7.7.09

Bildung 2.0 in www.kreativregion.de

Ich erlebte erstmals das Arrangement von Videoübertragung, parallel laufendem Blog und der Einbeziehung von Twitternotizen in diesen Blog und darüber bedingt auch in die Diskussion. Das war interessant. Leider aus Gründen nicht funktionierender Technik (Skype) und weil die Zahl der Studiogäste sehr groß war, auch recht chaotisch.

Ich gebe Melanie Gottschalk recht mit ihrer Aussage:
Web 2.0 bietet Schülern, Lehrern und Gesellschaft größerer Vernetzung. In einer Stunde kann man nicht alle 33 Schüler zu einer Frage zu Wort kommen lassen. Im Weblog können alle 50 Beteiligten einbezogen werden. (Eine Beobachtung, die im Studio bestätigt wurde, weil zu viele zu Wort kamen.)

Dennoch: die Vorstellung, web 2.0 wäre als blended learning die Lösung unseres Bildungsproblems, ist für mich ein Irrtum. Der sinnvolle Umgang mit web 2.0 setzt sehr viel mehr Fähigkeit, Wichtiges von Unwichtigem zu trennen, voraus, als sie der Durchschnittslernende in Schule und Medien bisher erwirbt.

Meines Erachtens bleibt von Hentigs Motto richtig: Die Menschen stärken, die Sachen klären.

Die Menschen müssen dadurch gestärkt werden, dass sie genügend persönliche Zuwendung erfahren, dass ihre Neugier über ihr Sicherheitsdenken und ihre Konzentration über die Ablenkungen siegen kann.
Sie müssen dadurch gestärkt werden, dass sie lernen, ihren Lernprozess und den der Gruppe mitzugestalten (Selbstwirksamkeit).

Dann kann greifen, dass das Klären der Sachen technisch erleichtert wird und dass der Kontakt mit ähnlich Interessierten durch das Internet räumlich viel stärker ausgreifen kann, durch die Wikimethode die Zahl der Mitarbeiter an einem Projekt immens erhöht werden kann.

"Noch nie war die Diskussion im Café so asynchron mit der im begleitenden Weblog", stellte der Liveblogger fest. Das lag an der Überforderung der Moderation im Café sowie dem Scheitern der Skype-Interviews und der daraus resultiernden Unruhe im Netz, weil man das Thema web 2.0 vermisste.
cervus brachte es bei Twitter auf die Formel: "die heidelberger kreativregion.de ist leider an skype gescheitert. web2.0 ist noch nicht schulreif."

Doch zu Recht hat er zuvor Sina Kaufmann zitiert mit ihrem Hinweis auf die Chance: "Das Internet kann die allgemeine Resignation vor den großen Aufgaben der Weltgemeinschaft durchbrechen." und ihrer von Adrian Kreye in der SZ übernommenen Warnung vor einer Ideologiesierung des Netzes:
In einem Land aber, in dem die Politik das Internet mit Begriffen wie Sucht, Pornographie und Verbrechen besetzt, wird es schwer sein, das Internet in Schulen zu bringen und dort eine Generation für digitale Berufe zu erziehen. Das aber ist kein kultureller oder gesellschaftlicher, sondern ein volkswirtschaftlicher Schaden, der den Weg in die Bildungs- und Innovationswirtschaft erschwert.

Ein interessanter Abend.

Als das Wünschen noch geholfen hat ...

Es war einmal ein junger Kerl, der ließ sich als Soldat
anwerben, hielt sich tapfer, und war immer der vorderste
wenn es blaue Bohnen regnete. Solange der Krieg dauerte,
gieng alles gut, aber als Friede geschlossen ward, erhielt
er seinen Abschied ...

nachzulesen bei den Brüdern Grimm. Wer will, darf mit korrigieren.

In der Tat durften Offiziere ihre Soldaten immer wieder mal entlassen und für sie den Sold einkassieren. Die Soldaten mussten sich dann als Tagelöhner durchschlagen.

3.7.09

Stolperstein Langstadt-Stern

Karl Langstadt (*12.3.1868 in Vosswinkel), Sohn des Metzgemeisters Joel Langstadt heiratete am 25.10. Johanna Stern (*23.5.1880 in Kamen). Karl war im Vorstand der Synagogengemeinde, Mitglied im Wirtschaftsausschuss des Stadtparlaments, DDP-Fraktion, 1942 nach Westerbork gebracht, am 14.5.1943 in das Vernichtungslager Sobibor deportiert und dort ermordet.

1.7.09

Twitter und die IMs

Twitter ist ein sehr geeignetes Instrument, um mit Internetbekanntschaften in Verbindung zu bleiben und sich über gegenwärtige Interessen und Arbeiten auszutauschen.
Andererseits hat es als Nachrichtenmedium des Privatmanns die SMS ergänzt. Kamen beim Zusammenbruch des Welthandelszentrums 2001 die letzten SMS aus den Türmen, so wurde bei dem Hotelanschlag in Mumbai getwittert.
Bei Nachrichtenmedium merkt man freilich, dass BILD dabei seine Privatreporter gewonnen hat, die es nicht sehr erfolgreich und begleitet von - berechtigter - Empörung in den Medien gesucht hat.
Twitterer lassen sich wunderbar als informelle Mitarbeiter jedes Beobachtungsdienstes ausbeuten, sei es BILD, sei es Presse allgemein oder ein Staatssicherheitsorgan. Ein Beispiel dafür lieferte ein Tweet von sachark: "Am Nebentisch im ICE sitzen zwei prominente Spielerberater und ein Anwalt. Sie diskutieren seit 15 Minuten einen Ballack-Transfer zum HSV." Ich habe ihn gelesen, kurz "Wer glaubt's?" gedacht und weiter nach etwas Interessantem gesucht.
Binnem kurzen gingen Nachrichten vom Blog Nur der HSV, von BILD, Express und rp-online (ich werde viele übersehen haben) hinaus.
Twitter wird wahrgenommen, und mit seiner Suchfunktion (am rechten Rand dieses Blogs) ermöglicht es, alle Tweets gezielt zu Stichwörtern, die einen interessieren, zu durchsuchen. Hat man jemanden gefunden, der zu dem Stichwort schreibt, das einen interessiert, kann man all seine Tweets auf das hin durchgehen, was einen sonst noch an ihm interessieren könnte. Zum Thema Fluchtabwehr wird man nicht viel finden, aber man könnte ja auch andere Stichwörter eingeben.
Nicht, dass man mit dieser Methode Terroristen herausfinden könnte. Aber sie kann einen vergleichsweise unaufwändig über das informieren, was jetzt zigtausende von Stasiakten füllt: Unbewiesenes, Banales über Privatleben, was man benutzen kann, um zu verunsichern und so seine Ziele gegen den Abgeschöpften durchzusetzen.

Bildungsstreik 2

Einen gewissen Überblick über die Reaktionen auf den Bildungsstreik vermitteln die Nachdenkseiten. Dabei liefern sie auch Links, die freilich vornehmlich auf CDU und RCDS verweisen. Interessant erscheint dabei auch der auf Peter Grottian.

26.6.09

Skype und Lindenduft

Skype ist für Internetfreaks an vielen Punkten an die Stelle des Chattens getreten. Da es im Netz kostenlos ist, hat es einen großen Aufschwung für die Videotelephonie und damit für Videokonferenzen gebracht.
Zunächst waren die Mobilfunkbetreiber noch halbwegs sorglos, doch seit es Handys mit eingebautem Skype gibt, sorgen sie sich, dass die Kostenloskultur des Internets jetzt auf den Mobilfunkbereich überschwappt.
Ein Problem ist freilich, dass auch die innovativen Entwickler neuer Kommunikationsideen kaum Geld verdienen. Skype und Twitter sind Beispiele. Wer finanziert dann die Arbeitsplätze? Landen alle bei Google, Microsoft und Apple?
Kommt bei Videokonferenzen über Web 2.0 und Web 3.0 auch das zur Sprache? Und auch der ungeheure Stromverbrauch von Google, das wegen der schnellen Ausweitung seiner Serverkapazitäten nicht dazu kommt - oder es nicht ernst genug nimmt? -, seinen überholten Maschinenpark zu ersetzen. Der Fehler ist der gleiche wie bei General Motors. Hoffentlich lernt Google schneller!

Das kühle Wetter hat uns eine ungewöhnlich lange Zeit der Lindenblüte beschert, mit herrlichem Duft.

24.6.09

"Waffengleichheit"

Wenn der Anwalt des Internetunternehmens spickmich davon spricht, dass jetzt "Waffengleichheit" hergestellt worden sei, unterstellt er eine Duellsituation. Das mag im politischen Bereich zwischen Regierung und Opposition stimmen, beschreibt die Situation einer Notenentscheidung aber völlig falsch.
Etwas anderes wäre es, wenn Schülerbeurteilungen ausdrücklich in die Beurteilung der päsagogischen Qualifikation von Lehrern durch ihre Vorgesetzten einbezogen würden. Denn wie bei Schülerbenotung geht es dabei um Karriereentscheidungen.

20.6.09

Fremdspachenunterricht

Jean-Pol Martin hat sein Lernen durch Lehren ursprünglich nicht locker vom Hocker im Internet verbreitet, sondern ganz ordnungsgemäß akademisch.
Zum Nachvollziehen: Vorschlag eines anthropologisch begründeten Curriculums für den Fremdspachenunterricht

17.6.09

Bildungsstreik

Vom 15.-20. Juni läuft der Bildungsstreik von Studenten und Schülern. Heute ist der Hauptdemonstrationstag. Die Forderungen sind bei den Studenten vornehmlich die Zurücknahme der Verschulung durch den Bologne-Prozess, bei den Schülern die Forderung nach Zurücknahme des Umstieges auf G8. Aber natürlich wird auch mwhr Geld zur Einstellung von mehr Personal gefordert. Einzelforeerungen möchte ich hier nicht aufzuzählen anfangen, denn, da ich nicht mehr in die Schule gehe und auch nur sehr selten fernsehe, habe ich fast nichts mitbekommen. (Immerhin, von Twitterern und bei Bloggern erfährt man schon einiges dazu.)

So viel gegen die Methoden der 68er gesagt werden kann, es ist nicht zu leugnen, dass sie damals mehr Aufmerksamkeit erregten.
Aber wer die Finanzkrise als kleinen Unfall wegsteckt und weiterhin Millionenboni akzeptiert, warum sollte der sich schon dafür interessieren, ob Politiker irgendein Wort, dass sie zu Priorität für Bildung sagen, auch als Anlass für Handlungen ansehen?

Bloggerszene im Iran

Mohammed Ali Abtahi, unter Chatani Vizepräsident des Iran und der bekannteste Blogger des Landes, ist verhaftet worden.
Im Iran gibt es über 100 000 Blogger. Damit ist der Iran das muslimische Land mit der höchsten Bloggerquote. Und es gelingt der jungen Generation, die den eher wenig fortdchrittlichen Mussawi nur unterstützt, weil kein progressiverer Kandidat eine Chance hatte, zugelassen zu werden, trorz der Behinderung von SMS und Internet durch die Regierung, Nachrichten in großer Zahl zu Wahlfälschungen und Protestdemonstrationen über Twitter, Facebook und Blogs ins Ausland weiterzugeben.