22.3.19

Schul-Cloud

Auf die Schul-Cloud bin ich erst heute gestoßen. Mir scheint, dass damit ein freieres Arbeiten als auf Plattformen wie Moodle möglich ist und das doch niedrigschwellig genug ist, dass man sich als Lehrer dort leicht einarbeiten und Schritt für Schritt digitale Instrumente in seinen Unterricht einführen kann. 
Da ich selbst sie nicht nutzen werde, biete ich zunächst nur Interessenten einen ersten Zugang an.

Schul-Cloud (Wikipediaartikel)

Die HPI Schul-Cloud: Niedrigschwelliger Zugang zu digitalen Unterrichtsinhalten

Blog der Schul-Cloud

Eine andere Pädagogik ermöglichen

21.3.19

Das Bild vom "digitalen Klimawandel"

Das Bild vom "digitalen Klimawandel" hielt ich zunächst nur für einen missratenen Vergleich wie den von den Datenautobahnen. Martin Lindner hat es aber in seiner Einführung in "Die Bildung und das Netz" so veranschaulicht, dass ich es jetzt für nötig halte, mich damit auseinanderzusetzen.
Es ist hochproblematisch, weil es beide Veränderungen, die atmosphärisch-klimatische wie den digitalen Anteil an der Globalisierung unzulässig verharmlost.
Den atmosphärisch-klimatischen Klimawandel deshalb, weil er zwar vermutlich einen menschengemachten Anteil enthält, aber von Menschen nur sehr begrenzt beeinflussbar ist. (Das ist gegenwärtig endlich wieder ernsthaft ins Gespräch gekommen, bleibt hier aber unbehandelt.)
Den digitalen Anteil an der Globalisierung deshalb, weil es die Vorstellung begünstigt, die Globalisierung und der digitale Wandel erfolge genauso naturgesetzlich wie der Klimawandel. Das ist aber falsch.
Dass die Globalsierung von Menschen initiiert und vorangetrieben wird, braucht hier ebenfalls nicht diskutiert zu werden. Schon eher, dass ihre Beschleunigung in den letzten Jahrzehnten auf ein Interesse an internationaler Arbeitsteilung zurückzuführen ist, die mit dem komparativen Kostenvorteil begründet wird.
Mich interessiert hier nur der digitale Anteil. Er hat, insbesondere nach der Kommerzialisierung des Internets, zu einer erheblichen Beschleunigung der Globalisierung beigetragen und insbesondere den Tigerstaaten sowie China und Indien zu einer erhöhten wirtschaftlichen Bedeutung verholfen.
Wenn es Al Gores Rechnung gewesen sein sollte, dass der IT-Vorsprung der USA ihnen im Laufe der Digitalisierung einen uneinholbaren Vorsprung bescheren würde, dann hätte er sich verrechnet. Uneinholbar ist er nicht und Trumps Drohungen wegen der deutschen 5G-Auktion sind darin begründet.
Auch das nur am Rande.
Entscheidend ist:
Die Digitalisierung erfolgt nicht naturgesetzlich, sei kann gesteuert, gebremst und beschleunigt werden.
Gegenwärtig beschleunigt sie sich, weil die Firmen, in deren Interesse es liegt, sie voranzutreiben, nur minimal besteuert werden.
So sehr digital immigrants und digital natives von der Digitalisierung profitieren, so wichtig ist es doch zu prüfen, ob die klimatischen Folgen der Globalisierung ein Bremsen von Globalisierung und eine entsprechende Steuerung der Digitalisierung erforderlich machen.
Diese Prüfung hauptsächlich denen zu überlassen, die von der Digitalisierung relativ wenig verstehen, könnte sich als verhängnisvoll erweisen. Bei der Nutzung der Atomkraft ist man so vorgegangen und hat jetzt ein Lagerungsproblem von einigen Millionen Jahren, das die Fachleute am Beginn übersehen und dann konsequent geleugnet haben, bis die Castor-Transporte nicht mehr zu verheimlichen waren.
Bei der Digitalisierung stellt sich das Problem völlig anders. Zunächst aber sollte man es sehen.
Eine kurze Andeutung schon hier:
1. Das Netz "vergisst nichts".
2. Das Netzgedächtnis ist leichter zu zerstören als verstreute Tontafeln, Pergament und Papier. (Stichwort: Wasserstoffbombe)
3. Das Netz ist manipulierbar.

19.3.19

Martin Lindner: "Die Bildung und das Netz" mit einigen aktuellen Anmerkungen

Mit dem Netz hat sich nicht nur der Zugang zu Bildung verändert, "sondern auch das Wissen selbst: Im Netz und mit dem Netz entstehen neuartige Wissensarchitekturen, weil die digitalisierten Bausteine ganz anders verknüpft und verarbeitet werden können. Die Fachleute sind jetzt nicht mehr entrückte Autoritäten, die sich in perfekt formulierten Publikationen äußern, sondern Menschen, denen man online quasi beim Denken zusehen kann. Und auch die Peer-Netzwerke sind von ganz anderer Qualität als früher.
Das bedeutet tatsächlich einen fundamentalen Bruch mit den Bedingungen, unter denen früher Bildung stattfand, auch wenn die sichtbaren Auswirkungen bislang noch gar nicht so dramatisch sind. [...]
Die Idee eines verpflichtenden Wissenskanons ist verloren. Die Autoritäten büßen viel von ihrer Richtlinienkompetenz ein. Die Kommunikationen verzetteln sich. Und je mehr man sich in Online-Netzwerken aufhält, desto weniger ist man auf den Zusammenschluss mit den Leuten angewiesen, die leibhaftig im selben Raum sind." (Martin Lindner: Die Bildung und das Netz, Kapitel 16: Eine sehr kurze Bildungsgeschichte - im Kindle irgendwo bei 34%.) 
[Wenn ich gleich zum Inhaltsverzeichnis gegangen wäre, um das genaue Kapitel, aus dem sie stammt, anzugeben, hätte ich es mir sehr erschwert, die genaue Stelle, wiederzufinden, von der ab ich weiterlesen wollte (eine Besonderheit elektronischer Bücher).] 

Meine Annäherung an Martin Lindners Text geschieht in diesem Blogartikel etwas ungewöhnlich. In anderen werde ich versuchen, Stellen, die mir wichtig erscheinen, weitestgehend unkommentiert vorzustellen. Dazu habe ich von ihm die Erlaubnis bekommen.

Hier eine kurze Andeutung, wie mich diese Textstelle aus dem Buch erreicht hat und wie sie wieder ins Netz gelangt ist:
Ich habe das Buch vor der Erstellung subskribiert (heißt heute: "per crowdfunding schwarmfinanziert"), bei einem ZUM-Treffen im Druckexemplar gelesen, den Verfasser bei passender Gelegenheit gebeten, es mir zur Verfügung zu stellen, es mir im azw3-Format aus dem Netz heruntergeladen, gerätselt, wie ich es in meinen Kindle hineinbekomme, in gutefrage.net angefragt, eine richtige Antwort bekommen (auch wenn der Antwortende das azw3-Format nicht kannte), aber mit der Antwort nichts anfangen können. (Was mein Problem war, schildere ich dort.) Schließlich habe ich es aber geschafft, es wenigstens in amazondrive unterzubringen. Meine Vorstellung: Wenn es bei amazon ist, ist es nicht mehr weit bis zum Kindle.

Im drive konnte ich es freilich wegen des Formats nicht lesen. Das wollte ich auch gar nicht, es sollte ja im Kindle sein. Hätte ich jetzt jemanden gehabt, der "leibhaftig im selben Raum" gewesen wäre, wäre ich über einen besseren Weg informiert worden. So habe ich einen hochqualifizierten Informatiker bemüht, der einen Kindlebesitzer, mit dem er "im selben Raum" war, befragt und darauf mir kluge Ratschläge gegeben hat.
Unfähig, die Ratschläge zu deuten, habe ich den Verfasser des Buches bemüht, ihm mein Problem aus meiner Sicht geschildert, was er, da er nicht "leibhaftig im selben Raum" war, nicht recht deuten konnte.
Genug, offenkundig habe ich den Text dann irgendwie im Kindle lesen können.
Sogleich habe ich dort meine Markierungen gesetzt, um es von dort wie üblich auf den Computer zu übertragen. Der aber erkannte nicht, dass das Buch wirklich im Kindle war, erkannte auch meine Markierungen nicht und konnte mir nicht den Text anzeigen. 
Alles kein Problem. Ich lese die markierte Stelle meinem iphone vor, das konfiguriert die Mail, die mein Computer empfängt. Die kopiere ich in diesen Blogartikel, korrigiere die Verständnisfehler der Spracherkennung und schon steht Martin Lindners Textpassage im Netz. Freilich nur, wenn ich sie rechtzeitig gespeichert habe. 
Wie oft war diese Textpassage auf dem Weg vom Verfasser zu mir und von mir zum Blog und vom Blog zu Ihnen im Netz?

Ich stimme Martin Lindner durchaus zu, dass man die Gedankengänge eines Wissenschaftlers, der häufig twittert, gelegentlich bei ihrer Entstehung mitverfolgen kann. Und das weiß ich sehr zu schätzen. Zudem ist es über das Netz leichter möglich, sich auf einer Art Augenhöhe zu fühlen. [Beispiel: Twittergespräch über Wissenschaft - Ist hier erkennbar, wer Professor ist, wer Doktor, wer gar kein ausgewiesener Wissenschaftler?] 
Kurz gesagt, wir würden uns duzen, auch wenn wir nie zusammen "im selben Raum" gewesen wären. Aber von der Augenhöhe bleibt wenig übrig, wenn der eine sich im Netz nicht wie ein digital native, sondern wie ein Wissenschaftler bewegt, der seine Arbeitstexte so routiniert aufspürt, wie er es zuvor in Seminar- und Universitätsbibliothek, über Fernleihe und im Archiv getan hat. 

Dennoch: Greta Thunberg kann mit großer Autorität von den Politikern fordern: "Ihr müsst mehr für die Abschwächung des Klimawandels tun!" und gleichzeitig auf die Frage, was geschehen soll, antworten: "Das weiß ich nicht". 
Denn ihr ist schon lange bekannt, dass Hunderte von Wissenschaftlern sich über wesentliche Schritte einig sind (vielleicht auch Tausende oder Millionen). Und in der Wikipedia findet sich (sogar in 133 Sprachen) zu Klimaschutz Grundlegendes zum Problem in einer für eine intelligente 16-Jährige durchaus verständlichen Sprache. Und die Qualifizierung als exzellenter Artikel bedeutet inzwischen, dass das Gebotene inzwischen höheren Ansprüchen genügt als früheres Lexikonwissen.*

Es gibt andere Hürden, aber dass Politiker deshalb, weil sie sich auf das Fachwissen ihres Ministeriums stützen können, sich über ihr Aufgabengebiet qualifizierter äußern könnten als Schüler, wird ihnen schon länger kaum noch abgenommen. 
Da brauchte es nicht Seehofer, der Migration als "Mutter aller Probleme" bezeichnete, als ob Klimawandel und Migration nichts miteinander zu tun hätten.
Und auch keines Scheuer, der als Verkehrsminister eine Geschwindigkeitsbeschränkung auf Autobahnen als "gegen jeden Menschenverstand" bezeichnete, obwohl die überwältigende Mehrheit der Länder Europas eine solche Beschränkung eingeführt hat. Und auch keines Trump. 

Und die Aussage von 2017 "je mehr man sich in Online-Netzwerken aufhält, desto weniger ist man auf den Zusammenschluss mit den Leuten angewiesen, die leibhaftig im selben Raum sind." ist nicht erst durch den Schülerstreik in rund 130 Ländern bewiesen, bei dem z.B. in einem Land nur 4 streikende Schüler waren, die aber die Nachricht von ihrem Streik international bekannt machen konnten. 

Da mag ich in den vorhergehenden Absätzen noch so oft betont haben, dass Anwesenheit "im selben Raum" für Verständigung oft zentral ist. 

* Ich persönlich halte übrigens den Bericht des Club of Rome von 2012 "2052 ..." für politisch noch informativer* und besonders zusammen mit Barack Obamas Satz: "Als Politiker kann ich Ihnen eines versichern: Politische Führer werden keine Risiken eingehen, solange die Menschen dies nicht von ihnen verlangen." (SZ, 5.10.13) Denn der bedeutet ja, dass das Wichtigste ist, dass Politiker eben nicht nur von Vertretern der Wirtschaft gesagt bekommen, was sie tun sollen. 

* Sehr eindrucksvoll dazu die 20 Ratschläge

Zur Fortsetzung meines Kommentars zur Lektüre des Buches (Entwurfsstadium)

18.3.19

Zwei Verzweifelte erwecken Hoffnungen

Der Norweger Jorgen Randers verzweifelte an der Lernfähigkeit Menschheit und ging trotzdem daran mit 36 Experten ein Zukunftsbild für 2052 zu erstellen - es kam 2012 heraus, das für uns Laien erschreckend ist, für ihn aber eine Erleichterung darstellte:
"Es erfüllt mich aufrichtig mit Freude, dass der Weltuntergang nicht zu meinen Lebzeiten passieren wird." (S.279) [Hervorhebung von Fontanefan]
Das Schlimmste werde erst nach 2030 passieren. Dabei wusste er, dass eigentlich noch 2012 eine Möglichkeit bestanden hätte, das Schlimmste dauerhaft abzuwenden.

Die Schwedin Greta Thunberg verzweifelte mit 11 Jahren und versuchte trotzdem mit allen Möglichkeiten eines Kindes, das Schlimmste für ihre Generation zu verhindern. Über vier Jahre lang kämpfte sie ohne Hoffnung. Das sagte sie noch Ende 2018.
Die weltweiten Schülerstreiks vom 15. März 2019 haben vielleicht aber doch einen Funken Hoffnung in ihr erweckt. Jedenfalls kämpft sie noch unermüdlich weiter.

Jorgen Randers hat nicht daran geglaubt, dass ein weltweites Umdenken der Politiker im Laufe der nächsten Jahre möglich wäre. Doch das wäre für das Gelingen seines Vorschlags erforderlich. Ob Gretas Erfolg auch ihm Hoffnungen macht?

Bei mir hat er die Hoffnung erweckt, dass ein weltweiter Bewusstseinswandel entsteht und dass ich nicht mehr erleben werde, dass die kommenden Generationen ihre Hoffnungen aufgeben müssen.

Literatur zum Thema:

Naomi Klein: Die Entscheidung: Kapitalismus vs. Klima
S. Fischer Verlag, Frankfurt/Main 2015 ISBN 9783100022318
Joachim Radkau: Die Ära der Ökologie. Eine Weltgeschichte, München 2011

Martin Jänicke / Philip Kunig / Michael Stitzel: Lern- und Arbeitsbuch Umweltpolitik. Politik, Recht und Management des Umweltschutzes in Staat und Unternehmen (Rezension)

1999; 432 S.; brosch., 29,80 DM; ISBN 3-8012-0283-6





11.3.19

Eine Rede, die ich nicht halten werde

Liebe streikenden Schülerinnen und Schüler,

ich bin euch dankbar, weil ihr mich aus meiner Resignation herausgerissen habt.
Nicht nur Greta, sondern ihr alle geht auf dem Weg voran, den allein zu gehen ich mich nicht getraut habe. Danke!

Freilich, ich bedaure euch auch. Ihr müsst damit fertig werden, dass die Umweltbewegung, die vor knapp 60 Jahren entstand, nur so wenig erreicht hat. Zwar nahmen 1972 an der erste  Weltumweltkonferenz in Stockholm bereits 113 Staaten teil, aber es dauerte 20 Jahre, bis es zur zweiten kam (1992 in Rio) und als endlich 2015 in Weltklimakonferenz in Paris relativ konkrete Beschlüsse gefasst wurden, sprangen die USA gleich und Deutschland - nur scheinbar ein Vorreiter in der Umweltbewegung - wenig später ab.
Was euch erwartet, weil die Generationen vor euch nicht genügend voran kamen, ist besorgniserregend. Jørgen Randers, der sich intensiv mit den Zukunftsaussichten für 2052 befasst hat, gibt deswegen heutigen Eltern den Rat: "Erziehen Sie ihre Kinder nicht zu Naturliebhabern." Denn wenn Sie das täten, erhöhten Sie "dadurch die Chance, dass Ihr Kind unglücklich wird". 
2052 werden nämlich nur noch wenige mit der Natur in Berührung kommen können. 

Aber ich sehe auch die neuen Chancen, die euer Weg euch eröffnet:
Je stärker sich die Klimaerwärmung bemerkbar macht, desto deutlicher wird nämlich, dass diese Entwicklung die ganze Erde betrifft und dass es daraus kein Entkommen gibt. Insofern hat eure Generation die Chance zu lernen, dass es ein gemeinsames Interesse eurer Generation ist, die Auswirkungen der Erwärmung so gering wie möglich zu halten. Und zwar habt ihr die Chance, das zu tun, bevor ihr davor resigniert. 
Natürlich gab es immer wieder Anläufe, weltweit ein lebenswerteres Leben zu gestalten, die gescheitert sind. Aber gerade in den letzten Jahrzehnten gab es Entwicklungen, die Anlass zur Hoffnung geben*
Die Blockbildung in Ost und West ist zusammengebrochen, auch ohne dass es darüber eine weltweite Verständigung gab. Einseitige Schritte haben in Umkehrung der Domino-Theorie immer mehr Staaten Freiheit gebracht. 
In Deutschland haben wir erlebt, dass ein Kanzler der CDU, die energisch die Annäherung an den Osten bekämpft hatte, diese Annäherung bis zur Deutschen Einigung vorantrieb. 
Die Fehlleistung eines Politikers führte zum glücklichen Fall der Mauer.
Wer sagt denn, dass heutige oder zukünftige Politiker keine Fehler mehr machen, die gute Folgen haben können?!
Durch die Digitalisierung sind internationale Kontakte ungeheuer erleichtert. Gute Ideen können sich schneller verbreiten als je. Greta Thunberg beileibe nicht die einzige Jugendliche, die einen mutigen Plan gefasst und verwirklicht hat. 

Und deshalb brauch ich diese Rede nicht zu halten.
Die heutige Jugendgeneration kann selbst ihre Interessen artikulieren. 
Und sie wird kein Blatt vor den Mund nehmen.
Tweet von Greta

* Entwicklungen mit Anlass zur Hoffnung 

23.2.19

Die Schülerstreiks sind ein Glücksfall


Schon jetzt wird an vielen Schulen über die Schülerstreiks diskutiert. Ich möchte eine Blogparade anregen, in der verschiedene Aspekte der Streiks behandelt werden.

Meine These:
Die Schülerstreiks sind ein Widersinn und ein unerhörter Glücksfall.

Ein Widersinn sind sie, insofern sich die Schüler dabei selbst schädigen und Zeit, die sie mit der Beschäftigung mit dem Klimawandel verbringen könnten, auf der Straße stehen und die meisten Erwachsenen sich schon längst eine Meinung über den Klimawandel gebildet haben und die Regierungen nicht erkennen lassen, dass die Streiks sie beeindrucken. 

Diese Einschätzung ist verständlich, aber sie verkennt die Situation, in der wir heute stehen.

1962 hat R. Carson das Insektensterben von 2018 vorausgesagt. Viele haben ihr geglaubt, das Buch wurde ein Bestseller. Nach und nach entstand eine weltweite Umweltbewegung.
Es dauerte 30 Jahre bis es zur ersten 1992 in Rio de Janeiro  zur ersten Weltumweltkonferenz kam, wo bereits ein weltweite Übereinkunft beschlossen wurde, "die globale Erwärmung zu verlangsamen sowie ihre Folgen zu mildern" (Wikipedia).
Weitere 23 Jahre dauerte es, bis 2015 in Paris auf der 21.Weltklimakonferenz eine Einigung zwischen großen und kleinen Staaten zustande kam, die relativ konkrete Ziele formulierte, wie die Klimaerwärmung auf 1,5 bis 2 Grad beschränkt werden könnte.
Doch bereits drei Jahre darauf sind viele Staaten - unter anderen die USA und Deutschland - von diesen Zielen abgerückt.
Das geschah, obwohl es inzwischen Millionen von Klimaaktivisten gibt und eine überwältigende Mehrheit der halbwegs Informierten begriffen hat, dass der Klimawandel gegenwärtig die größte Herausforderung an die Menschheit ist.
In dieser Situation sind die meisten Klimaaktivisten resigniert. Sie kämpfen mit allem Elan an ihren wichtigen Einzelprojekten; aber sie sehen keine Chance, wie die Menschheit trotz aller Widerstände rechtzeitig gemeinsam handelt.
Da kommt die damals 15-jährige schwedische Schülerin Greta auf einen Gedanken, was sie als Einzelne tun kann, wo Millionen von Erwachsenen resigniert sind.
Sie macht sich keine Hoffnungen, dass sie damit Erfolg hat. Aber sie sieht, dass sie eine kleine Chance hat eine breite Öffentlichkeit darauf aufmerksam zu machen, was die heutige Erwachsenengeneration ihren Nachkommen angetan hat. Und nach monatelangem "widersinnigen" Schulstreik wird sie zu einer Weltkonferenz nach der anderen eingeladen und fährt mit der Eisenbahn dorthin, ohne dass zusätzliches CO² entsteht, das nicht auch ohne ihre Fahrt entstanden wäre.
Zum ersten Glücksfall (Greta) kommt ein zweiter. Weltweit greifen Schüler ihre Botschaft auf und konfrontieren die Generation der Erwachsenen damit, was sie den folgenden Generationen hinterlässt.
An dieser Stelle entsteht bei vielen, die schon seit Jahren und Jahrzehnten resigniert sind, eine Hoffnung. Das scheinbar Widersinnige hat seinen Sinn. 

Liste der bisherigen und der geplanten Schulstreiks

18.2.19

Wozu noch unterrichten? - Wozu lernen?

Jochen Englisch stellt sich die Frage und argumentiert wie folgt:

"Das schriftliche bayerische Abitur ist inzwischen derart läppisch, das kann ein durchschnittlicher 10.-Klässler nach spätestens vier Wochen. Die meisten meiner 10.-Klässler kommen beim Hörverstehen genauso auf ihre ca. 16 Punkte (von 20) wie meine Abiturienten. Angesichts der absurd langen Zeit und der Tatsache, dass sie ein zweisprachiges Lexikon verwenden dürfen, verstehen auch mittelmäßige Schüler zumindest den Sachtext weitgehend problemlos (Hintergrundwissen brauchen sie ja eh nicht). Und man benötigt nun wirklich keinen großen Wortschatz um in lächerlichen 250 Wörtern darüber zu schreiben, ob Zoos (2016/II, 1.) bzw. der Muttertag (2014/I, 1.) abgeschafft werden sollten. Der größten Dumpfbacke habe ich nach spätestens zwei Wochen beigebracht, dass der Aufsatz eine kurze Einleitung, einen erkennbaren Hauptteil und einen kurzen Schluss haben muss. Und die Mediation ist eh so wischiwaschi, das können 10.-Klässler (wieder mit Hilfe des zweisprachigen Lexikons) auch schon längst." (Wozu eigentlich noch unterrichten? 26.1.19)

Darauf kommt er zu folgendem Ergebnis: 

"Als ich vor mehr als 30 Jahren angefangen habe zu unterrichten, war Englisch ein tolles, anspruchsvolles, „gymnasiales“ Fach. Mit der Einführung des G8 begann ein für unmöglich gehaltener Niedergang. Der Tiefpunkt ist noch gar nicht erreicht, aber schon jetzt ist es ein Deppenfach, in dem – koste es was es wolle – nur noch gute Noten/Punkte produziert werden sollen. Unterricht bzw. Lehren im traditionellen Sinne findet nicht mehr statt."  (Wozu eigentlich noch unterrichten?)

Er formuliert überspitzt. 
Wie viel davon ist überzeugend? Gilt das nur für Englisch oder auch für andere Fächer?

3.2.19

Muhammad Yunus: Ein anderer Kapitalismus ist machbar

Muhammad YunusEin anderer Kapitalismus ist machbar

Yunus hat mit der Einrichtung der Grameen-Bank, die Mikrokredite an arme Frauen gegeben hat, nachgewiesen, dass sie über diese Kredite Selbstversorger werden und sogar so viel verdienen können, dass sie diese Kredite wieder zurückzahlen (Quote über 95%). In diesem Buch stellt dar, wie es gelungen ist, in Entwicklungs- und Industrieländern Non-Profit-Unternehmen (Social-Buisiness-Unternehmen) zur Beseitigung wirtschaftlicher und sozialer Probleme der Armen zu schaffen, die ihrerseits nicht nur die ihnen gewährten Kredite zurückzahlen können, sondern zur Entwicklung weiterer Social-Buisiness-Unternehmen beitragen.


In Frankreich ist es dank des Engagements von Emmanuel Faber gelungen, den Action Tank Entreprise et Pauvreté ins Leben zu rufen, der viele Non-Profit-Unternehmen startete, die für Arme preisgünstige Autoreparaturen und Gleitsichtbrillen für 30 € bereitstellen. (S.68-72)

Yunus geht davon aus, dass "die Grundvoraussetzung überall dieselbe ist: Alle Menschen sind geborene Unternehmer." (S.92)

Zum Glück hat er sich seine optimistische Vorstellung lange bewahren können. 
Frauen, die für Kinder zu sorgen haben, und in Solidarität mit anderen Frauen Selbstversorgung und kleine Geschäfte aufbauen können in einem Land, "das bis vor vierzig Jahren fast ausschließlich ein Land von Kleinbauern war" (S.102) wird es nicht an Motivation* fehlen. So wird "das Engagement von Millionen von Frauen der Produktivität einen gewaltigen Schub geben" (S.103), wenn es durch geschickte Aufbaustrategien in die richtigen Bahnen gelenkt wird.
Angesichts einer Gesetzgebung, die Internetkonzernen Milliardengewinne zu einem Steuersatz einstreichen lässt, der unter dem von Postboten und Altenpflegerinnen liegt, bedarf es freilich hervorragender Geschäftskonzepte und sehr viel Durchhaltewillens, wenn "nach und nach neue Reichtumszentren entstehen" (S.102) sollen, die nicht bei Erfolg von den Monopolisten, die mit überschüssigen Milliardenbeträgen erfolgreiche Unternehmen aufgekauft oder aus dem Markt gedrängt werden.

*Entsprechendes gilt für Frauen in New York, "von denen viele Migrantinnen ohne US-Papiere sind" (S.96) und deshalb praktisch ohne Chancen auf dem Arbeitsmarkt sind. 

Zum Glück kann sich Yunus immer wieder auch bestätigt sehen. Und recht hat er, wenn er "ein definiertes Minimalniveau von Arbeitslosigkeit von vielleicht  4 oder 5 Prozent" eben nicht als "Vollbeschäftigung" anerkennt, wenn es "ein paar Millionen Menschen" von jeder Arbeitsmöglichkeit  ausschließt. (S.101)

So ist herauszustellen, was er unter diesen Bedingungen dennoch erreicht hat und wie es ihm gelungen ist.

Dazu zählen z.B. die Social Buisiness-Design Labs (S.84) (Beispiel), die von 2013 bis April 2017 zu 16 000 neuen Unternehmen führten, freilich nicht als Non-Profit-Unternehmen geführt werden, sondern "dazu konzipiert sind, ihren Besitzern Gewinne einzubringen" (S.85).
"Normalerweise nehmen etwa 150 Menschen an jedem öffentlich veranstalteten Design Lab teil, und weitere in mehr als dreißig Ländern nehmen an der Sitzung via Internet-Livestream teil." (S.87)

Was Anlass zur Hoffnung gibt:
Die 2000 für 2015 beschlossenen Millenniums-Entwicklungsziele wurden von manchen Ländern, z.B. vom extrem armen Bangladesch zum Teil sogar vorzeitig erreicht:
    "Das nationale Ziel Bangladeschs war, bis 2015 die Armutsrate auf 29 % zu senken. Zwei Jahre vorher, also 2013, war die Armutsrate schon auf 26,2 % gesunken, also fast 3 Prozentpunkte besser als das Ziel. Bangladesch hat auch die volle Gleichstellung der Geschlechter in der Primar- und Sekundarschulbildung erreicht, eine große Senkung der Säuglings-und Kindersterblichkeit sowie eine bedeutende Verbesserung in der Gesundheitsversorgung der Mütter. Insgesamt gesehen hat Bangladesch bedeutende Fortschritte bei allen acht Millenniumsziele gemacht." (S.132/33)
  • Die Welt hat es geschafft, die Zahl der Menschen, die in extremer Armut leben [...] um die Hälfte zu reduzieren, nämlich von 1,9 Milliarden Menschen im Jahr 1990 auf 836 Millionen im Jahr 2015.
  • Das Ziel der universellen Primarbildung wurde zwar nicht erreicht, aber 2015 erreichte die Einschulungsquote in den Entwicklungsländern 91 Prozent – eine große Verbesserung und ein riesiger Schritt in Richtung auf das Ziel von 100 Prozent Schulbesuch
  • Viele Maßnahmen zur Geschlechtergleichstellung wurden erfolgreich umgesetzt. Während zum Beispiel 1990 in Südasien auf 100 in einer Schule eingeschriebene Jungen nur 74 Mädchen kamen, lag das Verhältnis 2015 bei 103 Mädchen pro 100 Jungen [...]
  • Die Kindersterblichkeit halbierte sich von 90 pro 1000 im Jahr 1990 auf 43 pro 1000 im Jahr 2015.
  • Die Zahl der HIV-Neuinfektionen sank zwischen 2000 und 2013 um etwa 40 Prozent, und die Malaria fälle sanken um etwa 37 Prozent, was eine Rettung von geschätzt etwa 6,2 Millionen Menschenleben bedeutet. [...]
    Wie die eindrucksvollen Ergebnisse bei der Umsetzung der Milleniumsziele zeigen, kann die menschliche Gesellschaft jedes beliebige Ziel erreichen, wenn wir es nur ernsthaft wollen." (S.133-134)

17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen (S.139-140)


Ein Problem bei der Nachhaltigkeit ist, dass etwa 30 % der produzierten Lebensmittel  "unverzehrt in den Abfall wandern" (S.150) Die Ursache ist unser Wirtschaftssystem. "Es besagt, dass jedes Produkt, dass es nicht zu einem Preis verkauft werden kann, der mindestens einen bestimmten Durchschnittsgewinn bringt, weggeworfen oder vernichtet werden muss." (S.150)
Dieses Problem geht das Social Business Bon et Bien an.
Die Gründungsfirma von Bon et Bien, "McCain arbeitet mit einigen seiner tausend regionalen Anbauer zusammen, um frisches, aber hässliches Gemüse aufzukaufen. Dann wird das Gemüse – zum Beispiel Kartoffeln, Möhren, Chicorée und Zwiebeln – nach Rezepten einheimischer Küchenchefs zu Suppen verarbeitet. Das hässliche Gemüse einfach in Stücke zu schneiden beseitigt schon die wichtigste Barriere zwischen den Konsumenten und diesen köstlichen nährstoffreiche Nahrungsmitteln [...]. In der Lebensmittelverarbeitung von Bon et Bien arbeiten Langzeitarbeitslose, die wieder in den Arbeitsmarkt einsteigen wollen.


Jugend eine Kraft zur Veränderung der Welt (S.156 ff.)
[dazu sieh auch: Jugendliche Vorbilder]

Yunus weist auf Folgendes hin: Die "jungen Leute von  heute [...] suchen nach Möglichkeiten, sich in der Welt nützlich zu machen[...] Es sind diese jungen Leute, die die Welt anführen werden bei der Schaffung der neuen Zivilisation, die wir so dringend brauchen. Sie arbeiten schon hart daran und suchen Ideen und einer Aktionsagenda. Wenn sie erst einmal wissen, was sie wollen, können sie es viel leichter erreichen, als es vor dreißig Jahren möglich gewesen wäre." (S.158/59)
 Erfreulicherweise informieren schon viele Universitäten über Social Business. Man müsse aber auch schon Schüler mit dieser Idee vertraut machen. Denn: "Ob das Social Business-Konzept einen festen Platz in der Wirtschaft erobern kann [...] hängt von den jungen Menschen an den Universitäten und von den Universitäten selbst ab. [...] Im Juni 2016 halfen Experten des Grameen Creative Lab beim Aufbau eines Bildungsprogramms, das mehr als zehntausend Schüler an europäischen weiterführenden Schulen erreichte." (S.165/66). Dabei wurden viele Ideen für Social Business entwickelt. "Und noch eindrucksvoller ist, dass 97 Prozent der teilnehmenden Schüler sagten, dass sie hoffen selbst einmal ein Social Business zu starten. "(Seite 166)
"Wir brauchen in aller Welt viel mehr Programme wie diese Workshops und müssen auch mit noch jüngeren Schülern zu arbeiten beginnen. Ein tieferes Verständnis der Ökonomie muss Kindern von klein auf nahegebracht werden – ein Verständnis dass sowohl die selbstlose Seite der menschlichen Natur als auch die egoistische Seite akzeptiert" (S.167) 

Es entsteht ein globales "Netzwerk der Social Business-Unternehmer. Daran arbeitet unter anderen die internationale Organisation Yunus&Youth (Y&Y). 
"Sein Hauptzweck ist, engagierten und ambitionierten jungen Social Business-Unternehmern die Orientierung und Unterstützung zu geben, die sie brauchen um ihre Träume Wirklichkeit werden zu lassen." (S.169)
Junge Menschen [...] durchlaufen ein einzigartiges Curriculum, das ihnen die Startup-Prinzipien vermittelt und beim Aufbau von erfolgreichen Social Business-Unternehmen hilft, die nachhaltig und strategisch solide sind.
Ein halbes Jahr lang nehmen die  (Y&Y)-Mitglieder alle zwei Wochen an Webinaren teil, die von Unternehmensexperten gegeben werden, treten in Verbindung mit einem globalen Netzwerk von beruflichen Mentoren und Menschen, die Veränderung schaffen, und erhalten wichtige Sachinformationen und individuelle Unterstützung durch das  (Y&Y)-Team." (S.170)


Technologie zur Befreiung von Menschen statt zur Gewinnmaximierung verwenden (S.184 ff.)
Heutige Entwickler produzieren vornehmlich Technologie für die Reichsten, weil die für Innovationen die höchsten Preise zahlen. Erst wenn diese Märkte gesättigt sind, geht es an die weniger einkommensstarken Schichten.
Die Grameen Bank hat über die Firma Grameen Phone Handys für Frauen auf dem Lande entwickelt und über Krediten finanziert, damit die für ihr ganzes Dorf Telefonverbindung schaffen konnten und damit einen Verdienst erzielen. "Fast eine halbe Million armer Frauen in Bangldesch erzielte als Telefonfräuleins ein zusätzliches Einkommen für ihre Familien." (S.186)
Neue Technologien sollten für die Problembewältigung der Armen entwickelt und erst danach an die Bedürfnisse der Reichen angepasst werden. (S.188)

Die Computerfirma Endless von Matt Dalio hat es so gemacht. Sein Computer wurde so entworfen, dass er Normalbedürfnisse ohne Internetanbindung erfüllen kann. Er braucht nur alle paar Wochen oder Monate - je nach Bedarf aktualisiert zu werden.
"Ein typisches Endless-Modell funktioniert mit dem Open-Source-Betriebssystem Linux und wird mit 50.000 Wikipediaartikeln und mehr als 100 Apps für Bildung, Arbeit und Unterhaltung geliefert. Die so mitgelieferten Daten können offline benutzt werden und aktualisieren sich, sobald eine Internetverbindung besteht. Ein weiterer Vorteil ist, dass Kinder an Endless-Computern Zugang zu fast allen der enormen Informationsressourcen des World Wide Web haben, aber ohne die Gefahren eines unkontrollierten oder ungesteuerten Internetgebrauchs. Eltern sind darüber sehr erleichtert, weil sie keine Sorgen haben müssen, wie ihre Kinder den Internetzugang gebrauchen.
Aber das beste ist der Preis: Computer von Endless werden für nur 79 US-Dollar verkauft, und das Ziel ist den Preis auf 50 US-Dollar oder weniger zu reduzieren. Aber auch der derzeitige Preis macht sie erschwinglich für viele der 4,4 Milliarden Menschen der Welt, die sich früher ein solches Gerät nicht leisten konnten. [...]
Endless wird schon von vier der fünf größten Computerhersteller in alle Welt geliefert und ist zur führenden PC-Plattform in Indonesien und den meisten Ländern Südostasiens geworden." (S.191/92)



Multiplikatormacht der IT

Kiva ein Pionier des Crowdfunding (S.195f.)

MakeSense "betreibt eine digitale Open-Souruce-Plattform im Stil von Wikipedia, wo Tausende Menschen in aller Welt auf kreative und produktive Weise frei miteinander inter agieren können.[...] Die Makesense-Plattform unterstützt das Wachstum, die Entwicklung und die Verbreitung des Social Business. [...] genau wie Kiva ist auch Makesense ein beeindruckendes Beispiel für die Multiplikatormacht der IKT. Wenn ein Social Business-Unternehmer dort eine Frage postet, hat er oder sie sofort Zugang zu einem weltweiten Netzwerk von Beratern [...] und was noch wichtiger ist alle sind begeisterte Unterstützer des Social Business-Konzepts" (S.197-99)

"Food Assembly begann 2014 in Großbritannien." (S.200)*

*Allerdings wurde The Food Assembly bereits 2010/11 in Frankreich unter dem Namen "La Ruche qui dit Oui!" gegründet. Im deutschen Sprachraum trat es zuerst in Basel auf, ab Febuar 2017 unter dem Namen Marktschwärmer. "Insgesamt gibt es in Europa 1042 örtliche Verteilungspunkte. In Deutschland bestehen 40 Schwärmereien in neun Bundesländern." (Wikipedia: Marktschwärmer) 

Gute Beispiele für die Nutzung von Technologie für die Bekämpfung der Probleme der Armen sieht Yunus bei ACRE (S.203-207), bei der App Mrittika, "die Bauern in entlegenen Dörfern Bangladeschs mit den neuesten und genauesten Daten zu Bodenqualität, Pflanzennährstoffen und Bedarf an Düngemitteln versorgt [...] So können Bauern die genau passenden Düngemittel kaufen und nicht mehr als sie – das spart Geld, verbessert Ernteerträge und schützt den Boden, der leicht durch den übermäßigen oder unsachgemäßen Einsatz von Chemieprodukten gefährdet wird. (S.207/208)

Außerdem Coel, ein hübsches Armband aus widerstandsfähigem Plastik von Spitzenqualität, das Informationen für werdende Mütter bietet. Das Konzept ist äußerst clever: es funktioniert zehn Monate lang, also während der gesamten Schwangerschaft, ohne Akkuaufladung und ohne Internetzugang, kann alle einheimischen Sprachen, die eine Frau spricht, und lässt ein LED-Signal aufleuchten, wenn eine neue Nachricht reinkommt. [...] Es gibt ungefähr 80 Gesundheitsnachrichten, und pro Woche werden etwa zwei von ihnen gesendet. [...] Das Armband ist auch dazu konzipiert, die Qualität der Luft zu überwachen, die seine Trägerin einatmet. Insbesondere kann es die Luftverschmutzung in Innenräumen anzeigen, besonders Kohlenmonoxid, dass oft beim Kochen mit Brennstoffen wie Holz, Kohle oder Dung entsteht." (S.209/210)
Doctor in a Box: "Es handelt es sich um eine tragbare Sammlung von Diagnostikinstrumenten, zusammen mit einem Display und einem Kommunikationsinterface, das ein Arzt, eine Krankenschwester oder eine geschulte Gesundheitsassistentin bei Besuchen in einem Dorf oder im Haus eines Patienten benutzen kann." (S.210)

Yunus weist auf die entscheidende Bedeutung von guten Regierungen und freien Wahlen (S.212 ff.) als Voraussetzung für solche Regierungen hin. (S.212-217) Auch wenn klar ist, dass hier Manipulationen extrem schwer zu verhindern ist, hofft er doch auf eine Verbesserung durch mehr Einsatz von künstlicher Intelligenz und Fernüberwachung, da dabei Parteilichkeit und Gewalt vor Ort eine geringere Rolle spielen. 
Optimistisch stimmen Yunus die Erfolge von Transparency International (TI) auf dem Gebiet des anderen entscheidenden Sektor, der Korruption. Da der Korruptionsindex von TI einen internationalen Vergleich erlaubt, setzt er seine Hoffnung auf eine Art Pendant als Wahlindex. Dabei glaubt er auf absehbare Zeit nicht auf eine Beseitigung von Wahlmanipulation und Korruption, aber erhofft sich, dass sie weniger selbstverständlich werden und so die Zivilgesellschaft zu einer Kontrolle ermutigt wird. 
Wenn Regierung verbessert und Korruption verringert wird, ist auch eine größere Chance für Verbesserung der Infrastruktur (S.223) und Umweltschutz.(S.233)


Finanzielle Dienstleistungen

Die Geschichte der Grameen-Bank illustriert sehr lebendig die Auswirkungen, wenn finanzielle Dienstleistungen allen zugänglich gemacht werden "besonders armen Frauen, die niemals auf dem Radar von traditionellen gewinnmaximierten Banken erschienen sind. [...] Die Statuten der Grameen-Bank wurden geändert, um aus ihr eine Regierungsbank zu machen und so wurde den Kreditnehmerbesitzerinnen die Kontrolle genommen. [...] Was da mit der Grameen-Bank geschieht, bedeutet einen großen Rückschritt für die ganze Welt. Angesichts der Geschichte von regierungsgeführten Banken in Bangladesch kann man leicht vorhersehen, dass die Grameen-Bank jetzt einer Katastrophe entgegengeht. Es ist herzzerreißend, wenn eine Institution, die Geschichte gemacht und einen Nobelpreis erhalten hat, die Konzept und Praxis von Bankgeschäften für die Armen geschaffen und die ganze Welt zu einer neuen Dimension von Bankgeschäften inspiriert hat, wegen dieser drastischen Eingriffe in geltendes Recht zu einer Kehrtwende gezwungen wird. Die einzige Möglichkeit die Bank zu retten, ist die Rückgängigmachung der Veränderungen" (S. 231/32)


Notwendige Infrastruktur (S.242 ff.)

Der erste, wichtigste und vielleicht schwerste Schritt dazu ist die Transformation unseres Denkens, [...]
Dazu gehören Regierungen [...], die Infrastruktur aufbauen, junge Menschen bilden, die Umwelt schützen, die öffentliche Gesundheitsversorgung fördern und das Land gegen innere und äußere Feinde verteidigen. Und dazu gehört ein Finanzsystem, das solides Geld als ein zuverlässiges Tauschmittel bereitstellt, das grundlegende Bankgeschäfte, Versicherungen, Investitionen und andere Dienstleistungen allen Menschen zugänglich macht [...]." (S.242)

Wie Menschen in Rechtsberufen helfen können

Kurzfristig werden wir vielleicht nicht erwarten können, dass Regierungen ein völlig neues Gesetz über die Mikrofinanzierung verabschieden. Doch während wir tun, was wir können, um ein neues Gesetz möglich zu machen, könnten bestehende Gesetze über verschiedene Arten von Geldinstituten angepasst werden, um die Ausbreitung von Mikrokrediten besser zu fördern [...] Zum Beispiel vergibt die Reserve Bank of India, die indische Zentralbank, schon begrenzte Banklizenzen an erfolgreiche als Non-Profit- Organisationen geführte Mikrofinanzierungsinstitute [...] Aber ich bin empfehle den Behörden, die neuen Mikrofinanzierungsbanken genau zu überwachen, um sicherzustellen, dass sie ihren ursprünglichen Charakter nicht verlieren [...].
Im Allgemeinen wäre die beste Lösung jedoch, wenn die zuständigen Stellen in jedem Land neue Gesetze schaffen würden, die exklusiv für die Einrichtung von Mikrofinanzierungbanken für Menschen mit niedrigem Einkommen bestimmt sind. [...] " (S.251/52)

Freistellungen von Formalitäten für die Armen entwerfen

"[...] Natürlich dürfen solche Programme nicht wichtige Bestimmungen von Sicherheit und Umweltschutz umgehen.

Gesetze zu Wohlfahrt und Gesundheitsversorgung entwerfen, die individuelle Unabhängigkeit stärken.
"[...] Es sollte kreative Veränderungen geben, um Menschen zu helfen, Selbstachtung und Unabhängigkeit aufzubauen, in dem sie sich durch Einkommen schaffende Aktivitäten selbst versorgen. (S.252/53)

Es sollte für Social Business keine Steuerbefreiungen geben
"[...] Wenn solche Steuerbefreiungen erlaubt wären, befürchte ich, dass sie zu einer offenen Einladung zur Schaffung von Fake-Social Business führen und schließlich zu einer Situation führen könnten, in der das Fake-Social Business zahlreicher wäre als das echte. Steuerbeamte die entscheiden müssen, welche Unternehmen ein Social Business sind, werden im Endeeffekt eine willkürliche Macht haben, die der Korruption Tür und Tor öffnet.
[...] Social Business-Unternehmen basieren auf der Selbstlosigkeit der Menschen. Lassen wir sie von dieser Selbstlosigkeit angetrieben werden, ohne Förderung durch Steuerbefreiungen." (S.254/55)

Woher soll das Geld kommen?

"Es herrscht keine Geldknappheit. Die Menschen schwimmen in Strömen von Geld. Nur die Armen bekommen keinen Tropfen davon ab." (S.257)
[...] Es ist nicht schwer zu entdecken, woher die Mittel für diese Bemühungen kommen können. Hier nur ein Beispiel von vielen: Wir kennen die Namen der acht Menschen, die mehr Reichtum besitzen als die untere Hälfte der Weltbevölkerung zusammen, und wissen auch, wie groß der Reichtum von jedem Einzelnen ist. Wenn diese hyperreichen Zeitgenossen bereit wären, die Hälfte ihres Reichtums zum Nutzen der Welt abzugeben, würde der Geldfluss sofort seine Richtung ändern. [...] Überraschenderweise ist das kein Problem. Wir brauchen sie nicht zu überreden. Sie haben schon beschlossen, es zu tun! Alle acht haben Givingg Pledge unterschrieben und sich so verpflichtet, nach ihrem Tod die Hälfte ihres Reichtums für wohltätige Zwecke zu geben. [...]
Die Existenz von Givingg Pledge und seine Beliebtheit unter den Reichsten dieser Welt ist ein gutes Zeichen. Jetzt müssen wir sie nur noch davon überzeugen, dass zumindest ein Teil dieses Geldes für das Social Business genutzt werden sollte." (S.257-59)
"Auch Entwicklungspolitik könnte auf diese Weise umgestaltet werden. Die Geberländer könnten in jedem Empfängerland ihre eigenen Social Business-Trusts oder Fonds gründen und mindestens die Hälfte ihrer Förderungsmittel in diese Trusts investieren." (S.260)
"Manche Menschen argumentieren, dass es die Aufgabe einer Regierung ist, Organisationen zum Wohl der Armen zu schaffen und dass dazu auch Mikrokreditbanken gehören, die ihnen finanzielle Dienstleistungen bieten. Ich lehne Letzteres ab. Ich wäre sehr vorsichtig beim Gebrauch von der Regierungsmitteln für ein Social Business, das Menschen mit niedrigem Einkommen Geld leiht. [...]

Für eine politische Instanz ist es extrem schwierig, Gelder zurückzuerhalten, die sie armen Menschen geliehen hat. Selbst wenn diese armen Menschen bereit und fähig sind, Rückzahlungen zu machen (was normalerweise der Fall ist) sind Rückzahlungsforderungen für eine Regierung oft politisch unverträglich. [...] Und außerdem bestehen Regierungen nun einmal aus Politikern und sind daher mehr an den Wählerstimmen seitens der Empfänger von Regierungsmitteln interessiert als an der Rückzahlung des Geldes. Die Disziplin zur Zurückzahlung eines Kredits oder einer Investitionen droht also verloren zu gehen, wenn seine Quelle ein Regierungsprogramm ist." (S. 260/61) 

Auffallend ist der Pragmatismus von Yunus' konkreten Handlungsempfehlungen.  Hier spricht offenbar nicht jemand, der primär Mut zu neuen Schritten machen will (wie bei seiner Aussage, jeder Mensch sei ein geborener Unternehmer), sondern der Praktiker, der schon manche desillusionierende Erfahrungen gemacht hat. 

Die Welt von morgen neu gestalten
Adam Smith hat vor "The Wealth of Nations"  (1776) das Buch "The Theory of Moral Sentiments" [Die Theorie der ethischen Gefühle] (1759) geschrieben.

"Smith war der Ansicht, dass die Menschen mit einem ethischen Sinn geboren werden, genau wie sie auch angeborene Vorstellungen von Schönheit und Harmonie besitzen. [...] Diese natürlichen Gefühle von Gewissen und Sympathie sorgen dafür, dass die Menschen in geordneten und nützlichen gesellschaftlichen Organisationen zusammenleben können und es auch tatsächlich tun. 
In seinem anderen großen Buch, Reichtum der Nationen, entfernte sich Smith völlig von dieser These zu den ethischen Gefühlen. Seine Grundthese in diesem Buch wird zusammengefasst in der Behauptung, dass alles gut wird wenn man den Menschen erlaubt ihrem "Eigeninteresse" zu folgen. Wir wissen nicht, was Smith wirklich unter dem Wort "Eigeninteresse" verstand, aber die Welt hat es auf jeden Fall als gleichbedeutend mit Gewinnmaximierung interpretiert. (S.275/76)
Jetzt steckt die Welt "in einer tiefen Krise. Wie Millionen andere Menschen glaube ich, dass der Kapitalismus die Wurzel dieser Krise ist. [...] Doch angesichts der gegenwärtigen Krise befürworten viele die Idee einer Generalüberholung dieses Systems.[...] Und obwohl mein Vorschlag eine erhebliche Veränderungen in der Struktur des Kapitalismus bedeutet, sehe ich keine andere Möglichkeit, als die fundamentalen Fehler innerhalb der bestehenden Struktur anzugehen. [...] Aus Adam Smith' "unsichtbarer Hand" ist eine stark voreingenommene Hand geworden, die die Marktaktivitäten zugunsten der Reichsten lenkt." (S.273/74)
"Wenn er seine beiden Bücher dazu genutzt hätte, theoretische Grundlagen für zwei verschiedene Arten von Unternehmen vorzuschlagen, wäre der Welt vielleicht die schwere Krise erspart worden, in der wir heute stecken." (S.276)
"Das Social Business ist ein wundervoller Weg, sich selbst zu entdecken und Neues auszuprobieren. Und das Beste ist: den ganzen gesellschaftlichen Nutzen zu sehen, den das Unternehmen geschaffen hat – Essen für hungrige Kinder, Unterkunft für wohnungslose Familien, Heilung für kranke Menschen –, verschafft eine ungeheuere innere Befriedigung, an die kein anderes kreatives Projekt herankommt." (S.280). 
"In einer Welt voller Katastrophenmeldungen können wir ein Feuerwerk der Hoffnung entfachen und zeigen, dass der unbezähmbare menschliche Geist sich nie der Frustration und die Verzweiflung beugen muss. [...] Lassen Sie uns heute damit beginnen." (S.280/81)

ergänzend:
Bregman: Kapitalismus zähmen Frankfurter Rundschau 9.2.19

Weltweite Kritik am Kapitalismus ZEIT 27.2.19

https://twitter.com/BillGates/status/1086662632587907072

Entwicklungspolitische Themen

31.1.19

Jugendliche Vorbilder

Der neunjährige Felix beschloss Bäume zu pflanzen gegen den Klimawandel, die Teenagerin Malala wagte es, in Pakistan unter den Augen der Taliban für Mädchenbildung einzutreten, der 15-jährige Xiuhtezcatl* machte sich vor den Vereinten Nationen zum Sprecher seiner Generation in Sachen Klimawandel, der 16-jährige Niederländer  Boyan entwickelte eine technische Lösung für das Einsammeln der Plastik  in den Weltmeeren, die 17-jährige Emma initiierte den "March for our Lives" für schärfere Waffengesetze,  der 24-jährige Max Schrems nahm allein den Kampf mit Facebook auf. (Mit 26 Jahren klagte er dann gegen das internationale Safe-Harbor-Abkommen und erreichte, dass der EuGH es 2015 aufhob.)

"Es sind diese jungen Leute, die die Welt anführen werden bei der Schaffung der neuen Zivilisation, die wir so dringend brauchen. Sie arbeiten schon hart daran und suchen Ideen und einer Aktionsagenda. Wenn sie erst einmal wissen, was sie wollen, können sie es viel leichter erreichen, als es vor dreißig Jahren möglich gewesen wäre." So schrieb Muhammad Xunus (seinerseits ein alter, freilich kein weißer Mann)  

Greta Thunberg weiß, was sie will. Seit Jahrzehnten ist bekannt, was gegen den menschengemachten Klimawandel getan werden muss: Kohlendioxidausstoß verringern, Energieverbrauch einschränken. 
Die Politiker der Welt wissen es, reden seit Jahrzehnten darüber und subventionieren "auf Teufel komm raus" Billigflieger, SUVs und andere Energieverschwender.  
Greta hat nicht gewartet, bis alle anderen mitgezogen sind. Sie hat ihren Protest allein angefangen, hat ihn durchgehalten, bis sie internationale Aufmerksamkeit gewonnen hat. 


Xunus schrieb weiter: 
"Die jungen Leute von heute verfügen über beachtliche Mittel für diese große Aufgabe. Sie haben eine bessere Bildung als je eine Generation vor ihnen, sie sind auf den unterschiedlichsten Ebenen global vernetzt dank der digitalen Kommunikation und der Informationstechnologie, die Menschen überall verbindet. Internationale Reisen, Studierendenaustauschprogramme, Praktika und Netzwerkkontakte durch soziale Medien haben vielen von ihnen geholfen, über alle Grenzen von Nationalität, Rasse und Religion hinweg Freundschaften zu schließen.
Die jungen Leute von heute haben nur eine undeutliche Vorstellung von der Welt, in der sie leben wollen. Aber Ihnen ist klar, dass weder die wissenschaftliche noch die politische Welt es geschafft hat, Ihnen eine Roadmap für die bessere Welt zu geben, die sie suchen, und ihn dann auch nicht die Werkzeuge an die Hand gegeben haben, die sie zur Gestaltung ihrer eigenen Roadmap brauchen." (Ein anderer Kapitalismus ist machbar, S.159)
Xunus wagte es, aufgrund (oder trotz?) seiner Lebenserfahrung zu schreiben:
"Alle Menschen sind geborene Unternehmer." (S.92)

Greta Thunberg teilt diesen Optimismus  nicht ("Hast du Hoffnung? Nein."), aber sie handelt. Ihre Mutter hat ihretwegen ihre Karriere unterbrochen (oder aufgegeben?), ihr Vater begleitet sie bei ihren tagelangen Bahnreisen (weil sie sich weigert, mit Flugreisen ihre Glaubwürdigkeit zu gefährden).
Ohne ein Umfeld, das sie bei der Entwicklung ihrer Vorstellungen unterstützt hat, hätte auch Greta nicht gehandelt. Ohne solch ein Umfeld hat auch Büchner nicht mit 20 Jahren den Hessischen Landboten geschrieben. Ohne ein Umfeld hätten auch Sophie Scholl nicht den Widerstand gewagt, für den sie mit 21 Jahren hingerichtet wurde. 

Zum Glück ist über die - nach ihrer Aussage schüchterne - Greta "nur" ein Shitstorm hereingebrochen. Noch wird sie nicht wie Edward Snowden und Julian Assange international verfolgt. (Und selbst Trump, der sich gewiss furchtbar über sie ärgert, wird sich wohl hüten, es zu versuchen.) Freilich, ein Shitstorm ist auch für Erwachsene kaum auszuhalten. (Es ist zu hoffen, dass ihr Umfeld sie so halbwegs davor bewahren kann. Sicher hat man sie davor gewarnt und sie ist wohl auch klug genug, sich ihm nicht ungeschützt auszusetzen.) 

Es gibt diese jugendlichen Vorbilder. Wir Erwachsenen sollten mithelfen, dass die Jugendlichen unserer Umgebung nicht nur die Influencer von Youtube kennen.*

Wenn wir feststellen, dass viele Jugendliche bei den Freitagsdemonstrationen mitlaufen, die den Freitagsunterricht dringend gebrauchen könnten, sollten wir bedenken. Ohne unbedarfte Anhänger konnte selbst der erfolgverwöhnte Milliardär Trump sein Ziel nicht erreichen. Wie sollte Greta die Weltöffentlichkeit wachrütteln, wenn sich nicht viele von ihr inspirieren lassen, auch ohne so uneigennützig zu sein wie sie. 
Und wenn man weiß, wer hinter den Schülerstreiks steht, weiß man auch, dass das keine Schulschwänzer sind, sondern Klimaaktivisten, die verhindern wollen, dass Greta letztlich erfolglos bleibt und zur Märtyrerin wird. 

* Hier die erste öffentliche Rede des 6-jährigen Xiuhtezcatl

*Der Unterschied dieser Vorbilder zu den auch recht jugendlichen Gründern von Microsoft, Google und Facebook ist, dass sich primär soziale Ziele* setzen, nicht technologische oder individuelle (z.B. Weltumseglerinnen) oder gar von Eltern aufgezwungene (wie manche Eislaufkinder).
*Sieh Social Business im Unterschied zu profitmaximierenden