Posts mit dem Label Obama werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Obama werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

15.5.16

Trump, Gabriel, Merkel, Obama und ihre Glaubwürdigkeit

Bei Trump kann man nicht sicher sein, ob er alle Verrücktheiten begehen wird, die er ankündigt. Freilich beruhigen kann seine mangelnde Glaubwürdigkeit nicht.

Gabriel lässt die Abteilung Bürgerdialog seines Ministeriums Folgendes mitteilen:
Über die vorläufige Anwendung von Teilen von CETA entscheiden die demokratisch gewählten Abgeordneten des Europäischen Parlaments und der EU-Handelsministerrat (und somit die Mitgliedstaaten). Das heißt: Ohne eine Zustimmung von Parlament und Rat kann CETA nicht vorläufig angewendet werden. Aus der Vergangenheit wissen wir, dass das Europäische Parlament seine Verantwortung sehr ernst nimmt. Es hat bereits Abkommen abgelehnt, die seinen Ansprüchen nicht genügten.
Falls die EU-Kommission dem Rat (und somit den Mitgliedstaaten) vorschlagen wird, CETA vorläufig anzuwenden, wäre dies kein Novum. Die vorläufige Anwendung völkerrechtlicher Verträge der EU ist im EU-Verfassungsrecht vorgesehen und entspricht der üblichen, langjährigen Praxis der EU-Freihandelsabkommen. Sie bezieht sich immer nur auf diejenigen Teile des Abkommens, die eindeutig in der ausschließlichen EU-Zuständigkeit liegen und die Kompetenzen der Mitgliedstaaten nicht berühren. Eine Vorfestlegung für ein Inkrafttreten des gesamten Abkommens wird nicht getroffen.*
Die Teile des Freihandelsabkommens, für die die Mitgliedstaaten zuständig sind, können erst nach dem erfolgreichen Abschluss der nationalen Ratifizierungsverfahren in Kraft treten. Das heißt: Das gesamte Abkommen kann erst dann vollständig in Kraft treten, wenn alle nationalen Parlamente der 28 EU-Mitgliedstaaten - auch Bundestag und Bundesrat in Deutschland - ihm zugestimmt haben. Stimmen Bundestag und Bundesrat dem Abkommen nicht zu, kommt es endgültig nicht zu Stande. Damit sind auch die Teile, die in die Kompetenz der EU fallen, nicht mehr anwendbar.
Die Investitionsschutzbestimmungen sind von der vorläufigen Anwendung ausgenommen, weil eben hier auch mitgliedstaatliche Kompetenzen betroffen sind. Damit wird der Teil, der politisch besonders kontrovers ist, ohne Zustimmung des Bundestages und Bundesrates zu CETA nicht zur Anwendung kommen.
Weitere Informationen sowie Antworten auf häufig gestellte Fragen rund um das Freihandelsabkommen CETA haben wir hier für Sie zusammengestellt: http://bmwi.de/DE/Themen/Aussenwirtschaft/Freihandelsabkommen/ceta.html
* Ceta: Der Bundestag interessiert in Brüssel nicht ZEIT online 13.5.16

Mich beruhigt diese Mitteilung nicht. Meine Kalkulation: Entweder wird mir nur Sand in die Augen gestreut oder Gabriel und Merkel sind sich sicher, dass ihre Druckmittel reichen, die Zustimmung einer Mehrzahl der Mitglieder der Bundestagsfraktionen und des Bundesrats hinter sich zu bringen.

Weshalb? Weil die Staaten Algerien, Marokko und  Tunesien zu sicheren Herkunftsstaaten erklärt werden sollen, obwohl zumindest die Bundestagsabgeordneten alle wissen könnten, dass sie das nicht sind.

Glaubwürdig macht das weder Gabriel noch Merkel. Glaubwürdig ist Merkel noch nicht einmal mit der Behauptung, sie wolle TTIP durchsetzen. Wozu noch TTIP, wenn multinationale Konzernen mit CETA ihre Ziele genauso erreichen können?

Dagegen zweifle ich nicht an Obamas gutem Willen, das Folterlager Guantanamo  zu schließen. Eher schon daran, dass er daran geglaubt hat, dass ihm das je gelingen würde.
Und ich halte es für gut möglich, dass er nicht zuletzt deshalb in seinem Amt so gealtert ist, weil er seine Drohnenkriege für ethisch nicht akzeptabel und für politisch verhängnisvoll hält, nur keine Alternative kennt, die ihm erlauben würde, das, was er in seiner Präsidentschaft in seinem Sinne vorangebracht hat, über die Zeit zu retten.
In diesem Falle halte ich ihm seine mangelnde Glaubwürdigkeit also zugute.

Dass Merkel die Masse der Menschenrechtsverletzungen an Flüchtlingen lieber außerhalb der Grenzen Deutschlands geschehen sieht, glaube ich ihr, auch ohne dass sie es sagt. Schließlich: Wenn ein Guantanamo, dann besser nicht im eigenen Land. Das hat sich selbst Bush junior gesagt.

Damit habe ich nicht zum Ausdruck bringen wollen, Erdogan habe Millionen von Flüchtlingen in die Türkei gelassen, weil es ihm egal wäre, wenn in den Lagern menschenunwürdige Zustände herrschen. Sicher hat Mitgefühl und das Gefühl "Wir schaffen das" dabei eine nicht ganz vernachlässigenswerte Rolle gespielt. Die Abmachungen mit der EU verdanken sich freilich wohl kaum Erdogans Mitgefühl mit Flüchtlingen. Und allenfalls höchst mittelbar Merkels Mitgefühl.

Dieser Artikel wurde von mir zunächst in Fonty veröffentlicht. Er scheint mir aber doch so wichtig, dass ich ihn auch in meinem Hauptblog festhalten möchte.

3.4.16

Tweets zu Joffe, Trump und Obama

Linksrechtspop von Josef Joffe
"In der Außenpolitik klingt Trump wie Obama: Ami, come home."

Ich war versucht, zu diesem Aufsatz von Joffe einen Leserbrief zu schreiben. Denn ich fand, dass er diesmal nicht nur von einem politischen Standpunkt geschrieben war, den ich ablehne, sondern dass er so sehr die Realität ausblendete, dass die ZEIT sich dafür schämen müsse, dass so etwas die Zensur durch die Redaktion passieren konnte.
Aber lohnte das wirklich einen Leserbrief? Deshalb schrieb ich zwei Tweets, um meinen Ärger loszuwerden.

vergleicht Trump u Obama mit und schließt: Wer immer US-Präsident wird, wird es anders machen als Hillary. Uff!

Wer in der statt ZEIT-Journalisten Texte von lesen muss, wünscht sich die herbei. Mach End o Herr, mach Ende!

Weil diese Tweets doch recht polemisch waren, schob ich einen dritten nach:
Emotionsabfuhr ohne differenzierte Begründung.
Jetzt steht der Text, auf den sich die Tweets bezogen, im Netz, und ich kann ohne allzu großen Aufwand anführen, was mich zu den allzu polemischen Tweets verführt hat. Originalton Joffe:
"Trump nimmt auch das pazifische wie das europäische Engagement ins Visier. Die Ukraine sei wichtiger für "manche Nato-Länder als für uns". Aber "die tun nichts. Warum kümmert sich nicht Deutschland mit der Nato um die Ukraine?"Warum "riskieren wir den Dritten Weltkrieg mit Russland"?
Europa profitiere, während "wir ein Schuldner-Land geworden sind".

Obama sagt’s noch härter: "Trittbrettfahrer nerven mich." Damit meint er nicht nur die Saudis, sondern auch die anderen Verbündeten. Dahinter steht die fromme Hoffnung, dass die mehr tun werden, wenn Amerika weniger oder gar nichts tut. Den Ohne-uns-Instinkt teilen Trump und Obama, wobei nicht zu vergessen sei, dass der Isolationismus sich historisch sehr wohl mit Gewaltschüben – rein und wieder raus – vertragen hat. Trump würde "den IS mit Bomben plattmachen". Obamas strategisches Konzept kann man "Isolationismus mit Drohnen und Spezialkräften" nennen – fein dosiert statt massiv, aber immer aus der sicheren Distanz. [...] Obwohl ein klassischer Linker, will der Demokrat Bernie Sanders nichts anderes. Wie Trump fordert er: Engagement runter, Schutzmauern hoch! Laut den heutigen Umfragen würde Sanders "The Donald" klar schlagen, so Trump gekürt wird. Der Populismus ist also ein lagerübergreifender Reflex. Wer auch immer im November gewinnt, wird weitermachen, womit Obama begonnen hat. Die Ordnungsmacht ist müde geworden, die Signale stehen auf Rückzug." (Hervorhebung von mir.)  

Aufgrund meiner Einschätzung von Trump sehe ich es ungern, wenn Obama und Sanders so mit ihm verglichen werden, als wäre nicht ein meilenweiter Unterschied zu ihm. Was mich aber wirklich empört, ist, dass Joffe Hillary Clinton völlig übergeht.  Zum einen ist Clinton bis zur Stunde noch die wahrscheinlichste Nachfolgerin Obamas, zum andern ist sie alles andere als eine Isolationistin. Dass Joffe so tut, als gäbe es sie nicht, ist meiner Meinung nach weder mit Sexismus noch mit konservativer oder bellizistischer Ideologie zu erklären, sondern allein mit Realitätsverleugnung. Dass er offenbar glaubt, bei den ZEIT-Lesern damit durchzukommen, empfinde ich als Beleidigung der Leser.
Oder sollte er wirklich der Ansicht sein, dass der Unterschied zwischen Clintons und Trumps außenpolitischem Konzept vernachlässigenswert wäre? Dies Joffe zu unterstellen, wäre nach meinem Verständnis geradezu eine Beleidigung Joffes. Auf einem ganz anderen Blatt steht, dass die objektiven Machtverhältnisse sich seit 2001 so verschoben haben, dass auch Clinton - und auch ein US-Präsident, der noch weit interventionistischer eingestellt wäre als sie - nicht die Möglichkeit haben wird, eine Koalition der Willigen in solche Abenteuer zu führen, wie es Bush junior getan hat. Die Zeiten, wo die USA die unumstrittene Weltmacht waren, sind vorbei.

Vgl. auch: 

Trump liegt in allen Schlüsselstaaten hinter Clinton, SPON 3.4.16

30.7.14

"Es war Gorbatschows Revolution"

Was in der Aufregung über Putin oft vergessen wird: 
Weshalb traut man sich heute von Russland die Einhaltung des Völkerrechts zu fordern? 
Weshalb kann die EU mit - beschränkter - Aussicht auf Erfolg Sanktionen beschließen, um Russland auf einen anderen politischen Kurs zu drängen? 
Zur Zeit des Mauerbaus 1961 haben die USA keine ernsthafte Konfrontation mit der DDR versucht. Was ist heute grundlegend anders?

Es gibt keine Sowjetunion mehr. Die Gefahr eines Weltkrieges, die in der Kubakrise 1962 unmittelbar drohte, liegt - scheinbar? - in weiter Ferne. Denn der Kalte Krieg ist beendet. 
Das war Gorbatschows Leistung. 

Tony Judt sieht in "Postwar" Gorbatsschows Leistung durchaus kritisch. Er spricht davon, seine Kritiker seien hellsichtiger gewesen. Taktisch habe Gorbatschow geglaubt, die deutsche Wiedervereinigung verhindern zu können, obwohl er alle kommunistischen Satellitenregierungen bewusst aufgegeben habe mit der offenen Aussage, die Völker müssten selbst über ihren Weg entscheiden. 
Ganz deutlich erkennt er aber Gorbatschows strategische Leistung an, die Auflösung des großen Imperiums so unblutig und so schnell bewältigt zu haben, und fasst seine Einschätzung der Demokratisierung Osteuropas zusammen mit dem Satz: "Es war Gorbatschows Revolution."


Meine eigene Sicht auf Gorbatschow möchte ich zunächst anhand meiner Einschätzung von 1991 beschreiben:
Die Folgewirkungen dessen, was Hitler und Stalin an Unheil über die Welt gebracht haben, hat er in einem Ausmaß beseitigt, wie man es zuvor wohl nicht für möglich gehalten hätte. Er hat vorgeführt, daß das Blocksystem von einer Seite her aufzulösen war, ohne daß das den Gegner zur Übernahme des anderen Blocks bringen würde. (Ob das von der westlichen Seite her auch hätte funktionieren können, wird, da das Experiment nicht gelaufen ist, vermutlich historisch umstritten bleiben.) […] Fazit: ein großer Mann, der mir umso größer erscheint, je mehr von den Schwierigkeiten, die auf ihn zukamen, [er] vorausgesehen haben sollte, gerade deswegen, weil seine Größe in seinem Mut bestand, das Mögliche, aber unmöglich Scheinende zu wagen. Je geringer sein Mut gewesen sein sollte, umso stärker muß die Reformkraft in der Sowjetunion gewesen sein. (1991)
23 Jahre darauf möchte ich Folgendes ergänzen:
Bei aller Anerkennung von Gorbatschows Leistung bleibt festzuhalten, dass es ihm nicht gelungen ist, die Sowjetunion und ihre sozialstaatlichen Elemente zu erhalten. Er hat die Blöcke also auf Kosten des sozialen Friedens im eigenen Land beseitigt, was er freilich durchaus nicht beabsichtigt hatte.
Aus dem Europäischen Haus und aus der Friedensdividende ist nicht viel geworden. Das kann man freilich nicht ihm zuschreiben, auch wenn er in dieser Hinsicht im Nachhinein - wie so viele damals - historisch gesehen zu optimistisch war. 

Die rabiaten Wirtschaftsreformen führten dann aber zu einer solchen Diskrepanz zwischen dem Reichtum und Einfluss der Oligarchen und der Hilflosigkeit der notleidenden Bevölkerung, dass es zwingend wurde, die staatliche Autorität wieder zu stärken. Die Mittel, mit denen das Putin gelang, wird man nicht billigen, dass etwas in dieser Richtung geschehen musste, scheint mir unzweifelhaft.
Im Nachhinein ist insofern manches von Putins rechtsstaats- und menschenrechtswidrigen Methoden (vgl. z.B. Klaus Staeck) eine Folge des partiellen Scheiterns von Gorbatschow. 
Doch wenn man vergleicht, was George W. Bush aus den innenpolitisch wie außenpolitisch relativ solide aufgestellten USA gemacht hat, wie viele Kriege und Kriegsverbrechen er zu verantworten hat, wird aus der Außensicht Putins Politik der Überwindung der politischen und wirtschaftlichen Krise Russlands als maßvoll angesehen werden können. 

Wenn man Obamas Wirken mit dem Gorbatschows vergleicht, so hat Obama wohl auch nicht mehr von seinen Zielen erreicht als Gorbatschow. Dagegen war Putins Erfolgsquote gewiss höher. Freilich hat er ethische Maßstäbe noch weit eher verleugnet, als Obama es im Laufe seiner Amtszeit zum Entsetzen seiner Anhänger - nur gezwungenermaßen? - getan hat.

Ich wüsste keinen Politiker zu benennen, der sich ein so gewaltiges politisches Ziel gesetzt hat, wie Gorbatschow und so konsequent bei seinen ethischen Maßstäben geblieben ist. (Nelson Mandela hat seine weltweit vorbildlichen ethischen Maßstäbe in 27 Jahren Haftzeit entwickelt und sein Ziel war im Weltmaßstab bescheidener.)

16.8.13

Umorientierung

Der Vorteil des Bloggens ist, dass man sich nicht an ein Redaktionskonzept zu halten braucht. So werde ich mein eigenes Konzept in nächster Zeit versuchsweise durchbrechen.

Im Unterschied zu anderen Bloggern habe ich meine Beiträge nicht nur verschiedenen Kategorien zugeordnet, sondern verschiedenen Blogs. Der Grund ist, dass ich gern selbst einen bequemeren Überblick haben will, was ich zu den Themenbereichen geschrieben habe.
Da ich in letzter Zeit weniger zu pädagogischen Themen schreibe,  wird deshalb dieser Blog, der sich auf Pädagogisches konzentriert, weniger aktiv. Das ist mir in doppelter Hinsicht nicht recht. Erstens, weil es dazu führen kann, dass dieser Blog uninteressanter wird, weil dort weniger passiert. Zweitens weil manche Texte, die mir wichtig sind, weniger wahrgenommen werden, weil sie in einem seltener gelesenen Blog erscheinen. Deshalb will ich versuchsweise öfter Beiträge, die anderswo erschienen sind, ganz oder in Teilen auch in diesem Blog aufnehmen.

Ich beginne mit dem Thema Ausspähung und Geheimdienste, dessen Behandlung im Augenblick mein wichtigstes pädagogisches Interesse ist. Was passiert, wenn dies Thema im Wahlkampf weiterhin so ausgeblendet bleibt wie bisher und wenn es in den Schulen durch das Aufmerksamkeitsraster fällt, weil die mediale Behandlung des Themas zufällig in den Sommerferien ihren Höhepunkt hatte?
Ich werde das Thema deshalb gelegentlich auch hier aufgreifen und beginne mit einigen Zeilen, die ich schon anderswo veröffentlicht habe.

Bradley Manning und Edward Snowden verkörpern die Hoffnungen auf ein besseres, moralischeres Amerika, die Barack Obama enttäuscht hat. Der moralische Impuls und der persönliche Mut, der ihre Handlungen möglich gemacht hat, haben meine Bewunderung.
Mannings Tragik ist, dass er mehr weitergab, als moralisch zwingend geboten war und dass er keinen zureichenden Schutz erhielt. Hätte er wissen müssen, dass die USA Whistleblowern kein Recht widerfahren lassen?
Snowdens Tragik ist, dass er in Russland Asyl suchen musste. Sarah Harrison und das Centre for Investigative Journalism  halfen, dass ihm bisher noch nichts noch Schlimeres passiert ist.
Ich bewundere auch den moralischen Impuls und den persönlichen Mut, mit dem Barack Obama angetreten ist. Dafür hat er den Friedensnobelpreis bekommen.
Darf man es persönliche Tragik nennen, wenn er als Perfektionierer von Geheimdienstaktionen (Bin Laden), Drohnenangriffe und Kampf gegen Whistleblower und investigativen Journalismus, Säulen der Demokratie im Medienzeitalter,  in die Geschichte eingehen sollte?
Es wäre eine Schmach für die USA und die ganze westliche Welt, wenn sie die Grundlagen unserer Demokratie so kampflos preisgäben, wie die gegenwärtig Herrschenden offenbar gesonnen sind.

Mehr zum Thema habe ich im ZUM-Wiki geschrieben:





9.11.12

Ist Google mächtiger als China?

In der ersten Kollegstunde des Funkkollegs "Medien - Wirklichkeit 2.0" wird Claus Leggewie mit einer provozierenden Aussage zitiert: "Ich glaube, dass Google mächtiger ist als China".
Wenn man Macht als die Fähigkeit versteht, "Ziele zu erreichen, ohne sich äußeren Ansprüchen unterwerfen zu müssen" (Wikipedia), liegt er in seinem Glauben sicher falsch. Denn Google hat gegenüber China nachgegeben, gegenüber den USA und sogar gegenüber Bettina Wulff.
Doch wenn man Macht als "Macht über" (im Sinne von E.O. Czempiel als "kluge Macht") versteht, nämlich als die Fähigkeit,  "auf das Verhalten und Denken von Personen und sozialen Gruppen einzuwirken" (ebenfalls Wikipedia), dann hat Google diese Fähigkeit wohl in einem größeren Umfang als die chinesische Regierung, weil es schon mehrere Milliarden fortwährend beeinflusst.

Die erste Machtdefinition hat man auch als die Fähigkeit, nicht lernen zu müssen, und insofern als "dumme Macht" bezeichnet. Von dieser Macht hat der angeblich mächtigste Mann der Welt, Obama, unsäglich wenig (während G.W. Bush davon erstaunlich viel hatte). Wenn Obama nur direkt auf seine Ziele losgesteuert wäre und sich dabei auf einen engen Beraterkreis von Leuten seines Meinungspektrums verlassen hätte, wäre er gewiss gescheitert. So ist es ihm immerhin gelungen, als erster schwarzer Präsident der USA seine Wiederwahl zu erreichen und einen - kleinen - Teil seiner Ziele.
Bush war erfolgreicher im Zerstören, Obama erfolgreicher darin, trotz schwindender harter Macht ("Macht zu") der USA, andere Personen dazu zu bringen, das zu tun, was in seinem Sinne ist. Nicht Bush hat die Demokratisierungsversuche des arabischen Frühlings ausgelöst.

Doch in der Fähigkeit "neue Strukturen [zu] schaffen, die den eigenen Interessen besser dienen" (kluge Macht) bleibt Obama weit hinter Google zurück. Das liegt freilich daran, dass Google sich weitgehend auf die Strukturen beschränkt, auf die es unbeschränkten Einfluss hat, während Obama mehr "Macht zu" brauchte, um die Ziele zu erreichen, die er sich während seiner Feldarbeit in Chicago gesetzt hatte. Weit mehr "Macht zu", als sie ein intelligenter Präsident der USA je haben wird.
Die Tragik eines wohlmeinenden Präsdenten der USA liegt darin, dass er für - nahezu - unendlich viel Verantwortung übernehmen muss, was er nicht will, wenn er auch nur einen kleinen Teil dessen erreichen will, was seine eigentlichen Ziele sind.
Das ist freilich die Situation jedes verantwortlichen Politikers, für den das Erreichen seiner Ziele oberste Priorität hat.
Gustav Heinemann ist einen anderen Weg gegangen und hatte als oberste Priorität, auch als Politiker nichts verantworten zu müssen, was er für absolut unverantwortlich hielt. Das bedeutete freilich für lange Zeit eine Abstinenz von zentralen politischen Positionen. Und Bundeskanzler hätte er bei dieser Einstellung gewiss nicht werden (oder zumindest nicht länger als 100 Tage bleiben) können.

Heinemanns Einstellung ist vorbildlich, aber für einen heutigen US-Präsidenten kann sie es kaum sein.

Ich glaube, dass Obama in seiner ersten Amtszeit schwere Schuld auf sich geladen hat, aber dass kein anderer Mensch, von dem wir wissen, von den USA und von unserer Welt so viel Unheil abgehalten hat, wie es ihm schon in seiner ersten Amtszeit gelungen und für die zweite Amtszeit zu hoffen ist. (Dazu vgl. FR vom 9.11.12 und 8.11.12)

8.9.10

Arianna Huffington Januar 2007

Die Star-Bloggerin der USA, Arianna Huffington, deren Blog inzwischen eine der angesehensten politischen Netzadressen ist, hat im Januar 2007 Spiegel online ein Interview gegeben, das ich in Erinnerung rufen möchte.
Wie lange her kommen einem die Auseinandersetzungen der Bush-Ära und selbst der Vorwahl-Kampf zwischen Hillary Clinton und Barack Obama vor! Und doch ist die Weltpolitik noch immer ganz wesentlich von den Fehlern aus der Bush-Zeit überschattet. Und Obama könnte daran scheitern, dass er sie nicht so überwinden kann, wie er sich das erhoffte. Das gilt nicht nur für seinen Versuch, die unglückseligen Kriege gegen Irak und Afghanistan zu beenden.

Doch nun zu dem Interview:
Huffington: Die Mainstream-Medien formulieren immer nur Gemeinplätze, sie sehen alles durch einen Rechts-gegen-links-Filter. Es ist absurd, den Krieg im Irak durch diesen Filter zu betrachten – die Mainstream-Medien machen es trotzdem. Senator Sam Brownback zum Beispiel ist ein renommierter Republikaner, und er ist gegen den Eskalationsplan des Präsidenten für den Irak. Trotzdem reden die meisten US-Journalisten weiter von "Druck von links". Den Bloggern fällt unter anderem die Rolle zu, die Mainstream-Medien aufzurütteln: Hört endlich auf, so reflexhaft zu berichten! Das Gleiche gilt für Themen wie die Gesundheitspolitik oder den "Krieg gegen Drogen".
SPIEGEL ONLINE: Barack Obama ist für Blogger im Moment augenschenlich interessanter als Hilllary Clinton, es wird mehr über ihn geschrieben – warum? Und wie inwieweit beeinflusst das die Allgemeinheit?
Huffington: Vorwahlen wurden immer vor allem von jenen beeinflusst, die sich politisch am stärksten engagieren – Blogs sind da nur ein weiteres Element. Für die meisten Blogger ist Authentizität ein wichtiges Kriterium. Sie reagieren allergisch auf übervorsichtige Politiker. Das ist Hillary Clintons Problem mit der Blogosphäre: Sie ist so berechnend, dass man es förmlich riechen kann. Jeder Gedanke wurde von ihr und ihren Ratgebern auf vielfache Weise durchgegangen. Das ist so künstlich!

Hillary und Barack ziehen an einem Strang. Wer hätte es damals gedacht?
Und wie schwer fällt ihnen, gegen Netanjahu und die Folgen der Siedlungpolitik anzukommen und einen Weg zum Frieden zu eröffnen.

13.11.09

Links

Für spontane Präsentationen die 2-5-1-Methode

Über häusliche Gewalt und die Hilfsorganisation Refuge im Guardian vom 27.11.09

Associated Press
wehrt sich gegen die Verlinkung seiner Nachrichten

Schirrmacher über die Überforderung der Menschen durch das Internet

Seit 1973 wurden 6 Millionen Bilder von Jesu Mafa verschickt, die das Leben Jesu an die afrikanische Kultur angepasst darstellen.

Bischof Enrique Figaredo von Battambang in Kambodscha bezeichnet Rollstühle als das achte Sakrament, weil sie Landminenopfern helfen. Kamboscha hat weltweit die meisten Landminenopfer.

Streikwiki der PH Ludwigsburg

Streikblog PH Ludwigsburg

Zahl der pensionierten Lehrer steigt von Jahr zu Jahr (Lehrerfreund)

Datenmanipulation von Klimaforschern?

Geheimbericht über Irakinvasion

US-Präsident antwortet kubanischer Bloggerin (hier zum Blog)

Monira Rahmans Einsatz für die Opfer von Säureattentaten

Katrin Hartmann: Ende der Märchenstunde (Kritik an der Vermarktung des Bio-Gedankens)

Die russisch-orthodoxe Kirche beendet die Zusammenarbeit mit der EKD (Begründung: Geschiedene Frau als Ratsvorsitzende der EKD für sie nicht tolerierbar)
Offenbar haben die Kirchen noch nicht so zueinander gefunden, wie wir gehofft hatten.

11.10.09

Wissen

"Wissen steht gerade in meinem Land nicht sehr hoch im Kurs - außer im Zuusammenhang mit besseren Jobs, besseren Einkommen."
Aus welchem Land kommt die Person, die das gesagt hat?
Sie fährt fort:
"Unsere Medien tun ja ihr Bestes dazu, uns dumm zu halten - durch unablässige Unterhaltung dumm zu halten."
Kann das auch auf soziale Netzwerke gemünzt sein? Ist die Wikipedia inzwischen schon so einseitig, dass dies Verdikt zu Recht auch für sie gelten könnte? Gibt es einen Bereich in der digitalen Kommunikation, für den es nicht gilt? Welche Veränderungen durch das Internet (Hier mahnt uns Robert Basic, die früheren Arten des Informationsaustauschs nicht zu vergessen.) gehen in die Richtung Verdummung, welche in Richtung Wissen?
"Mir wird oft gesagt, meine Bücher seien so traurig. Aber ich frage mich, ob diese Sichtweise nicht mit dem geringen Wert zu tun hat, den man dem Wissen generell beimisst. Denn das gibt es in jedem meiner Romane: jemand, der etwas lernen muss, etwas verstehen, das er am Anfang noch nicht kannte. Aber in den meisten Religionen ist Wissen Sünde - es ist schlecht für dich, du must leiden dafür, kommst in die Hölle. Und das gilt, jenseits von Religion, immer noch!" Und auf die Nachfrage "Wird Wissen denn immer durch Leiden erworben?" antwortet die Person: "Durch Leben!"
Sollte es von Hentig sein, der so spricht? Immerhin hat er "Die Menschen stärken, die Sachen klären." geschrieben. Oder muss es ein Autor sein, der fiktionale Texte geschrieben hat?
"Vieles hat mit Obama eine neue Qualität bekommen. Er hat keine Angst vor Fremden, vor dem Fremden."

Zu einem entfernt verwandten Stichwort Hirndoping zunächst nur ein Link. Vielleichtkommt es noch zu einem eigenständigen Beitrag.

4.1.09

Notizen

Obama über seine Stadtteilarbeit:
"So stellte ich mir meine zukünftige Arbeit vor. Sie verhieß Erlösung." (S.149)
Ihm wird abgeraten:
"Leuten, die es nicht schaffen, kann man nicht helfen. [...] Vergeuden -sie nicht Ihre Jugend, Mr. Barack." (S.150)
Er resümiert:
"Viel zu selten höre ich jemanden fragen, was wir getan haben, dass so viele Kids dermaßen verroht sind, was wir gemeinsam tun können, um ihren moralischen Kompass wieder einzurichten - an welchen Werten wir uns orientieren müssen. Stattdessen reagieren wir auf die übliche Weise: wir tun, als wären es nicht unsere eigenen Kinder. (S.440)

Helmut Schmidt hat in seiner Schülerzeit an der Lichtwarkschule Jahresarbeiten zu folgenden Themen angefertigt: Weserrenaissance, Choräle 4-stimmig gesetzt, Konkurrenz von Hafenstädten (Rotterdam, Antwerpen ...)

"Er will in aller Unschuld Gott die entsetzlichsten Schnitzer in der Astronomie nachweisen." (ein Kirchenmann in Bert Brecht: Galileo Galilei)

12.11.08

Bleib so, wie du bist???

Herrn Rau vom Lehrerzimmer verdanke ich den Hinweis und die Problematisierung des unter Jugendlichen immer häufigeren Geburtstagswunsches: "Bleib so, wie du bist!"

Die Formel "Bleib so, wie du bist!" soll dem anderen Anerkennung vermitteln und ihn dadurch stärken. Wörtlich genommen ist sie aber eine Aufforderung, zu erstarren und damit abzusterben.
In der christlichen Religion gibt es die Vorstellung, dass alle Menschen, so wie sie sind, von Gott angenommen sind. (Gleichnis vom verlorenen Sohn)
Gleichzeitig ergeht aber der ständige Ruf an die Christen "Tut Buße, sündigt hinfort nicht mehr, lasst euch von Gott finden!" (Aussage des Zöllners: "Gott sei mir Sünder gnädig!")
Diesen Gedanken greift humanistisch ohne Religionsbezug Bert Brecht auf mit K's Forderung an sich selbst, sich ständig weiterzuentwickeln und seiner Absicht, denen, die er liebt, zur Weiterentwicklung zu verhelfen.
Dagegen stellt Frisch wiederum die Forderung, sich kein Bildnis vom anderen Menschen zu machen.

Qintessenz:
Den anderen als gleichberechtigt akzeptieren.
Uns selbst immer weiter entwickeln.
Den anderen bei seiner Entwicklung unterstützen, nicht ihn im "Menschenpark" zum Übermenschen machen wollen.

Dazu: An unserer Schule hieß ein Abi-Motto "Lernst du noch oder lebst du schon?"
Ich habe es für mich verändert in "Paukst du nur oder lernst du schon? Lernst du noch oder bist du schon tot?"
Es gibt eine Definition von Macht als Fähigkeit, nicht lernen zu müssen. Die Fähigkeit hat die Bush-Administration ein paar Jahre lang bewiesen. Barack Obama versucht jetzt, den Zusammenbruch der USA zu vermeiden, indem er die verpassten Lektionen nachholt.