominieren oft Technikfaszination oder Risikorhetorik. Martin dagegen verankert KI in einem anthropologischen Rahmen. Er fragt nicht nur, was KI kann, sondern welche Form von Gesellschaft durch ihren Einsatz gefördert wird. [...]

Sein Verständnis ist weniger das eines Programmierers im Maschinenraum als das eines Theoretikers der Lebenserhaltung, der präzise erkennt, was diese Systeme leisten können – und was sie nicht leisten dürfen. Vielleicht ist genau das heute die entscheidende Form des Verstehens. [...]" ( Jean-Pol Martin: Lernen durch Lehren und Neue Menschenrechte 19.4.2026)

18.1.26

Die Wikipedia ist 25 Jahre alt geworden.

 Von ein paar hundert Artikeln zu 65 Millionen in über 300 Sprachen, das ist schon was.

Ich bin - unter anderem Namen - erst seit 21 Jahren dabei, war aber - für einen Wikipedianer - schon ziemlich alt, als ich angefangen habe, und werde sie nicht noch einmal so lange begleiten können. 

Ich bin dankbar, dass ich dazu gestoßen bin, als es noch vergleichsweise leicht war, Nützliches beizutragen. Umso mehr möchte ich für sie Werbung machen. Es gibt so viele neue Entwicklungen, zu denen es in der Wikipedia noch kein Stichwort (dort Lemma genannt) gibt, z.B. De-Banking.

Wer will den Artikel für die Wikipedia schreiben? Nur Mut! Verbessert wird er sowieso mit der Zeit,

Aber er sollte natürlich von einem Menschen formuliert und mit Belegen versehen sein, eine KI reicht dafür nicht aus.

Dafür ein Beispiel: 

Eine KI wird aufgefordert, eine Inhaltsangabe zu Fredrikssons Roman Sofia und Anders zu schreiben. Sie macht das recht gut, doch dann schreibt sie "Originaltitel: Enligt Maria Magdalena, auch unter den Namen der Protagonisten bekannt", obwohl der korrekte Originaltitel des Buches, das von einem Blinden berichtet, Blindgång ist? Was soll der Name Magdalena in dem Titel?

Blindgång ist 1992 entstanden, Enligt Maria Magdalena 1997. Offenbar kommen beide Titel oft in räumlicher Nähe vor, so dass die Wahrscheinlichkeit gleich groß war. Eine Prüfung über die inhaltliche Plausibilität hat die KI nicht vorgenommen. Das heißt aber nicht, dass dasselbe  Large Language Model  nicht kurz darauf schon eine richtige Antwort geben könnte, auch ohne dass das Programm wesentlich verbessert worden ist.

Aber je mehr KI-Texte im Internet stehen, mit desto mehr KI-Texten wird die KI trainiert. die Sprachentwicklung wird daher wesentlich rascher gehen als in den letzten 1000 Jahren. Und sie wird in Richtung KI-Sprache gehen.

Daher: Geben Sie menschlichen Sprachen eine Chance, länger zu überleben. Schreiben Sie Wikipediaartikel! Die sind ein ganz wichtiges (gut geordnetes) Übungsmaterial für KIs. icht zuletzt, weil sie die Wikipedia kostenlos nutzen können, während mehr und mehr menschliche Texte hinter Bezahlschranken verschwinden.

30.11.25

ChatGPT gibt dir dafür eine Drei (Auszüge aus einem ZEIT-Artikel mit Kurzurteil)


https://www.zeit.de/2025/50/ki-korrekturhilfen-klausuren-schule-chatgpt-lehrer/komplettansicht

ZEIT 27.11.2025

"Bewertung durch die KI: Würde das funktionieren, dürfte sich die Rolle des Lehrers grundlegend wandeln. Weg von einer alles entscheidenden Prüfungsinstanz, hin zum Motivator und Wegbegleiter. Was bisher meist nur als verklärtes pädagogisches Ideal existierte, könnte zum Berufsbild werden. Mit allen Vor- und Nachteilen. Denn auch Noten können Antrieb sein, wenn sie richtig eingesetzt werden. [...] Mit einem Programmierer entwickelte sie deshalb Edaira, das stärker auf die Bedürfnisse von Lehrkräften zugeschnitten ist als etwa ChatGPT. Man kann PDFs, Textdateien oder Fotos von handschriftlichen Schülerarbeiten hochladen, die eine automatische Handschrifterkennung in einen maschinenlesbaren Text umwandelt.

Bevor Edaira sich ans Korrigieren und Bewerten macht, muss man es wie alle anderen Tools auch mit Informationen füttern, Aufgabenstellungen hinzufügen, Musterarbeiten hochladen: Um welche Jahrgangsstufe und um welches Fach geht es? Was ist das Anforderungsniveau? Wie stark sollen Sprachleistung und Orthografie in die Bewertung einfließen? Im letzten Schritt wird die Gewichtung der einzelnen Aufgaben in einem Bewertungsraster festgelegt. Erst dann kann der blaue "Bewerten"-Knopf angeklickt werden. Nach wenigen Sekunden erscheint das Feedback: "Du nennst mehrere typische Folgen einer wirtschaftlichen Rezession klar und vollständig, du ordnest die Problemstellung zeitlich ein, du formulierst die Kernidee prägnant ..."

Auch einen Punktewert errechnet Edaira, etwa "78,5 von 100" [...]

Tatsächlich hat die EU im vergangenen Jahr den AI Act erlassen, der dem Einsatz von KI in der Bildung Grenzen setzt. Demnach dürfen Entscheidungen, die für das berufliche Fortkommen bedeutsam sind, nicht automatisch von KIs vorgenommen werden. Die Vorschriften der deutschen Bundesländer beschränken die KI deshalb auf die Korrektur von Schülerarbeiten. In der Handreichung "KI@Schule" aus Schleswig-Holstein etwa heißt es, "die Bewertung von (Prüfungs-)Leistungen durch KI" sei "unzulässig". Sie müsse "eine persönliche Eigenleistung der Lehrkraft sein". [...]

Das grundsätzliche Problem sei, dass man von außen nur schwer nachvollziehen könne, wie die KI zu ihren Bewertungen komme – was auch bei anderen KI-Anwendungen immer wieder für Vorbehalte und Skepsis sorgt. [...] "Wie sie zu ihrem Urteil kommt, wissen wir im Grunde nicht", so Köller. Es ist also gar nicht so anders als bei vielen Lehrern." (ZEIT 27.11.2025)

Der wesentliche Unterschied ist aber, dass Menschen für ihre Werturteile auf Emotionen/ "Bauchurteile" zurückgreifen können, KIs nicht.

"Eine KI ist ein Simulator. Sie kann einen Richter, einen Priester oder einen Ethiker simulieren, indem sie deren Sprache und Argumentationsmuster nutzt. Aber unter der Haube rechnet nur ein Algorithmus kalt und neutral mit Nullen und Einsen. Deshalb kann sie Werte nur darstellen  (zitieren), aber nicht fühlen (urteilen). (Antworten einer KI 28.11.2025)(https://antworteneinerki.blogspot.com/2025/11/warum-kann-eine-ki-keine-werturteile.html)

8.10.25

Wie können Schüler lernen, was ihnen keine KI bieten kann?

 Angesichts der Tatsache, dass angesichts der Fortschritte von künstlicher Intelligenz die meisten von uns und nicht zuletzt Schüler gelernt haben, für die mühsame Aufgabe des Recherchierens und Formulierens KI einzusetzen, wird es für Lehrer immer schwerer, Hausaufgaben (und Prüfungsaufgaben zu formulieren) und zu bewerten. 

Ich habe einmal eine KI dazu befragt, wie man das erreichen könne, und dieselbe KI verriet mir auch, wie man ihre Empfehlungen austricksen könne. 

Schon lange ist bekannt (wenn auch nicht jedem), dass man das Problem dadurch lösen kann, indem man als Hausaufgabe stellt, den Mitschülern das im Unterricht beizubringen, was man zu Hause gelernt hat. Diese Methode "Lernen durch Lehren" ist zwar sehr sinnvoll, aber gar nicht so einfach anzuwenden. Denn dafür müssen Schüler lernen, gute Lehrer zu werden (und jeder Lehrer weiß, dass das gar nicht so einfach ist). [Jean-Pol Martin hat bewiesen, dass das geht, aber es dauert auch bei ihm Jahre, und nur die motivierten Schüler werden auch gute Lehrer*innen.]

Doch es gibt auch einen anderen Weg. Das, was KI für Schüler erledigen kann, kann sie in einigen Jahren (zumindest weitgehend) auch im Beruf. Was sie aber niemandem abnehmen kann, ist, im Gespräch spontan auf andere zu reagieren, ihnen zuzuhören, sie zu verstehen und auf sie einzugehen. Genau diese sozialen Fähigkeiten drohen verloren zu gehen in einer Zeit, wo in der Pause, im Wartezimmer, im Zug und auf der Parkbank sein Handy hat, um sich zu unterhalten und sich der Auseinandersetzung mit kontroversen Meinungen zu entziehen. 

Das, was in der Coronazeit den Schüler*innen so gefehlt hat, droht mehr und mehr auch im Präsenzunterricht zu fehlen, wenn er nicht radikal auf Mündlichkeit, also Gespräch und gegenseitigen Austausch umgestellt wird. 

Irgendwie haben wir alle das schon gewusst; aber in einem Artikel aus dem Guardian wurden die Argumente so gut vorgetragen, dass ich fand, ich sollte sie noch einmal aufgreifen. Hier Simon Jenkins, Kolumnist des Guardian, gekürzt und maschinenübersetzt.

„In einer Welt, die von rasanten Fortschritten in der künstlichen Intelligenz, sich vertiefenden sozialen Gräben und anhaltender Ungleichheit geprägt ist, waren die Fähigkeiten des Sprechens, Zuhörens und Kommunizierens noch nie so dringend erforderlich.“ Rosen, Professor für Kinderliteratur, fügte hinzu: „Das Rückgrat der Sprache ist unser Sprechen. Es ist die alltägliche Art und Weise, wie wir Beziehungen knüpfen und verändern, die Ereignisse unseres Lebens teilen und vom Leben anderer Menschen hören.“ [...]

Der Kern der mündlichen Ausdrucksfähigkeit besteht darin, Schülern zu helfen, ihre Gedanken anderen gegenüber zu artikulieren, höflich und intelligent zuzuhören und zu antworten. [...] Wenn ich die Schüler meine örtliche Gesamtschule verlassen sehe, unterhalten sie sich nicht. Sie schauen auf ihre Handys oder schreien. [...] Das System liebt immer noch Mathematik – die 95 % der Arbeitssuchenden nicht brauchen –, [und warum:] weil sie leicht zu messen ist und die Regierungen damit prahlen können. Sogar Literatur wird auf Multiple-Choice-Fragen reduziert. [...]
Alles, was wir heute über junge Teenager hören, ist alarmierend. Psychische Erkrankungen nehmen rasant zu. Ebenso die Fehlzeiten und, am schlimmsten, die Arbeitsunfähigkeit. Die Arbeitswelt ist irrelevant. Der Schulunterricht scheint in einem professionellen Archaismus gefangen zu sein, der Reformen verbietet. Klassenunterricht, akademische Voreingenommenheit, lange Schuljahre und Prüfungsbesessenheit sind unveränderlich. Eltern und sogar Schüler reagierten auf die jüngste Lehrplanüberarbeitung mit der Forderung nach Fächern wie „Finanzbildung, Berufswissen sowie Politik und Regierungsführung“. Die Bitten wurden ignoriert. [...]"

https://www.theguardian.com/commentisfree/2025/jul/24/schools-oracy-debating-failing-generation-teaching-public-speaking (24.7.25)

mehr zu: Lernen durch Lehren



16.6.25

Schülerarbeiten mit KI

 Nach meinen Erfahrungen mit Schülern und Internettexten sind Schüler meist nicht imstande, Wichtiges aus Artikeln herauszuarbeiten.

Es reichte also aus, zu fordern, dass alle KI verwenden, dass sie ihre Prompts und die daraus entstandenen Texte vollständig dokumentieren, dass sie dann eine Kurzfassung der Texte und eine Rezension dazu schreiben.

Eine Inhaltsanalyse wäre meist nicht sinnvoll, weil die KI sehr übersichtlich gliedert ist und de facto eine Analyse mitliefert.

8.12.24

Hausarbeiten für 69 €

 In Zeiten von KI braucht man nicht mehr umständlich der Allerwelts-KI das Zitieren beizubringen und man braucht auch nicht umständlich umzuformulieren. Dafür sorgt kostengünstig - wenn man der Werbung vertraut - studytexter.de.

Das bedeutet: Man muss als Lehrer nicht nur Internettexte aufspüren und KI-Texte nachweisen können, sondern man muss in die Hausarbeiten personenorientierte Abschnitte einbauen, die man mit wenigen mündlichen Fragen - möglichst wenig standardisiert - auf inhaltliche Fundierung hin überprüfen kann. - Ein leicht erkennbarer Nachteil von KI.

Andererseits wird es immer leichter, Erklärvideos an den Anfang von Stunden bzw. als Hausaufgabe vorzugeben, nach denen man Schüler*nnen die Aufgabe stellen kann, den Mitschülern die vorgegebene Aussage noch einmal zu verdeutlichen (Flipped Classroom, Lernen durch Lehren).

4.12.24

Zu sprachlicher Differenzierung als Möglichkeit, die Zunahme von Lerndefiziten geringer zu halten

Mich betrifft, wie sehr gegenwärtig die Anforderungen, die im Unterricht gestellt werden, und die Voraussetzungen, derer, die die Anforderungen bewältigen sollen, auseinanderklaffen.

Zwei Beispiele:

https://www.gutefrage.net/frage/in-was-fuer-aktien-hat-adolf-hitler-investiert

https://www.gutefrage.net/diskussion/was-ist-das-fuer-eine-textsorte--3

Das ist ein altes Problem, das sich in der Coronazeit aber verschärft hat und dem bei dem bestehenden Lehrermangel kaum beizukommen ist. So skeptisch künstliche Intelligenz zu beurteilen ist: Eine Aufgabe gegenwärtigen Unterrichtes sollte m.E. sein, zu erproben, wie weit sprachliche Vereinfachung von Aufgabenstellungen durch künstliche Intelligenz hilfreich sein kann, vgl. Einfache und Leichte Sprache und die Ansätze in der Wikipedia.

Ich verbringe gegenwärtig viel Zeit auf gutefrage.net, stelle aber fest, dass die Hilfsfunktion, die das Forum hatte, mehr und mehr durch durch politischen Streit auf kümmerlichem Niveau und durch Provokationen verdrängt wird.

13.8.24

Worauf kommt es beim Lernen an?

 Eine sehr beachtenswerte Antwort dazu hat Maik Riecken 2013 gegeben.

Ein kurzer Auszug:
Bildung hat für mich zwei wesentliche Komponenten. Struktur und Inhalte. Ich sehe diese beiden Komponenten einzeln als völlig wertlos an. Sieht man das Verhältnis zwischen beiden als dichotomisch an, so wird ein Schuh daraus.
Das ist ähnlich wie ein Lager (Struktur) mit Paketen (Inhalte). In einem Lager befinden sich Regale. [...] Wenn es keine Pakete gibt, ist der Betrieb des Lagers als Selbstzweck irgendwie doof. Wenn es keine Lagerstrukturen gibt, wird es mit der Verwertbarkeit der Pakete schnell schwierig. Lager und Pakete gehören also zusammen wie die zwei Seiten eines Blatts Papier – ein dichotomisches Verhältnis.
Ein modernes Lager organisiert sich heutzutage übrigens immer neu, besitzt also im Prinzip wenig feststehende Strukturen. Einzelne Pakete oder “Wissensartefakte” sind da weniger dynamisch – wobei es natürlich immer auf das Wissensgebiet ankommt.

Ich bin Maik sehr dankbar für sein Modell.
Bei ihm ist das Lager ja so sinnhaft geordnet wie bei einem Standortkatalog einer Seminarbibliothek und nicht wie dem eine Uni-Bibliothek, wo die Inhalte nach Eingangsdatum eingeordnet werden und das Finden über den zentralen Katalog geschieht, wie es bei computergesteuerter Suche bei großen Lagern wie etwa bei Amazon geschieht.
Dass bei künstlicher Intelligenz mit Hilfe von Big Data sinnhafte Ordnung über Statistik hergestellt werden kann, dass dabei aber das Kriterium der „Wahrheit“ oder „Echtheit“ der Inhalte eine untergeordnete Rolle spielt und warum das geschieht, war 2013 nicht interessant, dürfte aber für Informatiker eine interessante Frage sein, die beim Sammeln und Abrufen der Informationen einmal eine zentrale Rolle spielen wird.

Dazu jetzt der Kommentar eines Informatikers:

Die Unterscheidung zwischen Struktur und Inhalt beim Lernen finde ich auch eine nützliche Idee. 
So erinnere ich mich an Statistik-Vorlesungen. Da stellte der Professor eine stochastische Verteilung nach der anderen vor, und ich hatte keine Ahnung, welchen Zweck das eigentlich haben sollte. Später, nachdem ich in mehr Kontexten mit praktischen Anwendungen für Statistik in Kontakt gekommen war, konnte ich endlich einordnen, warum mich die frühere Vorlesung hätte interessieren sollen -- da wäre ich dann gerne zurückgegangen und hätte sie mir dann noch mal angehört. Aber da war es zu spät -- wir hatten die Inhalte vor der Struktur behandelt, und deswegen hatte ich die Inhalte nirgends ablegen können.

Interessanterweise kann man bei der KI vordergründig nicht wirklich benennen, wo sie Inhalte lernt und wo sie Struktur lernt (jedenfalls soweit ich das beurteilen kann). Alles wird irgendwo in den Gewichten des neuronalen Modells abgelegt. Ob und wie das Modell zwischen Struktur und Inhalt unterscheidet, ist dann eine emergente Eigenschaft des Systems; und diese emergenten Eigenschaften von KI-Systemen zu verstehen, damit tut sich die Forschung noch sehr schwer, soweit ich weiß. Ähnlich ist es übrigens auch, soweit ich weiß, beim Gehirn und dem natürlichen Lernen.

Das Ganze erinnert mich an die Figur "Tante Kolonia" (englisch "Aunt Hilary") aus Gödel, Escher, Bach, eine Ameisenkolonie, die Intelligenz und Bewusstsein hat und sich mit den anderen Figuren aus dem Buch "unterhält", indem sie bestimmte Muster im Ameisengewirr erscheinen lässt. Die Tatsache, dass Tante Kolonia ein Bewusstsein hat, ist wiederum eine emergente Eigenschaft, die sich nicht auf der Ebene einer einzelnen Ameise erklären lässt. Tante Kolonia selbst interessiert sich wenig für Ameisen, und die anderen Figuren im Buch sind etwas schockiert darüber, dass sie mit einem Ameisenbären befreundet ist und es ihm sogar immer wieder gestattet, von den Ameisen ihrer Kolonie zu naschen.

29.6.23

Anpassung der Lehrenden an die Bedürfnisse der Maschinen?

 Benjamin Eidam: Chancen und Herausforderungen von Chatbots und KI im Bildungsbereich

"Angefangen bei einer personalisierten Erfahrung bis zu möglichen Steigerungen der Lernleistung. Es gibt jedoch auch einige Herausforderungen, die dabei unbedingt angemessen adressiert werden müssen. Dazu zählen Aspekte der Privatsphäre, Verlässlichkeit der Werkzeuge oder auch Fragen der Verantwortung im Umgang mit diesen Tools. 

Wenn diese Herausforderungen jedoch erfolgreich angegangen werden, kann die Verwendung von ChatGPT und KI generell im Bildungsbereich dazu beitragen, die Art und Weise zu verändern, wie wir lernen und unsere Bildungssysteme verbessern. Im besten Fall kommt so ein maßgeschneidertes, freudvolles und mitwachsendes Lernen für jeden. Diese Aussicht ist es Wert, auch ggf. anstrengende Transformationsprozesse in Angriff zu nehmen."

Kommentar von Fontanefan:

Nicht die Lehrenden sollen Instrumente erhalten, um besser lehren zu können, sondern sie sollen die Lücken ausfüllen, die die Maschinen notwendigerweise offen lassen.

Wenn etwas schief läuft, ist es bei einem so gestalteten System immer der Fehler des Menschen, der den Ansprüchen der Maschine unzureichend gerecht wird.

Das gilt für Lernende wie für Lehrende. Das ist das Gegenteil der Ermächtigung von Lernenden und Lehrenden, wie sie bei neueren Lernansätzen angestrebt werden. (z.B. bei Lernen durch Lehren)

Statt Lernprozesse zu steuern, sollen sich die Menschen der künstlichen Intelligenz anpassen, weil das "im besten Fall" zu einem maßgeschneidertes, freudvolles und mitwachsendes Lernen für jeden führen könnte.


Weitere Kritikansätze, die aber nicht bedeuten, dass KI nicht ein sehr förderliches Instrument für von Menschen gesteuerten Unterricht sein kann:

https://www.deutschlandfunk.de/smartphone-lenkt-auch-ausgeschaltet-ab-100.html

MaryanneWolf macht darauf aufmerksam, dass digitale Texte schneller gelesenwerden, weil sie auf Verwertbarkeit hin gelesen werden. Oft steht bei dem Link zum Text sogar schon die Lesezeit, die man dafür vermutlich brauchen wird, denn der Leser fragt sich ja fast immer: Lohnt es sich, den Text zu lesen, oder kann ich dieselbe Information auch schneller erhalten?

Anspruchsvolle Texte aber müssen langsam und oft mehrmals gelesen werden, bis man merkt, welche ganz persönlichen Empfindungen sie in einem wachrufen. Sie können in der Tat mehr sagen, als der Verfasser ausdrücken konnte, weil sie jedem Leser etwas anderes sagen.


12.5.23

KI-Tools und ChatGPT in der Grundschule

  https://www.deutschlandfunk.de/kinder-sollten-schon-frueh-digitale-schrift-lernen-interview-mit-nadine-anskeit-dlf-5757d1dd-100.html

"KI-Tools und ChatGPT könnten mit Blick auf Lesen und Schreiben schon früh im Unterricht genutzt werden, sagt Didaktik-Professorin Nadine Anskeit. Lehrer müssten aber Datenschutz und das Redigieren mithilfe von Textverarbeitungsprogrammen erklären."

28.5.19

Zur Bearbeitung einer Staatsexamensaufgabe aus dem Jahr 2010 aus dem Lichte von 2019

Die Textvorlage ist "Das Gebäude" von Herbert W. Franke .
Die Rollen von Mensch und Roboter sind vertauscht.
Die Menschen arbeiten wie Maschinen. Die Roboter sorgen dafür, dass die Menschen funktionieren ("Kältearrest").
Die Arbeit ist sinnlos. Gebäude werden aufgebaut und abgerissen. Wohnen können die Menschen weder da noch da.
Der Gedanke, man könnte in Gebäuden wohnen, ist für Fontain "frevlerisch". Ein Frevel ist eine Handlung gegen die göttliche Autorität.
Für Hassau ist er "eine absurde Idee" und "unsinnig".
Die Menschen haben eingesehen, dass sie nur für die Maschinen arbeiten dürfen. Etwas für die Menschen zu tun, wäre gegen die künstliche Intelligenz der Maschinen, also gegen die übernatürliche Autorität.
Aussageabsicht des Textes: Wenn sich der Mensch an die Maschine anpassen muss, ist das gegen die Menschenwürde. Dazu: Kants kategorischer Imperativ (vgl."Selbstzweckformel" https://de.wikipedia.org/wiki/Kategorischer_Imperativ#%E2%80%9EFormeln%E2%80%9C)
Diese Aussage wird aber nicht ausgesprochen, sondern erst langsam [im Kopf des Lesers] entwickelt. (Parallelbau der beiden Teile wie in Kafkas "Auf der Galerie").
Das selbständige Denken haben die Menschen zugunsten der Sicherheit aufgegeben. "Sicherheit dessen, für den andere denken".
Bemerkenswert ist, dass der Gedanke, dass man das selbständig denken nicht zugunsten seiner Sicherheit aufgeben dürfe, schon 2010 in einer Prüfung behandelt wurde, bevor ein deutscher Innenminister ihn seinerseits verwarf.
Der Innenminister Friedrich hat 2013 Sicherheit zum "Supergrundrecht" erklärt, also zu einem Grundrecht, das wichtiger ist als Freiheit, Meinungsfreiheit und Menschenwürde.
Von Lehrern und Schülern erwartet man selbständiges Denken. Minister genießen nicht selten Narrenfreiheit (auch heute noch). Aber das braucht man in einer Staatsprüfung nicht ausdrücklich hinzuschreiben. Greta Thunberg hat deutlich genug aufgezeigt, dass manchmal Schüler besser als Minister* wissen, was in einer Gefahrensituation zu tun ist. Der Prüfer könnte also sagen: "Warum schreiben Sie so einen Allgemeinplatz hin?" Also lässt man das besser weg.

Selbstverständlich müsste ein solcher Text als "Thema verfehlt" und deshalb "ungenügend" bewertet werden, denn die Aufgabenstellung war:

"Stellen Sie Überlegungen zur Leseförderung und zum literarischen Lernen an, die Ihnen helfen, den Einsatz des Textes in einer Klassenstufe Ihrer Wahl (bitte angeben!) zu begründen; gehen Sie dabei auch auf das Science-Fiction-Genre ein!" (Aufgabenbereich: Didaktiken einer Fächergruppe der Hauptschule) 

* Dobrindt, Seehofer, Scheuer ...

28.6.16

Wie muss sich Ausbildung im Blick auf die Fortschritte bei künstlicher Intelligenz verändern?

Mit den Fortschritten bei künstlicher Intelligenz werden akademische Qualifikationen zunehmend unwichtiger. Davon ist Wolfgang Wahlster überzeugt, CEO des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI).
Das heutige Ausbildungs- und Karrieresystem muss demnach neu gedacht werden. Der Einstieg in gutbezahlte Berufe gelingt nach wie vor meist über fachliche Qualifikation, also die Leistung bei kognitiver Intelligenz. Sie ist etwa für Schach oder Go wichtig, "aber hier sind uns die KI-Systeme zum Teil schon überlegen", betont Wahlster. Zur menschlichen Intelligenz gehöre aber ebenso die sensomotorische, emotionale und soziale Intelligenz. "Hier sind Computer noch weit von unserer Performanz entfernt." Er plädiert daher dafür, diese Stärken in der Schule deutlicher zu fördern. Es gehe darum, nicht nur Wissen zu lehren, sondern auch das clevere Entscheiden in Alltagssituationen, das Bewerten, das Lernen zu lernen. "Das ist viel wichtiger als reines Fachwissen. Dort liegt der riesige Vorsprung des Menschen vor den Computern." (Künstliche Intelligenz: Uni-Studium verliert an Bedeutung, Technology Review 27.6.16)

Die Sicht von 2018