18.5.18

Zum Datenschutz auf meinen Blogs

Angesichts der Datenschutzgrundverordnung (hier eine Erläuterung der wichtigsten Anforderungen an Webseitenbetreiber in leichter Sprache: DSGVO in einfacher Sprache) sehe ich mich in einer Schwierigkeit.
Google und Wordpress erheben Daten, an denen ich nicht interessiert bin (z.B. bei Kommentaren die E-Mailadresse des Kommentierenden) und geben sie zum Teil an mich weiter, ohne dass ich das bisher abstellen konnte. Ich habe daher - so weit ich das übersehe - die Kommentarfunktion bei allen Googleblogs (blogger.com), bei denen meiner Kenntnis schon einmal kommentiert wurde, abgeschaltet. Bei Wordpress ist mir das bisher noch nicht gelungen, ich werde aber versuchen, das bis zum 25. Mai zu erledigen.
Ich bitte aber, die Kommentarfunktion nicht zu benutzen, wenn man mir seine E-Mailadresse nicht bekanntmachen will. Bisher werde ich gerade bei Wordpress-Blogs meist angemailt. Ausnahme sind Spamkommentare, die ich so und so gern loswerden würde.
Angesichts der unklaren rechtlichen Lage und meiner Unkenntnis über die Daten, die von den Providern meiner Blogs erhoben werden, hoffe ich, dass die Informationen, die ich von Google und Wordpress als Benutzer erhalte, den rechtlichen Anforderungen genügen und dass sie mich als Blogbetreiber nicht unerträglichen rechtlichen Risiken aussetzen.

Als Benutzer des Internets begrüße ich die Datenschutzgrundverordnung, weil sie erstmals eine Grundlage dafür schafft, dass ich als Benutzer dieser Dienste besser erfahre, welche Daten von den Betreibern erhoben und verwendet werden.
Google habe ich zu danken, dass es mir ermöglicht hat, die Daten meiner Blogs zu speichern, so dass sie mir erhalten bleiben, wenn ich alle aus dem Netz nehmen müssen sollte.
Ich hoffe, dass Wordpress dieselbe Möglichkeit bietet.

16.5.18

Darf man "die Wahrheit" sagen?

Es sollte klar sein, dass es nicht "die Wahrheit" gibt, sondern nur jeweils die eigene Wahrheit des Sprechers. Daher gilt in abgewandelter Form das Wort Rosa Luxemburgs über Freiheit ("Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden.") auch für die Wahrheit. 
Wer seine Wahrheit sagen will, sollte nicht nur vermeiden, dass sie objektiv eine persönliche Beleidigung darstellt, sondern auch berücksichtigen, in welchem Kontext er seine Wahrheit sagt.

Insofern halte ich die Aussage Ernst Tugendhats, man müsse auch als Deutscher "die Wahrheit" sagen dürfen, nicht mehr für ganz angemessen. 

Inzwischen bin ich der Meinung, dass man als Deutscher einem Holocaustopfer nicht jede eigene Wahrheit ins Gesicht sagen darf.

Aber dass Martin Walser, Günter Grass und Navid Kermani ihre Wahrheiten nicht sagen durften, ohne von höchst ehrenwerten Leuten in Ecken geschoben zu werden, in die sie nach Ausweis ihres Lebenswerks nachweislich nicht gehören, das finde ich nicht nur bedenklich, sondern nach dem, wie sich die Debattenkultur in Deutschland entwickelt hat, geradezu beängstigend.

Deshalb bin ich dankbar dafür, dass Jagoda Marinic davor warnt, "jede rassistische Aussage mit einem Gegenangriff" zu beantworten, und hinzufügt: Wir geben uns zu wenig Mühe, zu verstehen und werten zu schnell. Wir leben in einer von den sozialen Medien konstruierten "like"- oder "hate"-Gesellschaft." (Interview mit der FR, 16.5.18, S.31)
Längst spielen die klassischen Medien dabei mit.

Die Beispiele Walser, Grass und Kermani beweisen, dass dies Problem in Ansätzen schon lange und nicht nur in den Medien, sondern auch bei höchst ehrenwerten Personen bestand.

Wer jemanden als "Rassisten" abqualifiziert, sollte berücksichtigen, was Bonhoeffer über das Recht, seine Wahrheit zu sagen, geschrieben hat. - Er hat nicht Rassisten verteidigt, sondern das Recht, eine ganz persönliche Wahrheit zu sagen. (1943 im Gefängnis in Tegel, in einer ganz anderen Situation als heute.)

Die kalkulierte Methode, Aussagen als persönliche Wahrheit auszugeben, um Wut zu schüren, möchte ich damit nicht rechtfertigen.

Aber vielleicht muss ich noch mehr hinzufügen, um nicht missvertanden zu werden.

Weitere Hinweise:
Jagoda Marinic: Made in Germany, 2016 (https://www.jagodamarinic.de/)

Marinic weist daraufhin, dass sie mit einem Taxifahrer gesprochen hat, der mitbekam, dass sie eine Veranstaltung gegen Rassismus mitveranstaltet hat, und fährt fort: "Er hat mich also akzeptiert und öffnete ein Ventil [...] Er hat banalen Frist abgelassen, der ihn überfordert. Er interpretiert das so, dass die Politik sich um ihn nicht kümmert, aber dafür um Fremde." (FR, S.31)
Freilich hat sie es verhältnismäßig einfach, akzeptiert zu werden, weil sie Weiße ist und offenkundig "etwas Besseres".

mehr dazu

15.5.18

Anleitung zu Betrug und Selbstbetrug als Bestseller

In der Vorankündigung hieß es, er habe ein Abitur mit Durchschnitt 1,3 geschafft, im Text, es sei 1,7 gewesen. Im Buchtitel heißt es "1er-Durchschnitt". Bei mir ist der Durchschnitt von 1,   1 und 2 nicht 1.  Was ist korrekt?

Sein Buch: Tobias Brandt: Der entspannte Weg zum 1er-Durchschnitt

Im Buch empfiehlt er er, nur einen Teil der Aufgaben zu erledigen, "um sich dann im Unterricht gleich am Anfang zu melden und mit der korrekten Antwort zu glänzen." 
Im Interview sagt er dazu: "Klar ist das Schummelei, aber eine, die sich lohnt. Ich finde das deshalb okay, besonders wenn sich Aufgaben wiederholen. Der Schüler spart Zeit und hinterlässt ohne großen Aufwand einen guten Eindruck beim Lehrer. Da wären wir wieder bei der 80/20-Regel."

Für Perfektionisten ist das Buch unbedingt zu empfehlen, ebenso für intelligente Schüler, die sich im Unterricht so langweilen, dass sie ganz die Lust am Lernen verlieren. 
Gefährlich ist es für Schüler, die nicht überdurchschnittlich begabt sind; denn sie können so leicht Lerndefizite ansammeln, die nicht auffallen, aber später zu einem Lern-Einbruch führen können, weil sie nie wirklich Lernen gelernt haben. 

Auch Hochbegabte müssen Lernen lernen (und gerade die!), aber das können sie nicht beim normalen Schulstoff oder in einem auf den Klassendurchschnitt hin orientierten Frontalunterricht.
Eine Nobelpreisträgerin in Biologie sagte (dem Sinne nach): "Meine Eltern haben nie erwartet, dass ich etwas für die Schule tue, und haben mich ganz meinem Hobby nachgehen lassen. Ich brauchte nur gute Noten heimzubringen. Und so habe ich mich immer nur mit Biologie beschäftigt, das aber intensiv."

Für schülerzentrierten Unterricht nach dem "Flipped Classroom"-Prinzip sind Brandts Empfehlungen freilich tödlich.  Denn diese Arbeitsmethode würde dadurch zum Scheitern verdammt. 
Auch dafür gibt es freilich Ausnahmen. Ein kleiner Gauß könnte bei diesem Unterricht lernen, wie er dem Lehrer zu besserem mathematischen Verständnis verhilft. Nur der Rest der Lerngruppe stünde dann so lange auf dem Schlauch, bis der kleine Gauß gelernt hätte, wann er im Unterricht besser still ist.

Ich hatte einen Schüler, der nur kurzfristig gleichmäßig im Unterricht mitarbeitete, bis er sicher war, dass ich verstanden hatte, dass er wirklich schon in den ersten Minuten des Unterrichts das Lernziel erreicht hatte und sich darauf beschränken konnte, am Schluss der Stunde weiterführende Fragen einzubringen. Der war bei seinen Mitschülern nicht als "Streber" verhasst. 
Wenn ich Jean-Pol Martins Unterrichtsprinzip "Lernen durch Lehren" schon damals gekannt hätte, hätte ich ihm auch dabei weiterhelfen können. So habe ich mich mit dem begnügt, was er schon intuitiv verstanden hatte. 

Was Brandt empfiehlt, ist extrinsisches Lernen. Lernen für eine äußere Belohnung, das heißt, für eine Bestechung
Dauerhaft Lernen lernen kann man aber nur mit  intrinsischem Lernen, wo das Lernen selbst die Belohnung darstellt. 

Ein erwachsener Gauß würde bei Lob von außen misstrauisch: War das, was ich getan habe, so unter meinem Niveau, dass sie es begriffen haben? Nur außerhalb seines Spezialgebietes könnte Lob ihn motivieren. (Der Anekdote nach hat freilich selbst das Liebesspiel mit seiner Frau ihn nicht von seinen mathematischen Reflexionen ablenken können.)

30.4.18

Genügend Lehrer wären wichtiger

Genügend Lehrer wären wichtiger 
"Erstens: Wenn man einen komplexen Zusammenhang erklärend entwickeln muss, hat die gute alte Kreidetafel noch längst nicht ausgedient: Während der Dozent an der Tafel das Problem zeichnend entwickelt, schreiben oder zeichnen die Studierenden dies mit einer ihren kognitiven Fähigkeiten adäquaten Geschwindigkeit nach: So überfordert man das Auditorium nicht und, was viel wichtiger ist, man behält dessen Aufmerksamkeit. [...]
Zweitens: Die schlimmste Unterrichtssituation wird durch ein inhomogenes, viel zu großes Auditorium verursacht (Folge: völlig nutzloser Frontalunterricht!).
Fazit: Bevor man viel Geld in eine technisch rasch veralternde Digitaltechnik der Unterrichtshilfsmittel investiert, sollte man erst einmal alle offenen Planstellen mit tauglichen Lehrern besetzen. Prof. Dr. Dieter Häberle, München"



























vgl. auch SZ 15.5.18

23.4.18

Zur Rolle des Islams in Deutschland

Wenige Hauptgedanken:
Das Ziel der deutschen Islamkonferenz, die 2006 einberufen wurde, war „eine bessere religions- und gesellschaftspolitische Integration der muslimischen Bevölkerung und ein gutes Miteinander aller Menschen in Deutschland, gleich welchen Glaubens“ zu erreichen. 
In diesem Sinne sagte Bundespräsident Christian Wulff am 3.10. 2010, dem deutschen Nationalfeiertag,  wie Christentum und Judentum gehöre „der Islam […] inzwischen auch zu Deutschland“.
So gut diese Aussage gemeint war, weil sie sehr deutlich formuliert, dass Anhänger des Islam in Deutschland nicht wegen ihrer Religion ausgegrenzt werden dürfen, so problematisch ist ein Satz wie: "Der Islam gehört zu Deutschland." 
1. Es gibt keinen einheitlichen Islam.
2. Auch "gehört zu" oder Zugehörigkeit lässt sich sehr unterschiedlich interpretieren. 

Gewiss kann es nicht bedeuten, dass die zum Islam gehörigen Religionsrichtungen genauso wie der Harz oder Berlin zu Deutschland gehörten, denn zu vielen anderen Staaten gehören sie noch weit mehr.
Es sollte auch nicht so verstanden werden, als hätte er die deutsche Kultur schon so stark beeinflusst wie das Christentum seit über 1000 Jahren oder die jüdischen deutschen Bürger seit ihrer Emanzipation. Schon gar nicht hat er die deutsche Geschichte so beeinflusst wie der Versuch, alle Juden auf der Welt zu töten.
Unbestreitbar ist aber, dass Millionen von Deutschen Muslime sind.

Deshalb ist es wichtig, dass sie auch wirklich als gleichberechtigt anerkannt werden, so wie es die Frauen in Deutschland selbst nach Aufnahme des Satzes "Männer und Frauen sind gleichberechtigt." in den Artikel 3 des Grundgesetzes noch lange nicht waren.
Dazu gehört aber auch, dass sich Muslime nicht wie die deutschen "Reichsbürger" als außerhalb der deutschen Gesetze verstehen, sondern sie anerkennen. Davon unbenommen bleibt, dass ein gläubiger Mensch gleich welcher Religion sich zu dem Satz bekennen wird: "Du sollst Gott mehr gehorchen als den Menschen." Denn das schließt Gesetzestreue nicht aus, sondern bedeutet, dass er anerkennt, dass das positive Recht eines Staates für ihn nicht oberstes Gesetz seines moralischen Handelns sein kann. Kurz gesagt: Gesetzestreue wie Befehlsnotstand rechtfertigt keine Unmenschlichkeit.

Der deutsche Anhänger des Islam ist also nicht weniger deutscher Bürger als alle anderen Bürger und deshalb an die deutschen Gesetze gebunden. In diesem Sinne sollte "der" Islam zu Deutschland gehören. Daraufhin hat Integration zu zielen, nicht auf die Kenntnis deutscher Sehenswürdigkeiten und Bräuche.
Eine Verweigerung der Anerkennung deutscher Sitten sollte also bei muslimischen Deutschen nicht anders bewertet werden als bei allen anderen.

Dass gegenwärtig Türken in Deutschland im Schnitt treuere Erdogananhänger sind als die in der Türkei, dass immer wieder in Deutschland "Ehrenmorde"  verübt werden, beweist leider, dass die Integration noch nicht gelungen ist. Und das deshalb, weil auf beiden Seiten (Muslimen und Nicht-Muslimen) noch zu viele Widerstände dagegen bestehen.
Auf diesem Wege ist noch vieles zu tun.

Der Begriff Integration ist freilich ebenfalls eine differenziertere Betrachtung wert, als er sie üblicherweise erfährt. Aber dazu habe ich mich bei anderen Gelegenheiten geäußert.

Dieser Beitrag versteht sich als Ergänzung zu "Feindbilder vernichten".


21.4.18

"Feindbilder vernichten"

"Dem Rad in die Speichen fallen" hat Dietrich Bonhoeffer für nötig gehalten. Das heißt, man darf nicht warten, bis es Opfer gibt, um ihnen dann zu helfen. 
Auf das gleiche Argument beruft sich auch die so genannte Humanitäre Intervention. Keine Frage, dass es sinnvoller gewesen wäre, die Gleisanlagen auf dem Wege nach Auschwitz zu zerstören, als in einer weiteren Großstadt Feuerstürme zu entfachen. 
Die Vergeltungsaktion für den Giftgasangriff, von dem nicht nachgewiesen war, wer ihn veranlasst hat, half weder den Opfern noch half er, sie zu verhindern.* Wofür könnte der gut gewesen sein?

Reinald Engelbrecht glaubt den "Hauptgrund für immer neue Kriegsschauplätze und Flüchtlingsströme" gefunden zu haben:
"Ein militärisch-industrieller Komplex, der mit einem jährlichen 700 Milliarden-Dollar-Etat aus Washington gefüttert wird und darum mit neuen und alten Feindbildern und inszenierten Konflikten seine Berechtigung nachweisen muss." (Bergsträßer Anzeiger 21.4.18) In dieser Hypothese wäre er sich vermutlich mit dem Weltkriegsgeneral und späteren US-Präsidenten Eisenhower einig gewesen, der in seiner Abschiedsansprache am 17.1.1961 vor diesem militärisch-industriellen Komplex warnte
Als nach dem Zusammenbruch des Ostblocks um 1990 der NATO das Feindbild abhanden kam, führte das zu Kürzungen im Militärhaushalt, wenn auch nur zu geringen. Diese
"Friedensdividende" hätte vielleicht in der Tat die Rüstungsindustrie mittelfristig schwächen können, wenn nicht die Anschlage auf das Welthandelszentrum vom 11.9.2001 zu einem neuen Feindbild und neuen Kriegen geführt hätte. 

Doch wer auch immer an Feindbildern interessiert sein mag (Terrororganisationen gewiss),
Wenn man die Auffrischung alter oder die Entstehung neuer Feindbilder verhindern kann, hat man sicher einen wichtigen Beitrag dazu geleistet, dass es nicht zu immer neuen Opfern kommt. 
Als Pfarrer ruft Reinald Engelbrecht dazu auf "Feindbildervernichter" zu sein. 
Ich denke, man braucht kein Christ zu sein, um sich diesem Aufruf anzuschließen. 

Freien Medien, die nicht - wie etwa in der Türkei - mit Repressalien rechnen müssen, stünde es gut an, keine Feindbilder zu schüren. Freilich, auch in Demokratien fällt es gar nicht leicht, gegen den Mainstream anzugehen. 
Es könnte aber dazu beitragen, dass viele Opfer vermieden werden.

Der Blick auf die Jemenkrise und die militärischen und humanitären Folgen kann das vielleicht besser verdeutlichen als der auf den Syrienkrieg, weil uns die dortigen Feindbilder weniger vertraut sind.

* Völkerrechtliche Implikationen des Militärschlags vom 14.4.2018


Sieh auch: Zur Rolle des Islams in Deutschland

13.4.18

Musterbeispiel zu Schwierigkeiten bei der Formulierung von Nachrichten

Der Fall Skripal ist für die Behandlung im Unterricht nicht wichtig genug.
Wohl aber eignet er sich dafür, die Probleme bei der verkürzten Wiedergabe von Nachrichten und ihrer Richtigstellung zu behandeln:

Fake News oder interessengeleitete Interpretation? Fonty 13.4.18

Der Fall Skripal wird zum Offenbarungseid einer Branche Nachdenkseiten 13.4.18 (Die Überschrift ist auch nicht gerade ein Musterbeispiel von Objektivität.)