Wir erleben gegenwärtig im Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise zwei massive Ausgrenzungsversuche, die beide nur bedingt erfolgreich sind, aber zu gefährlichen Konfliktkostellationen führen:
1. die Ausgrenzung der Flüchtlinge durch Pegida und AfD (ihre Ausgrenzung durch Rechtsradikale ist alt und war nicht so bedrohlich)
2. die Ausgrenzung von Pegida und AfD und ihrer überzeugten Anhänger durch die Mainstreammedien und einen großen Teil der Bevölkerung.
Ich habe gegen beide keine Patentrezepte, möchte aber auf Ansätze hinweisen, die helfen könnten, die schlimmsten Folgen zu vermeiden.
Außerdem erleben wir an den Schulen, dass die Inklusion, die doch ein Mittel gegen Ausgrenzung sein soll, nicht selten innerhalb der Schulklassen zu Ausgrenzungstendenzen führt.
Auch dafür bieten die folgenden Hinweise Anregungen dafür, wie dazu beigetragen werden kann, dass aus Inklusion Integration wird.
Zunächst stütze ich mich dabei auf einen Artikel in der Frankfurter Rundschau vom 8.10.16:
Der Antirassismus-Trainer Jürgen Schlicher vertritt die Ansicht, "dass uns von klein auf 'die Empathie systematisch abtrainiert wird, denn wir lernen, dass das für das eigene Vorwärtskommen besser ist'."
Mobbing nimmt nicht zuletzt durch die Möglichkeit des anonymen Mobbing über das Internet immer mehr zu. Und es wird für Lehrer immer schwerer, das zu beobachten und dagegen vorzugehen.
[Einschub: Bericht einer Frau, die als 12-Jährige gemobbt wurde, über ihre Gespräche mit damaligen Mitgliedern ihrer Klasse, ZEIT 6.2.19]
Yanni Fischer von der Integrierten Gesamtschule Eschersheim in Frankfurt hat ein Mittel dagegen gefunden. (Mobbing, Online-Mobbing)
Konflikte sind an sich nichts Schlimmes. Wenn man lernt, sie auch aus der Sicht des Konfliktpartners zu sehen, kann man sie in der Mehrzahl der Fälle deeskalieren. Dafür bedarf es Streitkultur.
Gute Erfahrungen mit der Verbreitung einer solchen Streitkultur macht Ernst Kucharczyrk, der Regionalsprecher der "Seniorpartner in School" in Frankfurt. (Mediation)
Eine gute Möglichkeit, Empathie für Diskriminierte zu entwickeln, hat man, wenn man grundlos in die Rolle des Dirkriminierten, Ausgegrenzten und Mobbingopfers gerät und die Möglichkeit hat, intensive Erfahrungen damit zu machen und dadurch dafür sensibilisiert wird, wenn es anderen genauso geht. Bewährt hat sich dafür der Workshop "Blue eyed".
Alle diese Beispiele finden sich in der Frankfurter Rundschau vom 8.10.2016 auf den Seiten 20-21.
Eine Sensibilisierung (unter anderen) für das Problem habe ich durch eigenes pädagogisches Versagen erlebt.
Ein Schüler meiner Klasse verließ die Schule, weil er gemobbt wurde, bevor ich erkannt habe, wie schwer das Problem war. Später wurde ich angeregt, mich mit Streitschlichtung zu beschäftigen und sie an unserer Schule einzuführen. In diesem Zusammenhang habe ich Streitschlichter/Mediatoren ausgebildet und eine ganze Reihe von Mediationen durchgeführt. Das hat mich zur Überzeugung gebracht, dass Mediation gerade in der Schule ein sehr erfolgversprechendes Instrument ist.
Dass in der Gesellschaft nicht zu funktionieren braucht, was sich in der Schule bewährt hat, ist keine himmelstürzende Erkenntnis. Die Mediation bei Stuttgart 21 trug zwar zur Besänftigung des Konfliktes bei, führte aber nicht dazu, dass die Vertreter von Stuttgart 21 an das ausgehandelte Ergebnis gehalten hätten. Mehrkosten in Milliardenhöhe, die sich daraus ergeben haben, lassen diese Mediation nicht als Erfolg erscheinen.
Weitere Links:
Gewaltfreie Kommunikation
Giraffen- und Wolfssprache
Verstehen und Verständigung
Konfliktschlichtung
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8.10.16
2.12.14
Klassenchats
Philippe Wampfler schreibt in "Klassenchat – oder die schwierige Ökologie sozialer Netzwerke":
1. Mir scheint das Thema in Schule und Elternhaus von ausserordentlicher Bedeutung und bisher noch nicht wirklich geklärt, wohl auch weil die Zuständigkeit zwischen Stuhl und Bank fällt (zwischen öffentliche Schule und privatem Zuhause).
2. Ich frage die Klasse:”Können wir das … in eurem Klassenchat (WhatsApp, what else?) lösen?” – die Klasse:”Wollen Sie das wirklich?” – Ich:”Grundsätzlich nein, einfach kurz zur Lösung dieses Problems” – die Mädchen:”d’Buebe sind nid (nümme) i de Gruppe!”
Man merkt, dass dies Diskussionen im Schweizer Raum sind. Die Probleme sind aber mit Sicherheit überall ähnlich.
Meine Ansicht: Die Klassenchats gehören gewiss in das Gespräch im Lehrerzimmer (und in Lehrerblogs). Die Entscheidung, wie man darauf reagiert, gehört zur pädagogischen Verantwortung. Ob Lehrerkonferenzen und Ministerien dazu bindende Beschlüsse fassen sollten, kann ich ohne genauere Kenntnis der Situation vor Ort nicht beurteilen. Der Hinweis von Philippe Wampfler scheint mir aber bedenkenswert.
Links:
Eine aktuelle Schülerfrage in gutefrage.net mit Antworten;
Zeitungsartikel
Klassenchat kann schnell zu Mobbing führen, in http://www.wz-newsline.de/, 27.11.14
Whats App: Klassen-Chat eskaliert, 2.10.2013
Wer sich mit Klassenchats auseinandersetzt, wird bemerken, wie falsch viele Vorstellungen von »Digital Natives« sind. So selbstverständlich Neue Medien genutzt werden, so viele Schwierigkeiten bringen sie mit sich. Jugendliche haben ein differenziertes Bewusstsein von den Problemen, die Klassenchats schaffen können. Sie werden damit aber völlig allein gelassen, weil die Schule daran offiziell nicht beteiligt ist und die Eltern diese Chats als paraschulische Aktivität tolerieren müssen, weil sie eine Bedingung der Teilnahme an wichtigen Lernprozessen im Peer-Bereich geworden sind.Dazu zunächst zwei Ausschnitte aus Kommentaren:
Wollen Lehrpersonen hier aktiv werden, bitte ich sie, mit jeder Klasse eine Lektion über ihren Chat zu sprechen. Am Schluss könnte eine Art Verpflichtung stehen, wie die Qualität des Austausches verbessert werden kann.
1. Mir scheint das Thema in Schule und Elternhaus von ausserordentlicher Bedeutung und bisher noch nicht wirklich geklärt, wohl auch weil die Zuständigkeit zwischen Stuhl und Bank fällt (zwischen öffentliche Schule und privatem Zuhause).
2. Ich frage die Klasse:”Können wir das … in eurem Klassenchat (WhatsApp, what else?) lösen?” – die Klasse:”Wollen Sie das wirklich?” – Ich:”Grundsätzlich nein, einfach kurz zur Lösung dieses Problems” – die Mädchen:”d’Buebe sind nid (nümme) i de Gruppe!”
Man merkt, dass dies Diskussionen im Schweizer Raum sind. Die Probleme sind aber mit Sicherheit überall ähnlich.
Meine Ansicht: Die Klassenchats gehören gewiss in das Gespräch im Lehrerzimmer (und in Lehrerblogs). Die Entscheidung, wie man darauf reagiert, gehört zur pädagogischen Verantwortung. Ob Lehrerkonferenzen und Ministerien dazu bindende Beschlüsse fassen sollten, kann ich ohne genauere Kenntnis der Situation vor Ort nicht beurteilen. Der Hinweis von Philippe Wampfler scheint mir aber bedenkenswert.
Links:
Eine aktuelle Schülerfrage in gutefrage.net mit Antworten;
Zeitungsartikel
Klassenchat kann schnell zu Mobbing führen, in http://www.wz-newsline.de/, 27.11.14
Whats App: Klassen-Chat eskaliert, 2.10.2013
23.6.08
Mobbing
Eine neue Motivation für Mobbing ist einerseits, wenn man mit seine Angriffe filmen und ins Netz stellen kann und wenn man im Chatroom anonyme Drohungen ausstoßen kann, ohne dass der andere eine Schriftprobe von einem hat. (ZEIT vom 19.6.08)
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