22.3.19

Schul-Cloud

Auf die Schul-Cloud bin ich erst heute gestoßen. Mir scheint, dass damit ein freieres Arbeiten als auf Plattformen wie Moodle möglich ist und das doch niedrigschwellig genug ist, dass man sich als Lehrer dort leicht einarbeiten und Schritt für Schritt digitale Instrumente in seinen Unterricht einführen kann. 
Da ich selbst sie nicht nutzen werde, biete ich zunächst nur Interessenten einen ersten Zugang an.

Schul-Cloud (Wikipediaartikel)

Die HPI Schul-Cloud: Niedrigschwelliger Zugang zu digitalen Unterrichtsinhalten

Blog der Schul-Cloud

Eine andere Pädagogik ermöglichen

21.3.19

Das Bild vom "digitalen Klimawandel"

Das Bild vom "digitalen Klimawandel" hielt ich zunächst nur für einen missratenen Vergleich wie den von den Datenautobahnen. Martin Lindner hat es aber in seiner Einführung in "Die Bildung und das Netz" so veranschaulicht, dass ich es jetzt für nötig halte, mich damit auseinanderzusetzen.
Es ist hochproblematisch, weil es beide Veränderungen, die atmosphärisch-klimatische wie den digitalen Anteil an der Globalisierung unzulässig verharmlost.
Den atmosphärisch-klimatischen Klimawandel deshalb, weil er zwar vermutlich einen menschengemachten Anteil enthält, aber von Menschen nur sehr begrenzt beeinflussbar ist. (Das ist gegenwärtig endlich wieder ernsthaft ins Gespräch gekommen, bleibt hier aber unbehandelt.)
Den digitalen Anteil an der Globalisierung deshalb, weil es die Vorstellung begünstigt, die Globalisierung und der digitale Wandel erfolge genauso naturgesetzlich wie der Klimawandel. Das ist aber falsch.
Dass die Globalsierung von Menschen initiiert und vorangetrieben wird, braucht hier ebenfalls nicht diskutiert zu werden. Schon eher, dass ihre Beschleunigung in den letzten Jahrzehnten auf ein Interesse an internationaler Arbeitsteilung zurückzuführen ist, die mit dem komparativen Kostenvorteil begründet wird.
Mich interessiert hier nur der digitale Anteil. Er hat, insbesondere nach der Kommerzialisierung des Internets, zu einer erheblichen Beschleunigung der Globalisierung beigetragen und insbesondere den Tigerstaaten sowie China und Indien zu einer erhöhten wirtschaftlichen Bedeutung verholfen.
Wenn es Al Gores Rechnung gewesen sein sollte, dass der IT-Vorsprung der USA ihnen im Laufe der Digitalisierung einen uneinholbaren Vorsprung bescheren würde, dann hätte er sich verrechnet. Uneinholbar ist er nicht und Trumps Drohungen wegen der deutschen 5G-Auktion sind darin begründet.
Auch das nur am Rande.
Entscheidend ist:
Die Digitalisierung erfolgt nicht naturgesetzlich, sei kann gesteuert, gebremst und beschleunigt werden.
Gegenwärtig beschleunigt sie sich, weil die Firmen, in deren Interesse es liegt, sie voranzutreiben, nur minimal besteuert werden.
So sehr digital immigrants und digital natives von der Digitalisierung profitieren, so wichtig ist es doch zu prüfen, ob die klimatischen Folgen der Globalisierung ein Bremsen von Globalisierung und eine entsprechende Steuerung der Digitalisierung erforderlich machen.
Diese Prüfung hauptsächlich denen zu überlassen, die von der Digitalisierung relativ wenig verstehen, könnte sich als verhängnisvoll erweisen. Bei der Nutzung der Atomkraft ist man so vorgegangen und hat jetzt ein Lagerungsproblem von einigen Millionen Jahren, das die Fachleute am Beginn übersehen und dann konsequent geleugnet haben, bis die Castor-Transporte nicht mehr zu verheimlichen waren.
Bei der Digitalisierung stellt sich das Problem völlig anders. Zunächst aber sollte man es sehen.
Eine kurze Andeutung schon hier:
1. Das Netz "vergisst nichts".
2. Das Netzgedächtnis ist leichter zu zerstören als verstreute Tontafeln, Pergament und Papier. (Stichwort: Wasserstoffbombe)
3. Das Netz ist manipulierbar.

19.3.19

Martin Lindner: "Die Bildung und das Netz" mit einigen aktuellen Anmerkungen

Mit dem Netz hat sich nicht nur der Zugang zu Bildung verändert, "sondern auch das Wissen selbst: Im Netz und mit dem Netz entstehen neuartige Wissensarchitekturen, weil die digitalisierten Bausteine ganz anders verknüpft und verarbeitet werden können. Die Fachleute sind jetzt nicht mehr entrückte Autoritäten, die sich in perfekt formulierten Publikationen äußern, sondern Menschen, denen man online quasi beim Denken zusehen kann. Und auch die Peer-Netzwerke sind von ganz anderer Qualität als früher.
Das bedeutet tatsächlich einen fundamentalen Bruch mit den Bedingungen, unter denen früher Bildung stattfand, auch wenn die sichtbaren Auswirkungen bislang noch gar nicht so dramatisch sind. [...]
Die Idee eines verpflichtenden Wissenskanons ist verloren. Die Autoritäten büßen viel von ihrer Richtlinienkompetenz ein. Die Kommunikationen verzetteln sich. Und je mehr man sich in Online-Netzwerken aufhält, desto weniger ist man auf den Zusammenschluss mit den Leuten angewiesen, die leibhaftig im selben Raum sind." (Martin Lindner: Die Bildung und das Netz, Kapitel 16: Eine sehr kurze Bildungsgeschichte - im Kindle irgendwo bei 34%.) 
[Wenn ich gleich zum Inhaltsverzeichnis gegangen wäre, um das genaue Kapitel, aus dem sie stammt, anzugeben, hätte ich es mir sehr erschwert, die genaue Stelle, wiederzufinden, von der ab ich weiterlesen wollte (eine Besonderheit elektronischer Bücher).] 

Meine Annäherung an Martin Lindners Text geschieht in diesem Blogartikel etwas ungewöhnlich. In anderen werde ich versuchen, Stellen, die mir wichtig erscheinen, weitestgehend unkommentiert vorzustellen. Dazu habe ich von ihm die Erlaubnis bekommen.

Hier eine kurze Andeutung, wie mich diese Textstelle aus dem Buch erreicht hat und wie sie wieder ins Netz gelangt ist:
Ich habe das Buch vor der Erstellung subskribiert (heißt heute: "per crowdfunding schwarmfinanziert"), bei einem ZUM-Treffen im Druckexemplar gelesen, den Verfasser bei passender Gelegenheit gebeten, es mir zur Verfügung zu stellen, es mir im azw3-Format aus dem Netz heruntergeladen, gerätselt, wie ich es in meinen Kindle hineinbekomme, in gutefrage.net angefragt, eine richtige Antwort bekommen (auch wenn der Antwortende das azw3-Format nicht kannte), aber mit der Antwort nichts anfangen können. (Was mein Problem war, schildere ich dort.) Schließlich habe ich es aber geschafft, es wenigstens in amazondrive unterzubringen. Meine Vorstellung: Wenn es bei amazon ist, ist es nicht mehr weit bis zum Kindle.

Im drive konnte ich es freilich wegen des Formats nicht lesen. Das wollte ich auch gar nicht, es sollte ja im Kindle sein. Hätte ich jetzt jemanden gehabt, der "leibhaftig im selben Raum" gewesen wäre, wäre ich über einen besseren Weg informiert worden. So habe ich einen hochqualifizierten Informatiker bemüht, der einen Kindlebesitzer, mit dem er "im selben Raum" war, befragt und darauf mir kluge Ratschläge gegeben hat.
Unfähig, die Ratschläge zu deuten, habe ich den Verfasser des Buches bemüht, ihm mein Problem aus meiner Sicht geschildert, was er, da er nicht "leibhaftig im selben Raum" war, nicht recht deuten konnte.
Genug, offenkundig habe ich den Text dann irgendwie im Kindle lesen können.
Sogleich habe ich dort meine Markierungen gesetzt, um es von dort wie üblich auf den Computer zu übertragen. Der aber erkannte nicht, dass das Buch wirklich im Kindle war, erkannte auch meine Markierungen nicht und konnte mir nicht den Text anzeigen. 
Alles kein Problem. Ich lese die markierte Stelle meinem iphone vor, das konfiguriert die Mail, die mein Computer empfängt. Die kopiere ich in diesen Blogartikel, korrigiere die Verständnisfehler der Spracherkennung und schon steht Martin Lindners Textpassage im Netz. Freilich nur, wenn ich sie rechtzeitig gespeichert habe. 
Wie oft war diese Textpassage auf dem Weg vom Verfasser zu mir und von mir zum Blog und vom Blog zu Ihnen im Netz?

Ich stimme Martin Lindner durchaus zu, dass man die Gedankengänge eines Wissenschaftlers, der häufig twittert, gelegentlich bei ihrer Entstehung mitverfolgen kann. Und das weiß ich sehr zu schätzen. Zudem ist es über das Netz leichter möglich, sich auf einer Art Augenhöhe zu fühlen. [Beispiel: Twittergespräch über Wissenschaft - Ist hier erkennbar, wer Professor ist, wer Doktor, wer gar kein ausgewiesener Wissenschaftler?] 
Kurz gesagt, wir würden uns duzen, auch wenn wir nie zusammen "im selben Raum" gewesen wären. Aber von der Augenhöhe bleibt wenig übrig, wenn der eine sich im Netz nicht wie ein digital native, sondern wie ein Wissenschaftler bewegt, der seine Arbeitstexte so routiniert aufspürt, wie er es zuvor in Seminar- und Universitätsbibliothek, über Fernleihe und im Archiv getan hat. 

Dennoch: Greta Thunberg kann mit großer Autorität von den Politikern fordern: "Ihr müsst mehr für die Abschwächung des Klimawandels tun!" und gleichzeitig auf die Frage, was geschehen soll, antworten: "Das weiß ich nicht". 
Denn ihr ist schon lange bekannt, dass Hunderte von Wissenschaftlern sich über wesentliche Schritte einig sind (vielleicht auch Tausende oder Millionen). Und in der Wikipedia findet sich (sogar in 133 Sprachen) zu Klimaschutz Grundlegendes zum Problem in einer für eine intelligente 16-Jährige durchaus verständlichen Sprache. Und die Qualifizierung als exzellenter Artikel bedeutet inzwischen, dass das Gebotene inzwischen höheren Ansprüchen genügt als früheres Lexikonwissen.*

Es gibt andere Hürden, aber dass Politiker deshalb, weil sie sich auf das Fachwissen ihres Ministeriums stützen können, sich über ihr Aufgabengebiet qualifizierter äußern könnten als Schüler, wird ihnen schon länger kaum noch abgenommen. 
Da brauchte es nicht Seehofer, der Migration als "Mutter aller Probleme" bezeichnete, als ob Klimawandel und Migration nichts miteinander zu tun hätten.
Und auch keines Scheuer, der als Verkehrsminister eine Geschwindigkeitsbeschränkung auf Autobahnen als "gegen jeden Menschenverstand" bezeichnete, obwohl die überwältigende Mehrheit der Länder Europas eine solche Beschränkung eingeführt hat. Und auch keines Trump. 

Und die Aussage von 2017 "je mehr man sich in Online-Netzwerken aufhält, desto weniger ist man auf den Zusammenschluss mit den Leuten angewiesen, die leibhaftig im selben Raum sind." ist nicht erst durch den Schülerstreik in rund 130 Ländern bewiesen, bei dem z.B. in einem Land nur 4 streikende Schüler waren, die aber die Nachricht von ihrem Streik international bekannt machen konnten. 

Da mag ich in den vorhergehenden Absätzen noch so oft betont haben, dass Anwesenheit "im selben Raum" für Verständigung oft zentral ist. 

* Ich persönlich halte übrigens den Bericht des Club of Rome von 2012 "2052 ..." für politisch noch informativer* und besonders zusammen mit Barack Obamas Satz: "Als Politiker kann ich Ihnen eines versichern: Politische Führer werden keine Risiken eingehen, solange die Menschen dies nicht von ihnen verlangen." (SZ, 5.10.13) Denn der bedeutet ja, dass das Wichtigste ist, dass Politiker eben nicht nur von Vertretern der Wirtschaft gesagt bekommen, was sie tun sollen. 

* Sehr eindrucksvoll dazu die 20 Ratschläge

Zur Fortsetzung meines Kommentars zur Lektüre des Buches (Entwurfsstadium)

18.3.19

Zwei Verzweifelte erwecken Hoffnungen

Der Norweger Jorgen Randers verzweifelte an der Lernfähigkeit Menschheit und ging trotzdem daran mit 36 Experten ein Zukunftsbild für 2052 zu erstellen - es kam 2012 heraus, das für uns Laien erschreckend ist, für ihn aber eine Erleichterung darstellte:
"Es erfüllt mich aufrichtig mit Freude, dass der Weltuntergang nicht zu meinen Lebzeiten passieren wird." (S.279) [Hervorhebung von Fontanefan]
Das Schlimmste werde erst nach 2030 passieren. Dabei wusste er, dass eigentlich noch 2012 eine Möglichkeit bestanden hätte, das Schlimmste dauerhaft abzuwenden.

Die Schwedin Greta Thunberg verzweifelte mit 11 Jahren und versuchte trotzdem mit allen Möglichkeiten eines Kindes, das Schlimmste für ihre Generation zu verhindern. Über vier Jahre lang kämpfte sie ohne Hoffnung. Das sagte sie noch Ende 2018.
Die weltweiten Schülerstreiks vom 15. März 2019 haben vielleicht aber doch einen Funken Hoffnung in ihr erweckt. Jedenfalls kämpft sie noch unermüdlich weiter.

Jorgen Randers hat nicht daran geglaubt, dass ein weltweites Umdenken der Politiker im Laufe der nächsten Jahre möglich wäre. Doch das wäre für das Gelingen seines Vorschlags erforderlich. Ob Gretas Erfolg auch ihm Hoffnungen macht?

Bei mir hat er die Hoffnung erweckt, dass ein weltweiter Bewusstseinswandel entsteht und dass ich nicht mehr erleben werde, dass die kommenden Generationen ihre Hoffnungen aufgeben müssen.

Literatur zum Thema:

Naomi Klein: Die Entscheidung: Kapitalismus vs. Klima
S. Fischer Verlag, Frankfurt/Main 2015 ISBN 9783100022318
Joachim Radkau: Die Ära der Ökologie. Eine Weltgeschichte, München 2011

Martin Jänicke / Philip Kunig / Michael Stitzel: Lern- und Arbeitsbuch Umweltpolitik. Politik, Recht und Management des Umweltschutzes in Staat und Unternehmen (Rezension)

1999; 432 S.; brosch., 29,80 DM; ISBN 3-8012-0283-6





11.3.19

Eine Rede, die ich nicht halten werde

Liebe streikenden Schülerinnen und Schüler,

ich bin euch dankbar, weil ihr mich aus meiner Resignation herausgerissen habt.
Nicht nur Greta, sondern ihr alle geht auf dem Weg voran, den allein zu gehen ich mich nicht getraut habe. Danke!

Freilich, ich bedaure euch auch. Ihr müsst damit fertig werden, dass die Umweltbewegung, die vor knapp 60 Jahren entstand, nur so wenig erreicht hat. Zwar nahmen 1972 an der erste  Weltumweltkonferenz in Stockholm bereits 113 Staaten teil, aber es dauerte 20 Jahre, bis es zur zweiten kam (1992 in Rio) und als endlich 2015 in Weltklimakonferenz in Paris relativ konkrete Beschlüsse gefasst wurden, sprangen die USA gleich und Deutschland - nur scheinbar ein Vorreiter in der Umweltbewegung - wenig später ab.
Was euch erwartet, weil die Generationen vor euch nicht genügend voran kamen, ist besorgniserregend. Jørgen Randers, der sich intensiv mit den Zukunftsaussichten für 2052 befasst hat, gibt deswegen heutigen Eltern den Rat: "Erziehen Sie ihre Kinder nicht zu Naturliebhabern." Denn wenn Sie das täten, erhöhten Sie "dadurch die Chance, dass Ihr Kind unglücklich wird". 
2052 werden nämlich nur noch wenige mit der Natur in Berührung kommen können. 

Aber ich sehe auch die neuen Chancen, die euer Weg euch eröffnet:
Je stärker sich die Klimaerwärmung bemerkbar macht, desto deutlicher wird nämlich, dass diese Entwicklung die ganze Erde betrifft und dass es daraus kein Entkommen gibt. Insofern hat eure Generation die Chance zu lernen, dass es ein gemeinsames Interesse eurer Generation ist, die Auswirkungen der Erwärmung so gering wie möglich zu halten. Und zwar habt ihr die Chance, das zu tun, bevor ihr davor resigniert. 
Natürlich gab es immer wieder Anläufe, weltweit ein lebenswerteres Leben zu gestalten, die gescheitert sind. Aber gerade in den letzten Jahrzehnten gab es Entwicklungen, die Anlass zur Hoffnung geben*
Die Blockbildung in Ost und West ist zusammengebrochen, auch ohne dass es darüber eine weltweite Verständigung gab. Einseitige Schritte haben in Umkehrung der Domino-Theorie immer mehr Staaten Freiheit gebracht. 
In Deutschland haben wir erlebt, dass ein Kanzler der CDU, die energisch die Annäherung an den Osten bekämpft hatte, diese Annäherung bis zur Deutschen Einigung vorantrieb. 
Die Fehlleistung eines Politikers führte zum glücklichen Fall der Mauer.
Wer sagt denn, dass heutige oder zukünftige Politiker keine Fehler mehr machen, die gute Folgen haben können?!
Durch die Digitalisierung sind internationale Kontakte ungeheuer erleichtert. Gute Ideen können sich schneller verbreiten als je. Greta Thunberg beileibe nicht die einzige Jugendliche, die einen mutigen Plan gefasst und verwirklicht hat. 

Und deshalb brauch ich diese Rede nicht zu halten.
Die heutige Jugendgeneration kann selbst ihre Interessen artikulieren. 
Und sie wird kein Blatt vor den Mund nehmen.
Tweet von Greta

* Entwicklungen mit Anlass zur Hoffnung 

23.2.19

Die Schülerstreiks sind ein Glücksfall


Schon jetzt wird an vielen Schulen über die Schülerstreiks diskutiert. Ich möchte eine Blogparade anregen, in der verschiedene Aspekte der Streiks behandelt werden.

Meine These:
Die Schülerstreiks sind ein Widersinn und ein unerhörter Glücksfall.

Ein Widersinn sind sie, insofern sich die Schüler dabei selbst schädigen und Zeit, die sie mit der Beschäftigung mit dem Klimawandel verbringen könnten, auf der Straße stehen und die meisten Erwachsenen sich schon längst eine Meinung über den Klimawandel gebildet haben und die Regierungen nicht erkennen lassen, dass die Streiks sie beeindrucken. 

Diese Einschätzung ist verständlich, aber sie verkennt die Situation, in der wir heute stehen.

1962 hat R. Carson das Insektensterben von 2018 vorausgesagt. Viele haben ihr geglaubt, das Buch wurde ein Bestseller. Nach und nach entstand eine weltweite Umweltbewegung.
Es dauerte 30 Jahre bis es zur ersten 1992 in Rio de Janeiro  zur ersten Weltumweltkonferenz kam, wo bereits ein weltweite Übereinkunft beschlossen wurde, "die globale Erwärmung zu verlangsamen sowie ihre Folgen zu mildern" (Wikipedia).
Weitere 23 Jahre dauerte es, bis 2015 in Paris auf der 21.Weltklimakonferenz eine Einigung zwischen großen und kleinen Staaten zustande kam, die relativ konkrete Ziele formulierte, wie die Klimaerwärmung auf 1,5 bis 2 Grad beschränkt werden könnte.
Doch bereits drei Jahre darauf sind viele Staaten - unter anderen die USA und Deutschland - von diesen Zielen abgerückt.
Das geschah, obwohl es inzwischen Millionen von Klimaaktivisten gibt und eine überwältigende Mehrheit der halbwegs Informierten begriffen hat, dass der Klimawandel gegenwärtig die größte Herausforderung an die Menschheit ist.
In dieser Situation sind die meisten Klimaaktivisten resigniert. Sie kämpfen mit allem Elan an ihren wichtigen Einzelprojekten; aber sie sehen keine Chance, wie die Menschheit trotz aller Widerstände rechtzeitig gemeinsam handelt.
Da kommt die damals 15-jährige schwedische Schülerin Greta auf einen Gedanken, was sie als Einzelne tun kann, wo Millionen von Erwachsenen resigniert sind.
Sie macht sich keine Hoffnungen, dass sie damit Erfolg hat. Aber sie sieht, dass sie eine kleine Chance hat eine breite Öffentlichkeit darauf aufmerksam zu machen, was die heutige Erwachsenengeneration ihren Nachkommen angetan hat. Und nach monatelangem "widersinnigen" Schulstreik wird sie zu einer Weltkonferenz nach der anderen eingeladen und fährt mit der Eisenbahn dorthin, ohne dass zusätzliches CO² entsteht, das nicht auch ohne ihre Fahrt entstanden wäre.
Zum ersten Glücksfall (Greta) kommt ein zweiter. Weltweit greifen Schüler ihre Botschaft auf und konfrontieren die Generation der Erwachsenen damit, was sie den folgenden Generationen hinterlässt.
An dieser Stelle entsteht bei vielen, die schon seit Jahren und Jahrzehnten resigniert sind, eine Hoffnung. Das scheinbar Widersinnige hat seinen Sinn. 

Liste der bisherigen und der geplanten Schulstreiks

18.2.19

Wozu noch unterrichten? - Wozu lernen?

Jochen Englisch stellt sich die Frage und argumentiert wie folgt:

"Das schriftliche bayerische Abitur ist inzwischen derart läppisch, das kann ein durchschnittlicher 10.-Klässler nach spätestens vier Wochen. Die meisten meiner 10.-Klässler kommen beim Hörverstehen genauso auf ihre ca. 16 Punkte (von 20) wie meine Abiturienten. Angesichts der absurd langen Zeit und der Tatsache, dass sie ein zweisprachiges Lexikon verwenden dürfen, verstehen auch mittelmäßige Schüler zumindest den Sachtext weitgehend problemlos (Hintergrundwissen brauchen sie ja eh nicht). Und man benötigt nun wirklich keinen großen Wortschatz um in lächerlichen 250 Wörtern darüber zu schreiben, ob Zoos (2016/II, 1.) bzw. der Muttertag (2014/I, 1.) abgeschafft werden sollten. Der größten Dumpfbacke habe ich nach spätestens zwei Wochen beigebracht, dass der Aufsatz eine kurze Einleitung, einen erkennbaren Hauptteil und einen kurzen Schluss haben muss. Und die Mediation ist eh so wischiwaschi, das können 10.-Klässler (wieder mit Hilfe des zweisprachigen Lexikons) auch schon längst." (Wozu eigentlich noch unterrichten? 26.1.19)

Darauf kommt er zu folgendem Ergebnis: 

"Als ich vor mehr als 30 Jahren angefangen habe zu unterrichten, war Englisch ein tolles, anspruchsvolles, „gymnasiales“ Fach. Mit der Einführung des G8 begann ein für unmöglich gehaltener Niedergang. Der Tiefpunkt ist noch gar nicht erreicht, aber schon jetzt ist es ein Deppenfach, in dem – koste es was es wolle – nur noch gute Noten/Punkte produziert werden sollen. Unterricht bzw. Lehren im traditionellen Sinne findet nicht mehr statt."  (Wozu eigentlich noch unterrichten?)

Er formuliert überspitzt. 
Wie viel davon ist überzeugend? Gilt das nur für Englisch oder auch für andere Fächer?